Ouvertüre mit Gaskammer - Buhrufe für «Tannhäuser» in Düsseldorf [update, 19:00]


(nmz) -
Düsseldorf - Die drastische Inszenierung von Richard Wagners «Tannhäuser» als Nazi-Verbrecher mit der Darstellung des Mordens in Gaskammern hat bei der Premiere in der Düsseldorfer Rheinoper heftige Reaktionen ausgelöst. Nach nur 30 Minuten gellten am Samstag empörte Buhrufe aus dem Publikum, verärgerte Zuschauer verließen ihre Plätze, einige knallten die Türen.
06.05.2013 - Von dpa

 

Regisseur Burkhard C. Kosminski, der Intendant des Mannheimer Schauspiels, hatte für seine erste Operninszenierung die sagenhafte Handlung um Tannhäuser im Venusberg und den Sängerkrieg auf der Wartburg in der Zeit des Nazi-Regimes und der Entstehung der Bundesrepublik angesiedelt.

Während der berühmten «Tannhäuser»-Ouvertüre sinken nackte Darsteller in einem Kreuz aus gläsernen Würfeln, die sich mit Nebel füllen, zu Boden. Der Venusberg, bei Wagner Ort der hedonistischen Liebe, wird zum Schauplatz einer brutalen Erschießungsszene. Venus in Nazi-Uniform und ihre SS-Schergen ermorden eine Familie und zwingen Tannhäuser dazu, ebenfalls zu töten.

Sänger und Chefdirigent Axel Kober, der im Sommer die «Tannhäuser»-Inszenierung von Sebastian Baumgarten auf dem «Grünen Hügel» in Bayreuth dirigieren wird, bekam langen Applaus. Regisseur Kosminski aber erntete, kaum hatte er die Bühne betreten, wütende Buhrufe. «Beleidigung» und «Alptraum» waren nur einige Reaktionen. Sogar bei der anschließenden Premierenfeier wurde Kosminski noch Zielscheibe der Wut einiger Zuschauer, so dass Opernintendant Christoph Meyer die Gäste zur Ordnung rief.

Im Jubiläumsjahr des 200. Geburtstags Wagners mag es nahe liegen, den Antisemitismus des Komponisten und seinen Einfluss auf die Nazi-Ideologie zu thematisieren. Kosminski aber hat Wagners romantischer Oper, die sich um den Konflikt zwischen exzesshafter und keuscher Liebe dreht, das NS-Motiv übergestülpt, um daran das Thema von Schuld und Sühne abzuarbeiten. Ihn bewege die Frage, wie man mit Tätern und Opfern umgehe und aus einer Welt des Schreckens heraus eine neue Ordnung konstituiere, sagte er.

Doch Tannhäusers Aufenthalt im Venusberg als Hort der sündenhaften Liebe eignet sich nicht als Metapher für die Monstrosität der Nazi-Verbrechen. Vielmehr droht die plakative Darstellung dort zu relativieren, wo nichts relativiert werden sollte. Dass in der Düsseldorfer Inszenierung Ströme von Theaterblut fließen, vergewaltigt wird und die Tannhäuser verfallene Elisabeth sich am Schluss auf der Bühne anzündet, macht es noch schlimmer.

Am Ende schenkt das blutüberströmte Kind der von den Nazis erschossenen Eltern dem Verbrecher Tannhäuser einen blühenden Zweig - als Symbol der Vergebung, die es nicht gibt. Die «Holzhammer»-Methode Kosminskis und seines Bühnenbildners Florian Etti dürfte angesichts der Millionen Toten der Nazi-Gewaltherrschaft von vielen als Beleidigung der Opfer angesehen werden.

Angesichts der Dominanz des Schauspielerischen rückte die beachtliche Gesangsleistung des schwedischen Tenors Daniel Frank, der zehn Jahre Rocksänger war, in den Hintergrund. Ansonsten setzte die Inszenierung auf Wagner-erfahrene Sänger: Markus Eiche als leidenschaftlich-tragischer Wolfram von Eschenbach, Elena Zhidkova als unterkühlte Venus, Elisabet Strid als mädchenhaft-schwärmende Elisabeth, Thorsten Grümbel als Landgraf.

Die Inszenierung habe schon während der Probenzeit heftige Diskussionen ausgelöst, erzählen Beteiligte. Tannhäuser werde zu einem «Albtraum deutscher Geschichte», heißt es im Begleitheft. «Was hat das mit Tannhäuser zu tun?», fragt ein erboster Herr, bevor er das Parkett fluchtartig verlässt.

Dorothea Hülsmeier

 

[update, 19:00]

Rheinoper bestürzt über Kritik an «Tannhäuser»-Inszenierung

Düsseldorf - Die Deutsche Oper am Rhein hat bestürzt auf die heftige Kritik an der «Tannhäuser»-Inszenierung mit drastischen Nazi- und Holocaust-Szenen reagiert. «Die Inszenierung nutzt die furchtbaren Verbrechen des Nationalsozialismus nicht als Staffage oder zur Skandalisierung als Selbstzweck, sondern zeigt die umstrittenen Szenen als Beleg für eine unfassbare Schuld», erklärte Intendant Christoph Meyer am Montag. «Damit verhöhnt sie keine Opfer, sondern beklagt sie.»

Die Premiere des «Tannhäuser» in der Regie von Burkhard C. Kosminski hatte am Samstagabend in Düsseldorf wegen der drastischen Darstellung von Nazi-Morden und Tod in Gaskammern Empörung bei vielen Zuschauern ausgelöst. Die jüdische Gemeinde in Düsseldorf kritisierte die Inszenierung als «geschmacklos». Wagner sei zwar ein «glühender Antisemit» gewesen, sagte Gemeindedirektor Michael Szentei-Heise der Deutschen Presse-Agentur. Aber dem Komponisten dies «auf der Bühne so um die Ohren zu schlagen, halte ich für nicht legitim». «Wagner hatte mit dem Holocaust nichts zu tun», sagte Szentei-Heise. Eine Absetzung verlange die jüdische Gemeinde aber nicht.

Operintendant Meyer räumte ein dass die Heftigkeit der Reaktionen dem Haus verdeutlicht habe, dass diese Inszenierung «manche Zuschauer aufgrund individueller biographischer Erfahrungen» verstöre. «Wir nehmen diese Menschen sehr ernst und werden das Thema intern diskutieren», sagte er. «Nichts liegt uns ferner, als die Gefühle derjenigen Menschen verletzen zu wollen, die vom Nationalsozialismus persönlich betroffen sind.»

Die Rheinoper steht aber weiterhin zu der umstrittenen Inszenierung Kosminskis. Man habe sich schon zum Zeitpunkt des Entwurfs auf ein künstlerisches Konzept eingelassen, bei dem man mit Widerspruch habe rechnen müssen, sagte Meyer.

 

Wer sind die Hausbesetzer in den Opernhäusern?

Wem die Partitur nicht ausreicht, wer “eigene Werke” aus den Werken Anderer zurechtschnitzen will, dokumentiert doch wohl nur eines. Der gesamte “Kultur”-Betrieb der sogenannten “Hochkultur” ist von Söhnen oder Töchtern einer Lobby unterwandert, die den Begriff “Kunst” zu einer Sachverhaltsquetsche eigener Unzulänglichkeiten degradieren. In diesem Wege wird deutlich, was mit der “Kultur als Standortfaktor” gemeint ist. Es geht um Etats und die Verteilung der Etats. Mittel werden eingeworben, und ihr Grund und ihre Höhe nach dem Namen der Protegés verhandelt, die ihren unqualifizierten Nachwuchs in “Kulturbetriebe” einschleusen, in denen sie zuvor wohlweislich jede künstlerische Substanz zerstört haben. Dass hier ausgerechnet die Gaskammern als “Metaphern” für etwas eingesetzt werden, zeigt die wahre Herkunft dieser Klitterer.
Wer dennoch solche Aufführungen als Zuschauer besucht und den Ungeist der pseudokünstlerischen Protagonisten mit seinen Geldmitteln unterstützt, macht sich mitverantwortlich dafür, dass sie den Begriff der “Kunst” für ihre unlauteren Zwecke instrumentalisieren. Werft sie allesamt hinaus und setzt sie auf eine schwarze Liste, die ihnen sofort in jedem Theater und in jedem Opernhaus den Stuhl vor die Tür stellt, und das für alle Ewigkeit. Wer vom Wahn befallen der Auffassung ist, dass er selbst authentische Botschaften aus “Walhall” vermitteln und verderbte Ideologien auferstehen lassen muss, gehört wahrhaftig in ein Irrenhaus und in kein Theater.


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