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Kultur in der Krise – ein Podium im Münchener Volkstheater in drei Szenen

01.10.20 (Andreas Kolb) -
Das Problem ist global, die Auswirkungen regional: In München trafen sich jetzt Kulturpolitiker, Veranstalter und Kreative zum Krisengespräch im Volkstheater an der Briennerstraße.

30 Jahre Wiedervereinigung – Beleuchtungen zum Thema von ++ contrapunkt ++

01.10.20 (mh) -
Von 2002 bis 2003 hat sich die Radiosendung „++ contrapunkt ++ westöstlicher dialog“ (gemeinschaftlich MDR und Bayerischer Rundfunk) mit Folgen, Ursachen und historischen Bezugnahmen des Themas angenommen. ++contrapunkt++ hat mit seinen Mitteln versucht, die Lebenswege in den beiden deutschen Staaten untereinander in Beziehung zu bringen. 18 Sendungen dokumentieren dies. Nachhören macht schlau!

Ein Abgesang auf die Liebe? Das 7. Janáček-Festival in Brno eröffnet mit „Osud“

30.09.20 (Michael Ernst) -
Was im Sommer zu den Salzburger Festspielen möglich gewesen ist, soll nun auch in der Tschechischen Republik funktionieren, in Brno, wo am 28. September, dem Tag des heiligen Wenzel, das 7. Janáček-Festival eröffnet worden ist. Mit einer Oper von Leoš Janáček, die einen geradezu symbolischen Titel trägt: „Osud“, zu deutsch „Schicksal“.

„The american dream“ – in Schwerin auf Deutsch geträumt

30.09.20 (Arndt Voß) -
Man kommt nicht umhin, Corona zu erwähnen, auch wenn viele Häuser inzwischen routiniert damit umgehen. Glück hat Schwerin. Sein altehrwürdiges Haus hatte schon zur Eröffnung 1886 eine wirksame Entlüftung bekommen. Folge allerdings: der Raum kühlt stark ab und das begrenzt damals wie heute eine Aufführung auf anderthalb Stunden, die dann jedoch bei gesunder Frischluft erfolgt (und die scheut nicht nur Covid-19). Vorausweisend zudem, dass alle Bereiche im Zuschauerraum eigene Zugänge bekamen, steil und zugig zwar, doch geeignet zur Rettung vor Feuer damals, heute vor dem Virus. Da erweist sich auch die Maßnahme, die Garderoben zu schließen, als Vorteil, entledigt man sich doch der Garderobe erst am Platz und hat sie dann griffbereit neben oder vor sich. Sind alle Auflagen erfüllt, kommen die ca. 170 Opernenthusiasten schnell hinein und wieder heraus.

Weltenwanderer und Grenzgänger – Václav Neumann zum 100sten Geburtstag

29.09.20 (Dieter David Scholz) -
Kein anderer Berufsstand ist derart schillernd und facettenreich wie der des Dirigenten. Mit ihrem ausgeprägten Hang zur Eitelkeit und zur Selbstdarstellung, aber auch ihrem offen zur Schau gestellten Willen zur Macht sind sie nicht nur Vermittler zwischen Partitur und Orchester, Musik und Publikum, sondern die eigentlichen Helden unseres Musiklebens. Dirigenten sind Wanderer zwischen den Welten, globale Musikheroen, Götter in schwarz, Schamanen und Dresseure mit Macht und Nimbus. Sie sind vielbewunderte, bestaunte, kritisierte und hofierte Stars, hochbezahlte Aushängeschilder, stilisierte Werbeträger und oftmals nur hochglanzpolierte Etiketten einer überwiegend kommerziell orientierten Musikindustrie, in der Stilisierung und Inszenierung eines Dirigenten zum Geschäft gehören.

Unübersehbar #20 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 25.9. bis zum 1.10.2020

28.09.20 (Dirk Wieschollek) -
Von Zürich bis zur Reeperbahn ist es nur ein Mausklick in der 20. Ausgabe unserer Streaming-Tipps: Erleben Sie kuratierte Diversität, einen isolierten Herrscher, unerhörte Musik, eine ostalgische Melodienfolge und die Schwarm-Intelligenz des Pop-Diskurses. Was für eine „Karambolage“…

Walküren-Hügel auf dem Walküren-Flügel – Wagners „Walküre“ an der Deutschen Oper Berlin

28.09.20 (Peter P. Pachl) -
Hauptproblem dieses Premierenabends sind kurioserweise weniger die freien Plätze zwischen den Besucher*innen mit Mund-Nasenschutz während der gesamten Aufführung, als die Tatsache, dass der neue „Ring“-Zyklus in der Inszenierung von Stefan Herheim in seiner Ikonographie der Tetralogie kontinuierlich aufbaut. Nachdem jedoch „Das Rheingold“ dem Lockdown zum Opfer gefallen war und stattdessen eine Ersatz-Inszenierung auf dem Parkdeck herauskam, fehlt den Betrachter*innen der „Walküre“ das erforderliche Vorwissen dieser spezifischen Lesart.

Die erste echte Corona-Oper? - „Schlachthof 5“ ist auch auf der Bühne eine Geschichte gegen den Krieg

28.09.20 (Michael Ernst) -
Wenn das mal keine transatlantische Solidargemeinschaft ist: Der US-amerikanische Autor Kurt Vonnegut hat seine Kriegsgefangenschaft bei der Nazi-Wehrmacht zu einem grandiosen Roman gedeihen lassen. Daraus komponierte der 1970 in der damals sowjetischen Hauptstadt Moskau geborene Vladimir Rannevs nun eine Oper.

Kreativkick: Abrahams „Märchen im Grand-Hotel“ an der Staatsoperette Dresden

27.09.20 (Roland H. Dippel) -
Applaus-Fontänen nach jeder Tanznummer und am Ende laute Ovationen. Dem Premierenpublikum gefiel die halb- bis vollszenische Einrichtung von Paul Abrahams Lustspieloperette „Märchen im Grand-Hotel“, bei welcher man an der Staatsoperette Dresden die Fassung der Komischen Oper Berlin verwendete: Gefälliges für Auge und Ohr beendete die coronale Fastenzeit im Kraftwerk Mitte. Tänzerisch und orchestral hatte der Abend beachtliches Format. Gero Wendorff als österreichischer Prinz Andreas Stephan überstrahlte alles mit jener Kombination von Persönlichkeit und Können, welche zur DNA zeitgemäßer Operette gehört.

Das Letzte 10/2020: Theo Geißler im Labyrinth der Werturteile

27.09.20 (Theo Geißler) -
Wie ich mich einmal gründlich irrte und bis heute aus dem Labyrinth der wahren Werte und Fehlurteile nicht mehr herausfinde. Von Theo Geißler. [Vorabdruck aus der Zeitung des Deutschen Kulturrates, Politik & Kultur 2020/10]

Eine Stunde Oper, die es in sich hat – Das Meininger Staatstheater startet die Opernsaison mit Bedfords „Through his Teeth“

27.09.20 (Joachim Lange) -
Der Titel ist etwas sperrig. Die Geschichte und die Musik dazu sind es nicht. In der vor sechs Jahren in London uraufgeführten Kammeroper, deren Titel „Through his Teeth“ recht frei mit „Im Fadenkreuz der Lüge“ übersetzt wird, bleibt es spannend bis zur letzten Minute. Es gibt immer noch eine Wendung im Geschehen, eine Enthüllung, mit der keiner gerechnet hat, die verblüfft.

Kinder als Instrumental-DJs – „SCHRUMPF! Zafraan“ in der Berlin

24.09.20 (Konstantin Parnian) -
Nach einer Online-Veranstaltung zwischendurch ging die an junge Familien gerichtete Reihe „SCHRUMPF“ der Ideenschmiede LOUDsoft – nun wieder in Präsenz – in die nächste Runde. „Like Tears in Rain“ des aus Israel stammenden Komponisten Yoav Pasovsky gestaltet sich vielmehr als interaktive Konzeption, denn als konventionelle Komposition.

Beglückend normal: Start bei Staatstheater und Hofkapelle Meiningen

23.09.20 (Roland H. Dippel) -
Ein Besuch in der Theaterstadt Meiningen: Keine Spur von Corona-Larmoyanz. Stille Winkel atmen Geist und Kultur, sogar das empfehlenswert gut sortierte Antiquariat hat eingeschränkt wieder geöffnet. Man kann sich vom Ort verzaubern lassen und von der Meininger Hofkapelle bemerkenswert gut Beethoven hören. Hier sind die musikalischen Leistungen noch immer aristokratisch.

Überleben in dunkler Zeit – Der Schott-Verlag Mainz und der Verein „musica reanimata“ feiern Jubiläum

23.09.20 (Isabel Herzfeld) -
Viktor Ullmann, Paul Hindemith, Ernst Toch – diese drei Komponisten stehen exemplarisch für das gemeinsame Anliegen des Vereins musica reanimata und des Schott-Verlags Mainz, Leben und Werk von den Nationalsozialisten verfemter, verfolgter und vernichteter Künstler zu erforschen und der Öffentlichkeit (wieder) zugänglich zu machen. Im Falle des traditionsreichen Verlagshauses basiert diese Arbeit teils noch auf direkten, ausschließlich wegen der durchschlagenden Qualität ihrer Musik geknüpften Beziehungen zu den jeweiligen Tonsetzern.

Theaterdirektor Striese ist ein feiner Kerl: Die MuKo Leipzig glänzt mit DDR-Parademusical

22.09.20 (Roland H. Dippel) -
Beginn einer Wiedergutmachung nach sträflich langem Versäumnis? Am Freitagabend gab es im Westbad die Premiere von „Bretter, die die Welt bedeuten“. Der DDR-Operettenpapst Otto Schneidereit nannte Gerhard Kneifels Operetten-Musical eine „Preußische Posse“. Nur acht Monate nach der Uraufführung war die Premiere an der Musikalischen Komödie am 12. Dezember 1970. Jetzt gelangte das frühere Erfolgsstück wegen Sanierungsverzögerungen in der Ausweichstätte zur beglückenden Wiederentdeckung.

Antiautoritäre Selbstertüchtigung – Verdis „La Traviata“ an der Oper Halle

21.09.20 (Joachim Lange) -
„La Traviata" steht auf dem Plakat, das man in der Stadt – wenn überhaupt – mit der Lupe suchen muss. Mit klassischer Werbung für ihre Oper glänzt Halle jedenfalls nicht. Aber die 160 zugelassenen Plätze füllen sich bei einer so populären Verdi-Oper auch so. Wer im Vorfeld auf der Website des Theaters Fotos sah, der konnte allerdings auf den Gedanken kommen, dass sich jemand mit der Auswahl vertan hatte. Scheiterhaufen und Stichwaffen ließen eher auf eine ganz andere Verdi schließen. Der Bericht von Joachim Lange.

Die Sternstunde des Jago Bieder – Verdis „Otello“ am Theater Regensburg

20.09.20 (Juan Martin Koch) -
Mit einer orchesterreduzierten Fassung von Giuseppe Verdis „Otello“ vor 200 Zuschauern startete das Theater Regensburg in die neue Opernsaison. Verena Stoiber hatte ihr ursprüngliches Regiekonzept coronabedingt komplett umwerfen müssen und begab sich mittels ingeniöser Videozuspielungen mitten hinein ins Herz des Theaters. Ein fulminanter Premierenabend.

Unübersehbar #19 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 18.9. bis zum 24.9.2020

17.09.20 (Dirk Wieschollek) -
Zweimal Oper, Jazz und Experimentelles: Bei unseren neuen Streaming-Tipps geht es um „innere Dämonen“, die Christof Loy anhand von Webers „Euryanthe“ untersucht, einen Schlagzeuger, der vom Garten ans Set zurückgefunden hat, eine Hexe und einen Mönch im Instrumentenmuseum und „musikalisches Immobilien-Infotainment“ aus Neukölln. Es ist des Lernens kein Ende.

Musiktheater beim Kunstfest Weimar: Laut glühend und verkopft

17.09.20 (Roland H. Dippel) -
Am Ende des Kunstfests Weimar 2020 standen eine von kaltem Gegenwartsgeist durchfurchte Monteverdi-Phantasie durch die freie Opernkompanie Novoflot und Bachs Bauernkantate als fetzige Session, bei der Bach, Flamenco und Jazz den Soundtrack zum finalen „Prosit!“ lieferte. Jubel gab es im Deutschen Nationaltheater vom 11. bis 13. September für beide Anlässe.

Demo und Petition: #FreeMaria – Erneut fordern Künstler in Stuttgart und Berlin Freiheit für Maria Kalesnikova

16.09.20 (Andreas Kolb) -
Demonstration in Stuttgart? Denken Sie bitte nicht an Stuttgart 21, an Alu-Hüte, Impfgegner oder Reichsbürger. Denken Sie an die mutige Künstlerin, Kulturmanagerin und Politikerin Maria Kalesnikova, die seit 7. September von den weißrussischen Behörden inhaftiert ist, weil sie gemeinsam mit Swjatlana Zichanouskaja und Weranika Zapkala vor der belarusischen Präsidentschaftswahl 2020 ein Politikerinnen-Bündnis gegen den regierenden Aljaksandr Lukaschenko gründete, das überraschende Wahlerfolge erzielen konnte.

Wo laufen sie denn? Uraufführung von Simon Steen-Andersens „Walk the Walk“ an der Staatsoper Berlin

14.09.20 (Peter P. Pachl) -
Zur ersten Premiere dieser Spielzeit, die der Staatsopern-Intendant unter das Motto „Ruhelos“ gesetzt hat, begrüßte Matthias Schulz im ausverkauften Alten Orchesterprobensaal die anwesenden 14 Besucher zu der – aufgrund des Fahrradunfalls eines Darstellers – um drei Tage verschobenen Uraufführung von „Walk the Walk, für vier Performer, Laufbänder, Objekte, Licht und Rauch“ von Simon Steen-Andersen.

Corona inszeniert mit – Mozarts „La clemenza di Tito“ in Magdeburg

14.09.20 (Joachim Lange) -
Die Oper in Magdeburg hätte es sich mit ihrer Spielzeiteröffnung im Corona-Spätsommer auch leichter machen können. Mozarts „La clemenza di Tito“ spielt sich nämlich nicht von selbst. Zumindest nicht so wie die drei DaPonte Opern oder die Zauberflöte. Und auch nicht wie die „Entführung aus dem Serail“. In gewisser Weise kehrt Mozart damit in die Nähe der Seria-Oper zurück, als diese Form auch dank Mozarts eigenem Schaffen schon Geschichte war.

Wagner im Strandbad – Musik(-), Theater und Performance am Berliner Plötzensee

11.09.20 (Konstantin Parnian) -
„Berlin is not Bregenz“ lautete das Motto des kleinen Sommerfestivals, organisiert vom Musiktheaterkollektiv Glanz&Krawall und abgehalten im Berliner Wedding – Strandbad Plötzensee. Das Bad kam jüngst in anderem Zusammenhang in die Schlagzeilen, doch dazu später noch. Schon am Anfang des Wegesrands erscheinen Paare von Schüler*innen, die im Schlagabtausch Beziehungskonflikte mimen. Vor ihnen Schilder mit der Aufschrift: „Handlung Tristan“ und „Handlung Lohengrin“ – themengebende Werke des Programms.

Unübersehbar #18 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 11.9. bis zum 17.9.2020

11.09.20 (Juan Martin Koch) -
Während das Konzertleben langsam erwacht, träumen die Dresdner Musikfestspiele nicht nur von einer fair bezahlten digitalen Bühne nebst Ticketverkauf, sie haben sie zusammen mit weiteren Partnern auch schon auf die Beine gestellt: Dreamstage. Das Musikfest Berlin bietet dagegen Teile seines Programms in Kooperation mit der Digital Concert Hall kostenlos in Live-Streams und zeitlich begrenzt verfügbaren Aufzeichnungen an. Beethoven und Rebecca Saunders stehen hier im Mittelpunkt, während sich die Stuttgarter Bachakademie in ihren neuen Podcasts mit Schütz und Monteverdi beschäftigt. Wach bleiben!

„Fidelio“ als Rettungsgeschichte 44 – Adam Fischer in Düsseldorf

10.09.20 (Georg Beck) -
Himmlisches und Irdisches war in dieser Fidelio-Produktion ganz nah beisammen. Alles mit klar perforierten Reißlinien, weswegen die Wertstofftrennung nicht allzu schwerfällt. Um mit der guten, der sehr guten Nachricht anzufangen: Es wurde hinreißend musiziert, fabelhaft gesungen. Immer wenn Adam Fischer am Pult steht, sitzen die Düsseldorfer Symphoniker auf der Stuhlkante. Wie jetzt, da es darum ging, einen „Herzenswunsch“ ihres „Principal Conductors“ zu erfüllen wie der von Tonhallen-Intendant Michael Becker eigens für Adam Fischer geschaffene Titel lautet.
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