Von ätherisch bis erdig – Eva Kruses „On The Mo“ beim BMW Welt Jazz Award


(nmz) -
Wie es sich anfühlt, auf dem Siegertreppchen zu stehen und dann einen schweren Pokal sowie einen dicken Scheck in die Hand gedrückt zu bekommen, das hat Eva Kruse beim BMW Welt Jazz Award schon einmal erleben dürfen – 2009, als der Wettbewerb zum ersten Mal ausgerichtet wurde, hat sich die Bassistin mit den Kollegen Michael Wollny und Eric Schäfer als „Trio (em)“ gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Jetzt kam die auf einer autofreien schwedischen Insel lebende Norddeutsche mit ihrer Band „On The Mo“ zurück an den Ort ihres damaligen Triumphs. Es wäre nicht verwunderlich, wenn sie es mit diesem Quintett zumindest wieder ins Finale schafft.
13.03.2017 - Von Ssirus W. Pakzad

Denn Eva Kruses Musik ist nicht nur handwerklich über jeden Zweifel erhaben, sie besitzt auch ein Gesicht mit klaren, schönen Zügen. Ein besonderer Coup ist der 38jährigen mit der Besetzung der beiden Bläser gelungen. Die sorgen als Einheit für den „Signature Sound“ der Formation „On The Mo“. Die Oboe, gespielt von Kruses hochschwangerer Cousine Tjadina Wake-Walker und das Saxofon von Uwe Steinmetz (Alt und Sopran) umschlingen sich nämlich inniglich, wenn sie mal Kürzelhaftes, mal geschwungene Melodien zusammen intonieren. Das tönt angenehm eigen und irgendwie herrlich ätherisch – und wirkt noch besser, weil der schwedische Pianist Christian Jormin, der mächtig hinlangende Schlagzeuger Eric Schaefer und die Bassistin Eva Kruse für Kontraste sorgen. Die Rhythm Section legt keinen undifferenzierten esoterischen Wohlklang unter die Holzbläser, sondern geht meist sehr dynamisch zur Sache und kreiert erdige Grooves. Das hat oft richtigen Bums.

Dann wieder erklingen ganz entrückte, zum Versinken schöne Passagen, in denen Eva Kruses rundes, elegantes, durchdachtes wie gefühlvolles Bassspiel bestens zur Geltung kommt. Ihre wohl dosierten Soli belegen, warum die Wahl-Skandinavierin zu dem diesmal „Bass Erstaunt“ übertitelten Wettbewerb des BMW Welt Jazz Awards eingeladen wurde.

Jetzt hat die Jury die Qual der Wahl. Nach sechs Matinee-Konzerten muss sie diese Woche entscheiden, wer am 6. Mai im Auditorium der BMW Welt um das satte Preisgeld (€ 10.000) und den Pokal spielt. Schicken die Damen und Herren den hochmelodischen Trio-Jazz des Dänen Chris Minh Doky in die Endrunde, das lyrische Duo Lars Danielsson/ Grégory Privat vielleicht oder das spannende Symmetrie-Konzept des Münchners Henning Sieverts? Kommt das fünfköpfige Gremium ernsthaft um eine Final-Teilnahme des überirdisch Bass spielenden Franzosen Renaud Garcia-Fons herum, der in seiner Musik die Metropole Paris so stimmungsvoll feierte? Lassen die Juroren die Australierin Linda Oh noch einmal aus New York anreisen, der Stadt also, die ihre Musik so geprägt hat? Oder muss Eva Kruse noch einmal die Koffer packen und ihren Bass für einen erneuten Trip nach München verstauen? Wir werden es bald wissen. Am 16. März soll die Entscheidung bekannt gegeben werden.

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