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Mal Lachen inmitten der Entsetzlichkeiten – Neue „Fledermaus“ am Gärtnerplatztheater

08.04.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Der Erfolgsdruck ist groß: Bei so einem Klassiker des Genres steht das Haus in direkter Konkurrenz zur Wiener Volksoper, zu Berlins Komischer Oper, zum Leipziger Operettenhaus und der Pariser Opéra comique – von gelegentlichen Produktionen der großen Staatsopern einmal abgesehen. In vielen zurückliegenden Konferenzen wurde Intendant Joseph E. Köpplinger gedrängt – nun endlich… und wie es sich für einen Profi gehört, der natürlich das US-Show-Muster des Broadway kennt: die Probe-Serie lief in der „Operetten-Provinz“, im Januar im Florentiner Teatro Maggio Musicale.

Das Anat Fort Trio beim BMW Welt Jazz Award 2022

07.04.22 (Ralf Dombrowski) -
Es ist noch immer die Zeit der beglückten Ensembles. Zwei Jahre, meint Anat Fort, habe man sich eigentlich kaum gesprochen, geschweige denn zusammen auf der Bühne gestanden. Und das nach mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsamer musikalischer Entwicklung. Umso ausgelassener wirkten die israelisch-amerikanische Pianistin und ihre Triopartner, der Kontrabassist Gary Wang und der Schlagzeuger Roland Schneider, auf der Bühne im Doppelkegel der BMW Welt.

Weimar-verdächtige Männerfantasie: Ambroise Thomas’ „Mignon“ in Liège

06.04.22 (Roland H. Dippel) -
Vincent Boussard hat in Liège recht. Ambroise Thomas’ „Mignon“ harmoniert mit dem Geist der Goethezeit mindestens so stark wie mit französischer Oper des mittleren 19. Jahrhunderts. Die Opéra Royal de Wallonie machte es sich nicht einfach: Fast drei Stunden reine Spieldauer trotz Erstfassung mit umfangreichen Dialogen. Am Pult sorgte Frédéric Chaslin für die fulminante Feinmechanik zwischen Orchester und Bühne. Es gab drei phänomenale Besetzungen: Bravi für Stéphanie d’Oustrac (Mignon), Jodie Devos (Philine) und Philippe Talbot (Wilhelm Meister).

Ein Ereignis – und ein unterkomplexes Spektakel: York Höllers „Der Meister und Margarita“ in Köln

06.04.22 (Guido Krawinkel) -
30 Jahre ist es her, dass die Oper „Der Meister und Margarita“ von York Höller zum ersten Mal Premiere in der Heimatstadt des Kölner Komponisten gefeiert hat. Nun hat man sich den Stoff von Michail Bulgakow ein zweites Mal vorgenommen, um den 78-jährigen Höller zu ehren, aber auch weil das Werk an sich so komplex und tiefsinnig ist, dass es nicht verkehrt erscheint sich nochmal damit zu beschäftigen.

Salon der Leidenschaften – Frankfurts Oper bietet Giordanos „Fedora“ in Christoph Loys Inszenierung

04.04.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Aus den blutigen Wirren der Französischen Revolution in die gepflegten Salons des Adels zwischen St. Petersburg und Paris oder Idylle in den Schweizer Bergen – so ließe sich der kompositorische Weg Umberto Giordanos von „Andrea Chenier“ zu „Fedora“ auch beschreiben. Christoph Loys Stockholmer Inszenierung von 2016 animierte Frankfurts Intendant Bernd Loebe, die Wirkung der „Adelsschmonzette“ um die schöne Fürstin Fedora auch in seinem Haus zu prüfen.

In Nürnberg sucht Marco Štorman ausgerechnet beim „Rosenkavalier“ nach dem Kern der Sache

03.04.22 (Joachim Lange) -
In normalen Zeiten gehört es sich eigentlich nicht, über Generalproben zu schreiben. Aber was ist schon noch normal heutzutage. An der Oper in Bonn zum Beispiel wäre man sicher froh, wenn denn jemand über eine stattgefundene Generalprobe der Inszenierung von Giacomo Meyerbeers „Feldlager in Schlesien“ berichtet hätte, von dem hierzulande niemand eine Vorstellung hat, wie das wohl klingen mag. Schlimmer kann es kaum kommen für die Bonner: das Feldlager muss erneut leer bleiben….

Langeweilige Mätzchen – Premiere von Mozarts „Don Giovanni“ an der Berliner Staatsoper

03.04.22 (Dieter David Scholz) -
Die Mozart-Da-Ponte-Trilogie, die Regisseur Vincent Huguet und Dirigent Daniel Barenboim gemeinsam entworfen haben, ist nun mit „Don Giovanni“ komplettiert worden. Der Regisseur und Chéreau-Schüler Huguet will die Mozart/Da-Ponte-Trilogie (so schreibt er im Programmheft) als Legende von der sexuellen Befreiung und ihren Folgen verstanden wissen. „Così fan tutte“ als 68er-Aufbruchsstück, als Initiation gleichsam, „Le nozze di Figaro“ als Ehekrisen-Actionkomödie, (Midlife Crisis). Das in der „Année érotique“ beginnende Triptychon soll mit „Don Giovanni“ als in der Gegenwart angesiedelte Altersbetrachtung enden.

Gruselig – Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ am Landestheater Detmold

Seit der Spielzeit 2018/2019 ist Georg Heckel Intendant des Landestheaters Detmold – ein Mann, der das Theater „von der Pike auf“ kennt, selbst ausgebildeter Sänger ist und die Bühne in dem beschaulichen Städtchen in Ostwestfalen, die als Landestheater wichtige Aufgaben sowohl in der Region als auch über die Landesgrenzen hinaus wahrnimmt, nach vorn bringt. Jetzt stellt sich Georg Heckel als Regisseur am eigenen Haus vor.

Gitarrist Leonard Becker mit Castelnuovo-Tedescos Kammermusik bei Naxos

31.03.22 (Philipp Lojak) -
Gitarristen haben eines gemeinsam: Sie leiden darunter, dass die Literatur für ihr Instrument nicht besonders groß ist. Das betrifft vor allem die Kammermusik. Nicht viele wirklich brauchbare Komponisten widmeten sich gebührend diesem Instrument, das doch zu so melancholischen bis feurig-wilden Klängen imstande ist. Mario Castelnuovo-Tedesco (1895–1968) ist einer von ihnen.

Großes Theater in grauem Licht – Halévys „Die Jüdin“ in Kiel

30.03.22 (Arndt Voß) -
Kiels Theater ist groß darin, mit der Grand opéra Furore zu machen, mit jener historischen Opernform, die vor allem auf üppige Bühnenwirkung bedacht ist. Allerdings steht gerade sie in einer Zeit schmaler Etats unter Rechtfertigungsdruck. Dennoch kann sie auch unserer Zeit etwas sagen, wie das Theater in den letzten Spielzeiten mit Berlioz‘ „Trojanern“ bewies, mit Aubers „Stummer von Portici“, Rossinis „Tell“ und Meyerbeers „Hugenotten“. Das ist fürwahr eine gewichtige Erfolgsbilanz in diesem Genre. Sie wurde jetzt durch die „Die Jüdin“ erweitert, das Bühnenwerk von Jacques Fromental Halévy, das von seiner Uraufführung 1835 an durchgehend erfolgreich war, bis es 1933 jäh verschwand.

Im Labyrinth der Bezüge: Das Berliner Festival MaerzMusik hinterlässt gemischte Eindrücke

30.03.22 (Regine Müller) -
Das Berliner MaerzMusik-Festival erprobt und diskutiert ein erweitertes Verständnis Neuer Musik und ihrer Präsentation, weg vom tradierten Konzert, hin zum offenen Event und diskursiven Formaten. Das franst gelegentlich aus in die Beliebigkeit.

Die Oper Leipzig komplettiert mit „Lohengrin“ den Kanon für „Wagner 22“

28.03.22 (Joachim Lange) -
Der neue Leipziger „Lohengrin“ blickt in zwei Richtungen. Einmal zurück und einmal nach vorn. Zurück, weil seine szenische Umsetzung eigentlich anders geplant war. Was auch, aber nicht nur, mit den leidigen Coronaquerschlägern, die jeder Planung die letzte Sicherheit nehmen, zu tun hat. Eigentlich sollte nämlich Katharina Wagner inszenieren. Die Premiere für deren zweiten „Lohengrin“ (nach ihrem ersten, hochpolitischen in Budapest) sollte eine Übernahme der zuerst für Barcelona gedachten Neuinszenierung in Wagners Geburtsstadt werden. Kurz vor der dortigen Premiere beendete der erste große Lockdown alle Blütenträume.

Flache Mondtag-Show: „Der Vampyr“ in Hannover

27.03.22 (Roland H. Dippel) -
Heinrich Marschner war in Hannover als Komponist nicht mehr so erfolgreich wie in Leipzig, wo „Der Vampyr“ 1828 zur Uraufführung gelangte oder in Berlin mit „Hans Heiling“. Beim „Vampyr“ steht die Rettung aus den Verballhornungen oder Simplifizierungen der letzten Jahrzehnte noch immer aus. Die Premiere an der Niedersächsischen Staatsoper Hannover war in erster Linie eine herausragende Leistung von GMD Stephan Zilias. Ersan Mondtag verzettelte sich mit assoziativer Völlerei in seinem Zutaten-Gestrüpp aus der Geschichte des Antisemitismus, Konsumkritik und Trash.

Theos Kurz-Schluss – Wie ich einmal trotz meines fortgeschrittenen Alters über den Umweg der Toleranz zu aufschlussreichen Einsichten kam

25.03.22 (Theo Geißler) -
Daran kann ich mich noch ganz gut erinnern: Wenn ich, oft „Lausbub“ genannt, in Nachbars Garten die – im Vergleich zu den unseren – wesentlich süßeren Erdbeeren klaute und erwischt wurde, drohte mir der wachsame Nachbars-Opa – ich war schon auf der Flucht: „Das nächste Mal holt dich der schwarze Mann, und dann gibt’s ordentlich Watschen“. Diese Drohung schien seinerzeit sehr in Mode gewesen zu sein – sie wurde mir bei ungefähr jedem zweiten meiner Vergehen von unterschiedlichsten Autoritäten meist nachgeschrien. Damals war ich noch recht flink. Das führte bei mir zu einer seelischen Störung.

Amyntas und Knirfix: „Pastorelle en musique“ bei den telemann festtagen Magdeburg

24.03.22 (Roland H. Dippel) -
„klangfarben“ lautet das Motto der 25. Magdeburger telemann festtage. Diese sind ein Corona-Chiaroscuro mit zweijähriger Verzögerungshistorie. Die Produktion von „Pimpinone“ wurde 2020 fast fertig geprobt und doch ein Opfer des ersten Lockdowns wie vieles andere. Im Rahmen geltender Bestimmungen konnte man 60% der bestehenden Platzkapazitäten anbieten.

Theaterraum als Tempel des lyrischen Widerspruchs: Zwei Einakter von Peter Maxwell Davies in Weimar

22.03.22 (Roland H. Dippel) -
Der Doppelabend 2 im Festival Passion :SPIEL des Deutschen Nationaltheaters Weimar scherte bei Peter Maxwell Davies „Eight Songs for a Mad King“ in seiner Haltung erfreulich aus: Uwe Schenker-Primus brillierte in dem von Dirk Girschik als poetische Utopie inszenierten Einakter.

Die Vernunft hat keine Chance – Verdis „Les vêspre siciliennes“ an der Deutschen Oper Berlin

21.03.22 (Joachim Lange) -
Die Deutsche Oper Berlin, Oliver Py und Grand Opéra passen eigentlich ganz gut zusammen. Mit dem Genre hat das Haus Erfahrung und auch die nötigen Ressourcen dafür. Und der Franzose Olivier Py war schon sowohl mit Verdi als auch mit Grand Opéras (wie Meyerbeers „Les Hugenotes“, Halévys „La Juive“ und an der Deutschen Oper mit Meyerbeers „Le Prophete“) erfolgreich.

Abschied aus Dingsda, äh, Münster – Ulrich Peters inszeniert Eduard Künnekes Erfolgsoperette

Fast zehn Jahre lang war Ulrich Peters Intendant des Theaters Münster, im Herbst 2021 wechselte er von dort aus ans Badische Staatstheater Karlsruhe, wo er nach der Abberufung seines Vorgängers Peter Spuhler in den kommenden drei Jahren als „Interimsintendant“ für die Verbesserung des Arbeitsklimas sorgen will. Aus Münster verabschiedet sich Peters nun endgültig mit Eduard Künnekes „Der Vetter aus Dingsda“.

Keine Chance für die Liebe – Ignacy Jan Paderewskis „Manru“ an der Oper Halle ausgegraben

20.03.22 (Joachim Lange) -
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der Rezeptionsgeschichte, dass eine Inszenierung der Oper „Manru“ von Ignacy Jan Paderewski heute nur als ambitionierte Ausgrabung auf einen Spielplan kommt. Nicht nur in Deutschland – aber da besonders.

Tödlich-düsteres Patriarchat – Christian Josts Musikdrama „Rote Laterne“ in München

19.03.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Ein zu drei Vierteln besetztes Theater, nahezu alle Sparten der Theaterakademie August Everding im Einsatz, dazu das Münchner Rundfunkorchester, der Komponist selbst am Dirigentenpult: zur deutschen Erstaufführung seines 2015 in Zürich uraufgeführten Musikdramas – wieder einmal schien die Musikstadt München über eine dritte Operncompagnie zu verfügen.

Der Mythos in Zeiten von Corona – Manfred Trojahns jüngste Oper in Amsterdam uraufgeführt

18.03.22 (Christian Kröber) -
Wie sich die europäische Pandemie auf unser kulturelles Leben auswirkt, ist vielfach in den Feuilletons beschrieben worden. Es ist jedoch das Eine, Lebensumstände intellektuell zu verarbeiten und ein Anderes, sich ihnen auszusetzen. Der Besucher aus Deutschland, der Manfred Trojahns jüngste Oper „Euridice. Die Liebenden, blind“ an der Amsterdamer Oper erleben durfte, spürt unmittelbar Veränderungen, die die Andersartigkeit der Nach-Corona-Zeit mit sich bringen werden.

„Opera und ihr Double“ von Ole Hübner und Thomas Köck bei der Münchener Biennale

18.03.22 (Roland H. Dippel) -
Wenn es für Produktionsengpässe und musikalische Lieferkettenunterbrechungen der Pandemie eine emblematische neue Oper gibt, ist diese „opera! opera! opera! Revenants and Revolutions“ von Thomas Köck und Ole Hübner. Als vollständige Aufführung hätte die Koproduktion der Oper Halle und der Münchener Biennale für Neues Musiktheater 2020 ein satter 150-Minüter und die bisher massivste Choroper des 21. Jahrhunderts werden können. Stattdessen kam es zur „operativen Installation“ des bitteren Sujets in der riesigen UTOPIA-Halle München: Der breit geschwungene Abgesang auf eine große Kunstform in bezwingenden Arrangements.

Sonderbare Geschichte … – Brittens Kammeroper „The Turn of the Screw“ in Lübeck

16.03.22 (Arndt Voß) -
Benjamin Britten hat in Lübecks Musikleben einen festen Platz, nicht nur weil sein „Death in Venice“ nun einmal in die Thomas Mann-Stadt gehört. Auch anderes aus seinem vielseitigen Opernschaffen ist auf dem Spielplan des Theaters verankert. Zurzeit wird ein ganzer Zyklus erarbeitet. „Owen Wingrave“ gehört dazu, mit seiner Pazifismus-Parabel zu Beginn der Spielzeit durch Afghanistan aktuell, inzwischen noch mehr durch die Entwicklung in der Ukraine. Die zweite Inszenierung, nur ein halbes Jahr später, gilt „The Turn of the Screw“ (Premiere: 11. März 2022), auch darin die Thematik von beklemmender Dichte und durchaus von gesellschaftlicher Sprengkraft.

Drei bleibt Drei – Giacomo Puccinis „Il Trittico“ in Brüssel

16.03.22 (Joachim Lange) -
Giacomo Puccinis „Il Trittico“ ist schon deshalb ein Unikum, weil eine Formalie für den Titel sorgt und nicht der Inhalt. Weder im Ganzen, noch gedrittelt. Drei Geschichten von zwei Librettisten. Giuseppe Adami lieferte die Vorlage für „Il tabarro“ (Der Mantel) und Giovacchino Forzano die für „Suor Angelica“ (Schwester Angelica) und „Gianni Schicchi“. Etwas handfestes, dann etwas lyrisch Tragisches und zum Abschluss etwas Heiteres. Das dann obendrein mit dem popularitätsfördernden Wunschkonzerthit „O mio babbino caro“, mit dem eine Tochter ihren Papa einwickelt und das Puccinipublikum gleich mit.

Politisch brisant, ästhetisch fragwürdig: In Regensburg wurde „Wir“ von Anton Lubchenko uraufgeführt

16.03.22 (Juan Martin Koch) -
Begleitet von großem Medienecho ist die Uraufführung der Samjatin-Adaption „Wir“ des russisch-ukrainischen Komponisten Anton Lubchenko am Theater Regensburg über die Bühne gegangen. Juan Martin Koch berichtet von einer Premiere, deren Verschiebung das Werk plötzlich ins Zentrum des weltpolitischen Geschehens rückte.
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