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Wo Beziehungsträume hochkochen – „Carmen“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Vor über zwanzig Jahren verlegte Regisseur Dietrich W. Hilsdorf am Essener Aalto-Theater Georges Bizets „Carmen“ von Spanien in die direkte Nachbarschaft: nach Gelsenkirchen! Das Stück spielte dort in irgend einer schäbigen Eckkneipe. Jetzt inszeniert Rahel Thiel die „Carmen“ im Gelsenkirchener Musiktheater – und die Handlung kehrt zurück an ihren ursprünglichen Ort: nach Spanien! Aber ohne große Folklore und mediterranen Budenzauber.

Alle Macht zersungen und zerlacht – Monty Pythons „Brian“ im Münchner Gärtnerplatztheater

14.03.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Natürlich Corona: Da sicherte sich „lange davor“ Münchens Opéra comique die Deutsche Erstaufführung eines Knüllers – und dann war nach der Premiere am 21.Juni 2021 Pandemie-Schluss. Jetzt erstmals im Spielplan vor Publikum - und: Standing Ovations am Schluss, nachdem schon zuvor jede Nummer Szenenapplaus bekam – alles für das „Komische Oratorium“, das der Metier erfahrene Thomas Pigor aus dem Film-Klassiker „Das Leben des Brian“ geformt hat.

Spektakulär: Giacomo Puccinis „Turandot“ an der Hamburgischen Staatsoper

14.03.22 (Dieter David Scholz) -
Das Werk ist ein Solitär. Es ist die letzte Oper, die Giacomo Puccini schrieb. Sie basiert auf einem persischen Märchen aus den „Erzählungen aus Tausend und einer Nacht“, das der venezianische Dramatiker Carlo Gozzi seinerseits schon bearbeitete. Es ist ein Fragment wie Arnold Schömbergs „Moses und Aaron“ oder Ferruccio Busonis „Doktor Faust“. Giacomo Puccini hinterließ das unvollendete Werk 1924, er war am 29. November gestorben, nachdem er Ende März die Instrumentation von Turandot bis einschliesslich der Trauermusikvon Liú fertiggestellt hatte.

Entführung in das Staatenhaus – Oper Köln bringt eine „Entführung aus dem Serail“ auf die Ersatzbühne

14.03.22 (Joachim Lange) -
Es nervt. Die Absagen lange anvisierter Premieren werden immer kurzfristiger. Die Gründe liegen auf der Hand. Viele Tests sind notwendig, bringen aber auch positive Ergebnisse. Wer die draus folgenden Quarantäne- bzw. Genesungs-Zeiten dabei nicht im Blick hat, der riskiert Vorstellungsausfälle in buchstäblicher letzter Minute. Einen Clou landete die Oper Halle mit einem Abbruch einer Premiere nach dem zweiten Akt, weil während der Vorstellung ein positives Testergebnis eintraf.

Braver Parcours: „Memorial of Rebellion“ beim Festival „Passion :SPIEL“ in Weimar

13.03.22 (Roland H. Dippel) -
Ein „Paralleluniversum von besonderen Stücken, Experimenten und Aufführungen“ versprechen Weimars Operndirektorin Andrea Moses und ihr Konzeptdramaturg Michael Höppner für Passion :SPIEL. Die erste Ausgabe des Festivals für Neues Musiktheater findet vom 10. bis zum 19. März 2022 im e-werk Weimar auf der versatilen Raumbühne Martin Miotks statt.

Was lange währt, muss nicht immer gut werden – Verdis „Don Carlo“ in Essen Aalto-Oper

13.03.22 (Joachim Lange) -
Wie jedes Haus, das auf sich hält, hat auch die Aalto-Oper in Essen vor ihre jüngste Hauspremiere ein Statement gesetzt. Am 17. Tag von Putins Angriffskriegs gegen die Ukraine und Europa fügte das Haus dem bisher praktizierten Abspielen der ukrainischen Nationalhymne (wie in Dresden) oder der Europahymne (wie in München) auf ausdrückliche Empfehlung der Deutschen Orchestervereinigung eine vom gebürtigen Ukrainer Eduard Resatsch eigens komponierte Variante der Solidarisierung mit den Überfallenen hinzu.

Münchner Wiedergutmachung: Ernst Kreneks „Jonny spielt auf“ am Gärtnerplatztheater

12.03.22 (Juan Martin Koch) -
Bei der Münchner Erstaufführung 1928 zettelten Nazis einen Eklat an. Nun ist Ernst Kreneks einstiges Erfolgsstück „Jonny spielt auf“ wieder am Münchner Gärtnerplatztheater zu sehen. Juan Martin Koch berichtet von einer facettenreichen Premiere.

Prominente Pflichtübung: Luigi Cherubinis „Les Abencérages“ in Budapest

12.03.22 (Roland H. Dippel) -
Luigi Cherubinis Oper „Les Abencérages“ (Paris 1813) ist eine anspruchsvolle wie harte Übung in Sachen Musikgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts. Zur konzertanten Aufführung im Budapester Konzertsaal MüPa gab es weder Maskenpflicht noch Kontrollen der Impfbestätigung. Sie wurde am 9. März ein Höhepunkt des Barock-Zyklus mit Konzerten mit Emöke Baráth, Philippe Jaroussky und Joyce DiDonato.

Katastrophe – Leoš Janačeks „Katja Kabanova“ in Duisburg

08.03.22 (Guido Krawinkel) -
Die Konstellation ist eigentlich altbekannt: ein willensschwacher Ehemann, der unter der Fuchtel eines „Schwiegermonsters“ steht. Eine Schwiegertochter, die nie gut genug ist. Und eine Liebesgeschichte, die tragisch endet. Gespielt wird das auf einer konventionellen Guckkastenbühne, die sich den ganzen Abend nur in Details verändert. Die allerdings sind entscheidend und unter anderem ein Grund dafür, dass Leoš Janačeks Oper Katja Kabanova im Theater Duisburg zu einem packenden Drama wird.

Wozzeck am Meer –Stefan Herheim mit Benjamin Brittens „Peter Grimes“ an der Bayerischen Staatsoper

08.03.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Schon unter den Intendanten Peter Jonas und Klaus Bachler wäre ein Engagement Stefan Herheims zu erwarten gewesen. Jetzt wurde es ein etwas anderer Abend: Herheim und sein engstes Team nach der Generalprobe in Corona-Quarantäne; dann die Nationaltheaterfront in Blau-Gelb angestrahlt, ganz oben auch die ukrainische Flagge im Abendwind; Intendant Serge Dorny mit einer Solidaritätsadresse und einem Bekenntnis zu „Freiheit, Demokratie, Brüderlichkeit“ vor Vorstellungsbeginn auf der Bühne und in der TV-Live-Übertragung; dann die düster orchestrierte Europa-Hymne aus dem Orchestergraben, vom Premierenpublikum im fast voll besetzten Haus stehend rezipiert.

Bilanz im Theater Plauen Zwickau: Musiktheater-Tod und Bauch-Aufschlitzen

07.03.22 (Roland H. Dippel) -
Kammeropern mit der Schicksalswucht eines apollinischen Orakels. Peter Eötvös' „Radames“ (1976/97) und „Harakiri“ (1973) haben es auf der Kleinen Bühne Plauen in sich. Der erste Einakter ist ein Abgesang auf die Kunstform Oper, der zweite ein Kommentar zum Tod Yukio Mishimas. Der scheidende Generalintendant Roland May, Operndirektor Jürgen Pöckel und GMD Leo Siberski konnten nicht ahnen, mit welcher Schärfe der tatsächlich zum geplanten Zeitpunkt stattgefundene Premierenabend mit der Kulturkrise durch die Pandemie und den Angriff Russlands auf die Ukraine koinzidiert. Gnadenlos und freudlos.

Mit Selbstvertrauen pro Natur - Eine neue Oper für Kinder an der Bayerischen Staatsoper

07.03.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Deutschland ist Spitze – zumindest, was Maschinenbau betrifft oder auch Edelkarossen. Leider gibt es auch Spitzenwerte, was den Unterrichtsausfall in Musik und Kunst betrifft. Da fühlen sich die Ministerien entlastet, weil ja andere Institutionen viel für die musische Bildung von Kindern und Jugendlichen tun. So hatte die Bayerische Staatsoper ein schon bewährtes Team mit einer Neuproduktion beauftragt, im Rennert-Saal eine Aufführungsreihe angesetzt und der Premierenjubel müsste nach außen gedrungen sein.

Klappe zu, Oper tot – Giuseppe Verdis „Aida“ in Dresden

06.03.22 (Joachim Lange) -
Die Semperoper lässt die neue „Aida“ als ein musikalisches Glanzstück leuchten; als Bühne für das 21. Jahrhundert kapituliert sie, findet unser Kritiker Joachim Lange.

Fast luxuriöses Interim: Das Theater Regensburg eröffnet seine neue Spielstätte mit der „Dreigroschenoper“

06.03.22 (Juan Martin Koch) -
Mit einer Neuproduktion des Brecht/Weill-Klassikers „Die Dreigroschenoper“ hat das Theater Regensburg seine neue Interimsspielstätte eröffnet. Juan Martin Koch berichtet von einem szenisch unspektakulären, musikalisch unterhaltsamen Abend.

Statement von Luigi Gaggero (GMD Kyiv Symphony Orchestra) zur Lage von Kunst und Mensch im Krieg gegen die Ukraine

04.03.22 (Luigi Gaggero) -
Luigi Gaggero ist seit 2018 Chefdirigent des Kiewer Symphonieorchesters und seit 2014 Musikalischer und Künstlerischer Leiter des Ukho Ensemble Kyiv. Er ist Professor an der Académie Supérieure de Musique in Straßburg. In einem Text vom 26. Februar schildert er hier in offener und persönlicher Form seinen Blick auf den Krieg gegen die Ukraine:

Am Ende ist der Held ein Baum – Lullys Tragédie lyrique „Atys“ am Grand Théâtre de Genève

01.03.22 (Joachim Lange) -
Es hat per se den Reiz des Exklusiven, die französische Oper bis zu des Sonnenkönigs Starkompositeur Jean-Baptiste Lully (1632-1687) auf ihre Bühnentauglichkeit für heute auszuloten. Nun ist Genf nicht Frankreich, aber doch recht französisch. Und Intendant Aviel Cahn ist clever genug, sein quasi royales Opernprojekt „Atys“ als Koproduktion mit der Opéra royal de Versailles gleichsam durch den genius loci sekundieren zu lassen. Das verspricht eine Art Operntraum, der im günstigsten Falle einen silbern schimmernden Abglanz jenes goldenen Zeitalters aufscheinen lässt, in dem der König selbst so gerne eine Sonne tanzte. Um dann der Sonnenkönig zu sein, an dem sich auch Lully zumindest viele Jahre erwärmte.

Die mit dem Feuer spielen – Georg Friedrich Händels „Hercules“ bei den Händelfestspielen in Karlsruhe

27.02.22 (Joachim Lange) -
Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft – das ist einer von den flotten Sprüchen, die trotzdem stimmen. Bei Georg Friedrich Händel geht es in seinem Oratorium „Hercules“ um einen exemplarischen Fall von Eifersucht.

Auf nach Grotesk-Britannien – Bejubeltes Musical „Spamelot“ an der Oper Halle

26.02.22 (Joachim Lange) -
Wenn im Opernhaus Halle der Schauspielintendant Matthias Brenner die Einführung übernimmt und nach dem Schlussapplaus den Dank enthusiasmiert auf den Punkt bringt, dann deutet das auf die Fortsetzung einer Erfolgsserie an diesem Haus: eine Gemeinschaftsproduktion von Oper und Schauspiel inklusive singendem und tanzendem Nachwuchs. Das ist schon ein paar mal ziemlich gut gegangen. Mit der „Dreigroschenoper“ etwa oder mit „Cabaret“.

Theos Kurz-Schluss: Wie ich auf dem Weg in die Vergangenheit und zurück in die Zukunft einmal feststellte, dass sich die Zeiten ändern, nicht die Menschen

24.02.22 (Theo Geißler) -
Dass Feng-Shui nicht unbedingt das von mir bevorzugte Selbstverwaltungssystem ist, dürfte allein schon beim Anblick meines Schreibtisches eindeutig geklärt sein. Wenn man allerdings durch einen raffgierigen Vermieter-Konzern-Moloch zu einem Umzug gezwungen wird – natürlich in eine etwas bescheidenere Wirkungsstätte – steht man vor dem Problem der Reduktion über Jahrzehnte liebevoll angesammelter und seither nie wieder berührter und dennoch unverzichtbarer Schriftstücke aller Art. Als besondere Rarität fiel mir in der üppig gefüllten Schublade „Unbezahltes“ ein ganz nach hinten gerutschtes knittriges, brüchiges Papierknäuel in die Hände. (Vorab aus der Zeitung „Politik & Kultur“ 2022/03.)

Schönheits-OP auf der Opernbühne – Uraufführung von Thierry Thidrows „Der Hässliche“ an der Oper Dortmund

23.02.22 (Sophie Emilie Beha) -
„Der Hässliche“ trifft den Nerv der Zeit: Schließlich ging am Sonntag die diesjährige Berlinale zu Ende und in den Kinos läuft gerade der neue Film von Karoline Herfurth „Wunderschön“ an. Auch in der Uraufführung an der Oper Dortmund setzt man sich mit Schönheitsidealen und Optimierungswahn auseinander – ernst, absurd und kurzweilig. Die Oper „Der Hässliche“ von Thierry Thidrow basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Marius von Mayenburg aus dem Jahr 2000. Auch wenn der Stoff schon über 20 Jahre alt ist – die Oper, in der Inszenierung von Zuzana Masaryk, ist hochaktuell:

Rossinis Belcanto-Juwel „Bianca e Falliero“ an der Oper Frankfurt

22.02.22 (Roland H. Dippel) -
Als Finale einer Rossini-Trilogie der Oper Frankfurt hätte „Bianca e Falliero“, folgend auf „La gazzetta“ und „Otello“, bereits 2020 herauskommen sollen. Wie damals ist eine Übernahme zu den ebenfalls vom Frankfurter Opernintendanten Bernd Loebe geleiteten Tiroler Festspielen Erl in Vorbereitung. Bisher gehört die 1819 an der Mailänder Scala uraufgeführte Opera seria nach dem Schauspiel „Blanche et Montcassin ou Les Vénitiens“ von Antoine-Vincent Arnault (1798) noch nicht zu den Hits der Rossini-Renaissance, woran sich wohl so schnell nichts ändern wird. Die Oper Frankfurt riss eine so gut wie makellose Premiere dieser hybriden Belcanto-Oper.

Diskrepanz der Mittel – Herzog Blaubarts Burg am Aalto-Theater Essen

22.02.22 (Guido Krawinkel) -
Nur gut eine Stunde dauert Béla Bartóks einzige Oper Herzog Blaubarts Burg. Nicht selten wird sie deshalb mit anderen Werken gekoppelt, um doch noch einen ausgefüllten Opernabend voll zu bekommen. Nicht so am Aalto-Theater Essen. Hier setzt man ausschließlich auf Bartóks seinerzeit für unspielbar gehaltenen Opernsolitär. Das mag dramaturgische Gründe haben oder organisatorische, wobei der Stoff und die Vertonung an sich ja durchaus eindrucksvoll genug sind, um nachhaltig zu beeindrucken. In Essen blieb dieser Eindruck allerdings gemischt, wirft die Inszenierung von Paul-Georg Dittrich doch mehr Fragen auf als sie beantwortet.

„Brokeback Mountain“ eiskalt: Charles Wuorinens Oper in Gießen

21.02.22 (Roland H. Dippel) -
Im Vergleich zu den Rekordeinnahmen, Auszeichnungen und Kontroversen von Ang Lees Film „Brokeback Mountain“ hat die Erfolgsgeschichte der Oper bisher nur wenige Stationen. Das zweite Bühnenwerk von Charles Wourinen (1938-2020) war 2014 die letzte für das Teatro Real Madrid von Gérard Mortier vergebene Auftragskomposition. Nach dem Theater Aachen und der von der New York City Opera übernommenen Produktion des Salzburger Landestheaters 2017 folgte eine Inszenierung am Stadttheater Gießen.

Von Macht und Freiheitssehnsucht – Die Performancekompanie „Oblivia“ mit „Obsessions“ am Theater Bremen

20.02.22 (Ute Schalz-Laurenze) -
Zeitgenössisches Musiktheater am Theater Bremen: jahrzehntelang gab es – oft als Kompositionsauftrag – pro Spielzeit eine Aufführung. Aber immer mit dem Wermutstropfen, dass es sich ästhetisch eher selten um neue Musik handelte. Von daher kommt dem Projekt, das jetzt uraufgeführt wurde, herausragende Bedeutung zu: man wagte ein ästhetisches Experiment, man wagte sich, den Begriff „Oper“ anders zu denken, ihn infrage zu stellen.

Experimental-Familienoper „Die Zeitreisemaschine“ von Detlef Heusinger in Detmold uraufgeführt

Neben dem gesicherten „Kernrepertoire“ des Musiktheaters, mit dem das Landestheater Detmold regelmäßig große Oper in die Region bringt, waren es in den letzten Jahren immer wieder auch Uraufführungen, mit denen die Bühne Aufmerksamkeit weckte. Nun kommt mit „Die Zeitreisemaschine“ von Detlef Heusinger abermals ein neues Werk heraus.
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