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Ruhrtriennale: Krzysztof Warlikowski und Sylvain Cambreling machen aus Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“ ein spannendes Kammerspiel

20.08.17 (Joachim Lange) -
Dass der aktuelle Intendant der Ruhrtriennale Johan Simons die letzte Jahresscheibe seiner Intendanz mit Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“ einläutet, hat auch etwas von einer Referenz an den Erfinder dieser alljährlichen kulturellen Frischzellenkur für das Ruhrgebiet Gerard Mortier. Die Bochumer Jahrhunderthalle, in der diese Eröffnung mit einer vorgeschalteten Rede von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller zelebriert wurde, hat sich längst als Herzstück der Ruhrtriennale etabliert. Dieses Industriearchitektur-Erbstück verdankt Mortier damit eine respektable Alterskarriere!

Bregenz blüht und boomt – Ein Rückblick auf die Bregenzer Festspiele

19.08.17 (Peter P. Pachl) -
Eine Festspiel-Pressekonferenz, kurz vor Ende der Bregenzer Festspiele 2017, wusste von neuen Rekorden zu berichten, von einer Saison mit voraussichtlich 262.000 Besuchern, einer sich anschließenden Präsentation des „Carmen“-Bühnenbildes im Victoria und Albert Museum in London und von Plänen für das nächste Jahr.

Leuchtturm ohne Strahlkraft – Uraufführung der Kammeroper „To the Lighthouse“ in Bregenz

17.08.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Literaturkenner nennen Virginia Woolfs 1927 erschienenen Roman „Die Fahrt zum Leuchtturm“ in einem Atemzug mit „Ulysses“ von James Joyce und Prousts „Recherche“: in der Technik des nur teilweise ordnend gefilterten Bewusstseinsstroms wird das Innenleben einer Sommergesellschaft auf der Isle of Skye vor und nach dem Ersten Weltkrieg dargestellt. Auf der Werkstattbühne des Bregenzer Festspielhauses wurde nun der Versuch einer „Bewusstseinsstrom-Oper“ des griechischen Komponisten Zesses Seglias (* 1984) uraufgeführt.

Union Deutscher Jazzmusiker: Erste Förderrunde des Musikfonds belegt Bedeutung von Jazzförderung

17.08.17 (PM - UdJ) -
Der neue Musikfonds fördert in seiner ersten Förderrunde 86 Projekte aus allen Bereichen der zeitgenössischen Musik mit insgesamt rund 900.000 Euro. Mehr als ein Drittel der bewilligten Projektanträge entstammen den Bereichen des zeitgenössischen Jazz und der Improvisation oder sind als sparten- und genreübergreifende Projekte konzipiert.

Futuristische Groove-Gefühle: Moor Mother im Münchner „Milla-Club“

15.08.17 (Alexander Mathewson) -
Ein schwarzer Körper rast hin und her durchs Publikum unter Strobolichtern und nimmt alle auf eine Reise von den amerikanischen Plantagen im 19. Jahrhundert bis zu den neusten Protesten in Ferguson, Missouri mit – sie bewegt sich wie ein Geist, gequält, manchmal schreiend, manchmal schweigend, manchmal flüsternd, während riesige Schallwellen die Zuhörer bombardieren.

Auf dem Spielplatz: Das Davos Festival 2017 und der Homo ludens

14.08.17 (Michael Kube) -
Reto Bieri ist ein Intendant mit Ambitionen. Doch hat er es nicht auf die Phalanx großer Namen abgesehen, die wie von selbst auch im abgelegensten Nest für ausverkaufte Säle sorgen – egal was gespielt wird, wenn nur gespielt wird. Vielmehr nimmt Bieri das jährlich wechselnde Motto seines Festivals sehr ernst: Hier begegnet man nicht nur „Young Artists in Concert“, sondern auch einem Programm, das diesem Begriff alle Ehre macht.

Muti und die Musik, die Macht und andere Metaphern – Aida in Salzburg

13.08.17 (Frieder Reininghaus) -
Giuseppe Verdis „Aida“ gehört zum kernigsten Kern-Repertoire des Opernbetriebs. Manches Sommerspektakel in vormals antiken Arenen oder anderen touristisch erschlossenen Steinbrüchen täte sich weit schwerer, wenn es dieses Werk von 1870/71 nicht gäbe. Auch die Salzburger Festspiele wollen an der großen musikalischen und ökonomischen Zugkraft der „Aida“ teilhaben. Sie machen daher der Arena di Verona und künstlerisch vergleichbar wertvollen Institutionen Konkurrenz. Intendant Hinterhäuser sorgte für maximale Attraktion im Großen Vorderhaus, indem er mit Riccardo Muti einen der renommiertesten Verdi-Dirigenten verpflichtete, dazu top-teures Sänger-Personal und mit Shirin Nashat eine in der interkulturellen FotografInnen- und -FilmerInnen-Szene absolut angesagte Regisseurin. Der Erfolg gibt ihm recht.

Umfrage zur Bundestagswahl 2017: Bildung und Forschung – Was wollen die Parteien?

13.08.17 (dpa) -
Das deutsche Bildungssystem gehört zu den besseren in der Welt, aber längst nicht alles ist gut. Vom Kindergarten bis zum Uni-Abschluss oder zur Meisterprüfung: Die Parteien legen dafür im Wahlkampf teilweise sehr unterschiedliche Pläne vor.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 14. bis 20.08.2017

13.08.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 33. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Gustav Mahler Kompositionspreis 2017, Analogue Natives – Alte Medien in der Neuen Musik, 25. Todestag des Komponisten John Cage, Wendejahr 1967 – Aufbruch aus der Nachkriegs-Musikwelt, Experimentelle Musik in Neu Delhi, 20 Jahre ensemble mosaik, V:NM Festival 2017, Klangkunst: documenta 14, Tubist Constantin Hartwig, Nickelsdorfer Konfrontationen 2017, Forum neuer Musik 2005, „Gelebter Fado“ – Mit dem Eselskarren unterwegs in Portugal, Das Shape Jahr 2017 in ICAS Radio und ACOUSTIC.SPACE.LAB.

Auszeit aus der Normalität: Die Trinkhallen-Tour Ruhr lebt weiter und wächst!

10.08.17 (Stefan Pieper) -
„Eine Trinkhalle ist ein Verkaufsstand für Wasser, alkoholische und nichtalkoholische Getränke und Dinge des sofortigen Bedarfs wie Tabak, Süßwaren (und ähnliche Genussmittel), Lebensmittel und auch Medien“ sagt Wikipedia. Die Trinkhallen-Tour Ruhr macht die kleinen Büdchen, die gerade im Ruhrgebiet lebendiges Zeugnis der Arbeiterkultur sind, zu Spielstätten der musikalischen Gegenwart. Auf Betreiben des Esseners Florian Walter und seiner Band „Die Verwechslung“ kommt hier freie, unerhörte Musik ohne Umwege zu den Menschen.

Urteil des Bundesfinanzhofes: Gemeinnützigkeit von Frauenchören und Männergesangsvereinen in Gefahr?

09.08.17 (Martin Hufner) -
Mit einer gewissen Panik wird zurzeit (zum Beispiel in der WELT) auf ein Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) reagiert. Dort wurde einer Freimaurerloge die Gemeinnützigkeit abgesprochen und damit Steuerbefreiung aberkannt. In der Pressemeldung dazu hieß es dann: „Die Entscheidung ist zu einer traditionellen Freimaurerloge ergangen. Das Urteil des BFH könnte sich aber auch auf Vereine auswirken, die die Gemeinnützigkeit in Anspruch nehmen, aber wie z.B. Schützenbruderschaften, Männergesangsvereine oder Frauenchöre Männer oder Frauen ohne sachlichen Grund von der Mitgliedschaft ausschließen.“

Salzburger Festspiele: Die göttliche Anna brilliert in altbackener „Aida“

09.08.17 (dpa) -
Ein bisschen kam man sich vor wie in der Arena von Verona. Die Trompeten schmetterten beim allbekannten Triumphmarsch, dass es eine Freude war, die Menschenmassen wallten hin und her, und die Sänger verausgabten sich an der Rampe. Fehlten nur noch die Elefanten.

Die löblich Kunst des A-cappella-Singens: die 13. Stimmwercktage auf dem Adlersberg bei Regensburg

08.08.17 (Juan Martin Koch) -
Zum 13. Mal lud das Ensemble Stimmwerck zu seinem Wochenend-Festival auf den Adlersberg bei Regensburg. Der Alten Musik – aus den Annaberger Chorbüchern – stellten die vier Sänger mit ihren Gästen Werke des Komponisten Max Beckschäfer gegenüber und gedachten John Cage zu seinem 25. Todestag mit einer Matinee. Juan Martin Koch berichtet:

Brünnhilde in der Bagdad-Bahn – erstmals „Ring“-Klänge bei den Nibelungenfestspielen Worms

06.08.17 (Roland H. Dippel) -
Vor dem Wormser Dom rundet sich bei den Nibelungenfestspielen 2017 nach „Gemetzel“ und „Gold“ mit „Glut – Siegfried von Arabien“ die Trilogie des Dramatikers Albert Ostermaier (geb. 1967). In jeweils veränderten Rahmen packte er das in Worms so vertraute Sujet, verdrehte überraschend Perspektiven und Rahmensituationen. Was diesmal herauskommt, ist echt unerhört. Erstmals erklingt bei diesen Festival mit dem „schönsten Theaterfoyer Deutschlands“ (so Worms Oberbürgermeister Michael Kissel beim Promi- und Premierenempfang im Park des Heylshof) auch echter Richard Wagner: Erst live in ungewöhnlichstem Klanggewand, dann „full score“ als Zuspielung „Music Minus One“ mit umso mehr authentischem, echtem dramatischen Heroinensopran. Stargast vom Musiktheater in einer markanten Sprechtheater-Ensembleschar keine Geringere als Nadja Michael.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 07.08. bis 13.08.2017

06.08.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 32. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Gérard Grisey, Bertold Hummel, Luigi Nono, 20 Jahre ensemble mosaik, Alexander Goehr, Jana Winderen, documenta 14: Every Time A Ear di Soun, Bernd Baader, Nickelsdorfer Konfrontationen 2017, Ulrich Leyendeckers Streichquartetten, Musik der Welt, Gerd Schuller, Antonio Soler, ICAS Radio und ARD Radiofestival 2017 Radio Lab.

„Sündenfall in der Kunst“: Symposium „Diskurs Bayreuth“ im Festspiel-Programm

05.08.17 (Peter P. Pachl) -
Erstmals veranstaltet die Bayreuther Festspielleitung in Zusammenarbeit mit dem Richard Wagner Museum Bayreuth und mit Unterstützung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e. V. ein jährliches Symposion, den „Diskurs Bayreuth“.

Erinnerungen an eine postsozialistische Vergangenheit: Umjubelte „Götterdämmerung“ bei den Bayreuther Festspielen

04.08.17 (Peter P. Pachl) -
Gut zehn Minuten langer, heftiger Beifall mit Füßetrampeln und rhythmischem Klatschen, brandete am Ende der „Götterdämmerung“ für ausgezeichnete sängerische Leistungen und für den Dirigenten Marek Janowski auf. Selbst als Frank Castorf mit seinem kompletten Regieteam vor den Vorhang trat, legte sich der Jubel nicht: geballte Buhs hielten sich mit Bravorufen im Applaus die Waage. Somit ist für die Bayreuther „Ring“-Produktion des Wagner-Jahres 2013 zu konstatieren, dass sie sich letztendlich durchgesetzt hat – wenn auch nicht mit einem so grundlegenden Wechsel der Meinungen wie beim Jahrhundert-„Ring“ in der Inszenierung von Patrice Chéreau.

Gediegener Sozialrealismus mit einer guten Dosis Theaterhumor – „Lady Macbeth“ bei den Salzburger Festspielen

03.08.17 (Frieder Reininghaus) -
Lange sah man im 20. Jahrhundert Katerina Ismailowa, die tragische Heldin Dmitri Schostakowitschs, eingesargt in das ländlich-rückständige Russland. Dem entstammt die Figur – einer Novelle von Nikolai Leskow aus dem Jahr 1864. Die Bühnenbilder, wenn sie nicht weitgehend abstrahierten, griffen in der Regel optische Elemente der Landarmut auf, illustrierende Motive einer patriarchalischen Kaufmannsgesellschaft am Rande der Zivilisation, der Folklore und Usancen des Zaristischen Polizeivollzugs bzw. Deportationssystems, die mit satirischer Lust überzeichnet wurden. Das funktioniert allemal, da die Sicherheits- und Ordnungskräfte fast überall nicht nur beliebt sind.

Sieben Krokodile suchen Futter: „Siegfried“ bei den Bayreuther Festspielen als umjubeltes Sängerfest

02.08.17 (Peter P. Pachl) -
Wagners C-Dur-Jubel am Ende des „Siegfried“ schwappte über ins Publikum, das auch den dritten Teil der „Ring“-Tetralogie bei den Bayreuther Festspielen mit lang dauerndem, frenetischem Beifall alle Solisten und Dirigent Marek Janowski uneingeschränkt bejubelte. Regisseur Frank Castorf hat auch diese Inszenierung merklich modifiziert und in der Personenregie intensiviert. In Publikumsgesprächen wird allerdings klar, dass seine ungewöhnliche Lesart von Wagners „Ring des Nibelungen“ weiterhin auf nur wenig Zuspruch stößt.

Neuburger Kammeroper 2017: Entdeckungen von Francesco Gardi

01.08.17 (Roland H. Dippel) -
Kaum zu glauben: 2018 begeht die Neuburger Kammeroper um Horst und Annette Vladar bereits ihr 50jähriges Jubiläum! Geplant ist dafür ein personenintensives Werk, weil mehrere auch der früheren Solisten mitwirken sollen. Und natürlich wieder eine Entdeckung, die eigene Ideenschmieden und auch die renommierter Festivals beflügeln wird. Wie schon so oft in Neuburg mit Opern von Simon Mayr, Ferdinando Paër oder Marcos António Portogallo.

Umjubelte Premiere der überarbeiteten Bayreuther „Walküre“

31.07.17 (Peter P. Pachl) -
Eine immense Steigerung gegenüber dem „Rheingold“ offenbarte Dirigent Marek Janowski bereits beim Vorspiel. Die Intensität der szenischen Leistungen des Sängerensembles ist in diesem Jahr enorm gewachsen durch intensive Nacharbeit Frank Castorfs an seiner Inszenierung.

Bayreuther Festspiele: „Rheingold“ variationenreich von Frank Castorf überarbeitet

30.07.17 (Peter P. Pachl) -
Während die im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 besonders diskrepant aufgenommene Inszenierung „Der Ring des Nibelungen“ von Frank Castorf in den vergangenen beiden Sommern offenbar von seinem Assistenten in Schwung gehalten wurde, aber außer der kontinuierlichen Vermehrung junger Krokodile im „Siegfried“ kaum deutliche Aspekte der „Werkstatt Bayreuth“ aufwies, hat der Regisseur jetzt, nach Beendigung seiner Intendanz an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, sich für die letztmalige Wiederholung in Bayreuth erneut gründlich Probenzeit genommen und Modifikationen erarbeitet.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 31.07. bis 06.08.2017

30.07.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 31. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Musikbegriffe nach John Cage, Gerhard Präsent, Dieter Salbert, Wittener Tage für neue Kammermusik, Jan Philip Schulze, Raphael Roginski, Every Time A Ear di Soun, Gerhard Schedl, Hornist Samuel Stoll, Ensemble KNM Berlin, Fredrik Pacius, Akustische Wimmelbilder von Brigitta Falkner.

Der verbotene Ort: „Tannhäuser – für Kinder“ als Neuinszenierung bei den Bayreuther Festspielen

29.07.17 (Peter P. Pachl) -
Bereits vor sieben Jahren gab es im Rahmen der alljährlichen Oper „Wagner für Kinder“ schon einmal eine Version des „Tannhäuser“. Damals war die Inszenierung in einem Internat angesiedelt, aber als ein hohes Lied auf die wahre Freundschaft und ohne Sängerkrieg ging Wagners Handlung kaum auf. Die neue Fassung, für die Katharina Wagner gemeinsam mit Markus Latsch verantwortlich zeichnet, vermag nunmehr voll zu überzeugen, auch ohne Chor.

Sängerfest zum Dumpingpreis: „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen

28.07.17 (Peter P. Pachl) -
Der dritte Festspielabend in Bayreuth brachte ein deutliches Primat der Musik. Bereichert um einige treffliche Neubesetzungen, wurde die „Parsifal“-Premiere zu einem umjubelten Sängerfest, wohingegen Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung auch im zweiten Jahr wenig Erhellendes bringt und seine Zitate aus vorhergehenden Inszenierungen letzteren Eindruck noch verstärken.
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