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Die Satire beißt nicht – Die Dresdner Militär-Offenbachiade neu einstudiert im Münchner Gärtnerplatztheater

27.01.23 (Wolf-Dieter Peter) -
 „Diesmal mokieren wir uns über den Krieg, und der Krieg steht vor unseren Toren“ notierte Librettist Ludovic Halévy 1867 in sein Tagebuch, im Umfeld der Uraufführung von Jacques Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“. 1866 hatte Bismarcks Preußen Österreich aus der deutschen Frage gedrängt. 1870 begann der fatale Deutsch-Französische Krieg. Jetzt, 2023, herrscht Krieg – geografisch und medial nahe gerückt – schwere Zeiten für die Satire…

„Wer spricht oder singt, der lebt!“ – Konzert zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ in Hannover

27.01.23 (Ralf-Thomas Lindner) -
Rache ist in unserer Zeit ganz sicher nicht die richtige Antwort auf die Verbrechen des Holocaust. Der jüdische Klarinettist Nur Ben Shalom findet mit dem Programm „Lebensmelodien“ eine typisch jüdische Antwort auf diese Rachegedanken. Er gibt den Verstorbenen wieder eine Stimme, läßt sie mit den Mitteln der Musik neu zu uns sprechen. Das Ergebnis: wer spricht oder singt, der lebt!

Kurz-Schluss: Wie mir einmal klar wurde, dass ich mich vielleicht für einen Jahrhunderte dauernden Flug zum Sirius einfrieren lassen sollte

27.01.23 (Theo Geißler) -
Es ist zum Heulen! Da hatte ich mir gerade auf der Basis aktueller und wie immer intensiver Wikipedia-Lektüre einen einigermaßen nahrhaften Job ausgetüftelt: Als Guide und Finanzberater in Sachen Metaworld für ein reifes, wohlsituiertes Publikum wollte ich meinen angelesenen vermeintlichen Informationsvorsprung ordentlich versilbern. Da stieß ich in einem Shop, den ich nur aufsuche, um meinen Urenkeln haptisch erfassbare bunte Pappbilder zu kaufen, natürlich in Kassennähe auf mehrere Bücherhaufen. Alles Sonderangebote: Olaf Scholz: „Ausgeglichen werden in der veganen Metaworld“, Dieter Bohlen: „Nichts geht über digitales Frischfleisch – Ratgeber für die Suche nach der faltenfreien Meta-Frau“. Christine Lambrecht: „Mit dem Sohnemann Industriegrundstücke in Meta erkunden – ein Familienerlebnis“ und so weiter.

Blutige Wände – Michael Thalheimer und Jonathan Nott formen in Genf einen „Parsifal“ nach ihrem Bilde

26.01.23 (Joachim Lange) -
Da die Welt, in der Richard Wagners Werke leben, so etwas wie ein eigenes Universum ist, fragt man sich am Ende, nach dem eindrucksvollen „Parsifal“, der gerade mitten in der Woche im Grand Théâtre de Genève vor nicht ganz gefülltem Saal über die Bühne ging, ob man von diesem Regisseur auch einen „Ring des Nibelungen“ durchexerziert bekommen möchte. Gelegenheit für Blutbäder und die notorische Brutalobühnenbild-Metaphorik, die bei Michael Thalheimer zum Markenkern gehören, böte die Tetralogie.

Schwerin: Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ als Ost-West-Idylle

25.01.23 (Arndt Voß) -
Die Themen heute sind anders. Aber als Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ 1963 erschien, war das Werk von großem Belang. Der Mauerbau schuf kurz vorher eine Situation, die schockierte, wie es nun Putins Einmarsch in die Ukraine tut. Ist vergleichbar, was am Dnjepr geschieht und was einst Berlin und Deutschland zerriss? Die jüngste Inszenierung am Mecklenburgischen Theater in Schwerin mag darauf abzielen, wenn es 60 Jahre später das Literaturereignis noch einmal befragt. Als Form wurde das Musical gewählt.

Vielleicht doch Liebe? – „Lady Macbeth von Mzensk“ an der Hamburgischen Staatsoper

25.01.23 (Ute Schalz-Laurenze) -
„Die musikalische Leitung dieses ‚Psychothrillers‘ hatte Kent Nagano und obschon man sich so einiges greller, krasser, auch wilder vorstellen kann, erfüllte er doch mit dem Philharmonischen Staatsorchester die außerordentlichen Anforderungen dieser Partitur. Die Inszenierung wuchs von Bild zu Bild und setzte spannende und sogar witzige Akzente,“ findet unsere Kritikerin Ute Schalz-Laurenze.

Ätzend und burlesk: „Der Silbersee“ von Kaiser und Weill am DNT Weimar

24.01.23 (Roland H. Dippel) -
„Der Silbersee. Ein Wintermärchen“ wurde die letzte Zusammenarbeit des Dramatikers Georg Kaisers mit Kurt Weill . Drei Wochen nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, vor fast 90 Jahren war die dreifache Uraufführung der ‚Schauspieloper‘, am 18. Februar 1933 in Erfurt, Magdeburg und Leipzig. Die musikalische Seite ist am Deutschen Nationaltheater Weimar unter dem neuen zweiten Kapellmeister Friedrich Praetorius erfüllt von Charisma und hat sogar maliziöse Süße. Die Inszenierung von Andrea Moses gerät zum bildschönen, aber auch harten Kommentar über Wirtschaftsgegenwart und nahe Zukunft.

Betrogen vom alten Körper – Uraufführung der Kammeroper „Blühen“ in Frankfurts Bockenheimer Depot

23.01.23 (Wolf-Dieter Peter) -
Hoffentlich löst das Werk keinen shit storm aus, wird zum Skandalon und bringt alle Beteiligten in Bedrängnis… Da schreibt schon dieser Nobelpreisträger Thomas Mann 1953 eine Novelle über „die Betrogene“ – und dann greifen zwei lebende Männer mitten im Gender-Zeitalter den Stoff auf! Wer denkt da nicht an den Amanda-Gorman-Skandal? Librettist Händl Klaus und Komponist Vito Žuraj formen nämlich sogar Monatsblutung und Eisprung zur Kammeroper – da kann nur ein gnädiger Tod das Ende bilden!

Bierernst? Von wegen! – Uraufführung von Daniel Behles Bier-Operette „Hopfen und Malz“ in Annaberg-Buchholz

22.01.23 (Joachim Lange) -
Mit ihren Ausgrabungen haben das Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz und sein umtriebiger Intendant Moritz Gogg schon öfter Furore gemacht. Von Ralph Benatzkys „Der reichste Mann der Welt“ bis zum überraschend italienischen „Falstaff“ des Briten William Balfe. Die Uraufführung eines Werkes, das gerade fertig geworden ist, setzt aber nochmal eins drauf. Noch dazu, wenn es eine Operette ist, die, sogar mit Ohrwürmern, sofort beim Publikum zündet.

Szenisch beachtlich, sängerisch spektakulär: Verdis „Macbeth“ am Theater Regensburg

22.01.23 (Juan Martin Koch) -
Als dritte Regiearbeit hat die Sängerin Angela Denoke am Theater Regensburg Giuseppe Verdis „Macbeth“ inszeniert. Sie kann sich dabei auf ein exzellentes Gesangsensemble und einen fabelhaften Chor stützen, setzt aber auch eigene Akzente. Juan Martin Koch berichtet von der umjubelten Premiere:

Tod und Party-Kuscheln – Mark Simpsons schwule Club-Oper „Pleasure“ in Erfurt

22.01.23 (Roland H. Dippel) -
Mark Simpsons Auftragsoper für die Opera North, Aldeburgh Music und the Royal Opera House London (2016) erlebt im Studio des Theaters Erfurt ihre kontinentale Erstaufführung. Bei der interaktiven Produktion wird das Publikum zu Gästen des GLBTIQ-Clubs „Pleasure“. Katja Bildt, Robin Grunwald, Emanuel Jessel und Kammersänger Máté Sólyom-Nagy als Dragqueen Anna Fewmore liefern ein bitteres Drama nach dem altgriechischen Hephaistos-Mythos. Ein prickelnder wie emotionaler Beitrag zur „griechischen Spielzeit“ am Theater Erfurt.

Hirsche, Bräute, Schuss und Schluss: „The Black Rider“ in Dessau

21.01.23 (Roland H. Dippel) -
33 Jahre nach der Uraufführung am Hamburger Thalia-Theater ist das Kultstück „The Black Rider. The Casting of the Magic Bullets“ auch am Anhaltischen Theater Dessau ein Triumph des Schauspiels und der sogar hier kultiviert klingenden Anhaltischen Philharmonie unter Wolfgang Kluge. In einer homogenen Leistung zeigte das Ensemble an den Songs von Tom Waits und dem Buch von William S. Burroughs viel Lust und Freude. Weniger Kontur und Neugier auf profunden Zeitbezug hatte dagegen die Inszenierung des Duos Katharina Schmidt und Roman Konieczny.

Ein Instrument, das es schafft Brücken zu bauen: Das Jahr der Mandoline in der nmz

19.01.23 (Ralf-Thomas Lindner) -
Die Mandoline ist Exotin und Brückenbauerin zugleich. In diesem Jahr ist sie von den Landesmusikräten (federführend der aus Schleswig-Holstein) zum „Instrument des Jahres“ ausgerufen worden. Sehen die einen in ihr eher ein Volksmusikinstrument, das von Laien mehr schlecht als recht gespielt wird, ist sie seit ihren Anfängen auch in der klassischen Musik zu Hause. In jedem Fall versprechen die sich um sie rankenden Veranstaltungen in diesem Jahr ein breites Spektrum an unterschiedlichsten wunderbaren Hörerlebnissen.

„Wandeln im Chaos“ – die 6. Internationale Messiaen-Tage in der Europastadt Görlitz Zgorzelec

16.01.23 (Michael Ernst) -
Der 15. Januar hat sich eingeschrieben in die Geschichte der Europastadt Görlitz Zgorzelec. Im Kriegswinter 1941 wurde an diesem Datum das „Quartett auf das Ende der Zeit“ von Olivier Messiaen uraufgeführt – in der Theaterbaracke des Gefangenenlagers Stalag VIII A! Seit nunmehr 15 Jahren wird wieder an dieses Ereignis erinnert, natürlich mit der regelmäßigen Aufführung des Quartetts. Zunächst in einem Konzertzelt, das in echten Schneewintern noch den Hauch eines Eindrucks vermitteln konnte, wie es wohl bei der Uraufführung zugegangen sein mochte, seit 2015 im eigens errichteten Europäischen Zentrum Erinnerung, Bildung, Kultur direkt am Rande des früheren Lagers.

Abgrundlos in der Tiefe der Bühne – Nico Muhlys Oper „Marnie“ am Theater Freiburg

15.01.23 (Georg Rudiger) -
Wer ist Marnie? Eine skrupellose Serienräuberin, die das Vertrauen ihrer Vorgesetzten missbraucht, um sich persönlich zu bereichern? Eine unterdrückte Tochter, deren Handeln Folge eines kindlichen Traumas ist? Oder einfach eine selbstbewusste und unabhängige Aufsteigerin, die ihren eigenen Weg in der Männerwelt geht? Nico Muhlys zweiaktige Oper „Marnie“ nach dem gleichnamigen Roman von Winston Graham (Libretto: Nicholas Wright) legt sich nicht eindeutig fest.

Es wurde auch geschnarcht – Nikolai Rimski-Korsakows „Märchen vom Zaren Saltan“ in Hannover

15.01.23 (Dieter David Scholz) -
„Es ist schon klar, was die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr beabsichtigt. Aber es vermittelt sich nicht in der verrätselten, symbolschwangeren, dazu in beliebigem Hier und Heute angesiedelten Ambiente ohne Atmosphäre …. Qualm ist das einige, was die öde und dröge Inszenierung belebt,“ meint unser Kritiker Dieter David Scholz. Viel Rauch um Etwas? Musikalisch hingegen beglücke die Aufführung.

Hommage an Leo Fall und Talentschmiede: Der 19. Operettenworkshop des Forums Dirigieren

09.01.23 (Roland H. Dippel) -
Zum 19. Mal wurde die Musikalische Komödie Leipzig zum Veranstaltungsort des Operettenworkshops im Forum Dirigieren des Deutschen Musikrats. Mit Musikdirektor Tobias Engeli, dem Orchester, Chor und Solisten erarbeiteten Simon Edelmann, Artem Lonhinov und David Preil die musikalische Leitung zu einer konzertanten Aufführung von Leo Falls „Die Straßensängerin“. Roland H. Dippel besuchte die Generalprobe.

Seit 1523 Musikgeschichte hörbar gemacht: 500 Jahre Bayerisches Staatsorchester

09.01.23 (Wolf-Dieter Peter) -
Mehrfach ausgezeichnete Exzellenz – Mit einem Festakt zu seinem 500jährigen Bestehen eröffnet das Bayerische Staatsorchester ein ganzes Jubiläumsjahr.

„Reihe 9“ (#73) — Kein Silbersee

09.01.23 (Michael Kube) -
In diesem Monat erscheint erstmals in der nmz „Reihe 9“, eine monatliche Kolumne von Michael Kube. In der ersten Ausgabe für die nmz macht er sich Gedanken über Neujahrskonzerte und Nachwuchstalente im Alter von 13 bis 25 Jahren.

Zwischen Realität und Illusion – Uraufführung von Johannes Harneits „Silvesternacht“ an der Staatsoper Hamburg

06.01.23 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Romantik ist die Epoche, die den Komponisten Johannes Harneit immer wieder anzieht mit ihren wichtigsten Metaphern, dem Spiegel und dem Schatten. Und natürlich deren literarischen Verarbeitungen wie im Werk von E.T.A. Hoffmann und Adalbert von Chamisso. Es geht in der nun uraufgeführten „Silvesternacht“ wieder um den romantischen Menschen, um Menschen, die zerbrechen an der Spannung von Realität und Illusion auf der einen und Utopie auf der anderen Seite.

Materielles für Immaterielles. Die Sondermarke „Orgelbau – Orgelmusik“

05.01.23 (Ralf-Thomas Lindner) -
Die Pfeifenorgel ist mit ihrer monumentalen Größe und ihrer schier unerschöpflichen klanglichen Farbigkeit unter den Musikinstrumenten einzigartig. Wolfgang Amadeus nannte sie gar den „könig aller jnstrumenten“. Ihre bekannten Wurzeln reichen zurück bis zum Jerusalemer Tempel. 2017 nahm die UNESCO den Orgelbau und die Orgelmusik in den Katalog des Immateriellen Kulturerbe der Menschheit auf. Heute gibt die Deutsche Post eine Orgel-Briefmarke heraus – ein kleines Kunstwerk, das die Orgel in die Welt tragen wird.

Unverwüstlich – Die „Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán in Halberstadt

02.01.23 (Joachim Lange) -
Wenn schon die Ouvertüre der „Csárdásfürstin“ eine Dosis Pusta- beziehungsweise Ungarnklischee verströmt, dann steht hier keineswegs eine heute so übereifrig kritisierte „kulturelle Aneignung“ ins Haus. Emmerich Kálmán (1882-1953) war Ungar. Neben Franz Lehár, einer der Begründer und Protagonisten der sogenannten silbernen Operettenära. Da er 1882 in Siófok geboren wurde, war er sogar ein original k.u.k. also ein österreich-ungarisches Gewächs. Von seinen zahlreichen Operetten gehören die „Csárdásfürstin“ (1915) und „Gräfin Mariza“ (1924) zum Tafelsilber des Operettenrepertoires.

Oper-Orchidee in Erl – „Francesca da Rimini“ von Saverio Mercadante

29.12.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Komponisten und Opern teilen oft Schicksalsschläge. Der 1795 getaufte Saverio überlebte die kriegerische Plünderung Neapels 1799 nur, weil seine ledige Mutter mit ihm aus der Stadt geflohen war. Der anschließend ausgezeichnet ausgebildete und dann später europaweit bekannte Komponist Mercadante schied im Streit um Sopran-Star Adalaide Tosi als Francesca 1830 aus der Oper von Cadiz – Werk unaufgeführt. 1831 führte der Tod des Mailänder Scala-Intendanten zur Absetzung – Werk unaufgeführt. Dann: Werk verschollen – Wiederentdeckung der Partitur 2011 (!) in Bologna – Uraufführung 2016 beim Festival Valle d’Itria – nun Tiroler Winterfestspiele in Erl.

Magie der Bilder – „Don Pasquale“ bei den Tiroler Festspielen Erl

28.12.22 (Roland H. Dippel) -
Melancholischer Volltreffer. Mit zwei Jahren Corona-Verzögerung kam im Festspielhaus Erl Caterina Panti Liberovicis Inszenierung von „Don Pasquale“ heraus. Giuliano Carella zeigte zu ihren morbiden Commedia dell'arte-Reminiszenzen, was in Gaetano Donizettis letzter Opera buffa an berührenden Schmelz- und Herztönen steckt. Donato di Stefano macht den zu oft als Polterpartie missverstandenen Pasquale zu einer lyrischen Paraderolle, Bianca Tognocchi ist eine souveräne und schlichtweg ideale Norina. Roland H. Dippel

Die Redaktion der neuen musikzeitung wünscht ein friedvolles Weihnachtsfest

24.12.22 (nmz-red) -
Die gesamte Redaktion der neuen musikzeitung und ihre Mitarbeiter wünschen nicht nur allen unseren Online-Besucherinnen und -besuchern, sondern wirklich allen ein gesundes, frohes und friedliches Weihnachtsfest. Wir werden hier in den nächsten Tage auch etwas kürzer treten, halten aber in kleiner Besetzung unseren Informationsdienst aufrecht. Stöbern Sie derweil gerne in den aktuellen Ausgaben der neuen musikzeitung, der Jazzzeitung und von Oper & Tanz. Bestimmt es etwas für Sie dabei.
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