nmz-Online

Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel, die ausschließlich online und in keiner Print-Ausgabe erschienen sind. Sie können die Online-Artikel per RSS abonnieren.

Ein musikalischer Stolperstein – Verspätete Uraufführung der Oper „Grete Minde“ von Eugen Engel in Magdeburg

15.02.22 (Joachim Lange) -
Die neue GMD der Magdeburgischen Philharmonie Anna Skryleva hat sich mit dieser Uraufführung der besonderen Art wirklich Mühe gegeben. Überregionale Aufmerksamkeit war ihr dabei – ganz zu Recht – sicher. Die Oper „Grete Minde“ von Eugen Engel wurde jetzt nämlich mit sage und schreibe 92 Jahren Verzug endlich auf die Bühne gebracht; vor allem aber im Graben der Magdeburger Oper zum Leben erweckt.

Ausbildung als Fragezeichen: zum 75. Geburtstag des Komponisten und Pädagogen Peter-Michael Riehm

15.02.22 (Stefan Pohlit) -
Am 15. Februar 2022 wäre der Komponist, Professor und Waldorflehrer Peter-Michael Riehm (1947–2007) 75 Jahre alt geworden. Stefan Pohlit erinnert an eine Persönlichkeit, die an der Karlsruher Musikhochschule prägend gewirkt hat.

Das Opfer Elina: Intensive „Makropulos“-Premiere an der Berliner Lindenoper

15.02.22 (Roland H. Dippel) -
Spannende Konstellation: Über viele Jahre war Marlis Petersen eine weltweit führende Interpretin von Alban Bergs „Lulu“. Bei ihrer vorsichtigen Facherweiterung gestaltet die Sopranistin nun wieder eine Frauenfigur, mit welcher deren geistige Väter patriarchale Strukturen und Geschlechtermuster bloßstellen. Am Sonntagabend feierte die voll besetzte Berliner Staatsoper Unter den Linden Marlis Petersen als Emilia Marty alias Elina Makropulos in Leoš Janáčeks Oper „Die Sache Makropulos“. Sir Simon Rattle dirigierte souverän, Claus Guth nahm dem Werk einiges von seiner Geheimnishaftigkeit. Ein großer Erfolg.

Spannungsverluste im Halbdunkel – „Don Carlos“ am Theater Basel

14.02.22 (Georg Rudiger) -
Dieser „Don Carlos“ beginnt im Halbdunkel im blauen Wald von Fontainebleau – und er endet in der Inszenierung von Vincent Huguet auch dort. Nahezu die gesamte vierstündige Oper in der fünfaktigen französischen Fassung lässt der Regisseur im voll belegten Theater Basel im Halbdunkel spielen. Selbst die große Autodafé-Szene im dritten Akt, wenn die vom Inquisitionsgericht verurteilte Ketzerin im Käfig in den Theaterhimmel fährt, ist nur in spärliches Licht getaucht. Eine Atmosphäre der Angst wollte Huguet damit erzeugen, wie er im Programmheft erläutert. Bedrohlich wirkt das Setting aber auf Dauer nicht.

In der Falle der Freiheit: Detlev Glanerts „Caligula“ am Nationaltheater Weimar

13.02.22 (Joachim Lange) -
Zu einem Aufschrei gibt es im Moment allerhand Gründe. Da könnte auch das auf Lücke platzierte Opernpublikum im Deutschen Nationaltheater seinen Teil beisteuern. In Weimar kommt ein abgrundtiefer Schrei gleich zum Auftakt der jüngsten Premiere von der Bühne.

Psychedelischer Albtraum: Ersan Mondtag inszeniert Webers „Freischütz“ in Kassel

13.02.22 (Joachim Lange) -
Einfach ist der „Freischütz“ wahrlich nicht nicht. Musikalisch lauter Hits. Vor allem der gesprochene Text zum Gruseln. Es ist wie beim „Fidelio“ – weglassen geht auch nicht. Also sind findige Regisseure und Dramaturgen gefordert.

US-Soul-Sängerin Betty Davis ist tot

10.02.22 (dpa) -
Die Soul-Sängerin Betty Davis ist Medienberichten zufolge tot. Davis sei am Mittwoch im Alter von 77 gestorben, wie das Magazin «Rolling Stone» unter Berufung auf einen engen Freund von Davis berichtete.

„Ich übermale Dein Gesicht…“ – Hasti Molavians fulminante „Carmen“-Performance am Theater Bremen

08.02.22 (Ute Schalz-Laurenze) -
„Carmen“ von Georges Bizet ist nicht irgendeine weibliche Opernfigur, die Mezzosoprane gerne singen. Das 1875 entstandene Werk von Prosper Merimée und Georges Bizet erzählt von einer der berühmtesten und herausforderndsten Frauengestalten der Opernliteratur. Die Oper ist die meistgespielte der Welt, „die Oper schlechthin“ (René Leibowitz), ein „Meisterwerk der Grausamkeit“ (Henry de Montherlant).

Suggestiv eindringlich – Zum Tod des Regisseurs Hans Neuenfels

08.02.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Das war 1974 die Fahrt in die Nürnberger Oper wert: dieser schon etwas berüchtigte Schauspiel-Regisseur Hans Neuenfels inszenierte erstmals Oper, Verdis „Troubadour“. Es wurde ein Abend, der die wiederholte Fahrt nicht nur lohnte, sondern geradezu nötig machte: kein irgendwie historisierendes Spanien, vielmehr etliche Werkrätsel dramaturgisch gelöst, ja sichtbar entschlüsselt.

Spaltungen und großartige Musik: Dukas‘ „Ariane et Barbe-Bleue“ in Nancy

04.02.22 (Roland H. Dippel) -
„Lumière!“ lautet das Motto der Opéra National de Lorraine in de Spielzeit 2021/22. Dieser gelingt mit der noch immer viel zu selten gespielten Oper „Ariane et Barbe-Bleue“ von Paul Dukas nach dem Drama von Maurice Maeterlinck eine Sternstunde. Intendant Matthieu Dussouillez kann das packende Zusammenspiel der Regie von Mikaël Serre mit dem faszinierend sinnlichen Zugriff des Dirigenten Jean-Marie Zeitouni, die exzellente Orchesterleistung und die Auftritte der kongenialen Sängerin Catherine Hunold in der Titelpartie als großen künstlerischen Erfolg betrachten. Das an einem Dienstagabend voll besetzte Auditorium jubelte.

Der Herzog war kein Avantgardist – Gespräch über eine Wiederentdeckung

04.02.22 (Antje Rößler) -
„Santa Chiara“ stammt aus der Feder von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Die über Jahrzehnte hinweg europaweit gespielte Oper wurde zum letzten Mal 1927 aufgeführt. Nun bringt das Meininger Theater die abenteuerliche Legende um Prinzessin Charlotte von Wolfenbüttel erneut auf die Bühne. Regisseur Hendrik Müller erklärt im Gespräch mit Antje Rößler, warum sich eine Wiederentdeckung lohnt.

Kreative Kraft in Todestragik – Das HOME-Projekt von Thilo Seevers und Uli Rennert

Begegnungen können sich aufgrund seltsamer Zufälle ereignen. – Klassisch ausgebildet und bei einigen Wettbewerben erfolgreich, entschied sich Thilo Seevers, geboren 1993 in Bremen, nach einem Studienaufenthalt in Brasilien zum Jazzmetier zu wechseln. Von 2012 bis 2018 studierte er Klavier an der Kunstuniversität Graz, zugleich die älteste Ausbildungsstätte für Jazz in Europa. Seit dem Abschluss mit Auszeichnung profiliert sich Thilo Seevers als Jazzkomponist und ist in verschiedenen eigenen Bands aktiv. – Einige Dekaden zuvor hatte es auch Uli Rennert, geboren 1960 in Frankfurt /M., dorthin gezogen. Er hatte zunächst Unterricht an der Posaune bei Albert Mangelsdorff, ist dann zum Klavier gewechselt und hat sich ausgiebig mit stiladäquatem Einsatz von Synthesizern und anderen elektronischen Klanggeräten im Jazz beschäftigt. In Graz war er Professor für Improvisation, leitete darüber hinaus eigene Ensembles und war Pianist in der Jazzbigband Graz. Uli Rennert starb am 5.Februar 2021 aufgrund einer Corona-Infektion.

Paul Georg Dittrich wagt in Bremen eine radikale Sicht auf Verdis Alterswerk „Falstaff“

02.02.22 (Ute Schalz-Laurenze) -
Im historischen Windsor in Guiseppe Verdis genialer Altersoper „Falstaff“ Fratzen überall: Absurde Königskostüme, Richterroben, Faschingsklamotten, wie sie nur einer überbordenden Fantasie entsprungen sein können, dann Alltagsklamotten aus Karriereleitern wie schicke Anzüge bei Herren und auch den Damen, wie sie Vorstandssekretärinnen oder Politikerinnen tragen und alles mögliche dazwischen – ohne historische Zeit.

Ein Yankee scheut kein Risiko – Puccinis „Madame Butterfly“ in Lübeck

02.02.22 (Arndt Voß) -
Trotz Corona: Lübeck übt sich wieder in großer Oper. Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“, nicht gerade selten gespielt, wurde dazu ausersehen (Premiere: 28. Januar 2022). Was herauskam, war reizvoll, durchsetzt mit sinnigen Anspielungen statt mit simplen Exotismen.

Apokalyptische Sexzesse: Die Deutsche Oper Berlin entdeckt Langgaards „Antikrist“

01.02.22 (Roland H. Dippel) -
Erst 1999 gelangte die entstandene Oper „Antikrist“ des faszinierend verschrobenen Dänen Rued Langgaard (1893-1952) zur Uraufführung, die Erstaufführung in seinem Heimatland folgte sogar erst 2002. Die musikalisch satte Partitur tanzt auf den Menschheitsdämmerungsängsten der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Die Deutsche Oper Berlin lieferte eine widerspruchsfrei bejubelte Premiere der spätromantischen Apokalypse, welche der Dirigent Stephan Zilias und der Regisseur Ersan Mondtag Krudes mit kreativer Kraft und schwarzem Humor meisterten. Eine Ensemble-Oper der ungewöhnlichen Art.

Auswertung unserer Umfrage: Meine Freude an Musik- und Theaterbesuchen aktuell

31.01.22 (Martin Hufner) -
Vor einer Woche haben wir in unserem Newsletter, auf Twitter und auf Facebook unsere Leser*innen gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen, wie es um ihre Freude an Musik- und Theaterbesuchen aktuell bestellt sei. Die Umfrage ist beendet, die Ergebnisse liegen vor. Kurz gesagt: Musik- und Theaterbesuche bereiten aktuell Sorge und scheinen auch organisatorische Probleme zu zeitigen.

Unterhaltsam, temporeich, pointiert – Moritz Eggerts „Iwein Löwenritter“ an der Oper Bonn

31.01.22 (Guido Krawinkel) -
Dieser Iwein, der macht Kinder froh … und Erwachs‘ne ebenso. So könnte man in Anlehnung an die Werbung eines aus Bonn stammenden Süßwarenherstellers titeln, denn die Oper aus der Feder von Moritz Eggert, die in der Regie von Aron Stiehl am dortigen Opernhaus uraufgeführt wurde, bringt tatsächlich das Kunststück fertig Alt wie Jung zu begeistern.

Trauerarbeit im Glitzerwald: Leoš Janáčeks „Das schlaue Füchslein“ an der Bayerischen Staatsoper

31.01.22 (Juan Martin Koch) -
Barrie Kosky deutet Leoš Janáčeks naturphilosophische Parabel über die Verschränkung von Menschen- und Tierwelt in München in eine Trauerverarbeitungsoper um. Ein Missverständnis, findet Juan Martin Koch.

Bedingt fesselnd: „Hoffmanns Erzählungen“ in Erfurt mit Missverständnissen

30.01.22 (Michael Ernst) -
Kunst und Kultur in Thüringen haben lange geschwiegen, nun gibt es musikalische Feinkost und große Freiheit in der Regie. Das Theater Erfurt deutet Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ neu und spiegelt die Oper in Diktaturen und Demagogie.

Vom Sieg großer Kunst – Eine Münchner Fassung von „Hoffmanns Erzählungen“ im Gärtnerplatztheater

29.01.22 (Wolf-Dieter Peter) -
So viel Szenenapplaus war in den letzten Jahren in beiden Münchner Opernhäusern nie. Denn Anthony Bramall (Dirigat), Stefano Poda (Regie, Choreographie, Bühne, Kostüme, Licht, unter Mitarbeit von Paolo Cei), Pietro Numico (Chor) und Michael Rinz (Dramaturgie) haben aus der – seit rund 140 Jahren - schwierigen Notenlage eine in sich konsequente Münchner Fassung erarbeitet und fesselnd realisiert.

Uraufführung von „Once To Be Realized“ nach Fragmenten von Jani Christou in Berlin

27.01.22 (Roland H. Dippel) -
Die Münchener Biennale – Festival für Neues Musiktheater und die Deutsche Oper Berlin hatten schon weitere Kooperationsprojekte in der Mache, als am 23. Januar 2022 endlich „Once To Te Realized“ als Teil des 'Überhang-Zyklus' der Biennale 2020 zur verspäteten Uraufführung gelangte. Mit Übertragung der Produktion von der Kantine, den Funktionsräumens und der Tischlerei der DOB ins Utopia München und in das Onassis Culture Centre Athen wird sich „Once To Be Realized“ in ein ganz anderes, weil von den Räumen mehr als durch Musik modelliertes Perfomance-Artefakt verwandeln.

Test bestanden – Ulrich Rasche erklimmt in Genf mit „Elektra“ die Höhen der Opernregie

27.01.22 (Joachim Lange) -
Es war ein Opernregiedebüt mit Anlauf. In dem Falle müsste man eher sagen: mit Anmarsch. Im versswingenden Dauergleichschritt auf Laufbändern oder Drehscheiben. Denn die sind das Markenzeichen von Ulrich Rasche. Als Teil gewaltiger Apparaturen, die für jeden kalkulierenden Planer der blanke Horror sein müssen, hat er sich mit exzessivem Choreinsatz als der legitime Nachfolger im Bühnengeiste von Einar Schleef etabliert.

Wohldosierte Sentimentalität ohne Kitsch – Giacomo Puccinis „Il Trittico“ in Essen

Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Richard Strauss und Giacomo Puccini – wer die letzten zwanzig, fünfundzwanzig Opernjahre am Essener Aalto-Theater begleitet hat, weiß, dass die Partituren dieser vier Granden des Musiktheaters an diesem Haus und bei den Essener Philharmonikern stets in besten Händen sind.

Mit viel Krach: Glucks „Orfeo ed Euridice“ an der Komischen Oper Berlin als modernes Krankenhausstück

25.01.22 (Dieter David Scholz) -
Regisseur Damiano Michieletto hab eine glasklare, ästhetisch konsequente Inszenierung hingelegt, die in ihrer Sterilität und Moderne verzücke, aber auch verärgere, schreibt unser Kritiker Dieter David Scholz. Es geht um Glucks erste Reformoper, die um den thrakischen Sänger Orpheus kreist, eine der größten Liebesgeschichten der Oper, die seit ihren Anfängen bei Monteverdi bis in die Gegenwart präsent ist.

Simon Mayr in Freiberg und Döbeln: „Lauter Verrückte!“ in einem Opernhit von 1798

24.01.22 (Roland H. Dippel) -
Das Mittelsächsische Theater suchte nach Corona-kompatiblen Stücken in einer Werkgruppe, die erstaunlicherweise neben Kammeropern des 20. Jahrhunderts und Offenbach-Einaktern als Repertoire-Ersatzlager bisher fast unbemerkt blieb: Die italienische Opera buffa zwischen Mozart und Rossini. Johann Simon Mayrs „Che originali!“ (Venedig 1798) kam im Theater Döbeln in kleiner Besetzung zu sehr guter Wirkung, gerade weil man nicht auf internationale Belcanto-Standards setzte und aus einer leichten Opera buffa keine Brachialkomödie machte.
Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: