„Erfolg ist der Motor des Künstlers“: der Trompeter Till Brönner über Jazz, Kritik und sein neues Album


(nmz) -
Till Brönner ist derzeit der einzige deutsche Jazzer mit Weltruf. Was er nicht nur seinem herausragenden Trompetenspiel zu verdanken hat, sondern auch seiner Offenheit für Pop-nahe Experimente aller Art. So arbeitete er als Komponist, Arrangeur und Produzent für Hildegard Knef, Manfred Krug, Mousse T, Rosenstolz oder Thomas Quasthoff, er schrieb Soundtracks für die Dokumentarfilme „Jazz Seen“ und „Höllentour“ und ist derzeit gar Jury-Mitglied der Casting-Show X-Factor auf Vox.
18.03.2011 - Von Oliver Hochkeppel, Till Brönner

Nach dem Bossa-Nova-Album „Rio“ ist soeben seine neue CD „At The End Of The Day“ erschienen, auf der er singend wie mit der Trompete vorwiegend Pop-Klassiker interpretiert. Seine große Deutschland-Tour mit einem aufregend besetzten Septett ist kürzlich angelaufen. Oliver Hochkeppel sprach mit dem Musiker

Ist der Begriff Jazz heute überhaupt noch sinnvoll zu gebrauchen?

Natürlich, und der ist auch klar definiert, so wie sie ein Auto definieren. Auch wenn Autos heute oft eher Computer sind, so bleibt doch seine zentrale Aufgabe, zu fahren und Menschen zu befördern. So muss man auch beim Jazz hartnäckig darauf hinweisen, wo er eigentlich herkommt. Veränderung, sich den aktuellen Strömungen zu stellen, das ist ein normaler Prozess. Wenn es Menschen gibt, die sagen, das sei doch Musik von gestern, oder Musiker, die das Gefühl haben, sie müssten davon nichts mehr wissen, dann ist nichts von alledem wahr.

Aber ist denn nicht das, womit man Jazz immer definiert hat, vor 15, 20 Jahren zu einem gewissen Abschluss gekommen?

Es ist in der Tat schwieriger geworden, das überhaupt wahrzunehmen. Aber ich glaube schon, dass es noch stattfindet. Die Gefahr ist oft groß, sich mit Jazz überhaupt kein Gehör mehr zu verschaffen. Da macht es sich oft gut, zu sagen, dass man in einer globalisierten Welt von allen Stilrichtungen beeinflusst ist. Je toleranter man wirkt, umso weniger redet man über das, was der Jazz einmal war. Ich selbst bin kein schlechtes Beispiel dafür, dass sich jemand, der 1971 geboren ist, natürlich auch anderen Musikstilen und -richtungen öffnet. Ich hatte ja gar keine andere Wahl, als mich damit auseinanderzusetzen. Das das in irgendeiner Form in meine Arbeit einfließt, ist klar. Ich habe mich allerdings nie hingestellt und gesagt: Jazz ist heute etwas ganz anderes als früher. Er klingt vielleicht anders, aber die Bausteine sind immer noch die, die man als solche benennen muss. Sonst könnte ich auch meinen Studenten nichts Gescheites erzählen.

Was erzählen Sie denen denn?

Natürlich kann man erzählen, welche Fehler man vielleicht nicht machen sollte, wenn man wahrgenommen werden möchte. Es gibt bestimmte Sachen, über die kann man heute viel leichter reden als früher. Aber wenn ich eine Charlie-Parker-Platte auflege, dann fühle ich das immer noch auf die gleiche Weise wie damals, als ich es zum ersten Mal hörte. Und das zu vermitteln macht Spaß.

Theoretisch könnte ich auch das Telefonbuch vorlesen

Die Frage nach dem Jazz zielte darauf, dass sie mit „At The End Of The Day“ gerade ein Album vorgelegt haben, auf dem sich überwiegend ein Pop-Repertoire findet. Ist das eben der leichtere Weg, um Jazz zu verbreiten?

Das klingt ein wenig, als ob ich es mir leicht machen wollte. Aber über dieser Platte steht ja nicht in großen Lettern „Jazz“. Da steht mein Name und der Titel. Ich bin immer ein Fan von Konzeptalben gewesen. Meine CDs unterscheiden sich von Live-Konzerten ganz deutlich darin, dass ich mich darauf gerne einem Thema widme. So wie im Kino, wo ein Film eine Geschichte mit Anfang und Ende haben muss. „At The End Of The Day“ ist letztlich die heute gar nicht so seltene Geschichte von jemandem, der vor seinem Plattenschrank steht und sagt: „Wahnsinnig lange nicht mehr nur Musik gehört und sonst nichts gemacht“. Denn wir hören doch heute sowieso nur noch Musik, während wir was anderes machen. Autofahren, Einkaufen und so weiter. Wenn man dann also tatsächlich vorm Plattenschrank steht und zwei Stunden Zeit hat, greift man nicht selten zu Sachen, von denen man sagen kann, dass sie funktionieren. Und das sind die sogenannten Klassiker. Die gibt es aber in allen Dekaden und Jahrhunderten. Und auch in der Gegenwart. Ich bin mit einer musikalischen Sprache – dem Jazz – groß geworden, die ich nach wie vor spreche. Mich mit dieser Sprache all diesem Material zu nähern, das ist es, was ich eigentlich seit Jahren mache. Theoretisch könnte ich auch das Telefonbuch vorlesen, entscheidend ist dabei, dass ich es vorlese. Es geht um die typische eigene Interpretation.

Die Auswahl der 13 Songs war sicher nicht einfach.

Oh ja, wir haben fast drei Mal so viel Material aufgenommen, um zu überlegen, was funktioniert und was nicht. Ich bin regelmäßig in der Situation, noch Sachen im Giftschrank zu haben, die nicht veröffentlicht wurden. Was übrig blieb, war eine ganz persönliche Essenz.

Sie singen wieder bei den meisten Stücken. War es früh ihr Wunsch, neben dem Trompetenspiel auch zu singen?

Nein, nie explizit. Ich bin erklärtermaßen Trompeter und zum Singen gekommen wie die Jungfrau zum Kind: Bei einem Trio-Konzert habe ich einmal schlicht deswegen mit dem Singen begonnen, um meine Lippen zu entlasten. Ich war der einzige Bläser und hatte dauernd zu arbeiten, was bei einem Blechbläser manchmal ein bisschen schwierig ist. Das war eher ein Verlegenheitsakt, aber ich habe dabei festgestellt, dass es erstens Spaß macht und dann, wichtiger noch, dass die Menschen danach meiner Trompete viel intensiver zugehört haben. Offenbar wird da ein Schalter umgelegt. Also dachte ich mir, das kannst du jetzt auch auf der Tour mit dem Quartett probieren. Und dann hatte ich wohl das Kleingedruckte nicht gelesen: Mach‘ nie etwas, von dem du nicht bereit bist, es für den Rest deines Lebens zu tun. Seitdem ist es also sowohl in den Konzerten wie auf CD immer wieder dabei. Aber ich mache kein Geheimnis daraus, dass auf „At The End Of The Day“ überproportional viel gesungen wird. Selbst wenn ich rechnerisch mehr Trompete spiele, jedes Instrument kann eben gleich einpacken, wenn eine Stimme erklingt.

„Ein bestimmtes Bild von mir steckt in den Köpfen“

Sie sagten, die Konzerte würden ganz anders als das Album.

Das mache ich grundsätzlich so. Ich finde es schwierig, das Konzept eines Albums auf ein Konzert zu übertragen. Die Menschen müssten sich mit dem Projekt total angefreundet haben, und das kann man gar nicht verlangen. Man ist live ohnehin abhängig von der Tagesform, von Stimmungen, sogar von Regionen und ihren Mentalitäten. Das Moment der Überraschung, der Spontanität und des Spaßes ist für mich der Garant für erfolgreiche, in Erinnerung bleibende Konzerte. Das ist es, wo wir herkommen, das ist Jazz. Ich trenne auch sehr genau zwischen Alben wie diesem neuen, die diese Investition ins Bewährte verlangen, und Alben, die von vorneherein darauf ausgerichtet sind, wenige, aber dafür sehr unterrichtete Menschen zu erreichen. Es gibt Alben dieser Art – sogar aus jüngster Zeit -, an denen ich nachhaltig, teilweise federführend mitgewirkt habe, die aber nie erwähnt werden, weil sie nicht unter meinem Namen veröffentlicht wurden. Ein bestimmtes Bild von mir – an dem ich natürlich auch selber mitgemeißelt habe – steckt relativ deutlich in den Köpfen, und es ist dann wohl einfacher, daran anzusetzen. Die Plattenfirmen und auch die Medien sind ja froh über alles, was sich schon mal den Weg gebahnt hat.

Ist diese Trennung nicht auch eine Gefahr? Einmal wegen der Erwartungshaltung des Publikums nach dem „einfacheren“ Plattensound, dann wegen der Kritiker, die immer „Mehr Jazz, mehr Trompete!“ schreien?

Ich habe es noch nie erlebt, dass die Leute von einem Konzert, bei dem man Gas gegeben hat, heimgehen und sagen, das war jetzt aber langweilig. Was die Besucher noch nicht kennen, ist das, was sie exklusiv mit nach Hause nehmen. Das wird immer gerne angenommen, Umgekehrt ist das nie so. Das Schlimmste, was einem Künstler passieren kann, ist, dass er als einer entlarvt wird, der zwar auf der Platte gut funktioniert, aber der Bühne fernbleiben sollte. Außerdem ist es für einen Künstler wichtig, dem Publikum zu zeigen: „Hier, mich gibt es auch alleine, ohne euch. Auch wenn ich mich über euch freue, und dass ihr meine Arbeit verfolgt - ich muss das Risiko eingehen, dass ihr mich nicht an jedem Tag mögt.“ Das finde ich immer noch sehr wichtig.

Viele Kollegen setzen bei größeren Tourneen auf Show.

Ich bin ja mit größerer Besetzung, einer siebenköpfigen Band unterwegs. Wenn man so will, machen wir innerhalb des Konzerts auch eine klitzekleine Show – auch wenn es kein Wasserballett gibt, kein Trapez, keine Tänzerinnen, auch keine Gäste, die nicht von Anfang an auf der Bühne stehen. Es geht um diese homogene, eingespielte Truppe, die allerdings für diese Tournee wieder neu formiert ist.

Mit Leuten wie Wolfgang Haffner am Schlagzeug, Dieter Ilg am Bass, Brian Baker an der Gitarre oder Magnus Lindgren am Saxophon haben Sie ja eine Art All-Star-Besetzung an Bord. Andere, und selbst große Stars, arbeiten lieber mit braven Begleitern, damit sie selber besser herauskommen.

Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich kann nur über mich hinauswachsen, wenn ich Leute neben mir stehen habe, die ebenso gut, womöglich sogar besser als ich sind. In meiner Band ist es nicht nur erforderlich, für möglichst viele Stilrichtungen aufgeschlossen zu sein, sondern vor allem, wenn gejazzt wird, das dann auch zu können. Und ich sehe selbst besser aus, wenn zum Beispiel ein Gitarrist das Blaue vom Himmel spielt. Da sagen die Leute beim Heimgehen: „Mein Gott, der Brönner hat ja wieder Leute dabei gehabt.“ Das macht Spaß.

Sie haben ja immer wieder neue, oft völlig unterschiedliche Dinge gemacht: Mal eine Chet-Baker-Hommage, dann eine Bossa-Nova-Platte oder den großartigen Soundtrack zum Film „Jazz Seen“ . Oder sie hüllten die späte Hildegard Knef in ein modernes Soundgewand ein. Lassen Sie sich ungerne festlegen?

Ja, weil ich gemerkt habe, dass es nie zu spät ist, seine Meinung noch mal zu ändern. Ich denke, dass die Trompete meine Basis ist, von der man sich auch mal entfernen muss, um sie zu pflegen und wieder reinzukommen. Das tue ich seit einigen Jahren öffentlich, was beinhaltet, dass es auch Produkte gibt, von denen man sich sagt: Hättest du vielleicht ein halbes Jahr länger drüber nachgedacht. Oder mit einem Lächeln denkst: Ah ja, so haben wir das gemacht vor zwölf Jahren - Klammer auf: Würden wir heute anders machen. Ich glaube, das gehört dazu.

Ist die Richtschnur der Erfolg? In ihrem Interviewbuch mit Claudius Seidl meint man herauszulesen, dass Sie schwer damit hadern, dass der Jazz seit den Zeiten des Swing kein Pop mehr ist und auch nicht wieder werden wird.

Hadern ist vielleicht das falsche Wort. Aber mir fällt das auf, und ich glaube, jeder wäre traurig, wenn das auf etwas zutrifft, was er so wahnsinnig gerne hat. Wenn Sie ein Fan von Schwarz-Weiß-Fotographie sind, kann es sein, dass Sie das Gefühl habe, mein Gott, warum geht das heute nicht mehr. Und sich wünschen, mal wieder irgendwo ein analoges Shooting zu sehen. Es ist in Ordnung, dass man so denkt. Darin liegt das Potential, Entscheidungen zu treffen, die man vertreten kann. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass gerade das Fahne-Hochhalten der Pool für Kreativität ist. Man sieht das allerorten. Ich kriege fast in jedem Interview – außer erfreulicherweise in diesem – die Worte „trendy“, „loungig“ oder „Easy listening“ um die Ohren gehauen. Das mag legitim sein, aber das sind alles Worte, mit denen ich nichts anfangen kann, die letztlich belanglos und vergänglich sind. Die Künstler aller Genres haben heute keine Spots mehr, wo sie mal in Ruhe etwas machen können, sie müssen in kürzester Zeit den Paradiesvogel geben und am besten mehr darüber reden, was sie tun, als es zu tun. Wenn dann in diesem Wust einer kommt, der die Fahne hochhält, dann merken die Menschen, ups, es gibt ja doch noch etwas anderes.

Aber gerade im aktuellen Jazz gibt es doch genügend Musiker, die ihr Ding machen und eher mit dem Reden Probleme haben. Denen klar ist, dass Sie mit ihrer Musik auf vieles verzichten müssen, zum Beispiel auf Breitenwirkung.

Nein, ich habe festgestellt, dass die wenigsten sich genau diese Gedanken machen. Ich staune und bin manchmal bestürzt, wie junge Musiker, die Potential mitbringen, ganz selten auch nur anfangen, über die Strukturen nachzudenken, denen sie sich entziehen wollen. Es ist einfacher zu sagen, ich verweigere mich einer Plattform, einer Szene, von der ich gar nichts weiß. Da bin ich anders. Ich möchte gerne wissen, warum ich irgendwo nicht sein will, aber eben auch, wie es sein könnte, irgendwo zu sein. Letztlich ist es Freiheit, die ich mir versuche zu schaffen. Dabei kann natürlich der Eindruck entstehen, dass man wahrgenommen werden möchte. Aber genau das ist doch letztlich der Motor bei allen Großen gewesen, von Bach bis zu Duke Ellington. Die wollten Erfolg, das ist doch klar.

„Ich kann bei X-Factor nicht meine Trompete rausholen und anfangen zu jazzen“

Das passt zum Stichwort X-Faktor. Wie kommt man als Jazzmusiker dazu, als Juror einer Castingshow mitzumachen?

Mich hat es ja auch überrascht, dass ein Sender einen Jazzmusiker fragt. Ich habe damals geantwortet: Was wollt Ihr von mir? Ich kann mich schwerlich da hinsetzen und Zoten reißen. Ich bin Musiker und rede immer noch am liebsten über Musik – auch wenn ich das mit dem Instrument am besten kann. Aber man hat mir glaubhaft versichert, dass ich dort nichts anderes zu tun hätte. Und wenn ich aus meiner Warte etwas beurteilen soll, was ich beherrsche, und ansonsten den Menschen, der da vorne steht, Mensch sein lasse kann, dann ist dagegen eigentlich nichts einzuwenden – ob mit oder ohne Fernsehen. Ich stelle mich ja auch in Dresden in die Hochschule und kucke mir Leute an, die glauben Talent zu haben. Und auch da muss ich einigen sagen, dass ich weniger überzeugt bin – ebenso wie ich mich darüber freue, dass es regelmäßig Leute gibt, die wirklich gut sind. X-Factor ist insofern nur die öffentliche Form einer Facette, die ich seit Jahren ohnehin betreibe. Sicher kann ich bei X-Factor nicht meine Trompete rausholen und anfangen zu jazzen. Aber meine Trompete ist dabei, ich habe sie auch mal eingesetzt. Und es gibt jetzt eben mehr Menschen, die wissen, dass der Brönner Trompete spielt und Jazzmusiker ist. Das ist nichts, worüber ich mich beschweren sollte. Wir setzen als Musiker immer noch häufig voraus, dass Menschen von diesem wunderbaren Ding Musik so ergriffen sind wie wir selber. Aber das ist nicht so.

Entscheidend wird aber doch sein, ob die entdeckten Talente auch wirklich nachhaltig gefördert statt verheizt werden.

Das ist der entscheidende Punkt. Mich hat auch immer geärgert, dass die einzige Chance des Formats, aus Talenten bleibende Persönlichkeiten zu machen, von den Partnern der Sender nach dem Finale weitestgehend vertan wurde. Das hat damit zu tun, dass man gar nicht für möglich gehalten hat, dass der Beste gewinnt, und ohne Konzept dastand. Wenn ich nach Amerika schaue, sehe ich dieselben Formate, schaue mir an, wer da auftritt und wer in der Jury sitzt. Und da kann niemand auf die Idee kommen, dass es sich um eine Farce handeln könnte. Da sitzen Superstars wie Jennifer Lopez oder Steven Tyler in der Jury, auf der Bühne stehen Leute, die singen können, und niemand wird dort mit irgendeinem anzüglichen Spruch weggeschickt. Das ist letztlich die Art, wie man es machen muss. Und es funktioniert dort auch, weil es einen riesigen Pool von Guten gibt, die auch in der Tradition dieses Landes stehen – etwas, dem wir seit ewigen Zeiten hilflos versuchen nachzueifern. Ich denke, man muss klar sehen: Es ist Fernsehen. Ich habe gelernt, dass Fernseh-Emotionen und echte Emotionen nichts miteinander zu tun haben. Aber solange ich dabei bin, wird die Diskussion geführt, wenn Aspekte in den Vordergrund rücken, die nichts mit Musik zu tun haben. Ich versuche, mich dort nicht zu verstellen. Und ich kann mit dem Ergebnis unserer Show dahingehend gut leben, als tatsächlich die beste Sängerin gewonnen hat- ein Novum im deutschen Casting-Dschungel.

Kann X Faktor wirklich der Musikkultur helfen?

Ich glaube, dass das Format Casting-Show an anderen als den gewohnten Stellen die Menschen erreicht. Und es ist noch nicht völlig ergründet, warum Menschen Lust haben, an so etwas teilzuhaben. Für mich ist längst erwiesen, dass es nicht darum geht, den Verhaltensauffälligsten dort zu zeigen oder zu diffamieren. Wir sind auch ein zu kleines Land und kein Popmusik-Land erster Kajüte, um da eigene Erfahrungen ins Spiel zu bringen. Ich sehe nur, dass die notorische Unterschätzung des Publikums leider Früchte trägt. Und da muss man es schon als mutig bezeichnen, was Vox da macht, mit Leuten in der Jury, die alle in erster Linie etwas mit Musik zu tun haben.

Sie sind ja Kritik gewohnt. Macht Sie dieses Fernsehengagement als Jazzer nicht noch angreifbarer?

Ich finde manche Kritik ja völlig in Ordnung, es ist nur schwierig, wenn man das Gefühl hat, auch noch aktiv am eigenen Verriss mitwirken zu müssen. Es kommt ja immer die Frage nach meinem Potential und warum das denn nicht ausgeschöpft wird. Dabei konzentriert man sich immer nur auf einen ganz schmalen Ausschnitt von dem, was ich mache. Es ist dann legitim, das eingeschränkt zu finden.

Sie könnten ja mal eine Platte für die Kritiker machen.

Ich fürchte, dass die Rechnung nicht aufgehen würde, etwas als erklärte Kampfansage zu machen. Im Gegenteil, das ist total schwierig, wenn man einmal in der Kritik gestanden hat. Man wird dann immer entlarvt. Man darf ruhig auch sagen, dass natürlich manches einer Strategie folgt, an der Menschen hängen und eine Menge Geld. Aber das hat natürlich zu wenig mit der Kunst zu tun, als dass man nicht irgendwann auch sagen muss: Ich mache jetzt einfach das, was ich heute Morgen um Acht machen wollte, als der Kopf noch frei war. Und ich denke, damit ist bei mir zu rechnen. Es gibt ja längst Konzerte wie mit dem Freejazzer Günther „Baby“ Sommer, über die nur wenig berichtet wird. Ich glaube, dass noch vieles in mir schlummert.

Interview: Oliver Hochkeppel

Tourtermine:
• 19.03.2011 München, Philharmonie im Gasteig
• 20.03.2011 Nürnberg, Löwensaal
• 21.03.2011 Stuttgart, Liederhalle - Beethovensaal
• 23.03.2011 Zürich, Kaufleuten
• 26.03.2011 Düsseldorf, Philipshalle
• 27.03.2011 Bremen, Musical-Theater
• 28.03.2011 Hamburg, Laeiszhalle
• 29.03.2011 Dresden, Kulturpalast
• 30.03.2011 Hannover, Theater am Aegi
• 01.04.2011 Kiel, Sparkassen-Arena
• 02.04.2011 Dortmund, Konzerthaus
• 04.04.2011 Koblenz, Sporthalle Oberwerth
• 05.04.2011 Lübeck, Musik- und Kongresshalle
• 06.04.2011 Halle / Saale, Steintor Variete
• 07.04.2011 Braunschweig, Stadthalle
• 08.04.2011 Erfurt, Alte Oper
• 10.04.2011 Berlin, Tempodrom
• 10.05.2011 Luxembourg, Philharmonie
• 12.05.2011 Basel, Jazzfestival
• 30.06.2011 Freiburg, Zelt Musik Festival
• 01.07.2011 Riga (Litauen), Ritmi
• 02.07.2011 Heilbronn, AUDI Forum
• 03.07.2011 Mainz, Mainzer Volkspark
• 04.07.2011 Wien, Staatsoper
• 07.07.2011 Hamm, Maximilianpark
• 09.07.2011 Bonn, Museumsplatz

 

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