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Sanfter Druck zur Betroffenheit – Neue Opern an der HMT Leipzig

13.11.18 (Roland H. Dippel) -
Seit vielen Monaten arbeiten Dozenten und Studierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ an dieser Studioproduktion zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Zur Uraufführung gelangten die beiden Kammeropern „Letzte Tage Lodz“ von Juheon Han und „Freiberg“ in drei Teilen von Dariya Maminova (geb. 1988), Ido Spak und Max-Lukas Hundelshausen (geb. 1991). Ein Triumph des kalkuliert emotionalen Musiktheaters.

Für Leben und Erinnerung tanzen und spielen – Die 28. euro-scene in Leipzig mit vielfältigen Angeboten und großem Publikumszuspruch

13.11.18 (Joachim Lange) -
Die „euro-scene“ gehört seit 1991 zum festen Kulturkalender in Leipzig. Das durch die Stadt und mehrere Stiftungen und Kulturinstitutionen finanzierte Festival hat sich trotz aktueller Mittelkürzungen um 30.000 Euro (durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen) behauptet und bei seinem Publikum etabliert.

Eine ging, drei wollten und zwei wollen kommen – Wer, was, wo? Und wieso?

12.11.18 (Michael Ernst) -
Wenn jetzt die Weichen für die Zukunft an Dresdens Musikhochschule neu gestellt werden, berührt das auch die Osterfestspiele Salzburg. Oder verhält es sich eher umgekehrt? Personalroulette zwischen Dresden, Salzburg, Baden-Baden und München.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 12.11. bis 18.11.2018

11.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 46. Jagoda Szmytka, Neues aus der Eisengießerei, Sven-Ingo Koch, Krzysztof Penderecki, Die Musik der 20er Jahre, Anton Webern aus aktueller Perspektive, Donaueschinger Musiktage 2018, Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Werkzeuge der neuen Musik – Das Publikum, Joëlle Khoury, Forum neuer Musik 2008 – humanity & composition, Porträt des Pianisten Marian Migdal.

Janáčeks Episoden „aus einem toten Haus“ an der Oper Brüssel

09.11.18 (Frieder Reininghaus) -
Wie geht es zu in den Strafgefangenenlagern? Wie weit entfernt vom Herzen Europas und der Hauptstadt Brüssel liegt Sibirien? Das sind Fragen, die sich mit einer Inszenierung von Leoš Janáčeks letztem Bühnenwerk unvermeidlich stellen, wenn es am Théâtre de la Monnaie auf den Spielplan gesetzt wird. Der Regisseur Krzysztof Warlikowski und der Dirigent Michael Boder haben deutliche, aber nicht ganz zusammenpassende Antworten gefunden: …

Neue Horizonterweiterungen beim Essener NOW Festival

09.11.18 (Stefan Pieper) -
Einer der Lieblingsfetische der Wirtschaftseliten heißt Personaleinsparung. Mauricio Kagels „Zwei-Mann-Orchester für zwei Ein-Mann-Orchester“ liefert hier gute Ideen für den Musikbetrieb. Warum über 100 MusikerInnen in einem Sinfonieorchester beschäftigen, wenn doch stattdessen gerade mal zwei Spieler reichen, um diese mit der Tonerzeugung auf jeweils mehr als 100 Instrumenten (pro Spieler wohlgemerkt!) zu betrauen?

Vom Blendwerk der Freiheit – Smetanas „Dalibor“ in Augsburg

08.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Mir sind die Augen aufgegangen. Wir sagen das …, weil wir begreifen, was wir doch nicht sehen können“ schrieb Ingeborg Bachmann von Jahrzehnten. Das kann der Hintergrund für die Wahl des soeben zum 5.Staatstheater Bayerns aufgewerteten Augsburger Teams sein, ausgerechnet im Ausweichquartier im Martinipark nicht einen verkaufssicheren Repertoireklassiker anzusetzen, etwa Smetanas „Verkaufte Braut“, sondern sein tschechisch vaterländisch orientiertes, daher nicht so populäres Musikdrama „Dalibor“. Ein reizvolles Wagnis.

Reizvolles vom „ältesten Instrument“ – Bernhard Webers Film „Der Klang der Stimme“

08.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
All diese Investment- und Hedgefond-„Masters-of-the Universe”, die sich allem und jedem überlegen glauben, muss man daran erinnern, dass ihre Geld-Welt sich erst im 16.Jahrhundert etabliert hat – Musik und erst recht Gesang aber so sehr viel älter sind, dass die Herren demütig werden sollten. Das zeigt ein neuer Film – seit einer Woche in Kinos bundesweit.

Das Gemüse an der Macht – Offenbachs „König Karotte“ in Hannover

07.11.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Uraufführung von Jacques Offenbachs „Roi Carotte“ (1872) ist mit heute unfassbaren Zahlen belegt: 1150 Kostüme, 193 Bilder in vier Akten, innerhalb von sechs Monaten 193 Aufführungen, sechs Stunden Uraufführung und noch vieles mehr. Und doch verschwand das Werk in der Versenkung, bis es rekonstruiert werden und in einer dreistündigen Fassung 2015 in Lyon aufgeführt werden konnte. Und nun gab es in Hannover von dieser Fassung eine viel bejubelte, glänzende deutsche Erstaufführung, die der Musicalfachmann Matthias Davids als Regisseur verantwortete.

Kiel besinnt sich auf seine historische Bedeutung – Marco Tutinos „Falscher Verrat“ uraufgeführt

07.11.18 (Arndt Voß) -
Es war der 3. November 1918, als in Kiel Historisches geschah: die Matrosen standen auf, ein Geschehen mit ungeheuren Folgen. Das in einer Oper genau 100 Jahre später erlebbar zu machen, ist eine andere Sache, dennoch hat man es in Kiel versucht.

(K)eine Revolution mit Musik – „November 1918“ am DNT Weimar raschelt

06.11.18 (Joachim Lange) -
Die aktuelle Kunstanstrengung des Deutschen Nationaltheaters Weimar ist gewaltig. Sie passt zu seinem Namen und ist im 100. Jahr der Novemberrevolution allemal zu loben. Schon, weil sie wieder einmal alle Sparten des Hauses in einem Kooperationsprojekt von Schauspiel, Musiktheater und Staatskapelle für die Theaterfassung von André Bücker und Beate Seidel mit Musik von Stefan Lano zusammenführt. Wenn es um die Aufführung einer Theaterversion von Alfred Döblins „November 1918“ geht, dann hat Weimar einen Standortvorteil. Nach dem brodelnden Vorspiel nach Kaiserreich und Weltkriegskatastrophe verdankt die wacklige erste deutsche Republik der Klassikerstadt immerhin ihren Namen.

Musikalisch mäandernd – Anno Schreiers „Wunderland“ am Theater Freiburg

06.11.18 (Georg Rudiger) -
Musiktheater braucht nicht viel. Bei Anno Schreiers Songzyklus „Wunderland“ sind es nur drei Sänger und vier Instrumente (Akkordeon, Klarinette, Schlagzeug, Kontrabass), die die einzelnen Stationen, die Alice im Wunderland erreicht, zu kleinen Szenen gestaltet. Lewis Carrolls Fantasieroman aus dem Jahr 1865 hat schon mehrere Komponisten wie Unsuk Chin oder Johannes Harneit zu groß besetzten Opern inszeniert. Schreiers einstündiges „Wunderland“ (2013) kommt dagegen ganz leichtfüßig daher.

Der König ist immer der Mörder – „Hamlet“ von Franco Faccio in Chemnitz

06.11.18 (Michael Ernst) -
Shakespeare-Dramen sind immer schon großartige Opernvorlagen gewesen. Aber ausgerechnet sein „Hamlet“ scheint im Musiktheater sehr rar zu sein. Weil das Original zu perfekt ist? Richard Wagner war ja der Meinung, „Hamlet“ gehe den Musiker nichts an. Dabei soll es allein in den vergangenen zwei Jahrhunderten rund 40 höchst unterschiedliche Versuche gegeben haben, sich mit dem Stoff zu beschäftigen. Neben Franz Liszts Sinfonischer Dichtung und der Oper von Ambroise Thomas sind aber kaum Deutungen im Repertoire geblieben, ob es Timo Jouko Herrmann mit seiner in Dortmund herausgekommenen Version „Hamlet – Sein oder Nichtsein“ schaffen wird, daran etwas zu ändern, bleibt abzuwarten.

„Da, wo es wehtut“ – Zwanzig Jahre Dresdner Sinfoniker

04.11.18 (Michael Ernst) -
Eine Welt ohne Grenzen, das ist ihr Ziel. Keine unüberwindlichen Hürden, mit denen Menschen es anderen Menschen schwer machen, sich frei zu bewegen und frei zu denken; aber auch keine Genrezuschreibungen, die musikalische Tabuzonen festlegen und Innovationen wie Improvisationen verhindern. Mit einem derartigen Impetus haben sich die Dresdner Sinfoniker vor genau zwanzig Jahren gegründet, quasi aus einer Bierlaune heraus.

Hans Op de Beeck entführt in Stuttgart das Publikum an den See der Tränen in Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“

04.11.18 (Joachim Lange) -
Diesmal hat die Burg weder Mauern noch Türen. Den Raum begrenzen auch im wortwörtlichen Sinne nur Planen. Die Zuschauer sind allesamt in der imaginären Kammer mit dem See aus Tränen gelandet. Hinter der Tür mit dem vielleicht beklemmendsten, traurigsten Raum in Blaubarts Burg. Zumindest in einem Alptraum, dicht in dessen Nähe. Diesmal fließt zwar nirgends das Blut, von dem Judith redet und das sie hinter all den geheimnisvollen Türen in Blaubarts düsterer Behausung wahrnimmt. Aber wir können es mit den Ohren sehen, mit dem Herzen fühlen. Sind eingestimmt auf die Dunkelkammern der Seele, ahnen, dass die Begegnung dieses Mannes und dieser Frau, ihr Versuch, sich einander zu nähren, ihr Drängen, sein Abwehren nur die Oberfläche sind.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 05.11. bis 11.11.2018

04.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 45. Die Postmoderne in der Musik, Oxana Omelchuk, Festival Greatest Hits, Werke aus dem Wettbewerb um den Karl-Sczuka-Preis, Konzerte von Wolfgang Rihm, Donaueschinger Musiktage 2018, Guillaume Apollinaire, Wortführer der Avantgarden, Gioacchino Rossini – ein Leben als Ikone, Bariton Samuel Hasselhorn, Kurt Schwaen (1909 – 2007), Wandertag – Auf ein Bier nach Lich, Jonny spielt auf – Die Musik der 20er Jahre, Teil 1.

Das Augenzwinkern des Malerfürsten: „Una cosa rara“ von Vicente Martín y Soler am Theater Regensburg

01.11.18 (Juan Martin Koch) -
Mit dieser besonderen „Rarität“ aus der Mozartzeit und der Verpflichtung von Markus Lüpertz für Bühne und Kostüme hat das Regensburger Theater mehr als nur einen PR-Coup gelandet, findet Juan Martin Koch:

„Super Tuesday!“ - Zum Impuls-Festival in Sachsen-Anhalt

01.11.18 (Roland H. Dippel) -
Da weiß der Freistaat Sachsen-Anhalt offenbar noch immer nicht so genau, was für ein unschätzbar wichtiges, nicht-materielles Luxusgut er mit dem Impuls-Festival für Neue Musik beherbergt. Das unter Leitung von Hans Rotman poly-zyklisch agierende Netzwerk mit den vielen Austragungsorten, zu denen am 6. November sogar ein Sonderkonzert mit Impuls-Auftragskompositionen in Brüssel gehört, kooperiert trotz des durch die Förderbedingungen extrem knappen Planungszeitraums erfolgreich mit den Subventionsorchestern in Halle, Magdeburg, Dessau, Wernigerode und Quedlinburg. Ein ganz wichtiger Akzent sind überdies die internationalen Spitzenbesetzungen der Meisterklassen, Workshops und Konzerte mit zwölf Uraufführungen im Festivaljahr 2018.

Elf Stunden aufregende Musik: Das Festival „Antennenglühn“ in München

31.10.18 (Andreas Kolb) -
Wer mit der Erwartungshaltung zum Festival „Antennenglühn“ in den Gasteig gekommen war, hier eine Leistungsschau der Mitglieder des Deutschen Komponistenverbandes Sektion Bayern zu erleben, sah sich schnell enttäuscht. Zum Glück: Denn was der Förderverein Komposition des Verbandes mit dieser Premiere der „Nacht der Neuen Musik“ gelungen ist, führt über eine jährliche Pflichtübung weit hinaus. Es herrschte angeregte Festivalstimmung und es gab zahlreiche Begegnungen mit und von Gleichgesinnten. Das Programm war nicht nur für die Kenner, sondern offen gestaltet auch für reingeschneite Neugierige. Das Wichtigste aber: Die Nacht der Neuen Musik, die bereits um 14 Uhr begann und bis 1 Uhr in der Frühe dauerte, bot elf Stunden lang aufregende Musik unterschiedlichster in Bayern ansässiger Stilrichtungen.

Keine Hilfe von der Enterprise – Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ in Mannheim

30.10.18 (Joachim Lange) -
Als Nigel Lowery vor vier Jahren in Halle zu den Händelfestspielen ästhetisch frech und politisch hintersinnig Händels „Arminio“ inszenierte, da baute er ein berühmtes Zitat aus den „Meistersingern“ ein. Den „Habt Acht!“ Appell des Schusterpoeten brachte er auf einem Zwischenvorhang gegen aktuelle Angriffe auf das finanzielle Fundament der Theaterlandschaft in Stellung. Weil davon beim Barockmeister aus Halle natürlich keine Silbe steht, löste das eine heftige Debatte im Publikum aus. Wer das auch als ein Versprechen des Briten auf subversive komplette „Meistersinger“ aus seiner Hand auffasste, der konnte jetzt vier Jahre später nach Mannheim pilgern, um es sich einlösen zu lassen.

„Götterdämmerung“ in Zeiten des Wassermangels – Hilsdorf inszeniert in Düsseldorf

Er hatte seinen Hut selbst in den Ring geworfen: als Dietrich W. Hilsdorf für die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf „Die lustigen Weiber von Windsor“ inszenierte, erfuhr er im Gespräch mit dem Intendanten Christoph Meyer von dessen Plan, Richard Wagners „Ring“-Tetralogie aufzuführen. Hilsdorf bot sich als Regisseur an – und bekam den Zuschlag. Es ist das erste Mal, dass der Regie-Altmeister ganz allein einen „Ring“ in Szene setzt. Mit der „Götterdämmerung“ kam das Projekt nun zum Abschluss.

Von zweifacher Blindheit – Strawinskys „Oedipus Rex“ und Tschaikowskys „Jolantha“ an der Oper Frankfurt

29.10.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die einzige ganz lichtlose Nacht ist die Nacht der Unwissenheit und der Gefühllosigkeit“ hat die schon als Kind erblindete Helen Keller zeitlos hellsichtig formuliert. Regisseurin Lydia Steier und Frankfurts Operndramaturgie banden einen lange unwissend Blinden und eine ihre Blindheit durch Gefühle Überwindende zusammen.

„Im Spiegel der Angst“ – Uraufführung von Müller-Hornbachs Luther-Oratorium in Mainz

29.10.18 (Andreas Hauff) -
„Angst trennt nicht mehr die Einzelnen, sondern verbindet sie im Ganzen“ ist ein markanter Satz aus der schon 2014 erschienenen Studie „Gesellschaft der Angst“ des Berliner Soziologen Heinz Bude. Als Gerhard Müller-Hornbach zum Reformationsjubiläum 2017 einen Kompositionsauftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bekam, entschied sich der Frankfurter Komponist für ein oratorisches Werk, dass die Angst des Reformators Martin Luther in den Blick nimmt und das Publikum einlädt, sich „Im Spiegel der Angst“ – so der Titel – nicht nur selbst zu erkennen, sondern auch von da aus weiter zu schreiten „auf der Suche nach Entängstigung“ – so der Untertitel. Die Landeskirche allerdings reagierte verängstigt und verschob 2017 die Uraufführung um ein Jahr.

„Der Zauberer von Oz“ von Pierangelo Valtinoni an der Komischen Oper Berlin

29.10.18 (Peter P. Pachl) -
Es ist schwer, gegen einen Mythos anzutreten, im konkreten Fall gegen den Hollywoodfilm „Der Zauberer von Oz“. Dass dies obendrein ein Musical-Film ist, der auch gerne auf die Bühnen transformiert wurde, macht den Fall für die Komische Oper Berlin mit einer Erstaufführung als Kinderoper nicht leichter.

Das Schaf im Wolfspelz – Im Anhaltischen Theater Dessau gibt es Carl Maria von Webers „Freischütz“ als romantisches Märchen

28.10.18 (Joachim Lange) -
Carl Maria von Webers „Freischütz“ hat sein Päckchen zu tragen. Dass der Wurf von 1821 gar als deutsche Nationaloper apostrophiert wird und das Stück ist, in dem heute besonders gerne nach der deutschen Seele und vor allem nach den kollektiven Traumata im individuellen Schicksal gesucht wird – ist das eine. Dass er beim Publikum anhaltend beliebt ist, das andere. Trotz der viel mehr als die Musik von Weber deutlich vernehmbar gealterten, obendrein auch noch zum Teil gesprochenen Texte von Friedrich Kind. Aber welche Oper hat schon eine ganze Handvoll von wiedererkennbaren und (wenn man es könnte) sogar mitsingbaren Hits? Angeführt von Jungfernkranz, Jägerchor und Wolfsschlucht-Spektakel.
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