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Leger und intensiv: Köthener Bachfesttage 2020

08.09.20 (Roland H. Dippel) -
Folkert Uhde übernahm 2015 von Hans Georg Schäfer die Leitung der alle zwei Jahre Anfang September stattfindenden Köthener Bachfesttage. Seither musste sich einiges ändern. Uhde verjüngte das Publikum des kompaktesten der mitteldeutschen Bach-Festivals und punktet mit Nähe statt mit urbanen Softskills. So kamen die Köthener Bachfesttage verhältnismäßig unbeschadet durch die Corona-Krise. Roland H. Dippel war am zweiten der fünf Festival-Tage 11 Stunden in Köthen. Eine Impression.

Musikalisch-szenische Eulenspiegelei – „Nr. 50“ („The Garden“) von Richard Ayres am Staatstheater Mainz

08.09.20 (Andreas Hauff) -
Einen Tag vor der Aufführung musste das Staatstheater Mainz im Frühjahr die Premiere von Luigi Nonos Oper „Al gran sole carico d‘amore“ absagen. Der Sender „Deutschlandfunk Kultur“ konnte gerade noch die Generalprobe übertragen. Wann die aufwändige Inszenierung zu sehen sein wird, bleibt ungewiss. Jetzt hat das Musiktheater die neue Saison mit einem Stück zeitgenössischer Musik begonnen – unter Beachtung der Corona-Bedingungen, knapp einstündig, „halbszenisch“, aber immerhin als deutsche Erstaufführung. „The Garden“, das zwei Jahre alte Werk „Nr. 50“ des britischen Komponisten Richard Ayres, ist von Nonos Ernsthaftigkeit allerdings denkbar weit entfernt.

Im Winde brennen die Fahnen …. – Die Hamburgische Staatsoper eröffnet (mit) molto agitato

06.09.20 (Joachim Lange) -
Frank Castorf inszeniert das erste Mal an der Hamburgischen Staatsoper! Das wäre unter normalen Bedingungen immer noch ein Aufreger. Castorf unter Anticoronabedingungen ist es auch. Zumindest heißt der Abend, den es jetzt anstelle des geplanten „Boris Godunow“ gibt, „molto agitato“, also in etwa „sehr aufgeregt“. Das war es tatsächlich. Aber anders, als die einen erhofft oder die anderen befürchtet hatten.

Wo, wenn nicht hier … – Fulminanter Start des neuen Festivals Bayreuth Baroque

06.09.20 (Joachim Lange) -
Das Festival Bayreuth Baroque startete mit Nicola Antonio Porporas Oper „Carlo il Calvo“. Regisseur und Sänger Max Emanuel Cenčić lässt hier in immerhin 35 Szenen eine Art Telenovela mit einem Mix aus Erbschaftsstreit, Machtkampf und Liebeshändel aller möglichen Varianten ablaufen. Auch, wenn nur 200 Zuschauer zugelassen waren, gab es ganze fünf Brutto-Opernstunden mit zwei Pausen und ohne personelle Ausdünnung auf der Bühne oder im Graben. Es habe sich gelohnt, meint unser Kritiker Joachim Lange.

Agitprop mit symphonischer Begleitung – Uraufführung von „Baby Doll“ an der Deutschen Oper Berlin

06.09.20 (Peter P. Pachl) -
Der Deutschen Oper Berlin gebührt inmitten der drei Opernhäuser der Bundeshauptstadt aktuell der 1. Preis: mutig und erfolgreich war das Haus an der Bismarckstraße vorgeprescht mit Wagners „Rheingold“ auf dem Parkdeck (und stemmte nun, während die Proben zu Stefan Herheims Neuinszenierung der „Walküre“ begonnen haben, ihre erste Premiere im Großen Haus, gar eine Uraufführung. Die Arbeit der Pariser Regisseurin, Filmemacherin und Autorin Marie-Ève Signeyrole ist eine Übernahme aus Metz, wo „Baby Doll“ infolge des Lockdowns am 13. März 2020 nicht mehr herauskommen durfte. Über das Ergebnis mag man künstlerisch und inhaltlich geteilter Meinung sein.

Kunstfest Weimar: Straßenopern im 15-Minuten-Takt

04.09.20 (Roland H. Dippel) -
Anämische Stille kann man der Klassikerstadt Weimar nicht vorwerfen. Manchmal ist hier die Hochkultur so laut wie das traditionelle Zwiebelfest oder die Partys im Kasseturm. Etwa wenn beim Kunstfest Weimar (bis 13. September) die Beschallung der „One Minute Show“ aller Sparten am vergangenen Montagabend locker vom Balkon des Deutschen Nationaltheaters bis zum einen Kilometer entfernten Neuen Museum hörbar war. Oder wenn Benny Claessens‘ Songs in der Uraufführung von Sibylle Bergs „Paul oder Im Frühling ging die Erde unter“ die Anwohner um die temporäre Spiel-Location Alte Feuerwache aus der coronalen Lethargie reißen. Beim Parcours der sieben „Wegwerfopern“ durch die Altstadt gab es vitale Musik zu Miseren jeder Art: Outdoor-Operas mit echtem Hund und falschem Alkohol – sozusagen mit feuchter Schnauze und glänzenden Augen.

Unübersehbar #17 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 4.9. bis zum 10.9.2020

03.09.20 (Dirk Wieschollek) -
Während Marina Abramović an der Bayerischen Staatsoper Maria Callas sieben Tode sterben lässt, zelebriert Classic@Home eine „Ode an das Leben“. Damit und mit zwei Live-Konzerten der Ensemble Modern Akademie wünscht die nmz Online Redaktion einen guten Start in den Stream-September. [jmk]

Lübecks Antwort auf Corona mit Poulencs „Menschlicher Stimme“ und Menottis „Telefon“

02.09.20 (Arndt Voß) -
Nun doch: Die Theater öffnen sich, Kultur findet zaghaft zurück, durch die Pandemie atmosphärisch verkehrt, verändert. Der Auftritt des Zuschauers im Foyer zum Beispiel: das kleine Schwätzchen vor Beginn über das zu Erwartende verbieten Leitlinien und der verordnete Gänsemarsch in gebotenem Abstand. Oder: Dort, wo der spätere Besucher sich sonst Knie gegen Knie zum Platz zwängt, vermeiden Lücken in der Bestuhlung die körperliche Indiskretion, verhindern ebenso den Sieg im stillen Kampf um die Armlehnen.

Schöner sterben, um zu leben – Marina Abramovićs Opernprojekt „7 Death of Maria Callas“ in München uraufgeführt

02.09.20 (Joachim Lange) -
Nein, sie springt nicht aus dem Fenster. Obwohl der musikalische Effekt, mit dem das laute Paris ins nachgebaute Pariser Sterbe-Zimmer der Callas einbricht, geradezu körperlich zu spüren ist. Diese kleine Szene kurz vor dem Ende der jetzt in München mitzuerlebenden Sieben Tode der Maria Callas, wird nicht von den musikalischen Beiträgen von Bellini, Bizet, Donizetti, Puccini und Verdi unterlegt, sondern stammt von Marko Nikodijević, dem komponierenden Landsmann der serbischen Performerin Marina Abramović.

Klangforum Wien: „Das Kompetenzensemble für das Neue in der Musik der letzten 100 Jahre“

27.08.20 (Regine Müller) -
Seit Beginn des Jahres ist Peter Paul Kainrath Intendant des Klangforum Wien. Der in Bozen, Wien und Moskau ausgebildete Konzertpianist war von 2001 bis 2012 künstlerischer Leiter der „Klangspuren Schwaz“ in Tirol, ist künstlerischer Leiter des Festivals für zeitgenössische Kultur „Transart“ und des internationalen Klavierwettbewerbs Ferruccio Busoni in Bozen und war Debuty Director der Manifesta-Foundation in Amsterdam. Mit dem Klangforum Wien verband ihn bereits vor seiner Intendanz eine langjährige Zusammenarbeit.

Koloratur-Battles und Corona-Klänge: Das Lucerne Festival 2020

26.08.20 (Georg Rudiger) -
Eigentlich sind jeden Sommer rund 100 junge Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt in Luzern, um sich bei der Lucerne Festival Academy unter der Leitung des Karlsruher Komponisten Wolfgang Rihm ausschließlich mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zu beschäftigen. Dieses Jahr wurde die 2003 von Pierre Boulez gegründete Akademie erstmals abgesagt, aber Intendant Michael Haefliger konnte zumindest ein Konzert der Lucerne Festival Alumni ins neu konzipierte, auf zehn Tage zusammengedampfte Festival retten.

Theos Kurz-Schluss – Wie ich einmal einiges in Sachen „Political Correctness“ leisten durfte – und die Folgen am eigenen Leib erfuhr

26.08.20 (Theo Geißler) -
Manchmal ist es gar nicht so übel, geradezu materiell rettend, wenn einen scheint’s abgehakte alte Geschichten einholen: Vor Jahren durfte ich im Beirat einer kleineren deutschen Musikhochschule angesichts meiner bescheidenen Kompetenz überraschenderweise Sitz einnehmen und Stimme erheben. Letzteres tat ich sparsam. Allerdings gab es eine Aufgabe, die mich dann doch etwas lautstärker werden ließ. Es ging darum, die in normal verquastem Juristen-Mittel-Neuhochdeutsch verfasste etwa 20-seitige Satzung dieses Institutes „durchzugendern“, das hieß: die dominant machomäßigen männlichen Formulierungen unter den scharfen Augen der Frauenbeauftragten durch wenigstens „geschlechtsneutrale“ zu ersetzen. [Vorab aus Politik & Kultur 2020/09]

Musik auf Abstand, Teil 3: Singen im Freien – Von Bernhard König

25.08.20 (Bernhard König) -
Gesang verbindet. Wo Menschen sich im Gesang vereinen, da vereint sich auch ihr Atem und wird zur potentiellen Gefahr für Leib und Leben. In der Romantik hätte dieser Stoff Anlass für schaurig-schöne Lieder, Gedichte und Novellen geboten – die literarische Auseinandersetzung mit der dämonischen Macht der Musik stand damals hoch im Kurs. Wir Menschen des 21. Jahrhunderts erklären uns die Dinge lieber wissenschaftlich – doch Wissenschaft ist nicht immer eindeutig. Die Antworten auf die Frage nach dem Ansteckungsrisiko beim Singen sind vielstimmig; die entsprechenden Vorgaben variieren von Bundesland zu Bundesland.

Musikfest Berlin: „Beethoven 2020 geht nicht ohne Levit“ – Michael Ernst im Gespräch mit Winrich Hopp

24.08.20 (Michael Ernst) -
Das Musikfest Berlin konnte ebenso gerettet werden wie die musica viva in München. Durch die Corona-Pandemie war beides in Frage gestellt, aufgrund der inzwischen eingetretenen Lockerungen dürfen die Veranstaltungen aber stattfinden, freilich in aktualisierter Form sowohl hinsichtlich des Publikums als auch der Programme. Winrich Hopp, seit 2006 Künstlerischer Leiter beim Musikfest und seit 2011 in gleicher Funktion auch bei der musica viva tätig, spricht mit Michael Ernst über seine Freude, dass komplette Absagen verhindert werden konnten, sowie über die notwendig gewordenen Abstriche.

Ohne musikdramatischen Irrwitz - Uraufführung von „Impresario Dotcom“ bei den Bregenzer Festtagen

22.08.20 (Wolf-Dieter Peter) -
„UngeHEUER“ prangt auf einem Plakat und das gilt auch für die Bregenzer Festspiele. Denn „heuer“, in diesem Jahr mussten rund 200.000 Karten Corona-Bedingt rückabgewickelt werden. Doch mit sieben Festtagen wird soeben ein künstlerisches Lebenszeichen gesendet. Dafür wurde die kleine Uraufführung aus dem Kornmarkttheater ins große Festspielhaus verlegt: mit Pflichtabstand konnten zumindest 500 der 1750 Plätze besetzt werden.

Unübersehbar #16 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 21.8. bis zum 3.9.2020

21.08.20 (Dirk Wieschollek) -
Ludwig van Beethoven als Herr der Gezeiten, Charles Gounod als Operettenkomponist, Franz Schuberts Geist aus Bernhard Langs Händen, dazu das in den Startlöchern stehende Musikfest Berlin und die im „Archiv der verlorenen Ereignisse“ stöbernde Ruhrtriennale: Stoff genug für zwei Wochen spätsommerliche Streamabende. Wir wünschen guten Empfang. [jmk]

Menschheitsdämmerung mit Atompilz und Atemmaske: Siegfried Wagners „Sonnenflammen“ in Bayreuth

18.08.20 (Roland H. Dippel) -
Ohne Festspiele bietet die Bayreuther Innenstadt in diesem Sommer ein ungewohnt tiefenentspanntes Bild, bis Max Emanuel Cencic Anfang September im Markgräflichen Opernhaus erstmals das neue Barockfestival eröffnen wird. Die zum Äußersten entschlossene Anhängerschaft Siegfried Wagners leistete erbitterten Widerstand gegen die wegen Corona abgesagten Vorstellungen. Zwar musste auch das pianopianissimo-musiktheater schweren Herzens auf „Rainulf und Adelasia“ verzichten, realisierte allerdings mit tollkühnem Mut das Musikdrama „Sonnenflammen“, Siegfried Wagners Opus 8: Ohne ‚echtes‘ Orchester, dafür mit Video-Orgie rauschte das byzantinische Imperium in seinen farbenfrohen Untergang.

Paërs anderer „Fidelio“ bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

13.08.20 (Roland H. Dippel) -
Nur halb so dick wie die von Plan A ist die wegen Corona verschlankte Fassung der Jahresbroschüre zu den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Trotzdem kommt das Festival bemerkenswert gut und glücklich in die Gänge. Alle drei Musiktheater-Produktionen finden statt: Paërs „Leonora“ als Tribut an das Beethoven-Jahr, Alessandro Melanis „L'empio punito“ und die sechs musikalischen Intermedien zu „La pellegrina“ – dazu auserlesene Konzerte wie Carissimis Oratorium „Jephte“ mit Voces Suaves und ein Arienabend mit Franco Fagioli. „Felix Austria!“, obwohl die Altstadt im Sommer 2020 durch eine Vielzahl von Baustellen zerstückelt ist und aufgrund der Pandemie Touristenströme nicht so üppig durch die Straßen treiben wie in den letzten Jahren. Roland H. Dippel erlebte zwei stark kontrastierende, großartige Abende.

Davos-Festival „Von Sinnen“: Ein Musikfestival der besonderen Orte

12.08.20 (Georg Rudiger) -
„Treten Sie näher, aber immer mit Abstand“, sagt Chorleiter Andreas Felber mitten auf einer Wiese, umgeben von Bergspitzen und einem rauschenden Wildbach. Schon einige Höhenmeter hat die 60-köpfige Gruppe zurückgelegt. Beim Start der traditionellen Wanderung des Davos Festivals am Bahnhof Wiesen hatte noch das exzellente Schweizer Colores Trio vor einem Holzstapel zu Kaffee und Gipfeli groovende Rhythmen auf Marimba und Congas gespielt. Jetzt sind die Festivalbesucher selbst gefordert und stimmen gemeinsam mit den Profisängern des Festivalchores die indianische Volksweise „Evening rise“ an. Bei jeder dritten Wiederholung kommt eine Stimmgruppe dazu, ehe am Ende das Lied sechsstimmig erklingt. Nur ab und zu wird die Idylle durch ein lautes Klatschen gestört, wenn die umherschwirrenden Bremsen zu aufdringlich werden.

Friedvolle Barockpunks – Die 2. Singer Pur Tage am Adlersberg bei Regensburg

10.08.20 (Michael Scheiner) -
Es war einer der Momente, in denen überdeutlich wird, dass Musik – wie auch Kunst im Allgemeinen – spürbar mehr ist und kann, als zu unterhalten, Vergnügen zu bereiten, anzuregen oder einfach zu zerstreuen. Beim Lied „Versa est in luctum“ weitete sich der gotische Kirchenraum in Adlersberg immer mehr aus, durchdrang die alten Mauern und dehnte sich unter dem Einfluss des Gesangs von Singer Pur und der Sopranistin Monika Mauch bis in kosmischen Dimensionen aus.

Unübersehbar #15 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 7.8. bis zum 20.8.2020

07.08.20 (Dirk Wieschollek) -
Urlaubsbedingt wechseln wir mit unseren Stream-Hinweisen vorübergehend in einen zweiwöchigen Rhythmus. Genügend Zeit, das nun ausgeweitete Bayreuther Wagner-Programm, Berliner Jazz- und Radiokunst, Mainzer Beethoven-Reflexionen, Salzburger Mozarteum-Produktionen und das öffentlich-rechtliche Wim-Wenders-Füllhorn zu goutieren. Wohl bekomm‘s! [jmk]

„Bitte die Musiker nicht füttern“ – Das Freiburger Barockorchester in der Corona-Pandemie

06.08.20 (Georg Rudiger) -
„Bitte die Tauben nicht füttern“, steht auf der Dachterrasse der Freiburger Karstadt-Filiale, wo sich einige Mitglieder des Freiburger Barockorchesters für ein Parcourkonzert versammelt haben. Die Sonne knallt auf den Steinboden. Mit rot-weißem Absperrband ist der Zuschauerbereich markiert. Aber auch die Restaurantgäste können einen Blick auf das bekannte Orchester werfen und den Tönen lauschen, die sich auf ungewohntem Terrain einen Weg durch das Brummen der Klimaanlage bahnen. Wäscheklammern sichern die Noten.

„Dirigieren lernt man nicht durch Nachdenken“ – Joana Mallwitz in Salzburg

04.08.20 (Georg Rudiger) -
Zwei Tage vor der Premiere. Die Proben zu „Così fan tutte“ bei den Salzburger Festspielen sind abgeschlossen. Joana Mallwitz hat während der Orchesterproben alle Interviewanfragen abgelehnt. Sie wollte sich ganz auf die Musik konzentrieren. Eigentlich hätte sie in diesem Sommer in Salzburg die Wiederaufnahme der „Zauberflöte“ dirigieren sollen. Nun ist es die kurzfristig angesetzte Neuproduktion der „Così fan tutte“ in der Regie von Christof Loy geworden. Eine Woche nach Pfingsten kam die Anfrage von Intendant Markus Hinterhäuser. Dazu musste eine eigene, 130-minütige Strichfassung erstellt werden, die ohne Pause gespielt wird. Auch die Probenzeit war verkürzt. Schwierige Umstände für eine Perfektionistin, die ungern Kompromisse macht?

Raum für das große Experiment mit den Gefühlen – „Così fan tutte“ bei den Salzburger Festspielen

03.08.20 (Joachim Lange) -
Normalerweise würde man in Salzburg einen ganzen Da Ponte-Zyklus anvisieren wenn man eine der Opern daraus ins Programm nimmt. An den vorherigen von Sven-Eric Bechtolf erinnert man sich eher mit Stirnrunzeln. An den davor (von Claus Guth) freundlich schmunzelnd. Und nicht nur, weil Anna Netrebko dort im Figaro Susannas Staubwedel führte. Heute wäre es schlicht und einfach vermessen, würde man schon an „Don Giovanni“ und „Figaros Hochzeit“ denken, wenn „Così fan tutte“ über die Bühne geht. Dass die in ihrer Fragestellung wohl modernste Mozartoper überhaupt im Großen Festspielhaus zur Premiere kam und bejubelt werden konnte, ist allein schon ein Grund für Demut und Dankbarkeit.

„Elektra“ in Salzburg: eine Jubiläums Luxusklasse. Trotz allem

02.08.20 (Joachim Lange) -
Das erste Elektra-Wunder besteht allein schon darin, dass es überhaupt stattfinden konnte. Da waren nicht nur der genius loci und das 100jährige Jubiläum der Festspiele am Werke. Die hatten Protagonisten auf ihrer Seite wie Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und ihren bereits fünften Intendanten Markus Hinterhäuser. Geradezu trotzig beharrten von Anfang an auf dem „Wir spielen – wie abgespeckt auch immer“. Maskenpflicht, Ausweiskontrollen und eine ausgedünnte Platzierung in Sälen sind das eine. Ein ausgeklügeltes Kontroll- und Distanzsystem hinter der Bühne und vor allem der Mut von Orchestermusikern wie denen der Wiener Philharmoniker, sich auf eigene Vorsicht und regelmäßiges Testen zu verlassen das andere.
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