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Saitenbändiger – Das Duo BartolomeyBittmann beim BMW Welt Jazz Award 2018

24.04.18 (Ssirus W. Pakzad) -
Das wäre doch mal ein interessanter Versuch: könnten beliebig ausgewählte Passanten wohl erahnen, welche Art Musik das Duo BartolomeyBittmann macht, wenn man ihnen das Matineekonzert des BMW Welt Jazz Awards nur zeigte und ohne Ton vorspielte? Jede Wette, dass „Rockmusik“ eine häufig genannte Antwort wäre, auch wenn die Instrumentierung mit Geige und Cello dagegen spricht. Gestisch und von den Bewegungsabläufen her haben sich die beiden Österreicher nämlich einiges von den Rockern abgeschaut, inklusive Headbanging.

Setzkasten der deutschen Geschichte – Wagners „Lohengrin“ in Brüssel

23.04.18 (Joachim Lange) -
An der Brüssler La Monnaie Oper stellt Oliver Py an Richard Wagners „Lohengrin“ eher die alten Fragen, als zu neuen vorzudringen. „Lohengrin“ gehört zum harten Kern jeder Wagnerbegeisterung. Nicht nur bei König Ludwig II. von Bayern und diversen anderen „Großkopferten“. Das fängt schon mit den überirdischen Grasklängen des Vorspiels an. Wenn König Heinrich nach Brabant kommt, eigentlich nur Gefolgsleute im Kampf gegen den bevorstehenden Einfall der kriegerischen Ungarn rekrutieren will und erstmal die Machtfrage an der Schelde klären muss, dann entfaltet sich schönstes Wagnerparlando für Anfänger. Und für Fortgeschrittene.

Polnische Eröffnung – Die 13. Fachmesse jazzahead und ihr Gastland Polen

23.04.18 (Andreas Kolb) -
Wie in den Jahren zuvor moderierte der künstlerische Leiter der Fachmesse jazzahead, Peter Schulze, die Rednerliste der Eröffnungsveranstaltung an. Messechef Hans-Peter Schneider war sichtlich bewegt, zum 13. Mal seine Erfindung – eine Fachmesse für den Jazz mit angeschlossenem Festival – eröffnen zu können. Bremens Bürgermeister und Kultursenator Carsten Sieling konnte immerhin schon auf zwei Jazzahead-Eröffnungen innerhalb seiner kurzen Amtszeit verweisen. Doch einer fehlte: Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), ließ wegen des Skandals um den ECHO für Kollegah und Farid Bang seine Ansprache ausfallen.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 23.04. bis 29.04.2018

22.04.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 17. Schwerpunkte: Schwerpunkt der Woche ist die ausführliche Berichterstattung aus Witten. Drei Abende lang gibt es Uraufführungen, Erstaufführungen, Letztaufführungen … Selten direkt erwähnt hier: Die Nachtmusiken im Bayerischen Rundfunk mit Bayerischen und Fränkischen Komponistinnen.

Rebell, Visionär, Bewahrer, Erneuerer – Jean Guillou in der Elbphilharmonie

21.04.18 (Guido Krawinkel) -
Bezeichnend ist es allemal, dass das Geburtstagskonzert für Jean Guillou in Hamburg stattfindet – und nicht etwa in Paris. Das Verhältnis des Maître – so huldvoll tituliert man jenseits der Grenze verdiente Organisten – zu seinem Heimatland ist ein Kapitel für sich, eines, das nicht nur Lobeshymnen enthält. Das Sprichwort vom Propheten, der im eigenen Land wenig gilt, bewahrheitet sich hier einmal mehr.

Hurra, er ist da! – Das Pumuckl-Musical an Münchens Gärtnerplatztheater uraufgeführt

20.04.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Ein wochenlanger, schwerer Fall von Epidemie am Gärtnerplatztheater: nahezu alle Abteilungen waren betroffen; lange Schlangen aus Werkstätten, Verwaltung und freiem künstlerischen Personal vor – nein, in den Seitengassen der Probenräume. Ein ganzes Theater schien vom „Pumuckl“-Fieber befallen, denn selbst die ergrauten Mitarbeiter waren mit dem irrlichternden Rotschopf großgeworden, erst recht ihre Kinder und Enkel – via Radio, auf Schallplatte oder Kassette und dann ab den 1980er Jahren im Fernsehen… alle wollten miterleben, wie er anfing, jetzt die Bühne zu erobern.

In Kiel rocken die Räuber und wird Schiller zum Librettisten

18.04.18 (Arndt Voß) -
Als Friedrich Schiller „Die Räuber“ schrieb, war er 23 Jahre alt. Für Gleichaltrige heute und andere peppte das Kieler Schauspiel nun das dramatische Geschehen mit Rockmusik auf und nennt das Ergebnis „Rockoper“. Auf der Bühne passen sich die damals Unangepassten dem Duktus einer aufreizenden Musik an, lassen sich durch den Sound pompöser Schlagzeug- und Gitarrenpassagen läutern. Das wirkt einigermaßen glaubhaft und hatte bereits vor zwei Jahren im Sommertheater unter freiem Himmel Erfolg. Jetzt holte Daniel Karasek, Hausherr im Kieler Theater, die zu Rockern mutierten Outlaws des Sturm und Drangs vom Seefischmarkt ins Schauspielhaus.

Grundsätzliches – Richard Wagners „Tannhäuser“ in Weimar

18.04.18 (Joachim Lange) -
„Tannhäuser“ – das klingt schon wie Thüringen. Wegen des Schauplatzes des Sängerkrieges „auf Wartburg“ wie Wagner das so schön unvollständig klingend im zweiten Teil des Titels benannt hat. Es klingt aber auch wie Weimar! Wegen Franz Liszts Einsatz für die Musik seines berühmten Schwiegersohnes im Allgemeinen. Und für den Durchbruch seines „Tannhäuser“ mit der Weimarer Erstaufführung 1849 im Besonderen. Die Staatskapelle Weimar ist heute nicht nur das Renommierorchester ganz Thüringens, sondern hat Wagner seither gleichsam in den Orchestergenen.

Richard Strauss’ und Hugo von Hofmannsthals „Ariadne auf Naxos“ in Meiningen bejubelt

17.04.18 (Joachim Lange) -
Mit dem Titel der Oper „Ariadne auf Naxos“ hat man – in diesem Falle – nur die halbe Wahrheit. Er erfasst die kleine Oper, in die ein junger Komponist unter den Fittichen seines alten Musiklehrers sein ganzes Herzblut gelegt hat. Natürlich mit dem ganz großen mythischen Gegenstand, die Verzweiflung der von Theseus auf Naxos zurückgelassenen Ariadne, ihrer Todessehnsucht und der spektakulären Ankunft eines Gottes. Sie hält den – in Meiningen wie ein Deus ex machina aus dem Schnürboden einschwebenden Gott Bacchus – für den Gott des Todes. Und er hält sie (obwohl ein Gott) auch irrtümlich für die Zauberin Circe. Das Tröstliche daran ist, dass sich beide irren. Bacchus ist für Ariadne (und für das mitfiebernde Publikum) eindeutig die bessere Wahl. Und sie für ihn natürlich auch, so dass einer Apotheose der Musik und der Stimmen nichts mehr im Wege steht.

Kein Ende in der ECHO-Debatte – Konsequenzen von Preisträgern und BVMI-Mitgliedern

16.04.18 (Martin Hufner) -
Weil es der ECHO-Beirat versäumt hatte, die Rapper Kollegah und Farid Bang von der Nominierung zum Deutschen Musikindustriepreis (ECHO) auszuschließen, konnte es den beiden sogar gelingen, den Industriepreis zu erhalten. Denn auch die ECHO-Jury tat nicht nur nichts gegen eine Belobigung, im Gegenteil, sie zeichnete die Rapper sogar aus. Seitens der ECHO-Veranstalter will man nun die Ausgestaltung des ECHO ändern. In der Zwischenzeit weitet sich die Kritik allerdings noch aus. ECHO-Rückgaben, Verbandsaustritt(e), Beiratsrücktritt(e).

Traumschiff Aida und Playmobilvideos – Verdis „Aida“ an der Staatsoper Hannover

16.04.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Kein Zweifel: Kay Voges, der vor vier Jahren mit einem großartig reflektierten Weberschen „Freischütz“ beeindruckte, hat nachgedacht über Giuseppe Verdis 1871 entstandene Oper „Aida“, in viele Richtungen sehr gut nachgedacht. Wie steht es mit der Kriegstreiberei? Wie steht es mit der Verachtung und Vernichtung anderer Völker? Wie ordnen sich die persönlichen und intimen Schicksale im Massengeschehen zwischen Pharaonen und Elefanten? Dies und vieles mehr sind richtige Fragen. Ist das aber schon ein gutes Theater? Eher nicht, vor allem deshalb, weil Voges den Ehrgeiz hatte, alles zu zeigen, was ihm einfiel... zu viel, zu unübersichtlich und letztendlich unverständlich.

Fanny als potenzierte Opernfigur – Musiktheater mit Kompositionen von Fanny Mendelssohn Bartholdy in der Werkstatt der Staatsoper Berlin

16.04.18 (Peter P. Pachl) -
Neben fünf Erwachsenen Profis spielen, singen und musizieren 27 Kinder in der jüngsten Produktion des Kinderopernhauses Lichtenberg. Sie bescherten der Neuen Werkstatt der Staatsoper sechs volle Häuser. Ganz ohne Dernière-Mätzchen und -Witzchen wurde auch die letzte Aufführung „Fanny! – Wer will mir wehren zu singen?“ von den Beteiligten mit Engagement und künstlerischem Ernst dargeboten und vom Publikum gefeiert.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 16.04. bis 22.04.2018

15.04.18 (mh) -
Neue Musik, Musikfeatures und Hörspiele in der Kalenderwoche 16. Schwerpunkte: Eres Holz, Bernd Alois Zimmermann, Karlheinz Stockhausen beim Musikfest Hamburg, His Master´s Choice (28): Gordon Kampe | 8. Hörfest Neue Musik, Singende Superhelden, Ultraschall Berlin, ECLAT 2018, Musikland Türkei, Werkzeuge der neuen Musik | Zither, Wie präpariert man ein Klavier?, Querklang – ein Schulprojekt der MaerzMusik, Juan Allende-Blin erinnert sich an den Pariser Mai '68, Das deutsche Kinderlied, Solistenensemble Kaleidoskop. Hörspiele von Alvin Curran, Heiner Goebbels, Peter Handke und Velimir Chlebnikov.

Von Macht und Menschen – Kreneks „Diktator“ und Ullmanns „Zerbrochener Krug“ im Münchner Cuvilliéstheater

15.04.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Wie alle großen Opernhäuser pflegt auch die eben als Institution ausgezeichnete Bayerische Staatsoper begabte junge Sänger in einem Opernstudio an die Realität dieses Berufs heranzuführen. Dazu gehört als Höhepunkt der Saison eine eigene Produktion unter professionellen Bedingungen: das Münchner Kammerorchester, ein Nachwuchsdirigent, alle elf Solisten des Opernstudios, zwei Spielleiter der Staatsoper – alles im herrlichen Rahmen des Cuvilliéstheaters.

Ein armseliger ECHO-Beirat und die Frage der Grundrechte

12.04.18 (Martin Hufner) -
Geht es um Grundrechte? Oder geht es um Haltung? Im Fokus: Die Nominierung der Rapper Kollegah und Farid Bang beim ECHO 2018. Der ECHO ist ein Preis des Bundesverbandes der Musikindustrie (kurz: BVMI). Er wird seit vielen Jahren verliehen. In zahlreichen Kategorien, die bepreist werden, werden genau diejenigen nominiert, die die höchsten Verkaufszahlen mit ihren Platten/CDs/Download/Streams erreicht haben. Das haben die Rapper Kollegah und Farid Bang mit dem Album „JBG3“ offenbar geschafft. Das musikalische Genre nennt sich Rap. Die beiden werden als Battle-Rapper spezifiziert.

Pop Moves – „Beady Belle“ gastierte beim BMW Welt Jazz Award

10.04.18 (Ssirus W. Pakzad) -
Endlich machte die lichte Bestuhlung auch mal Sinn. Beim Matinee-Konzert der populären norwegischen Band „Beady Belle“ um Sängerin Beate Lech nutzten einige Zuhörer die Sitz-freie Zone im futuristischen Doppelkegel der BMW Welt. Es wurde vereinzelt tatsächlich getanzt. Und doch hatte der bewegende Auftritt mit dem Motto des zehnten „BMW Welt Jazz Awards“ mal wieder nichts zu tun. „Jazz Moves“? Vielleicht. Wenn es denn welchen gegeben hätte. Stattdessen: „Pop Moves“.

ECHO: Nominierte zwischen Geschmacklosigkeit und Kunstfreiheit – Beirat stellt Persilschein aus

09.04.18 (Martin Hufner) -
Es ist längst über die Grenzen der Musikindustrie bekannt, dass der ECHO als der Preis des Bundesverbandes Musikindustrie eher in die Fassadenkulturlandschaft gehört – auch wenn er sich mit dem Namen der Deutschen Phono-Akademie schmückt. Das ändert nichts an seiner Popularität in den Medien und unter den Künstlerinnen, egal ob ECHO Klassik, Pop oder Jazz. Aktuell macht der ECHO wieder von sich reden. Nominiert wurden zwei sog. Battle-Rapper (Kollegah und Farid Bang), in deren aktuellem Produkt über die Grenzen weit hinausgehende geschmacklos-zynische Textzeilen verwendet werden. Der ECHO-Beirat als „Ethik-Kommission“ wurde eingeschaltet und hat entschieden, dass er nichts entscheidet und die Nominierung bestehen bleiben soll. In diesem Beirat sitzen Vertreterinnen von Deutschem Musik- und Deutschem Kulturrat. Das macht die Sache problematisch.

Bekenntnis für Diversität und Toleranz – „Il viaggio a Reims“ in Graz

09.04.18 (Roland H. Dippel) -
Dreißig Jahre nach der legendären Produktion unter Claudio Abbado an der Wiener Staatsoper kommt Gioachino Rossinis „Die Reise nach Reims“ endlich zur Grazer Erstaufführung. Seine erste Oper für Frankreich, uraufgeführt drei Wochen nach der Krönung von Karl X. zum König Frankreichs am 19. Juni 1825, umjubelte das Premierenpublikum des zweitgrößten österreichischen Opernhauses mit immer höhersprudelnden Applausfontänen.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 09.04. bis 15.04.2018

08.04.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 15. Schwerpunkte: Ganz im Zeichen von Rückblicken auf das Jahr 1968. Claude Viviers 70. Geburtstag spielt auch eine Rolle. Die Nachfolgesendung von contrapunkt (heißt ebenfalls contrapunkt) widmet sich der Türkei. Anna Schürmer widmet sich der DEA EX MACHINA – oder die technofeministische Emanzipation. Am Ende als Spezial Hinweise auf besondere Hörspiele (Jandl/Mayröcker – Fünf Mann Menschen, Ludwig Harig – Blumenstück, Christoph Schlingensief – Rocky Dutschke, Luc Ferrari und Hundert nackte Kängurus).

„Tannhäuser“ in Görlitz: Zwischen Muse und Mätresse

05.04.18 (Roland H. Dippel) -
Am gleichen Tag, an dem die Oper Leipzig nach der Absage Katharina Wagners mit dem dritten Remake der „Tannhäuser“-Produktion von Calixto Bieito herauskam, gab es am Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz die Neuinszenierung der gleichen Oper: Schnörkellos auf dem Punkt und musikalisch gekonnt mit zwei beeindruckenden Protagonisten. Der Ausflug in die Lausitz lohnt sich.

Ohne Gespür: Dominique Horwitz vergeigt Dimitri Schostakowitschs „Moskau, Tscherjomuschki“ am MIR Gelsenkirchen

Das Problem ist seit etlichen Jahren hinlänglich bekannt: Wohnraum in Deutschland ist knapp! Knapp für junge Paare, die händeringend nach ihren ersten eigenen vier Wänden suchen, knapp für Menschen mit geringem Einkommen, für Geflüchtete, für Rentner, deren Monatsbudget mehr als prekär ausfällt. Also müssen bezahlbare „Hütten“ her! Im Jahr 2017 fehlten – je nachdem, welche Studie man heranzieht – bis zu 1,2 Millionen Wohnungen!

Lustig ist das alles nicht – Felix Rothenhäusler wagt an Strauß‘ „Die Fledermaus“ ein Experiment

03.04.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Totale Entrümpelungen tun oft, aber nicht immer gut. Es war sehr ambivalent, was jetzt Felix Rothenhäusler, Hausregisseur im Schauspiel am Theater Bremen, in seiner dritten Musiktheaterarbeit hinterließ. Es war die 1874 uraufgeführte, heute berühmteste Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, die sich zum Unmut vieler BesucherInnen gefallen lassen musste, dass nichts wiederzuerkennen war und dass es schon mal (fast) gar nichts zu lachen gab.

Im Zentrum Wotan und das Orchester: Eine neue „Walküre“ für Chemnitz

03.04.18 (Roland H. Dippel) -
Monique Wagemakers stellt in Frage, ob es einen spezifisch weiblichen Blick auf Wagners „Ring des Nibelungen“ geben kann. Ihre Inszenierung der „Walküre“ ist Teil des neuen Zyklus, den das Theater Chemnitz mit vier Regisseurinnen innerhalb des Kalenderjahres 2018 zum Stadtjubiläum 875 Jahre herausbringt. Die musikalische Leitung der vier Premieren teilen sich der neue Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo und der zur „Walküre“ antretende erste Kapellmeister Felix Bender. Musikalisch ist diese Produktion ein satter Wurf.

Janáček verunklärt – „Aus einem Totenhaus“ an der Oper Frankfurt

02.04.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Uraufführungen schmücken ein Opernhaus, aber auch Interpretationsmaßstäbe setzende Inszenierungen. Die Oper Frankfurt kommt da immer wieder mit der „Neuenfels-Gielen-Aida“ und dem „Berghaus-Gielen-Ring“ ins Gespräch. Für ein bildlich „quer im Repertoire“ stehendes Werk wie Leoš Janáčeks „Aus einem Totenhaus“ gilt das auch: 1994 ließ Frankfurts damaliger GMD Sylvain Cambreling eine schon legendäre Brüsseler Produktion neu einstudieren: die bis ins Detail geformte psychische Deformationsstudie des medizinisch vorgebildeten Peter Mussbach für rund 30 Sängerdarsteller – eine unvergessliche „Wegemarke“.

„Die geile Herzogin“ – „Powder Her Face“ von Adés am Theater Magdeburg

02.04.18 (Roland H. Dippel) -
Im Magdeburger Theater am Jerichower Platz brachten Mathias Husmann und Anja Sündermann „Powder Her Face“ („Ihre letzte Maske“) 1996 ein Jahr nach der Weltpremiere zur deutschen Erstaufführung. Im Schauspielhaus dort erlebt das seither zu einem Hit der jüngsten Operngeschichte gewordene Opus über die 1963 in einem Sensationsprozess geschiedene Margaret Camphell, Herzogin von Argyll, eine Neuinszenierung. Am Pult steht der Komponist Hans Rotman und Leiter des IMPULS Festivals, dessen Zukunft derzeit zur Diskussion steht. Der große Applaus am Ende zeigt den Bedarf an mehr Musik der Gegenwart in Sachsen-Anhalt, selbst wenn die Darstellung der „Sex-Queen“ etwas eindimensional gerät.
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