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Nicht schweigen, nicht mehr schweigen – Zimmermanns „Weiße Rose“ in Schwerin

09.12.19 (Arndt Voß) -
Ob man will oder nicht, jede Aufführung von Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose“ ist eine Geschichtsstunde, eine imperativische zugleich, nicht mehr zu schweigen. Sie ruft kaum Erträgliches aus der Vergangenheit wach und zerrt Fatales der Gegenwart ins Bewusstsein. Eine Inszenierung des Zwei-Personen-Stückes kann deshalb noch so musikalisch wie ästhetisch verklärt sein oder sich dokumentarischem Realismus verweigern, das Grauen der letzten Stunden des Geschwisterpaares Sophie und Hans Scholl dringt durch. Anders noch bestätigte sich das in Schwerin, wo intensiv der Seelenverfassung der beiden zum Tode Verurteilten nachgegangen wurde.

Szenen einer Ehe mit Verdis „Un Ballo in Maschera“ in Oldenburg

09.12.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Oft haftet in Operninszenierungen die Verlegung in die heutige Zeit etwas angestrengt Gewaltsames an, auch wenn die Ergebnisse in der Regel auch viel Spannung haben. Nicht so beim Deutschlanddebüt der griechischen Regisseurin Rodula Gaitanou, die jetzt Giuseppe Verdis Schmerzensoper „Un ballo in Maschera“ in die Jetztzeit und darüber hinaus in das Milieu der Mafia versetzte.

Unklare Haltung zum Märchenkönig: Neufassung des Musicals „Ludwig II.“ in Regensburg

08.12.19 (Juan Martin Koch) -
Ursprünglich für das damals neu gebaute Füssener Theater geschrieben (UA 2000), brachte das Theater Regensburg das Musical „Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies“ (Musik: Franz Hummel, Libretto: Stephan Barbarino, Heinz Hauser) nun in einer neuen Fassung heraus. Juan Martin Koch berichtet über einen zwiespältigen Premierenabend.

Römisches Drama in der Mailänder Scala: Puccinis „Tosca“ mit Anna Netrebko

08.12.19 (Michael Ernst) -
Religion und Theater, das geht schon immer zusammen. Sonst könnten die selbsternannten Stellvertreter erdachter Götter ihre Allmachtsfantasien nicht so wirkungsvoll unter die Völker bringen. Puccinis „Tosca“ ist gleichsam ein Dreiklang aus Religiosität, Theatralik und Machtrausch. Und mehr? Michael Ernst war bei der Saisoneröffnung der Mailänder Scala vor Ort.

Auch im Beethoven-Mobil – BR-Klassik stellte sein Projekt „Beethoven bewegt“ vor

05.12.19 (Ursula Gaisa) -
Beethoven hat mit Bayern so viel zu tun wie Mozart mit Bonn? Ja und nein, denn zumindest auf der Durchreise von Bonn nach Wien machte Ludwig van, der 2020 seinen 250. Geburtstag hätte feiern können, des Öfteren Station, unter anderem in Würzburg, Nürnberg und Regensburg. Und schon wären wir bei einer der vier Säulen auf denen „Beethoven bewegt BR-KLASSIK“, der Beitrag des Bayerischen Rundfunks zum Beethoven-Jahr, steht.

Inkonsequente Aktualisierung – Faurés „Pénélope“ an Frankfurts Oper

03.12.19 (Wolf-Dieter Peter) -
In der ohnehin herrlich vielfältigen, weltweit beneideten deutschen Opernlandschaft schmücken sich die Häuser gerne mit Uraufführungen. Frankfurts Oper erkundet darüber hinaus auch blinde Flecken oder kaum erkundete Ränder des Repertoires – jetzt Gabriel Faurés einziges Musikdrama „Pénélope“, 1913 im damals auf Novitäten und Avantgarde erpichten Monte Carlo uraufgeführt. Auch unser Kritiker Wolf-Dieter Peter reiste an, um das Werk erstmals auf der Bühne zu erleben.

Denkanstöße zur Aufarbeitung des inklusiven Flickenteppichs Deutschland

03.12.19 (Andreas Kolb) -
Das italienische Schulsystem war in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts in vielem Vorbild für das heutige deutsche System der Inklusion. Eine halbwegs funktionierende Umsetzung eines inklusiven Unterrichts behinderter Schüler in der Regelschule blieb in der Praxis jedoch weit hinter den gesetzlichen Vorgaben zurück. Auch wenn diese Lücke heute nicht mehr so weit klafft, haftet dem italienischen System bis heute das Image an, ein bildungspolitisches Sparmodell zu sein, indem es sich vor einer differenzierten Sonderbeschulung drückt.

Fliegen ohne Absturzgefahr – Puccinis „La Rondine“ am Meininger Staatstheater

02.12.19 (Joachim Lange) -
Hörbar Freude an diesem Ausflug in das Zwischenreich von Oper und Operette hatte man am Meininger Staatstheater. Ein lichterloh brennender Konzertflügel vor wogendem Meer und darüber hinwegziehenden Wolken bildet das poetische Schlussbild der Meininger Inszenierung von Bruno Berger-Gorski. Das Ensemble bediente das Pathos des letzten Meisters der ganz großen italienischen Gefühlsoper sowie die Leichtigkeit des Plaudertons, den er eben auch drauf hat, findet Joachim Lange in der Besprechung der Premiere.

Kurz-Schluss – Wie mir einmal der Anfang einer Science-Fiction-Story gewissermaßen zur persönlichen Endzeitvision geriet

27.11.19 (Theo Geißler) -
Sorry, es folgt eine zugegeben umfangreiche aber eventuell doch notwendige Exposition: Eigentlich schien sich doch im Rahmen der Digitalwende so viel zum Besseren zu entwickeln: von künstlicher Intelligenz gesteuerte Killer-Drohnen und Robot-Krieger. Umfassend klug formierte Bits und Bytes entschieden darüber, welcher IS-Grande (natürlich samt Familie), welcher üble Whistleblower, welcher irre Perspektivmörder technisch sauber eliminiert wird. Präsidenten und Generäle sitzen vor Bildschirmen in ihren Kaminzimmern, beobachten glücklich, wie die Welt aus ihrer Sicht und deshalb objektiv ein wenig besser wird. Waschen sich wechselseitig die Hände in Unschuld. Denn was kann schon der Ingenieur dafür, wenn sich die Technik mehr oder weniger selbständig macht? [Vorab aus Politik & Kultur]

Bollywood und andere Missgeschicke – Saint-Saëns’ „Samson et Dalila“ an der Berliner Staatsoper

25.11.19 (Peter P. Pachl) -
Der übermächtig starke Samson, der in der Liebesvereinigung mit der gegnerischen Dalila seine Kraft verliert – ein grandioser Hollywood-Stoff! Das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen an der Staatsoper Unter den Linden und engagierten den argentinischen Filmregisseur Damián Szifron für die Neuinszenierung der Oper von Camille Saint-Saëns. Ein Experiment, das mit realistischen Monumentalkulissen wohl die Herzen konservativer Opernbesucher erfreuen sollte, das aber nach hinten losging, trotz partiell guter Personenregie und musikalischem Glanz.

Dürftig und reizvoll: Samuel Penderbaynes „Die Schneekönigin“ in Berlin

24.11.19 (Peter P. Pachl) -
Elektronik contra analoge Musikerzeugung – das scheint der zentrale musikalische Kampfplatz für diese Produktion in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin gewesen zu sein. Für unseren Rezensenten Peter p. Pachl ist das ein bisschen wenig. Als Theaterstück ist es gleichwohl gelungen und reizvoll.

Der Drache ist tot, es lebe der Drache – „Lanzelot“ von Paul Dessau und Heiner Müller in Weimar überwältigt

24.11.19 (Joachim Lange) -
Es hat Vorteile, dass man die Bühnenmaße der neue Oper Erfurt so gewählt hat, dass sie mit denen des Deutschen Nationaltheaters in Weimar kompatibel sind. Gegen die Allergie der Bürgerschaften, was diverse Fusionsabsichten betrifft, hat das zwar nichts genützt. Aber sinnvoll und technisch problemlos bei Großprojekten kooperieren kann man dadurch allemal. Das war bei den „Meistersingern“, vor drei Jahren so. Und es ist so bei der jüngsten Neuproduktion von Paul Dessaus Oper „Lanzelot“ nach einem Libretto von Heiner Müller, die jetzt in Weimar Premiere hatte. (In Erfurt dann ab 16. Mai 2020).

„Musik und Gegenwart 88“, Fabien Lévys Antrittskonzert in der HMT Leipzig

23.11.19 (Roland H. Dippel) -
Fabien Lévy (geb. 1968) wurde im Oktober 2017 als Professor für Komposition von der Hochschule für Musik Detmold an die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig berufen. Nächstes Jahr übernimmt er mit Constanze Rora die Leitung des 2016 gegründeten Zentrums für Gegenwartsmusik (ZfGM) von Claus-Steffen Mahnkopf. Am Vorabend des zweitägigen Symposiums „Was ist Musikphilosophie?“, veranstaltet vom ZfGM der Hochschule und des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Leipzig in Kooperation mit der Gesellschaft für Musik & Ästhetik am 23. und 24. November, fand Lévys Antrittskonzert statt.

Zugängliche Avantgarde – Das Progressive Chamber Music Festival in München

22.11.19 (Oliver Hochkeppel) -
Der Geiger Gregor Hübner wollte sich noch nie festnageln lassen. Weder auf Klassik oder Jazz; weder auf Tradition oder Avantgarde; weder auf Spaß oder Ernst; weder auf München, wo er eine Professur hat, noch auf New York, wo er wohnt. Also hat er einfach immer alles zu seiner Zeit und am passenden Ort gemacht. War eine solche Bandbreite zu den Jugendzeiten des heute 52-Jährigen noch rar, so liegt Crossover und die Beherrschung aller möglichen Musikstile heute bei den jungen Musikern im Trend.

Korngolds „Die tote Stadt“ wird im Münchner Nationaltheater gefeiert

19.11.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Endlich! München, die einstige „Hauptstadt der Bewegung“, deren Theater sich eifrig den braunen Kulturbarbaren angedient haben, hat ein Spielplan-Defizit. Auch im Bereich des Musiktheaters ist die alles Staunen werte Phalanx von Komponisten, die schon lange vor 1933 widerlich abqualifiziert und dann nicht mehr gespielt wurden, lang und breit. Nach 1955 jetzt endlich eine Serie von Korngolds „Opernhit von 1920“ – doch die Freude unseres Kritikers Wolf-Dieter Peter blieb nicht ungetrübt.

Wenn Nixen lieben – Antonín Dvořáks „Rusalka“ an Lübecks Theater

19.11.19 (Arndt Voß) -
„Rusalka“, Antonín Dvořáks geheimnisvolle Wasserfee, verfehlte ihre magische Wirkung nicht. Bezaubernd und beseelt agierte sie, entzückte den Prinzen, der ihr zu einer Menschenseele verhelfen sollte, und begeisterte das Publikum. Otto Katzameier hatte das Werk durch seine stringente Regie faszinierend, obendrein bedeutsam interpretiert. Zugleich wurde die Aufführung für Stefan Vladar, dem neuen Lübecker GMD, eine glanzvolle Bühnenpremiere. Arndt Voß berichtet.

Meyerbeer de luxe! „Dinorah“ am Gerhart-Hauptmann Theater in Görlitz

18.11.19 (Joachim Lange) -
Meyerbeer de luxe gab es am 16. November am Gehart-Hauptmann Theater in Görlitz. Das Ensemble verstand es, das Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit Realität werden zu lassen. Mehr als nur Kehlenkunststücke zu hören und Wald-Visionen zu sehen, bekam unser Rezensent Joachim Lange am Theater, das sich als kleine Schwester der Semperoper versteht.

Geräuschvolles Seelengemälde – Uraufführung von Chaya Czernowins „Heart Chamber“ an der Deutschen Oper Berlin

17.11.19 (Peter P. Pachl) -
Erfreulich, dass die Deutsche Oper Berlin alljährlich einen Kompositionsauftrag für eine neue Oper vergibt. Die Wahl fiel diesmal auf die besonders erfolgreiche, 1957 in Haifa geborene Komponistin Chaya Czernowin. Deren erste Oper war – ein seltener Fall bei Neuschöpfungen – wiederholt inszeniert worden, unter anderem auch von Claus Guth, der damit für die Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin prädestiniert schien. Die extrem aufwändige Produktion wurde sehr positiv aufgenommen. Peter P. Pachl rezensiert.

Magdeburg: Impuls-Festival mit jungen Werken und einer Uraufführung

15.11.19 (Roland H. Dippel) -
Nochmals ein Besuch beim Impuls-Festival für Neue Musik Sachsen-Anhalt – einige Wochen nach den Filmkonzerten „Brennweite“ mit Uraufführungen des Komponisten-Workshops von Annette Schlünz nach Animations- und Dokumentarfilmen aus dem Bauhaus und den Masterclass-Konzerten für junge Solisten und Dirigenten. Mit besonderer Freude beobachtet Festival-Leiter Hans Rotman die Verdichtung seines Konzepts, das Neugier für Neue Musik an verschiedenen Orten Sachsen-Anhalts vergrößern soll. Ein Bericht von Roland H. Dippel.

Fascho-Fantasy um Tosca – Münchens „anderes Opernhaus“ wagt sich an Puccinis Verismo-Thriller

15.11.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Seit Berlin auf dem Weg zur europäischen Metropole ist, tut sich München mit dem lange geltenden Titel „Heimliche Hauptstadt“ schwer. Doch eben zieht das Staatstheater am Gärtnerplatz, im Kern Münchens Komische Oper, mit dem Berliner Namenspartner gleich: es nimmt Werke ins Repertoire, die in Konkurrenz zum Spielplan der Staatsoper im Nationaltheater stehen. Ob diese Parallelität künstlerisch ergiebig ist, prüfte unser Kritiker Wolf-Dieter Peter.

„Chaos in die Ordnung bringen“: Das Festival „music unlimited“ in Wels

14.11.19 (Holger Pauler) -
Das Festival „music unlimited“ im oberösterreichischen Wels spannt seit mehr als drei Jahrzehnten den Bogen von freier Improvisation über zeitgenössische Musik bis hin zu modernem Rock und avantgardistischer Elektronik. Und das überaus erfolgreich. Die 33. Auflage, die vom 8. bis 10. November im Alten Schl8hof und an mehreren Orten in der Stadt stattfand, war einmal mehr ausverkauft. In diesem Jahr holten die Veranstalter gleich drei Jubilare auf die Bühne: die Pianistin Magda Mayas, den Gitarristen Kazuhisa Uchihashi und den Saxofonisten Joe McPhee, die anno 2019 ihren 40., 60. beziehungsweise 80. Geburtstag feierten. Als Dank durften sie das Festival gemeinsam kuratieren. Holger Pauler mit seinem Festivalbericht.

Mono-Oper bei der 29. Euro-Scene Leipzig: „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ mit Ozren Grabarić

13.11.19 (Roland H. Dippel) -
Ohne explizit am Musiktheater als geschlossene Sparte zu partizipieren, ergeben sich bei der Euro-Scene Leipzig immer wieder streifende oder direkte Brücken zu diesem. Nikolaus Habjan und Romeo Castellucci gehören zu den Künstlern, die Leiterin Ann-Elisabeth Wolff für umfangreiche Werkschauen nach Leipzig geholt hatte. In der 29. Festival-Ausgabe ging es vom 5. bis zum 10. November viel um Tanz. Ein Bericht von Roland H. Dippel.

Herausragend: Brittens „The turn of the screw“ am Theater Freiburg

11.11.19 (Georg Rudiger) -
Eine Gouvernante kommt in ein englisches Landhaus, um zwei Kinder zu betreuen. Eigentlich sollte nur noch die Haushälterin Mrs. Grose in dem prachtvollen Anwesen wohnen, aber schon bald tauchen zwei weitere Gestalten auf, die als Geister von Verstorbenen gedeutet werden. Die Idylle wandelt sich in Schrecken. Die rätselhafte Vergangenheit wird zur Bedrohung. Am Ende ist ein Kind tot. Und die Gouvernante verstummt. Georg Rudiger besuchte die Premiere von Brittens Oper am Theater Freiburg.

Tobende Emotionen – Händels „Alcina“ am Theater Bremen

11.11.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
In Georg Friedrich Händels 1735 entstandenem „dramma per musica“ „Alcina“ geht die heidnische Zauberin Alcina unter: ihre abgelegten Liebhaber hat sie auf einer verlassenen Insel in Tiere, Pflanzen oder Steine verwandelt und nun hat sie sich in ihr neuestes Opfer Ruggiero wirklich verliebt. Der Regisseur Michael Talke macht in seiner viel bejubelten neuen Inszenierung am Theater Bremen ein anderes Fass auf. Welches, erklärt unsere Kritikerin Ute Schalz-Laurenze.

Brutalismus aus US-Sicht – Frankfurts „Tamerlano“ kann nur gesanglich beeindrucken

10.11.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Innovation kommt ja oft „von außen“. In der Theatergeschichte finden sich zahlreiche Beispiele, wie die Off-Szene in die etablierten Häuser hineingewirkt hat und oft sogar selber zum Main-Stream wurde. Frankfurts Oper holte nun aus New York einen Händel-Fan, der in Kunstgalerien, Hallen und Festivals inszeniert hat und aufgefallen war. Auch unser Kritiker Wolf-Dieter Peter hoffte auf neue Händel-Aspekte.
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