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Die spinnen, die Römer: Peter Konwitschny inszeniert Bellinis „Norma“ an der Semperoper

14.10.21 (Michael Ernst) -
Wir befinden uns im zweiten Oktober von Corona. Ganz Deutschland ist von den Viren besetzt … Ganz Deutschland? Nein! Einige von unbeugsamen Menschen bevölkerte Inseln hören nicht auf, dem kulturellen Stillstand Widerstand zu leisten. Sie sorgen für lebendige Kunst. Als Anfang Oktober in der Semperoper Dresden die Premiere von Vincenzo Bellinis Oper „Norma“ gefeiert wurde, war von Asterix kaum eine Spur.

Koloraturen, Komik und Klamauk – Belcanto-Ulk mit Donizettis „Viva la Mamma!“ in Lübeck

12.10.21 (Arndt Voss) -
Aller guten Dinge sind Drei, im Norden jedenfalls, denn alle Opernhäuser bedienten dort fast zeitgleich ihr Publikum mit dem buffonesken Genre. Kiel tat es vor drei Wochen mit Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“, märchenhaft und eher grotesk vermummt. Schwerin folgte vor zwei Wochen mit Ligetis weltumfassendem „Le Grand Macabre“ und wollte deftig und abstrus schocken. Die Lübecker Komikvariante mit Gaetano Donizettis „Viva la Mamma!“ beschloss nun den Reigen (9. Oktober 2021), leicht serviert und mit Lust zum Schrägen.

Offenes Mini-Drama: Uraufführung des Opernfragments „Malva“ bei „Zemlinsky 150“ in Prag

11.10.21 (Roland H. Dippel) -
Im Rahmen des auf vier Jahre geplanten deutsch-tschechischen Kulturprojekts „musica non grata“ widmete die Prager Oper dem Komponisten Alexander Zemlinsky zu dessen 150. Geburtstag ein Festival-Wochenende in der Staatsoper, der Spanischen Synagoge und dem Musikmuseum. Dessen Höhepunkt war die Uraufführung des von Antony Beaumont in eine aufführungspraktikable Fassung gebrachten Opernfragments „Malva“.

Gemeinsam sind wir autark: Das Netzwerk Impuls setzt in Halle auf große Sichtbarkeit

10.10.21 (Roland H. Dippel) -
Im Frühjahr wurde Impuls, das einzige Flächenfestival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt, aus der Landesförderung gestrichen. Schließlich klappte es doch noch mit einer Summe von 10.000 Euro – der sonstige Bedarf für Ausgaben des Festivals vom 18. September bis 30. November 2021 wurde durch mit Hochdruck beantragte und bewilligte Drittmittel ermöglicht.

Die Bildnisse des Joseph K. – von Einems „Der Prozeß“ an den Landesbühnen Sachsen

10.10.21 (Joachim Lange) -
Im Jahre 2018 gab es in Wien ein spektakuläres Premierendoppel. Zum einhundertsten Geburtstag des 1996 verstorbenen Komponisten Gottfried von Einem brachte die Staatsoper „Dantons Tod“ nach Georg Büchner (1947) und das Theater an der Wien „Den Besuch der Alten Dame“ (1971) nach Friedrich Dürrenmatt heraus . Ein Werk, das vor vier Jahren auch über die Bühne in Radebeul ging.

Weltuntergangsspektakel der besonderen Art: Ligetis „Le Grand Macabre“ in Schwerin

06.10.21 (Arndt Voß) -
Die Oper in Schwerin ist eigentlich mehr für eine solide, eher konservative Saisonplanung bekannt. Diesmal eröffnet sie die Spielzeit mit einem echter Kracher, eine Oper als Groteske. Nichts Kleineres als der Weltuntergang ist ihr Thema, der vorausgesagt wird und nicht nur die Menschen in Aufregung versetzt.

Geiger statt Soldaten: Das Alte-Musik-Festival „Güldener Herbst“ besucht Meiningen

06.10.21 (Antje Rößler) -
Während des „Güldenen Herbst“ herrschte spätsommerliches Kaiserwetter. Thüringens Alte-Musik-Festival machte in Meiningen Station, wo das Publikum zwischen Schloss, Theater und Stadtkirche flanierte. Die reiche Musikgeschichte der Residenzstadt spiegelt sich auch in der Programmgestaltung wider.

Fellini steht Pate: Leoš Janáčeks „Das schlaue Füchslein“ am Theater Freiburg

05.10.21 (Georg Rudiger) -
Wie in Bremen, so stand auch am Freiburger Theater zur Spielzeiteröffnung Leoš Janáčeks Oper „Das schlaue Füchslein“ auf dem Programm, hier allerdings als Uraufführung der von GMD Fabrice Bollon angefertigten Fassung für ein lediglich 12-köpfiges Orchester. Georg Rudiger berichtet.

Von wegen Freiheit: Vera Nemirova inszeniert „Carmen“ am Staatstheater Nürnberg

05.10.21 (Juan Martin Koch) -
Dem nach Oper lechzenden Publikum servierte das Staatstheater Nürnberg zum Spielzeitauftakt mit Bizets „Carmen“ einen Repertoire-Dauerbrenner. Die Regie von Vera Nemirova verbreitete allerdings wenig sinnlichen Genuss und war auch intellektuell nur bedingt anregend, fand Juan Martin Koch.

Farbig, spannend, atmosphärisch dicht: „Fremde Erde“ von Karol Rathaus am Theater Osnabrück

Spezielles, mitunter entlegenes Opernrepertoire liegt dem Theater Osnabrück seit etlichen Jahren am Herzen. Uraufführungen von Sydney Corbett und Kaija Saariaho, Wiederentdeckungen von Ferruccio Busoni, Manfred Gurlitt und Charles Gounod waren in dem im Schatten des mächtigen Doms gelegenen Haus zu erleben. Nun, zur Eröffnung der Spielzeit, in der Osnabrücks neuer Intendant Ulrich Mokrusch die Leitung übernimmt, abermals eine Wiederentdeckung: „Fremde Erde“ von Karol Rathaus.

In der „Année érotique“ angesiedelt: „Così fan tutte“ an der Staatsoper Unter den Linden

04.10.21 (Peter P. Pachl) -
An der Staatsoper Unter den Linden entsteht ein neuer Mozart-Da-Ponte-Zyklus unter GMD Daniel Barenboim. Nach „Le Nozze di Figaro“, deren Präsentation im April dieses Jahres mehr Fragen aufgerufen als beantwortet hatte, folgte nun „Così fan tutte“ in jener Trilogie, die erstmals entgegen der Chronologie ihrer Entstehungszeit die drei Mozart-Opern auf Libretti Lorenzo Da Pontes inhaltlich miteinander zu einer Geschichte der Sexualität verknüpfen will.

Blick in die Seele des Försters: Tatjana Gürbaca inszeniert Leoš Janáčeks „Das schlaue Füchslein“ am Theater Bremen

03.10.21 (Ute Schalz-Laurenze) -
Leoš Janáčeks 1921 enstandene Oper „Das schlaue Füchslein“ ist vordergründig eine Ausstattungsoper – Tiere und Insekten tummeln sich im Bühnenwald – und damit eine Kinderoper. Doch schon lange wurde die Geschichte vom gefangenen Füchslein für die Regie anders verstanden: es geht um den Kreislauf des Lebens, den Verlust der Menschen von der Liebe zur Natur, um menschliche, an den Tieren abgeschaute Liebe, um die Ähnlichkeit von Mensch und Tier, um Vergänglichkeit und Kreislauf, wenn der Förster an seinem Ende ein ganz junges Füchslein wiedertrifft.

Zwischen Bibel-Paraphrase und -Parodie: „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ an der Komischen Oper Berlin

03.10.21 (Peter P. Pachl) -
Der vom Autorenteam Bert Brecht und Kurt Weill 1928 mit der „Dreigroschenoper“ eingeschlagene Weg, mit den Mitteln des Showbusiness politische Botschaften zu transportieren, fand 1930 in Leipzig seine Fortsetzung mit „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“. Die dreiaktige Oper wurde seither vielfältig inszeniert und häufig auch stark gekürzt. Mit einer neuen, kargen Sicht wartet Barrie Kosky nun an der Komischen Oper Berlin auf.

Vom Ich zum Wir? Viktor Ullmanns „Der Sturz des Antichrist“ an der Oper Leipzig

03.10.21 (Joachim Lange) -
Die Zeile unter dem Titel aufhorchen: „Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen, Text von Albert Steffen“. Was da unter dem Titel von Viktor Ullmanns „Der Sturz des Antichrist“ zu lesen ist, erweist sich als ein Versprechen und eine Warnung (oder Drohung) zugleich. Die Oper Leipzig hat mit diesem Werk eine Spielzeit eröffnet, die es - neben allen Jonglierkünsten um die Hygienemaßnahmen herum - auch so schon in sich hat.

Ausfransende Klangströme: Das 2. Kammermusikfestival Regensburg stellte Nikolai Roslawez ins Zentrum

01.10.21 (Juan Martin Koch) -
Nach der erfolgreichen Premiere 2020 setzte das 2. Kammermusikfestival Regensburg wieder klare programmatische Akzente. Diesmal im Zentrum: der russische Komponist Nikolai Roslawez (1881–1944). Juan Martin Koch berichtet:

Zwischen Himmel und Hölle: Robert Carsen inszeniert Cavalieris „Rappresentatione“ im Theater an der Wien

30.09.21 (Joachim Lange) -
Roland Geyer hat an den Beginn der letzten Spielzeit seiner über die Jahre ziemlich erfolgreichen Intendanz am Theater an der Wien wohl bewusst die erste Oper der Musikgeschichte gesetzt. Sein designierter Nachfolger Stefan Herheim erbt als kommender Künstlerintendant gleichsam einen angesparten Vorsprung gegenüber dem vor allem in seinem Selbstverständnis Weltspitzen-Staatsopern-Tanker am Ring. Das zweite (Stagione-) Opernhaus in Wien bleibt jedenfalls im Rennen. Selbst, wenn es nur so weitermacht, wie bisher…

Ein Triumph von Farbe und Klamauk: Herbert Fritsch inszeniert Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ an der Wiener Staatsoper

30.09.21 (Joachim Lange) -
Herbert Fritsch (70) ist als Regisseur ein Spätberufener. Bekannt wurde er als energiegeladener Schauspieler aus der Truppe, mit der Frank Castorf über Jahrzehnte hinweg mit seiner Volksbühne die deutsche Theaterszene von Berlin aus mitbestimmt hat.

Repetitionen zum Abgewöhnen: „Die Vorüberlaufenden“ von Andrej Koroliov an der Deutschen Oper Berlin

29.09.21 (Peter P. Pachl) -
Wer erinnert sich noch an das 1986 uraufgeführte, überaus viel nachgespielte und verfilmte Grips-Musical „Linie 1“ von Birger Heymann und Volker Ludwig: „Fahr mal wieder U-Bahn, tu‘ dir mal was Gut‘s an!“, deren Akteur*innen analog den „Kindern vom Bahnhof Zoo“ in einer untergründigen Schlaufe zwischen Einsteigen, Fahren, Aussteigen – und dem Leben-Fristen gefangen waren.

Theos Kurz-Schluss: "Wie ich einmal – vor mich hinmodernd – versuchte, den politisch verordneten Modern Times zu genügen"

29.09.21 (Theo Geißler) -
Mich erreichte der Weckruf überraschenderweise ausgerechnet via eines TV-Trios oder modischer »Trielles« aus dem Munde Armin Laschets (vielleicht war es aber bei einem Quartett, neuerdings auch »Quartell« genannt, doch Christian Lindner): Jedenfalls hatte sich das altbackene Land der Dichter und Denker – so das Postulat – in ein Land der digitalen Dichter und Denker zu wandeln, um international konkurrenz- und zukunftsfähig zu werden.

„Tosca“ in der Raumbühne – Die zweite Premiere des Spielzeitauftakts in Kassel

27.09.21 (Joachim Lange) -
Die Idee hat aparten Witz. Zum Auftakt einer neuen Intendanz lässt man auf Alban Bergs „Wozzeck“ aus dem Jahre 1925 tagsdrauf Puccinis „Tosca“, mit deren Premiere im Januar 1900 das 20. Jahrhundert für die Oper gleichsam begann, folgen. Erst die heute akzeptierte, sagen wir ästhetische Herausforderung. Dann der beim Publikum nach wie vor hoch im Kurs stehende Repertoire-Liebling.

Spektakulärer Auftakt einer neuen Intendanz: Florian Lutz inszeniert Alban Berg „Wozzeck“ in einer Raumbühne mit Gegenwartsbezug

26.09.21 (Joachim Lange) -
Mehr ungeplante Unterstützung von außen konnte sich Florian Lutz kaum wünschen und schon gar nicht selbst organisieren. Zum Auftakt seiner Intendanz am Staatstheater Kassel legte der bundesweite Aktionstag der meist jungen Klimaschützer auch hier zeitweise den Verkehr lahm. Dazu: die spannendste Bundestagswahl seit langem. Die Zeit ist, wenn nicht aus den Fugen, so doch spürbar angespannt. Auch nervös.

Prinzenjagd im Theater Neustrelitz: Humperdincks „Dornröschen“

26.09.21 (Roland H. Dippel) -
Volltreffer! Beim zweiten Anlauf klappte es. Die Premiere von Engelbert Humperdincks „Dornröschen“ wurde am Beginn des zweiten Lockdowns im Herbst 2020 abgesagt. Vor zehn Monaten hatte man sogar vorsorgend eine Fassung mit zwei Klavieren anfertigen lassen, um für alle Einlass-Eventualitäten gewappnet zu sein. Durch die Verschiebung kam es im Theater Neustrelitz am 25. September 2021 zur ersten Vorstellung. Nur kurz vor dem 100. Todestag Humperdincks, der im Neustrelitzer Hotel Fürstenhof zwei Schlaganfälle erlitten hatte und am 27. September 1921 im Krankenhaus Neustrelitz verstorben war. Der Opernchor und die Neubrandenburger Philharmonie haben in „Dornröschen“ jede Menge zu tun.

Todesschüsse zur Fest-Eröffnung: Cherubinis „Medea“ am Theater Hof

26.09.21 (Roland H. Dippel) -
Am Freitagabend wurde das seit März 2020 gründlich sanierte Theater Hof in Anwesenheit von Gästen aus Politik und Society wiedereröffnet. Die Summe von 22 Millionen Euro kam vor allem einer Erneuerung der Bühnenmaschinerie, der Trocknung des feuchten Daches, dem Einbau einer Drehbühne auf der großen Bühne und einer technischen Aufrüstung des Studios zugute. Am Pult stand der neue Musikdirektor Ivo Hentschel und gestaltete Cherubinis „Medea“ in Lothar Krauses überlegter Inszenierung als intimes, zupackendes Musiktheater. Gänsehaut-Oper mit subtilen Tönen und überregionaler Qualität.

Lamentierende Langobardenkönigin in Göttingen: „Rodelinda 2021"

24.09.21 (Roland H. Dippel) -
Am 19. September endeten die am 9. September eröffneten Internationalen Händel Festspiele Göttingen mit der letzten Vorstellung der Jubiläumsproduktion „Rodelinda“ (HWV 19). Diese Oper stand 1920 am Beginn der Göttingen Händel-Renaissance durch Oskar Hagen. Laurence Cummings und Tobias Wolff wollten die Koproduktion mit dem Oldenburgischen Staatstheater unbedingt noch vor dem Ende ihrer Leitungsperiode herausbringen. Ab der Spielzeit 2021/22 übernehmen Jochen Schäfsmeier und der griechische Dirigent George Petrou das Festival.

Erotische Zerreißprobe zum Intendanz-Start in Halle: Brittens „Sommernachtstraum“

23.09.21 (Roland H. Dippel) -
Unter neuer Intendanz eröffneten dieses Wochenende die Musiktheater des Meininger Staatstheaters und der Bühnen Halle jeweils mit einer Oper von den britischen Inseln. Mit dieser Leistung wollen die Leitungen beider Häuser eine Offensive der Phantasie und der Überwältigungskraft physischen Theaters starten.
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