Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 05.03. bis 11.03.2018


(nmz) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 10. Schwerpunkte: Frank Michael Beyer, Dimitri Terzakis, Sopranistin Katharina Konradi, Komponistin, Pianistin und Performancekünstlerin Judith Unterpertinger, Hans-Joachim Hespos, Dieter Glawischnig, Lili Boulanger ||| Huddersfield Contemporary Music Festival, Ultraschall Berlin ||| Das Erleben von (Neuer) Musik als wissenschaftliches Forschungsfeld, Zwischen Genie und Kreativitätscoach, Faust-Deutungen in der Neuen Musik, Coffee and Cigarettes – Musik im Rausch, Mit Musik rechnen – Komponieren am PC, Klangreise durch die Wüsten im Süden Australiens, Fehler – los! Vom Richtigen im Falschen, Die Nacht der Machtergreifung.
04.03.2018 - Von mh


05.03.2018


21:04 bis 22:00 | kulturradio vom rbb
Musik der Gegenwart: Frank Michael Beyer zum 90. Geburtstag

Mit Andreas Göbel. Der Berliner Komponist war der Stadt in vielfacher Hinsicht verbunden: Ein Vierteljahrhundert lehrte er an der Universität der Künste und rief dort das Institut für Neue Musik ins Leben. Er war Mitglied der Akademie der Künste und leitete 17 Jahre die dortige Sektion Musik. In seinem Schaffen verband Frank Michael Beyer Einflüsse von Johann Sebastian Bach und der Zweiten Wiener Schule zu einer komplexen eigenen Sprache, für die der Terminus „Klangpolyphonie“ gefunden wurde. Am 8. März wäre Frank Michael Beyer 90 Jahre alt geworden.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: Die Lust am Unvorhersehbaren – Das Erleben von (Neuer) Musik als wissenschaftliches Forschungsfeld

Von Leonie Reineke. Was berührt uns an Musik? Wo liegt das Schöne in dieser Kunstform? Was regt uns körperlich an? Und was fasziniert uns an unerwarteten Klängen? Diesen Fragen widmet sich ein Team von Forschern in Frankfurt am Main – am 2012 gegründeten Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. Hier untersuchen Musikwissenschaftler gemeinsam mit experimentellen Psychologen, Soziologen, Neurowissenschaftlern und Linguisten unterschiedliche Aspekte des subjektiven Erlebens von Musik: von der Frage, wann sich beim Musikhören Gänsehaut und Herzklopfen einstellen, was unter „schönen Stellen“ verstanden wird, bis hin zur „Tanzbarkeit“ oder dem Reiz des Unvorhersehbaren. Zwar sind ästhetisches Erleben, musikalischer Genuss und Geschmacksausbildung höchst individuelle Bereiche menschlicher Empfindung und Kognition; doch mittels interdisziplinärer Ansätze und empirischer Verfahren gehen die Forscher diesen vermeintlich undurchdringlichen Dimensionen von Musik auf den Grund.

23:03 | Ö1
Highlights aus Huddersfield – Die 40. Ausgabe des Huddersfield Contemporary Music Festival

Gestaltung: Rainer Elstner. Das Huddersfield Contemporary Music Festival ist das wichtigste Festival für zeitgenössische Musik auf der britischen Insel. Das 1978 gegründete Festival wurde vor zehn Jahren von Graham McKenzie übernommen und feierte im vergangen November seine 40. Ausgabe. Wir bringen Höhepunkte der Jubiläums-Ausgabe.


06.03.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Zwischen Genie und Kreativitätscoach – Zur Wandlung der Rolle des Komponisten

Von Jan Kopp. Wie verändert sich das Selbstverständnis von Musikschaffenden in einer Gesellschaft, die allen kreative Fähigkeiten zuspricht?

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Wilhelm Killmayer: Symphonie Nr. 3 – „Menschen-Los“ (Münchner Philharmoniker: Wilhelm Killmayer); Hans Werner Henze: „Der junge Törless“ (Kurt Guntner, Anja Röhn, Berthold Opower, Violine; Benjamin Rivinius, Nils Monkemeier, Viola; Florian Barak, Violoncello); Harald Genzmer: Klarinettenkonzert (Eduard Brunner, Klarinette; Bamberger Symphoniker: Hans Stadlmair); Günter Bialas: Streichquartett Nr. 5 (Auryn Quartett); Karl Amadeus Hartmann: Symphonie Nr. 1 (Cornelia Kallisch, Mezzosopran; Bamberger Symphoniker: Ingo Metzmacher)

22:05 bis 23:00 | BR-KLASSIK
Horizonte: „Dass sich das größte Werk vollende – Genügt ein Geist für tausend Hände“ – Faust-Deutungen in der Neuen Musik

Vor 210 Jahren erschien Goethes „Faust – Der Tragödie erster Teil“. Was folgte, war neben der literarischen Bezugnahme die musikalische. Im 19. Jahrhundert zog der Faust-Mythos Liszt, Mahler und Busoni in seinen Bann, im 20. und 21. Jahrhundert Henri Pousseur, Luca Lombardi, Pascal Dusapin, York Höller, Alfred Schnittke und Jan Müller-Wieland, die Musiktheaterwerke schrieben. Hans Werner Henze griff für sein drittes Violinkonzert auf Thomas Manns „Doktor Faustus“ zurück, Daniel Schnyder setzte das Diabolische im „Faust“ ins Zentrum kammermusikalischer Auseinandersetzung. Moritz Eggert kombinierte für ein Projekt mit den Bochumer Symphonikern im Jahr 2010 Eigenkompositionen mit bereits vorhandenem aus Musik und Literatur, bei dem Harald Schmidt für ironische Brechungen zuständig war. Längst liegt „Faust“ in „tausend Händen“ – Philipp Quiring hat sich umgehört.

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 ars acustica: Molecular Meditation | Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann

2 Hörstücke von Jan St. Werner. Während „Molecular Meditation“ die surreale Inszenierung eines kontemplativen Rückzugsorts mit irreführenden Meditationsanweisungen des Hohepriesters Mark E. Smith (The Fall) liefert, der ganz in der Tradition seiner anarchistisch-dadaistischen Punkagitatorik über russische TV-Moderatoren und nordenglische Mittelständler schimpft, geht es in „Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann“ um einen eher einvernehmlichen Dialog der erzählenden Stimme Damo Suzukis (Can) mit den perkussiv-abstrakten Klangen Werners. Anders als in der frei fließenden Komposition von Smith und Werner, die an den Rändern von Unscharfe und Wahnsinn arbeitet, sind hier Musik und Stimme eng miteinander verwoben. Werners Klange unterstützen die phonetischen und rhythmischen Akzente von Suzukis ruhigem Sprachduktus und sind stellenweise kaum voneinander zu unterscheiden. Beide Arbeiten waren ursprünglich für museale Raume konzipiert – für das Museum Abteiberg in Mönchengladbach und das Cornerhouse in Manchester – und tragen die Idee einer Musik, die selbst Ideenräume und Gedankendimensionen durchmisst, in den unendlichen Assoziationskosmos des Äthers.

23:03 | Ö1
Andreas Skouras. Ein begehrter Uraufführungspianist – Andreas Skouras spielt Eliasson und Aho

Gestaltung: Peter Kislinger. Der 1972 in Thessaloniki geborene und in München lebende griechisch-deutsche Pianist und Cembalist Andreas Skouras ist neben seiner Betätigung im Bereich des sogenannten Standardrepertoires ein gesuchter Fachmann für zeitgenössische Musik und daher auch ein begehrter Uraufführungspianist, der schon Werke von u. a. Charles Wuorinen, William Bolcom und Anders Eliasson erstmals öffentlich gespielt hat.

Mit seinen innerhalb eines Jahres erschienen CDs stellt er zwei Komponisten vor, die in den vergangenen Jahren verstärkte internationale Beachtung gefunden haben.


07.03.2018


00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese:  Fränkische Komponisten

Hans-Günther Allers: Quintett für Bläserquartett und Klavier, op. 92 (Ensemble Kontraste); Helmut Bieler: „Cet amour“ (Susanne Vill, Sopran; Martin Krüger, Gitarre; Bernd Kremling, Schlagzeug); Vivienne Olive: „The Dream Gardens“ (Annie Gicquel, Klavier); Andreas Dohmen: „Tempo giusto“ (Schlagquartett Köln; WDR Sinfonieorchester Köln: Stefan Asbury); Rainer Brunn: „Sellanraa“ (Duo Stringendo); Dieter Buwen: „Die Abendnebel erinnern mich von fern an alte Zeiten“ (Ensemble Phorminx); Tobias Giesen: Vier Stücke (Tobias Giesen, Klarinette; Claudia Hübl, Klavier)

20:04 bis 21:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge:  Coffee and Cigarettes – Musik im Rausch

Für die Gesundheitsapostel des 18. Jahrhunderts war er die schlimmste Droge überhaupt: der schwarze „Türkentrank“, der Kaffee.

„Tu mir den Coffee weg!“ heißt es in Bachs Kaffee-Kantate und „Trink nicht so viel Kaffee“ im bekannten C-A-F-F-E-E-Kanon. Seither aber gilt ein Tässchen Kaffee als wohl bekömmlich und auch als musikalisch anregend, sei es in den Kaffeehausliedern Saties, sei es in der Ballettmusik von Richard Strauss, wo der Mokka mit „Schlagobers“ serviert wird. Nur die kleine Zigarette dazu, die ist heutzutage  schon wieder out.. Moderation: Niels Kaiser

21:04 bis 22:00 | kulturradio vom rbb
Musik der Gegenwart: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2018

Mit Ulrike Klobes. Bei seinem Ultraschall Berlin-Gastspiel kombinierte das Trio Catch die Klarinette bzw. Bassklarinette mit dem Bassetthorn, das vor allem im späten 18. Jahrhundert eine kurze Blütezeit erlebte und auch von Mozart geschätzt wurde, dann jedoch in Vergessenheit geriet und erst wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spürbar zum Einsatz kam. Zur Uraufführung kam in diesem Konzert ein neues Werk von Isabel Mundry, ein Auftragswerk des rbb, in dem die Komponistin die klanglichen Bereiche der Kombination Klarinette – Bassetthorn erforscht. Aufnahme vom 19. Januar im Heimathafen Neukölln

23:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 JetztMusik: was stimmt – Neue Vocalsolisten Stuttgart

Robin Hoffmann: „was stimmt“ für 6 Stimmen (2004) | Karola Obermüller: „mass:distance:time“ für 6 Stimmen (2010) | Claus-Steffen Mahnkopf: „void – un delitto italiano“ für 6 Stimmen (2009) | Zeynep Gedizlioğlu: „Kelimeler“ für 5 Stimmen (2013/14).

Die Neuen Vocalsolisten erkunden Farb- und Facettenreichtum der Stimme in vier eigens für sie komponierten Werken. Darin können ganze Texte, einzelne Worte und gar nur Laute aus den verschiedensten Zeiten und Zusammenhängen eine Rolle spielen. Für den SWR hat das renommierte Ensemble die Stücke neu eingesungen.

23:03 | Ö1
Rückblick, Vorschau und aktuelle Veröffentlichungen. Zeit-Ton Magazin

Gestaltung: Nina Polaschegg. Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen ausgesuchte Veranstaltungstipps für die kommenden sieben Tage und die spannendsten Neuveröffentlichungen.


08.03.2018


00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Neue Musik: Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik

Jonathan Harvey: „Ricercare una melodia“ für Viola und Elektronik | Emmanuel Nunes: „Improvisation II – Portrait“ für Viola solo | Marco Stroppa: „Il peso di un pensiero“, Riflessioni per viola sola | Pierre Boulez: „Messagesquisse“ (Version für Viola und Zuspielung).

Heimathafen Neukölln. Aufzeichnung vom 19.01.2018. Christophe Desjardins, Viola. Drei Solo-Recitals für unterschiedliche Streichinstrumente bildeten einen der roten Fäden beim Festival Ultraschall Berlin, dem Festival für neue Musik von Deutschlandfunk Kultur und dem kulturradio vom rbb. Der französische Bratschist Christophe Desjardins wartete mit musikalischen Porträts auf. Nach einem Präludium von Jonathan Harvey zeichnet der portugiesische Komponist Emmanuel Nunes das Charakterbild einer traurigen Heldin bei Dostojewski. Die Reflexionen des italienischen Komponisten Marco Stroppa sind kleine Spiegelungen von Persönlichkeitsmomenten. Und Pierre Boulez schickt Botschafen an einen Freund, dessen Name in den Noten versteckt wird. Vier Werke, die Musik mit Sprache, Literatur und Philosophie in Verbindung bringen.

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Bayerische Komponisten

Ernst Kutzer: „Weinschenk-Suite“ (Regensburger Ensemble); Klaviertrio, op. 101 (Elisabeth Schwarz, Klavier; Erich Keller, Violine; Ulrich Bode, Violoncello); „Bayrisch durchs Jahr“ (Helmut Zöpfl, Sprecher; Anton Rosner, Tenor; Josef Neumeier, Bass; Männerchor ehemaliger Regensburger Domspatzen; Nürnberger Symphoniker: Josef Kohlhäufl); Sonate, op. 7 (Willy Horvath, Violine; Otto A. Graef, Klavier)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
KlassikPlus: „Ich werde dich Eva nennen“ – Zum 100. Todestag von Frank Wedekind

Sie gehört zu den erfolgreichsten Opern des 20. Jahrhunderts: „Lulu“ von Alban Berg. Dabei ist es ein Werk der Zwölftontechnik. Berg hatte die enorme Gabe, mit seiner atonalen Musik eine „überströmende Wärme des Fühlens“ auszudrücken, so Arnold Schönberg. 1928 hatte Alban Berg die Lulu-Dramen von Frank Wedekind für seine Vertonung bearbeitet. Bis zu seinem Lebensende hat er an der Oper komponiert. Den Siegeszug der Lulu auf der Opernbühne hat Wedekind nicht mehr erlebt. Auch sein Lulu-Schauspiel „Die Büchse der Pandora“ hat er nur in wenigen Theater-Aufführungen gesehen, es war nach der Uraufführung 1904 erstmals verboten worden. Wedekinds Werke, das zeigt sich auch in „Lulu“, leben von dem, was der Enkel des Schriftstellers, Anatol Regnier, als Wedekinds Dilemma benennt: Das männliche Dilemma „Frau“. Eine Sendung von Elgin Heuerding

20:00 bis 22:00 | NDR Kultur
NDR Radiophilharmonie: Matthias Arfmann presents „Ballet Jeunesse“

Ballettwerke unter anderem von Igor Strawinsky und Peter Tschaikowsky – recomposed

20:04 bis 22:30 | SR2 KulturRadio
Mouvement: „Die Melodie ist der Träger des musikalisches Ausdrucks“ – Dem griechisch-deutschen Komponisten Dimitri Terzakis zum 80. Geburtstag

20:05 bis 21:30 | BR-KLASSIK
Thema Musik Live: AusZeit zum Arbeiten – Stipendien als Chance und Herausforderung

Eine Weltreise oder ein Buch schreiben: Der Wunsch nach einer befristeten beruflichen Auszeit ist weit verbreitet, insbesondere für schöpferisch Tätige jedoch meist nur mit einem Stipendium realisierbar. Künstlerhäuser und Akademien fördern Künstler und Wissenschaftler, indem sie ihnen für begrenzte Zeit Atelierwohnungen oder Arbeitsstipendien zur Verfügung stellen. Sie sind im besten Fall ein Ort der internationalen Begegnung und des Kultur- und Ideenaustauschs. Seit 1998 ist die Villa Concordia in Bamberg ein internationales Künstlerhaus, in dem Literatur, bildende Kunst und Musik entstehen und etablierte Künstler mithilfe eines staatlich finanzierten Jahresstipendiums einen Ort für ungestörtes konzentriertes Arbeiten finden. Die Sende- und Veranstaltungsreihe Thema Musik Live ist in dem Barockgebäude zu Gast und spürt Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen nach, die ein Stipendium mit sich bringt. Im Gespräch mit aktuellen und ehemaligen Stipendiaten, der Direktorin Nora Gomringer und dem Philosophen Asmus Trautsch geht es um die Frage, inwieweit und unter welchen Bedingungen eine „Auszeit“ vom Arbeitsalltag kreative Prozesse anregen kann, soll oder muss, eng verbunden mit Erwartungsfreude und -druck. Aber auch darum, inwieweit Wissenschaftler und Künstler Folgen oder Ergebnisse solcher „Auszeiten“ rückwirkend fruchtbar und nutzbringend in die Gesellschaft einbringen können. Moderation: Meret Forster

21:30 bis 22:30 | hr2-kultur
„Mit Musik rechnen – Komponieren am PC“ ,Teil 1 – Eine zweiteilige Sendung von Michael Hoeldke

Lange, bevor der Computer ein Alltagsding wurde, nutzten Musikschaffende seine Möglichkeiten. In den 1950er Jahren ließ man in den USA einen Großrechner komponieren, der sonst für chemische Forschungen benutzt wurde.

Die erste Computerkomposition entstand 1957 in der University of Illinois. Heraus kam damals ein Streichquartett. Seither zieht das Digitale die verschiedensten Musikschaffenden immer wieder und immer mehr zur Informationstechnologie, um mit Hard- und Software zu komponieren, Klänge zu realisieren oder um endlich herauszufinden, was Musik eigentlich ist. Die Frage, ob der Computer dem Menschen beim Komponieren hilft, stellt sich in der ästhetischen Praxis jedes Mal neu. John Chowning, Gottfried Michael Koenig, Clemens von Reusner und andere Komponisten versuchen, eine Antwort zu finden.

22:03 bis 00:00 | SWR 2
SWR2 Hörspiel-Studio: Sodom und Gomorrha (1/3) – Nach dem gleichnamigen Roman von Marcel Proust

Komposition: Hermann Kretzschmar. Musik: Ensemble Modern. (Produktion: SWR/DLF 2018). Der vierte Roman aus Marcel Prousts „À la recherche du temps perdu“ heißt „Sodom und Gomorrha I“, erschienen in zwei Bänden zwischen 1920 und 1921. Im Alten Testament sind mit diesen Namen Städte benannt, die Gott unter einem Regen aus Feuer und Schwefel begrub, weil sie sich der Sünde hingegeben haben. Im Stadtpalais der hochadligen Familie der Guermantes hatte sich für Marcel, den Ich-Erzähler, die mondäne Welt der exquisiten Gesellschaft erschlossen. Jetzt ist es Ausgangspunkt seiner Entdeckung der Welten von Sodom als der der männlichen und Gomorrha als der der weiblichen Homosexualität. Marcel beobachtet hier die zufällige Begegnung des Décadent Baron de Charlus und des Westenmachers Jupien: Trotz aller Standesunterschiede erkennen sie plötzlich einander und nutzen sofort die Gelegenheit zum Sex. Marcel dechiffriert ab da auf der Soirée der Prinzessin de Guermantes die Gäste als Leidende und Lächerliche im Spiel des (gleich)geschlechtlichen Begehrens. Die „Recherche“ erzählt weiter: von Marcels Liebe zu der jungen und koketten Albertine Simonet, von seiner krankhaften Eifersucht bei dem Verdacht, sie begehre Frauen oder den Reisen in die Normandie nach Balbec, schließlich von der Unbeständigkeit der Herzen und der vernichtenden Wirkung der Zeit. Die Hörspielfassung wahrt die Eckpfeiler des Handlungs- und Erzählverlaufs. Sie kürzt aber radikal, um Platz zu schaffen: für umfangreiche akustische Tableaus, die den Proustschen Erinnerungsprozess in all seiner Hetereogenität belassen, in all seiner Komik und Unbarmherzigkeit.

Das Hörspiel basiert auf der neuen Übersetzung der „Recherche“ durch Bernd-Jürgen Fischer, die 2016 abgeschlossen wurde.

(Teil 2 „Die Küsten von Balbec“, Donnerstag, 15. März , Teil 3 „Betrübnisse von Monsieur de Charlus“, Donnerstag, 22. März, jeweils 22.03 Uhr)

23:03 | Ö1
An einem verhängnisvollen Morgen gemeinsam mit chra. Das neue Album von chra für Editions Mego

Gestaltung: Susanna Niedermayr. Mit „on a fateful morning“, ihrem kürzlich erschienenen, bereits zweiten Album für Editions Mego, zeichnet Christina Nemec aka chra die psychogeografische Karte einer geheimnisvoll klingenden Landschaft, in der sich das Imaginäre mit dem Unterbewussten verbindet; abstrakte Bilder aus einem fernen Raum-Zeit-Kontinuum voller nächtlicher Schönheit. Und wir werden in diesem Zeit-Ton in noch weitere Veröffentlichungen der Musikerin hineinhören, die in den vergangenen drei Jahren entstanden sind. Gemeinsam mit Gerald Potuznik hat chra etwa an dem Soundtrack zu einer Fotoserie von Wolfgang Salomon gearbeitet, die zu einer Reise in die Abgründe der so beliebten Lagunenstadt Venedig einlädt.

09.03.2018

00:05 bis 01:00 | Deutschlandfunk Kultur
Klangkunst: Echoes of Humanity – Eine Klangreise durch die Wüsten im Süden Australiens

Die Wüste lebt – das gilt nicht nur für die berühmten Sandwüsten in den USA und in Afrika, sondern auch für Australien. Dort waren die Klangkünstler Werner Dafeldecker und Lawrence English unterwegs. Entlang der historischen Telegraphenlinie zwischen Adelaide und Alice Springs haben sie erstaunlich vielfältige Ökosysteme aufgespürt und deren Klänge aufgenommen. Immer wieder stießen sie auch auf Spuren von Menschen, die in der unwirtlichen Gegend jedoch selten verweilen.

Werner Dafeldecker, geboren 1964 in Wien, lebt als Musiker und Komponist in Berlin. Er studierte zunächst am Wiener Konservatorium Kontrabass und ist an verschiedenen Improvisations-, Elektronik- und crossover-Projekten beteiligt, u. a. im Ensemble „Polwechsel“. Seine musikalischen Projekte werden oft von äußeren Einflüssen wie Architektur, Wissenschaft, Fotografie und Film abgeleitet.

Lawrence English, geboren 1976, lebt als Komponist, Medienkünstler und Kurator in Brisbane/Australien. In seiner Arbeit wirft er Fragen der Wahrnehmung und der Erinnerung auf. Er gilt als einer der einflussreichsten australischen Klangkünstler, sowohl was seine eigenen Arbeiten angeht als auch als Produzent. Zuletzt für Deutschlandradio Kultur: „Approaching Nothing“ (2014).

00:12 bis 02:00 | Bayern 2
Concerto bavarese: Fränkische Komponisten

Uwe Strübing: „Der Traum von den fünf großen H“, op. 38 (Jörg Krämer, Flöte; Lilo Kraus, Harfe; Peter Selwyn, Klavier); Stefan Hippe: „Eine Nacht in Castle Hill“ (Nürnberger Akkordeonorchester Willi Münch e.V.: Irene Kauper-Meyer); Herbert Hechtel: „A new morning“, op. 48 (Peter Sauermann, Klavier); Klaus Hashagen: „Race II“ (Percussion Art Quartett); Heinrich Hartl: „Wandlungen“, op. 115 (Moravian Philharmonic Orchestra of Olomouc: Toshiyuki Shimada); Werner Heider: „Panorama“ für einen Jazz-Klarinettisten und sechs Kammermusiker (Norbert Nagel, Klarinette; ars nova ensemble nürnberg: Werner Heider); Volker Blumenthaler: „Glasnacht“ (Ensemble L'art pour l'art: Stefan Schäfer)

19:05 bis 20:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Fehler – los! Vom Richtigen im Falschen

Von Uta Sailer. Keiner mag ihn, doch er ist Teil von uns: der Fehler – auch in der Welt der klassischen Musik, die sich gerne perfekt und vollkommen gibt. Gleichzeitig ist diese Welt geprägt von Fehlerfeindlichkeit und Wegschauen, wenn es um Fehler geht. Was aber ist genau ein Fehler? Warum macht er uns Angst? Wie gehen wir mit Fehlern um? Musiker, Dirigenten, Sänger, das Publikum? Beim Üben, auf der Bühne? Wozu brauchen wir ihn? Kann ein eigener Fehler Freude bereiten? Etwas Neues schaffen? Und macht eine Wende von der „Fehlerfeindlichkeit“ hin zur „Fehlerfreundlichkeit“, wie sie in Teilen der Gesellschaft angestrebt und teilweise bereits umgesetzt wird, auch in der Musikwelt Sinn? Uta Sailer stellt Fragen und sucht Antworten bei Orchestermusikern, Solisten, Dirigenten, Wirtschaftspsychologen, Musikpädagogen und Lernpsychologen. Dem Fehler auf der Spur …

21:05 bis 22:30 | Bayern 2
hör!spiel!art.mix: Dominic Robertson: Animalium Kepler 22B

Komposition und Realisation: Dominic Robertson. Ursendung. Die Hündin Laika war das erste Lebewesen, das der Mensch in die Erdumlaufbahn beförderte. Im Rahmen der sowjetischen Mission Sputnik 2 wurde sie 1957 in den Weltraum geschickt. Ihre Rückkehr zur Erde war nicht vorgesehen, dennoch überraschte ihr früher Tod. Jahrzehntelang war die Todesursache zudem unklar. 2002 erst wurde bekannt, dass Laika einige Stunden nach dem Raketenstart vermutlich an Überhitzung und Stress starb. Die Hündin ist mittlerweile so gut wie in Vergessenheit geraten. Seither haben wir wenig Neues gehört von Tieren im Weltall.

Auf dem Planeten Kepler 22B befinden sich nun sieben Tiere, die als Kuriositäten „des alten Lebens auf der Erde“ permanent ausgestellt werden. Im Vergleich zu ihren tierischen Vorgängern im All entschließen sie sich daher selbst aus freien Stücken ihren Planten zu verlassen. Sie reißen sich von ihren Unterdrückern los und fliegen in den Kosmos hinaus. Kann sich – in der Leere des Weltraums – ein Gecko an etwas klammern, kann ein Papagei nachplappern oder eine Katze jagen?

Inspiriert von Edward Lears Erzählung The Seven Families of the Lake Pipple Popple und mit einer Partitur für Piano und Celesta ist Animalium Kepler 22B eine poetisch-malerische Odyssee in radiophonem Technicolor.

„Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit Tieren. Ich mag Tiere – und sie mögen mich. Ein kleiner Vogel sagte mir einmal: 'All dieses Herumfliegen, über Kirchtürmen schwebend, ist schön und gut. Aber ich habe gehört, dass ihr seltsamen Kreaturen so etwas habt, das Science Fiction heißt. Und dass es durch sie möglich ist, nicht nur über diese Welt, sondern viele andere zu fliegen. Ich würde gerne wissen, wie es wäre, wenn ich meine Flügel über das hinüberschwingen würde, was ihr Nebelflecke nennt.' Dieses Hörspiel ist also für den kleinen Vogel. Bitte stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Tierfreunde einladen, am Radio zu sitzen, denn dieses Stück ist mehr für sie, als für Sie, lieber Hörer.“ (Dominic Robertson)

Dominic Robertson (auch Ergo Phizmiz), geb. 1980, lebt und arbeitet in London. Komponist, Autor, Hörspielmacher, Collagist und Filmemacher. BR-Hörspiele u.a. „Conversations with Birds“ (2012), „Hollywood. A Bestiary“ (2014), „Sonora Mystery“ (2015), „Die Bayerische Prinzessin“ (2017).

22:00 bis 22:30 | Deutschlandfunk Kultur
Einstand: Lieder-Debüt – Die Sopranistin Katharina Konradi

Manfred Trojahn: „Um Mitternacht“ aus „Drei Gesänge an Philomele“, „Ich stand in dunklen Träumen“ aus „Die kleinen Lieder“ | Lori Laitman: Drei Lieder aus „I Never Saw Another Butterfly“ | Franz Schubert: „Nacht und Träume“ D 827, „Heimliche Lieben“ D 922, „Frühlingsglaube“ D 686. Katharina Konradi, Sopran, Gerold Huber, Klavier. Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2018

23:03 | Ö1
Judith Unterpertinger. Die Poesie zersägter Klavierinnenrahmen – Die Komponistin, Pianistin und Performancekünstlerin Judith Unterpertinger im Zeit-Ton Porträt

Gestaltung: Nina Polaschegg. Als Pianistin JUUN zersägte Judith Unterpertinger Klavierinnenrahmen. Aus eben solchen hat sie sich nun ein Instrument gebaut, das sie auf Konzertreisen mitnehmen kann. Auch dessen Saiten, Holz- und Metallteile präpariert und bespielt sie mit diversen Gegenständen. Unterpertinger ist in zahlreichen Formationen aktiv, u.a. ist sie Mitglied von Deepseafish, No Business for Dogs und dem Quartett Hauff/Hess/Jackon/JUUN.

Das musikalische Spektrum reicht dabei von freier experimenteller Improvisation über Industrial bis hin zum Noise. Als Komponistin entwickelt sie ihre Werke gerne intermedial. Fotografien zum Beispiel übersetzt sie in Zeichnungen, um aus diesen schließlich Musik zu entwerfen. Ein großes Projekt mündete schließlich in eine umfangreiche Audiovisuelle Dokumentation: „Pianosublimation“, eine mehrteilige Aktion, Komposition und Performance, die sie gemeinsam mit dem Bildenden Künstler Michael Wegerer entwickelt und realisiert hat.


10.03.2018


14:05 bis 15:00 | BR-KLASSIK
Das Musik-Feature: Fehler – los! Vom Richtigen im Falschen (Wiederholung vom Freitag, 19.05 Uhr)

18:05 bis 24:00 | BR-KLASSIK
Die BR-KLASSIK-Musiknacht: Faust! – „Es kann die Spur nicht in Äonen untergehen“

Unbeugsam setzt Faust zu seiner letzten Rede an. Sein Wille zur Selbstbehauptung bleibt bis zum Tod ungebrochen. Johann Wolfgang von Goethe hat „Faust II“ zu Lebzeiten nicht veröffentlicht – er fürchtete, seine Zeitgenossen würden den Text nicht verstehen. Uns heute aber dürfte der „Wille zur Entgrenzung“, wie Christian Gerhaher es nennt, sehr vertraut sein. Neben dem Bariton reflektieren die Gesangsstars Christiane Karg, Lioba Braun, Michael Volle oder René Pape über den „Faust“. Sie alle singen Figuren aus Goethes Tragödie. Denn viele Komponisten haben sich davon inspirieren lassen, oder aus Respekt vor dem Opus magnum auf andere Faust-Erzählungen zurückgegriffen, um die darin enthaltenen Menschheitsthemen in Sinfonien, Sonaten, Opern oder Kantaten zu vertonen. Ob es um das „Ewig-Weibliche“, das Dämonische oder die Klassik geht, mit dabei sind die Autoren Martin Geck, Dieter Borchmeyer, Nobert Abels und weitere. Von Elgin Heuerding

22:05 bis 22:50 | Deutschlandfunk
Atelier neuer Musik: Klang, Stille, Schrei – mehr haben wir nicht – Hans-Joachim Hespos zum 80. Geburtstag

Von Barbara Eckle. Ein mezzoforte sucht man bei ihm vergeblich. Hans-Joachim Hespos ist ein Mann der Extreme: In seinen Stücken ist es sehr laut, sehr leise oder vollkommen still. Auch der Weg des heute 80-jährigen Komponisten verlief nicht durch die Mitte. Im Hauptberuf unterrichtete er an der Volksschule in Delmenhorst bei Bremen. Komponieren lernte er autodidaktisch. Die Zeiten des Aufbruchs in den Sechzigerjahren brachten ihm den Durchbruch. Wie ein Protestschrei hallte die kompromisslose, archaische Wucht seiner Musik durch die Welt der Nachkriegsavantgarde. Bis heute macht er Musiker und Publikum wach, fordert sie auf, ihren Erfahrungshorizont zu erweitern – manchmal bis an die Schmerzgrenze.

23:15 | Ö1
Ein Hoch auf Dieter Glawischnig! Die Ö1 Jazznacht mit Andreas Felber

Zum 80. Geburtstag: ein dreifaches Hoch auf Dieter Glawischnig! Am 7. März feiert Dieter Glawischnig seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass bittet Andreas Felber den Grazer Pianisten, Komponisten und Pädagogen, der schon Mitte der 1960er Jahre seine langjährige Zusammenarbeit mit Lautpoet Ernst Jandl begann, ab 1974 im Trio „Neighbours“ international bekannt wurde, und ab 1980 rund 25 Jahre lang als Leiter der NDR-Bigband sowie als Professor an der Jazzabteilung der Musikhochschule in Hamburg tätig war, zum Gespräch über sein langes, fruchtbares Arbeitsleben.

Im Anschluss erklingen selten gehörte Kompositionen Glawischnigs, u. a. „Die dunkle Seite des Würfels“, eine Vertonung von Texten Gunter Falks. Außerdem: ein klingender Geburtstagsgruß an Saxofonist Charles Lloyd, der am 15. März ebenfalls seinen 80. Geburtstag feiert.


11.03.2018


17:04 bis 18:00 | hr2-kultur
Kaisers Klänge: „Eine Begabung, die sich mit Anmut paart“ – Lili Boulanger zum 100. Todestag

Ihre Zeitgenossen hielten sie für talentierter als ihre Schwester Nadia, die legendäre Musikpädagogin. Als erste Frau gewann sie den begehrten „Prix de Rome“ und erhielt mit nur 19 Jahren einen Vertrag bei einem renommierten Musikverlag.

Trotzdem existieren heute kaum mehr als 20 gedruckte Werke von ihr, denn Lili Boulanger starb mit nur 24 Jahren am 15. März 1918, vor genau hundert Jahren. Für den Dirigenten Igor Markévitch war sie die „größte Komponistin der Musikgeschichte“.. Moderation: Niels Kaiser

19:30 bis 24:00 | Ö1
Breaking News: Die Nacht der Machtergreifung

Im live-Kunstsonntag mit Dorothee Frank beginnt eine Chronik des Ausnahmezustands, wie er vor exakt 80 Jahren in Österreich herrschte.

Die nationalsozialistische Machtübernahme wird mit der aktuellen Dringlichkeit einer „breaking news“-Strecke vergegenwärtigt. Mit RAVAG-Originaltönen aus jener Nacht wie der Abschiedsrede Schuschniggs oder einer Reportage über Aufmärsche, Fackelzu?ge und das Hissen von Hakenkreuzfahnen in allen Landeshauptstädten. Berichtet wird natürlich auch, was damals „off records“ blieb, wie erste Massenverhaftungen. Studiogäste analysieren das Geschehen. Zwischendurch: Viel Musik, wie sie in der Anschlussnacht im Radio lief – als ob nicht schlimmes geschehen wäre! – und populäre Nummern der Jahre davor, auch von vertriebenen MusikerInnen und EntertainerInnen.

22:00 bis 22:30 | Deutschlandfunk Kultur
Musikfeuilleton: Jenseits der Grenzen des tonalen Denkens – Die französische Komponistin Lili Boulanger

Von Bettina Brand. Als erste Komponistin gewann Lili Boulanger den „Prix de Rome“. Als knapp Dreijährige las sie bereits Noten und mit neun Jahren komponierte sie. Als die französische Komponistin Lili Boulanger im März 1918 im Alter von 24 Jahren starb, hinterließ sie Kammermusik und Orchesterwerke, doch ihre große Liebe galt der Vokalmusik. Ihre Schwester Nadia ist weltweit als Komponistin und Pianistin bekannter, doch Lili Boulanger war die begabtere. Igor Markévitch nannte sie „die größte Komponistin der Musikgeschichte“.

23:04 bis 00:00 | WDR 3
WDR 3 Studio Neue Musik – His Master´s Choice (27) Alberto Posadas