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Fundstück Nr. 54: Die Neuburger Kammeroper entdeckt Giuseppe Moscas „Die Poststation“

27.07.22 (Roland H. Dippel) -
In Neuburg an der Donau gibt es zum 54. Mal eine Opern-Rarität in deutscher Übersetzung. Wieder stellen Annette und Horst Vladar mit „La dilligenza a Joigny“ von Giuseppe Mosca ein Stück und einen Komponisten aus den Fußnoten heutiger Musikgeschichten vor. Die Komödie eines Rossini-Zeitgenossen aus dem Jahr 1813 bereitet auch im Juli 2022 Vergnügen.

Wie Leidenschaft zum Bild wird – Umjubelter „Tristan und Isolde“ bei den Bayreuther Festspielen 2022

26.07.22 (Joachim Lange) -
Es gehört im Grund dazu, dass es im Vorfeld der Bayreuther Festspiele irgendwas Skandalträchtiges zu berichten gibt. Viele Jahre sorgte die Familie des Komponisten selbst dafür. Doch auch, seit auf dem Grünen Hügel die Zuständigkeiten klar sind und Katharina Wagner das Unternehmen erfolgreich und beherzt führt, kann man darauf wetten, das irgendwas passiert.

SHMF – Sinfonische Spezialitäten mit Omer Meir Wellber und Krzysztof Urbański am Pult

26.07.22 (Arndt Voß) -
Das Schleswig Holstein Musik Festival macht es möglich. Gleich zweimal ließ sich herausragende Sinfonik am gleichen Ort erleben, an zwei Tagen nacheinander, beide Male mit bejubelten Orchestern und bemerkenswerten Dirigenten. Die Programme versprachen zudem das Besondere, hielten allerdings beide nicht Wort, einmal mit einer positiven Erweiterung, das andere Mal mit enttäuschendem Ersatz.

Er hat sich nicht geschont – Zum Tod des Dirigenten und Intendanten Stefan Soltesz

25.07.22 (Frieder Reininghaus) -
Das letzte mal gesprochen habe ich mit Stefan Soltesz vor vier Wochen an einem Tischchen auf dem Trottoir vorm Restaurant Rosati in der Berliner Bismarckstraße. Man konnte sich an jenem Sonntagnachmittag in der Deutschen Oper von den Qualitäten bzw. dem Misslingen der „Meistersinger“-Aufarbeitung von Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito überzeugen. Nach den gut sechs Stunden Verweildauer im Betonklotz auf der anderen Seite des Boulevards waren angesichts der hochsommerlichen Außentemperatur kühle Getränke angesagt.

Ein Stammgast öffnet in Salzburg die Türen zu den Festspielen: „Jedermann“

24.07.22 (Joachim Lange) -
Die Salzburger Festspiele haben begonnen – mit nur drei Opern-Neuproduktionen und etlichen Wiederaufnahmen versucht das Programm dennoch dem eigenen Anspruch die Nummer 1 zu sein, gerecht zu werden.

Vom Scheitern des Ideals - Die Tiroler Festspiele Erl bieten Ernest Chaussons „Le Roi Arthus“

24.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Auch in der sich als Wagner-Hochburg verstehenden Region um das Festspielhaus Erl scheint leider zu gelten „Was der Wagnerianer nicht kennt…“: „Walküre“ ausverkauft – „Roi Arthus“: für die Premiere und auch für die beiden kommenden Aufführungen eine Menge unverkaufter Karten. Dabei galt der 1855 in Paris geborene Ernest Chausson lange Jahre als der französische Wagnerianer schlechthin.

Veredelte Neufassung - Umberto Giordanos „Siberia“ bei den Bregenzer Festspielen 2022

22.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Die bewährte „Bregenzer Dramaturgie“, neben Populärem auf der Seebühne im Festspielhaus bislang verkümmerte Opernpflänzchen zum Blühen zu bringen, führte diesmal zu einer Neufassung. Denn das Werk hat es bislang schwer auf der Bühne. Die 1903 uraufgeführte „Siberia“ war Giordanos dritte Oper. Seine Komposition findet zwar über flüssig verarbeitete russische Folklore und orthodoxe Chor-Klänge zu Partien dramatischer Italianitá und zwei schwelgerischen Duetten der Liebenden. Aber das Libretto Luigi Illicas besitzt Schwächen.

Naturweltbühne und Kammerspiel - Die Bregenzer Festspiel-„Butterfly“ beginnt auf der Seebühne und muss ins Festspielhaus wechseln

21.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Die Natur spielt in Bregenz immer mit. Diesmal schien die Liaison zwischen dem smarten US-Leutnant Pinkerton und der Geisha, die er „Butterfly“ nennt, unter keinem guten Stern zu stehen: Vor Beginn zieht ein Gewitter über Bregenz hinweg. Nach Regen-Ende wird mutig begonnen; es folgen Heirat, Liebesnacht, unsichtbare drei Jahre Wartezeit auf dem gewellten Blatt Japan-Papier, das mit 1300 Quadratmetern über dem See zu schweben scheint, mit Blitzen in der Ferne; dann ein wenig Nieselregen und 7000 Besuchern, die sich in ihre Regencapes hüllen. Eben hat die verlassene Butterfly eindringlich beschworen, dass „Un bel di“ Pinkertons Schiff wiederkommen wird – Szenenbeifall – als das Arbeitslicht angeht: die Ansagerin kündigt den heranziehenden Gewittersturm an – 1200 Hauskarten-Besitzer dürfen ins direkt angebaute Festspielhaus übersiedeln.

Komponist Hans-Joachim Hespos – gestorben

20.07.22 (mh (nmz)) -
Wir haben die traurige Nachricht vom Tod Hans-Joachim Hespos‘ über den Flurfunk der Sozialen Medien erhalten. Mit dem Hinweis auf ein paar Facetten seines Lebens wollen wir kurz an sein Leben erinnern. Ein Nachruf folgt in der nächsten Ausgabe der neuen musikzeitung im September.

Kunst als und mit Spiegel – Richard Strauss‘ „Capriccio“ bei den Münchner Opernfestspielen

19.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Wenn die Münchner Staatsoper eine Produktion von Richard Strauss‘ Konversationsstück für Musik „Capriccio“ einkauft – immerhin hier im Oktober 1942 uraufgeführt und mit einer beachtlichen Aufführungstradition behaftet – dann muss es schon eine besondere Produktion sein. Das gilt insbesondere, wenn der aus Lyon kommende Intendant Serge Dorny nun seine dortige Koproduktion mit der Brüsseler Oper als zweite Festspielpremiere präsentiert.

Ausgefuchst dialektisch: „Nabucco“ als verbitterte Sommeroper in Erfurt

17.07.22 (Roland H. Dippel) -
Regisseurinnen und Regisseure lassen sich, inspiriert durch den groben Prankenschlag Giuseppe Verdis in seinem ersten internationalen Erfolg von 1842, von Rostock bis Straubing zu szenischen Gewalteskalationen inspirieren. Temistocle Solera hatte in seinem Textbuch nach dem Schauspiel „Nabuchodonosor“ von Auguste Anicet-Bourgeois und Francis Cornu den alttestamentarischen Stoff über die in babylonische Gefangenschaft verschleppten Juden sehr frei und knapp behandelt. In Erfurt machte Intendant Guy Montavon daraus eine Studie, wie porös und verwundbar die Haut der Zivilisation über dem Fleisch der Antihumanität ist. Keine unbeschwerte Sommeroper also, bei der die hochdramatischen Hauptpartien von der Premierenbesetzung erfreulich gut und stark gesungen werden.

Schleswig Holstein Musik Festival – das „Lübeck-Musikfest mit Daniel Hope“

14.07.22 (Arndt Voß) -
Das weitflächige Schleswig Holstein Musik Festival mit seinen 204 Veranstaltungen an 77 Spielorten hat viele Aspekte. Besonders erlesen ist das „Lübeck-Musikfest mit Daniel Hope“, ein Fest also innerhalb des Festivals. Vor acht Jahren hat es sich etabliert.

Den Kern freilegen: Yannick Nézet-Séguin mit Brahms und den Schumanns bei den Sommerfestspielen Baden-Baden

12.07.22 (Georg Rudiger) -
„Johannes kam heute Abend und spielte mir den ersten Satz seiner zweiten Symphonie D-Dur vor, der mich hoch entzückte. Ich finde ihn in der Erfindung bedeutender als den ersten Satz der ersten Symphonie“, notiert Clara Schumann in ihrem Haus in Lichtental bei Baden-Baden am 3. Oktober 1877 in ihr Tagebuch. Sie prophezeit dem Werk „durchschlagenden Erfolg“ – und sollte Recht behalten. Seit der Uraufführung am 30. Dezember 1877 in Wien ist das lichte Werk Brahms‘ beliebteste Symphonie geblieben.

Überschreibung: Nikolai Rimski-Korsakovs erweiterte Oper „Kitesh“ am Theater Bremen

12.07.22 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Initiative Fonds Experimentelles Musiktheater (FeXm) schlägt in Bremen als letzte Musiktheaterpremiere dieser Spielzeit wieder zu: nach den „Obsessions“ durch die finnische Truppe „Oblivia“ war nun „Kitesh“ zu hören, zu sehen, nein, zu erleben. Und man war gut beraten, sich dem Erleben zu überlassen, denn alles, was angekündigt war, verwirrte nur.

Großes europäisches Opern-Panorama – Der provençalische Opernsommer 2022

12.07.22 (Frieder Reininghaus) -
Nach der Zwangspause zu Beginn des Jahrzehnts hat das Festival d’Aix-en-Provence 2022 wieder volle Fahrt aufgenommen und Anfang Juli ein gutes halbes Dutzend neuer Produktionen im Hof des ehemaligen Erzbischofspalasts, im neuen Grand Théâtre de Provence und zwei weiteren neu erschlossenen Nebenspielstätten angeboten. Directeur Pierre Audi sorgte für ausgewogenes internationales Flair in einer politisch hellhörigen Zeit, hielt aber die Inszenierungen frei von aktuellen Bekundungen. Mit zwei Uraufführungen und einer markanten szenischen Kreation wurde der Anspruch auf europäische Marktführerschaft unterstrichen.

Menschen und Götter gefühlt ganz nahe – Brigitte Fassbaenders „Walküre“-Inszenierung in Erl

10.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Was wären Festspiele ohne Wagner – und Wagner: das bedeutet in vielen Theatern Überwältigung durch die Musik aus dem Orchestergraben und fulminante Aktion auf der hochtechnisierten Bühne dahinter. Im Erler Passionsspielhaus ist dieses Verhältnis umgedreht: Hinten das Orchester auf einer hohen Tribüne, durch einen Gazevorhang zu ahnen; eine breite Spielfläche, direkt vor dem Publikum, mit sehr begrenzten technischen Möglichkeiten. Genau daraus hat die Wagner- und „Walküre“-erfahrene Brigitte Fassbaender faszinierenden Gewinn gezogen – und Ovationen geerntet.

Die Frau als der bessere Mann – Europäische Erstaufführung des Musicals „Tootsie“ am Münchner Gärtnerplatztheater

09.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Oder doch umgekehrt? Unser Kritiker ist sich nicht ganz sicher – angesichts des überbordenden Jubels für Solisten, Dirigent und Regisseur, Chor und Orchester, die Musical-Fassung – und einfach auch das Werk an sich. Denn das kann sich neben allen Geschlechtertausch-Komödien von „Charleys Tante“ bis zu „Mrs. Doubtfire“ mehr als behaupten – und legt noch amüsant insistierend den ein und anderen Missstand im Kulturbetrieb bloß, gerade auch nach dem Corona-Shutdown. Rundum „ein toller Abend“!

Orte vielgestaltiger Begegnungen – Das Festival Musik Installationen Nürnberg

08.07.22 (Ursula Gaisa) -
Musik Installationen Nürnberg ist ein Festival für Musik als performative Raumkunst. Noch bis 10. Juli 2022 werden acht musikalische Installationen an verschiedenen Orten und Institutionen in Nürnberg zeitgleich präsentiert. Es gibt konstante und temporäre Räume. Manche öffnen und schließen sich, andere sind immer da.

Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue in der Komischen Oper

08.07.22 (Barbara Haack) -
„Ist es nicht wunderbar, dass wir heute an dieser Stelle wieder jiddische Lieder singen dürfen?“ Max Hopp stellt diese Frage nach einer fulminanten Barrie-Kosky-Abschiedsvorstellung in der Komischen Oper und erntet damit einen Extra-Applaus und Standing Ovations. Knapp drei Stunden der „Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue“ sind gerade zu Ende gegangen. Der Intendant des Hauses übergibt sein Amt nach zehn erfolgreichen Jahren, will ihm als Regisseur aber regelmäßig weiter verbunden bleiben.

Nicht für die Schublade – Der Dwight und Ursula Mamlok-Preis in Berlin verliehen

07.07.22 (Isabel Herzfeld) -
Zwei Jahre lang war er „taktlos“: Der Dwight und Ursula Mamlok-Preis, alljährlich abwechselnd in Berlin und New York verliehen, konnte pandemiebedingt seinen Rhythmus nicht einhalten – nach vielem Hin und Her musste das Berliner Preisträgerkonzert 2020 in den Oktober 2021 verlegt werden. Herausfordernde Zeiten für die Organisator:innen um Bettina Brand, Geschäftsführerin der auslobenden Mamlok-Stiftung, die die Preisverleihung 2022 im Berliner Konzerthaus wieder „im Takt“ auf die Beine stellen konnten.

Musikmanie im Norden – Das Eröffnungskonzert zum SHMF in Lübeck mit Igor Levit

06.07.22 (Arndt Voß) -
Das Schleswig Holstein Musik Festival oder kurz SHMF hat nach zweijährigen Corona-Zwängen endlich ein Eröffnungskonzert in normaler Form hinter sich, traditionell wieder in Lübecks Musik- und Kongresshalle. Die trägt seit fast 30 Jahren das aus ihrem langen Namen gebildete Kürzel, ist einfach nur die MuK, war es auch in den letzten beiden Jahren, in denen sie als größte Impfhalle im Lande diente.

Schwarze Schafe und rote Nasen – „Die Nase“ an der Semperoper und die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch

05.07.22 (Michael Ernst) -
Als letzte Neuproduktion dieser Saison brachte die Dresdner Semperoper Dmitri Schostakowitschs Frühwerk „Die Nase“ heraus. Wie passend, dass dies zeitgleich zu den 13. Internationalen Schostakowitsch-Tagen Gohrisch geschah.

Balanceprobleme: Bachs h-Moll-Messe als „Missa miniatura“ beim Musikfest ION Nürnberg

05.07.22 (Juan Martin Koch) -
Mit der „Johannespassion zu dritt“ hat sie vor zwei Jahren zusammen mit Benedikt Kristjánsson Furore gemacht. Nun präsentierte Elina Albach mit dem Ensemble Continuum Berlin in der Nürnberger Sebalduskirche Bachs h-Moll-Messe als „Missa miniatura“. Juan Martin Koch berichtet von einem zwiespältigen Abend.

Szenisch zu wenig fokussiert, musikalisch stark – Giuseppe Verdis „Macbeth“ in Freiburg

04.07.22 (Georg Rudiger) -
Ein Herrscher, dessen Gier nach Macht unersättlich ist, der buchstäblich über Leichen geht und einen Flüchtlingsstrom auslöst. Macbeth zieht eine Blutspur hinter sich und scheint in seinem Wahn von niemandem gestoppt werden zu können. Sicherlich hätte der ukrainische Regisseur Andriy Zholdak diese Geschichte am Freiburger Theater ganz aktuell erzählen können, aber ein Foto eines zerstörten Hochhauses, das aus der Ukraine stammen könnte und vor dem dritten Akt von Giuseppe Verdis Oper auf der Leinwand zu sehen ist, bleibt der einzige Bezug zum von Wladimir Putin befohlenen Krieg Russlands gegen sein Heimatland.

„Die Wahrheit hat hier niemand gepachtet“ – Valentin Schwarz im Gespräch über seine Bayreuther Ring-Inszenierung

02.07.22 (Joachim Lange) -
Die Überraschung war groß, als Katharina Wagner Ihr Team für den neuen Ring präsentierte: Den jungen Regisseur Valentin Schwarz und den Dirigenten Pietrai Inkinen hatten selbst die Insider nicht auf der Agenda. Nur der legendäre Seiteneinsteiger für den „Jahrhundertring“ 1976 war noch ein wenig jünger als Schwarz. Wenn Corona nicht dazwischen und der Ring planmäßig 2020 über die Bühne gegangen wäre, dann hätte Valentin Schwarz Patrice Chéreau – in diesem Punkt – sogar noch überholt. Jetzt kommt die Nachfolge-Inszenierung, die auf Frank Castorfs Ring folgt mit Verspätung auf die Bühne. Joachim Lange traf Valentin Schwarz einen Monat vor der Premiere in Bayreuth.
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