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Torsten Rasch holt in „Die andere Frau“ biblische Grausamkeit ins Heute – Uraufführung an der Semperoper

24.01.22 (Michael Ernst) -
Mit der Uraufführung der Oper „Die andere Frau“ an der Semperoper hat Dresden ein lohnendes Stück Musiktheater beschert bekommen. Dessen Stoff geht auf eine biblische Legende zurück. Also eine historische Oper? – Mitnichten: „Es gibt sie nicht, die rechte Zeit. Nur diese unsre Zeit“, betont die Titelheldin gegen Ende dieses opulenten Werkes. Und meint gleich darauf: „Seine Wege kennt kein Mensch.“

Rossini-Sternstunde mit „Der Barbier von Sevilla“ in Dessau

24.01.22 (Dieter David Scholz) -
„Der Barbier von Sevilla“ war einer der größten Welterfolge der Operngeschichte. Keineswegs seit der Uraufführung im Teatro Argentina in Rom, wo das in wohl weniger als zwei Wochen komponierte Auftragswerk des noch Dreiundzwanzigjährigen am 20. Februar 1816 herauskam. Die Uraufführung war ein Fiasko. Aber seit der zweiten, gefeierten Produktion am 10. August 1816 in Bologna trat das Werk seinen Siegeszug durch die Welt an. Das Werk wurde allerdings häufig bearbeitet und geradezu entstellt.

Spannungsfelder zwischen Mensch und Maschine – „R.U.R.“ von Gamut Inc im Berliner Theater im Delphi

21.01.22 (Stefan Drees) -
Mit dem Projekt „Over the Edge Club“ schuf das Musikmaschinenensemble Gamut Inc 2020 den ersten Teil einer Mensch-Maschine-Trilogie. Mit der Roboter-Oper „R.U.R.“ folgte nun im Berliner Theater im Delphi am Prenzlauer Berg der Mittelteil des Triptychons, der sich auf der Basis von Karel Čapeks gleichnamigem Theaterstück den Spannungsfeldern zwischen Mensch und Maschine widmet.

Basel Sinfonietta wurde 40 und feierte 41Plus1

20.01.22 (Roland H. Dippel) -
Zum Spezialklangkörper für Neue Musik wurde Basel Sinfonietta erst allmählich. Am Anfang, in der langen Vorbereitungsphase für das erste Konzert von 1979 bis 1981, stand der Anspruch, „anders, besonders und überraschend“ zu sein. Dass Basel Sinfonietta nach dem 2021 ‚nur‘ digital gefeierten Jubiläum vor dem dritten Abo-Konzert das Festwochenende 40Plus1 ansetzte, hat seine Berechtigung: Durch den Einsatz einer inzwischen sechsköpfigen Geschäftsstelle gewann der administrative Professionalisierungsschub des demokratisch selbstbestimmten Schweizer Klangkörpers an Stoßkraft.

In die Einsamkeit der Moderne – „Warten auf heute“, Musikdramenmix in Frankfurt

18.01.22 (Regine Müller) -
David Hermann fügt an der Frankfurter Oper drei Werke von Schönberg mit Frank Martins „Jedermann“-Monologen zu einer verblüffend stimmigen Erzählung des Scheiterns von Beziehungen.

Händelglück – „Il trionfo del Tempo e del Disinganno“ in Mannheim

18.01.22 (Dieter David Scholz) -
Unser Kritiker Dieter David Scholz findet: „Der Barockmusiker Bernhard Forck hat mit Mitgliedern des Orchesters des Nationaltheaters Mannheims, die unterstützt wurden von Musikern der Alten Musik mit alten Instrumenten eine außerordentlich vitale wie meditativ-verinnerlichte Aufführung zustande gebracht.“ Hier nimmt er uns mit auf eine Reise durch Zeit und Raum der Musikgeschichte.

Keine Handlung, aber köstlich! Luciano Chaillys „Die kahle Sängerin“ an Semper Zwei

17.01.22 (Michael Ernst) -
Das gibt es auch im wirklichen Leben: Als Ohrenzeuge eines sich streitenden Ehepaars am liebsten im Boden versinken zu mögen. Aber wohin, wenn man im Wohnzimmer zweier sich erst anschweigender, dann monologisierender und schließlich keifender Leute sitzt?

Wie Phönix aus der Pandemie-Asche? Die Münchner Philharmoniker starten mit einer Fazil-Say-Uraufführung ins neue Jahr

17.01.22 (Juan Martin Koch) -
Den Januar haben die Münchner Philharmoniker zum Festivalmonat „NEO“ erkoren, mit jeweils einer Uraufführung in drei Veranstaltungen. Den Auftakt machte Fazils Says neues Konzert für Klavier vierhändig. Juan Martin Koch berichtet vom Wiederholungskonzert.

nmz HörBar: Ausgabe 49 – Operetten (Ausgegrabenes und Erfrischendes)

12.01.22 (mh / mk) -
In der 49. Ausgabe der nmz-HörBar hat sich Michael Kube fünf Operetten-Einspielungen vorgenommen. Leo Fall / Die Rose von Stambul – Reynaldo Hahn / Ciboulette – Lattès / Le Diable à Paris – Strauss II / Blindekuh – André Messager / Passionnément. Tiefschürfendes, Gefälliges, Verbogenes und Fast-Verlorenes. Ein Kurztrip in die Sozialgeschichte der Musik.

Mozart an der Moldau: Vom Himmel regnet’s Seifenblasen – Eine poetische „Così fan tutte“

10.01.22 (Michael Ernst) -
Dass diese Premiere überhaupt stattfinden konnte, sei nahezu ein Wunder gewesen. Per Boye Hansen, als Künstlerischer Leiter von Nationaltheater und Staatsoper quasi der oberste Opernchef in Prag, grüßte am Samstag beglückt und freute sich für Ensemble und Publikum über die Negativ-Tests der A-Besetzung. Die B-Premiere von Mozarts „Così fan tutte“ freilich ist vorerst gecancelt, weil deren Besetzung pandemiebedingt nicht ausreichend proben konnte.

Die Sichere, der Feinsinnige, der Exklusive: Der 18. Operetten-Workshop Junge Dirigenten in der Musikalischen Komödie Leipzig

10.01.22 (Roland H. Dippel) -
„Geisterkonzert“ trifft es nicht ganz: Ein Name für die Veranstaltungsmodalitäten des 18. Operetten-Workshops muss noch erfunden werden. Wie bezeichnet man eine konzertante Aufführung ohne Frack und Abendkleid, ohne öffentliche Ankündigung und ohne Publikum? Die drei Stipendiat*innen vom Forum Dirigieren des Deutsches Musikrats erlebten in der Musikalischen Komödie Leipzig bei den Proben zu Walter Kollos „Jettchen Gebert“ eine abenteuerliche Kette von Ausnahmesituationen, bedingt durch die Schließung aller Kultur-Einrichtungen im Freistaat Sachsen bis 14. Januar. Nicolò Foron, Annalena Hösel und Friedrich Praetorius wird so schnell nichts mehr erschüttern. Sie sind jetzt um einige Erfahrungen und Glücksmomente reicher. Roland H. Dippel besuchte am 7. Januar die Generalprobe.

Verspätete Premiere von Jochen Biganzolis „Tristan und Isolde“ Inszenierung in Halle bejubelt

08.01.22 (Joachim Lange) -
Es war eine Premiere mit Hindernissen, auf deren Stattfinden schon keiner mehr gewettet hätte. Die Generalprobe gab es schon im Frühjahr 2021 – die Premiere selbst wurde dann mehrfach verschoben. Jetzt endlich hob sich der Vorhang für Jochen Biganzolis „Tristan und Isolde“ Inszenierung doch noch. In dem Falle ist es inhaltlich relevant daran zu erinnern, dass er sein Konzept im April 2019 für das Theater Hagen erarbeitet hat, also noch lange vor Ausbruch der Pandemie. Wer sie jetzt in Halle in modifizierter Form miterlebte, könnte allerdings auf die Idee kommen, dass es sich um eine bewusst corona-bekämpfungskompatible Inszenierung handelt.

Wenn Berlioz, Frank Zappa, Black Sabbath, Led Zeppelin und ein tauber Beethoven gemeinsam eine Melodie verprügeln

05.01.22 (Burkhard Schäfer) -
Der US-Amerikaner Robert Trevino (Jg. 1984) ist Chefdirigent des Basque National Orchestra, Künstlerischer Berater des Malmö Symphony Orchestra und Erster Gastdirigent des Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI. Kürzlich hat Trevino für Ondine einen Exklusivvertrag unterzeichnet. Bei diesem Label ist 2020 u.a. auch seine Einspielung aller Beethoven-Sinfonien mit dem Malmö Symphony Orchestra erschienen. Nun hat Trevino mit dem Basque National Orchestra ein neues Album für Ondine aufgenommen. Es trägt den Titel „Americascapes“ und bringt Orchesterwerke US-amerikanische Komponisten zu Gehör, die sowohl diesseits als auch jenseits des Großen Teichs bislang noch weitgehend unbekannt sind. Burkhard Schäfer sprach mit Robert Trevino über seine Leidenschaft für die vergessenen Pioniere der amerikanischen Kunstmusik.

Bellinis seltene „Zaira“ als „Theater unter Vorbehalt“ in Gießen

30.12.21 (Andreas Hauff) -
„Theater unter Vorbehalt“ hatte das Stadttheater Gießen schon im Frühsommer für die Saison 2021/22 angekündigt. Weder wisse man so recht, schrieb Intendantin Cathérine Miville in der Spielzeit-Vorschau, unter welchen Voraussetzungen man werde spielen können, noch was „auf dem kreativen Marktplatz der Gedanken“ gefragt sei. Wie Theater zusehends zum Abenteuer wird, war nun am 1. Weihnachtsfeiertag bei Vincenzo Bellinis „Zaira“ zu erleben.

Rollenspiele zwischen Realität, Startum und Societygetue – „Le Postillon de Lonjumeau“ in Erl

30.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Wenn eine Arie zum Wunschkonzertschlager avanciert, ist mitunter Vorsicht geboten. So war Adams opéra comique von 1836 aus dem Repertoire gefallen – auch wegen der Anforderung an den Tenor, mehrfach mit dem hohen D zu glänzen. Doch inzwischen entdeckt Frankreich seine Operntradition und stellt wiederholt fest: das ganze Werk ist nicht von gestern. Auch die Tiroler Festspiele in Erl bewiesen das jetzt.

Haydneum-Entdeckung Nummer Eins: Gregor Joseph Werner

29.12.21 (Roland H. Dippel) -
Anfang Oktober 2021 wurde in Budapest und in Schloss Esterházy in Fertőd die Gründung der Stiftung Haydneum mit einem Festival eröffnet. Künstlerischer Direktor von Haydneum ist Benoît Dratwicki neben seinen Aufgaben im Centre de Musique Baroque de Versailles. Haydneum will unbekannte Musik aus den großen ungarischen Musiksammlungen publizieren, aufführen und promoten. Der Schwerpunkt liegt auf Sammlungsbeständen von etwa 1630 bis 1820. Eine erste Entdeckung sind Oratorien von Joseph Haydns Eisenstädter Amtsvorgänger Gregor Joseph Werner.

Michael Kubes HörBar 48 – Josquin 500

28.12.21 (mh) -
Nachdem im 14. und 15. Jahrhundert zahlreiche Komponisten (die zugleich wohl auch immer Sänger waren) zusehends aus dem Dunkel der Namenlosigkeit getreten waren, bildete sich an der Wende zum 16. Jahrhundert um Josquin Desprez und sein Schaffen ein geradezu modern anmutender Kult. Michael Kube hat für seine 48. HörBar fünf aktuelle Aufnahmen unter die Hörlupe genommen.

Liebe ist einfach schwer – Die Festspiele Erl wagen eine Belebung von Pietro Mascagnis „L’amico Fritz“

27.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Oper ist so was von pervers: Lug und Trug, Verrat, Nötigung, Quälerei, Folter, Totschlag, Mord – meist hingerissen bejubelt und beifallsumrauscht. Oper ist so was von einseitig: lebenslange Freundschaft, Ergebenheit, Treue, schlichte Liebe – naja, schon auch, ganz nett, aber nicht umwerfend. Pietro Mascagni wollte 1891 das Gegengewicht zum Jubel um Betrug und Mord in seiner „Cavalleria rusticana“ schaffen – doch dieses andere Werk setzte sich nicht so recht durch. Das hinterfragen derzeit die Festspiele in Erl.

Baustellen-Party mit Glamour: Palazetto Bru Zane spielt die rekonstrierte Urfassung von Offenbachs „Pariser Leben“

27.12.21 (Roland H. Dippel) -
In einer Aufführungsserie an französischen Theatern präsentiert Palazetto Bru Zane, das Zentrum für französische Musik der Romantik, Jacques Offenbachs Opéra-bouffe „Pariser Leben“ in der rekonstruierten Fassung vor Freigabe durch die Zensur zur Uraufführung im Pariser Théatre des Variétés 1866. Roland H. Dippel war bei der Premiere im Pariser Théâtre des Champs-Élysées am 21. Dezember 2021 dabei und hält die musikalische Leistung für weitaus gelungener als die Inszenierung, Bühne und Kostüme von Christian Lacroix. Die Produktion wurde von arte aufgezeichnet.

Die Redaktion der neuen musikzeitung wünscht ein friedvolles Weihnachtsfest

24.12.21 (nmz-red) -
Die gesamte Redaktion der neuen musikzeitung und ihre Mitarbeiter wünschen nicht nur allen unseren Online-Besucherinnen und -besuchern, sondern wirklich allen ein gesundes, frohes und friedliches Weihnachtsfest. Wir werden hier in den nächsten Tage auch etwas kürzer treten, halten aber in kleiner Besetzung unseren Informationsdienst aufrecht. Stöbern Sie derweil gerne in den aktuellen Ausgaben der neuen musikzeitung, der Jazzzeitung und von Oper & Tanz. Bestimmt es etwas für Sie dabei.

Kommentar – Die Nürnberger NS-Kongresshalle soll Ausweichquartier der Oper werden

20.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Mama, wir haben gewonnen!“ ruft der kleine Sohn am Ende von Roberto Benignis hinreißendem Film „Das Leben ist schön“ der Mutter zu. Die abziehenden Deutschen Faschisten hatten eben im Lager seinen Vater erschossen, doch jetzt sitzt er triumphierend auf dem versprochenen Panzer der US-Truppen. Sein Satz kann eventuell und hoffentlich auch nach Vollendung des Nürnberger Stadtratbeschlusses vom Dezember 2021 gelten.

Halt a‘ Marthaler-Kollasch: Eine Musik-Montage von 1915 bis 1935 als „Giuditta“ an der Bayerischen Staatsoper

19.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Freunde, das Leben ist lebenswert“ und Richard Tauber, dieses hinreißende Weib Giuditta und Lehár selbst am Pult in der Wiener Staatsoper – das war 1934. „Die Münchner Neuinszenierung verbindet und verblendet dieses Werk mit anderen künstlerischen Reaktionen auf die damalige Zeit von Kollegen Lehárs, nicht als Demontage. Nein, Montage! Christoph Marthalers Radikalität bedeutet radikale Poetisierung. So landet das Stück bei uns im Heute“ erklärt Dramaturg Malte Ubenauf zur Neuinszenierung.

Ein Loch im Eisernen – Premiere von „Viktoria und ihr Husar“ in Halle

18.12.21 (Joachim Lange) -
Die Zeit und damit den historischen Kontext der Operette von Paul Abraham hat Regisseur Patric Seibert von den Jahren nach dem Ersten in die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt. Was willkürlich klingt, aber funktioniert, weil damit die Vorlage gleichsam zur Kenntlichkeit entstellt wird. Die Sache zündet insgesamt szenisch und musikalisch, findet unser Kritiker Joachim Lange.

Paminas Traumspuk – eine etwas andere, umgewürzte „Zauberflöte“ am Theater Kiel

15.12.21 (Arndt Voß) -
Darf die überhaupt noch gespielt werden, die „Zauberflöte“? Dies wird gefühlt zumindest jährlich einmal bei Spielplangestaltungen an-, vielleicht aufgeregt diskutiert, bis wieder jemand schwach wird und sich an ihr versucht. Denn landauf und landab, landin und landaus zeigt man sie, neu oder gebraucht, in Braunschweig oder in Nürnberg für Jung & Alt, in Basel und St. Gallen, in Berlin im Planetarium, in New York im Kino oder gar im fernen Kambodscha. Jüngst gab es sie coronakonform in Bremen und ganz neu nun in Kiel, genau am 11. Dezember 2021, wo man den arg diskutierten Sonderlichkeiten der „Zauberflöte“ anders beikommen wollte.

Der Orchesterfusionär – Johannes Bultmann im Gespräch mit Georg Rudiger

14.12.21 (Georg Rudiger) -
Johannes Bultmann (Jahrgang 1960), seit Herbst 2013 künstlerischer Gesamtleiter der SWR Klangkörper und Festivals, verlässt Ende des Jahres das SWR Symphonieorchester. Mit Georg Rudiger unterhält er sich über seine Tätigkeit als Orchesterfusionist zweier Orchester, ihrer Neuaufstellung als ein Orchester unter Teodor Currentzis – und darüber, wie es jetzt für das Orchester und ihn selbst weitergeht.
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