»Musik und Film« - Klingende Bilder in Hellerau


(nmz) -
Europas Grenzen sind fließend. Also kann der Kontinent kein festes Zentrum haben? Selbstbewusst behauptet sich ein Vorörtchen des sächsischen Elbstädtchens Dresden als Europäisches Zentrum der Künste.
18.09.2008 - Von Michael Ernst

Seit seinem Wechsel vom Elbhang zur Gartenstadt betont das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik Weltoffenheit. Warum also nicht mit mäanderndem Kern?

In diesem Jahr tragen die nunmehr 22. Tage der zeitgenössischen Musik ein Allerweltsthema: »Musik und Film«. Soll das Summieren der Genres etwa Moderne suggerieren, Zeitgeist gar, um den letzten Jahrgang von Zentrumsgründer Udo Zimmermann generationskonform aufzuhübschen auch für jüngeres, morgiges Publikum? Mag sein - und es wäre nur legitim. Denn Moderne-Festivals nisten noch immer im Schattenreich. Das gilt nicht nur für die Breitenwahrnehmung, sondern ebenso für die Schmalspurförderung öffentlicher Träger. Vom 30. September an wird auf der Nach-wie-vor-Baustelle Hellerau dennoch ein spannendes Programm offeriert.

Man setzt auf Bekanntes und Jubiläen, verknüpft etwa Charly Chaplin, den Filmkomponisten!, mit Hollywoodmusiken von Nino Rota, Hans Werner Henze und Astor Piazzolla, bringt Ausschnitte aus Stanley Kubricks Klassiker "2001 - A Space Odyssey" zu Live-Improvisationen von Louis Andriessen und feiert natürlich die runden Geburtstage von Olivier Messiaen und Karlheinz Stockhausen. Letzterer durfte kurz vor seinem Tod in diesem Frühjahr noch vorsichtig auf eine Komplettaufführung seines Zyklus’ "Licht - Die sieben Tage der Woche" in Hellerau gehofft haben, nun kommt zumindest "Michaels Reise", der zweite Teil des "Donnerstag", als Produktion von Carlus Padrissa (La Fura dels Baus) auf diese Spielstätte. Die vor Ort gegebenen Ressourcen nutzt das Festival für eine sonst wohl kaum zu stemmende Aufführung von Olivier Messiaens "Des Canyons aux Étoiles", interpretiert durch die Dresdner Philharmonie unter Leitung von Stefan Asbury.

Auch Noch-Intendant und Wieder-Komponist (er schreibt dem Cellisten Jan Vogler ein neues Werk für 2009) greift höchstselbst zum Taktstock und dirigiert das musica-viva-ensemble dresden im Konzert "Hollywood extra". Allabendlich werden im Festspielhaus obendrein Spätvorstellungen Experimenten geöffnet, nicht zuletzt ist gar eine Audiovisuelle Party vor den Stadttoren angesagt.

Der 22. Jahrgang hat es in sich und verdient besten Besuch: vom 30. September - 12. Oktober 2008 im Festspielhaus Hellerau.

 

 

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