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Das letzte Stündlein eines Delinquenten – Alban Bergs „Wozzeck“ in Düsseldorf

23.10.17 (Frieder Reininghaus) -
Im Repertoire der deutschsprachigen Musiktheater nimmt Alban Bergs „Wozzeck“ gegenwärtig einen Vorzugsplatz ein. Drei Produktionen konkurrieren, die erkennbar beanspruchen, sich – im Sinne Robert Schumanns – „auf der Höhe der Zeit“ zu bewegen: Die Bild- und Regiearbeit des William Kentridge, die im August bei den Salzburger Festspielen gezeigt wurde, die Inszenierung von Robert Carsen, die seit einer Woche im Theater an der Wien gezeigt wird, und nun Stefan Herheims Produktion an der Rheinoper in Düsseldorf.

Schnecke und Spiegelung – „THE MARK ON THE WALL“ – Musiktheater von Stepha Schweiger

23.10.17 (Hans-Peter Graf) -
Sitzplatz oder Spielfläche? Erst war noch der Zugriff auf freie Stellen im Theaterraum zu klären, damit Stepha Schweigers gut 100-minütiges Stück, das bereits auf dem diesjährigen Tête à Tête Opern Festival in London konzertant erstaufgeführt wurde, nun auch als szenische Uraufführung in der drangvollen Enge des Acker Stadt Palastes Berlin über die Bühne gehen konnte.

Wenn Politik auf Oper trifft - oder: eine halbe Sache mit dem ganzen Herzen

23.10.17 (Joachim Lange) -
An der Oper Stuttgart führen bei Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ diesmal andere Leute Regie, als die, die eigentlich dafür engagiert waren. Wenn Politik auf Oper trifft, dann macht es manchmal Bumm. Meistens gerät dann ein Teil des Publikums aus der Fassung und brüllt ein kräftiges Buh in Richtung Bühne. Oder verlässt den Saal und knallt mit den Türen. Hierzulande gehört das zum gutbürgerlichen Gefühlshaushalt. Es passiert immer dann, wenn auf der Bühne etwas verhandelt wird, was in Libretto und Partitur so nicht vorgesehen ist. Meist werden ja die gut abgehangenen Schinken präsentiert. Obwohl die sich, bei entsprechender Zubereitung, oft als vorzügliche Delikatessen und Anreger fürs Nachdenken über das Hier und Heute herausstellen. Oder bei Novitäten so fern der unmittelbaren Lebenserfahrung bleiben, dass der Konsens beim Publikum quasi ausgemachte Sache ist.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 23.10. bis 29.10.2017

22.10.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 43. Maximilian Marcolls „Amproprifications“, Thomas Daniel Schlee, Gemorphter Bruckner, Hörstück von Werner Cee, Erich Wolfgang Korngold, Lucia Ronchetti, Merzouga +++ Dirigent Jonathan Stockhammer, Studio Dan, Zafraan Ensemble, Klangforum Wien, „Tuuletar“ +++ Akustische Forensik, „(K)eine Männersache: Neue Musik?!“, Wie politisch ist die zeitgenössische Musik eigentlich?, Chinas Avantgardemusik, Tradition Revolution, Die übersinnlichen Kompositionen der Rosemary Brown, musikprotokoll: Der Klang des Internets der Dinge, Die Sprache der Musik: Mekong, Russland 1917 und 2017 – Widerstand des Materials und eine lange Nacht der Ars Acustica.

Uraufführung von Moritz Eggerts „La Bettleropera“ in der Neuköllner Oper

21.10.17 (Peter P. Pachl) -
Eine der ersten Produktionen der vor 1977 von Winfried Radeke gegründeten Neuköllner Oper war damals die „Bettleroper“, und zur Feier des 40-jährigen Jubiläums wurde eine neue Version angekündigt als „ein Großstadtcomic nach John Gay’s ‚The Beggar’s Opera’“. Für die Neukomposition der multilingualen deutsch-italienischen Koproduktion mit dem Balletto Civile wurde der Komponist Moritz Eggert gewonnen, dessen Komposition das Auseinanderklaffen des engagierten, aber über Semiprofessionalität kaum herausreichenden Ensembles um so deutlicher hervorkehrt.

Parsifals Mondfahrt – Jonathan Meeses Inszenierung von Bernhard Langs „Mondparsifal“ in Berlin

20.10.17 (Peter P. Pachl) -
Angesichts der Tatsache, dass die Absage von Jonathan Meeses in Bayreuth geplanter Inszenierung des „Parsifal“ mit deren finanziellem Aufwand begründet wurde, erscheint die Tatsache, dass dieses Projekt jetzt für je drei Aufführungen in Wien und Berlin – u. a. unterstützt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, den Wiener Festwochen im Verbund mit den Berliner Festspielen, den Medienpartnern ARTE, Berlinartlink, Monopol, Tagesspiegel, Wall und der York Kinogruppe, sowie eine Reihe weiterer potenter Sponsoren – ohne finanzielle Abstriche finanziert werden konnte, gleichermaßen erstaunlich wie verwunderlich.

Oper als Vorhölle – Uraufführung von Eichbergs Flüchtlingsstück „Schönerland“ in Wiesbaden

19.10.17 (Andreas Hauff) -
Sören Nils Eichbergs Oper „Schönerland“ ist neben dem Schauspiel „Wir werden unter Regen warten“ von Ihsan Othmann eine der beiden Uraufführungen, mit denen das Hessischen Staatstheater Wiesbaden auf das aktuelle Thema „Flucht“ reagiert. Im Theatermagazin liest man dazu, es gehe nicht um das Dokumentarische, bei dem die Geflüchteten im schlimmsten Falle eine „Illustrationsstaffage“ bilden würden, sondern um eine Annäherung „mit genuin künstlerischen Mitteln“.

Aufforderung zum Kampf – In Bonn inszeniert Peter Konwitschny Othmar Schoecks selten gespielten Einakter „Penthesilea“

18.10.17 (Joachim Lange) -
Wenn es gerecht zuginge, dann müsste man gemeinsam mit „Salome“ und „Elektra" auch Othmar Schoecks (1886-1957) „Penthesilea“ nennen. Neuerdings auch Aribert Reimanns „Medea“. Alles Frauen-Monumente des Musiktheaters von erheblicher Wucht. Die ersten drei wurden in der Dresdner Semperoper uraufgeführt. Doch nur die beiden Strauss-Einakter haben sich im Kernrepertoire gehalten. Schoecks Kleist-Oper ist dort erst 2008 in einer grandiosen Inszenierung von Günter Krämer dort wieder in Erinnerung gebracht worden. Die 2010 in Wien uraufgeführte „Medea“ von Aribert Reimann müsste es, schon weil sie eine Verlängerung dieser Reihe in die zeitgenössische Moderne ist, künftig auch mal auf den Dresdner Spielplan schaffen.

Es werde Licht: „Wir brauchen einen neuen Moses!“ – Rubinsteins „Moses“ in Warschau

17.10.17 (Michael Ernst) -
Selbst Opernkenner denken bei „Moses“ vor allem an Schönberg, vielleicht auch an Rossini. An Rubinstein denken sie nicht - Michail Jurowski will das unbedingt ändern. Anton Rubinstein (1829-1894) wird heutzutage vor allem als begnadeter Pianist erinnert. Dass der brillante Virtuose, Franz-Liszt-Freund und Gründungsdirektor des berühmten Konservatoriums von Sankt Petersburg auch ein ebenso begnadeter wie schaffensreicher Komponist gewesen ist, wissen beinahe nur mehr musikalische Kenner. Vieles aus seinem reichen Œuvre ist so gut wie vergessen – und manches hatte nicht mal dazu die Chance.

„Speakers Corner“ – Elektroakustischer Konzertabend an der HMT Leipzig

17.10.17 (Roland H. Dippel) -
Die Titelei gleicht einem diplomatischen Protokoll. Dieses Konzert „Musik und Gegenwart“ Nr. 75 ist eine „Veranstaltung des Studios für Elektroakustische Musik und des ZfGM“. Also jenes ambitionierten, von Claus-Steffen Mahnkopf im Dezember 2016 gegründeten Zentrums für Gegenwartsmusik, was sich für genderkorrekte, internationale und universelle Vernetzung aller musikalischen Genres, Gattungen und Stile der lebenden Gegenwart aufstellt. Dabei fällt dieser erfreulich gut besuchte Konzertabend, einmal im Jahr findet das Modul „Speakers Corner“ statt, für zentrales Mischpult, 26 Boxen und acht Kanäle streng genommen gar nicht ausschließlich in die Sektion Gegenwartsmusik.

Exchange 2 – Der Saisonauftakt des Neuen Kollektivs München im Ampere

17.10.17 (Wolf Loeckle) -
Hundert Jahre neue Musik – Was nun? Fragte süffisant und aus damals aktuellem Anlass Thema Musik Live, die diskursive Gesprächsreihe des Bayerischen Rundfunks in der Höhle des Löwen direkt vor Ort. In Donaueschingen also. Der Weltzentrale für die ästhetischen Auseinandersetzungen um das Neue in der neuen und neuesten Musik. Ohne dass dabei verbindlich-Ideologisches herauszudestillieren gewesen wäre. Das war 2008. Und die Frage stellt sich heute genau so aktuell.

In Tarnfarben gehalten. Korrekt. Beschnitten – Alban Bergs „Wozzeck“ im Theater an der Wien

17.10.17 (Frieder Reininghaus) -
„Wozzeck“ ist ein Stück zu sozialen Problemen im kleinstädtischen Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts. Die in der Phase des großen gesellschaftlichen Umbruchs nach dem ersten Weltkrieg in Musik gesetzten Szenen verhandeln die durch eskalierende Krisen erschütterte Beziehung von Marie und Franz. Weder die Vorlage Georg Büchners noch der vom Komponisten eingerichtete Text nehmen direkt auf militärische Kampfhandlungen Bezug. Dennoch scheinen die Schatten des Kriegs auf den düsteren und gewalthaltigen Szenen von „Woyzeck“/„Wozzeck“ zu liegen. Die aktuellen Produktionen tragen dem Rechnung.

Konstanze zwischen zwei Männern – Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ am Staatstheater Oldenburg

17.10.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Entführung aus dem Serail“ hat bei den interessantesten Regisseuren Konjunktur, die noch immer zu wachsen scheint. Kein Wunder, die Frage nach der Liebe ist ort- und zeitlos und sie es wird immer bleiben. Und da Mozart nie Antworten, sondern immer nur Fragen komponiert hat, kann ein Stück wie die „Entführung“, in die wir als maulende Kinder eher mitgeschleppt wurden, nie erschöpft sein.

Mehr als alt-neuer Glanz … Kurz vor seinem 152jährigen Jubiläum wird das generalsanierte Bayerische Staatstheater am Gärtnerplatz in München wiedereröffnet

17.10.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Im digitalen Zeitalter muss es heißen: „Sie sind wieder online, in ihrer vertrauten domain.“ Wie es sich für die heimliche Musikhauptstadt gehört: gleich mit zwei Gala-Abenden wird nach fünf Jahren Sanierung Münchens „andere Oper“ oder „Opéra comique“ wiedereröffnet – denn nach vielen Fehlplanungen wollen sich die zahllosen „A-dabei-s“ in den Räumen, auf dem Podium, im Bayerischen Fernsehen und im Rundfunk selbst feiern.

Allemond ein Puppenhaus – Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“ an der Komischen Oper Berlin

16.10.17 (Peter P. Pachl) -
Soeben erst bildeten als erste Premiere der Deutschen Oper Berlin drei Dramen von Maurice Maeterlinck die textliche Grundlage für Aribert Reimanns neue Oper. Dem folgte die Komische Oper mit der berühmtesten Maeterlinck-Vertonung, Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“. Deren Uraufführung erfolgte 1902 in der Pariser Opéra-Comique. Barrie Kosky verkleinert sie zur puppenspielhaften Kammerversion – unter Jordan de Souza, dem neuen Kapellmeister der Komischen Oper, ein musikalisch hochwertiger Premierenabend.

Sünde an der „Großen Sünderin“? – Künneke-Revival an der Musikalischen Komödie Leipzig

16.10.17 (Roland H. Dippel) -
Nach Nico Dostals „Prinzessin Nofretete“ wagt die Musikalische Komödie Leipzig ein nur unter Vorbehalt als Operette zu benennendes Hybridopus aus den frühen Jahren des Nationalsozialismus. Eduard Künnekes „Die große Sünderin“ gelangte am 31. Dezember 1935 an der Lindenoper Berlin mit den Stars Tiana Lemnitz und Helge Rosvaenge zur Uraufführung, flankiert von Richard Strauss‘ „Die ägyptische Helena“. Die beiden Partituren stehen sich in Hinblick auf süffige und hypertrophe Orchestration näher als man denkt. Die Entstehung der später kaum nachgespielten „Großen Sünderin“ war auch der Absicht geschuldet, ein systemtaugliches Musterwerk zu kreieren.

Spaziergang durch die Musikgeschichte – „Rivale“ von Lucia Ronchetti an der Staatsoper Berlin

15.10.17 (Peter P. Pachl) -
Vor einer spannenden, kompositorisch und szenisch gelungenen Uraufführungsproduktion von Lucia Ronchettis Kammeroper für Frauenstimme, Solo-Viola, Blechbläserensemble und metallisches Schlagwerkensemble mit dem Titel „Rivale“, gibt es in der neuen Werkstattbühne der Staatsoper Unter den Linden ein wenig publikumsfreundliches Präludium.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 16.10. bis 22.10.2017

15.10.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 42. Im Zentrum: Die Donaueschinger Musiktage 2017. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Harrison Birtwistle, Øyvind Torvund, Amerikanische Komponistinnen (II), Die letzte Oper von Gerhard Schedl, Harry Partch, Milica Dordjević, Rolf Riehm, Tzvi Avni, Stefan Fraunberger und das deranged orchestra, Christina Kubisch, 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie, Pauline Oliveros +++ Donaueschinger Musiktage, Tanzmusik für Fortgeschrittene, musikprotokoll 2017, Luther-Projekt, Karl-Sczuka-Preis 2017, Phonofemme Festival 2017 +++ 100 Jahre Russische Revolution, Deutscher Herbst 1977, Geigenbögen und ihr Klanggeheimnis, 250. Todestag von Johann Ulrich Haffner, Russland 1917 und die Moderne, (K)eine Männersache: Neue Musik und zur Geschichte der Telekommunikationskunst.

„Die Bremer Stadtmusikanten | Bremen Mızıkacıları“ an der Komischen Oper Berlin

14.10.17 (Peter P. Pachl) -
Vergleicht man die neue Produktion der Oper für Kinder an der Komischen Oper Berlin mit denen der Vorjahre, so fällt auf, dass diese besonders sparsam ausgefallen ist. Die Uraufführung von Attila Kadri Şendils Kinderoper „Die Bremer Stadtmusikanten“ verzichtet auf den Einsatz des Kinderchores, beschränkt sich darstellerisch auf zwei Solistenquartette und reduziert Ausstattungseffekte auf Schattenrisse.

Im Sandkasten der Macht – Impuls-Festival für zeitgenössische Musik in Sachsen-Anhalt startet mit der Uraufführung von „Spiel im Sand“ in der Oper in Halle

14.10.17 (Joachim Lange) -
Die Oper in Halle ist mit ihrer Raumbühne HETEROTOPIA eine Nominierung für den Theaterpreis FAUST gelungen. Sie erlaubte eine interaktive Perspektive auf den Fliegenden Holländer, lieferte aber vor allem für die von der Oper Halle in Auftrag gegebene Uraufführung von Sarah Nemtsovs Oper SACRIFICE und für Elfriede Jelineks WUT einen kongenialen szenischen Rahmen. Um die Fernwirkungen, die die Verwerfungen im Nahen Osten in einer globalisierten Welt haben, geht es auch bei der Uraufführung von SPIEL IM SAND. Ganz direkt im ersten Teil, zu dem die junge Chinesin Leyan Zhang eine Percussion-Komposition zu den vorwiegend gesprochenen Passagen beisteuert.

Peter Sellars’ animalische Inszenierung von Janáčeks „Füchsin Schlaukopf“ in der Berliner Philharmonie

13.10.17 (Peter P. Pachl) -
Einmal in Janáčeks 1924 komponierter Oper „Příhody lišky Bystroušky“ steht die vom Förster gefangene, sich dann befreiende Füchsin im Mondlicht plötzlich als ein junges Mädchen da, verwandelt sich dann aber zurück. Der amerikanische Regisseur Peter Sellars sieht die Begeisterung des Försters für die junge Füchsin von Anfang an als eine Metapher für die Liebe des alternden Mannes zu einem jungen Mädchen – so wie der Komponist sich durch seine leidenschaftliche Beziehung zu Kamila Stösslová zu dieser Oper inspirieren ließ.

An Schiller gescheitert, an Verdi gewachsen – Verdis „Don Carlos“ an der Opéra Bastille

11.10.17 (Frieder Reininghaus) -
Seine vierte Oper nach einem Drama von Schiller schrieb Verdi für Paris. Nach erheblichen Kürzungen und Ergänzungen der ursprünglichen Partitur kam der von Joseph Méry und Camille du Locle ins Französische gebrachte und zum Libretto bearbeitete „Don Carlos“ 1867 heraus – mit Überlänge. Für die Nutzung im italienisch-sprachigen Opernbetrieb sorgte der Theaterpragmatiker Verdi dann nach und nach für mehrere kürzere Fassungen.

„Theater ist unersetzbar“ – Josef E. Köpplinger, Intendant und Regisseur zur Wiedereröffnung des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz

11.10.17 (Wolf-Dieter Peter) -
2010 entschloss sich Klagenfurts Intendant Josef E. Köpplinger Münchens „anderes Opernhaus“ oder „Opéra comique“, das Staatstheater am Gärtnerplatz ab 2012 zu übernehmen. Dabei war ihm klar annonciert, dass eine Generalsanierung anstand und er wohl zwei Jahre in andere Spielstätten ausweichen müsste. In der 16 Meter tiefen Baugrube wurde bald klar: das alte Schwemmland der 800 Meter entfernten Isar warf zusätzliche Probleme auf. Die Erweiterungsankäufe hinter dem Bühnenhaus zogen sich hin. Das Haus war folglich 2015 zur 150-Jahr-Feier der „Volkstheater-Gründung“ nicht fertig. Insgesamt wurden es dann fünf Jahre, bis Köpplinger nun am 19.Oktober mit seiner Neuinszenierung von Lehárs „Die lustige Witwe“ das herrlich renovierte Haus wiedereröffnen kann. Dazu sprach nmz-Autor Wolf-Dieter Peter mit Josef E. Köpplinger.

Unmoral in neuer Fassung. Monteverdis „L’Incoronazione di Poppea“ in Aachen

10.10.17 (Andreas Hauff) -
Claudio Monteverdis letzte Oper „L’Incoronazione die Poppea“ („Die Krönung der Poppea“) gilt bis heute als eines der großen Rätsel der Musikgeschichte. Es ist kein Autograph der Uraufführung 1643 in Venedig erhalten, sondern nur zwei spätere, divergierende Fassungen, die in Teilen Zweifel an Monteverdis Allein-Autorschaft wecken. Und bis heute irritiert der offensichtlich unmoralische Schluss, der den Ehebruch des Kaisers Nero mit einem der beeindruckendsten Liebesduette der Musikgeschichte krönt. Dass der Bärenreiter Verlag nun eine kritische Neuausgabe des Werkes vorgelegt hat, weckt unter diesen Umständen natürlich besonderes Interesse auf deren Erstaufführung am Theater Aachen.

Antike Helden von heute, vereinsamt: „Les Troyens“ von Hector Berlioz am Staatstheater Nürnberg

09.10.17 (Juan Martin Koch) -
Zweimal Berlioz’ Trojaner an einem Wochenende: Nach der Dresdner Aufführung feierte die Grand Opéra auch am Staatstheater Nürnberg Premiere. Calixto Bieito inszenierte eine stark gekürzte Fassung – eine weitgehend vertane Chance findet unser Autor Juan Martin Koch:
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