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Farbig, spannend, atmosphärisch dicht: „Fremde Erde“ von Karol Rathaus am Theater Osnabrück

Spezielles, mitunter entlegenes Opernrepertoire liegt dem Theater Osnabrück seit etlichen Jahren am Herzen. Uraufführungen von Sydney Corbett und Kaija Saariaho, Wiederentdeckungen von Ferruccio Busoni, Manfred Gurlitt und Charles Gounod waren in dem im Schatten des mächtigen Doms gelegenen Haus zu erleben. Nun, zur Eröffnung der Spielzeit, in der Osnabrücks neuer Intendant Ulrich Mokrusch die Leitung übernimmt, abermals eine Wiederentdeckung: „Fremde Erde“ von Karol Rathaus.

In der „Année érotique“ angesiedelt: „Così fan tutte“ an der Staatsoper Unter den Linden

04.10.21 (Peter P. Pachl) -
An der Staatsoper Unter den Linden entsteht ein neuer Mozart-Da-Ponte-Zyklus unter GMD Daniel Barenboim. Nach „Le Nozze di Figaro“, deren Präsentation im April dieses Jahres mehr Fragen aufgerufen als beantwortet hatte, folgte nun „Così fan tutte“ in jener Trilogie, die erstmals entgegen der Chronologie ihrer Entstehungszeit die drei Mozart-Opern auf Libretti Lorenzo Da Pontes inhaltlich miteinander zu einer Geschichte der Sexualität verknüpfen will.

Blick in die Seele des Försters: Tatjana Gürbaca inszeniert Leoš Janáčeks „Das schlaue Füchslein“ am Theater Bremen

03.10.21 (Ute Schalz-Laurenze) -
Leoš Janáčeks 1921 enstandene Oper „Das schlaue Füchslein“ ist vordergründig eine Ausstattungsoper – Tiere und Insekten tummeln sich im Bühnenwald – und damit eine Kinderoper. Doch schon lange wurde die Geschichte vom gefangenen Füchslein für die Regie anders verstanden: es geht um den Kreislauf des Lebens, den Verlust der Menschen von der Liebe zur Natur, um menschliche, an den Tieren abgeschaute Liebe, um die Ähnlichkeit von Mensch und Tier, um Vergänglichkeit und Kreislauf, wenn der Förster an seinem Ende ein ganz junges Füchslein wiedertrifft.

Zwischen Bibel-Paraphrase und -Parodie: „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ an der Komischen Oper Berlin

03.10.21 (Peter P. Pachl) -
Der vom Autorenteam Bert Brecht und Kurt Weill 1928 mit der „Dreigroschenoper“ eingeschlagene Weg, mit den Mitteln des Showbusiness politische Botschaften zu transportieren, fand 1930 in Leipzig seine Fortsetzung mit „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“. Die dreiaktige Oper wurde seither vielfältig inszeniert und häufig auch stark gekürzt. Mit einer neuen, kargen Sicht wartet Barrie Kosky nun an der Komischen Oper Berlin auf.

Vom Ich zum Wir? Viktor Ullmanns „Der Sturz des Antichrist“ an der Oper Leipzig

03.10.21 (Joachim Lange) -
Die Zeile unter dem Titel aufhorchen: „Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen, Text von Albert Steffen“. Was da unter dem Titel von Viktor Ullmanns „Der Sturz des Antichrist“ zu lesen ist, erweist sich als ein Versprechen und eine Warnung (oder Drohung) zugleich. Die Oper Leipzig hat mit diesem Werk eine Spielzeit eröffnet, die es - neben allen Jonglierkünsten um die Hygienemaßnahmen herum - auch so schon in sich hat.

Ausfransende Klangströme: Das 2. Kammermusikfestival Regensburg stellte Nikolai Roslawez ins Zentrum

01.10.21 (Juan Martin Koch) -
Nach der erfolgreichen Premiere 2020 setzte das 2. Kammermusikfestival Regensburg wieder klare programmatische Akzente. Diesmal im Zentrum: der russische Komponist Nikolai Roslawez (1881–1944). Juan Martin Koch berichtet:

Zwischen Himmel und Hölle: Robert Carsen inszeniert Cavalieris „Rappresentatione“ im Theater an der Wien

30.09.21 (Joachim Lange) -
Roland Geyer hat an den Beginn der letzten Spielzeit seiner über die Jahre ziemlich erfolgreichen Intendanz am Theater an der Wien wohl bewusst die erste Oper der Musikgeschichte gesetzt. Sein designierter Nachfolger Stefan Herheim erbt als kommender Künstlerintendant gleichsam einen angesparten Vorsprung gegenüber dem vor allem in seinem Selbstverständnis Weltspitzen-Staatsopern-Tanker am Ring. Das zweite (Stagione-) Opernhaus in Wien bleibt jedenfalls im Rennen. Selbst, wenn es nur so weitermacht, wie bisher…

Ein Triumph von Farbe und Klamauk: Herbert Fritsch inszeniert Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ an der Wiener Staatsoper

30.09.21 (Joachim Lange) -
Herbert Fritsch (70) ist als Regisseur ein Spätberufener. Bekannt wurde er als energiegeladener Schauspieler aus der Truppe, mit der Frank Castorf über Jahrzehnte hinweg mit seiner Volksbühne die deutsche Theaterszene von Berlin aus mitbestimmt hat.

Repetitionen zum Abgewöhnen: „Die Vorüberlaufenden“ von Andrej Koroliov an der Deutschen Oper Berlin

29.09.21 (Peter P. Pachl) -
Wer erinnert sich noch an das 1986 uraufgeführte, überaus viel nachgespielte und verfilmte Grips-Musical „Linie 1“ von Birger Heymann und Volker Ludwig: „Fahr mal wieder U-Bahn, tu‘ dir mal was Gut‘s an!“, deren Akteur*innen analog den „Kindern vom Bahnhof Zoo“ in einer untergründigen Schlaufe zwischen Einsteigen, Fahren, Aussteigen – und dem Leben-Fristen gefangen waren.

Theos Kurz-Schluss: "Wie ich einmal – vor mich hinmodernd – versuchte, den politisch verordneten Modern Times zu genügen"

29.09.21 (Theo Geißler) -
Mich erreichte der Weckruf überraschenderweise ausgerechnet via eines TV-Trios oder modischer »Trielles« aus dem Munde Armin Laschets (vielleicht war es aber bei einem Quartett, neuerdings auch »Quartell« genannt, doch Christian Lindner): Jedenfalls hatte sich das altbackene Land der Dichter und Denker – so das Postulat – in ein Land der digitalen Dichter und Denker zu wandeln, um international konkurrenz- und zukunftsfähig zu werden.

„Tosca“ in der Raumbühne – Die zweite Premiere des Spielzeitauftakts in Kassel

27.09.21 (Joachim Lange) -
Die Idee hat aparten Witz. Zum Auftakt einer neuen Intendanz lässt man auf Alban Bergs „Wozzeck“ aus dem Jahre 1925 tagsdrauf Puccinis „Tosca“, mit deren Premiere im Januar 1900 das 20. Jahrhundert für die Oper gleichsam begann, folgen. Erst die heute akzeptierte, sagen wir ästhetische Herausforderung. Dann der beim Publikum nach wie vor hoch im Kurs stehende Repertoire-Liebling.

Spektakulärer Auftakt einer neuen Intendanz: Florian Lutz inszeniert Alban Berg „Wozzeck“ in einer Raumbühne mit Gegenwartsbezug

26.09.21 (Joachim Lange) -
Mehr ungeplante Unterstützung von außen konnte sich Florian Lutz kaum wünschen und schon gar nicht selbst organisieren. Zum Auftakt seiner Intendanz am Staatstheater Kassel legte der bundesweite Aktionstag der meist jungen Klimaschützer auch hier zeitweise den Verkehr lahm. Dazu: die spannendste Bundestagswahl seit langem. Die Zeit ist, wenn nicht aus den Fugen, so doch spürbar angespannt. Auch nervös.

Prinzenjagd im Theater Neustrelitz: Humperdincks „Dornröschen“

26.09.21 (Roland H. Dippel) -
Volltreffer! Beim zweiten Anlauf klappte es. Die Premiere von Engelbert Humperdincks „Dornröschen“ wurde am Beginn des zweiten Lockdowns im Herbst 2020 abgesagt. Vor zehn Monaten hatte man sogar vorsorgend eine Fassung mit zwei Klavieren anfertigen lassen, um für alle Einlass-Eventualitäten gewappnet zu sein. Durch die Verschiebung kam es im Theater Neustrelitz am 25. September 2021 zur ersten Vorstellung. Nur kurz vor dem 100. Todestag Humperdincks, der im Neustrelitzer Hotel Fürstenhof zwei Schlaganfälle erlitten hatte und am 27. September 1921 im Krankenhaus Neustrelitz verstorben war. Der Opernchor und die Neubrandenburger Philharmonie haben in „Dornröschen“ jede Menge zu tun.

Todesschüsse zur Fest-Eröffnung: Cherubinis „Medea“ am Theater Hof

26.09.21 (Roland H. Dippel) -
Am Freitagabend wurde das seit März 2020 gründlich sanierte Theater Hof in Anwesenheit von Gästen aus Politik und Society wiedereröffnet. Die Summe von 22 Millionen Euro kam vor allem einer Erneuerung der Bühnenmaschinerie, der Trocknung des feuchten Daches, dem Einbau einer Drehbühne auf der großen Bühne und einer technischen Aufrüstung des Studios zugute. Am Pult stand der neue Musikdirektor Ivo Hentschel und gestaltete Cherubinis „Medea“ in Lothar Krauses überlegter Inszenierung als intimes, zupackendes Musiktheater. Gänsehaut-Oper mit subtilen Tönen und überregionaler Qualität.

Lamentierende Langobardenkönigin in Göttingen: „Rodelinda 2021"

24.09.21 (Roland H. Dippel) -
Am 19. September endeten die am 9. September eröffneten Internationalen Händel Festspiele Göttingen mit der letzten Vorstellung der Jubiläumsproduktion „Rodelinda“ (HWV 19). Diese Oper stand 1920 am Beginn der Göttingen Händel-Renaissance durch Oskar Hagen. Laurence Cummings und Tobias Wolff wollten die Koproduktion mit dem Oldenburgischen Staatstheater unbedingt noch vor dem Ende ihrer Leitungsperiode herausbringen. Ab der Spielzeit 2021/22 übernehmen Jochen Schäfsmeier und der griechische Dirigent George Petrou das Festival.

Erotische Zerreißprobe zum Intendanz-Start in Halle: Brittens „Sommernachtstraum“

23.09.21 (Roland H. Dippel) -
Unter neuer Intendanz eröffneten dieses Wochenende die Musiktheater des Meininger Staatstheaters und der Bühnen Halle jeweils mit einer Oper von den britischen Inseln. Mit dieser Leistung wollen die Leitungen beider Häuser eine Offensive der Phantasie und der Überwältigungskraft physischen Theaters starten.

Unverdauliche, doch poetische Genüsse eines Hypochonders – Kiel treibt sein Spiel mit Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“

21.09.21 (Arndt Voß) -
Sergej Prokofjew hat der Nachwelt „Die Liebe zu den drei Orangen“ hinterlassen. Was da vor fast genau 100 Jahren uraufgeführt wurde, ist ein Stück, das seine Komik daraus bezieht, dass es sich immer wieder selbst im Wege steht. Die Folge ist, dass es für sich keine Richtung finden kann. Soll es tragisch, komödiantisch oder lyrisch sein oder etwas nur für Hohlköpfe? Das wird im Prolog gefragt, dort nicht geklärt, später auch nicht.

Fabel-hafte Petitesse – „Das NEINhorn“ am Atze Musiktheater Berlin

20.09.21 (Peter P. Pachl) -
Bevor es losgeht im schachbrettmusterbesetzten Auditorium des Atze Musiktheaters im Berliner Wedding, erklärt Intendant Thomas Sutter, dass dieses Musiktheaterstück eigentlich im Kammertheater hätte herauskommen sollen, doch aufgrund der sich verzögernden Bauarbeiten wurde die Bühnenadaption des gleichnamigen Kinderbuches von Marc-Uwe-Kling ins große Haus des Atze verlegt – wo es auch gut aufgehoben ist.

Bühnenzauber: Im Staatstheater Meiningen geht es mit barocker Lust in die neue Spielzeit und eine neue Intendanz

19.09.21 (Joachim Lange) -
Er hat natürlich auch einen von seinem Vorgänger inszenierten „Fliegenden Holländer“ und dann eine „La Boheme“ auf der Agenda, zu der er den Malerfürsten Markus Lüpertz als Regisseur und Ausstatter verführt hat. Außerdem will der gebürtige Ilmenauer Jens Neundorff von Enzberg nach seinem Wechsel von der Intendanz in Regensburg zu der des Staatstheaters der Thüringer Theaterresidenz Meiningen in Eisenach einen Schwerpunkt zu barocken Erkundungen von Werken etablieren, die in der Region entstanden aber in Vergessenheit geraten sind. Insofern passt seine Spielzeiteröffnung mit der Händeloper „Amadigi di Gaula“ sogar programmatisch. Sie passt aber auch dem Gesundheitsamt. Denn in jedem Intendantenbüro sitzt ja bis auf weiteres das Virus sprich das ihn bekämpfende Amt mit am Tisch.

Mozart-Glück zum Saisonstart: Arila Siegert inszeniert in Regensburg „Le nozze di Figaro“

19.09.21 (Juan Martin Koch) -
Statt wie ursprünglich geplant mit Puccinis groß besetzter „Turandot“ startete das Theater Regensburg mit Mozarts „Le nozze di Figaro“ in die neue Spielzeit. Die Verbindung von Arila Siegerts choreographischer Inzenierung mit einem brillanten Ensemble erwies sich dabei als perfekte Kombination.

Präsent und großherzig: Wiedereröffnung der Tonhalle in Zürich mit Mahlers Dritter

16.09.21 (Marco Frei) -
Vier Jahre hat die Restaurierung gedauert. In dieser Zeit diente die Tonhalle Maag am Bahnhof Hardbrücke als Interimsspielstätte. Jetzt ist es soweit: Die altehrwürdige Tonhalle in Zürich erstrahlt im neuen Glanz und neuen Klang. Dabei ging es darum, die Tonhalle weitestgehend in ihrem Originalzustand von 1895 zurückzuversetzen – auch akustisch, betreut von BBM-Müller in Planegg bei München. Bei der jetzigen Wiedereröffnung interpretierte das Tonhalle-Orchester Zürich unter seinem Musikdirektor Paavo Järvi die Sinfonie Nr. 3 von Gustav Mahler. Wie klingt es in der neuen alten Tonhalle?

Michael Kubes HörBar 42 – Barockopern von Stradella, Montéclair, Vivaldi, Telemann und Vinci

14.09.21 (Michael Kube) -
Wer bei Barockmusik vor allem an Kantaten, Konzerte und Sonaten denkt, der hat nur die eine Hälfte dieser Epoche vor Augen und Ohren. Denn neben den kontrapunktischen Künsten jener Zeit ist vor allem die Opera seria der wahre Motor des musikalischen Geschehens. Dass beim Libretto der Plot bevorzugt in der antiken Mythologie oder der großen Geschichte gesucht wurde, war der mit dieser Gattung verbundenen höfischen Repräsentation geschuldet.

U-Bahn-Anschluss am Wolfgangsee? – Benatzkys „Weißes Rössl“ in Dresden

14.09.21 (Michael Ernst) -
Die Staatsoperette Dresden transponiert Ralph Benatzkys Gassenhauer zur Großstadtrevue. Wer nur gut genug auf die Instinkte zielt, die er erlegen will, muss sie bedienen. Die Welt der Operette, mag sie noch so verlogen sein, hält sich absolut ehrlich an diese Devise. Ralph Benatzky und sein Singspiel „Im weißen Rössl“ hat dies ebenso gründlich befolgt wie zahllose Schöpfer von singenden, klingenden Traumwelten vor und auch nach ihm.

Freispruch für „Poppaea“ in Basel? – Nicht in Michael Herschs Oper

13.09.21 (Roland H. Dippel) -
War Donald Trump ein Anlass-Splitter für diese neue Oper über den Kaiser Nero? Und kann seine in Adaptionen immer sehr ambivalent charakterisierte Frau Poppaea Sabina für die Gegenwart eine sympathetische Umdeutung erfahren? Bernhard Günther, Kurator des Festival ZeitRäume Basel – Biennale für neue Musik und Architektur und des Festival Wien Modern, brachte die Uraufführungspremiere von „Poppaea“ im Kulturzentrum Don Bosco Basel.

Das Salz in der Suppe – Karen Stone inszeniert am Theater Magdeburg Verdis „Falstaff“

13.09.21 (Joachim Lange) -
Giuseppe Verdis „Falstaff“ gehört zu den Meisterwerken der Operngeschichte, die immer besser werden, je öfter man sie hört. Es ist die Vielzahl der Köstlichkeiten, die verführt. Und man freut sich nach dem Aufblitzen und wieder Verschwinden der einen schon auf die nächste. Klar sind da keine Arien über die Rampe zu schmettern. Auch schwelgerisches Anschmachten taucht nur als ironisch akustisches Augenzwinkern auf. Aber die Souveränität, die Entdeckerfreude und auch die Lust, sein Publikum (als fast Achtzigjähriger) noch einmal zu überraschen, wo er es doch schon seit Jahrzehnten quasi in der Tasche hatte, das imponiert bei jeder Wiederbegegnung mit dem Werk.
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