Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, die ungute politische Stimmung in unserem Vaterland in ein fröhlich-effektives Regieren zu wandeln


(nmz) -
Starke Politikverdrossenheit in unserem zehntelsatten Lande: Wen wundert’s. Ein paar Superkapitalisten scheffeln Milliarden, dem Rest bleibt im Wesentlichen Hartz IV plus Aufstocken. Vom Flaschensammeln und Mülltonnen-Checken vieler Rentner ganz zu schweigen. Derweil erhöhen unsere gewählten Volksvertreter recht versteckt ihre seltsamerweise so benannten Diäten. Zerstreiten sich munter in die gesetzgeberische Ineffektivität. (Vorab aus Politik & Kultur 2019/05).
26.04.2019 - Von Theo Geißler

Ideologisch vorbereitet wurde dieser Zustand dank einer Fokussierung der Schulbildung auf die MINT-Fächer – Banking und Betriebswirtschaft ist der Gesellschaft feinster Lebenssaft. Flankiert durch die Lobotomie-Tricks unserer privaten Sender, Netflix, YouTube, Facebook, Twitter und sonstige multiple Internet-Abzockereien. Unterstützt durch Schnüffelsoftware, die dank häuslicher Alexa-Abhör-Technik am Klang unserer Stimme unseren Seelenzustand als Grundlage unserer Bedürfnisse in Sachen Kauflust  entschlüsselt. Leider wird das nötige Kleingeld nicht mitgeliefert, was verständlicherweise zu weitgehend unreflektierter Unzufriedenheit führt.

Da entlasten Motzer ihre ausgehungerten Euro-Seelen im Stellvertreterkrieg gegen Ausländer. Pe-, Le-, Mü- und sonstige -gida. Bräunlichem Schaum gelingt der Einzug in Landesparlamente und Deutschen Bundestag – keineswegs ein Grund zur Heiterkeit.

Da sagt ein FDP-Lindner, Politik sei die Aufgabe von Profis. Da soll der Wechseljährling sich mal ein Beispiel an Greta Thunberg nehmen, die gerade lächeln lernt und Präsidentin des Europarates wird. Also weit gefehlt, Herr Lindner. Blicken wir lieber in unser langjähriges Vorbildland, die Vereinigten Staaten von Amerika – z. B. Ronald Reagan: Der Schauspieler und republikanische Politiker war – leider machte er einen kleinen Fehler – bis 1989 ein stets gutaufgelegter Präsident der USA. Als Qualitätsgarantien konnte er Kunstfilme wie »Höllenhunde des Pazifik«, »Opfer einer großen Liebe« oder »Sein letzter Verrat« vorweisen – allerleichteste, allerfeinste Unterhaltung. Und immer einen flotten Spruch auf den Lippen: »Es ist albern, darüber zu reden, wie lange wir im vietnamesischen Dschungel bleiben müssen. Wir könnten das ganze Land asphaltieren und als Parkplatz markieren und wären trotzdem vor Weihnachten zu Hause.« 

Oder Kaliforniens langjähriger Gouverneur Arnold Schwarzenegger: Unvergessen, Arnold Schwarzenegger als »Conan, der Barbar«, die visionäre, aufrüttelnde Science-Fiction-Serie »Terminator« oder eben der heiter-aufbauende »Kindergarten-Cop«. Den Vogel freilich schießt der aktuelle US-Präsident  ab: Donald Trump, eine Mischung aus Darth Vader, Forrest Gump und Mr. Bean, in der Summe ein Monty-Python-Derivat mit einem dreihunderter Wortschatz.

An solch unaufgeregter Heiterkeit sollten wir bräsigen Teutonen uns ein Beispiel nehmen, zumal es im Bereich der Europäischen Union auch schon etliche treffliche Beispiele für entspanntes, von Lächeln geprägtes Regieren gibt. Erinnern wir uns noch an Italiens Silvio Berlusconi, den Bunga-Bunga-Meister – er ist in jeder Beziehung wieder im Kommen. Oder an Beppe Grillo, den Clown und Gründer der Fünf-Sterne-Bewegung, die jetzt an der Regierung ist, leider ohne Grillo, der sich wieder in den Zirkus zurückgezogen hat. Unvergessen auch Boris »Brexit« Johnson, dem es dank seines durch Witze erzeugten Volksgelächters gelang, den Ärmelkanal um zwölf Millimeter zu verbreitern.

Doch werfen wir einen Blick in unser trübes Glashaus, bevor wir mit Heckler & Koch die Scheiben zerschießen. Wir haben eine große Anzahl kluger, witziger und kundiger Komödiantinnen und Komödianten in unserer Volksgemeinschaft. Leider werden sie – im Unterschied zum Volk – von den unter meist falschen Versprechungen gewählten Volksvertretern bestenfalls als Hofnarren behandelt, gelegentlich verklagt. Dabei böte sich im Sinne eines fröhlichen Schlands Karl Dall statt Horst Seehofer doch als Innenminister an – mit dem rechten sieht man besser. Statt des farblosen Scholz drängt sich der Faschingsprinz-Ministerpräsident Bayerns, Markus Söder, geradezu auf, die Landwirtschafts-Ignorantin Klöckner wird durch das kundige Wellküren-Ensemble ersetzt. Statt Ursula von der Leyen übernimmt die windschnittige Heidi Klum das Kommando über die Gorch Fock.

Letzter etwas steifer Staatsakt von Bundeskanzlerin Merkel: Sie gratuliert dem gewählten Präsidenten der Ukraine, Herrn Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj, unter anderem mit den unverbrauchten Phrasen: »Zunächst gratuliere ich Ihnen auch im Namen meiner Nachfolgerin Kramp-Karrenbauer zum Wahlsieg. Überrascht war ich schon, dass jetzt ein Komödiant die Ukraine regiert. Naja, wir denken auch darüber nach, Herrn Stefan Raab demnächst zum Bundespräsidenten zu wählen. Und AKK schicken wir noch in eine Moskauer Clownsschule«.

Nastrovje: Ihre Dr. rer. nat. Angela Merkel (P.S.: Was haben Sie eigentlich studiert?)


Theo Geißler ist Herausgeber von Politik & Kultur

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