nmz-Online

Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel, die ausschließlich online und in keiner Print-Ausgabe erschienen sind. Sie können die Online-Artikel per RSS abonnieren.

Schwerin heult mit den Wölfen – eine dokumentarische Naturoper von Helena Tulve

30.06.22 (Arndt Voß) -
Das Mecklenburgische Staatstheater hat die vielfältigen Aspekte und Fragen um das Problem „Wolf“ aufgegriffen und in eine „Naturoper“ umwandeln lassen. Arndt Voß über eine Oper, die den Stimmen große Partien gibt: Eine suggestiv und explorative Naturoper in Schwerin.

„Schönheit ist hier tatsächlich absolut mein Thema“ – Roland Schwab im Gespräch mit Joachim Lange zur Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ in Bayreuth

30.06.22 (Joachim Lange) -
Der neue Ring war schon vor zwei Jahren für den Grünen Hügel geplant und kommt jetzt, mit zwei Jahren Verspätung Premiere. Für den aktuellen Jahrgang hatte Katharina Wagner aber noch eine Überraschung bereit: Zur traditionellen Eröffnung der Festspiele am 25. Juli wird es zusätzlich eine Neuinszenierung von „Tristan und Isolde“ geben. Inszenieren wird mit Roland Schwab (*1969) einer der gefragten Regisseure seiner Generation. Einen Monat vor der Premiere traf sich der Regisseur in Bayreuth vor dem Festspielhaus mit unserem Mitarbeiter Joachim Lange zum Gespräch.

Die Münchner Opernfestspiele formen Pendereckis „Teufel von Loudun“ zur wuchtigen Parabel

28.06.22 (Wolf-Dieter Peter) -
„Lernet, was Liebe heißt“ gibt der blutig gefolterte Priester Grandier auf seinem Weg zum Scheiterhaufen der Priorin Jeanne für den Rest ihres Lebens mit. Über diese moralische Größe hinaus wuchs sich die gesamte Eröffnungspremiere zum hochkünstlerisch anklagenden Faustschlag gegen allen Machtmissbrauch und alle Massenhysterien aus.

Ein „Niemand“ auf der Suche nach sich selbst: „Ulisse“ von Luigi Dallapiccola in Frankfurt

28.06.22 (Dieter David Scholz) -
Der Odysseus-Stoff gehört seit Homer zur Weltliteratur. Seit Claudio Monte­verdis Oper aus dem Jahre 1640 ist er immer wiederkehrendes Thema auch des Musiktheaters, man denke nur an Offenbachs „Schöne Helena“, Berlioz’ „Les Troyens“, Bruchs „Odyssee-Szenen“ oder Egks Odysseus-Oper „Circe“ von 1949. Eine der jüngsten Opern-Vertonungen des Stoffes stammt von dem italienischen Komponisten Luigi Dallapiccola, er hat das Stück in den 1960er Jahren komponiert.

Die erweiterte Jazz-Radiowoche vom 27.06. bis 03.07.2022

26.06.22 (mh) -
Ein kleiner Blick in die Radiowoche 26: Festival Jazzdor Strasbourg-Berlin / Hommage an Charles Mingus im Wiener Porgy & Bess / Lionel Hampton / Lisbeth Quartett / Neuer Klavierjazz aus der Ukraine und Russland / Benyamin Nuss spielt Frederic Rzewski / Über Hände beim Musizieren / Bundesbegegnung Jugend jazzt in Lübeck / Isfar Sarabski Quartett im Oktober 2021 in Hamburg / Mary Halvorson – Code Girl | Jazzfest Berlin, November 2021 / Monheim Triennale 1 / Die Jones-Brüder – Aufnahmen von Hank, Thad und Elvin Jones / Johanna Borchert / Musik von Jubilar Joe Zawinul aus dem Wiener Funkhaus / Der amerikanische Pianist Gerald Clayton / Free Jazz Festival Saar 2022 / Weather Report: „8:30“ (1980).

Glückspillen-Finale: „Me and My Girl“ an der Musikalischen Komödie Leipzig

26.06.22 (Roland H. Dippel) -
Chefdirigent Stefan Klingele und Chefregisseur Cusch Jung machten, bevor sie sich neuen Aufgaben zuwenden, „Me and My Girl“ am Samstagabend zum schönen Finale mit Freudegarantie. Der Applaus tobte noch, als Soli, Chor, Ballett bereits von der Bühne waren und Klingele mit dem Orchester im Graben zu einem letzten Medley ansetzte. Vom Leitungstriumvirat der Musikalischen Komödie bleibt zum Start den neuen Leipziger Opernintendanten Tobias Wolff im September 2022 nur der künstlerische Betriebsdirektor Torsten Rose.

Theos Kurz-Schluss: Wie ich einmal lernte, dem Sprichwort „Fürs Lernen ist es nie zu spät“ gründlich zu misstrauen

26.06.22 (Theo Geißler) -
Warnung: Im folgenden Text wird aufgrund von Papierreduktion zwecks Rettung unserer Wälder und umweltschonender Einsparung von Druckerschwärze das generische Maskulinum verwendet. Traurig, traurig: Ein ansonsten international als wirklich bedeutend anerkannter Kulturevent, die documenta in Kassel, erschüttert durch Haltungsschäden nicht nur die ungefähr nullkommazwei Prozent ernsthaft qualitätsbewusst Kunstaffiner in unserem Land der Dichter, Denker, Komponisten und Werbetreibenden. Dabei haben die Kuratoren schon bei der Formulierung der Headline „documenta fifteen“ ein sehr feines Gefühl für polyglotte Weltläufigkeit bewiesen. Unterstrichen durch die Wahl des leicht modifizierten Youngster-Magnet-Songs „Sweet little Fifteen“ in der aufgefrischten Version von Xavier Naidoo als akustisches Lead-Motiv. [Vorab aus „Politik & Kultur“ 2022/07]

Wette als Paartherapie – Mozarts „Così fan tutte“ am Nordharzer Städtebundtheater

20.06.22 (Joachim Lange) -
In Halberstadt und Quedlinburg gibt es eine recht moderne Version von Mozarts „Così fan tutte“, findet unser Kritiker Joachim Lange. Diese komische Oper des Komponisten, der „menschliche Wahrheiten zu komponieren“ verstand, entpuppt sich als Gefühlsexperiment unter Laborbedingungen, die so ins Bild zu gesetzt wird, dass es heute passt.

In einer Welt der Phantasie – Im Staatstheater Meiningen wird Achim Freyers „Zauberflöte“ bejubelt

19.06.22 (Joachim Lange) -
Auffallend oft gab es in letzter Zeit wieder Bühnenbilder für Opernproduktionen, die nicht mit nihilistischer Leere bis zur Brandmauer und Secondhand-Kostümen der allgemeinen Tristesse der Welt von heute in bekannten oder auch unbekannten Werken der Vergangenheit nachspürten. Vielleicht ein Indiz für ein wachsendes Bedürfnis nach Kunst als Gegenwelt? Und nicht nur als Analyse- oder Diskursbeitrag der besonderen Art. Wer weiß.

Ein gruslig-kulinarisches Theaterfest – Giacomo Puccinis „Turandot“ an der Staatsoper Oper Berlin

19.06.22 (Dieter David Scholz) -
Das erst zwei Jahre nach Puccinis Tod, 1926 (von keinem Geringeren als Arturo Toscanini) in Mailand uraufgeführte Werk, frei nach dem Stück des venezianischen Dramatikers Gozzi, die letzte und unvollendete Oper Puccinis, zu der Franco Alfano den Schluss nachkomponierte, bleibt bis heute unglaubwürdig, rätselhaft und doch faszinierendes Fragment, ein Stück des Nicht mehr und Noch nicht zwischen Verismo und Faschismus, Operette und Filmmusik, Hollywood und Gabriele D’Annunzio.

Erfrischend: Giuseppe Scarlatti bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci

19.06.22 (Roland H. Dippel) -
Mit der Entdeckung von Giuseppe Scarlattis „I portentosi della Madre Natura“ (Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur) landete Dorothee Oberlinger bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci auf ihrer Suche nach Werken für den preußischen Hof einen Volltreffer.

Bayreuther Besetzungen 2022 in Budapest: „Der Ring des Nibelungen“ perfekt

18.06.22 (Roland H. Dippel) -
Seit 2007 gibt es im Müpa Budapest Wagner-Tage mit exzeptionellen internationalen Besetzungen und regionalen Aufsteigern in halbszenischen Aufführungen. Zur „Ring-„Besetzung vom 9. bis 12. Juni gehörten jene beiden Sänger, die nach der Absage von John Lundgren die Partie des Wotan/Wanderer in der neuen „Ring“-Inszenierung von Valentin Schwarz bei den Bayreuther Festspielen 2022 übernehmen werden: Tomasz Konieczny und Egils Siliņš. – Einer der ältesten Richard-Wagner-Verbände feiert dort im Herbst sein 150-jähriges Jubiläum. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie man sich in Budapest dem Werk des deutschen Musikdramatikers verbunden fühlt.

Musik und Politik: „Komponisten als Kronzeugen eines europäischen Denkens“

16.06.22 (Stefan Pieper) -
Stefan Pieper berichtet von dem internationalen Kongress „Musique, mémoire et citoyenneté européenne“ und dem anschließenden politischen Konzert von Amaury du Closel und dem Orchestre Les Métamorphoses mit Werken von Hanns Eisler, Stefan Wolpe, Emil Frantisek Burian, Luciano Berio und Amaury du Closel im Arnold Schönberg Center Wien.

Tutti-Finale unter dem Zementsilo – „berlin westhafen – umschlagplatz klang“

15.06.22 (Antje Rößler) -
Der Berliner Westhafen war zeitweilig Deutschlands zweitgrößter Binnenhafen. Der Schweizer Künstler Daniel Ott bespielt das Gelände mit seiner Landschaftskomposition „berlin westhafen – umschlagplatz klang“. Mit dabei sind sieben Ensembles aus Berlins Freier Szene.

Politikversagen im Anflug: Wird das Kulturministerium in Nordrhein-Westfalen wegsondiert?

14.06.22 (Martin Hufner) -
Offenbar gibt es Pläne der Koalitionsparteien CDU und GRÜNE, nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, das bislang erfolgreich geführte Kulturministerium aufzulösen. Stattdessen soll es in einem „Sammelbecken zwischen ‚Wissenschaft, Medien, Sport und Ehrenamt‘ mitbetreut werden“. Für den Erhalt des Kulturministeriums sprechen sich in Appellen, Pressemitteilungen und offenen Briefen der Kulturrat NRW, der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Komponist:innen-Verband aus. Wir dokumentieren.

Auf das richtige Schuhwerk kommt es an – Neue Meistersinger an der Deutschen Oper Berlin

13.06.22 (Joachim Lange) -
In der Inszenierung von Jossi Wieler, Sergio Morabito und Anna Viebrock bleiben viele Fragen offen, findet unser Kritiker Joachim Lange: „Die Grundidee der Inszenierung ist nicht ohne Plausibilität, aber schon deutlich packender und sinnlicher umgesetzt worden. Im Detail bleibt vieles diffus, gerät konventionell oder aber übertrieben aktionistisch.“

Abrutschgefahr in bunte Gummilatschen-Diktatur – „Die Meistersinger von Nürnberg“ an der Deutschen Oper Berlin

13.06.22 (Dieter David Scholz) -
Ein „unbeschreiblich nichtssagendes, szenisch unbeglaubigtes Tohuwabohu“, sieht unser Kritiker Dieter David Scholz. Die Inszenierung sei „voller regielicher Mätzchen, dramaturgischer Ungereimtheiten und reichlich Leerlauf (Langeweile), trotz Aktionismus der Personenführung im ermüdend nüchternen Bühnenbild.“

„Welt-Ende“ im Gewandhaus zu Leipzig: Joachim Raffs Oratorium als Pfingstwunder

12.06.22 (Roland H. Dippel) -
Allmählich kommt das Gedenkjahr für Joachim Raff in Schwung. Calixto Bieto beginnt in Weimar mit den Proben zu „Samson“, Raff-Editor Volker Tosta stellt die Noten zu „Die Eifersüchtigen“, einer Produktion des Opernkollektivs Zürich zum 50-Jahre-Jubiläum der Joachim-Raff-Gesellschaft, fertig. Dem aus der Schweiz stammenden Komponisten, einem zu Lebzeiten offenbar etwas schwierigen Angehörigen des Weimarer Liszt-Kreises, gelten im September 2022 gleich zwei wichtige posthume Uraufführungen. Dieses lange Vergessen ist unverständlich, erst recht nach der Aufführung von Raffs monumentalem Oratorium „Welt-Ende – Gericht – Neue Welt“ op. 212 mit dem GewandhausChor am 26. Mai in der Pfarrkirche von Raffs Geburtsort Lachen und am Pfingstmontag in Leipzig.

Immer Ärger bei den Royals – Königs-Opern bei den Händelfestspielen Halle

10.06.22 (Joachim Lange) -
Bei den aktuellen Händelfestspielen in Halle standen unter anderem fünf Opern auf dem Programm. Neben „Orlando“, „Ariodante“ und dem erstmals in der Neuzeit aufgeführten Pasticcio „Caio Fabricio“ (mit Musik von Händel, Hasse u.a.) waren es das unvollendete Fragment „Fernando, Re di Castiglia“ (HWV 30) und „Siroe, Re di Persia“ (HWV 24). „Fernando“ gab es als eine konzertante (Ur-)Aufführung im Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen. „Siroe“ lockte die Fan-Gemeinde wieder in das Carl-Maria-von-Weber-Theater nach Bernburg, dessen Charme die Festspiele seit einigen Jahren als Außenspielstätte nutzen. Eigentlich gehört es mittlerweile schon dazu.

Zwischen Kitsch und Kunst – Li-Tai-Pe von Clemens von Franckenstein in Bonn

10.06.22 (Guido Krawinkel) -
Nächster Coup an der Oper Bonn: im Rahmen der äußerst verdienstvollen Reihe Fokus ’33 hat man wieder eine veritable Repertoirelücke aufgetan: Li-Tai-Pe von Clemens von Franckenstein. Oper wie Komponist sind heutzutage weitgehend der Vergessenheit anheimgefallen, was mehr als erstaunlich ist. Bis zur Schließung der Theater 1944 war die Oper eine der meistgespielten in Deutschland und auch Franckenstein war kein Unbekannter: Als Intendant in Wiesbaden und München hat er Spuren hinterlassen, als Komponist ebenfalls. Und doch kennt ihn ebenso wie seine Oper heute kaum noch jemand.

Frauenpower und Opernglück: Eindrücke von den Tagen Alter Musik Regensburg 2022

08.06.22 (Juan Martin Koch) -
Anlässlich der miserablen Frauenquote von „Rock am Ring“ kann konstatiert werden: Die Alte Musik ist weiter. Beim Regensburger Festival standen beinahe so viele Frauen wie Männer auf den Bühnen historischer Spielstädten. Zählt man die leitenden Positionen separat, so waren diese immerhin fast zur Hälfte mit Frauen besetzt.

In der Dauerschleife der Beliebigkeit – „Einstein on the Beach“ von Philip Glass am Theater Basel

08.06.22 (Georg Rudiger) -
Der Opernabend hat noch nicht begonnen, da wird man am Theater Basel schon Teil des Geschehens. Zur digitalen Soundkulisse bewegen sich seltsam gekleidete Menschen im Parkett mit Pultlampen auf dem Kopf, während die Zuschauerinnen und Zuschauer Platz nehmen. Die verstörenden Lotsen weisen den Weg zur Bühne, suchen den Kontakt und laden mit durchdringendem Blick ein, die eigene Komfortzone zu verlassen. Dass man während der vierstündigen Oper „Einstein on the Beach“ von Philip Glass und Robert Wilson auf die Toilette gehen oder einen Drink im Foyer zu sich nehmen kann, ist von den Autoren so gedacht.

Spiel mir das Lied vom Geld … – „Einbruch mehrerer Dunkelheiten“ von Felix Leuschner und Dietmar Dath am Staatstheater Kassel uraufgeführt

07.06.22 (Joachim Lange) -
Mal keine Raumbühne – passt aber trotzdem genau in die Programmatik von Florian Lutz, was jetzt in Kassel als Uraufführung über die Bühne des Staatstheaters gegangen ist. Und außerdem auch ganz gut zu der in ein paar Tagen beginnenden ‚documenta 15‘. Bis Mitte Juli steht die Opernnovität „Einbruch mehrere Dunkelheiten“ noch ein paar Mal auf dem Programm. Der Libretto stammt von Dietmar Dath, die Komposition von Felix Leuschner. Das Gesamtkunstwerk, das Elemente von Performance, Thriller, Dystopie und auch herkömmlicher Oper miteinander vereint, hat Florentine Klepper im Bühnenbild von Sebastian Hannak inszeniert.

Gullivers Opernreisen – Puppenpracht und Händelplayback in Bad Lauchstädt

07.06.22 (Joachim Lange) -
Bei den Händelfestspielen in Halle macht in diesem Jahr das spektakulär herausgeputzte Goethe-Theater Bad Lauchstädt seinem Ruf als ein besonderer Ort für Theater und Oper wieder alle Ehre mit einer sympathischen Marionetten-Variante des „Ariodante“ von Georg Friedrich Händel.

Physischer Irrsinn, digitale Happiness: Händels „Orlando“ in Halle

31.05.22 (Roland H. Dippel) -
„Händels zukunftsweisende Oper mit Orlandos großartiger Wahnsinnsszene und den Stoff durchreißenden Orchester-Rezitativen nutzt Halles Opernintendant Walter Sutcliffe für einen bizarren Sittenspiegel von Online-Idealen und physischen Störfällen mit schwarzhumorigem Empörungspotenzial.“ Es geht rund in Halle zur Eröffnung der Händelfestspiele 2022, findet unser Kritiker Roland H. Dippel.
Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: