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Zwei doppelt ratlosmachende Offenbach-Premieren in Dresden

02.03.20 (Michael Ernst) -
Dresden feiert verspätet, das Offenbach-Jahr ist vorbei. Semperoper und Staatsoperette bringen an einem Wochenende „Die Großherzogin von Gerolstein“ und „Die Banditen“ heraus. Diese in keinerlei Zusammenhang stehende Doppelpremiere bescherte dem Publikum leider doppelte Ratlosigkeit, befindet unser Kritiker Michael Ernst.

Wer sind wir? – Begeisternde Premiere einer neuen Tanztruppe „of curious nature“ in Bremen

01.03.20 (Ute Schalz-Laurenze) -
Ein Riesenprojekt, das die Choreographen Helge Letonja (Bremen) und Felix Landerer (Hannover) mit zahlreicher Hilfe erfolgreich zu Ende führen konnten: die Gründung einer neuen Tanztruppe mit TänzerInnen aus dem ganzen norddeutschen Raum, die sich „of curious nature/TanzRAUM Nord“ nennt und gestern Abend im kleinen Haus eine überwältigende Premiere feiern durfte.

Packend – Giacomo Meyerbeers „Les Huguenots“ am Grand Théâtre de Genève

27.02.20 (Joachim Lange) -
Das Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito nehmen den Kampf mit der weitschweifigen Grand Opéra Meyerbeers am Grand Théâtre de Genève nicht nur beherzt auf, sie begeben sich dabei gleichsam in einen Nahkampf. Das heißt nicht nur mit, sondern auch in jeder einzelnen Szene. Jede ist für sich genommen gründlich durchgearbeitet und lässt kaum Leere oder Statik aufkommen. Es ist packend zu sehen, wie da der Wahnsinn zur materiellen Gewalt wird. Die Kritik von Joachim Lange.

Steigerungstexturen und Energiespitzen beim BMW Welt Jazz Award 2020

26.02.20 (Ralf Dombrowski) -
Zu welch souveränen Resultaten es führen kann, wenn sich drei Musiker über einen langen Zeitraum kennen und ihre speziellen kreativen Eigenheiten ineinander wachsen lassen, demonstrierte am Dienstag das Klaviertrio mit Michel Reis, Marc Demuth und Paul Wiltgen beim BMW Welt Jazz Award 2020 in München.

Theos Kurz-Schluss – Wie ich einmal auf der Suche nach Werten vom Wertewandel in den Börsenwert und zurück auf den Allerwertesten geschleudert wurde

24.02.20 (Theo Geißler) -
Vorsicht, diesmal wird’s ein bisserl ernster hier: Vor ein paar Tagen ertappte ich bei einem Spaziergang meinen elfjährigen Enkel dabei, wie er – glaubte ich – Steinchen in den Wald warf. Glaubte ich, denn bei näherem Hinsehen stellte ich fest, dass er aus seinen prall gefüllten Hosentaschen Ein- und Zwei-Cent-Münzen kramte und, so weit es ging, wegwarf. Gutgläubig wie ich nun mal bin, fragte ich ihn, ob er Geld säe, damit es ordentlich wachse (nicht ohne gleich eine Minipredigt anzuschließen, dass dies ein ziemlich hoffnungsloser Weg zum Reichtum sei). „So ein Schmarrn, Opa – glaubst, ich bin doof?“, antwortete er, nicht ohne mit dem Finger an die Stirn zu tippen. „Ich hab nur mein Sparschwein ausgemistet, damit mehr Platz für Silbergeld und Scheine bleibt.“ „In Dänemark“, fügte er weise hinzu, „ist dieser Kupferschrott schon gar nix mehr wert. Außerdem könntest du mein Handy mal für Apple-Pay freischalten, du hast doch eine Kreditkarte.“ Mir lag zwar eine Moralpredigt samt Schimpfkanonade auf der Zunge. Im Wissen, noch nie ein guter Pädagoge gewesen zu sein, entschloss ich mich zu einer Art Moratorium. Ich bot meinem Enkel an, mir den „Kupferschrott“ auszuhändigen mit der Zusage, ihn in Euro-Münzen (selbstverständlich samt Aufrundung) umzutauschen.

Wechsel von Glätte und Grauen – Philip Glass' „Untergang des Hauses Usher“ in Münster

21.02.20 (Roland H. Dippel) -
Anspruchsvoll, rätselhaft und individuell gelingt die Inszenierung von „Der Untergang des Hauses Usher“ am Theater Münster. Dirigent Stefan Veselka und Regisseur Sebastian Ritschel erbringen den Beweis, dass Philip Glass ein die Kreativität herausfordernder Bühnenkomponist ist und noch längst nicht alle Bedeutungsdimensionen von dessen Oper „Der Untergang des Hauses Usher“ nach Edgar Allan Poe ausgereizt sind. Ein großer Erfolg mit inhaltlichen Fragezeichen, meint Roland H. Dippel.

Auf der dunklen Seite der Macht – „Egmont“ von Christian Jost im „Theater an der Wien“ uraufgeführt

20.02.20 (Joachim Lange) -
Mit einem nur leicht mit Marimbaphon, Vibraphon, Harfe und Klavier angereicherten Orchester wie zu Beethovens Zeiten hat Jost hier einen dämonisch dräuenden, untergründig pulsenden Sound komponiert. Regisseur Keith Warner und sein Ausstatter Ashley Martin-Davis fügen dem Sog der Worte und der Klänge einen kongenialen szenischen Rahmen hinzu, meint unser Kritiker Joachim Lange.

Jazzrausch für Fortgeschrittene – Das Peter Gall Quintett beim BMW Welt Jazz Award 2020

20.02.20 (Ralf Dombrowski) -
Die Musik des Peter Gall Quintetts erwies sich als anspruchsvoll gefächertes Konglomerat unterschiedlicher Stileinflüsse, die sich nicht mit schlichten Songstrukturen begnügten, sondern Klänge, Melodien, Einzelteile schichteten und verwarfen, verzahnten und entkernten, konkretisierten und relativierten, meint unser Kritiker Ralf Dombrowski.

Kritik aus der Zukunft – „Merchandise Medea“ im Berliner Ringtheater

20.02.20 (Konstantin Parnian) -
Das Kollektiv Menade setzt sich zum Ziel klassische Stoffe neu zu entwickeln und die Grenze zwischen Sprechtheater und Oper auszuloten. Benannt ist es nach den Anhängerinnen des Dionysos-Kult in der Antike, im deutschen Sprachgebrauch eher als Bacchantinnen bekannt. Oder auch als „Die Bakchen“: Die gleichnamige Tragödie des Euripides stellt sie als brutale Frauenfiguren dar, deren Rausch oft in einem Blutbad endet. Konsequent, dass das neue Projekt partiell auch den Text von Euripides‘ „Medea“ verwendet. Konstantin Parnian berichtet.

„Manon Lescauts“ Abstieg in die Gegenwart – Puccinis Oper am Staatstheater Mainz

18.02.20 (Andreas Hauff) -
214 Bewerbungen aus 32 Nationen gab es für den Europäischen Opernregie-Preis 2018. Nach der Finalrunde in Zürich vergab die Jury zwei erste Plätze. Einer davon ging an den britischen Regisseur Gerard Jones und die in London lebende Bühnen- und Kostümbildnerin Cécile Trémolières. Ihr Konzept für Giacomo Puccinis Oper „Manon Lescaut“ ist jetzt am Staatstheater Mainz zu erleben.

Unvereinbarkeit der Welten – Dvořáks „Rusalka“ in Oldenburg begeistert

17.02.20 (Ute Schalz-Laurenze) -
Antonín Dvořáks Meisterwerk, das 1901 uraufgeführte „lyrische Märchen“ „Rusalka“ zählt zu den häufig gespielten Opern nicht nur wegen seiner fabelhaft sensiblen und mitreißenden Musik, sondern vor allem auch wegen seinen vielfältigen Deutungsmöglichkeiten für die Regie. In Oldenburg ist Lesart zu sehen, die uns auf der einen Seite das hilflose Traumwesen Rusalka zeigt, auf der anderen Seite das pralle und luxuriöse Leben der Menschen am Hof des Prinzen. Ute Schalz Laurenze berichtet.

Kaleidoskopartig schillerndes Tableau – Händels „Alcina“ in Düsseldorf

Barockoper mit dem hauseigenen Orchester auf modernen Instrumenten? So wie jüngst im Essener Aalto-Theater bei Scarlattis „Kain und Abel oder Der erste Mord“? Oder doch mit einem Spezialensemble als Gast, das auf historischem Instrumentarium spielt? Für letztere Version hat sich die Düsseldorfer Rheinoper entschieden, um Georg Friedrich Händels „Alcina“ aus dem Jahr 1735 umzusetzen. Mit Erfolg, wie sich am Premierenabend zeigte.

Auch Rumstehtheater – Die 43. Händelfestspiele in Karlsruhe mit Händels „Tolomeo“ eröffnet

16.02.20 (Joachim Lange) -
Wenn man schon in der Manier von Theatermagier Jürgen Gosch, die Akteure, die gerade nicht dran sind, meistens auf der Bühne belässt, dann muss man sich zu der Methode bekennen und auch den entsprechenden Rahmen dafür finden. Bei Händels 25. Oper ist der Plot aber auch vertrackt. Musikalisch dagegen ist alles im Lot. Dass vor allem Orliński für jede seiner Arien gleich an Ort und Stelle gefeiert wurde, war klar, sagt unser Kritiker Joachim Lange.

5 vor 12 im Urwald: „Turandot“ extrem wild in Magdeburg

15.02.20 (Roland H. Dippel) -
Unter anderen Umständen hätte man die Entscheidung für den ganz kurzen Alfano-Schluss in der „Turandot“-Produktion am Opernhaus Magdeburg als künstlerische Faulheit kategorisieren müssen. Aber durch das perfekte Zusammenspiel der Generalmusikdirektorin Anna Skryleva und des diesmal bemerkenswert umsichtig arbeitenden Regisseurs Michiel Dijkema gelingt eine plausible und höchst unterhaltsame Puccini-Zertrümmerung. Jubelorkane für das 1926 als Fragment an der Mailänder Scala uraufgeführte Musikdrama und ausverkaufte Vorstellungen.

Irisierende Verzauberung – Lotte Reiningers Scherenschnittfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ mit Livemusik in München

15.02.20 (Wolf Loeckle) -
Das von Menschen auf diesem Planeten organisierte Zusammenleben entwickelt sich in politisch strukturierte Gesellschaften auf der Suche nach Macht und Einfluss und Territorium. Und lässt sich historisch-wissenschaftlich wie märchenhaft-zauberhaft dokumentieren. Dass in der Tat nicht nur die Grimm‘schen sondern auch die arabischen Märchen aus Tausendundeinernacht nicht nur bezaubernde Konstellationen imaginieren, erweist ein Blick hinter deren Kulissen. Die politische Realität dieser Tage dokumentiert ein Übriges.

Im Brautmodengeschäft ohne Biss – Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ am Theater Freiburg

13.02.20 (Georg Rudiger) -
In der Inszenierung viel zu eindimensional gezeichnet, aber handwerklich präzise gearbeitet und mit einer Schaum spuckenden Toilette: Eine musikalisch ergiebige „Hochzeit des Figaro“ am Theater Freiburg sah unser Kritiker Georg Rudiger.

Nachtmelodien als sanfte Lullabys: Das Adam Baldych Quartet beim BMW Welt Jazz Award

12.02.20 (Ralf Dombrowski) -
Undercut und Man Bun hat er noch. Ansonsten ist von der Wildheit des Adam Baldych nicht viel übrig geblieben. Noch vor ein paar Jahren konnte der Geiger auf der Bühne vehement aus sich herausgehen, kurzzeitig nahezu die Kontrolle verlieren, um als improvisierender Genius an der Pforte des Zbigniew-Seifert-Himmels anzuklopfen. Das ist vorbei. Der Adam Baldych, der sich mit seinem Quartett um den BMW Welt Jazz Award 2020 bewirbt, ist ein technisch brillanter, aber musikalisch redundanter, weil in der Wahl seiner künstlerischen Mittel vorhersehbarer Virtuose, der sich um die Erfüllung von Klischees, nicht um deren Vermeidung bemüht.

Stuttgarter ECLAT im Hier und Jetzt – Das Preisträger*innenkonzert

10.02.20 (Andreas Kolb) -
2020 stand mit 43 Werken und 26 Uraufführungen erneut die Musik von heute im Zentrum – Andreas Kolb berichtet ausführlich vom Preisträger*innenkonzert des Kompositionspreises der Stadt Stuttgart mit Ashley Fure und Andreas Eduardo Frank.

Zum Mega-Event gepusht – „Der Rosenkavalier“ an der Staatsoper Berlin

10.02.20 (Peter P. Pachl) -
Die sich musikalisch auf hohem Niveau bewegende Neuproduktion krankt an der all zu großen Diskrepanz zwischen Inszenierungsabsicht und Inszenierungsergebnis der mit André Heller, Xenia Hausner und Zubin Mehta als Mega-Event apostrophierten Premiere an der Staatsoper Unter den Linden. Gleichwohl ein Publikumserfolg bei dem ungewöhnlich stark mit High Society aus Wien angefüllten Auditorium.

Ein starkes Stück Musiktheater – Giselher Klebes „Der jüngste Tag“ in Detmold

Als deutscher Komponist des 20. Jahrhunderts hat sich Giselher Klebe schon als junger Mann durchaus einen Namen gemacht, erhielt er doch etliche renommierte Preise und war gleich zwei Mal als Stipendiat in der Villa Massimo. 1957 begann er seine Lehrtätigkeit an der damaligen „Nordwestdeutschen Musikakademie“ in Detmold, an der er mehr als 30 Jahre lang wirkte und auch nach seiner Emeritierung als Professor im Jahr 1990 weiterhin etliche Schüler*innen unterrichtete. Die Detmolder Hochschule nicht weniger als das Landestheater Detmold widmen sich immer wieder Klebes Oeuvre. So geriet etwa die Uraufführung der letzten von Klebe vollendeten Oper „Chlestakows Wiederkehr“ (nach Nicolai Gogols Roman „Der Revisor“) im Jahr 2008 zu einem großen Erfolg. Jetzt brachte Regisseur Jan Eßinger die 1980 entstandene Oper „Der jüngste Tag“ heraus.

Schwerter zu Leuchtstäben: „Lohengrin“ in Erfurt

09.02.20 (Roland H. Dippel) -
Regisseur Hans-Joachim Frey hatte im „Polit-Chaos“ (Sachsen TV) des von ihm verantworteten Semperopernballs nicht die erforderliche Aufmerksamkeit für die Schlussproben seiner „Lohengrin“-Inszenierung. Und Wagners dramaturgisch motiviertes Patriotismus-Dröhnen fand in der naiven Blechlastigkeit unter GMD Myron Michalidis nicht die sensible Deutung, welche man sich für dieses Prestigeprojekt im nur 24 Kilometer vom Uraufführungsort Weimar entfernten Theater Erfurt gewünscht hätte. Wohlwollender Beifall und laute Buhs.

Trunken im Lokalkolorit: die Rockrevue „Jenseits von St. Emmeram“ am Theater Regensburg

09.02.20 (Juan Martin Koch) -
„Sommernachtsalbtraum auf St. Emmeram“ hieß vor fünf Jahren eine Rock-Show, die der Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer und der Regisseur Jens Schmidl ersonnen und mit viel Lust am durchgeknallten Zombie-Spektakel auf die Bühne gebracht hatten. Das neue Stück hat damit nichts zu tun, Kloster und Schloss St. Emmeram kommen wohl nur im Titel vor, um die Fans von damals wieder ins Velodrom des Theaters Regensburg zu locken.

Es ist kompliziert – „Boris Godunow“ und „Secondhand-Zeit“ von Sergej Newski in Stuttgart

05.02.20 (Georg Rudiger) -
An der Stuttgarter Staatsoper wurde Modest Mussorgskis „Boris Godunow“ mit Sergej Newskis neuem Stück „Secondhand-Zeit“ gekoppelt. Unser Kritiker sieht Probleme: „Diese Gleichzeitigkeit von Disparatem kann überfordern, zumal häufig keine zwingenden Verbindungen geschaffen werden.“ Aber er sieht auch eindrückliche Bilder der Regie Paul-Georg Dittrichs und eine souveräne musikalische Leitung durch Titus Engel.

„Die Sache Makropulos“ in Dessau: Triumph für Iordanka Derilova

04.02.20 (Roland H. Dippel) -
Es besagt viel über gegenseitiges Vertrauen, wenn sich ein Haus mit Gastspielbetrieb wie das Theater Schweinfurt aus dem Angebot eines langjährigen Partners, des Anhaltischen Theaters Dessau, gezielt Leoš Janáčeks intensive, aber vom breiten Publikum ungeliebte Oper „Die Sache Makropulos“ heraussucht: Dieses Vertrauen in Qualität, Leistung, Überzeugungskraft und Publikumsbindung ist vollauf berechtigt. Die zweite Vorstellung der Neuproduktion im sträflich leeren Dessauer Theater am Friedensplatz wurde zu einem Triumph des Ensembles des Anhaltischen Theaters und vor allem der Sopranistin Iordanka Derilova.

Die Stille danach – Das Jewish Chamber Orchestra Munich in Berlin

04.02.20 (Konstantin Parnian) -
Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz gastierte das Jewish Chamber Orchestra Munich an der Berliner Volksbühne mit dem Dokumentarfilm „Nacht und Nebel“ von Alain Resnais, der 1956 erstmals in großem Maße Bilder des Holocaust an die Öffentlichkeit trug und damit seinerzeit große Diskussionen auslöste. Die konzertant zum Film vorgetragene Musik stammt im Original aus der Feder von Hanns Eisler.
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