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(nmz) -
Regensburg: Polizeiposten zu Musikschulen +++ Berlin: BER wird Kammeroper +++ Mountain View: Google macht Musikunterricht +++ Mannheim: Studiengang für deviante Popstars +++ Bregenz: Tauchkurse für Turandot +++ Berlin: Taxiunternehmen kooperieren mit Verband deutscher Musikschulen
06.12.2014 - Von Theo Geißler

Regensburg: In Anlehnung an das Vorbild des „Regensburger Hauses der Musik“ – nach Renovierung samt Musikschule bestens beherbergt in einer ehemaligen Polizeistation – will die Bayerische Staatsregierung umfassend aktiv werden: In Umkehrung des Satzes von Ex-Innenminister Otto Schily „Wer Musikschulen schließt, schadet der inneren Sicherheit“ werden beginnend mit der Münchner Ettstraße fünfzig Prozent der Polizeiposten in Musikschulen umgewandelt. Die bayerischen Musikakademien bereiten schon die Umschulung von elftausend Ordnungshütern zu Musikpädagogen vor.

Berlin: Weil sich die Renovierung der Staatsoper um weitere hunderte von Millionen Euro verteuern soll, plant der künftige Kultursenator Tim Renner einen Super-Coup: Er will das ohnedies marode Gemäuer in Übungsräume für Pop-Bands umfunktionieren und das Opernhaus aufs Gelände des im Bau befindlichen Großflughafens BER verlegen. Dort spielen Kostensteigerungen bekanntlich keine Rolle. Es gibt jede Menge Parkplätze und Dank eines Spielplanes mit mondänen, chiquen Kurzopern könne dort ein mobiles, jugendlich-dynamisches Publikum erreicht werden – das gerade in Zeiten häufiger Streiks anspruchsvolle Ablenkung verdiene. Bei mehrtägigen Arbeitsniederlegungen soll das komplette Bayreuther Ring-Ensemble eingeflogen werden – per Hubschrauber natürlich.

Mountain View USA. Google steigt in die Musikerziehungsbranche ein und wird sogenannte Webinare anbieten, in denen, via Internet, online computergesteuerter Musikunterricht abgehalten wird. In einer ersten Testphase habe man dies schon erfolgreich erproben können. Als Belege der vorzüglichen Funktionsweise führen die Computerexperten die Musikalisierungsversuche bei Helene Fischer, Justin Bieber und Anne-Sophie Mutter an.

Mannheim: Das exaltierte, teils als ausgesprochen deviant zu wertende Auftreten zahlreicher Pop-Stars hat den Chef der Pop-Akademie, Udo Dahmen, zur Einrichtung eines besonderen Studienganges veranlasst. Er will zappelnde und grimassierende Interpreten im Rahmen einer inklusiven Verhaltens-Intervention auf den Boden gesellschaftlich normaler Verhaltensweisen zurückholen. Angemeldet haben sich bereits Xavier Naidoo, Joe Cocker und die „Toten Hosen“.

Bregenz: Erneut können Opernfans in der kommenden Saison das Spiel auf dem See nicht nur von der Tribüne aus erleben, sondern als Statisten und Kleindarsteller selbst Teil einer spektakulären Inszenierung werden. Gefragt sind Zofen, Henkersknechte und ein Prinz von Persien. Für die Oper Turandot suchen die Bregenzer Festspiele Männer und Frauen, die während der Probenphase im Juni sowie an den Aufführungstagen zur Bregenzer Theaterfamilie am Bodensee gehören möchten. Vorzulegen ist ein Leistungsschwimmer-Zeugnis, ein Beleg über die Fähigkeit, zwanzig Minuten ohne Luftzufuhr tauchen zu können. Der Henker soll über chirurgische Grundkenntnisse verfügen.

Berlin: Nachdem der Fahrdienstvermittler UBER seine Kooperation mit dem Musikstreamingportal Spotify bekanntgegeben hat, wonach die Kunden demnächst für Taxifahrten selbstgewählte Musik beim Fahren hören können, gehen die traditionellen Taxiunternehmen in die Gegenoffensive: In Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Musikschulen bieten sie ihren Gästen die Nutzung von Musikinstrumenten aus der musikalischen Früherziehung an. Die Fahrzeuge werden mit Trommeln, Xylophonen und Blockflöten ausgestattet. Nun können die Passagiere Musik, die sie hören wollen, selbst während der Autofahrten produzieren. Unterstützt werden sie dabei von den Fahrern, die zu 99% ohnehin ehemalige Musikstudierende sind.

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