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Sängerfest zum Dumpingpreis: „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen

28.07.17 (Peter P. Pachl) -
Der dritte Festspielabend in Bayreuth brachte ein deutliches Primat der Musik. Bereichert um einige treffliche Neubesetzungen, wurde die „Parsifal“-Premiere zu einem umjubelten Sängerfest, wohingegen Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung auch im zweiten Jahr wenig Erhellendes bringt und seine Zitate aus vorhergehenden Inszenierungen letzteren Eindruck noch verstärken.

Gründlich überarbeitet und fesselnd: Katharina Wagners „Tristan und Isolde“-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen

27.07.17 (Peter P. Pachl) -
Ein einsamer gellender Buhruf aus den ersten Reihen des Festspielhauses, mitten in der leisen Verklärungsmusik von „Tristan und Isolde“, war eine besonders störende, spontane Missfallensäußerung eines Besuchers, da Isolde nicht mit Tristan gemeinsam sterben darf, sondern durch Marke vom Todeslager ihres Geliebten weggezerrt wird. Möglicherweise aufgrund dieser Störung kam die Regisseurin dann beim Applaus nicht allein vor den Vorhang, sondern verneigte sich nur gemeinsam mit ihren Darstellern auf der Bühne, wo sich dann starke Missfallensbezeugungen in den begeisterten Zuspruch mischten – zu Unrecht, denn die Weiterarbeit an ihrer Inszenierung zeigt Katharina Wagner als Meisterin in ihrem Fach.

Von der Villa Wahnfried zu den Nürnberger Prozessen: Barrie Koskys „Meistersinger“-Inszenierung eröffnete den Bayreuther Premierenreigen

26.07.17 (Peter P. Pachl) -
Als „erster jüdischer Regisseur in Bayreuth“, so Barrie Kosky, hatte er sich zunächst nur schwer dazu durchringen können, „Die Meistersinger von Nürnberg“ zu inszenieren. Dann aber hatte der Chef der Berliner Komischen Oper einen sehr originellen Interpretationsansatz gefunden, von Wagners Salon-Weihfestspielen in der Villa Wahnfried bis zu den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen. Das witzige, bisweilen optisch verstörende Konzept, musikalisch gestützt durch eine überaus eigenwillige Interpretation von Philippe Jordan, machte den offiziellen Eröffnungsabend der Bayreuther Festspiele zu einem gefeierten Triumph.

Ethos-Pathos-Logos: Mit einem Sonderkonzert gedenken die Bayreuther Festspiele des 100. Geburtstages von Wieland Wagner

25.07.17 (Peter P. Pachl) -
Schon vor der mit Spannung erwarteten Neuinszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ begannen die Bayreuther Festspiele in diesem Jahr mit einem Vorabend im Festspielhaus. Bereits am Morgen war im Neubautrakt des Wagner Nationalmuseums eine imposante Rauminstallations-Ausstellung über Leben und Schaffen Wieland Wagners eröffnet worden, am Abend gab es im Festspielhaus mehrere Erstaufführungen.

Rettungsversuch: Weber in der Psycho-Klinik – „Oberon“ bei den Münchner Opernfestspielen

23.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Dazu sind Festspiele da: Das besondere Werk am besonderen Ort auf besondere Weise. Das gilt grundsätzlich für Webers dramaturgisch bunte Mischung von Feen, Kalifentochter, Meermädchen, Ritter samt Knappen, Puck, Seeräubern, Titania und Oberon in einem Werk mit viel Sprechszenen, turbulenten Schauplatzwechseln und Aktionen. Das Münchner Prinzregententheater ist eher aufgrund seiner eingeschränkten Gegebenheiten „besonders“, vor allem aber der Puppen-Animator Nikolaus Habjan als Regisseur.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 24.07. bis 30.07.2017

23.07.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 30. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Neue Musik aus Lockenhaus, John McGuire, Peter Jakober, Jennifer Walshe, Gerhard Meier, Wittener Tage für neue Kammermusik, Bernd Weikl, Alan Licht, Agnes Hvizdalek, 70 Jahre Bachwoche Ansbach, Centre National de Création Musicale "gmem" in Marseille, Schauspielmusik, Gerard Grisey und Robert Adrian.

„Making of“ Rossinis „Mosé“ – Die Bregenzer Festspiele scheitern mit der Rettung von Rossinis „tragisch-sakraler Handlung“ um Israels Auszug aus Ägypten

21.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Seit Jahren ist die Bregenzer Dramaturgie – „Auf der Seebühne das populäre Werk, im Festspielhaus die Opern-Orchidee“ – immer wieder erfolgreich. Nach „Carmen“ auf der Seebühne folgte nun ein Werk, mit dem 1818/19 Neapels Intendanz das Opern-Verbot während der Fastenzeit zu umgehen versuchte: mit der seriös angelegten Vertonung der alttestamentarischen Erzählung von Israels Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft, von Moses Verhängung der sieben Plagen, von Israels Gang durch das Rote Meer und dem Untergang der pharaonischen Verfolger.

Gespenstisches Theremin – Erstes Konzert des „Auftakt“ Jugendorchesterfestivals in München

21.07.17 (Alexander Mathewson) -
Das erste Konzert des „Auftakt“ Jugendorchesterfestivals im Werksviertel München bot ein sehr vielseitiges, energetisches und spannendes Programm, das das Publikum wirklich bewegt hat – nicht nur im bildlichen Sinn des Wortes!

Künstlerische Sensibilität: Der argentinische Komponist Damián Gorandi ist der neue Franz-Liszt-Stipendiat 2017

21.07.17 (PM) -
Damián Gorandi heißt der neue Franz-Liszt-Stipendiat 2017 der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Beim Kompositions-Meisterkurs im Rahmen der 58. Weimarer Meisterkurse konnte der aus Südamerika angereiste 25-jährige Komponist die Jury mit seinen Werken von sich überzeugen. Das mit insgesamt 3000 Euro dotierte Franz-Liszt-Stipendium ermöglicht Gorandi nun im Jahr 2018 eine dreimonatige, ungestörte schöpferische Arbeit in Weimar. Außerdem werden seine Werke während seines Aufenthalts in Weimar in Konzerte des Studios für elektroakustische Musik (SeaM) eingebunden.

Unaufhaltsamer Tanz zum Tod - Die 72. Bregenzer Festspiele eröffnen mit Bizets „Carmen“

20.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die Karten lügen nicht“ singt die schicksalsgläubige Carmen und auf den scheinbar durch die Luft fliegenden, großen Spielkarten der Bühnenarchitektur verschwammen Pik und Kreuz. Das war zwar Video-Inszenierung, doch total passend: denn trotz strömenden Regen hatten sämtliche Solisten gesagt „Wir wollen spielen“, die 7000 Seebühnen-Besucher saßen unter Regencapes - und blieben beeindruckt sitzen, so dass Regen, Wetterleuchten und Donnergrollen im 3. Akt aufgaben...

„Für die Musik darf man ruhig das Gehirn bemühen“ – Dirigent Michael Gielen feiert seinen 90.Geburtstag

20.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Welcher Dirigent kann schon von sich sagen, mitten in einem Premieren-Dirigat mit Hühnerbeinen beworfen worden zu sein? Das und wütende Ablehnung, aber eben auch differenzierte und tiefempfundene Verehrung hat Michael Gielen in seiner langen, vielfältigen Karriere erlebt – Gründe genug für eine Würdigung zum 90.Geburtstag von Wolf-Dieter Peter.

Logistisches Glanzstück, künstlerischer Mehrwert: Wagners „Der fliegende Holländer“ im Regensburger Hafen

16.07.17 (Juan Martin Koch) -
Ausgerechnet in den Regensburger Westhafen hat es Wagners Holländer-Schiff verschlagen. Weit getrennt durch das breite Hafenbecken blickt das Publikum auf das prächtige Stadtlagerhaus von 1910, vor dem die mikrofonierten, nur per Videoübertragung wirklich sichtbaren Sänger eine „semikonzertante“ Aufführung abliefern. Was sich wie eine eventsüchtige Schnapsidee des Regensburger Theaters anhört, entpuppt sich bald als theatraler Coup.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 17.07. bis 23.07.2017

16.07.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 29. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Neue Musik aus Lockenhaus, Thomas Wenk, Peter Michael Hamel, Michael Gielen, Hugues Dufourt, Wieland Wagner zum 100. Geburtstag, Acelga Quintett, Peter Jakober und Every Time A Ear di Soun, ein Radioprogramm der documenta. Insgesamt ist das Angebot etwas reduziert, da fast alle Kulturwellen ihr Festival-Sommerprogramm starten.

Abschiede von Charlottenburg – Drei letzte kleine Produktionen der Staatsoper

14.07.17 (Peter P. Pachl) -
Nachdem Jürgen Flimm Jahr um Jahr auf den Einzug in die „Staatsoper Unter den Linden“ warten musste, sieht es derzeit gerade so aus, als könnten er und sein Ensemble sich von Charlottenburg nicht trennen. Tatsächlich war für ihn, den geborenen Theatermann mit Schwerpunkt Schauspiel, das Schillertheater ein wichtigerer Ort als für viele der vordem im Ostteil der Stadt engagierten Mitarbeiter der Staatsoper.

Bruch in der Komfortzone: Gregor Schwellenbachs „Dronen-Oper“ im Bonn

12.07.17 (Stefan Pieper) -
Die Vernichtung von Menschen erfolgt heute nicht selten aus der Komfortzone heraus. An einem sicheren Ort fernab vom Kriegsschauplatz erlebt der mit dem Abfeuern tödlicher Fluggeschosse beauftragte „Drohnen-Operator“ die Tragweite seines Tuns nur von Monitoren aus. Töten als „Nine to five“- Job? Die Kameras können jedes Detail ins Visier nehmen, um den Einschlagsort exakt zu berechnen. Was ist dort unten für ein Leben? Wie sehen die Menschen dort unten und ihr Alltag aus? Wie reden, schlafen, lachen, essen, beten, lieben, arbeiten sie? Der unbekannte Drohnenpilot in Lothar Kittsteins Text „Autopilot“ empfindet zumindest noch so etwas wie Neugier darauf. Lebt hier ein Restbestand von Empathie? Auch wenn diese im eigenwillig verfremdeten Sprechgesang reichlich surreal anmutet...

Unterm Regenbogen – München leuchtet schillernd bunt!

12.07.17 (Roland H. Dippel) -
So geht es auch: Klassik und Neue Musik als Starter für die CSD-Woche in der Bayernmetropole. Im Festsaal des Alten Rathauses kommen zum ersten „Regenbogenkonzert der Münchner Philharmoniker“ immerhin über 250 Besucher. Das genderbewusste Amateurensemble „Rainbow Sounds Orchestra Munich“ zeigt nichts Sektiererisches und glänzt davor mit einem anspruchsvollem Programm.

Barcode-Scanner und Extended-Technique-Goldgrube: Konzert des „Neuen Kollektivs München“

12.07.17 (Alexander Mathewson) -
Das Konzert des „Neues Kollektiv München“ am 6. Juli hat eine interessante Auswahl zeitgenössischer Musik im Münchner Gasteig angeboten – von elektronischer Improvisation bis zur virtuosen Solo-Musik. Es war durch herausragendes spielerisches Können geprägt, dennoch gab es êin paar Schwierigkeiten, die eher kompositorischen Ursprungs sind.

Oper als Therapie für’s Leben – Die 69. Musikfestspiele von Aix-en-Provence

11.07.17 (Joachim Lange) -
Eigentlich umweht die Oper ja immer ein Hauch von Ersatz-Therapie. Bei all dem, was da so passiert auf der Bühne. Beim Versuch ein Mensch zu werden, eine Beziehung zu retten, die Seele zu verkaufen, um reich zu werden oder mit den verführten Frauen ins Guinnessbuch zu kommen oder das Spiel von Intrige und Verwechslung am Ende unbeschadet zu überstehen. Auf der Bühne den Traum oder Alptraum des Lebens zu erleben, macht den Reiz des Genres aus.

Alter Schwede? Von wegen! – Herbert Blomstedt wird 90

11.07.17 (Michael Ernst) -
Herbert Blomstedt ist ein Phänomen. In aller Welt liegen ihm die Musikliebhaber zu Füßen. In Sachsen aber lieben sie ihn. Der Grund? Nirgendwo ist er so lange tätig gewesen wie hier. Erst ein Jahrzehnt bei der Staatskapelle in Dresden, dann sieben Jahre am Gewandhausorchester zu Leipzig. Noch immer arbeitet er mit beiden Klangkörpern als Gastdirigent. Am 11. Juli begeht der Maestro seinen 90. Geburtstag. Von Michael Ernst.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 10.07. bis 16.07.2017

09.07.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 28. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Sarah Nemtsov, Michael Floredo, Gerhard Rühm, das Tao und die Wiener Gruppe, Gérard Grisey und Zeitgenossen in Salzburg, Per Nørgård, Alper Marals Musik, Henri Chopin, Experimentelle Musik aus Neu Delhi, Komponisten des ADevantgarde-Festivals München, Herbert Blomstedt als Dirigent zeitgenössischer Musik, das Unisono in der zeitgenössischen Musik, Komponieren mit Henry David Thoreau, Michael Gielen, Walter Benjamin zum 125. Geburtstag, ICAS Radio, Oase Haifa, Höhepunkte vom Ulrichsberger Kaleidophon 2017, Zur Problematik neuer Diesseitigkeit, Frischen Wind im Geigenbau und den Prix Palma Ars Acustica.

Kein Ausweis für den Hund – Barrie Kosky über seinen Bayreuther „Meistersinger“ im Gespräch mit Joachim Lange

07.07.17 (Joachim Lange) -
Barrie Kosky bereitet auf dem Grünen Hügel in Bayreuth die „Meistersinger“ vor. Am 25. Juli werden damit die Richard-Wagner-Festspiele eröffnet. Ansonsten gehört der Australier mit den jüdischen Wurzeln seit 2012/13 als Intendant der Komischen Oper zur Berliner Opernszene. Der 50jährige ist dort in diesem Job ebenso erfolgreich wie als Regisseur - am eigenen Haus, aber auch in Zürich, Frankfurt oder wo immer auf der Welt er inszeniert. Er gilt als Könner des leichteren Fachs, hat die Operettentradition seines Hauses wiederbelebt. Aber er hat auch Wagner-Erfahrungen. Mit dem Ring in Hannover etwa. In Bayreuth traf Joachim Lange vor einigen Tagen einen gut gelaunten Meister(singer)-Regisseur…

Blutiges Gemetzel anstelle des Happy-Ends – Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der UdK Berlin

07.07.17 (Peter P. Pachl) -
Die erste Oper mit integrierter Europa-Idee brachte der UdK einen eindeutigen Erfolg für die zahlreichen jungen Solist*innen und insbesondere für das einwandfrei musizierende Orchester unter Errico Fresis, der beim Schlussapplaus zu Recht Standing Ovations erntete. Problematischer hingegen die szenische Ausdeutung.

Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ beim Festival INFEKTION! der Berliner Staatsoper

06.07.17 (Peter P. Pachl) -
Die letzte Premiere im Schiller-Theater brachte nicht wirklich etwas Neues. Als nunmehr wirklich letzte Premiere im großen Saal des Schiller-Theaters erntete die bereits zwei Jahre alte Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden mit der Oper Stuttgart und dem Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel einen derartigen Jubel, wie er vergleichsweise nur nach besonders beliebten Strauss-Opern zu erleben ist.

„Deine Lagermadonna!“ – Weinbergs „Die Passagierin“ an der Semperoper

06.07.17 (Roland H. Dippel) -
Zum Spielzeitende holt die Semperoper aus Frankfurt die beachtliche Produktion von „Die Passagierin“ in der durch ihre Sensibilität beeindruckenden Inszenierung Anselm Webers, dort künstlerischer Geschäftsführer des Schauspiels ab 2017/18. Ein weiteres Mal bestätigt sich nach der postumen szenischen Uraufführung in Bregenz 2010 die innere Kraft, der musikalische Tiefgang und das ethische Potenzial der letzten Oper des Schostakowitsch- Protegés Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) nach dem Roman der bei der Premiere anwesenden Autorin Posmysz: Zeitgeschichte mit humanistischem Format und ein Ja zum Leben noch in den allertiefsten Abgründen.

Fugato: das Abschlusskonzert des Flüchtlingsprojekts der Württembergischen Philharmonie Reutlingen

Ahmet Gül hat Musik studiert und ist gleichermaßen in der europäischen wie in der türkischen Gesangstradition zuhause. Im interreligiösen Chor Trimum, ein von Bernhard König 2012 ursprünglich an der Stuttgarter Bachakademie ins Leben gerufenes Projekt, kann er beides verbinden. Im Projekt „Fugato“ der Württembergischen Philharmonie Reutlingen kommt Gül, der im Hauptberuf als Telefonist am Esslinger Klinikum arbeitet, dagegen nur einmal kurz dazu, seine Gesangskünste vorzuführen. Am Arm geführt und sekundiert von Lucie Mackert, stellt der blinde Sänger als Erzähler den Zusammenhang her. Wieder und wieder, insgesamt zehnmal, hebt er an: „Es war einmal ein Ton.“
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