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Großes europäisches Opern-Panorama – Der provençalische Opernsommer 2022

12.07.22 (Frieder Reininghaus) -
Nach der Zwangspause zu Beginn des Jahrzehnts hat das Festival d’Aix-en-Provence 2022 wieder volle Fahrt aufgenommen und Anfang Juli ein gutes halbes Dutzend neuer Produktionen im Hof des ehemaligen Erzbischofspalasts, im neuen Grand Théâtre de Provence und zwei weiteren neu erschlossenen Nebenspielstätten angeboten. Directeur Pierre Audi sorgte für ausgewogenes internationales Flair in einer politisch hellhörigen Zeit, hielt aber die Inszenierungen frei von aktuellen Bekundungen. Mit zwei Uraufführungen und einer markanten szenischen Kreation wurde der Anspruch auf europäische Marktführerschaft unterstrichen.

Menschen und Götter gefühlt ganz nahe – Brigitte Fassbaenders „Walküre“-Inszenierung in Erl

10.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Was wären Festspiele ohne Wagner – und Wagner: das bedeutet in vielen Theatern Überwältigung durch die Musik aus dem Orchestergraben und fulminante Aktion auf der hochtechnisierten Bühne dahinter. Im Erler Passionsspielhaus ist dieses Verhältnis umgedreht: Hinten das Orchester auf einer hohen Tribüne, durch einen Gazevorhang zu ahnen; eine breite Spielfläche, direkt vor dem Publikum, mit sehr begrenzten technischen Möglichkeiten. Genau daraus hat die Wagner- und „Walküre“-erfahrene Brigitte Fassbaender faszinierenden Gewinn gezogen – und Ovationen geerntet.

Die Frau als der bessere Mann – Europäische Erstaufführung des Musicals „Tootsie“ am Münchner Gärtnerplatztheater

09.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Oder doch umgekehrt? Unser Kritiker ist sich nicht ganz sicher – angesichts des überbordenden Jubels für Solisten, Dirigent und Regisseur, Chor und Orchester, die Musical-Fassung – und einfach auch das Werk an sich. Denn das kann sich neben allen Geschlechtertausch-Komödien von „Charleys Tante“ bis zu „Mrs. Doubtfire“ mehr als behaupten – und legt noch amüsant insistierend den ein und anderen Missstand im Kulturbetrieb bloß, gerade auch nach dem Corona-Shutdown. Rundum „ein toller Abend“!

Orte vielgestaltiger Begegnungen – Das Festival Musik Installationen Nürnberg

08.07.22 (Ursula Gaisa) -
Musik Installationen Nürnberg ist ein Festival für Musik als performative Raumkunst. Noch bis 10. Juli 2022 werden acht musikalische Installationen an verschiedenen Orten und Institutionen in Nürnberg zeitgleich präsentiert. Es gibt konstante und temporäre Räume. Manche öffnen und schließen sich, andere sind immer da.

Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue in der Komischen Oper

08.07.22 (Barbara Haack) -
„Ist es nicht wunderbar, dass wir heute an dieser Stelle wieder jiddische Lieder singen dürfen?“ Max Hopp stellt diese Frage nach einer fulminanten Barrie-Kosky-Abschiedsvorstellung in der Komischen Oper und erntet damit einen Extra-Applaus und Standing Ovations. Knapp drei Stunden der „Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue“ sind gerade zu Ende gegangen. Der Intendant des Hauses übergibt sein Amt nach zehn erfolgreichen Jahren, will ihm als Regisseur aber regelmäßig weiter verbunden bleiben.

Nicht für die Schublade – Der Dwight und Ursula Mamlok-Preis in Berlin verliehen

07.07.22 (Isabel Herzfeld) -
Zwei Jahre lang war er „taktlos“: Der Dwight und Ursula Mamlok-Preis, alljährlich abwechselnd in Berlin und New York verliehen, konnte pandemiebedingt seinen Rhythmus nicht einhalten – nach vielem Hin und Her musste das Berliner Preisträgerkonzert 2020 in den Oktober 2021 verlegt werden. Herausfordernde Zeiten für die Organisator:innen um Bettina Brand, Geschäftsführerin der auslobenden Mamlok-Stiftung, die die Preisverleihung 2022 im Berliner Konzerthaus wieder „im Takt“ auf die Beine stellen konnten.

Musikmanie im Norden – Das Eröffnungskonzert zum SHMF in Lübeck mit Igor Levit

06.07.22 (Arndt Voß) -
Das Schleswig Holstein Musik Festival oder kurz SHMF hat nach zweijährigen Corona-Zwängen endlich ein Eröffnungskonzert in normaler Form hinter sich, traditionell wieder in Lübecks Musik- und Kongresshalle. Die trägt seit fast 30 Jahren das aus ihrem langen Namen gebildete Kürzel, ist einfach nur die MuK, war es auch in den letzten beiden Jahren, in denen sie als größte Impfhalle im Lande diente.

Schwarze Schafe und rote Nasen – „Die Nase“ an der Semperoper und die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch

05.07.22 (Michael Ernst) -
Als letzte Neuproduktion dieser Saison brachte die Dresdner Semperoper Dmitri Schostakowitschs Frühwerk „Die Nase“ heraus. Wie passend, dass dies zeitgleich zu den 13. Internationalen Schostakowitsch-Tagen Gohrisch geschah.

Balanceprobleme: Bachs h-Moll-Messe als „Missa miniatura“ beim Musikfest ION Nürnberg

05.07.22 (Juan Martin Koch) -
Mit der „Johannespassion zu dritt“ hat sie vor zwei Jahren zusammen mit Benedikt Kristjánsson Furore gemacht. Nun präsentierte Elina Albach mit dem Ensemble Continuum Berlin in der Nürnberger Sebalduskirche Bachs h-Moll-Messe als „Missa miniatura“. Juan Martin Koch berichtet von einem zwiespältigen Abend.

Szenisch zu wenig fokussiert, musikalisch stark – Giuseppe Verdis „Macbeth“ in Freiburg

04.07.22 (Georg Rudiger) -
Ein Herrscher, dessen Gier nach Macht unersättlich ist, der buchstäblich über Leichen geht und einen Flüchtlingsstrom auslöst. Macbeth zieht eine Blutspur hinter sich und scheint in seinem Wahn von niemandem gestoppt werden zu können. Sicherlich hätte der ukrainische Regisseur Andriy Zholdak diese Geschichte am Freiburger Theater ganz aktuell erzählen können, aber ein Foto eines zerstörten Hochhauses, das aus der Ukraine stammen könnte und vor dem dritten Akt von Giuseppe Verdis Oper auf der Leinwand zu sehen ist, bleibt der einzige Bezug zum von Wladimir Putin befohlenen Krieg Russlands gegen sein Heimatland.

„Die Wahrheit hat hier niemand gepachtet“ – Valentin Schwarz im Gespräch über seine Bayreuther Ring-Inszenierung

02.07.22 (Joachim Lange) -
Die Überraschung war groß, als Katharina Wagner Ihr Team für den neuen Ring präsentierte: Den jungen Regisseur Valentin Schwarz und den Dirigenten Pietrai Inkinen hatten selbst die Insider nicht auf der Agenda. Nur der legendäre Seiteneinsteiger für den „Jahrhundertring“ 1976 war noch ein wenig jünger als Schwarz. Wenn Corona nicht dazwischen und der Ring planmäßig 2020 über die Bühne gegangen wäre, dann hätte Valentin Schwarz Patrice Chéreau – in diesem Punkt – sogar noch überholt. Jetzt kommt die Nachfolge-Inszenierung, die auf Frank Castorfs Ring folgt mit Verspätung auf die Bühne. Joachim Lange traf Valentin Schwarz einen Monat vor der Premiere in Bayreuth.

Schwerin heult mit den Wölfen – eine dokumentarische Naturoper von Helena Tulve

30.06.22 (Arndt Voß) -
Das Mecklenburgische Staatstheater hat die vielfältigen Aspekte und Fragen um das Problem „Wolf“ aufgegriffen und in eine „Naturoper“ umwandeln lassen. Arndt Voß über eine Oper, die den Stimmen große Partien gibt: Eine suggestiv und explorative Naturoper in Schwerin.

„Schönheit ist hier tatsächlich absolut mein Thema“ – Roland Schwab im Gespräch mit Joachim Lange zur Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ in Bayreuth

30.06.22 (Joachim Lange) -
Der neue Ring war schon vor zwei Jahren für den Grünen Hügel geplant und kommt jetzt, mit zwei Jahren Verspätung Premiere. Für den aktuellen Jahrgang hatte Katharina Wagner aber noch eine Überraschung bereit: Zur traditionellen Eröffnung der Festspiele am 25. Juli wird es zusätzlich eine Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ geben. Inszenieren wird mit Roland Schwab (*1969) einer der gefragten Regisseure seiner Generation. Einen Monat vor der Premiere traf sich der Regisseur in Bayreuth vor dem Festspielhaus mit unserem Mitarbeiter Joachim Lange zum Gespräch.

Die Münchner Opernfestspiele formen Pendereckis „Teufel von Loudun“ zur wuchtigen Parabel

28.06.22 (Wolf-Dieter Peter) -
„Lernet, was Liebe heißt“ gibt der blutig gefolterte Priester Grandier auf seinem Weg zum Scheiterhaufen der Priorin Jeanne für den Rest ihres Lebens mit. Über diese moralische Größe hinaus wuchs sich die gesamte Eröffnungspremiere zum hochkünstlerisch anklagenden Faustschlag gegen allen Machtmissbrauch und alle Massenhysterien aus.

Ein „Niemand“ auf der Suche nach sich selbst: „Ulisse“ von Luigi Dallapiccola in Frankfurt

28.06.22 (Dieter David Scholz) -
Der Odysseus-Stoff gehört seit Homer zur Weltliteratur. Seit Claudio Monte­verdis Oper aus dem Jahre 1640 ist er immer wiederkehrendes Thema auch des Musiktheaters, man denke nur an Offenbachs „Schöne Helena“, Berlioz’ „Les Troyens“, Bruchs „Odyssee-Szenen“ oder Egks Odysseus-Oper „Circe“ von 1949. Eine der jüngsten Opern-Vertonungen des Stoffes stammt von dem italienischen Komponisten Luigi Dallapiccola, er hat das Stück in den 1960er Jahren komponiert.

Die erweiterte Jazz-Radiowoche vom 27.06. bis 03.07.2022

26.06.22 (mh) -
Ein kleiner Blick in die Radiowoche 26: Festival Jazzdor Strasbourg-Berlin / Hommage an Charles Mingus im Wiener Porgy & Bess / Lionel Hampton / Lisbeth Quartett / Neuer Klavierjazz aus der Ukraine und Russland / Benyamin Nuss spielt Frederic Rzewski / Über Hände beim Musizieren / Bundesbegegnung Jugend jazzt in Lübeck / Isfar Sarabski Quartett im Oktober 2021 in Hamburg / Mary Halvorson – Code Girl | Jazzfest Berlin, November 2021 / Monheim Triennale 1 / Die Jones-Brüder – Aufnahmen von Hank, Thad und Elvin Jones / Johanna Borchert / Musik von Jubilar Joe Zawinul aus dem Wiener Funkhaus / Der amerikanische Pianist Gerald Clayton / Free Jazz Festival Saar 2022 / Weather Report: „8:30“ (1980).

Glückspillen-Finale: „Me and My Girl“ an der Musikalischen Komödie Leipzig

26.06.22 (Roland H. Dippel) -
Chefdirigent Stefan Klingele und Chefregisseur Cusch Jung machten, bevor sie sich neuen Aufgaben zuwenden, „Me and My Girl“ am Samstagabend zum schönen Finale mit Freudegarantie. Der Applaus tobte noch, als Soli, Chor, Ballett bereits von der Bühne waren und Klingele mit dem Orchester im Graben zu einem letzten Medley ansetzte. Vom Leitungstriumvirat der Musikalischen Komödie bleibt zum Start den neuen Leipziger Opernintendanten Tobias Wolff im September 2022 nur der künstlerische Betriebsdirektor Torsten Rose.

Theos Kurz-Schluss: Wie ich einmal lernte, dem Sprichwort „Fürs Lernen ist es nie zu spät“ gründlich zu misstrauen

26.06.22 (Theo Geißler) -
Warnung: Im folgenden Text wird aufgrund von Papierreduktion zwecks Rettung unserer Wälder und umweltschonender Einsparung von Druckerschwärze das generische Maskulinum verwendet. Traurig, traurig: Ein ansonsten international als wirklich bedeutend anerkannter Kulturevent, die documenta in Kassel, erschüttert durch Haltungsschäden nicht nur die ungefähr nullkommazwei Prozent ernsthaft qualitätsbewusst Kunstaffiner in unserem Land der Dichter, Denker, Komponisten und Werbetreibenden. Dabei haben die Kuratoren schon bei der Formulierung der Headline „documenta fifteen“ ein sehr feines Gefühl für polyglotte Weltläufigkeit bewiesen. Unterstrichen durch die Wahl des leicht modifizierten Youngster-Magnet-Songs „Sweet little Fifteen“ in der aufgefrischten Version von Xavier Naidoo als akustisches Lead-Motiv. [Vorab aus „Politik & Kultur“ 2022/07]

Wette als Paartherapie – Mozarts „Così fan tutte“ am Nordharzer Städtebundtheater

20.06.22 (Joachim Lange) -
In Halberstadt und Quedlinburg gibt es eine recht moderne Version von Mozarts „Così fan tutte“, findet unser Kritiker Joachim Lange. Diese komische Oper des Komponisten, der „menschliche Wahrheiten zu komponieren“ verstand, entpuppt sich als Gefühlsexperiment unter Laborbedingungen, die so ins Bild zu gesetzt wird, dass es heute passt.

In einer Welt der Phantasie – Im Staatstheater Meiningen wird Achim Freyers „Zauberflöte“ bejubelt

19.06.22 (Joachim Lange) -
Auffallend oft gab es in letzter Zeit wieder Bühnenbilder für Opernproduktionen, die nicht mit nihilistischer Leere bis zur Brandmauer und Secondhand-Kostümen der allgemeinen Tristesse der Welt von heute in bekannten oder auch unbekannten Werken der Vergangenheit nachspürten. Vielleicht ein Indiz für ein wachsendes Bedürfnis nach Kunst als Gegenwelt? Und nicht nur als Analyse- oder Diskursbeitrag der besonderen Art. Wer weiß.

Ein gruslig-kulinarisches Theaterfest – Giacomo Puccinis „Turandot“ an der Staatsoper Oper Berlin

19.06.22 (Dieter David Scholz) -
Das erst zwei Jahre nach Puccinis Tod, 1926 (von keinem Geringeren als Arturo Toscanini) in Mailand uraufgeführte Werk, frei nach dem Stück des venezianischen Dramatikers Gozzi, die letzte und unvollendete Oper Puccinis, zu der Franco Alfano den Schluss nachkomponierte, bleibt bis heute unglaubwürdig, rätselhaft und doch faszinierendes Fragment, ein Stück des Nicht mehr und Noch nicht zwischen Verismo und Faschismus, Operette und Filmmusik, Hollywood und Gabriele D’Annunzio.

Erfrischend: Giuseppe Scarlatti bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci

19.06.22 (Roland H. Dippel) -
Mit der Entdeckung von Giuseppe Scarlattis „I portentosi della Madre Natura“ (Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur) landete Dorothee Oberlinger bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci auf ihrer Suche nach Werken für den preußischen Hof einen Volltreffer.

Bayreuther Besetzungen 2022 in Budapest: „Der Ring des Nibelungen“ perfekt

18.06.22 (Roland H. Dippel) -
Seit 2007 gibt es im Müpa Budapest Wagner-Tage mit exzeptionellen internationalen Besetzungen und regionalen Aufsteigern in halbszenischen Aufführungen. Zur „Ring-„Besetzung vom 9. bis 12. Juni gehörten jene beiden Sänger, die nach der Absage von John Lundgren die Partie des Wotan/Wanderer in der neuen „Ring“-Inszenierung von Valentin Schwarz bei den Bayreuther Festspielen 2022 übernehmen werden: Tomasz Konieczny und Egils Siliņš. – Einer der ältesten Richard-Wagner-Verbände feiert dort im Herbst sein 150-jähriges Jubiläum. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie man sich in Budapest dem Werk des deutschen Musikdramatikers verbunden fühlt.

Musik und Politik: „Komponisten als Kronzeugen eines europäischen Denkens“

16.06.22 (Stefan Pieper) -
Stefan Pieper berichtet von dem internationalen Kongress „Musique, mémoire et citoyenneté européenne“ und dem anschließenden politischen Konzert von Amaury du Closel und dem Orchestre Les Métamorphoses mit Werken von Hanns Eisler, Stefan Wolpe, Emil Frantisek Burian, Luciano Berio und Amaury du Closel im Arnold Schönberg Center Wien.

Tutti-Finale unter dem Zementsilo – „berlin westhafen – umschlagplatz klang“

15.06.22 (Antje Rößler) -
Der Berliner Westhafen war zeitweilig Deutschlands zweitgrößter Binnenhafen. Der Schweizer Künstler Daniel Ott bespielt das Gelände mit seiner Landschaftskomposition „berlin westhafen – umschlagplatz klang“. Mit dabei sind sieben Ensembles aus Berlins Freier Szene.
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