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Mozart und Britten vorn – Werkstatistik des Bühnenvereins 2016/2017 erschienen

Ferdinand von Schirachs Gerichtsdrama „Terror“ ist mit 36 Inszenierungen mit großem Abstand Spitzenreiter im deutschen Schauspiel der Spielzeit 2016/2017. Das Stück, das in der vorangegangenen Spielzeit uraufgeführt wurde und schon damals mit 18 Inszenierungen stark eingestiegen war, hat seine Inszenierungszahl also verdoppelt. Auf dem zweiten Platz liegt Goethes „Faust“ (27 Inszenierungen), gefolgt von Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ mit 24 Inszenierungen. Unter den Top Ten befindet sich auf Platz 5 „Frau Müller muss weg“ von Lutz Hübner (20 Inszenierungen), auf Platz 8 „Geächtet“ von Ayad Akhtar (14 Inszenierungen) und auf Platz 9 die Houllebecq-Bearbeitung von „Unterwerfung“ (13 Inszenierungen).

Warten, gähnen – Sciarrinos „Ti vedo, ti sento, mi perdo …“ an der Berliner Staatsoper

13.07.18 (Peter P. Pachl) -
Vor vier Jahren, als sich die Staatsoper noch im Umbau befand und in der noch unvollendeten Neuen Werkstatt Sciarrinos „Macbeth“ zu Recht gefeiert wurde, erfolgte die Ankündigung einer Uraufführung dieses Komponisten an der Staatsoper. Das Auftragswerk – in Koproduktion mit der Mailänder Scala – kam dann allerdings im November vergangenen Jahres in der Inszenierung von Jürgen Flimm und unter der musikalischen Leitung von Maxime Pascal in Milano heraus.

Komplizenschaft im Nebel – Das Solistenensemble Kaleidoskop im Berliner Radialsystem V

10.07.18 (Martin Hufner) -
Das Solistenensemble Kaleidoskop bestreitet keine „normalen“ Konzerte. Es „performt“. Das heißt, es setzt seine Konzertdramaturgie fein abgestimmt auf die Werke und ihre Kombination im räumlichen und klanglichen Zusammenhang ein. Das geht mal schlechter auf, mal besser. Bei ihrem Abend „Fort / Da III – Unboxed (Clear Sky Remix) “ hat alles gestimmt.

Ein Amerikaner in Bayreuth – Joachim Lange im Gespräch mit „Lohengrin“-Regisseur Yuval Sharon

09.07.18 (Joachim Lange) -
Amerikaner trifft auf Malerpaar, einen Wagnerspezialisten und auf den Schwanenritter – Yuval Sharon (39) inszeniert den neuen „Lohengrin“ in Bayreuth. Der ist auf noch ganz andere Weise „neu“, als die Wahl von Malerstar Neo Rauch als Bühnenbildner und des ersten US-Regisseur auf dem Grünen Hügel sowieso schon erwarten ließ. Zur allseitigen Verblüffung über dieses Maß an Unprofessionalität hat Roberto Alagna die Titelpartie knapp einen Monat vor der Premiere zurückgegeben. Der von der Festspielleitung präsentierte Retter Piotr Beczała ist (wie man spätestens seinem Auftritt mit Anna Netrebko als Elsa in Dresden weiß) eine ausgezeichnete Wahl! Für den Regisseur ist er, wie er nach dem Beginn der Arbeit mit ihm sagt, „ein reiner Glücksfall!“

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 09.07. bis 15.07.2018

08.07.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 28. Schwerpunkte: Baldur Brönnimann im Portrait, Komponistin Ying Wang, Sebastian Berweck an Tasten und Elektrogeräten, Komponistin Lisa Streich, Ensemble Tetrachord | Neue Musik für den Sommer, Das Werk des Musikhistorikers Fred K. Prieberg (1928-2010), Neue Musik bei den Festivals, Von Haifischen und Seeräuberbräuten, Werkzeuge der Neuen Musik – Nicht-europäische Instrumente, Schorsch Kamerun: Kreiskolbenmotorhase, Junge Berliner Komponisten und ihr Umgang mit Social Media, Rudolstadt-Festival 2018, Angela Davis löscht ihre Website, Vive la Marseillaise! – Die Geschichte einer Hymne & Stefan George und die Tonkunst.

Hommage a Kroll-Oper – Opern von Ibert, Poulenc und Ravel an der UdK Berlin

06.07.18 (Peter P. Pachl) -
Die UDK zeichnet sich dadurch aus, dass sie den durch die drei großen Opernhäuser in Berlin ohnehin weit gefächerten reichen Spielplan durch überaus originelle Produktionen bereichert. Unter dem Titel „Trois Femmes“ hat der ebenso rührige wie einfallsreiche Dirigent Errico Fresis einerseits einen im Jahre 1930 von Alexander Zemlinsky an der Kroll-Oper realisierten Opernabend in der Abfolge adaptiert und zugleich noch eigenwillig angereichert.

Das Don Giovanni-Syndrom – David Martons Version von Mozarts „Don Giovanni“ in Lyon

06.07.18 (Joachim Lange) -
Dieses Spielzeitfinale passt gut zu Serge Dorny und der Oper in Lyon: „Don Giovanni“ in der Inszenierung von David Marton. Die Zuschauer, die dort in die Oper gehen und auch die Folgevorstellungen einer Premiere füllen, sind längst daran gewöhnt, dass sie etwas Bekanntes in einer neuen Sichtweise präsentiert bekommen. Mozarts „Don Giovanni“ trägt nicht nur das Bonmot von der „Oper der Opern“ vor sich her, sondern gehört tatsächlich zum Kernbestand der populären Mozart-Opern. Also des Genres überhaupt. In Lyon ist das eine spannende Angelegenheit.

Schlaglicht: Mit alten Göttern gegen die Krise – Musikinstrumentenbau in Griechenland

05.07.18 (Elisabeth Heinze) -
Im August will Griechenland aus dem Kreditprogramm aussteigen. Die Gläubigerinstitutionen (Europäische Kommission, Europäische Zentralbank, Internationaler Währungsfonds und Europäischen Stabilitätsmechanismus) begrüßen das, doch die Wirtschaft ist noch lange nicht wieder in Schwung. Viele haben längst das Land verlassen. Anders Familie Koumartzis. Mitten in der Krise, 2012 gründete sie das Unternehmen „Lutherios Musikinstrumente“ in Nordgriechenland, das sich auf Instrumentenbau von traditionellen und antiken griechischen Saiteninstrumenten und Trommeln spezialisiert hat.

EU-Entscheidung steht an: „Modernisierung“ des Urheberrechts?

04.07.18 (Martin Hufner) -
Vor Tagen ist ein Streit entbrannt, ob mit einer Vorlage des Rechtsausschusses des EU-Parlaments das Internet einer „Vorzensur“ durch Service-Provider wie YouTube eingeführt werden soll oder nicht. Kritiker des Gesetzesentwurfs, über den morgen das EU-Parlament entscheiden soll, befürchten genau dieses. Vertreterinnen von Autorinnenverbänden sehen das ganz anders. Worum geht es bei diesem Dissens?

Doppelter „Aufbruch“: Universitätsorchester Dresden mit der 3. Sinfonie von Weinberg

03.07.18 (Michael Ernst) -
Die musikdramaturgische Großtat eines Laienorchesters: Filip Paluchowski wagt sich an einen fast vergessenen Meister des 20. Jahrhunderts. Er hat allein 22 Sinfonien geschrieben, vier weitere bezeichnete er als Kammersinfonien, außerdem mehrere Opern, Solokonzerte und jede Menge Kammermusik und Filmkompositionen. In seinem Œuvre verbirgt sich persönliches Schicksal, spiegeln sich leidvolle Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Noch immer ist er nur einem (zu) kleinen Publikum bekannt. Daran haben selbst die spektakulären Ausgrabungen in jüngerer Zeit nur wenig geändert. Sein Name: Mieczysław Weinberg.

„Erdbeben. Träume“ – Toshio Hosokawas Uraufführung an der Oper Stuttgart

03.07.18 (Wolf Loeckle) -
Musiktheater ist ein wundersames, ein gar wunderbares Ding. Die diesjährige Münchener Biennale für neues Musiktheater bot aktuell und bietet immerhin seit 1988 schon reichlich Gelegenheit, darüber nachzudenken. Die OPERSTUTTGART legt nun nach mit einer fulminanten Weltpremiere, der Uraufführung ERDBEBEN. TRÄUME von Japans Topkomponist Toshio Hosokawa.

Allzu schöne Vernichtungen – Strawinsky und Dallapiccola an der Semperoper

02.07.18 (Roland H. Dippel) -
Igor Strawinskys Opern-Oratorium „Oedipus Rex“ nach Sophokles‘ Tragödie und Luigi Dallapiccolas „Il Prigioniero“ („Der Gefangene“) sind eine ganz starke Kombination. Nach ihren Regie-Erfolgen mit Henzes „Gisela!“ und „We come to the River“ kommt Elisabeth Stöppler an die Semperoper Dresden zurück und gewinnt bei Dallapiccola eine weitaus höhere Intensität als bei Strawinsky. Ein eindringlicher, wenn auch zu runder Abend mit einem phänomenalen Solisten- und Chorensemble, angeführt von Claudia Mahnke und Lester Lynch.

Giuseppe Verdis „Macbeth“ an der Staatsoper Berlin

02.07.18 (Peter P. Pachl) -
Die als Festspieloper initiierte Produktion von Giuseppe Verdis „Macbeth“ in der Inszenierung des Altmeisters Harry Kupfer, mit den Stars Anna Netrebko und Placido Domingo in den Hauptrollen sowie Daniel Barenboim am Pult, funktioniert in der Öffentlichkeit auch bei den Folgevorstellungen trefflich.

Tönend bunte Bilder zur Stadtgeschichte – Uraufführung eines „Fugger“-Musicals in Augsburg

01.07.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Bremen hat seine klingenden Stadtmusikanten, Hameln seinen von Wilfried Hiller vertonten Rattenfänger. In Apolda und Rothenburg führen singende Nachtwächter durch abendliche Straßen. Da liegt es nahe, dass Augsburgs damaliger Weltstar Jakob Fugger auch die Bühne betritt – und um ihn abermals populär zu machen: in einem neuen Musical von Stephan Kanyar und Andreas Hillger.

„Ein Porträt des Künstlers als Toter“ von Davide Carnevalis und Franco Bridarollis in der Neuen Werkstatt der Staatsoper Berlin

01.07.18 (Peter P. Pachl) -
Letztmals findet in diesem Jahr das von Jürgen Flimm initiierte Berliner Festival für Neues Musiktheater „INFEKTION!“ statt. Es brachte die Berliner Erstaufführung einer als Koproduktion mit der Münchener Biennale entstandenen, am 3. Juni 2018 dort uraufgeführten Produktion in der Inszenierung des Autors Davide Carnevali.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 02.07. bis 08.07.2018

01.07.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 27. Schwerpunkte: Peter Ruzicka, Ilhan Mimaroglu, Ensemble Neue Horizonte Bern, Das mystische Klavier, Evan Gardner, Werkzeuge der Neuen Musik, ensemble 20/21 der Musikhochschule Köln, Wolke-Verlag, Britten-Musikfestival in Aldeburgh und Wechselgesänge und -bilder.

Vladimir Jurowski bringt mit dem Ensemble UnitedBerlin „Musikalische Opfer“

01.07.18 (Isabel Herzfeld) -
„Bravo Beethoven“ tönt es aus dem Publikum, als Maximilian Marcoll den Beifall für die Uraufführung seiner „Amproprification #8: EROICA“ entgegennimmt. Wer stärkeren Anteil an diesem Werk hat, ob der 36jährige Komponist aus Lübeck oder der gut 200 Jahre ältere „Wiener Klassiker“, das ist hier durchaus die Frage.

MÖHREN-SALAT – DIE Politik & Kultur-TRUMP-FAKES

29.06.18 (Theo Geißler) -
New York: New Trumpism | Hamburg: Elbphilharmonie und Bundeswehrausstattung | Berlin: ARD startet Kriminalreport | Dresden: AfD benennt sich um | Berlin: Piratenpartei auf Datenschutzjagd

Der Festspiel-Star fürs Wohnzimmer – Das Londoner „Otello“-Debüt Jonas Kaufmanns auf DVD

28.06.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Gute Opernfestspielkarten sind nur zu Preisen von jenseits 200 Euro zu haben… und auf dem Schwarzmarkt kursieren noch weit höhere Summen. Da bieten DVD und Bluray die preiswerte Alternative – und angesichts heutiger Digitaltechnik fürs TV-Bild und angeschlossener Tonanlage sind reizvoll ferne Aufführungen technisch sehr gut ins Wohnzimmer zu holen.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal einem geistig-sportlichen Sieg im wahrsten Sinne des Wortes entgegenfieberte

26.06.18 (Theo Geißler) -
Eine fiese Sommergrippe – kennen Sie das? Fieber, nicht zu hoch. Lässt aber den Schädel brummen. Es kratzt der Hals, die Bronchie röchelt. Fürchterlich, wenn die Sonne durchs Fenster sticht – deshalb: verdunkeln. Was gerade noch funktioniert, ist: vorsichtig fernsehen. Zwischen Zappen und Schlummern zu heilen versuchen. Leichte Kost bevorzugen, gerade auch im TV. Ein Glücksfall: die Fußball-Weltmeisterschaft. Ein Glücksfall? Soweit ich das zwischen etlichen Schweißausbrüchen mitbekam, verloren unsere deutschen Weltmeister, die sogenannte „Mannschaft“, der Stolz unserer Nation, die Speerspitze unserer Leitkultur, ausgerechnet gegen Mexiko. [Vorabdruck aus Politik & Kultur 2018/04]

Internationale Schostakowitsch-Tage mit Schostakowitsch-Uraufführung

25.06.18 (Michael Ernst) -
Gibt es das, ein Musikfest, das seit beinahe zehn Jahren besteht und noch nie enttäuscht hat? Das gibt es. In einem beschaulichen Kurort in der Sächsischen Schweiz, eine knappe Stunde östlich von Dresden, dorthin lockt seit 2010 ein kleines, aber sehr feines Fest eine stetig wachsende Hörergemeinde.

Christof Loy überwältigt in Frankfurt mit Bellins „Norma“

25.06.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Mondpriesterin, Gallier, Römer, Druiden, Irminsul, Mistelzweige – alles für einen Sandalenfilm zwischen „Cäsar“ und „Vercingetorix“… Regisseur Loy zu seinem Ansatz: „Ich spürte, dass Elza van den Heever einen Raum braucht, wo sie nicht durch Dekoratives sich selbst reduziert, sondern über sich hinauswächst.“ Das führte zu Faszination und Tränen.

Seelenmusik: Der Komponist Samuel Adler zu Gast bei „musica reanimata“

24.06.18 (Martin Hufner) -
Man kann viel über neue Konzertformate nachdenken. Das ist gut. Man kann aber auch ganz einfach auf die Kraft der Sache und der Handlung setzen. Das Gesprächskonzert der Berliner Veranstaltungsreihe „musica reanimata“ am Donnerstag war so ein Glücksfall. In Person und Werk des amerikanisch-deutschen Komponisten Samuel Adler, mittlerweile 90 Jahre alt, wurde Musik- und Zeitgeschichte lebendig gehalten und hat einen ergriffen. Gesprächspartner Albrecht Dümling ist dafür zu danken.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 25.06. bis 01.07.2018

24.06.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 26. Schwerpunkte: Hans Jürgen von der Wense, Esa-Pekka Salonen, George Rochberg, Marco Stroppa, Bernd Alois Zimmermann | ### | Festival „Infektion!“, „Forum Wallis“, Das rhythmische Büro, Festival Acht Brücken, Romanischer Sommer Köln, Klaviermusik palästinensischer Komponisten und: Am Grabe (mit Schatten) – Ein radiophones Audio-Ritual.

Schwerpunkt an den Rändern: Lied-Gesang beim Bachfest Leipzig 2018

21.06.18 (Roland H. Dippel) -
Nicht weniger als zehn der 161 Veranstaltungen des Bachfestes 2018 waren dem Kunstlied, liedähnlichen Formen mit Kammerensembles und weltlichen Solokantaten in kleinen Besetzungen gewidmet. Mitgezählt spartenübergreifende Beiträge – ausgelassen Veranstaltungen, die in Form und Besetzung als Kammer-, Sakral- oder Orchesterkonzert definiert werden könnten. Damit ist das Bachfest durch Umfang und Repertoirebreite neben den Lied-Schwerpunkten beim Heidelberger Frühling, bei der Schubertiade Schwarzenberg, dem Liedsommer Eppan oder den Star-Petitessen der Münchner und Salzburger Festspielen bestens aufgestellt.
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