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Volle Häuser mit neuer Musik in München: Das LSO unter Rattle bei räsonanz – Eötvös bei der musica viva

06.05.19 (Wolf Loeckle) -
München hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – initiiert vom großen Karl Amadeus Hartmann – seine unvergleichliche musica viva. Damals das Informationsdefizit der zwölf Jahre des tausendjährigen Reiches reparierend. Heute gehen der Blick und das Hören sensibilisierend in die große weite Welt hinaus – und von dort zurück, facettenreich navigiert von Winrich Hopp für den Bayerischen Rundfunk und seine Klangkörper samt Gastensembles und (an)reisender Interpreten. Diesmal ergab sich durch die Platzierung eine Art Minifestival.

Dramaturgie schlägt Powerplay – Maciej Obara gewinnt den BMW Welt Jazz Award

06.05.19 (Ssirus W. Pakzad) -
5.000 Euro als Geburtstags-Geschenk sind an sich keine üble Sache. Aber Rudresh Mahanthappa hatte wohl mit mehr gerechnet: mit der doppelten Summe nämlich und dem Gewinn des „BMW Welt Jazz Awards“. Immerhin gab es ein vielstimmiges Ständchen für den Saxofonisten, der sich an seinem Ehrentag dem Kollegen Maciej Obara geschlagen geben und mit dem zweiten Platz beim Wettbewerb begnügen musste.

Der Triumph des Möglichen – Uraufführung von Ludger Vollmers Oper „The Circle“ am Deutschen Nationaltheater Weimar trifft mit ihrem Thema ins Schwarze

05.05.19 (Joachim Lange) -
Dave Eggers Roman „The Circle“ ist nicht unbedingt der literarischen Weisheit letzter Schluss. Aber der 2013 erschienene Bestseller ist so nah am Puls der Zeit, dass es fast schon beängstigend ist. Immerhin sind die 560 Seiten flott zu lesen. Und das, was die Autorin Tiina Hartmann gemeinsam mit dem Komponisten Ludger Vollmer (in Weimar seit seinem „Lola rennt“-Erfolg bestens eingeführt!) zum Libretto destilliert und was Uraufführungsregisseurin Andrea Moses und der Weimarer Operndirektor Hans-Georg Wegner als Dramaturg für die Bühne eingerichtet haben, bleibt immer in Sichtweite zum Roman. Dieser Kreis schließt sich. In der Story selbst ist das Schließen des Kreises, diese „Vollendung“ des Circle, eine Metapher für den Triumph des Möglichen, für die totale digitale Transparenz, für die (Selbst-)Aufgabe des Individuums. Joachim Lange findet es überaus gelungen.

Tröster der Volksseele – Polen feiert den 200. Geburtstag des Nationalkomponisten Stanislaw Moniuszko

05.05.19 (Antje Rößler) -
Im Januar wurde der Warschauer Zentralbahnhof nach Stanislaw Moniuszko benannt. Hierzulande kennt kaum jemand den neben Chopin bedeutendsten polnischen Komponisten des 19. Jahrhunderts. Nicht zuletzt liegt das an der Sprachbarriere, widmete sich doch Moniuszko vorwiegend der Vokalmusik: Er hinterließ 24 Opern und Operetten sowie hunderte von Liedern, was ihm in seiner Heimat den Spitznamen „Polnischer Schubert“ einbrachte. Ein Portrait von Antje Rößler.

Media-Mix-Musiktheater – Gerhard Stäblers „Simon“ im Münchner Theater für Junges Publikum

04.05.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Tausend Likes und trotzdem einsam – so sieht die digitale Kommunikation vieler Jugendlicher derzeit oft aus. Der norwegische Autor Christopher Grøndahl schrieb darüber ein Kammerspiel, das die Zielgruppe ansprechen sollte. Der in Crossover-Projekten erfahrene Gerhard Stäbler vertonte das Stück 2015, das über die Opernhäuser Oslo und Linz nun an die Münchner „Schauburg“, das Kinder- und Jugend-Theater.

Uraufführung der Oper „Die Nacht der Seeigel“ über die Fragen der Menschen in Hamburg

04.05.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Drei KomponistInnen, drei Librettisten, zwei Regisseure, zwei Dirigenten (und zusätzlich zwei einstudierende Dirigenten) drei Bühnenbildner: kann das für die Uraufführung einer Oper gut gehen? Es sind jedenfalls die Bedingungen für die Förderung „Akademie Musiktheater Heute“ der Deutschen Bank Stiftung seit 2001. Nun wurde die jüngste Produktion, „Die Nacht der Seeigel“ in Zusammenarbeit mit der Staatsoper Hamburg uraufgeführt: die Zusammenarbeit der Anfang Dreißigjährigen funktionierte, meint Ute-Schalz-Laurenze.

Sein oder nicht sein? – Musicaluraufführung an der Staatsoperette Dresden: „Der Mann mit dem Lachen“ von Frank Nimsgern

03.05.19 (Joachim Lange) -
Der scheidende Intendant der Staatsoperette Dresden Wolfgang Schaller setzt nicht nur auf Operette, bestimmte Opern und auf bewährte Musicals, sondern hat für seine letzte Spielzeit sogar ein neues in Auftrag gegeben, das jetzt seine Uraufführung erlebte. Unser Kritiker Joachim Lange ist durchaus nicht so begeistert.

Ravels „L’Heure espagnole“ in der Studiobühne des Münchner Gärtnerplatztheaters

01.05.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Fingerübungen für den Nachwuchs müssen sein: da reift die nächste Generation des weltweit beneideten „Theaterwunderlandes Deutschland“ heran, wird gefordert, kann sich ausprobieren und auch mal über die Stränge schlagen. Dafür sind die Experimentier- oder Studio-Bühnen etablierter Häuser da. Parallel zur Musical-Premiere oben im Großen Haus, reifte im Keller auf der durch die Generalsanierung neu eingefügten Studiobühne des Gärtnerplatztheaters ein Ravel-Einakter heran.

Die Kunst der braven Revolution – Aubers „Die Stumme von Portici“ in Kiel

30.04.19 (Arndt Voß) -
Was macht man mit einer Grand Opéra, die so gar nichts Revolutionäres mehr hat und doch in Harmonie und Schönheit davon schwärmt? Die Oper Kiel suchte nach einer Lösung und verausgabte sich in tugendhafter Sterilität, indem sie den Vesuv ein wenig Plastik, schön gesäubert, spuken ließ.

Jubiläumsfeier zum 200. Geburtstag Suppés: „Der Teufel auf Erden“ in der Oper Chemnitz

29.04.19 (Roland H. Dippel) -
Die Theater Chemnitz und die Volksoper Wien feiern in einer Koproduktion den 200. Geburtstag von Franz von Suppé. Doch die selten gespielte Operette „Der Teufel auf Erden“ (Wien 1878) ist auch in der textlichen Neufassung von Alexander Kuchinka kein einfaches Stück. Raffinierte Musiknummern folgen auf sehr ausgedehnte Dialogszenen. Die Orts- und Zeitsprünge von der Hölle in ein Kloster, eine Kaserne und eine Tanzschule erfordern darstellerisches Geschick. Dabei enthält das Opus erstaunlich gute Musik.

Uraufführung von Detlev Glanerts „Oceane“ an der Deutschen Oper Berlin

29.04.19 (Peter P. Pachl) -
Detlev Glanerts Veroperung eines Fragments des vor 200 Jahren geborenen Dichters Theodor Fontane wurde an der Deutschen Oper Berlin als ein einhelliger Erfolg gefeiert. Auf den 22 Seiten seines Novellen-Fragments „Oceane von Parceval“ hat Theodor Fontane den zahlreichen Undinen- und Melusinen-Geschichten, die auch auf der Opernbühne von E. T. A. Hoffmann bis Aribert Reimann vielfältige Verkörperungen gefunden haben, eine weitere Version hinzugefügt.

Tod auf halber Treppe – Verdis „Aida“ geht auch ohne Elefanten: Premiere in Erfurt

28.04.19 (Joachim Lange) -
Opern-Äthiopien ist auch nicht mehr was es mal war. Da marschieren sie in Ägypten ein, werden von Radames und seinen Truppen besiegt und Verdi komponiert ihnen einen Superhit, der das seit der Uraufführung bis heute geblieben ist, und dann ist in der Oper Erfurt nicht mal ein klitzekleiner Elefant unter der Beute. Nur eine Trage voll Gerümpel. Afrikanische Masken, ein Schild und solches Zeug, was sich in jedem Theaterfundus finden lässt und irgendwie nach Nordafrika aussieht. Der Beutehaufen ist so mickrig, dass man sich fragt, ob der König auf dem Thron hoch oben und mit der Krone aus dem Märchenbuch das überhaupt richtig wahrnehmen kann.

In Wort- und Klanggewittern – „Les Bienveillantes“ von Hèctor Parra in Antwerpen uraufgeführt

28.04.19 (Joachim Lange) -
Jonathan Littells kontrovers diskutierter Roman „Die Wohlgesinnten“ wurde jetzt auch die Vorlage für eine Oper. Die Uraufführung erlebte „Les Bienveillantes“ von Hèctor Parra zum Libretto von Händl Klaus an der Flämischen Oper in Antwerpen.

Bitter-Süßes vom Broadway – Bernsteins „On the Town“ im Münchner Gärtnerplatztheater

27.04.19 (Wolf-Dieter Peter) -
28.Dezember 1944 – das Premierendatum des ersten Bernstein-Musicals macht nachdenklich: im Deutschen Reich wurde das fanatisch-pathetische Durchhalte-Machwerk „Kolberg“ mit seiner unerträglichen Kriegsverklärung im Schneideraum fertiggestellt und dann am 30.Januar 1945 uraufgeführt; gleichzeitig wurde im New Yorker Adelphi Theatre bereits vier Wochen lang der Lebenshunger von drei US-Navy-Matrosen auf 24 Stunden Landurlaub bejubelt – und lief mit 463 Aufführungen weit über das Kriegsende hinaus.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, die ungute politische Stimmung in unserem Vaterland in ein fröhlich-effektives Regieren zu wandeln

26.04.19 (Theo Geißler) -
Starke Politikverdrossenheit in unserem zehntelsatten Lande: Wen wundert’s. Ein paar Superkapitalisten scheffeln Milliarden, dem Rest bleibt im Wesentlichen Hartz IV plus Aufstocken. Vom Flaschensammeln und Mülltonnen-Checken vieler Rentner ganz zu schweigen. Derweil erhöhen unsere gewählten Volksvertreter recht versteckt ihre seltsamerweise so benannten Diäten. Zerstreiten sich munter in die gesetzgeberische Ineffektivität. (Vorab aus Politik & Kultur 2019/05).

Eine ruhespendende Herrin – Gedanken über Victor Hugos Roman „Notre Dame de Paris“ und seine Vertonungen

21.04.19 (Wolfgang Molkow) -
Das war fast vorauszusehen: der Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame hat nicht nur eine weltweite Anteilnahme und Spendenbereitschaft ausgelöst, sondern als kleinen parallelen Nebeneffekt Victor Hugos Notre Dame de Paris über Nacht zu neuem Sensationsglamour verholfen. Noch während der Löscharbeiten avancierte der Schauerroman in Frankreich zum meistverkauften Buch und führte weltweit die Bestsellerlisten an, gefolgt von der trivialen Disney-Verfilmung des Stoffs.

Otello eisgekühlt – Verdi bei den Osterfestspielen in Baden-Baden

20.04.19 (Joachim Lange) -
Bei den Osterfestspielen in Baden-Baden bewegen sich Zubin Mehta und Robert Wilson bei Verdis „Otello“ in verschiedene Richtungen, findet unser Kritiker Joachim Lange.

Auf halber Strecke steckengeblieben – Webers „Freischütz“ in Straßburg

20.04.19 (Georg Rudiger) -
Kein grüner Wald und keine Trachten, keine deutsche Gemütlichkeit und kein pittoreskes Brauchtum. Im Straßburger „Freischütz“ sind die Bäume rot und nur auf Kulissen gemalt. Das Preisschießen zu Beginn wird im Paintball ausgetragen. Das Volk trägt rote und blaue Militär-Overalls und Schutzbrillen. Von Beginn an machen die Regisseure Jossi Wieler und Sergio Morabito klar, dass sie die deutsche romantische Oper gegen den Strich bürsten.

Pressefreiheit, Travestie, tolle Musik – Zum 200. Geburtstag von Franz von Suppé

17.04.19 (Roland H. Dippel) -
Die Sopranistin Dagmar Schellenberger sang über zwanzig Jahre Rosalinde in „Die Fledermaus“ und „Die lustige Witwe“ sogar in französischer Sprache. Doch zu ihrer ersten Auseinandersetzung mit Franz von Suppé (18. April 1819 bis 21. Mai 1895) kommt es erst jetzt in „Der Teufel auf Erden“ als Koproduktion der Oper Chemnitz (Premiere: 27. April 2019) und der Volksoper Wien. Dabei ist Suppé noch vor Johann Strauß Sohn der Begründer der Wiener Operette. Warum erscheinen Suppés Meisterwerke wie „Banditenstreiche“, „Die schöne Galathee“, „Boccaccio“ und „Fatinitza“ heute so selten auf den Spielplänen? Mit Dagmar Schellenberger unterhielt sich Roland H. Dippel am 10. April in Chemnitz zum Jubiläum des 200. Geburtstags von Franz von Suppé am 18. April 2019.

Lauter Sturm und Drang – Mix aus Strawinskys „Mavra“ und Tschaikowskys „Iolantha“ in München

17.04.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Märchen und Musik können sich anrührend und sinnlich und emotional durchdringen und steigern. Und bis ins utopisch Glück Verheißende bezaubern. Also machte sich der als überbordender Erzähler gehandelte Regisseur Axel Ranisch daran, zwei Kompositionen und teils märchenhafte Handlungen zu vermengen und in knapp zwei Stunden neu vorzuführen. Wolf-Dieter Peter mit seinem Bericht.

Wie aus Hans Jochanan wurde – Ein Konzertprojekt zum jüdischen Komponisten Hans Samuel

17.04.19 (Georg Beck) -
Essen, im April. Verwüstet, verschüttet, verloren – die jüdischen Künstlerbiographien treiben uns um. Unterhalb der Schwelle von Exzellenz mit den bekannten, den gut erforschten Namen wird die Überlieferungslage schnell prekär, gehen die Vorkenntnisse gen Null. Wie jetzt wieder, als im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr einer dieser im Geschichtsschutt Begrabenen ans Licht trat. Das heißt: So richtig eigentlich nicht. Bis in die Zielgerade kämpfte ein ambitioniertes Konzertprojekt an zwei Fronten: Wer war Hans Samuel? Und: Was sagt uns die Musik des Hans Samuel? Georg Beck mit Antworten und neuen Fragen.

Schnitz… – Paul Burkhards „Das Feuerwerk“ an der Musikalischen Komödie in Leipzig

16.04.19 (Joachim Lange) -
„Oh mein Papa war eine wunderbare Clown…“ so singt die schöne Iduna mit charmantem französischen Akzent zu einer hinreißend schmalzigen Melodie. Diese Erinnerung an einen Papa, der auf dem Seil tanzen konnte, kennt ab einem bestimmten Lebensalter jeder. Sie gehört unabhängig vom Namen des Komponisten in den Kernbestand des kollektiven Gedächtnisses im Nachkriegsdeutschland. In West und Ost. Um diesen Dauerhit, den man früher zu recht Evergreen nannte, gibt es aber noch ein ganzes Stück. Eine musikalische Komödie in drei Akten vom Schweizer Paul Burkhard (1911-1971). Erik Charell und Jürg Amstein haben ein Lustspiel von Emil Sautter zu einem Buch verarbeitet. Joachim Lange berichtet aus Leipzig.

Das „ist so ein sonderbar Ding“ – Der „Rosenkavalier“ in Schwerin

16.04.19 (Arndt Voß) -
Eigentlich gehört das, was die Überschrift zitiert, der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg, der Grande Dame in Richard Strauss‘ Komödie für Musik, wenn sie im ersten Akt des „Rosenkavaliers“ nach rauschender Liebesnacht über die Zeit räsoniert, über sich und die Vergänglichkeit. Wunderbar ist das, dramaturgisch fein ausgedacht in Hugo von Hofmannsthals vitaler Komödie. Von Melancholie zeugt es, auch von tapferem Verbeugen vor der tyrannischen Herrschaft des Unvermeidbaren. Aber in Schwerin muss die Marschallin in einer sterilen Kulisse, die ihr so gar nicht hilft, ihren Seelenkater streicheln. Das Ausgewogene des Librettos, auch der Musik, zwischen Derbheit der Komödie, die ihr Vetter in Gestalt von Baron Ochs von Lerchenau vertritt, und dem Seelendrama mit all den Facetten der Liebesnot, kippt dort ganz gehörig, meint unser Kritiker Arndt Voß.

Bruch mit Traditionen: Die „Meistersinger“ von Salzburg

16.04.19 (Michael Ernst) -
Bleiben die Osterfestspiele Salzburg in sächsischer Hand? Der aktuelle Jahrgang wird wagnerhaft von der Dresdner Staatskapelle unter deren Chefdirigent Christian Thielemann bespielt, „Die Meistersinger von Nürnberg“ haben als Musikfest mit Botschaft einen fulminanten Auftakt gesetzt – und die weitere Zukunft ist (k)ein Thema? Eine Beobachtung von Michael Ernst.

„Don Giovanni“ als Getriebener im Garten der Lüste am Theater Freiburg

14.04.19 (Georg Rudiger) -
Für das Bühnenbild von Shakespeares „Sommernachtstraum“ ließ sich Katarzyna Borkowska am Theater Freiburg von Botticellis „Die Geburt der Venus“ inspirieren. Nun hat die polnische Ausstatterin zum ersten Mal überhaupt Regie geführt – und sich dafür mit „Don Giovanni“ nicht gerade ein leichtes Einstiegswerk gewählt. Georg Rudiger berichtet von der Premiere am Theater Freiburg.
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