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Ein Flügel des Gesangs – Jona Kim inszeniert Schumanns „Genoveva“ in Mannheim

30.04.17 (Frieder Reininghaus) -
Im Wesentlichen lag der Text zu „Genoveva“ 1847 vor. Das Schaffen Robert Schumanns wurde beflügelt vom revolutionären Prozess der Jahre 1848/49, den er als „Völkerfrühling“ begrüßte und den seine Familie in Dresden hautnah mitbekam. Umso bemerkenswerter erscheint, dass der Komponist an diesem unter den Bedingungen der Restauration und des gegängelten Theaters begonnenen Werk festhielt und nicht eines aus dem „Geist der neuen Zeit“ schrieb. Zur Uraufführung kam die auf eine Heiligenlegende zurückgehende Oper erst nach dem kläglichen Ende der Revolution und nur zu bescheidenem Erfolg. Bis heute leiden die „Genoveva“-Produktionen am Anachronismus von Handlung und Text. Dem steht aber die einst in vielen Details innovative und fortdauern reichlich wunderhorntönende Musik gegenüber.

Jaulendes aus dem alten Rom: „Die Krönung der Poppea“ – neu gefasst an der Komischen Oper Berlin

30.04.17 (Peter P. Pachl) -
Wiederaufnahmen an Stadttheatern sind in der Regel nicht unproblematisch, geraten eher wie ein zweiter Aufguss mit deutlichen Abstrichen gegenüber der Premieren-Version. Anders nur an Häusern, die sich das Prinzip „Werkstatt“ zum Ziel gesetzt haben, wie es von Neu-Bayreuth geprägt wurde. Dort arbeitet der Hausherr der Komischen Oper demnächst – und die Wiederaufnahme seiner zunächst im Rahmen des Monteverdi-Marathons vorgestellten letzten Oper des Urvaters der Opernbühne, „Die Krönung der Poppea“ war 2012 – so Regisseur Barrie Kosky – „noch nicht fertig für meinen Geschmack“.

Polystilistisch: Reynaldo Hahns „Le Merchand de Venise“ am Theater Bielefeld

Es hat lange, sehr lange (wenngleich nicht kontinuierliche) Tradition am Theater Bielefeld, Opernraritäten auszugraben, Uraufführungen zu präsentieren, Werke aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Erst im Januar 2017 kam Marc-André Dalbavies „Charlotte Salomon“ auf die Bühne – ein Stück aus dem Jahr 2014 über die von den Nazis 1943 in Auschwitz ermordete Malerin. Jetzt steht mit „Le Merchand de Venise“ eine der sechs Opern im Mittelpunkt, die Reynaldo Hahn (1874-1947) komponiert hat, die inzwischen aber allesamt dem Vergessen anheimgefallen sind. „Le Merchand de Venise“, 1935 in Paris uraufgeführt, erlebt in Bielefeld gar ihre deutsche Erstaufführung!

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 1. bis 7. Mai 2017

30.04.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 18. Vieles steht im Zeichen der „wittener tage für neue kammermusik“. Wir haben die Stunden nicht zusammengezählt, aber vom 5. Mai an bis zum Sonntag gibt es auf WDR3 keinen Mangel an Uraufführungen und Reportagen. In dieser Ausgabe haben wir auch wieder rbb-kulturadio in unserer Liste. Andreas Göbel war so freundlich und hat uns das Programm für den gesamten Mai zugeschickt.

Modulation impossible! – Philip Glass‘ Oper „Satyagraha“ in Basel

29.04.17 (Georg Rudiger) -
Die große Zeit der Minimal Music ist vorbei. In den 80-er Jahren wurde Philip Glass‘ Opernerstling „Einstein on the beach“ auf europäischen Bühnen rauf und runter gespielt als tonaler Kontrapunkt zur atonalen Musik der herrschenden Avantgarde. Im heutigen „Anything goes“ haben die endlosen Wohlfühlharmonien ihren subversiven Charakter verloren. Sie betten weich, statt sich mit Penetranz in die Gehörgänge zu bohren. Sie entwickeln kaum Sogwirkung, sondern drehen sich im Kreis.

Deutsche Erstaufführung: Neufassung von Nicola Sanis „NeIl tempo sospeso del volo“ an der Staatsoper Berlin

29.04.17 (Peter P. Pachl) -
Das Schwierigste für einen lebenden Komponisten ist es nicht, eine Uraufführung zu bekommen, sondern nachgespielt zu werden. Der 1961 in Ferrara geborene Nicola Sani, unter anderem Schüler von Stockhausen, brachte 2007 in Reggio Emilia sein siebtes Bühnenwerk „NeIl tempo sospeso del volo“ zur Uraufführung. Zehn Jahre später, kurz vor dem 25. Jahrestag der Ermordung Falcones, holte es Jürgen Flimm als zweite Bühne an die Staatsoper, die es unter dem Titel „Falcone“ als deutsche Erstaufführung in deutscher Übersetzung präsentiert.

Das Monatsprogramm Neue Musik / Musikfeature im Radio: Mai 2017 (Übersicht)

28.04.17 (Martin Hufner) -
Wir haben vor Jahr und Tag uns an alle Rundfunkanstalten gewandt, um Informationen über ihr Radioprogramm in Hinsicht auf Sendungen der Kategorien Neue Musik und Musikfeature zu erhalten. Bislang haben uns allerdings nur hr2-kultur und rbb-kulturradio entsprechende Listen zukommen lassen. Dafür sagen wir im Namen unserer Leserinnen und Leser Dank. Die Früchte dieser Initiative wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Vielleicht ziehen jetzt ja doch noch die anderen Sender nach. Hier also das Maiprogramm von hr2-kultur und rbb-kulturradio.

Alban Berg im Vogtland – 8. Konzert der Vogtland Philharmonie im Neuberinhaus Reichenbach

27.04.17 (Roland H. Dippel) -
Pärt, Berg und die Vierte von Brahms: Das ist ein Programm, zu dem man in großen Sälen Glanz, Opulenz und Geschmeidigkeit erwartet. Nicht nur in Zentren, auch an kleineren Musikzellen beinhaltet Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ kaum noch Schärfen für provozierte Attacken. Stefan Fraas, Intendant der Vogtland-Philharmoniker, stellte sogar fest, dass die Sprödigkeit des Violinkonzerts von William Walton bei seinem Publikum weitaus mehr Irritationen bereitete. Am Ende gab es „nur“ Anerkennungsapplaus für den Solisten, aber an Abo-Kündigung deshalb denkt im vollen Neuberinhaus Reichenbach niemand.

Siegfried Mauser auch in zweiter Instanz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

27.04.17 (Martin Hufner) -
Der ehemalige Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, Siegfried Mauser ist auch in zweiter Instanz wegen Sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Berufungsgericht des Landgerichts I München milderte die Strafe aus der ersten Instanz von 1 Jahr und 3 Monaten auf 9 Monate allerdings ab. In einem zweiten Fall ist Mauser wie auch in der ersten Instanz freigesprochen worden.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal auf der CeBIT in Hannover der „Gesellschaft 5.0“ auf reichlich unangenehme Weise begegnete

26.04.17 (Theo Geißler) -
Man wird nicht jünger, nicht stärker. Eigentlich redet ein harter Schnüffel-Knochen wie ich nicht über persönliche Schwächen. Das ist bekanntlich geschäftsschädigend. Bedauerlicherweise blieb allerdings mein Zusammenbruch beim Besuch der diesjährigen CeBIT in Hannover dank der allgegenwärtigen Videoüberwachung ohnedies nicht geheim. Auf der Facebook-Seite „Messe-intim“ finden sich schamlose Bilder. Deshalb zunächst Hintergründiges zur Klärung: … [vorab aus Politik & Kultur 3/2017]

Uraufführung von Vilallongas „Blancanieves” als Live-Film-Konzert

24.04.17 (Peter P. Pachl) -
Zu allen Zeiten gab es Künstler, die sich dem Fortschritt verschlossen, am Alten hingen und – sei es in der bildenden Kunst oder der Musik – sich schöpferisch so verhielten, als sei die jeweils neue Zeitepoche noch nicht angebrochen. In der Oper ist dafür Giles Swayne eines der eklatantesten Beispiele: der britische Komponist brachte im späten 20. Jahrhundert seine Überzeugung, über Mozart ginge es nicht hinaus, damit zum Ausdruck, dass er in dessen Stil komponierte und auch gleich noch die Fortsetzung des Figaro-Stoffes („La Nozze di Cherubino“).

Neue Musik / Musikfeature: Die Radio-Woche vom 24. bis 30. April 2017

23.04.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 17. Jetzt schon das dritte Mal ohne die Beiträge vom rbb-kulturradio, die es immer noch nicht hinbekommen, ihre Beiträge in die ARD-Suchmaschine einzupflegen. Es scheint ihnen einfach ziemlich egal.

Am anderen Ende der Welt – Staatskapelle Halle in Bogotá

21.04.17 (Joachim Lange) -
Die Staatskapelle Halle und Josep Caballé-Domenech begeistern, neben der Philharmonische Orchester Bogotá, dem Luzerner Sinfonieorchester und dem Russischen Nationalorchester als Gäste aus Deutschland beim Internationalen Festival für klassische Musik in Lateinamerika!

Vertikalreise – „Die Frau ohne Schatten“ an der Hamburgischen Staatsoper

18.04.17 (Peter P. Pachl) -
Eine Woche nach der Neuinszenierung von Strauss’ Komposition des Kunstmärchens von Hugo von Hofmannsthal durch die Berliner Staatsoper, hievte auch die Staatsoper Hamburg jene Spielvorlage, welche die Autoren gerne als pures Märchen jenseits von Deutungen gesehen hätten, auf den Prüfstand eines psychologisch ausgerichteten Regietheaters. Ein nicht immer schlüssiger, aber sehens- und hörenswerter Abend.

Im Zeichen der Schwerter: Dresden bringt Mozarts „Entführung“ ohne Tiefgang und Schärfe

18.04.17 (Michael Ernst) -
Just am Vorabend der erdoganistischen Selbstermächtigung brachte Dresdens Semperoper eine Neuinszenierung der „türkischsten“ aller Mozart-Opern heraus. Das kann nur ein Zufall gewesen sein. Mozart und sein Librettist wären dafür heute wohl trotzdem in Ketten gelegt worden.

Neue Musik / Musikfeature: Die Radio-Woche vom 17. bis 23. April 2017

16.04.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 16. Jetzt leider das zweite Mal ohne die Beiträge vom rbb-kulturradio, die es weiterhin nicht hinbekommen, ihre Beiträge in die ARD-Suchmaschine einzupflegen. Wir verweisen statt auf Ultraschall dann auf einen Beitrag zum Musikland Brandenburg.

Klanglandschaften aus Erinnerungen und Sehnsucht: Seelensuche in Salzburg

15.04.17 (Michael Ernst) -
Das halbe Jahrhundert Osterfestspiele Salzburg feiert fünf Jahre Sächsische Staatskapelle: Die Salzburger Schönheit steht sicherlich nicht im Schatten der Berge ringsum. Sie sonnt sich in deren Nähe und an der pittoresken Idylle der Salzach. Kein Wunder, dass hier, wo Meister Mozart herstammt, im 20. Jahrhundert ein Festival nach dem anderen ins Leben gerufen worden ist.

Musik zur Karwoche – eine CD-Umschau von Mátyás Kiss

13.04.17 (Mátyás Kiss) -
Auch in den vergangenen beiden Jahren haben sich weltweit Ensembles mit Erfolg darum bemüht, neben den bewährten, die vorösterliche Fastenzeit beschließenden Klassikern vergessene und abseitige Edelsteine zu Tage zu fördern und einzuspielen. Ein Dutzend davon sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Der Heidelberger Frühling macht sich mit dem Schwerpunkt „Neuland.Lied“ für das Kunstlied stark

11.04.17 (Antje Rößler) -
Heidelberg ist mit dem deutschen Kunstlied eng verbunden. Goethe und Brentano, Schumann oder Brahms ließen sich von der malerischen Gegend inspirieren. Das Festival Heidelberger Frühling will die Stadt nun wieder zu einem Zentrum der Liedkultur machen. Schon länger gibt es eine eigene Lied-Akademie. In diesem Jahr wurden zudem Thomas Quasthoffs „Lied“-Wettbewerb integriert und ein Schwerpunkt „Neuland.Lied“ mit 16 Konzerten an vier Tagen veranstaltet.

Wehen-Hysterie und Kinder-Gazellen – „Die Frau ohne Schatten“ an der Staatsoper

11.04.17 (Peter P. Pachl) -
Spätestens bei der Applausordnung wurde den Premierenzuschauern der Eröffnungspremiere der Festtage der Staatsoper klar, dass zumindest in der Deutung des Operntitels seitens des Inszenierungsteams ein heftiges Missverständnis vorlag, denn deren hierarchischer Aufbau gipfelte in der Kaiserin. Mit der „Frau ohne Schatten“ aber meinten Hofmannsthal und Strauss unmissverständlich die namenlos stets nur als Frau apostrophierte Gattin des Färbers.

Lack unserer selbstgewissen Zivilisation – Benjamin Brittens „Peter Grimes“ am Theater Schwerin

11.04.17 (Heinz-Jürgen Staszak) -
Toni Burkhardt (38), der seit 2009 Spiel- und Oberspielleiter am Theater Nordhausen war, bestimmt seit dem Saisonanfang als Operndirektor die Geschicke des Musiktheaters am Mecklenburgischen Staatstheater, im Gefolge des Intendantenwechsels von Lars Tietje von Nordhausen nach Schwerin, der dabei – wie heute üblich – seine künstlerischen Führungsteams mitgenommen hat. Jetzt prägt Burkhardt entscheidend Konzept und künstlerische Qualität des Schweriner Musiktheaters.

Ekstatisch, extrem, brutal – Riccardo Zandonais „Romeo und Julia“ in Erfurt

09.04.17 (Roland H. Dippel) -
Im Opernhaus Erfurt prangen Projektionen eines riesigen Blüten- und Blumenozeans über Romeo und Julia, die als Greise sterben. Von Shakespeares Liebestragödie bleibt in Arturo Rosatis Libretto nur das Gerüst, dafür gibt es drei ins Gigantomanische geweitete Chor- und Genreszenen. Aber auch jede Menge Raum für großartige, flutende, leidenschaftliche, hybride Musik von Riccardo Zandonai , dem aus Rovereto stammenden Komponisten und Konversatoriumsdirektor von Pesaro. Uraufgeführt wurde das riesige Opus „Giulietta e Romeo“, das man nach 105 Minuten wie erschlagen verlässt, am Teatro Costanzi in Rom 1922.

50 Jahre Osterfestspiele Salzburg: Zum Jubiläum eine „Walküre“ als Re-Kreation und eine „WalküRe“ als erklärende Draufgabe

09.04.17 (Michael Ernst) -
Was sonst noch passierte: Gundula Janowitz hat heuer ihre erste „Walküre“ erlebt - als Zuschauerin. Auf der Bühne stand sie in dieser Wagner-Oper natürlich schon häufig, nicht zuletzt in der Eröffnungspremiere der allerersten Osterfestspiele Salzburg am 19. März 1967. Damals gab’s Schneesturm.

Neue Musik / Musikfeature: Die Radio-Woche vom 10. bis 16. April 2017

09.04.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 15. Besondere Aufmerksamkeit möchten wir auf das Feature von Ulrich Müller über den Komponisten Cornelius Cardew lenken. Österreich 1 macht mit seiner „Langen Nacht der Neuen Sakralen Musik“, die von Karfreitag abend bis Samstag früh geht, auf sich aufmerksam.

Kein Fachwerk. Nirgends. – Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ in Meiningen

08.04.17 (Joachim Lange) -
Das Geheimnis für eine gelungene „Meistersinger“-Inszenierung sind definitiv nicht die eingekauften Stars der Branche. Die eh überall zu hören sind. Das Geheimnis ist die Melange aus Komödie und Deutschstunde. Es kommt darauf an, den komödiantischen Witz, den Wagner hier mit shakespearscher Lust entfaltet, aufzuspüren und die Reflexionen über das, was Deutsch und Echt für Antworten oder zumindest für Fragen zu nutzen, die uns betreffen.
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