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Partiell entschlüsselt – Bellinis „La Somnambula“ an der Deutschen Oper Berlin

27.01.19 (Peter P. Pachl) -
Vincenzo Bellinis Oper „La Somnambula“ aus dem Jahre 1831 verfügt über eine bis heute lückenlose Aufführungstradition, auch wenn die Aufführungszahlen in den vergangenen Decennien von der „Norma“ dieses Komponisten überrundet wurden. Die vor sieben Jahren in der Kritikerumfrage der „Opernwelt“ zur „Aufführung des Jahres“ gekürte Stuttgarter Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito, wurde für die Deutsche Oper Berlin neu einstudiert, das einstige Skandalon nunmehr fast widerspruchslos akzeptiert.

Kurschatten können tödlich sein – Hector Berlioz‘ „Trojaner“ in Paris

27.01.19 (Joachim Lange) -
Die Musterexemplare der Grand opéra gehören an die Bastille-Oper. Wohin auch sonst. Das Genre ist gleichsam der französische Wagner. Bedarf in Paris aber der Pflege. Gerard Mortier etwa war kein Fan. Auch das Haus ist selbst so was von grand, dass es dem Besucher manchmal Angst macht. Wenn er nach der Vorstellung den Saal verlassen will etwa. Oder vor der Vorstellung versucht, die Garderobe loszuwerden. Oder in der Pause das bewusste Örtchen … lassen wir das. Frankreich hat andere Vorzüge. Und größere Probleme.

Virilität und Virtuosität: Ernst Kreneks „Jonny spielt auf“ im Nationaltheater Prag

27.01.19 (Roland H. Dippel) -
Es ist die erste Produktion von Ernst Kreneks Zeitoper in Prag nach der Erstaufführung 1927 am Neuen Deutschen Theater, die dort wenige Monate nach der Leipziger Uraufführung auch Alexander Zemlinsky dirigiert hatte. Die Neuinszenierung des größten Opernerfolgs der Weimarer Republik im Nationaltheater Prag findet mit Poesie und feinem Witz szenische Entsprechungen zu Kreneks Stilpluralismus, der weit über das vom Komponisten selbst dementierte und noch immer für dieses Werk verwendete Schlagwort der „Jazzoper“ hinausweist. Denn natürlich steht „Jonny spielt auf“ auch in freundlicher Nähe zu den sinnlichen Neuromantikern und sogar zum „Weißen Rössl“.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 28.01. bis 03.02.2019

27.01.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 05. Oliver Schneller | Beethoven im gegenwärtigen Musikschaffen | Festival Leicht über Linz | Anton Webern | Der mikrotonale Kontrabass | Musik zur Shoa | Scharoun Ensemble Berlin | Christian Dierstein | Wien Modern | Schubert-Re-Visionen | Werkzeuge der Neuen Musik – Die Viola | Das Verhör des Lukullus | Hörspiel des Monats | Der Pianist Martin von der Heydt | Federico Mompou und die Mystik einer música callada | Witten | Die Welt der Hardangerfiedel.

Castellucci mit Scarlattis „Il primo omicidio“ in Paris

26.01.19 (Joachim Lange) -
Bei Alessandro Scarlatti (1660-1725) ist es so ähnlich wie beim etwas jüngeren Kollegen Händel – der hat irgendwann auch Opern in das Gewand von Oratorien gepackt. Oder doch zumindest mit Hinblick auf ihre dramatische Wirkung komponiert. So kann man sie heute getrost jenseits konzertanter Strenge durchaus als Bühnenereignis zelebrieren. Scarlattis 1707 in Venedig uraufgeführter „Il primo omicidio“ (Der erste Mord) ist dafür ein Beispiel.

TaubenSchiss – die „Politik & Kultur“-Trump-Fakes

25.01.19 (Theo Geißler) -
München: Google und die Ethik der künstlichen Intelligenz | Kopenhagen: Smarter Lautsprecher sollen sehen | Dresden: Rassistisches Lehrmaterial | Peking/Washington: Hirnaktivität und Donald Trump. Die aktuellen Fake-News, zusammengestellt von Theo Geißler

Kurz-Schluss – Wie ich einmal die überaus wunderbaren Vorzüge künstlicher Intelligenz (KI) kennen und schätzen lernen durfte

25.01.19 (Theo Geißler) -
Eigentlich schien ich nach etlichen schlaflosen Nächten ganz sanft träumend in jenen Tag – daran erinnere ich mich noch genau – hineinzugleiten. Ich saß an meinem DOS-betriebenen 386er PC. Es musste wohl bald ein halbes Jahrhundert her sein. Jedenfalls war ich dabei, mittels einer kleinen Manipulation der Konfigurationsdatei den gut 500 Kilobyte großen Arbeitsspeicher weitere zehn bis zwölf hinzuzufügen. Da wurde es plötzlich hell. [Vorabdruck aus der Politik & Kultur 2019/1-2]

Nach dem Schuss ist vor dem Schuss – Ballettabend am Theater Dessau

23.01.19 (Joachim Lange) -
Tomasz Kajdański macht aus der Carmen-Suite von Rodion Schtschedrin nach Bizets Oper und Manuel de Fallas „Der Dreispitz“ am Anhaltischen Theater Dessau einen packend unterhaltsamen Ballettabend.

Strangulation erspart die Guillotine – Giordanos „André Chénier“ in Schwerin

22.01.19 (Arndt Voß) -
Drastisch in der Handlung und schrill in den Farben serviert das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin Umberto Giordanos „André Chénier“ (Premiere: 18. Januar 2019). Die spektakuläre, zugleich ungewöhnlich üppige Inszenierung, die Roman Hovenbitzer erarbeitete, packt den Zuschauer. Expressiv und temporeich, dabei oft sinnlich überbordend, werden die chaotischen Zustände vor und während der Französischen Revolution vorgeführt, ein Zeitbild der besonderen Art! Dazwischen geraten die privaten, idealisierten Gefühle der drei Protagonisten unvermeidlich in die Nähe des Kitsches.

Instagram und Polit-Utopie – Mozarts „Zaide“-Fragment im Münchner Prinzregententheater

22.01.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Lessings „Nathan der Weise“ wurde erst 1783 uraufgeführt. Da hatte Mozart schon die vor 1780 fertigen 15 Arien seiner „Zaide“-Komposition beiseitegelegt. Den damals populären „Türken-Stoffen“ fügte er stattdessen mit der 1782 uraufgeführten „Entführung aus dem Serail“ ein Juwel hinzu. Die erst nach seinem Tod wiedergefundenen Arien und Musikteile der „Zaide“ sind Fragment. Die x-fachen Bearbeitungen seither gäben fast Stoff zu einer eigenen Oper.

Warten auf Anatol – Die Oper Magdeburg glänzt mit Samuel Barbers Oper „Vanessa“

21.01.19 (Joachim Lange) -
„Vanessa“ – das klingt irgendwie nach einem Illustriertentitel. Oder nach Hollywood. Bei der regieführenden Intendantin der Oper Magdeburg Karen Stone und ihrem Ausstatter Ulrich Schulz sieht es auch etwas danach auch. Vanessa ist die Frau, um die der Amerikaner Samuel Barber (1910-1981) eine Oper geschrieben hat. Seit ihrer Uraufführung an der MET 1958 hat sie den Kanon des Genres im 20. Jahrhundert zwar nicht revolutioniert, aber sich widerstandslos ganz gut einfügt. Die Rubrik, in der es um scheiternde Beziehungen und geheime Obsessionen geht, ist ja ohnehin beliebig erweiterbar. Das Libretto für Barbers einzige Oper schrieb sein Lebensgefährte Gian Carlo Menotti (1911-2007). Selbst Opernkomponist, hat er schon von daher ein gewisses Feeling für eine operntaugliche Story.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 21.01. bis 27.01.2019

20.01.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 04. Matthias Pintscher | Die Neue Rechte und die Neue Musik | Mathias Monrad Møller | John Tavener zum 75. Geburtstag | Beethoven abgespeckt – Heroisches für die Westentasche | Klangforum Wien und die Jungen Wilden | Donaueschinger Musiktage 2018 | Forum N | Werkzeuge der Neuen Musik – Die Viola / Die Gitarre | Der Musik-Cyborg – Der Algorithmus und ich | Neue Aufnahmen von Anna Korsun | Frauen-Empowerment aus Zimbabwe | Musik zur Shoa | Rameau Reflexe.

Jenseits-Reise mit lieb gewonnenen Opernfiguren: Claude Viviers „Kopernikus“ an der Berliner Staatsoper

19.01.19 (Peter P. Pachl) -
Der Komponist Claude Vivier, 1983 im Alter von knapp 35 Jahren von einem Stricher ermordet, hat in seiner dritten geplanten Oper in mysteriöser Weise den eigenen Tod konzipiert. Auch sein einziges vollendetes Bühnenwerk „Kopernikus“ ist stark autobiografisch und handelt vom Tod als Übergang. Die rundum stimmige Aufführung ist ein singuläres Opernereignis.

Musikalisch reizvolles Maskenmusiktheater: „Himmelerde“ an der Staatsoper Berlin

18.01.19 (Peter P. Pachl) -
„Linden, 21“ nennt sich ein neues Format für Uraufführungen im großen Haus der Staatsoper Unter den Linden. Als erstes in der von Intendant Matthias Schulz innovierten Reihe erfolgte – in Koproduktion mit dem Theaterhaus Stuttgart und den Ludwigsburger Schlossfestspielen – eine Art szenischer Liederabend. Die Innovation galt dabei weniger dem Inhalt oder der szenischen Umsetzung als der musikalischen Bearbeitung durch das alpenländische Ensemble Franui.

Perspektivenwechsel Teil Zwei: „L’Africaine“ nicht nur von Meyerbeer an der Oper Halle

17.01.19 (Roland H. Dippel) -
Im zweiten der vier Teile des Kooperationsprojektes „I like Africa and Africa likes me – I like Europe and Europe likes me“ merkt man strukturell, aber (noch) nicht im künstlerischen Prozess, wohin sich Giacomo Meyerbeers Grand-Opéra „L'Africaine“ an der Oper Halle entwickelt.

Wurzel-Behandlung: Die 3. Internationalen Messiaen-Tage in Görlitz/Zgorzelec

17.01.19 (Michael Ernst) -
Das Thema wurde dreisprachig verkündet, und es ist europäisch: „Wurzeln – Korzenie – Roots“ stand über den diesjährigen Messiaen-Tagen in der Doppelstadt Görlitz Zgorzelec.

Ernst von Siemens Musikpreis 2019 an Rebecca Saunders

17.01.19 (PM - EvS) -
Der internationale Ernst von Siemens Musikpreis geht 2019 an die britische Komponistin Rebecca Saunders. Die Auszeichnung für ein Leben im Dienste der Musik ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 7. Juni 2019 im Münchner Prinzregententheater statt. Insgesamt vergibt die Ernst von Siemens Musikstiftung über 3,5 Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern.

Viel Psychologie – „Dead Man Walking“ von Jake Heggie am Theater Bielefeld

Es ist die wahre Begebenheit im Leben der amerikanischen Ordensschwester Helen Prejean, die mehr zufällig in Kontakt kam mit dem zum Tod verurteilten Vergewaltiger und Mörder Joseph De Rocher. Ihre Erfahrungen während der jahrelangen Begegnung mit ihm schrieb Helen Prejean (Jahrgang 1939) in einem Buch auf, aus dem Regisseur Tim Robbins 1995 einen Film machte (mit Susan Sarandon in der Rolle der Schwester, die dafür einen Oscar bekam). Wenige Jahre später entstand aus dem Stoff die Oper „Dead Man Walking“ von Jake Heggie, uraufgeführt im Oktober 2000 an der San Francisco Opera.

Sinnlich, abgründig – Mozarts „Don Giovanni“ in Luzern

14.01.19 (Georg Rudiger) -
Eine verschwommene, bärtige Gestalt in der Ferne, eine gezückte Pistole im Vordergrund. Der Schuss fällt, der Mann geht zu Boden. Im Sterben hebt er flehend seine Hände. Aber der Täter schaut nur hin und wartet, bis der Körper erstarrt. Dieser Don Giovanni zeigt am Luzerner Theater von Beginn an seine fehlende Empathie. Sich selbst zeigt er nicht. Dennoch erfährt man viel mehr über ihn als in vielen anderen Inszenierungen.

Mit zahlreichen ästhetischen Querverweisen – Uraufführung von Beat Furrers „Violetter Schnee“ an der Staatsoper

14.01.19 (Peter P. Pachl) -
Das ist selten und spricht umso mehr für den Erfolg einer Musiktheaterproduktion, wenn diese einen deprimierenden Inhalt hat, aber zu einem rauschenden Erfolg wird. Am Tag vor der Uraufführung hatte es in Berlin geschneit. Und Nachrichten aus Bayern sprechen von Schneelawinen und eingeschlossenen Menschen. Der Zeitpunkt für die Uraufführung von Beat Furrers einaktiger Oper „Violetter Schnee“ war somit von der Staatsoper Unter den Linden zufällig richtig gewählt. Fünf Menschen, eingeschlossen wie in Jean-Paul Sartres „Die geschlossene Gesellschaft“, erleben wie die Insassen von „Solaris“ ein Naturphänomen vor dem Exitus.

Der Punkt auf dem i – DNT Weimar mit einer semiszenischen „Così fan tutte“

13.01.19 (Joachim Lange) -
Ein Opernhaus steht mit einem kompletten DaPonte-Zyklus im Spielplan allemal besser da, als ohne. „Figaros Hochzeit“, „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ sind und bleiben bestens funktionierende Stücke mit genialer Musik. Alle drei. Mozart eben. Das Deutsche Nationaltheater Weimar begann mit einem knallig bunten Figaro von Michael Tolke, ließ darauf Demis Volpis betont nachdenklichen Don Giovanni folgen und komplettiert diese Erfolgstrias der Operngeschichte jetzt mit Nina Gühlstorffs „Così fan tutte“-Version.

Korngold-Entdeckung beim Operetten-Workshop des Deutschen Musikrats: „Rosen aus Florida“ an der Musikalischen Komödie Leipzig

13.01.19 (Roland H. Dippel) -
Es war vom 08. bis 13. Januar 2019 der 16. Operetten-Workshop Junge Dirigenten mit Abschlusskonzerten in der Musikalischen Komödie Leipzig. In den Proben unter der künstlerischen Gesamtleitung von Stefan Klingele saß auch Roland Seiffarth, der Initiator des Projekts, und beobachtete, wie die Werkauswahl für das Dirigentenforum des Deutschen Musikrats immer raffinierter und in diesem Fall für Interpreten deutlich komplizierter wird. Nach „Das Lied der Liebe“ lagen die Noten zu Erich Wolfgang Korngolds erfolgreichster Operette „Rosen aus Florida“ (Wien 1929) nach Fragmenten von Leo Fall in der Dialogbearbeitung von Christian Geltinger und Stefan Klingele auf den Pulten: Schwierig, prickelnd, raffiniert!

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 14.01. bis 20.01.2019

13.01.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 03. Boulanger Trio | Ensemble Mixtura | Komponist Klaus Lang | Komponist Sebastian Claren | Barbara Strozzi | Gedanken an Friedhelm Döhl | Neue, innovative Orgelbauten | Donaueschinger Musiktage | Art’s Birthday 1 | Hackbrett als Welt-Klassikinstrument | Studio Elektronische Musik | Werkzeuge der Neuen Musik – Die Gitarre | Heroisches für die Westentasche | Tiflis auf dem Weg zur Musikmetropole | Rameau Reflexe.

Zum Silvesterkonzert des RSB mit einer Uraufführung von Georg Katzer

06.01.19 (Michael Kube) -
Traditionen sind entlarvend, gerade wenn man näher hinschaut. Dies betrifft insbesondere Beethovens Neunte: Vor genau einhundert Jahren und mitten im Ersten Weltkrieg wirkte der Berliner Volkschor bei einer Aufführung vor (wie es heißt) „Arbeiterpublikum“ mit. Heute findet sich im Konzerthaus hingegen ein gut betuchtes Auditorium ein, um den globalen Erschütterungen trotzend wenigstens hier am hehren Idealismus von Schillers Ode ungebrochen festzuhalten. Für Vladimir Jurowski, seit 2017/18 Chef des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, gab es daher nur die Option, der wiederholten Aufführung durch Läuterung frisches Leben einzuhauchen – an Silvester 2018 (und vielleicht nun auch selbst traditionsstiftend) mit der Uraufführung von „discorso“ von Georg Katzer.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 07.01. bis 13.01.2019

06.01.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 02. Ultraschall Berlin – Festival für neue Musik 2019 | Bildende Künstler als Musiker | Erik Bünger | Peter Eötvös | Karlheinz Stockhausen: „Inori“ | Klirrende Klänge – Winter wie früher | Barbara Strozzi | Donaueschinger Musiktage | Werkzeuge der Neuen Musik – Die Violine | Klangkunst von Katharina Schmitt | 300 Jahre Markgrafentheater Erlangen | Komponist und Dirigent Thomas Müller | Musik der Welt: Gotland | Bach reloaded | 85 Jahre Fahrstuhlmusik | Neue Musik: Witten 1969 – 2018.
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