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Tangomanie im Norden – Lübeck spielt Astor Piazzollas „María de Buenos Aires“

30.08.19 (Arndt Voß) -
Weltläufig gibt sich das Theater Lübeck mit seinen neun Opernproduktionen in der neuen Saison. Nur einmal liegt das Ziel in Europa, in Venedig natürlich. Meist will man in die Ferne, nach Afrika oder Asien, dreimal sogar auf den südamerikanischen Kontinent. Den Anfang machte (Premiere: 25. August 2019) dort Argentinien, wo Astor Piazzollas „María de Buenos Aires“ zuhause ist. Ihr musikalisches Idiom ist durch den Tango geprägt, weshalb Piazzolla selbst sein Werk eine „Tango-Operita“ nannte. Idee und Libretto dafür lieferte ihm der im benachbarten Uruguay geborene Lyriker Horacio Ferrer. Arndt Voß berichtet.

Giuseppe Verdis „Aida“ in urbaner Kulisse – Kiels „Sommertheater“

29.08.19 (Arndt Voß) -
In Landeshauptstädten regiert normalerweise die Politik, auch in dieser Jahreszeit. In Kiel, der nördlichsten Deutschlands, hat das Zepter für eineinhalb Wochen Verdi übernommen, nicht die Gewerkschaft, sondern Giuseppe mit seiner eindrucksvollen „Aida“. Verlässlich ist ihr Erfolg, und so ist der Rathausplatz, auf dem sie agiert, von einer gewaltigen Tribüne für mehr als 1.300 Besucher beherrscht, eine Anzahl, die auch bei sieben weiteren Aufführungen benötigt wird. Ein Bericht von Arndt Voß.

Der Klang der Welt oder der Mut zu Gefallen – Spielzeitauftakt der Staatskapelle Weimar

27.08.19 (Joachim Lange) -
Als Teil des Kunstfestes Weimar startete die Staatskapelle Weimar mit der Uraufführung der „Sinfonia di due mondi“ von George Alexander Albrecht, am Pult sein Sohn Marc Albrecht. Das Konzert verfolgte für uns Joachim Lange.

Triumphal: Pietro Antonio Cestis „La Dori“ bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

26.08.19 (Dieter David Scholz) -
Am 14. Oktober 2019 gedenkt die Musikwelt des 350. Todestages Pietro Antonio Cestis. Aus diesem Anlass haben die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik an Cestis langjährigem Wirkungsort nach mehr als drei Jahrhunderten des Vergessens die Verkleidungs- und Verwechslungskomödie „La Dori“ wieder ans Bühnenlicht gezogen. Dieter David Scholz sah einen triumphalen Höhepunkt der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal (vergeblich) versuchte, das deutsche Bildungssystem wenigstens an internationale Standards heranzuführen

25.08.19 (Theo Geißler) -
Was waren das für gemütliche Zeiten in meiner dörflichen Zwergschule Mitte der 1950er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 39 Schüler, drei Klassenstufen in einem Raum. Zum Einschwingen in den Stundenrhythmus – die Bayernhymne. Dann grell quietschende Schiefertafeln, Sütterlin als Zweitschrift, ein Setzkasten, in dem dauernd die E‘s fehlten. Strenge Lehrerinnen, versiert mit dem Tatzenstock Schülerhändchen Hornhaut anzutrainieren. Strenge Lehrer, schnell bei der Hand wenn es galt, mit dem Lineal gestochen scharfe Scheitel zu ziehen oder aufmerksame Stille durch Kopfnuss-Verteilen zu erzielen. Früh begann also die charakterliche Bildung, die intellektuelle folgte dank zweier Ehrenrunden im Gymnasium und dem 20-semestrigen Germanistik- und Philosophiestudium mit immerhin eingeschränktem Abschluss. Sonst wäre aus mir schier gar nichts geworden. Ich brauchte einfach Zeit.

Das Leben ein Kampf – Enescus „Œdipe“ bei den Salzburger Festspielen

20.08.19 (Joachim Lange) -
Mit dem „Œdipe“ von George Enescu (1881-1955) folgen die Salzburger Festspiele ihrem in Sachen Oper nur gelegentlichen Impuls, auch einmal weniger Bekanntes auszugraben und zur Diskussion zu stellen. Mit dem 85-jährigen Achim Freyer, diesem Bühnen-Magier eigenen Rechts, setzten sie zugleich auf das an der Salzach schon öfter Bewährte. Dass Freyer die Felsenreitschule mit dem 1936 in Paris uraufgeführten, wuchtig raumgreifenden Werk des Rumänen seinem Universum einverleibt hat, ist schon auf den ersten Blick unverkennbar, meint unser Kritiker Joachim Lange.

Höllisch gut – Barrie Kosky inszeniert Offenbachs „Orphée aux enfers“ in Salzburg

18.08.19 (Joachim Lange) -
Barrie Kosky kann Operette: Joachim Lange ließ sich bei den Salzburger Festspielen in Offenbachs Unterwelt mitreißen. Enorm starke Sängerinnen und Sänger, mitklamaukende Wiener Philharmoniker im Graben und ein alle Rahmen des Humors sprengender Max Hopp. Große Party.

Liebesperspektiven auch von Unten – Neue Akzente im Bregenzer Kornmarkttheater in Tschaikowskys „Eugen Onegin“

18.08.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Bregenz – das ist ja längst das Total-Festival mit Seebühne, Festspielhaus, Werkraumbühne, Jugendprogramm, Kornmarkttheater, Seeforum für Text und Musik, Festspielfrühstücken mit Künstlern undundund - und 250.000 Besuchern, gerade auch für die mit begrenztem Geldbeutel für Kultur. Zum Abschluss staunte unser Kritiker Wolf-Dieter Peter noch in einer Tschaikowsky-Aufführung.

Gefeiert – Premiere von Verdis „Simon Boccanegra“ bei den Salzburger Festspielen

17.08.19 (Joachim Lange) -
Diesmal war Valery Gergiev bei der Sache. Am Pult der Wiener Philharmoniker. Im Großen Festspielhaus in Salzburg. Mit Giuseppe Verdis Thriller aus dem Genua, als da noch Dogen das Sagen hatten. Die Wiener Philharmoniker erfüllten ihre Rolle als Salzburger Hausorchester mit Bravour. Und auch der Russe am Pult, dem gerade in Bayreuth sein „Tannhäuser“ nicht so recht glücken wollte, und der dafür von der Kritik ziemlich einhellig verrissen wurde, überzeugt! Manchmal bewusst schroff akzentuierend, kleine surreale Momente auskostend – im Ganzen ein packender Verdi für den Premierenreigen der Festspiele! Joachim Lange berichtet.

Klang und Diskriminierung – Kunstfreiheit im Fokus des Rechts [Kommentar]

17.08.19 (Martin Hufner) -
Am Freitag (16.8.2019) hatte ein Verwaltungsgericht in Berlin darüber zu entscheiden, ob ein Mädchen in einen Knabenchor in Berlin aufgenommen werden müsse. Die Rechtsvertreterin des klagenden Mädchens, die zugleich ihre Mutter ist, wollte dies mit einer Klage erreichen. Das Gericht verneinte nun diesen Wunsch. Alles im Lot? In Presse und sozialen Netzen wurde viel über den Fall „diskutiert“. Aber ist es eine Frage von Meinungen? Martin Hufner versucht die Sache aufzudröseln.

Tönend-sprechende Liebesabgründe – Die Musicbanda Franui kommentiert Schnitzlers „Reigen“ im Bregenzer Festspielhaus

16.08.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Also ehrlich: träumte nicht jeder einmal davon, dass in jenem besonderen Liebesmoment Musik in vollem Sound einsetzen würde – eben wie im Hollywood-Film? Bei den Bregenzer Festspielen garnierte nun „Franui“ den ganzen Reigen solcher Momente in Arthur Schnitzlers gleichnamigem Drama und unser Kritiker Wolf-Dieter Peter war amüsiert und frappiert.

Rossini-Opera-Festival 2019: Drei Opernpremieren in Pesaro

15.08.19 (Dieter David Scholz) -
Zum 40. Male findet an der italienischen Adria-Küste, in Pesaro, dem Geburtsort Rossinis, einem beschaulichen, unspektakulären Bade- und Fischerstädtchen im Herzen Italiens in der Provinz der Marken, das „Rossini-Opera-Festival“ statt. Für Rossini-Liebhaber ist es weltweit der führende Ort gehobener Rossini-Pflege. Vom 8. bis zum 20. August wird dort dem be­rühmtesten Sohn der Stadt gehuldigt. Rossini-Freunde aus aller Welt sind wieder angereist, um das ausschließlich Rossini verpflichtete Programm zu erleben. Dieter David Scholz war für uns vor Ort.

Zwillingswesen – Uraufführung von Zaimoglu/Senkels „Siegfried“ bei den Bayreuther Festspielen

14.08.19 (Peter P. Pachl) -
In diesem Sommer wird der 150. Geburtstag des in Bayreuth lange bewusst unterbelichteten Siegfried Wagner mit einer Reihe von Veranstaltungen begangen. Im Markgräflichen Opernhaus gab es zweimal Siegfried Wagners Oper „An Allem ist Hütchen Schuld!“ zu erleben, zwei Ausstellungen beleuchten unterschiedliche Aspekte seiner Kunst sowie Reflexionen in der bildenden Kunst über ihn. Im Rahmen von „Diskurs Bayreuth“ gab es diverse Diskussionsrunden und nun das Auftragswerk „Siegfried“ von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel als Uraufführung. Peter P. Pachl berichtet.

Tannhäuser in Bayreuth: Ovation vor erstem Ton ohne Gergiev

14.08.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Bayreuther Festspiele, „Tannhäuser“ und Katharina Wagner vor dem Vorhang – das verhieß nichts Gutes. Tatsächlich sprach sie Valery Gergiev zunächst ihr Mitgefühl für einen Todesfall im engen Familienkreis aus. Doch als sie dann ansagte, dass Christian Thielemann die Vorstellung übernehmen würde, tobte ein Jubelsturm durch das Festspielhaus, ohne dass ein Ton erklungen war.

Bücherlesen kann tödlich sein – Uraufführung des Musicals „Der Name der Rose“ auf den Domstufen in Erfurt

11.08.19 (Joachim Lange) -
Wer sich für die zweite Vorstellung der aktuellen Domstufenfestspiele entschieden hatte, war besser beraten, als die Musicalfreunde, die die Premiere der neuesten Erfurter Uraufführung gebucht hatten. Die fiel nämlich im wahrsten Wortsinn ins Wasser. Wie vor zwei Jahren schon der Trovatore musste sie wegen anhaltenden Regens noch vor der Pause abgebrochen werden. Die eigentliche Premiere gab es also erst am Samstag. Und besonders in diesem Falle muss man den Schluss gesehen haben! Die Illumination des großen Brandes der Bibliothek erfasst nämlich nach und nach die gesamte Domfassade. Auch die finale Überblendung mit der stilisierten Ruine, die der Erzähler des Abends in späten Jahren noch einmal besucht, ist ein Meisterwerk der Videokunst… Joachim Lange berichtet.

Gesungener Schinken: Riccardo Broschis „Merope“ bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

09.08.19 (Dieter David Scholz) -
Die diesjährigen 43. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik stehen im Zeihen des 500. Todesjahres Kaiser Maximilians I., der Innsbrucks Ruf als bedeutende Musikstadt begründete, und des 350.Todesjahres des Innsbrucker Hofmusikers Pietro Antonio Cestis. Im umfang­reichen Festivalprogramms wird die Schatzkiste der Musik von Habsburger Hofmusikern in hochkarätig besetzten Konzerten geöffnet – nicht zuletzt im auratischen Spanischen Saal von Schloss Ambras. Die beiden Neuproduktionen der Opern „Merope“ von Riccardo Broschi und „La Dori“ von Pietro Antonio Cesti sind Höhepunkte des diesjährigen Festivals. Am 7. August hatte „Merope“ im Landestheater Premiere. Dieter David Scholz berichtet aus Innsbruck.

Klassik-Stars im Ski-Paradies: Das Verbier-Festival 2019

07.08.19 (Regine Müller) -
In engen Haarnadelkurven schraubt sich der Shuttle-Bus von Martigny auf den Berg hinauf. In einer guten halben Stunde geht es 1000 Meter hoch, oben locken die schneebedeckten Gipfel des Montblancs und des Combins-Massivs, die Kurven werden immer enger und steiler, die Blicke zurück ins Tal erzeugen zunehmend Schwindel.

Endstation Tankstelle – Luigi Cherubinis „Médée“ bei den Salzburger Festspielen

05.08.19 (Joachim Lange) -
Im aktuellen Opernprogramm der Salzburger Festspiele haben antike Mythen gleich dreifach ihren Platz: Zur Eröffnung mit Mozarts „Idomeneo“ und jetzt mit Cherubinis „Médée“. Enescus „Oedipe“ wird noch folgen. In der „Médée“ des für seine Überschreibungen bekannt gewordenen Simon Stone ist das Ende ein Amoklauf an der Tankstelle. Obwohl die nicht – wie es wohl im Film wäre – in die Luft fliegt. Ein Lagebericht von Joachim Lange.

Kontinuität und Neuanfang: die Singer Pur Tage 2019

05.08.19 (Juan Martin Koch) -
Eigentlich war alles wie immer: In der voll besetzten Kirche auf dem Adlersberg bei Regensburg ertönte bei freiem Eintritt himmlische Vokalpolyphonie, durchsetzt von neuer Musik und Orgelklängen. Aber eben nur eigentlich: Denn Jahr eins nach dem Ende der Stimmwercktage bedeutete gleichzeitig Jahr eins der Fortsetzung des wunderbaren Festivals in Form der Singer Pur Tage.

Im Ritual erstarrt oder die Schönheit des Häßlichen – Peter Sellars und Teodor Currentzis mit Mozarts „Idomeneo“ bei den Salzburger Festspielen

04.08.19 (Joachim Lange) -
Mozarts Opern gehören nach Salzburg. Sie sind wie der „Jedermann“ oder die Musik von Richard Strauss auch in die DNA der Salzburger Festspiele eingeschrieben. Das kleine Festspielhaus wurde sogar im Jubiläumsjahr 2006 als „Haus für Mozart“ wiedereröffnet. Im gleichen Jahr gab es hier sämtliche Mozart-Opern. Joachim Lange berichtet.

Zerbrochener Speer als Kreuz – „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen

01.08.19 (Peter P. Pachl) -
Ein insgesamt großer Abend und ein musikalisches fesselndes Ergebnis des „Parsifal“ unter Semyon Bychkov, in einer nicht unproblematischen Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg, an welcher der Regisseur auch in diesem Jahr merklich weitergearbeitet und Modifikationen gesetzt hat. Peter P. Pachl hat für uns die Premiere der Neuinszenierung besucht.

Prenzlauer Berg auf Landpartie – Das Detect Classic Festival am Tollensesee

31.07.19 (Antje Rößler) -
Historische Fabrikhallen, direkt am Ufer des Tollensesees in Neubrandenburg – das ist die Kulisse für das dreitägige Detect Classic Festival, das Konzertgänger und Clubbesucher vereint. Geboten wurden Sinfonisches und elektronische Live-Klänge, Kammermusik und DJ-Acts. Antje Rößler war dabei.

Neunzigminütiger Digest – „Die Meistersinger von Nürnberg“ als Oper für Kinder in Bayreuth

29.07.19 (Peter P. Pachl) -
Während sonst für die Sonderreihe „Oper für Kinder“ bei den Bayreuther Festspielen ungewöhnliche Raumlösungen gefunden wurden, ist in diesem Jahr auf der Hälfte der Probebühne IV des Festspielhauses erstmals eine steile Tribüne errichtet. Auf der anderen Hälfte der Fläche der Probebühne ist das Orchester positioniert; davor eine Schusterwerkstatt, wie man sie auch auf dem Handwerkermarkt in Nürnberg zu sehen bekommt und in klassischer „Meistersinger“-Bühnenanordnung rechts davon das Haus Pogners – allerdings mit einem Balkon anstelle des für Beckmessers Ständchen obligatorischen Fensters zu Evas Zimmer. Ein Bericht von Peter P. Pachl.

Fulminant, überbordend, witzig – „Die Meistersinger von Nürnberg“ bei den Bayreuther Festspielen

28.07.19 (Peter P. Pachl) -
Spannend zu erleben, wie es in Bayreuth Inszenierungen gibt, die auf den ersten Blick Interesse auf Vertiefung machen, sich dann aber als wenig sinnerhellend herausstellen, andere hingegen, die von Jahr zu Jahr im Sinne der Weiterarbeit, der Idee der „Werkstatt Bayreuth“ folgend, wachsen und reifen. Die Abfolge der Premieren „Lohengrin“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“, obendrein mit identischer Besetzung in den Hauptpartien von Sopran und Tenor, ist ein Beispiel für ein sich weiter verdichtendes, an Witz und Spannung nicht abnehmendes Kunstwerk des Tertiärschemas im Kreativprozess des Musiktheaters. Peter P. Pachl analysiert.

Der Gang des grünen Ampelmännchens Richtung Publikum – „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen

28.07.19 (Peter P. Pachl) -
Die Stadt Bayreuth will Richard Wagner als grünes Ampelmännchen in die Verkehrsampeln setzen. Wird dieser Beschluss realisiert, so war Neo Rauch als Ausstatter des „Lohengrin“ in Bayreuth geradezu prophetisch. Denn am Ende der Oper läuft anstelle des rückverwandelten Gottfried ein grünes Männchen mit grün glühendem Zweig über die Bühne. Ein Bericht von Peter P. Pachl.
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