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Traurige Schmonzette als zähe Revue – „Das Land des Lächelns“ am Opernhaus Zürich

22.06.17 (Georg Rudiger) -
Der schwarze Bühnenvorhang mit schmalen, goldenen Bordüren ist noch geschlossen, da wird im Orchestergraben der Züricher Oper die Musik angeknipst. Fabio Luisi geht mit der Philharmonia Zürich in die Vollen und fordert von Beginn an bei Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“ einen opulenten Sound, der das Melos betont und Streicherschmelz mit Blechglanz kombiniert. Und wenn die Melodie des Operettenschlagers „Dein ist mein ganzes Herz“ im Orchester erklingt, dann ist man schon mitten in der traurigen Schmonzette angekommen.

Bachfest 2017 glänzte mit kontrastreicher Programmfülle

22.06.17 (Roland H. Dippel) -
Unter dem Motto „Ein schön new Lied – Musik und Reformation“ gab es bei 120 Konzerten und Rahmenveranstaltungen noch genügend Freiräume neben „Luther 2017.“ Mit Spitzenensembles, Jubiläumsveranstaltungen und regionalen Musikeinrichtungen zeigte das Bachfest auch 2017 eine künstlerisch bemerkenswerte Vielfalt und erreichte vom 9. bis 18. Juni eine Platzausnutzung von über 90 Prozent.

Der Prinzessin und die Mausefalle – „Salome“ an der Oper Leipzig

20.06.17 (Joachim Lange) -
Die neue „Salome“, die Ulf Schirmer, Aron Stiehl und Rosalie in der Oper Leipzig herausgebracht haben, überzeugte das Premierenpublikum und war der Höhepunkt eines Richard-Strauss-Wochenendes. Joachim Lange berichtet.

Kindertheatermäßig – Rameaus „Zoroastre“ an der Komischen Oper Berlin

20.06.17 (Peter P. Pachl) -
Die Erstaufführung von Jean-Philippe Rameaus fünfaktiger Tragédie „Zoroastre“ im Rahmen der alljährlichen Barockopernproduktion der Komischen Oper Berlin erwies sich als ein schwieriges Unterfangen. Zu dürftig und redundant die Handlung, zu wenig musikalisch fesselnd die weitgestreckten Rezitative, zu kindertheatermäßig die szenische Aufbereitung, – und so verließen etwa 20 Prozent der Premierenbesucher das Theater bereits in der Pause.

Instinktsicher – Die „West Side Story“ begeistert auf dem Domplatz in Magdeburg

20.06.17 (Joachim Lange) -
In Sachen Open-Air Musical geht die Oper Magdeburg auf Nummer sicher. Mit dem Dom im Hintergrund, genügend Platz für die Pausenversorgung. „Hair“ im Vorjahr, jetzt die „West Side Story“ und nach der Premiere gibt es schon den Flyer für „Jesus Christ Superstar“ 2018 auf den Heimweg mit. Wenn das Wetter jeden Abend knappe drei Stunden mitspielt, dann kommt das alljährliche Saisonabschluss-Musical auf seine 20.000 Zuschauer für die (in Magdeburg ohnehin recht passable) Auslastungsbilanz von über 80 Prozent.

Bedingter Sieg für Mussorgskij – „Ur-Boris“ an der Deutschen Oper Berlin

18.06.17 (Peter P. Pachl) -
Während die Staatsoper in der Ära von Jürgen Flimm konsequent und – wie zuletzt mit „La Damnation de Faust“ sehr erfolgreich auf internationale Koproduktionen setzt, hat die Deutsche Oper Berlin mit Koproduktionen offensichtlich eine weniger glückliche Hand. Die Inszenierung von Richard Jones, erst im Vorjahr am Royal Opera House Covent Garden in London erfolgt, wirkt sehr viel älter, als sie ist. Doch der Zuspruch des Premierenpublikums für die russische Nationaloper war uneingeschränkt.

Verbindlichkeit und Radikalität – Mozarts und Czernowins „Zaide/Adama“ in Freiburg

18.06.17 (Georg Rudiger) -
Eine Uraufführung am Ende einer Amtszeit? Dazu gehören Mut und Selbstvertrauen. Mit der Premiere von „Zaide/Adama“, der letzten in der Amtszeit der Intendantin Barbara Mundel und Operndirektorin Dominica Volkert, verabschieden sich die Freiburger Musiktheatermacherinnen von ihrem Freiburger Publikum nicht mit einem Zuckerl, sondern einer harten Nuss, die es zu knacken gilt – und die dann doch allzu schwer im Magen liegt.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 19. bis 25. Juni 2017

18.06.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 25. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Das Tiepolo-Projekt des Ensembles KNM Berlin, Ensemble Phoenix Basel, Label aufabwegen, Rainer Bischof, Mayako Kubo, Richard Dünser, Rainer Rubbert, Rebecca Saunders, Vinko Globokar, Ulrich Troyer, Georg Philipp Telemann, Sidney Corbett, Peter Kaizar, Nicolas Hodges, Festival „Infektion!“ und Rostrum of Composers – der Songcontest der Neuen Musik.

„Gefährliche Liebschaften“ an der Musikhochschule Lübeck

16.06.17 (Arndt Voß) -
Wenn sechs junge Damen sich „Gefährlichen Liebschaften“ widmen, verspricht das ein sinnliches Vergnügen – für das Ohr, wenn sie einschmeichelnd singen, leise wie laut, hoch wie tief, im plappernden Recitativo wie im geschmeidigen Belcanto oder mit rasanten Koloraturen – für das Auge, wenn sie bezaubernd im wallenden Countuche und mit fein gepuderten Perücken oder, um vielleicht das Männliche zu ergründen, im langen Rock, in vornehmen Culotten und seidigen Strümpfen sich bewegen.

Ein Scheiterhaufen als Appell –Honeggers „Jeanne d’Arc au bûcher“ an der Oper Frankfurt

16.06.17 (Michael Kube) -
Der Gegensatz konnte kaum größer sein, und doch erschien er am Ende in bedeut­samer Sinnfälligkeit: auf der einen Seite als himmlisches Vorspiel Claude Debu­ssys präimpressionistisches Poème lyrique „La Damoiselle élue“ (1893), auf der anderen das in dunkle, schmutzig-drohende Bilder getränkte Oratorium „Jeanne d’Arc au bûcher“ (1935) von Arthur Honegger. Eine direkt anfassende, ja aufrüt­telnde Doppelinszenierung durch Àlex Ollé und sein spanisch-katalanisches Kollektiv „La Fura dels Baus“.

„Puccini ist gefährlich“ – Kriminaloper „La Signora Doria“ in Rostock uraufgeführt

14.06.17 (Heinz-Jürgen Staszak) -
Im Staub, den die kulturpolitische Posse um den geschassten Rostocker Intendanten Latchinian aufgewirbelt hat, ist die Rostocker Oper nahezu unsichtbar geworden. Nur drei Musiktheater-Produktionen gab es in dieser Saison: ein Offenbach-Verschnitt, den wackeren „Zar und Zimmermann“ und das Musical „Ein Käfig voller Narren“. Das Solistenensemble der Oper ist auf acht Personen herunter gespart worden.

Psychogramm einer Kuppelschau – „Der Fliegende Holländer“ in Lübeck

13.06.17 (Arndt Voß) -
Um das Spannende vorwegzunehmen, die Frage nach dem, ob Senta springt oder nicht, sei verraten, sie tut es nicht. Wohin auch. Das Theater Lübeck wartet zwar mit Richard Wagners beliebtem Seestück auf, mit dem „Fliegenden Holländer“, der letzten Produktion dieser Spielzeit. Aber von aufbrausendem Meer kann nicht die Rede sein. Und in einer Badewanne kann man nur schwer Erlösung finden.

Auf der Suche nach der verlorenen Gegenwart – Tschaikowskis „Piqué Dame“ in Stuttgart

12.06.17 (Joachim Lange) -
Tschaikowskis „Pique Dame“ ist im Grunde immer ein tief deprimierendes Stück. Die Fallstudie eines Spielers, der am Ende ist und nur noch auf das Glück des Zufalls hofft, um im allgemeinen Desaster zu überleben und selbst nicht unterzugehen. Stefan Herheim hat im vorigen Jahr in Amsterdam darin gar biografische Züge des wegen seiner Homosexualität von der Gesellschaft bedrängten Komponisten ausgemacht.

In der Rumpelkammer der Geschichte – Richards Wagners „Siegfried“ in Karlsruhe

12.06.17 (Joachim Lange) -
Bei der Herstellermarke „Vierer“-Ring gibt es für die jeweiligen Regisseure der einzelnen Teile den großen Vorteil, dass sie nicht auf die passenden Anschlussstücke achten müssen. Ganz gleich welcher Wotan wo auch immer seine aufmüpfige Lieblingstochter Brünnhilde (am Ende der „Walküre“) zum Straf-Schlafen verdonnert und mit einem Feuerchen schützt, damit nicht jeder dahergelaufene Depp sie wecken und zur Frau nehmen kann. Sie kann im „Siegfried“ aufwachen, wo sie will.

Keine Angst vor gesellschaftlicher Vielfalt: „Das Fremde und das Eigene“

12.06.17 (Michael Ernst) -
Die Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins hat in Dresden getagt, wo binnen kurzer Zeit das Kraftwerk Mitte sowie ein Konzertsaal gestemmt wurden. Ein Tagungsort also, der für die heile Welt der Kultur steht? Oder doch eher für Pegida & Co.? – Hauptthemen des Treffens waren Rechtspopulismus und rechtsnationale Parteien.

Leipzig: Symposium zum 200. Geburtstag von Niels Wilhelm Gade

11.06.17 (Roland H. Dippel) -
Die Organisation, Durchführung und Dokumentation eines Symposiums gehört am Zentrum für Musikwissenschaft der HMT Leipzig und der Universität Leipzig zu den Pflichtaufgaben. Studiendekan Christoph Hust ist am Veranstaltungstag im Musiksaal am Dittrichring dabei, aber Ablauf, Empfang sowie Moderation und Diskussionsleitung übernimmt das organisatorische Team der Studierenden autonom. In diesem Fall leistet es dazu noch eine überfällige und glanzvolle Wiedergutmachungsarbeit für ein im Leipziger Kalender nicht allzu üppig bedachtes Jubiläum: Den 200. Geburtstag des dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade, Mendelssohns Nachfolger am Gewandhaus und bis heute oft allzu leichtfertig gelobt als Repräsentant des von Schumann verherrlichten „nordischen Tons“.

Wagner in Prag. Opernbesuch im Museum: „Papa hätt’s gefallen!“

11.06.17 (Michael Ernst) -
Wagner-Remake in Wagner-Hand: Katharina Wagner inszeniert am Nationaltheater den „Lohengrin“ ihres Urgroßvaters Richard Wagner als Remake der 1967 in Bayreuth herausgekommenen Produktion ihres Vaters Wolfgang Wagner.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 12. bis 18. Juni 2017

11.06.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 24. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Wittener Tage für neue Kammermusik 2017, Litauens junge Komponistenszene, das britische Ensemble Distractfold, Musikforum Viktring 2017, Eunoia Quintett, Ensemble Contrechamps, Jugend jazzt 2017, Klangkunst documenta 14, Konzerthaus Blaibach, 50 Jahre Summer of Love, Rostrum of Composers - der Songcontest der Neuen Musik und zu Conlon Nancarrow, Unsuk Chin, Vinko Globokar, Rolf Riehm, Vivi Vassileva, Juan Allende-Blin, Michael Riessler, Johannes Wallmann und Bronislaw Huberman.

Frische Farben für Moers: Neuer Festival-Leiter Tim Isfort gab Debut beim Moers-Festival

09.06.17 (Stefan Pieper) -
Wie Geister in einem archaischen Initiationsritual beschworen die australischen „Snuff Puppets“ beim Presseempfang den neuen künstlerischen Leiter des Moers-Festivals Tim Isfort. Auf dass der gebürtige Moerser seine Sache gut mache! Der dritte Festival-Leiter in der Folge von Burkhard Hennen und Reiner Michalke liebt das Theater. „Moers 3.0“ will viel neue Farbe auftragen – davon zeugte die 46. Festivalausgabe.

Feine Erschütterungen und großes protestantisches Sakral-Kino: Tage Alter Musik Regensburg 2017

06.06.17 (Juan Martin Koch) -
Wenn die Regensburger Tage Alter Musik als Seismograph der Szene funktionieren, dann sind da in letzter Zeit keine größeren Erdbeben zu verzeichnen gewesen. Aber manchmal ist eine kleine Erschütterung, ein feines Zittern auch eindrücklicher, hallt länger nach.

Faust und Holocaust – Berlioz’ „La damnation de Faust“ an der Berliner Staatsoper

06.06.17 (Peter P. Pachl) -
Obgleich Terry Gilliams Inszenierung bereits vor sechs Jahren in London herauskam und anschließend in Palermo und Antwerpen zu sehen war, löste die deutsche Erstaufführung dieser internationalen Koproduktion in Berlin heftige Proteste aus und zog Verrisse in den Tageszeitungen nach sich. Die szenische Revue über die größte Dämonie des 20. Jahrhunderts erntete in der dritten Aufführung Lacher und widerspruchslos begeisterten Schlussapplaus.

„Génie oblige“: Die Fürstin schreibt Noten – Ausstellung zur „Liszt-Biennale 2017“

06.06.17 (Roland H. Dippel) -
Die Ausstellung „Génie oblige“ des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar bildet das thematische Zentrum zur Liszt-Biennale 2017, doch das nimmt man am (Kultur-)Bahnhof Weimar kaum wahr: Selten sieht man so geballt Passagiere mit schweren Lektüre-Brocken von Eco und Borchmeyer in der Hand wie hier. Und leider reicht die Zeit nicht für die Tafeln der textintensiven Wanderausstellung „Ein Geschenk des Himmels – Die Reformation und ihre Musik in Thüringen“ des Thüringer Landesmusikarchivs in der Eingangshalle.

Mehr als ein Symbol: Maximilian Marcolls „Adhan“ in Berlin

05.06.17 (Martin Hufner) -
Alle etwa 20 Minuten setzt sich der Organist Thomas Noll auf die Orgelbank. Zwischen 18 und 22 Uhr erklingt Maximilian Marcolls Komposition „Adhan“ in einer speziellen Innenraumfassung in der Kirche zum Heilsbronnen in Berlin-Schöneberg. Ursprünglich war es für eine Aufführung vor zwei Jahren mit dem Carillon im Berliner Tiergarten vorgesehen. Aber das Stück „funktioniert“ auch in einer Kirche.

Cross under – Solistenensemble PHØNIX16 feat. Maja S. K. Ratkje, POING in der Wabe Berlin

04.06.17 (Martin Hufner) -
Das Solistenensemble PHØNIX16 startete sein vierteiliges Programm am 1. Juni unter dem Titel „Arbeiten kannste morgen!“ und steckte dabei ein Konzertereignis ab, das vom russischen Futurismus bis zum theatralen, videovisuellen Konzertstück von Timo Kreuser („Ein Regime“ UA) reichte. Das Publikum ist gemischt. Es gelingt!

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 05. bis 11. Juni 2017

04.06.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 23. Der MDR bleibt ein Totalausfall. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Beethovens Rasumowsky-Quartette, Quatuor Diotima, Peter Lackner, Geschwistern Widmann, Hans Köth, Jennifer Walshe, Neue Musik aus Irland, Adriana Hölszky, Neue Vocalsolisten ascolta, Rolf Riehm, Saxophon, Konstantia Gourzi, Programmiersprachen, Sonar Quartett, Helmut Zapf, Teresa Carreño und Rostrum of Composers - der Songcontest der Neuen Musik.
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