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Für Viola! Masterclass-Konzerte des IMPULS-Festivals 2020

21.10.20 (Roland H. Dippel) -
Neben Kooperationen nach außen wie beim Konzert am letzten Mittwoch im Steintor-Varieté Halle mit der Festival Alliance of Contemporary Music in Europe (F.A.C.E.) betreibt das IMPULS-Festival 2020 auch interne Synergien. Erstmals wurden die seit einigen Jahren intensivierten Nachwuchsprogramme für Komponisten und Instrumentalsolisten zusammengeführt. Werke entstanden für Interpreten aus den Meisterklassen und wurden in gemeinsamen Probenprozessen entwickelt. Seit Mai arbeitete man im Composer-Workshop mit der Komponistin Annette Schlünz an Verfeinerungen der kreative Initialzündungen. Zu hören waren die Ergebnisse bei einem Schulkonzert in Magdeburg (15. Oktober), im Grassi-Museum Leipzig (16. Oktober) und im Bauhaus-Museum Dessau (18. Oktober).

Mit Hammerflügel: Mozart beim Festspiel der deutschen Sprache in Bad Lauchstädt

20.10.20 (Roland H. Dippel) -
Vom 29. September bis zum 17. Oktober 2020 gab es das Festspiel der deutschen Sprache im Goethe-Theater und den Historischen Kuranlagen Bad Lauchstädt in leicht verschlankter Form. Produktionen von Mozarts Singspielen „Die Entführung aus dem Serail“ und „Die Zauberflöte“ (Weimarer Fassung von 1794) gehören zum Angebot des von Edda Moser geleiteten Festspiels. Die Sprachambitionen sind im Schauspiel deutlich höher als im Musiktheater.

Todesvogel und Blubblub: „Kitesh“ an der Oper Halle

19.10.20 (Joachim Lange) -
Potenzielle Zuschauer sind gut beraten, die Ankündigung der Oper Halle für die jüngste Premiere genau zu lesen. Und für bare Münze zu nehmen. Es steht zwar „Kitesh“ oben drüber, was auf die selten gespielte Oper von Nikolai Rimski-Korsakov „Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija“ verweist. Aber es steht auch da: Uraufführung und Musiktheater von „Hauen und Stechen“ mit Musik von Alexander Chernyshkov und Nikolai Rimski-Korsakov.

Fülle von Emotionen: Jay Schwartz‘ „Narcissus & Echo“ mit der Freiburger Opera Factory

19.10.20 (Georg Rudiger) -
Eine Oper für Sologesang, Viola, Schlagzeug und E-Orgel. Das klingt eher nach Studentenworkshop als nach großer Bühne. „Kammeroper heißt nicht Öperchen“, hat Wolfgang Rihm einmal gesagt. Für Klaus Simon und seine Freiburger Opera Factory ist das Statement des Karlsruher Komponisten ein Leitspruch. Nun hat der umtriebige Dirigent mit Jay Schwartz‘ „Narcissus & Echo“ (2003/2009) ein nicht nur wegen der Kleinstbesetzung coronataugliches Werk entdeckt, das im Freiburger E-Werk eine berührende Premiere feierte.

In trostloser Welt – Olivier Messiaens Oper „Saint François d‘Assise“ in Basel

18.10.20 (Georg Rudiger) -
„In Basel gibt es keine Farben, keine Wunder, keine Vögel, keine Frömmigkeit und keinen Glauben. Benedikt von Peter hat die Geschichte vom Italien des 13. Jahrhunderts in eine düstere Zukunft verlegt,“ stellt Georg Rudiger in seiner Kritik der Basler Premiere fest.

Frauens-Wissens-Wollen Reloaded – Die turbulente Oscar Straus-Revue wieder an der Komischen Oper Berlin

18.10.20 (Peter P. Pachl) -
Unter Walter Felsensteins Ägide und darüber hinaus hatte die Komische Oper Berlin einen absoluten Dauerrenner mit Jacques Offenbachs Operette „Ritter Blaubart“. Der Versuch, mit einer Neuinszenierung durch Stefan Herheim an diesen Erfolg anzuknüpfen, ist gescheitert; aber ein anderer Coup aus der Ära Barrie Kosky hat sich zu einem neuen Dauerbrenner entwickelt: Oscar Straus‘ musikalische Komödie „Eine Frau, die weiß was sie will.“

Fünf starke Stücke: Ein neues Musiknetzwerk beim Impuls-Festival Sachsen-Anhalt

16.10.20 (Roland H. Dippel) -
Das beste Argument für die Zukunftssicherung eines Festivals der Neuen Musik ist die funktionierende, vernetzte und nach innen wie außen strahlende Gegenwart. Natürlich beteiligt sich das IMPULS-Festival Sachsen Anhalt an der Petition des Forum Musik Festivals zur Bewältigung der Krise und Zukunftssicherung in und post coronam. Bei dem Orte von Halberstadt bis Halle ansteuernden Flächen-Festival, dessen Meisterkursen für Komposition und Dirigieren, Konzerten mit Kulturorchestern des Landes und Sprüngen nach Berlin oder Leipzig kann man den Überblick verlieren. In den experimentierfreudigen und genreübergreifenden Programmen gab es früher manchmal auch lange Abende. Aber dieser erste IMPULS-Höhepunkt im Steintor-Varieté Halle hatte es in sich, weil Musik und Performativität über Theorien siegten: Drei deutsche Erst- und zwei Uraufführungen mit satten Farben und Sinnlichkeit!

Unübersehbar #23 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 16.10. bis zum 22.10.2020

15.10.20 (Dirk Wieschollek) -
Es wird langsam wieder eng für Festivals und andere größere Veranstaltungen. Unsere 23. Ausgabe mit Streaming-Tipps blickt deshalb ein wenig melancholisch voraus auf das, was zum Beispiel von den Donaueschinger Musiktagen oder der Frankfurter Buchmesse noch übrig ist. Gleichzeitig weisen wir auf Konzerte in Russland, Italien und Frankreich hin, die dank Internet trotz Reisebeschränkungen erreichbar sind. Die Musik – unsere Herbergsmutter.

Tolomeo mit nassen Füßen – ein überzeugender Händel in Lübeck

14.10.20 (Arndt Voß) -
Georg Friedrich Händels „Tolomeo“ ist eine seltsame Opernschöpfung. In Teilen des Sujets, nicht in der Musik, wirkt sie wie ein Gegenstück zu Johann Chr. Pepuschs „The Beggar‘s Opera“, die drei Monate vorher mit ihrem Sensationserfolg bekanntlich der Barockoper den Garaus brachte. Händels Existenz war bedroht, und er versuchte, dem etwas entgegenzuhalten. Seine Strategie war wohl, auf die Vorliebe der Londoner für italienische Gesangskunst zu setzen.

Ein einsamer Dialog – Francis Poulencs „La voix humaine“ am Theater Bremen

13.10.20 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wen würde die Verzweiflung einer verlassenen Frau und ihren Kampf um die Rückkehr ihres Geliebten heute noch über eine Stunde lang interessieren? Denn das ist der einzige Inhalt der 1959 uraufgeführten „Oper“ des französischen Komponisten Francis Poulenc, seinem letzten Bühnenwerk nach einem Text von Jean Cocteau.

Yoga statt Kini – Barfuß auf Matten in Füssen mit LaBrassBanda

12.10.20 (Ursula Gaisa) -
LaBrassBanda mit Uraufführung der Yoga Sinfonie Nr. 1 im Festspielhaus Füssen. Yoga und Blasmusik – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Für den meist barfüßigen Trompeter Stefan Dettl von der bayerischen Kultband LaBrassBanda nicht, für ihn ist es das Natürlichste der Welt: „Wenn wir auf der Bühne stehen, müssen wir ein gutes Körpergefühl haben, der Atem muss fließen, wir müssen eine Präsenz zeigen, und dann durchfließt uns die Energie – wie beim Yoga auch.“

Three Ladies und ein Mann: Die flotten Weiber von Halberstadt

11.10.20 (Roland H. Dippel) -
Spieloper ist heutzutage ein schwieriges Genre. Das Nordharzer Städtebundtheater revidiert bei der Premiere von Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ nach Shakespeares Komödie einige Vorurteile gegenüber der komisch-phantastischen Oper auf den Text Salomon Mosenthals für die Berliner Hofoper 1849. Dabei zeigt es kräftige Komödiantik und bietet eindrucksvoll passgenaue Besetzungen.

Mit Nebel- und Laserkanone – „Aus dem Hinterhalt: Macht der Künste“ an der Deutschen Oper Berlin

11.10.20 (Peter P. Pachl) -
Zuvörderst Chapeau für das Charlottenburger Opernhaus, das damit innerhalb von fünf Wochen seine vierte Premiere herausgebracht und auch numerisch damit die anderen beiden Berliner Opernhäuser überrundet hat. Nur selten berichtete die nmz bislang über jene Reihe „Aus dem Hinterhalt“, welche mit unterschiedlichem Erfolg die Opernpremieren in der Intendanz von Dietmar Schwarz begleitet, indem sie der Premiere zeitnah als künstlerischen Kommentar eine „Late Night Performance zur großen Oper“ folgen lässt. Dass für Wagners „Die Walküre“, die diesmal den Ansatzpunkt bildete, das Attribut „große Oper“ völlig unzutreffend ist, zumal Richard Wagner gerade mit seiner Form des musikalischen Dramas der Kunstform der „Grand Opéra“ den Kampf angesagt hatte, sei nur am Rande erwähnt.

Schwächelnde Träume von Glück – Münchens Gärtnerplatztheater mit „Eugen Onegin“

09.10.20 (Wolf-Dieter Peter) -
München hat eine Tradition mit speziellen Theaterformen: also so ein herrlich weites, edles Oval, in der zentralen Loge im Balkon ein paar Menschen, etliche weitere im weiten Rund – das waren die berühmten Separatvorstellungen für König Ludwig II. ab 1872. Ganz ähnlich wirkten jetzt die rund 300 Besucher der Premiere im Gärtnerplatztheater – eine kulturpolitische Absurdität im bis 2019 totalrenovierten Komplex mit der modernsten Lüftungsanlage alle Münchner Theater.

Lied-Programme beim Kunstfest Weimar und ein dramatischer Epilog des Schauspiel Leipzig

09.10.20 (Roland H. Dippel) -
Für Musikformate mit geringem Personalaufwand und geringen Publikumszahlen sei das Risiko größerer Menschenansammlungen förderlich, hieß in den ersten Wochen nach dem Lockdown. Trotzdem wurde die Gattung des Liedes nicht in dem Maße zum Corona-Trostpflaster, wie man zuerst dachte. Sicher kommt zwischen Beethovens schottischen, walisischen und irischen Liedern und Sandrine Piaus Anthologie französischer Mélodies mit Kammerensemble Bewegung in das Repertoire, auch durch Wiederentdeckungen wie das Schaffen des Spätromantikers Hans Sommer. Drei Möglichkeiten der Kunstlied-Präsentation beim Kunstfest Weimar und die Premiere „Winterreise / Winterreise“ von Wilhelm Müller & Franz Schubert / Elfriede Jelinek im Schauspielhaus Leipzig sind paradigmatisch für Liedkonzerte heute. Eine Betrachtung von Roland Dippel.

Unübersehbar #22 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 9.10. bis zum 15.10.2020

08.10.20 (Dirk Wieschollek) -
Alles Oper oder was? So sah es zunächst aus für unsere 22. Ausgabe von „unübersehbar“, bis die Kollegen Hufner und Wieschollek noch je einen Tipp zum Thema Jazz und zur Gegenwartsmusik aus dem Hut zauberten. Viel Freude damit und – auch wenn das hier ein knallhartes Geschäft ist – immer schön lächeln!

Intime Dialoge – Saisonstart des Freiburger Barockorchesters mit Isabelle Faust

08.10.20 (Georg Rudiger) -
„Wir sind wieder da“, ruft Hans-Georg Kaiser zu Beginn des Konzertes ins mit 488 Zuhörern besetzte, ausverkaufte Freiburger Konzerthaus unter dem Jubel des Publikums. Der Intendant des Freiburger Barockorchesters bittet die Konzertbesucher sich dafür einzusetzen, dass zukünftig mehr Publikum im rund 1750 Plätze umfassenden Rolf-Böhme-Saal zugelassen werde. Wenige Stunden zuvor hatten das Freiburger Barockorchester das gleiche Programm schon einmal gespielt.

Sprach-klang-welten – das Zafraan Ensemble im Radialsystem Berlin

07.10.20 (Konstantin Parnian) -
Unter dem Titel „Die 1910er: Hälse mit Kreuzen“ feierte das Zafraan Ensemble den Auftakt zur Zehnjahresjubiläums-Reihe „UA Berlin“, die durch das 20. Jahrhundert schreitet und vergangene Berliner Uraufführungen mit neu in Auftrag gegebenen verbindet. Mit Sopranistin Eva Resch als Gast standen auf dem Programm neben Schönbergs „Pierrot lunaire“, der einst 1912 im Berliner Choralionsaal uraufgeführt wurde, Werke von Hanns Eisler, Enno Poppe sowie eine Uraufführung von Florian Wessel.

Vom Reichtum neuer Klaviermusik – Recital Jan Gerdes bei der „Unerhörten Musik“ in Berlin

06.10.20 (Isabel Herzfeld) -
Auch die „Unerhörte Musik“ Berlin hat ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen. Jeden Dienstagabend ist also in den Räumen im fünften Stock der Berliner Kabarett-Anstalt (BKA) wieder das Neueste vom Neuen zu erleben, Berliner Provenienz mit internationalen Beimischungen. Und trotz Abstandsgebots und damit empfindlich reduzierten Plätzen herrscht nach wie vor die intime Clubatmosphäre, in der sich die Szene trifft; serviert wird am Tisch.

Luca Francesconis „Quartett“ als Saison-Eröffnungspremiere an der Berliner Staatsoper

05.10.20 (Peter P. Pachl) -
Heiner Müller, der wohl wichtigste deutsche Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der auch als Regisseur für Schauspiel und Musiktheater („Tristan und Isolde“ in Bayreuth) Marksteine gesetzt hat, ist mit seinem wohl meistgespielten Stück „Quartett“ nach Berlin zurückgekehrt – und diesmal an die Staatsoper, als Erstaufführung der deutschen Fassung der gleichnamigen Oper von Luca Francesconi aus dem Jahre 2011.

Medea.Reflexionen – Martin G. Berger inszeniert eine eigene Version von Georg Friedrich Händels „Teseo“ an der Oper in Halle

04.10.20 (Joachim Lange) -
Georg-Friedrich Händels fünfaktiger „Teseo“ könnte gut und gerne auch unter normalen Bedingungen „Medea“ heißen. Besonderes aber in der Version, die Regisseur Martin G. Berger (33) jetzt von der eigentlich geplanten Inszenierung für die gecancelten Händelfestspiele auf Coronabedingungen herunter gedimmt hat. Momentan mit in Halle erlaubten 160 Zuschauern und den hinein inszenierten Abständen auf der Bühne. Und mit einer Besetzung, bei der neben dem Dirigenten am Cembalo, neun Musiker des Händelfestspielorchesters, die durch zwei in den Ranglogen ergänzt werden, diesmal reichen müssen.

Waldesruh: „Karl, der Käfer“ trifft an der Deutschen Oper Berlin auf Morton Feldmans „Triadic Memories“

04.10.20 (Peter P. Pachl) -
Als ein „Dokumentarisches Musiktheater“ versteht sich die jüngste, von Michael Wilhelmi arrangierte, von Anna-Sophie Mahler inszenierte und Sophie Krayer aufwändig ausgestattete Produktion an der zweiten Spielstätte der Deutschen Oper Berlin – ein ungewöhnlicher Theaterabend mit Musik von Morton Feldman, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Schubert und Richard Strauss.

Monteverdis „L’Orfeo“, zeitgenössisch fortgeschrieben am Staatstheater Nürnberg

04.10.20 (Juan Martin Koch) -
Als erste Opernpremiere der neuen Saison hat Nürnbergs Staatsintendant Jens-Daniel Herzog als Regisseur Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ auf die Bühne gebracht. Die gekürzte und stellenweise stark modernisierte Orchesterfassung stammt von Frank Löhr und Joanna Mallwitz. Hörenswert, findet unser Kritiker Juan Martin Koch.

Wohltuende Überdosis: das Kammermusikfestival Regensburg feierte eine gelungene Premiere

03.10.20 (Juan Martin Koch) -
Den widrigen Bedingungen zum Trotz hat das neue Kammermusikfestival Regensburg einen beachtlichen Start hingelegt. Die stilistischen Bögen waren weit gespannt, die Besetzungen hochkarätig. Juan Martin Koch zieht erfreut Bilanz:

Walzer mit Variationen: Lausitz-Festival flutet Brandenburg und Sachsen mit Kunst und Kultur

02.10.20 (Michael Ernst) -
Diese Namen findet man sonst nur an den großen Häusern der Welt: Martha Argerich, Isabel Karajan, Gidon Kremer, Mischa Maisky … – sie und viele andere kommen in kleine Dorfkirchen und Industriedenkmäler, in die Theater von Cottbus bis Zittau zum Lausitz-Festival.
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