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unübersehbar – unser aktueller streaming-kalender der nmz

19.05.21 (jmk) -
An dieser Stelle gibt es nun einen fortlaufenden Streaming-Kalender für Veranstaltungen, der regelmäßig aktualisiert wird. Es handelt sich um ausgewählte interessante Veranstaltungen, die teilweise über einige Tage gehen.

Festung als Gefängnis – Das Musical „Chicago“ auf der Augsburger Freilichtbühne am Roten Tor

20.06.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Ach, dieses Amerika! Evangelikaler Puritanismus und sexy Genderei; dumpfbackiger Provinzialismus und weltweit leuchtende Unterhaltungskultur; schießwütiger Waffenwahn und großartige Menschenrechtsphilosophie – die Dualität ließe sich lang fortsetzen. Genau diese Ambiguität greift das Musical „Chicago“ am Beispiel der „windy city“ in den 1920er Jahren auf und das Staatstheater Augsburg meldet sich damit aus der Corona-Pause zurück.

Gigantischer Aufwand – „Der Freischütz“ im Konzerthaus am Gendarmenmarkt Berlin

19.06.21 (Peter P. Pachl) -
Am 200. Jahrestag der Uraufführung von Carl Maria von Webers „Freischütz“, die am 18. Juni 1821 im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt Berlin, dem heutigen Konzerthaus stattfand, inszenierte die katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus diese Oper – ganz ohne Zuschauer im Großen Saal des Konzerthauses, aber live übertragen in alle Welt.

Elektroschocks als Vorahnung elektronischer Musik – Atze-Produktion „Beethoven – ein Leben“ auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin

17.06.21 (Peter P. Pachl) -
Das ATZE Musiktheater hatte zum Beethoven-Jahr ein Stück über Ludwig van produziert, das nun mit Verspätung herauskam – auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin. „Wahre Kunst ist eigensinnig, lässt sich nicht in schmeichelnde Formen zwängen“, heißt es auf einer eigenen Seite des Programmhefts, wie auch Beethovens Ausspruch, „Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig, aber ohne Leidenschaft zu spielen, ist unverzeihlich!“.

Töne des Sexus: Olivia Vermeulens und Jan Philip Schulzes „Dirty Minds“

17.06.21 (Roland H. Dippel) -
Bei der Verleihung des Jahrespreises der Deutschen Schallplattenkritik durch Eleonore Büning im Vorsitz von 160 unabhängigen Kritikern und im Gespräch mit den Preisempfängern war beim Streaming der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie nicht davon die Rede. Trotzdem brachten es die Mezzosopranistin Olivia Vermeulen und der Pianist Jan Philip Schulze im letzten Satz ihrer Lied-Anthologie „Dirty Minds“ (Schmutzige Gedanken) im Booklet-Text auf den Punkt: „Die Tatsache, dass erotische Abgründe, Begierden und Traumata immer der Anlass zu großer Kunst waren, darf nicht verleugnet werden – ebenso wenig wie die Tatsache, dass es Kunst und Musik ohne ‚schmutzige Gedanken‘ nicht gäbe.“

New York, Magdeburg – „Guys and Dolls“ an der Oper Magdeburg voraufgeführt

16.06.21 (Joachim Lange) -
Ein Musical ins reguläre Programm zu nehmen, birgt für ein normales Opernhaus, auch ohne Coronaeinschränkungen ein gewisses Risiko. Denn das Genre hat sich seine eigenen, durchkommerzialisierten Verbreitungswege geschaffen. Mit speziell errichteten Theatern für international vermarktete Blockbuster an ein paar ausgewählten Standorten im Land. Sogar mit einem Haus für ein Musical. Dazu eine treue Anhängerschaft, die die Preise, die dort gezahlt werden, weit weniger kritisch akzeptiert als die heruntersubventionierten Eintrittspreise in der Oper.

Puccinis Wild-West-Oper mit Stuntmen – „La fanciulla del West“ an der Staatsoper Unter den Linden

14.06.21 (Peter P. Pachl) -
Lange hat es gedauert, bis jene Oper Giacomo Puccinis, die er selbst für seine beste erachtete, den Weg an die Berliner Staatsoper gefunden hat. Deren erste Aufführung war zugleich die erste Premiere nach der COVID-19-bedingten Schließzeit. Neben dem Live-Publikum im (immer noch ausgedünnten) Auditorium war diese Erstaufführung auch als live-Streaming zu erleben, und gleichzeitig für Opernfreund*innen in 200 Autos am Tempelhofer Feld als live-Kino-Übertragung.

Originelle Novität: Online-Premiere der Kammeroper „Isolation Club“ in Chemnitz

14.06.21 (Joachim Lange) -
Die alte Binsenweisheit, dass Not erfinderisch macht, klingt in Coronazeiten wie Selbstermunterung. Stimmt aber trotzdem oft. Zum Beispiel im Falle des jüngsten Auftragswerkes des Theaters Chemnitz, das am Freitag seine online-Premiere hatte. Titel: „Isolation Club“. Genre: Kammeroper mit Beats für zwei Sänger.

Wir spielen – Wagners „Das Rheingold“ in der Deutschen Oper Berlin

13.06.21 (Peter P. Pachl) -
Der neue „Ring“-Zyklus an der Deutschen Oper Berlin sollte sich ursprünglich kontinuierlich vom Vorabend bis zum dritten Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“ aufbauen. Situationsbedingt war die „Rheingold“-Premiere entfallen und wurde – ziemlich genau vor einem Jahr – durch eine, wie nun festzustellen, der Regiearbeit von Stefan Herheim nicht unverwandte, verkürzte Inszenierung von Neill Barry Moss auf dem Parkdeck der Deutschen Oper ersetzt.

Was lange währt, schürft endlich tief – „Agrippina“ an der Hamburgischen Staatsoper

11.06.21 (Konstantin Parnian) -
Ende Mai startete die Hamburgische Staatsoper wieder mit öffentlich zugänglichen Vorstellungen. Als eine der ersten Produktionen und überhaupt erste Premiere in Präsenz nach monatelangem Lockdown stand Händels „Agrippina“ auf dem Spielplan – in einer Inszenierung von Barrie Kosky, die bereits 2019 bei den Münchner Opernfestspielen am Prinzregententheater aus der Taufe gehoben wurde. Mit reichlich Besetzungsänderungen bot diese Produktion nun für viele den ersten Schritt zurück in den Theatersaal.

Loslegen II – Serge Dorny und Vladimir Jurowski führen ab Herbst die Bayerische Staatsoper

11.06.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Jeder Mensch ein König“ als Motto; viele bunte, regenbogennahe Balken im neuen Logo; elf Premieren; zwei Kleinfestivals vor den offiziellen Festspielen – Intendant Serge Dorny, der von der Oper Lyon kommende Belgier, und der derzeit noch in Berlin als Orchesterchef tätige Vladimir Jurowski als neuer GMD präsentierten zusammen mit Ballettdirektor Igor Zelensky ihre erste Spielzeit – voller Optimismus, ab Herbst trotz Pandemie in vollen Zügen loslegen zu können.

(In-)Fragestellungen – „The Making of Blond“ an der Deutschen Oper Berlin

09.06.21 (Peter P. Pachl) -
In der ehemaligen Tischlerei der Deutschen Oper Berlin, deren Bühne für Experimentelles, war eine – im Fond Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes geförderte – Uraufführung zu erleben: „The Making of Blond“ als Behauptung einer noch in Arbeit befindlichen Partitur als virtueller Anordnung mit einem chipgesteuerten Besucher. Vorgriff auf eine nahe Zukunft der Oper? Peter P. Pachl besuchte die von der Dramaturgin Sabrina Zwach, gemeinsam mit dem Sound- und Mediendesigner Fabian Kühlein unterfütterte Produktion.

Wollen muss man – Ralph Benatzkys „Weißes Rössl“ im Harzer Vorvorvoralpengebiet

08.06.21 (Joachim Lange) -
In Quedlinburg hat jetzt auch das „Weiße Rössl“ wieder fürs Publikum geöffnet. Das Nordharzer Städtebundtheater meldet sich in Quedlinburg Ralph Benatzkys Erfolgsstück bei seinem Publikum zurück!

Bereits abgestanden – Premiere des „‚Zigeuner‘-Barons“ an der Komischen Oper Berlin

07.06.21 (Peter P. Pachl) -
„Diskurs-Operette“ nennt Tobias Kratzer, der Regisseur der im Vorjahr als erste Reprise in Bayreuth ausgefallenen Bayreuther Neuinszenierung des „Tannhäuser", Johann Strauß‘ Operette „Der Zigeunerbaron“. Mit ihr wurde an der Komischen Oper Berlin deren im Oktober vergangenen Jahres unterbrochene Premierenreigen fortgesetzt:

Der heilige Emigrant der Schlachthöfe – Luigi Nonos „Intolleranza 2021“ aktualisiert in Wuppertal

06.06.21 (Regine Müller) -
Wir erinnern uns: Am Beginn der Pandemie gab es vor dem ersten Lockdown einige so genannte „Geisterpremieren“, bei denen fertig gestellte Produktionen wenigstens vor einer kleinen Schar Kritiker*innen erstmals gegeben wurden. Das geschah zum einen, um den Produktionsprozess geregelt zu seinem Ende, nämlich bis zur Premiere zu führen. Und zum anderen hoffte man wohl auch, der Lockdown sei nur von kurzer Dauer und das Presseecho wäre bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs noch nicht verhallt. Nun gab es in Wuppertal eine Art Déjà-vu mit der Premiere von Luigi Nonos „Intolleranza 2021“, die erneut nur vor Kritiker*innen gespielt und dabei für spätere Streamings aufgezeichnet wurde.

Leider nur Vision x.0 - Miroslav Srnkas Weltraum-Oper „Singularity“ in München uraufgeführt

06.06.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Bei Diskussionen um die Zukunft von Großsystemen geht es nicht unter „4.0“… Fortschritt verheißende Updates allenthalben - da muss die Kunst schon mithalten. Andererseits dominieren seit Ridley Scotts „Blade Runner“ von 1982 Dystopien und für dieses Filmkunstwerk hat Vangelis einen singulären Sound komponiert. Die Messlatte lag im Cuvilliéstheater also hoch.

Händel und (k)ein Hallelujah – Die aktuellen Händelfestspiele Halle im Netz

02.06.21 (Joachim Lange) -
Festspiele sind von den pandemiebedingten Absagen besonders hart getroffen. Im „normalen“ Musiktheaterbetrieb greifen für die Beschäftigten ja zumindest die materiellen Sicherungen. Dort breitet sich zwar auch Frust aus, aber mit Hoffnung im Herzen wird schon Neues vorbereitet, damit wieder hochgefahren werden kann, sobald sich die Möglichkeiten dafür bieten.

100 Jahre Nähe durch Musik – Zur Eröffnung der Jubiläumsausgabe des Mozartfest Würzburg

01.06.21 (Andreas Kolb) -
„Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal von der Weglassprobe gehört haben?“, fragte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gäste der Eröffnungsgala des Mozartfestes. "Bei der Weglassprobe geht es ganz einfach um die Frage: Was würde uns fehlen, wenn es dieses oder jenes nicht gäbe, das so selbstverständlich da ist, mit dem wir uns selbstverständlich umgeben. Fehlte uns also etwas, wenn es Mozart nicht gegeben hätte, wenn wir die „Zauberflöte“ nicht kennen würden? Fehlte uns etwas, wenn wir das erschütternde Requiem nicht kennen würden? Fehlte uns etwas, wenn wir die späten Sinfonien nicht kennen würden, die ganz aus ihrer Zeit sind und doch weit darüber hinausweisen“? Eine unmissverständliche Antwort darauf gaben im Anschluss die Musikerinnen und Musiker der Camerata Salzburg unter Jörg Widmann, die nach Monaten der künstlerischen Enthaltsamkeit alles in die Waagschale warfen, was sie an Verve, Können und tiefempfundener Mozartkenntns zu bieten hatten.

Die Wolga, der Müll und der Tod – „Katja Kabanova“ endlich in Innsbruck

29.05.21 (Roland H. Dippel) -
Jetzt – in der sich lockernden Pandemie – könnte man spielen. Aber nach drei Vorstellungen von Leoš Janáčeks „Katja Kabanova“ schließt das Tiroler Landestheater aufgrund der geplanten Innenraumsanierung ab 1. Juni. Die Wiedereröffnung ist für Oktober 2021 geplant. Aufführungen der Innsbrucker Festwochen Alter Musik finden deshalb im Kammertheater und im Haus der Musik statt. Beim dritten Anlauf wurde die erste Aufführung von Janáčeks Oper vor physischem Publikum mit großer Orchesterbesetzung zu einem packenden emotionalen Wechselbad aus Abscheu und Berührtsein.

Musikalische Wanderung in fünf Etappen – virtuelles 360°-Konzert des STEGREIF.orchesters

28.05.21 (Konstantin Parnian) -
Den (noch) anhaltenden Umständen geschuldet feierte das Konzertprojekt #explore_mozart des Stegreiforchesters seine Premiere online. Doch freilich beließ es das für seine ausgefallenen Experimente bekannte Ensemble nicht bei einem simplen Stream: Die Aufführung wurde als 360-Grad-Video übertragen, bei der ein Microphone-Dummy – ein Kunstkopf mit eingebauter Mikrophonierung – auch für die akustische Verräumlichung sorgte. Wie der Untertitel „Von fünf Anfängen und inneren Zielen“ es andeutet, setzen sich die von jeweils einem Ensemblemitglied konzipierten Abschnitte mit den fünf Grundidealen der Freimaurerei auseinander, die zentral für Mozarts Weltanschauung waren.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal bei der Umsetzung eines beschlossenen Heftschwerpunktes massiv ins Schleudern geriet

27.05.21 (Theo Geiẞler) -
Bekannt und beliebt in gewissen gebildeten Kreisen bin ich für die trockene Präzision meiner Sprache, für die wissenschaftliche Exaktheit meiner Abhandlungen gerade im Rahmen dieser Rubrik unserer Kultur- und Naturzeitschrift. Während die meisten Autorinnen und Autoren des vorliegenden Themenheftes sich etwas überraschend teils mit der faszinierenden Vielfalt und Historie der Kerbtiere befassen oder mit deren auch pestizidverursachten Auslöschung, samt den für uns Menschen verheerenden Folgen, gerate ich in die mentale Zwangsjacke einer dramatischen Kindheitserinnerung: … [Vorabdruck aus Politik & Kultur 2021/06]

Bund unterstützt Kulturveranstaltungen mit Sonderfonds – Kabinett gibt grünes Licht für Sonderfonds für Kulturveranstaltungen

Das Bundeskabinett hat heute grünes Licht gegeben für einen Sonderfonds in Höhe von bis zu 2,5 Milliarden Euro, mit dem der Bund ein breit gefächertes Angebot an Kulturveranstaltungen nach der langen Zeit der Pandemie wieder möglich machen will. Damit sollen Konzerte, Theateraufführungen, Kinovorstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen wieder anlaufen können. Da der Wiederbeginn des kulturellen Lebens immer noch mit pandemiebedingten Unsicherheiten verbunden ist, soll der Sonderfonds Schutz vor Beschränkungen der Besucherzahlen und anderen Restriktionen und Risiken bieten.

Der ‚böse Blick‘ auf das Leben – Aribert Reimanns „Die Gespenstersonate“ in Lübeck

25.05.21 (Arndt Voß) -
Man kann nicht umhin: Corona, dieses fiese kleine Ding, spielt mit, auf der Bühne, im Orchestergraben, auch bei der peniblen Prozedur für die, die ein personalisiertes Einlasszertifikat besitzen. Wenn dann alle Punkte der Checkliste für den „Theaterbesuch im Rahmen des Modellprojekts“ abgehakt sind und wenn sich herausstellt, dass der ehrwürdig alte Schmuckvorhang in Lübecks Jugendstilhaus delikat zum Stück passt, ist alles vergessen. Es zählt nur eins: man darf wieder Theaterluft schnuppern!

Museum ohne Abgrund – Aribert Reimanns „Lear“ kehrt ins Nationaltheater München zurück

24.05.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die Geschichte ist ein Schlachthaus“ hat Heiner Müller lapidar festgestellt. Damit knüpfte er an Thomas Hobbes an, der rund vierhundert Jahre zuvor schon den „Menschen als des Menschen Wolf“ charakterisierte, als Engländer, dessen Königsgeschichte einem Schlachthaus gleicht. Shakespeares „König Lear“ greift da auf den mythisch nebeligen Anfang zurück. Die Vertonung des blutigen Dramas bildete im Juli 1978 den Höhepunkt der Münchner Opernfestspiele.

Zu Pfingsten melden sich die Salzburger Festspiele mit einem Triumph des „richtigen“ Musiktheaters vor Zuschauern zurück

23.05.21 (Joachim Lange) -
Im „Sommer unseres Missvergnügens“ anno 2020 sorgten allein die Salzburger Festspiele für einen kulturpolitischen Lichtblick: Im Schachbrettmuster platziert, ließ man dort Anfang August die so modifizierte Anzahl Zuschauer in den geretteten Teil der ursprünglich zum Einhundertsten geplanten Vorstellungen. „Cosí fan tutte“ und „Elektra“ wurden so zu einem Triumph von Mut und Entschlossenheit über das Virus und Unsicherheit im Umgang damit. Nachahmerfolgen hatte das leider – trotz der Aufrüstung der Opernhäuser in Sachen Hygiene – weder in Österreich, noch in Deutschland. Der Erfolg tat nichts zur Sache, auf Zeit dicht gemacht wurden die Häuser trotzdem.
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