Kahlschlag: GEMA plant Schließung von zunächst drei Bezirksdirektionen


(nmz) -
Nach stürmischen Tarifverhandlungen und fragwürdigem Umgang mit weiblichem Führungspersonal schien Ruhe eingekehrt in der GEMA-Belegschaft. Überdurchschnittliche wirtschaftliche Ergebnisse im Bereich der Bezirksdirektionen schienen Garant dafür zu sein, dass auch ein ökonomisch-befriedigender Betriebsfrieden wiederhergestellt werden konnte.
01.10.2009 - Von Kolb/nmz

Jetzt erreicht uns die Nachricht, dass der Vorstand der GEMA die Schließung der Bezirksdirektionen in München, Augsburg und Hannover plant. Dies kurze Zeit nach Gesprächen zwischen Betriebsrat und Vorstand, in denen eine Arbeitsplatzgefährdung der Beschäftigten vom Vorstand ausgeschlossen wurde.

Die Schließung der Bezirksdirektionen bedeutet im Einzelnen eine schlechtere Betreuung der GEMA-Mitglieder, sowie eine weniger umfassende Kontrolle der Aufführungsstätten. Zur Problematik einer allgemeinen Verschlechterung des Service kommt ein massiver Kompetenzverlust hinzu, ein Moment, dass gerade in Zeiten, in denen die GEMA auf europäischer und internationaler Ebene wenig Erfolge melden kann, negativ ausstrahlt. Als jüngstes Beispiel mag der Warner-Youtube-Deal gelten. Nachdem Ende des vergangenen Jahres die Plattenfirma Warner Music der Videoplattform Youtube die Erlaubnis entzogen hatte, Musik-Videos aus ihrem Repertoire zu veröffentlichen, hat man sich jetzt erneut zusammengetan. Ein Deal, der vollkommen an Verwertungsgesellschaften wie der GEMA vorbeigegangen ist. Die hängt immer noch mit Youtube im Verhandlungsstau fest. Diese Entwicklung im Lizenzgeschäft  kommentierte jüngst ein namhafter Urheberrechtler mit folgendem Vergleich: "Das ist so, als ob man europaweit den Linksverkehr einführen wollte, zunächst aber nur für LKWs."

Wir halten Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.

Fadenscheinige und nicht zu verstehende Abfindungen

Unter dem Vorwand der Kosteneinsparung werden hier Arbeitsplätze auf Kosten von hochbezahlten Vorständen weg rationaliesiert, jahrelange Ünterstützungen und Reisekosten werden erstattet sowie Abfindungen im 6stelligen Bereich für das Ausscheiden aus dem Verein Gema gezahlt.
Teure bereits bezahlte Immobilien werden veräusstert um diese Kosten zu Tragen.
Die unendliche Geschichte, und gleich nach den Arbeitsplätzen wird auf Service und Kundenkontakt verzichtet.
Keine direkten Ansprechpartner mehr vor Ort, oft liegen zwischen dem Wohnort des Kunden und der zuständigen Direktion mehr als 150 Km, was auch niemand aus den gut bezahlten Vorständen für unzumutbar hält.
Es wird Zeit das der Europaparlament sich mal diesen Verein vornimmt, denn spätestens dann ist die Gema Geschichte.


Etwas mehr Objektivität bitte

Die NMZ ist ja schon immer sehr gut darin gewesen, fachlich vollkommen unfundierte Behauptungen in die Welt zu setzen, Hauptsache man konnte sich negativ über die GEMA äußern.

Um die Betreuung der Mitglieder kümmern sich die beiden Generaldirektionen, nicht die Bezirksdirektionen. Dass die Mitglieder in Berlin eine extra Betreuung genießen, schon alleine das ist ein Luxus, den man in ähnlicher Form bei keinem Verlag findet. Wo ist also bitte die Verschlechterung des Service für die Mitglieder?

Ob die Firmen, die für die GEMA den Außendienst durchführen, ihre Ergebnisse an eine, drei oder 25 verschiedene Bezirksdirektionen melden, ist ziemlich unerheblich. Warum das zu einer Verschlechterung der Kontrolle führen soll, das muss die NMZ bitte mal erklären.

Und auf europäischer Ebene wird es für die GEMA sicher auch nicht leichter, nur weil Augsburg eine eigene Bezirksdirektion hat.

Bedenkt man, dass so manche traditionsreiche Tonträgerunternehmen, wie z.B. EMI und auch die wegen ihres YouTube-Deals hoch gelobte WMG, seit Jahren an der Grenze zur Insolvenz rumlavieren und teilweise schon mal mehr als ein Drittel ihrer gesamten Belegschaft entlassen haben, ist die GEMA doch ein Hort der Glückseeligkeit.

Trotzdem haben sich die Rahmenbedingungen für die GEMA in den vergangenen Jahren radikal geändert. Ob Heker bei jeder Einzelfallentscheidung immer richtig gehandelt hat, sei dahingestellt. Dass es aber nicht so weitergehen konnte wie unter Kreile, das sollte auch klar sein. Schon allein die Tatsache, dass die Gehälter der GEMA-Mitarbeiter bis zum neuen Tarifvertrag genau wie bei Beamten aufgrund des Alters festgelegt wurden und dies nicht aufgrund von Wissen, Können oder gar Leistung erfolgte, sollte dafür mehr als Beleg genug sein.

Insofern an dieser Stelle die Aufforderung an die NMZ, nicht nur die Meinung von Betonköpfen wie dem Berliner Betriebsrat und eines Herrn Dallinger vollkommen frei von Fakten weiter zu reichen, sondern in die Überlegungen auch die Interessen der Mitglieder mit einzubeziehen.


GEMA: Der Ertrag wird sinken

In einem Punkt gebe ich Insider 2 Recht. Heker hat nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen.

Zum Außendienst (Die Beauftragten): Theoretisch stimmt es, dass die Kontrollen nicht leiden, wenn eine Bezirk verschwindet. In der Praxis finden jedoch keine Kontrollen in ausreichender Anzahl statt. Die Provisionsgeier ackern lediglich primär Kunden ab, die hohe Provisionen bringen. Für einfache Kontrollen bekommen sie nur dann Geld, wenn auch Feststellungen getroffen werden. Somit sind diese nicht interessant. Hier sollte mal der Kostensatz analysiert werden… Ich denke Insider 2 weiß, was ich meine. Da steckt großes Potenzial zum Sparen drin.
Wegfall von Bezirken: Dass der Service der gleiche bleibt und sich am Ertrag nichts ändert und gar die Kosten sinken (=Ziel des Vorstands mit der geplanten Maßnahme), ist lächerlich. Die Häuser sind Eigentum und lange bezahlt. Diese Erlöse reichen nicht um die Abfindungen zu zahlen und die gemäß Rahmensozialplan entstehenden Kosten für Reisen und Wohnzuschuss etc. Dadurch, dass auch die Arbeitszeit angerechnet wird (Differenz jetzt und dann) kommen schnell mal je Mitarbeiter am Tag! 4,5 -6 Stunden zusammen. Somit berägt die Nettoarbeitszeit, wo auch tatsächlich noch gearbeitet wird, wöchentlich etwa 15-18 Stunden. Da die Arbeit nicht weniger wird, alte Mitarbeiter ggf. mit Abfindung ausscheiden und neue ggf. eingearbeitet werden müssen, wird es in den ersten 1-2 Jahren ein Chaos geben. Der Ertrag wird sinken, Kosten durch Sozialplan steigen. Insgesamt also weniger Geld für die Mitglieder.

Und: nicht selten kommt es vor, dass große Einnahmen durch die Ortskenntnisse der Mitarbeiter generiert wurden. Man kennt sich aus!! Das würde auch wegfallen bei Zusammenlegungen.

Bettina Müller: Ich dachte ich werde nicht wieder: Wir schließen nicht, wir legen nur zusammen!! Wenn man eine Bezirksdirektion schließen würde (ohne Ersatz) wäre das auch nicht ganz sinnvoll. Die Musiknutzer würden sich natürlich über rechtsfreien Raum freuen.

Und noch eine Anmerkung zu meinem Vorredner Insider 2: Ich finde es abartig, hier Namen von Kollegen zu nennen und diese zu beschuldigen und dabei selbst anonym zu bleiben. Das ist aber eine Charakterfrage…


Objektivität bitte

Dem Insider II ans Herz gelegt, wir “Berliner Betonköppe” sind schon stolz darauf so zu sein, wie wir sind !!!
Wir laden aber Jeden zu einem regen Meinungsaustausch in trauter Runde herzlich ein.
Ihre Berliner Betonköppe


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