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In Klangewittern: In Lyon entfesselt Alexander Raskatov den Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts - auf den Spuren Heiner Müllers

22.05.18 (Joachim Lange) -
Alexander Raskatov (65) langt kräftig zu. In seiner gerade in Lyon uraufgeführten neuen Oper, deren Libretto der Komponist aus Heiner Müllers „Germania Tod in Berlin“ (1971) und „Germania 3 Gespenster am toten Mann“ aus dem Todesjahr des Autors 1995 destilliert hat, geht er mit vollem Orchestereinsatz ans Werk. Schrill und mit triumphierenden Salven aus dem Graben. Komponiertes Dauerfeuer.

Reflexionen des Orpheus-Mythos – „Abstract Pieces“ von Manos Tsangaris

21.05.18 (Peter P. Pachl) -
Alle Komposition von Manos Tsangaris sind im weiteren Sinne musiktheatrale Aktionen. So auch die jüngste des erfolgreichen Kagel-Schülers, deren sehr allgemein gehaltener Titel eines „Musiktheaters für Darsteller, Instrumente, Raum und Licht“ zunächst einmal nichts über Inhalte und Besonderheiten verrät. Dahinter verbirgt sich ein medial aufgepeppter Orpheus-Mythos, vom Komponisten selbst im nackten Raum der Neuen Werkstatt der Staatsoper in Szene gesetzt.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 21.05. bis 27.05.2018

20.05.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 21. Schwerpunkte: Klaus K. Hübler, Charlotte Seither, Konstantia Gourzi, Hans-Joachim Hespos, Christina Maria Schauer und zum Beispiel ein Feature von Gisela Nauck: „Soziale Einmischung – Ein Erbe der Avantgarde wird reanimiert“.

Die Fernsehwoche vom 21.05. bis zum 27.05.2018

20.05.18 (mh) -
Musikzeug im Fernsehen der öffentlich-rechtlichen Kanäle in der Kalenderwoche 21. Ist schon etwas für ganz sportliche Frühaufsteher. Wenn da 05:00 steht meint das morgens nach mitteleuropäischer Sommerzeit und nicht etwa die Zeit zwischen Nachmittagnickerchen und Abendbrot!

Kurt Weills „Silbersee“ als „soziale Skulptur“ am Theater Pforzheim

19.05.18 (Andreas Hauff) -
Manchen Bühnenwerken ist ihre Entstehungszeit unmissverständlich eingeschrieben. Zu ihnen gehört „Der Silbersee“ von Kurt Weill – eine Art Semi-Opera, der der Komponist und sein Librettist Georg Kaiser in Anspielung auf Heinrich Heine den Untertitel „Ein Wintermärchen“ gaben. Handlung, Text und Musik bieten ein eigenartiges und eindringliches Zeitbild der frühen 1930er Jahre kurz vor der nationalsozialistischen Machtübernahme. Mit der Wiederbelebung des Stücks tun sich die deutschen Theater schwer. Einen bemerkenswerten neuen Versuch hat nun am Theater Pforzheim Intendant Thomas Münstermann gemacht.

Keine Lösung im Weltraum-Theater – Deutsche Erstaufführung von Dai Fujikuras „Solaris“ in Augsburg

19.05.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Bald werden sie im Alltag um uns sein: Roboter mit rasant lernender künstlicher Intelligenz und einem Aussehen nach Wunsch, Lust und Laune. Schon 1961 hat Stanislaw Lem den Planeten Solaris beschrieben, dessen Plasma Lebewesen entsprechend menschlichen Alp- und Traum- und Wunsch-Vorstellungen hervorbringen kann. Daran haben sich die Komponisten Michael Obst (1996) und Detlev Glanert (2012) versucht. Nun wagte das Theater Augsburg die in Paris uraufgeführte „Solaris“-Vertonung des Japaners Dai Fujikuras.

Privates vom vokalen Kometen – Tom Volfs Dokumentation über Maria Callas

17.05.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Meine Kerze brennt an beiden Enden / und die Nacht überdauert sie nicht. / Doch seht, meine Feinde, und ihr, meine Freunde - / sie schenkt ein süßes Licht“ – diese Verse Edna Millays hat der große Callas-Kenner John Ardoin seinen Analysen als Motto vorangestellt. Damit ist Zentrales gesagt über die bedeutendste Primadonna des 20.Jahrhunderts. Jetzt bringt ein neuer Dokumentarfilm Unbekanntes und Ergänzendes.

Glorreiche Sieben in der Manege: Mnozil Brass im Carmen Würth Forum in Künzelsau

17.05.18 (Andreas Kolb) -
Im Sommer 2017 schenkte der Unternehmer und Kunstmäzen Reinhold Würth seiner Frau zum 80. Geburtstag das 60 Millionen Euro teure Kultur- und Kongresszentrum Carmen Würth Forum in Künzelsau mit einem exzellenten Kammermusiksaal, einem großen Saal und einem Open-Air-Bereich für bis zu 10.000 Besucher. Bevor Ende Mai die Reinhold-Würth Musikwochen die erste Spielzeit beschließen werden, sorgte vergangenes Wochenende das aktuelle Zirkusprogramm des österreichischen Musikkabaretts Mnozil Brass für ein volles Haus. Mnozil Brass sind sieben Virtuosen, die seit 26 Jahren in fast unveränderter Besetzung erfolgreich auf Tournee sind und deren Kunst aus mehr als aus tönend bewegten Blech-Klängen besteht.

Urteil: Zwei Jahre und neun Monate Haft für Siegfried Mauser

16.05.18 (mh) -
Ein früherer Präsident der Münchner Musikhochschule ist wegen sexueller Nötigung in drei Fällen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde der 63-Jährige am Münchner Landgericht freigesprochen, berichtet der Bayerische Rundfunk aktuell.

Kommentar: Mit Hochdruck verzögern – Hochschule für Musik und Theater München

15.05.18 (Martin Hufner) -
Die Hochschule für Musik und Theater München hat heute Stellung bezogen zu den aktuellen Berichten in den Medien in der Angelegenheit Mauser und von Bose. Ohne in der Sache selbst Stellung zu beziehen. Das ist okay. Aber es geht hier auch um etwas ganz anderes.

Von der Traumfabrik zur Realität – Frankfurts Oper bietet eine ganz besondere „Lustige Witwe“

15.05.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Im operettig schön-schiefen Bild: Nicht einmal die Fledermaus kann der lustigen Witwe das Wasser reichen – was Verfilmungen angeht. Nach dem sensationellen Erfolg auf allen Bühnen der Theaterwelt okkupierte das neue Medium den Stoff in einem ersten Stummfilm: 1918 drehte ein Ungar „A Vig özvegy“ – und machte als Michael Curtiz mit „Casablanca“ später Filmgeschichte. Inzwischen hatten Stroheim und Lubitsch sehr unterschiedlich lustige „Witwen“-Filme gedreht, es häuften sich die Zitate in Filmen… und genau da setzte das Frankfurter Team um Regisseur Claus Guth an.

Stimmen darf man nicht stehlen! – „Das Geheimnis der gestohlenen Stimmen“ in Dresden

15.05.18 (Michael Ernst) -
Dresdens Semperoper – einst gab sie mit Opernuraufführungen in Deutschland den Ton an – hat eine kleine Bühne für Experimente. Semper Zwei heißt diese Stätte, auf der „Das Rätsel der gestohlenen Stimmen“ gestellt (und gelöst) worden ist.

Doofer Alter und dummer Diener – „Don Pasquale“ in Chemnitz

14.05.18 (Michael Ernst) -
Vor gut einem Jahr durfte das Publikum abstimmen: Welches Regieteam sollte im Chemnitzer Opernhaus „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti inszenieren? Mehrheitlich fielen die Stimmen auf Regisseur Nils Braun und Ausstatter Oliver Burkhardt. Beide hatten sich am „Ring-Award“ Graz beteiligt und ihr bereits erarbeitetes Konzept dieser Oper zur Diskussion gestellt.

Erotischer Opern-Traum – Händels „Semele“ an der Komischen Oper Berlin

14.05.18 (Peter P. Pachl) -
Der drei-dreiviertelstündige, aber in seinen szenischen Erfindungen und Umsetzungen überaus kurzweilige Premierenabend, durchwegs mit sängerischen Spitzenleistungen, erntete einhellige Begeisterung.

Oper als Steinbruch – Johann Adolf Hasses „Artaserse“ zwischen Bayreuth, Berlin und Münchens Cuvilliéstheater

13.05.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Sie steht zurecht im Mittelpunkt des Abends: Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Die 1731 dorthin, ins „Paradies der Langeweile“ zwangsverheiratete Hohenzollerntochter, war künstlerisch hochbegabt und wertete ihre Residenz mit dem „Markgräflichen Opernhaus“ zu einem europäischen Opernzentrum auf. Im April 1748 wurde dieses Barock-Juwel mit Hasses „Artaserse“ eröffnet. Nach Wilhelmines Tod folgten fast 270 Jahre schleichender Verfall. Nach hochdifferenzierter Renovierung durch europäische Spezialisten übernahm Münchens Theaterakademie die Wiedereröffnung mit „Artaserse“. Nach Bayreuth und Budapest-Gastspiel kam die Produktion nun ins konkurrierende Rokoko-Juwel des Münchner Cuvilliéstheaters.

Die musikalische Fernsehwoche vom 14.05. bis zum 20.05.2018

13.05.18 (mh) -
Musikzeug im Fernsehen der öffentlich-rechtlichen Kanäle in der Kalenderwoche 20. Ist schon etwas für ganz sportliche Frühaufsteher. Wenn da 05:00 steht meint das morgens nach mitteleuropäischer Sommerzeit und nicht etwa die Zeit zwischen Nachmittagnickerchen und Abendbrot!

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 14.05. bis 20.05.2018

13.05.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures, Hörspiele in der Kalenderwoche 20. Schwerpunkte: Acht Brücken, Neun Hörspiele, 1000-mal musikalisches Glück. Ganz sicher.

[nmz-Dossier] Neue Erkenntnisse zu sexuellen Übergriffen an der Hochschule für Musik und Theater München im aktuellen SPIEGEL

12.05.18 (jmk) -
An der Hochschule für Musik und Theater München hat es über die gegen Ex-Präsident Siegfried Mauser gerichtlich verhandelten Vorfälle hinaus sexuelle Übergriffe gegeben. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Hochschule im Oktober 2016 durchgeführt, deren Ergebnisse sie bis heute aber nicht veröffentlicht hat. In einem Artikel in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ wird außerdem über Details der Anklage gegen Kompositionsprofessor Hans-Jürgen von Bose berichtet, die seit Juli 2016 vorliegt.

Die hohe Kunst des Understatement: Südseite nachts mit den Neuen Vocalsolisten

Ein paar Nachzügler kommen noch später, denn die „Südseite nachts“ bei Musik der Jahrhunderte am Stuttgarter Theaterhaus mit den Neuen Vocalsolisten hat versuchsweise erstmals schon um 19 Uhr begonnen. Ein gut gelaunter Andreas Fischer, der Bass, gibt eine kleine Einführung, und überhaupt: Wer behauptet, neue Musik sei ernste Musik, muss nach diesem Abend zu urteilen etwas falsch verstanden haben.

Entfesselte Klassik – Eine gute Handreichung für Musikvermittlung von Barbara Balba Weber

09.05.18 (Barbara Volkwein) -
Spätestens seit der jüngst ausgewerteten Meinungsumfrage vom Netzwerk Junge Ohren ist klar: der Beruf der Musikvermittlung steht auf dem Prüfstand. Es gibt immer noch keinen klaren Plan, wohin die Musikvermittlung will, wie ihre (Ausbildungs-)Inhalte und die beruflichen Rahmenbedingungen genau definiert sind. Da kommt Webers Buch gerade recht: es beschreibt auf einfache Weise nicht nur die theoretischen Basisgrundlagen der Musikvermittlung, vielmehr bietet es faktisch kostenlos eine Handreichung mit sieben tollen, wieder verwertbaren Vermittlungskonzepten.

Das Neue vom Tage: Schwerin zeigt Paul Hindemiths kabarettistische Opernglosse

08.05.18 (Arndt Voß) -
Paul Hindemiths „Neues vom Tage“ ist nicht veraltet, so wie es diese „Lustige Oper in drei Akten“ nach 90 Jahren sein dürfte. Das Theater Schwerin bewies das in seiner pfiffigsten Inszenierung in dieser Saison. Allerdings ist ihr Komponist, neben Schönberg, Strawinsky und Bartok zu einem der Klassiker der Moderne gezählt, offensichtlich für viele immer noch der Bürgerschreck, zu dem er einst gestempelt wurde. Einige Plätze blieben leer, sehr zu Unrecht.

Weltpremiere: Der Film „Die Seele der Geige“ von Benedikt Schulte beim DOK-fest München 2018

07.05.18 (Wolf Loeckle) -
Wer den Wald (den deutschen zumal) als Hort des Seelenvollen begreift, wer ihn als Zentrale von Schönheit und Farbenreichtum versteht, um dort auf der Suche nach kontemplativentschleunigender Kraftsteigerung das Muskelwachstum via Training zu forcieren gedenkt, wer ihn als Treffpunkt der Mythen und Mysterien versteht, der sollte nicht vergessen, dass er sich inmitten rein wirtschaftlich generierter Umgebungen aufhält. Da wird – was die Profitmaximierung meint – in mehrfach aufeinander folgenden Generationen gedacht. So nach neunzig Jahren mag ein guter Baumstamm „erntereif“ sein. Auch Geigenbauer gehen zuweilen in die Natur – notgedrungen.

Festival „Gemischter Satz“ im Konzerthaus Wien – Feier der Unterschiede und des Weins

07.05.18 (Benedikt Leßmann) -
Musikalische Genremischung ist eine sympathische Idee – die in der Umsetzung allzu oft nur schalen Crossover generiert. Anders beim Festival „Gemischter Satz“ im Konzerthaus Wien, das die Unterschiede gerade nicht kaschiert, sondern in fruchtbaren Kontrast zueinander setzt. Das bereitet nicht nur wegen der Weinbegleitung Hochgenuss.

Die Soldaten sind wir alle: Zum Kölner Acht-Brücken-Festival

07.05.18 (Stefan Pieper) -
Bei der Kölner Uraufführung von Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ im Jahr 1969 hatte der damalige Dirigent Michael Gielen mit starken Widerständen seitens des Orchesters zu kämpfen. Zu nachhaltig sprengte diese vielschichtige und in ihrer Aussage radikale Oper alle Traditionen und Gewohnheiten im Nachkriegs-Konzertbetrieb. Beim Kölner „Acht Brücken Festival“ im Jahr 2018 stehen heute umso mehr Musiker und Ensembles bereit, sich mutig in alle Klangabenteuer zu stürzen – und für die liefern Bernd Alois Zimmermanns Kompositionen nach wie vor unverbrauchtes Notenmaterial.

Virtuell in der Oper: Das Theater Wuppertal wagt ein Experiment mit Francesca Caccinis „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“

06.05.18 (Andreas Hauff) -
Es ist schon erstaunlich: Seit langen Jahren kreisen Diskussionen und Forschungen in Kulturszene und Kulturwissenschaften immer wieder um die Gender-Frage. Doch Francesca Caccinis Oper „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“ – soweit bekannt, die erste von einer Frau komponierte Oper – bringt kein Theater auf die Bühne. Fast keines, muss man sagen, denn die Wuppertaler Oper hat jetzt einen Versuch gemacht. Aber sie verschiebt den Fokus des Stückes und versteht „liberazione“ (Befreiung) als Lizenz zur Digitalisierung.
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