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Musikalisch neu gedeutet im aseptischen indischen Urwald – Händels „Poros“ an der Komischen Oper Berlin

17.03.19 (Peter P. Pachl) -
Nach 15 Jahren ist Harry Kupfer, der frühere Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, als Gast erstmals an dieses Haus zurückgekehrt und hat sich einen alten Wunsch erfüllt: Händels Oper „Poros“, mit welcher er in jungen Jahren als Assistent in Halle zu tun hatte, erklingt nun erstmals in der Komischen Oper – und das mit deren früherem Alleinstellungsmerkmal, der Aufführung in Landessprache sowie mit einer gegenüber dem Original schwerpunktmäßig umgetopften Besetzung. Peter P. Pachl hat sich das angesehen und angehört.

Im Westen nichts Goldenes: Puccinis „La fanciulla del West“ an der Bayerischen Staatsoper

17.03.19 (Juan Martin Koch) -
In seiner vierten Operninszenierung hat sich der Filmregisseur Andreas Dresen („Halbe Treppe“, „Sommer vorm Balkon“, „Gundermann“) Giacomo Puccinis eher selten gespielte „Fanciulla del West“ vorgenommen. Seines eher unentschiedenen Zugriffs zum Trotz entwickelte sich dank einer famosen Ensemble- und Orchesterleistung ein packender Premierenabend an der Bayerischen Staatsoper.

Regeln brechen oder: DIE BAKCHEN – Lasst uns tanzen im Cuvilliés Theater München

17.03.19 (Wolf Loeckle) -
„Das war alles wahnsinnig vielfältig, bunt, laut, bewegend, abstoßend, ungeheuer virtuos, artistisch, verwirrend, in all dieser Multifunktionalität bewundernswert, auf die Einzelleistung bezogen, auf das Gesamte der großformatigen Konzeption. Und irgendwie reduziert es sich dann doch auf das Wisch und Weg rund um den Globus, rund um alle SmartPhone-Bildschirme der Welt,“ sagt unser Kritiker Wolf Loeckle.

Humperdinck-Amalganisierung – Mitterers „Schneewittchen“ an der Staatsoper Unter den Linden Berlin

14.03.19 (Peter P. Pachl) -
Zwerge haben derzeit in Berlin Hochkonjunktur: der bevorstehenden Premiere von Alexander Zemlinskys „Der Zwerg“ an der Deutschen Oper ging am vergangenen Sonntag derselbe Wilde-Stoff als Pantomime von Franz Schreker, „Der Geburtstag der Infantin“ im Konzert der Berliner Symphoniker in der UdK voraus, und nun wurde in der Staatsoper mit einer von Wolfgang Mitterer spielbar gemachten Version von Engelbert Humperdincks unvollendetem Liederspiel-Projekt „Schneewittchen“ Premiere gefeiert. Peter P. Pachl berichtet.

Zweifel am Kindersegen – „Die Frau ohne Schatten“ in Kiel

14.03.19 (Arndt Voß) -
Brigitte Fassbaender inszenierte eine „Frau ohne Schatten“ in Kiel und will dabei unter anderem zeigen, wie „eine gleichberechtigte, von Verständnis füreinander getragene, tolerante Partnerschaft“ zu erreichen sei. Unser Kritiker Arndt Voß hat diesen Anspruch überprüft.

Unaufgeregtes Wogen – Maria Fausts „Machina“ spielte beim „BMW Welt Jazz Award“

13.03.19 (Ssirus W. Pakzad) -
Wer sich mit der spannenden Biografie der estnisch-russisch-ukrainischen Altsaxofonistin und Komponistin Maria Faust befasst, ahnt, warum sie alles etwas anders angeht, warum sie spielt wie sie spielt und schreibt wie sie schreibt. Ihr Matinee-Konzert beim „BMW Welt Jazz Award“ hatte wenig mit Konventionen zu tun und entwickelte einen eigenen Reiz.

Auf den Müll mit der Vergangenheit … „Elektra“ von Richard Strauss an der Oper Bonn

12.03.19 (Joachim Lange) -
Die „Elektra“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal ist nach wie vor ein Wurf. Ein Operneinzelstück mit besonderer emotionaler Durchschlagskraft. Rache pur in der musikalischen Sprache eines Meisters auf dem Höhepunkt seiner kreativen Kraft. Dazu ein kongeniales Libretto.

Ein makabrer Spaß – Leonard Bernsteins „A Quiet Place“ in Lübeck

12.03.19 (Arndt Voß) -
Taugt sie auf der Bühne oder doch nicht, Leonard Bernsteins Oper „A Quiet Place“, seine letzte Bühnenarbeit? Bernstein selbst zweifelte 1983 nach der Uraufführung – auch andere. Das Theater Lübeck versuchte nun, mit einer kammermusikalischen Fassung (Premiere: 8. März 2019) eine Antwort zu finden.

„W“ – wie Walküre – Markus Dietz inszeniert am Staatstheater Kassel Richard Wagner

12.03.19 (Joachim Lange) -
In Kassel kommt der neue Ring auf Touren – nach einem erfolgreichen Start mit dem Rheingold begeistern Regisseur Markus Dietz und GMD Francesco Angelico mit einer packenden „Walküre“. Joachim Lange sieht eine Inszenierung, die nicht auf billige Effekte aus ist.

„Die Passagierin“ in Gera - ein Spiegelbild zwischen Luxus und Lager

11.03.19 (Michael Ernst) -
Erst spät entdeckt, inzwischen beinahe im Repertoire: „Die Passagierin“ von Mieczysław Weinberg ist 1968 entstanden, wurde erst 2006 konzertant und 2010 szenisch uraufgeführt. Jetzt wagt sich Gera an dieses berührende Auschwitz-Thema.

„Tosca“ unter Kampfraketen: Puccini in packender Vollendung am DNT Weimar

11.03.19 (Roland H. Dippel) -
Puccini-Enthusiasten sollten sich diese „Tosca“ nicht entgehen lassen. Generalintendant Hasko Weber und Stefan Lano am Pult ergänzen sich ideal. Sie machen mit einem höchst beeindruckenden Sänger-Ensemble aus den eigenen Reihen (ohne Gäste!) diese Oper zur tickenden Zeitbombe und einem großartigen musikalischen Wurf. Im italienischen Kernrepertoire hörte man die Staatskapelle Weimar nur selten in derart kundiger Toppform wie bei dieser hier packend und sensibel erschlossenen Puccini-Partitur.

Wer ist der Jäger, wer das Wild? Eine Anti-Revolutionsoper am Staatstheater Meiningen

11.03.19 (Wolfgang Molkow) -
Am Staatstheater Meiningen war am 8. März eine besondere szenische Uraufführung zu erleben: Othmar Schoecks "Das Schloss Dürande" in der Textneufassung von Francesco Micieli und der musikalischen Adaption von Mario Venzago. Ein melodisch reiches und komplexes Werk wurde zurückgewonnen.

Alle sieben Jahre: „Babylon“-Uraufführung von Jörg Widmann: Neufassung an der Staatsoper Unter den Linden

11.03.19 (Peter P. Pachl) -
Von den Grenzen der Sprache, vielmehr der Sprachverwirrung, handelt Jörg Widmanns »Babylon«. Der Komponist stellt hierin die multikulturelle Gesellschaft der vorantiken Hochkultur-Metropole ins Zentrum seiner Oper. Peter P. Pachl besuchte für die nmz die Premiere der Inszenierung an der Staatsoper Berlin.

Dirigent Michael Gielen im Alter von 91 Jahren gestorben

09.03.19 (dpa) -
Der deutsch-österreichische Dirigent und Komponist Michael Gielen ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Wie seine Familie dem öffentlich-rechtlichen SWR am Freitag mitteilte, starb Gielen in seinem Haus in Mondsee in Österreich. Gielen leitete von 1986 bis 1999 das Sinfonieorchester des SWR. Er gehörte mit seinem umfangreichen Repertoire von Bach bis zur Moderne, von sinfonischer Literatur bis zur Oper, zu den wichtigen Dirigenten der Gegenwart. (Wir haben für Sie einige Texte zu Gielen aus der neuen musikzeitung von Gerhard Rohde, Gerhard R. Koch und Wolf-Dieter Peter für Sie zusammengestellt).

Hector Berlioz – Episoden aus dem Leben eines Besessenen

08.03.19 (Juan Martin Koch) -
Zum 150. Todestag des großen Komponisten, Orchestervisionärs und Autors wiederholen wir hier ein Feature, das Juan Martin Koch zum 200. Geburtstag von Hector Berlioz verfasst hat.

Breitkopf & Härtel (300) und Clara Schumann (200): Eine aktive Liaison in einer Ausstellung des Museums für Druckkunst Leipzig

07.03.19 (Roland H. Dippel) -
Diesmal geht es im Leipziger Museum für Druckkunst einmal nicht um Kalligraphie, ihre Reproduktion oder um andere Schnittstellen zwischen Layout und technischer Realisierung, dafür um Musik und ihre Verbreitung. Das macht die Sonderausstellung „Breitkopf & Härtel und Clara Schumann. Eine musikalische Liaison“ außergewöhnlich vor allem für Kultur- und Musikwissenschaftler. Zwei Jubiläen und regionales Traditionsbewusstsein waren die Voraussetzungen für diese Kombination:

Im Harz, wo die Zitronen blühen – Ambroise Thomas‘ „Mignon“ in Halberstadt

05.03.19 (Joachim Lange) -
Das Nordharzer Städtebundheater widmet sich in Halberstadt einer besonderen Art der Italiensehnsucht: Ambroise Thomas „Mignon“ nach Goethe. Joachim Lange sieht ein Hausensemble, das seine Sache wirklich bravourös mache.

Brudermord als Sündenfall: späte Uraufführung von Marc Blitzsteins Ballettmusik „Cain“ in Linz

04.03.19 (Juan Martin Koch) -
Im Brucknerhaus Linz erlebte Marc Blitzsteins Ballettmusik „Cain“ von 1930 ihre späte Uraufführung. Die amerikanische Musikgeschichte muss deshalb zwar nicht neu geschrieben werden, aber Juan Martin Koch kann von einem schillernden Mosaikstein darin berichten.

Böhmers und Lunds Musical „Drachenherz“ – Uraufführung in Chemnitz

04.03.19 (Roland H. Dippel) -
Dieses Jahr gelangt das Abschlussprojekt der Musical-Studenten der Berliner Universität der Künste (UdK) wie schon seit Jahren unter Leitung von Peter Lund in Kooperation mit der Neuköllner Oper zur Aufführung. Dort allerdings erst ab 13. Juni 2019, die Premiere der Uraufführung fand am 2. März diesmal in der Oper Chemnitz statt. Auf die erfolgreiche Chemnitzer Produktion von Wagners „Ring des Nibelungen“ versetzen Lund und Wolfgang Böhmer in „Drachenherz“ die Siegfried-Sage als problematisch überfrachtete coming-of-age-Story in die (ost-)deutsche Peripherie.

Detailliert und subtil: Ariane und Blaubart von Paul Dukas am Theater Bielefeld

Paul Dukas – das ist der Komponist des „Zauberlehrlings“. Kein anderes Werk aus der Feder des 1935 in Paris gestorbenen Meisters hat es zu vergleichbarer und anhaltender Popularität gebracht wie die furiose Vertonung der Goethe-Ballade. Das mag vor allem daran liegen, dass der Umfang von Dukas‘ Oeuvre schmal ist – Folge der äußerst selbstkritischen Haltung des Komponisten seinen eigenen Arbeiten gegenüber. Viele von ihnen vernichtete er selbst, darunter zwei Opern. In seinen Augen und Ohren Bestand hatte offenbar nur „Ariane et Barbe-Bleu“, die „Conte en trois actes“, uraufgeführt 1907, ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten eher selten auf den Spielplänen der Opernhäuser zu finden. Jetzt bringt das Theater Bielefeld die Geschichte von Ariane und Blaubart auf die Bühne.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 04.03. bis 10.03.2019

03.03.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 10. Meine speziellen Tipps: 5.3.: 22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK - Horizonte: Der Musik-Cyborg – Virtuelle Realitäten, eine Sendung von Theresa Beyer. | 7.3.: 22:03 bis 23:00 | SWR 2 - SWR2 Hörspiel-Studio: Einführung in die außerindische Musikkultur, ein Hörstück von Peter Pannke und Klärenz Barlow | 9.3.: 22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk - Atelier neuer Musik: (A)Sozial? – Neue Musik – Neue Medien, von Anna Schürmer.

„Ladies First“: Zur Jahresausstellung 2019 im Händel-Haus Halle

01.03.19 (Roland H. Dippel) -
Die unterhaltsame Rundschau für fast alle Altersgruppen punktet mit viel Basiswissen. Aber vielleicht will die Jahresausstellung „Ladies First!“ im Händel-Haus einfach zu viel: Frauenpersönlichkeiten aus der Biographie des sein ganzes Leben unverheiratet gebliebenen Georg Friedrich Händel werden vorgestellt, auch Frauenfiguren aus seinen Opern und Oratorien. Als Eskapade dazu noch ein Schwenk zu William Hogarths Zyklus aus sechs Gemälden und Kupferstichen „Lebenslauf einer Dirne“ (A Harlot's Progress, um 1732).

Ein Gedicht – Das Konzert von Matthieu Bordenaves Archipel beim BMW Welt Jazz Award

27.02.19 (Ssirus W. Pakzad) -
Der BMW Welt Jazz Award war von Anfang an international ausgerichtet. Die 11. Ausgabe dieses Wettbewerbs ist etwa mit Musikern aus Polen, Norwegen, Frankreich, Kanada, Brasilien, Israel, Estland, Dänemark, Pakistan oder den USA besetzt. Ein Künstler, der nun auf die Final-Teilnahme, das Preisgeld und den Pokal hoffen darf, hatte allerdings eine ziemlich kurze Anreise: Matthieu Bordenave, Wahl-Münchner mit südfranzösischen Wurzeln, stellte sein Projekt „Archipel“ im Doppelkegel vor.

Geschichten aus dem Musikland: Wie hat der Osten komponiert?

26.02.19 (Michael Ernst) -
In Dresden wird klingende Ostalgie betrieben. Ein Forschungsthema, das absolut notwendig ist. Das ist mal eine unbedingt lobenswerte Initiative von Sächsischer Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB), Sächsischer Akademie der Künste und Festspielhaus Hellerau: Wie klang es im Osten? Dieser Frage wollen die Veranstalter in einer vierteiligen Gesprächs- und Konzertreihe nachgehen, um der Marke „DDR-Musik“ auf den Grund zu gehen.

Kurz-Schluss – Wie einmal Donald Trump fast von selbst auf die Idee kam, am menschengemachten Klimawandel könnte was dran sein

25.02.19 (Theo Geißler) -
Manchmal sind es überraschende Einzelschicksale, allenfalls noch im Verbund mit nahestehenden Menschen, die das Weltgeschehen verändern. Zum Beweis schildere ich in gebotener Kürze eine entsprechende Situation: Soeben sitze ich mit meinem alten Schulkameraden Ischinger (genannt Isch, der Fisch – ich hab ihn nie wirklich gemocht) ganz oben im linken Zwiebelturm der Münchener Liebfrauenkirche. Wir hatten ein Interview für RTL 2 in der Mache. Dank seiner Ortskenntnis und seines überlegenen Kommunikationssystems konnten wir uns gerade noch vor der Trump-Flut retten. Jetzt hocken wir vor einem Glasziegel, gucken auf den langsam sinkenden Wasserspiegel, der gerade den unteren Rand der Turmuhr freigibt. Sie möchten wissen, wie das kam? Bitte! [Vorabdruck aus Politik & Kultur 2019/03]
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