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Erfrischend: Giuseppe Scarlatti bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci

19.06.22 (Roland H. Dippel) -
Mit der Entdeckung von Giuseppe Scarlattis „I portentosi della Madre Natura“ (Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur) landete Dorothee Oberlinger bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci auf ihrer Suche nach Werken für den preußischen Hof einen Volltreffer.

Bayreuther Besetzungen 2022 in Budapest: „Der Ring des Nibelungen“ perfekt

18.06.22 (Roland H. Dippel) -
Seit 2007 gibt es im Müpa Budapest Wagner-Tage mit exzeptionellen internationalen Besetzungen und regionalen Aufsteigern in halbszenischen Aufführungen. Zur „Ring-„Besetzung vom 9. bis 12. Juni gehörten jene beiden Sänger, die nach der Absage von John Lundgren die Partie des Wotan/Wanderer in der neuen „Ring“-Inszenierung von Valentin Schwarz bei den Bayreuther Festspielen 2022 übernehmen werden: Tomasz Konieczny und Egils Siliņš. – Einer der ältesten Richard-Wagner-Verbände feiert dort im Herbst sein 150-jähriges Jubiläum. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie man sich in Budapest dem Werk des deutschen Musikdramatikers verbunden fühlt.

Musik und Politik: „Komponisten als Kronzeugen eines europäischen Denkens“

16.06.22 (Stefan Pieper) -
Stefan Pieper berichtet von dem internationalen Kongress „Musique, mémoire et citoyenneté européenne“ und dem anschließenden politischen Konzert von Amaury du Closel und dem Orchestre Les Métamorphoses mit Werken von Hanns Eisler, Stefan Wolpe, Emil Frantisek Burian, Luciano Berio und Amaury du Closel im Arnold Schönberg Center Wien.

Tutti-Finale unter dem Zementsilo – „berlin westhafen – umschlagplatz klang“

15.06.22 (Antje Rößler) -
Der Berliner Westhafen war zeitweilig Deutschlands zweitgrößter Binnenhafen. Der Schweizer Künstler Daniel Ott bespielt das Gelände mit seiner Landschaftskomposition „berlin westhafen – umschlagplatz klang“. Mit dabei sind sieben Ensembles aus Berlins Freier Szene.

Politikversagen im Anflug: Wird das Kulturministerium in Nordrhein-Westfalen wegsondiert?

14.06.22 (Martin Hufner) -
Offenbar gibt es Pläne der Koalitionsparteien CDU und GRÜNE, nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, das bislang erfolgreich geführte Kulturministerium aufzulösen. Stattdessen soll es in einem „Sammelbecken zwischen ‚Wissenschaft, Medien, Sport und Ehrenamt‘ mitbetreut werden“. Für den Erhalt des Kulturministeriums sprechen sich in Appellen, Pressemitteilungen und offenen Briefen der Kulturrat NRW, der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Komponist:innen-Verband aus. Wir dokumentieren.

Abrutschgefahr in bunte Gummilatschen-Diktatur – „Die Meistersinger von Nürnberg“ an der Deutschen Oper Berlin

13.06.22 (Dieter David Scholz) -
Ein „unbeschreiblich nichtssagendes, szenisch unbeglaubigtes Tohuwabohu“, sieht unser Kritiker Dieter David Scholz. Die Inszenierung sei „voller regielicher Mätzchen, dramaturgischer Ungereimtheiten und reichlich Leerlauf (Langeweile), trotz Aktionismus der Personenführung im ermüdend nüchternen Bühnenbild.“

Auf das richtige Schuhwerk kommt es an – Neue Meistersinger an der Deutschen Oper Berlin

13.06.22 (Joachim Lange) -
In der Inszenierung von Jossi Wieler, Sergio Morabito und Anna Viebrock bleiben viele Fragen offen, findet unser Kritiker Joachim Lange: „Die Grundidee der Inszenierung ist nicht ohne Plausibilität, aber schon deutlich packender und sinnlicher umgesetzt worden. Im Detail bleibt vieles diffus, gerät konventionell oder aber übertrieben aktionistisch.“

„Welt-Ende“ im Gewandhaus zu Leipzig: Joachim Raffs Oratorium als Pfingstwunder

12.06.22 (Roland H. Dippel) -
Allmählich kommt das Gedenkjahr für Joachim Raff in Schwung. Calixto Bieto beginnt in Weimar mit den Proben zu „Samson“, Raff-Editor Volker Tosta stellt die Noten zu „Die Eifersüchtigen“, einer Produktion des Opernkollektivs Zürich zum 50-Jahre-Jubiläum der Joachim-Raff-Gesellschaft, fertig. Dem aus der Schweiz stammenden Komponisten, einem zu Lebzeiten offenbar etwas schwierigen Angehörigen des Weimarer Liszt-Kreises, gelten im September 2022 gleich zwei wichtige posthume Uraufführungen. Dieses lange Vergessen ist unverständlich, erst recht nach der Aufführung von Raffs monumentalem Oratorium „Welt-Ende – Gericht – Neue Welt“ op. 212 mit dem GewandhausChor am 26. Mai in der Pfarrkirche von Raffs Geburtsort Lachen und am Pfingstmontag in Leipzig.

Immer Ärger bei den Royals – Königs-Opern bei den Händelfestspielen Halle

10.06.22 (Joachim Lange) -
Bei den aktuellen Händelfestspielen in Halle standen unter anderem fünf Opern auf dem Programm. Neben „Orlando“, „Ariodante“ und dem erstmals in der Neuzeit aufgeführten Pasticcio „Caio Fabricio“ (mit Musik von Händel, Hasse u.a.) waren es das unvollendete Fragment „Fernando, Re di Castiglia“ (HWV 30) und „Siroe, Re di Persia“ (HWV 24). „Fernando“ gab es als eine konzertante (Ur-)Aufführung im Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen. „Siroe“ lockte die Fan-Gemeinde wieder in das Carl-Maria-von-Weber-Theater nach Bernburg, dessen Charme die Festspiele seit einigen Jahren als Außenspielstätte nutzen. Eigentlich gehört es mittlerweile schon dazu.

Zwischen Kitsch und Kunst – Li-Tai-Pe von Clemens von Franckenstein in Bonn

10.06.22 (Guido Krawinkel) -
Nächster Coup an der Oper Bonn: im Rahmen der äußerst verdienstvollen Reihe Fokus ’33 hat man wieder eine veritable Repertoirelücke aufgetan: Li-Tai-Pe von Clemens von Franckenstein. Oper wie Komponist sind heutzutage weitgehend der Vergessenheit anheimgefallen, was mehr als erstaunlich ist. Bis zur Schließung der Theater 1944 war die Oper eine der meistgespielten in Deutschland und auch Franckenstein war kein Unbekannter: Als Intendant in Wiesbaden und München hat er Spuren hinterlassen, als Komponist ebenfalls. Und doch kennt ihn ebenso wie seine Oper heute kaum noch jemand.

Frauenpower und Opernglück: Eindrücke von den Tagen Alter Musik Regensburg 2022

08.06.22 (Juan Martin Koch) -
Anlässlich der miserablen Frauenquote von „Rock am Ring“ kann konstatiert werden: Die Alte Musik ist weiter. Beim Regensburger Festival standen beinahe so viele Frauen wie Männer auf den Bühnen historischer Spielstädten. Zählt man die leitenden Positionen separat, so waren diese immerhin fast zur Hälfte mit Frauen besetzt.

In der Dauerschleife der Beliebigkeit – „Einstein on the Beach“ von Philip Glass am Theater Basel

08.06.22 (Georg Rudiger) -
Der Opernabend hat noch nicht begonnen, da wird man am Theater Basel schon Teil des Geschehens. Zur digitalen Soundkulisse bewegen sich seltsam gekleidete Menschen im Parkett mit Pultlampen auf dem Kopf, während die Zuschauerinnen und Zuschauer Platz nehmen. Die verstörenden Lotsen weisen den Weg zur Bühne, suchen den Kontakt und laden mit durchdringendem Blick ein, die eigene Komfortzone zu verlassen. Dass man während der vierstündigen Oper „Einstein on the Beach“ von Philip Glass und Robert Wilson auf die Toilette gehen oder einen Drink im Foyer zu sich nehmen kann, ist von den Autoren so gedacht.

Spiel mir das Lied vom Geld … – „Einbruch mehrerer Dunkelheiten“ von Felix Leuschner und Dietmar Dath am Staatstheater Kassel uraufgeführt

07.06.22 (Joachim Lange) -
Mal keine Raumbühne – passt aber trotzdem genau in die Programmatik von Florian Lutz, was jetzt in Kassel als Uraufführung über die Bühne des Staatstheaters gegangen ist. Und außerdem auch ganz gut zu der in ein paar Tagen beginnenden ‚documenta 15‘. Bis Mitte Juli steht die Opernnovität „Einbruch mehrere Dunkelheiten“ noch ein paar Mal auf dem Programm. Der Libretto stammt von Dietmar Dath, die Komposition von Felix Leuschner. Das Gesamtkunstwerk, das Elemente von Performance, Thriller, Dystopie und auch herkömmlicher Oper miteinander vereint, hat Florentine Klepper im Bühnenbild von Sebastian Hannak inszeniert.

Gullivers Opernreisen – Puppenpracht und Händelplayback in Bad Lauchstädt

07.06.22 (Joachim Lange) -
Bei den Händelfestspielen in Halle macht in diesem Jahr das spektakulär herausgeputzte Goethe-Theater Bad Lauchstädt seinem Ruf als ein besonderer Ort für Theater und Oper wieder alle Ehre mit einer sympathischen Marionetten-Variante des „Ariodante“ von Georg Friedrich Händel.

Physischer Irrsinn, digitale Happiness: Händels „Orlando“ in Halle

31.05.22 (Roland H. Dippel) -
„Händels zukunftsweisende Oper mit Orlandos großartiger Wahnsinnsszene und den Stoff durchreißenden Orchester-Rezitativen nutzt Halles Opernintendant Walter Sutcliffe für einen bizarren Sittenspiegel von Online-Idealen und physischen Störfällen mit schwarzhumorigem Empörungspotenzial.“ Es geht rund in Halle zur Eröffnung der Händelfestspiele 2022, findet unser Kritiker Roland H. Dippel.

Bis zur Schrottreife verfremdet – „Fidelio“-Skelettierung von Novoflot in Berlin

29.05.22 (Roland H. Dippel) -
Zu Beginn des ersten Lockdowns 2020 kam es im Anhalter Bahnhof Berlin zur Geisteraufführung ohne Publikumspremiere. Diese wurde jetzt nach zweijähriger Verzögerung zum Performing Arts Festival Berlin in der Villa Elisabeth Berlin-Mitte nachgeholt. „Wir sind so frei #1“, die „Fidelio Musiktheater-Installation des Musikperformance-Kollektivs Novoflot“ als Beitrag zum Beethoven -Jahr, gehört zur Trias „Wir sind so frei #1 – #3“.

Schule des Hörens: „Werckmeister Harmonien“ von Thom Luz an der Lindenoper

29.05.22 (Roland H. Dippel) -
Ein Tonlabor mit Hörschule der besonderen Art: Thom Luz nimmt sein Publikum im Apollosaal der Berliner Lindenoper mit auf eine physiophilosophische Erkundung, deren Ausgangspunkt das Stimmen von Klavieren ist.

Schuld und Sühne – Haukur Tómassons Kammeroper „Gudruns Lied“ in Mainz

28.05.22 (Andreas Hauff) -
Wenn Nadja Stefanoff als Gudrun auf der Anlagebank sitzt – im Hintergrund eine vergitterte Arrestzelle – denkt man als Zeitzeuge der 1970er Jahre unweigerlich an Gudrun Ensslin. Doch das Musiktheater-Stück, das im Großen Haus des Mainzer Staatstheaters gespielt wird, thematisiert nicht den Prozess gegen die Terroristen-Gruppe der Roten Armee Fraktion in Stuttgart-Stammheim, sondern das Schicksal der Gudrun Gjúkadóttir in der isländischen Version des Nibelungen-Liedes. Wir erleben die deutsche Erstaufführung von „Gudruns Lied“ – einer Kammeroper des isländischen Komponisten Haukur Tómasson.

Ottmar Gersters Volksoper „Enoch Arden“ in der Wiener Kammeroper als Psychodrama

25.05.22 (Wolfgang Molkow) -
Zum Ende von Roland Geyers Tätigkeit als Intendant des Theater an der Wien wurde an der zweiten Spielstätte des Hauses, der Wiener Kammeroper, Ottmar Gersters einst viel gespieltes Werk „Enoch Arden“ von 1936 auf die Bühne gebracht. Wolfgang Molkow berichtet.

Theos Kurz-Schluss – Wie ich endgültig all meine Hoffnungen, jemals wieder im cineastischen Bereich tätig zu werden, abschrieb

25.05.22 (Theo Geißler) -
Es war schon die dritte Redaktion (diesmal der Miesenbacher Weltspiegel), aus der ich binnen zweier Tage rausflog: Schuld war nicht nur das allgemeine Schrumpfen aller Druckprodukte (nicht nur aus Papiermangel). Vielmehr hatten die elektronischen Medien jene langsame und ressourcenfressende Form von angeblich informativer Berichterstattung auf Papier „umweltschonend“ verdrängt und dabei den Stromverbrauch ums Tausendfache gesteigert, sondern auch noch milliardenfache Blödguckerinnen und Blödgucker produziert. [Vorab aus „Politik & Kultur“ 2022/06]

Brennpunkt-Phantasie mit Humperdinck: „Hänsel und Gretel“ in Brandenburg

25.05.22 (Roland H. Dippel) -
Nichts ist so schwer wie das Jahr nach dem exponierten Jubiläum eines Publikumsmagnets. Kaum ein Theater erdreistete sich, Engelbert Humperdincks unverwüstliche Märchenoper als Hommage-Beitrag zu dessen 100. Todestag zu präsentieren. Die beiden Titelfiguren übernachten – derart von den Eltern für ihre Frechheit gestraft – im Wald. Deshalb ist eine Aufführung zur Erdbeerzeit gegen alle Weihnachtsopernrituale genau richtig. In Frank Martin Widmaiers Inszenierung am Brandenburger Theater sind die Geschwister frühreife Früchtchen am unteren Ende des Turbokapitalismus. Schaurig hübsch und treffsicher.

Oksana Lyniv: „Tschaikowski ist Weltkunst und keine Propaganda“

25.05.22 (Michael Ernst) -
Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv sitzt zwischen allen Stühlen, auch wenn sie am Pult steht. Anlässlich des 31. Sächsischen Mozartfestes in Chemnitz hat Michael Ernst mit der Musikerin gesprochen und war von ihren Berichten ergriffen.

„Into the Woods“ – Märchenhafter Musical-Mix an der Studiobühne der Dresdner Semperoper

24.05.22 (Michael Ernst) -
Angesichts der momentanen Weltlage möchte sich vielleicht nicht wenige von uns einfach nur in den Wald flüchten. Am liebsten natürlich in den Märchenwald, wo die Wünsche noch in Erfüllung gehen. Aber ob wir das aushalten würden? Bei den Grimm-Brüdern hat es ja noch funktioniert, da gab es Rettung vorm bösen Wolf, vor fiesen Riesen und grausamen Hexen. Mitunter gar vor Märchenfiguren aus unseren Träumen. Nur gegen Präsidenten-Diktatoren, Rüstungsfetischisten und Waffennarren scheint noch kein Kraut gewachsen, gibt’s weder Zauberspruch noch Vernunftlösung.

Globalisiertes Liebes-Elend – Die Oper Frankfurt bietet eine entschlackte „Madame Butterfly“

24.05.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Ist-Status: Unser koloniales „Erbe“ der letzten fünfhundert Jahre fällt uns derzeit auf die Füße; um Frauenrechte steht es trotz „Besser-Wissen“ aus den letzten dreihundert Jahren noch immer nicht so „recht“… und in der US-amerikanischen Weltpolitik klaffen Anspruch und Wirklichkeit entlarvend auseinander – alles eine ideale Ausgangslage für eine zeitgemäße Interpretation von Puccinis allzu oft behämter Japanoiserie.

Zärtliche Zukunftsmusik – Leoš Janáčeks „Jenůfa“ an der Berliner Lindenoper

23.05.22 (Dieter David Scholz) -
Coronabedingt fand die Online-Premiere per Livestream am 13. Februar 2021 statt, jetzt erst gab es als zweite Vorstellung die eigentliche Premiere vor Publikum live Unter den Linden. Eine weithin neue Besetzung wurde anberaumt, der Dirigent wurde ausgewechselt und man spielte die Brünner Fassung von 1908, hrsg. von Charles Mackerras, der sich große Verdienste um die Janáček-Aufführungspraxis erworben hat.
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