Deutsch-türkische Plattenfirma Plak Music auf Erfolgskurs


(nmz) -
Plak Music wurde 1999 von Ünal Yüksel und Jochen Kühling gegründet. Eine deutsch-türkische Plattenfirma zu führen, bedeutet mehr als nur die Sprache und Kultur des jeweiligen Landes zu kennen. Unterschiedliche Vermarktungsmodelle müssen dabei von den Labelbetreibern beherrscht werden.
02.12.2008 - Von Patricia Czarkowski-ddp

   Berlin (ddp). Einfache Fragen können zu komplizierten Antworten führen. «Murat, was heißt ‘Suner’ auf Deutsch?», fragt Jochen Kühling, Geschäftsführer der deutsch-türkischen Plattenfirma Plak Music, seinen Kollegen Murat. «Suner» ist Murats Nachname. Das bedeute «Diener, der nach der Erfüllung sucht», antwortet dieser. Aber das türkische Wort könnte noch weitaus philosophischer ausgelegt werden. «Türkisch ist viel metaphorischer als die deutsche Sprache», sagt Suner. Deswegen würden türkische Musiktexte in Deutschland oft als kitschig und als «Gefühlsduselei» abgetan.

   Doch das Blatt scheint sich zu wenden. Der bekannte deutsch-türkische Sänger Muhabbet beispielsweise singt zwar auf Deutsch, versucht aber die türkische Lyrik gepaart mit arabesken Rhythmen in emotionale deutsche Texte zu übertragen. Damit ist der 24-Jährige nicht nur bei der türkischen Community sehr erfolgreich, sondern gewinnt auch zunehmend unter Deutschen an Popularität. Im vergangenen Jahr trat Muhabbet beim Sommerfest des Bundespräsidenten Horst Köhler auf. «In der Türkei singen Muhabbets Fans sogar die deutschen Texte mit, ohne dass sie auch nur ein Wort davon verstehen», sagt Kühling.

   Entdeckt wurde Muhabbet vor drei Jahren von Plak Music, die Niederlassungen in Berlin und Istanbul hat. Die 1999 von Ünal Yüksel und Jochen Kühling gegründete Plattenfirma zeigte bereits Anfang 2003 ein glückliches Händchen, als sie die türkische Sängerin Sertab Erener unter Vertrag nahmen. Nur zwei Monate später gewann Erener den 48. Eurovision Song Contest in Riga. Plak Music beschränkt sich allerdings nicht darauf, nur Sänger mit türkischem Hintergrund zu fördern. «Uns ist wichtig, dass die Künstler offen sind und eine europäische Sichtweise haben», sagt Kühling. Zu den labeleigenen Künstlern gehören unter anderen die auf Englisch singende Sängerin Dilek, der Aserbaidschaner Rezul Barini oder Lee Jay Cop, eine Rockband aus Oldenburg.

   Eine deutsch-türkische Plattenfirma zu führen, bedeutet mehr als nur die Sprache und Kultur des jeweiligen Landes zu kennen. Die unterschiedlichen Vermarktungsmodelle zwischen Deutschland und der Türkei waren für Plak Music anfangs ein großes Hindernis. «In der Türkei gibt es zum Beispiel keine Singles, nur Alben,» sagt Yüksel. Auch die Preisunterschiede seien gigantisch. Eine Platte koste in der Türkei umgerechnet nur rund acht Euro. Daher musste Plak Music mit seinen Partnern in der Türkei erst einmal klären, welche Regeln für ein türkisches Album, das in Deutschland produziert wird, gelten. «Zu Beginn waren wir so sehr mit Kommunizieren beschäftigt, dass wir nicht dazu kamen, Musik zu machen», beklagt sich der Plak-Music-Chef. Und kaum ist das eine Problem gelöst, steht das nächste vor der Tür.

   Allein das Wort «Internet» sorgt bei vielen Plattenfirmen für Sorgenfalten. Musik wird immer häufiger illegal heruntergeladen, Platten im Handel verkaufen sich daher deutlich schlechter als noch vor einigen Jahren. Plak Music allerdings sieht das Internet nicht als «Genickbruch». Ganz im Gegenteil. «Der Druck, gute Qualität abzuliefern, nimmt durch das Internet zu. Gefragt ist jetzt Fantasie, Mut und Kreativität», erklärt Kühling.

   Plak Music arbeitet daher crossmedial. Auf Konzerten können Besucher etwa die gespielten Lieder zeitnah auf ihr Handy laden. Über eine Internetplattform des Labels erfahren Musikfans das Neueste über ihre Lieblingskünstler, können Videos ansehen und in einige Songs der neusten Alben, sogenannte Teaser, hineinhören. Die Plattenfirma legt außerdem besonderen Wert auf Live-Events mit ihren Künstlern. Schließlich kann man die Atmosphäre und das Gemeinschaftsgefühl auf Konzerten nicht einfach wie ein Album brennen.

Der Türkiyeah!-Stand das Gesprächsthema auf der You Messe 2008, Europas größter Jugendmesse.
 

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