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Das Orchester spricht – Zur Wiedereröffnung des Grand Théâtre Genève mit Wagners „Ring des Nibelungen“

15.02.19 (Georg Rudiger) -
Draußen funkelt das Gold in den prachtvoll renovierten Foyers des Grand Théâtre Genève, das zweieinhalb Jahre geschlossen war. Drinnen möchte der scheidende Intendant Tobias Richter im wiedereröffneten Opernhaus mit dem „Ring des Nibelungen“ von 2013/14 (Regie: Dieter Dorn, Bühne: Jürgen Rose) den Glanz auch in den nüchtern und funktional gebliebenen Zuschauerraum bringen. Das mystische Vorspiel zum „Rheingold“ als Schöpfungsakt, als Weihe des wiedereröffneten Hauses – eine durchaus stimmige Dramaturgie.

nmz news update_0215: Daniel Barenboim | Preis der Deutschen Schallplattenkritik | Insolvenzen bei Tonger Köln und KNV Erfurt

15.02.19 (mh) -
Unser Informationsupdate zu aktuellen Themen: Daniel Barenboim und die Staatsoper Berlin in der Kritik | Joana Mallwitz im Gespräch mit der Zeitschrift „Oper & Tanz“, Insolvenzen beim Musikhaus Tonger in Köln und beim Buchzwischenhändler KNV .

nmz news update_0214: Intendantendämmerung in Halle? | Urheberrecht und Untergang des „freien“ Internets |

14.02.19 (Martin Hufner) -
Unser Informationsupdate zu aktuellen Themen: Heute mit einem Blick auf auf die Situation am Theater Halle und einen Update zur hysterischen Diskussion um die Entwicklung des EU-Urheberrechts im digitalen Binnenmarkt. Unser Autor empfiehlt: Geduld und Abkühlung.

Wolfgang Mitterers „Schneewittchen“ an der „opera stabile“ in Hamburg

12.02.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Immer wieder werden die Märchen zur Grundlage von Filmen, Romanen und Vertonungen, so vieldeutig sind sie in ihren meist psychoanalytischen Interpretationen. Zahllos sind die „Schneewittchen“-Verfilmungen nach dem Märchen der Gebrüder Grimm, aber auch in literarischen Adaptionen finden sich namhafte Künstler wie Theodor Storm und Robert Walser. Engelbert Humperdinck hat, noch bevor er „Hänsel und Gretel“ vertonte, 1888 vier Klavierlieder über Schneewittchen nach dem Libretto seiner Schwester Adelheid Wette geschrieben. Diese Lieder und noch anderes Material von Humperdinck regten den österreichischen Komponisten Wolfgang Mitterer 2016 zu der Kinderoper „Schneewittchen“ an, die jetzt an der Hamburgischen Staatsoper Premiere hatte.

Das Klavier in unserem Leben – Eindrücke vom Eclat Festival Stuttgart

12.02.19 (Andreas Kolb) -
37 Uraufführungen in fünf Tagen, das ergibt einen Schnitt von etwa sieben neuen Werken am Tag. Mehr als je zuvor war das Eclat Festival vom 6. bis 10. Februar 2019 im Stuttgarter Theaterhaus – übrigens nach wie vor eine der architektonisch besten Produktionsstätten für neue Musik – eine Messe der musikalischen Möglichkeiten der Gegenwart. Was die eingeladenen 26 Komponistinnen und 24 Komponisten alles präsentierten, reichte vom „harmlosen“ (in Anführungszeichen!) Schubert-Abend über neue Musik als sozialreformerische Bemühung bis hin zu auf höchstem Niveau gefertigter und dargestellter Kammer-, Chor- und Orchestermusik.

Waten in der Geschichte: die Münchner Staatsoper triumphiert mit Ernst Kreneks „Karl V.“

11.02.19 (Juan Martin Koch) -
Der Beginn ist grandios: Aus der riesigen Projektion von Tizians „jüngstem Gericht“ löst sich zu Karls Abdankungsmonolog plötzlich eine lebende Gestalt und beginnt zu klettern, geradewegs Tizians Himmel empor… Doch bald zerfällt das Bild, übrig bleibt ein unzusammenhängendes Mosaik rechteckiger Einzelteile.

Offenbach Operette 4.0 – Das Jewish Chamber Orchestra Munich in den Kammerspielen München

11.02.19 (Christian Kröber) -
Jedes Jahr ist Jubiläumsjahr. Und so feiert die Musikwelt 2019 Leopold Mozart, Clara Schumann und Jacques Offenbach, der im Salzburger Sommerfestival mit einer Inszenierung seines „Orpheus in der Unterwelt“ – hier mondän als Orpheé aux Enfers tituliert – zu höheren Weihen gelangen soll. Das lässt auch die Münchner nicht ruhen, die mit dem Jewish Chamber Orchestra Munich (JCOM) und ihrem Gründer und Leiter Daniel Grossmann zwei unbekannte Einakter Offenbachs auf die Bühne der Münchner Kammerspiele gebracht haben.

Clara Schumann und Genderforschung: Eine Fachtagung in Leipzig

10.02.19 (Roland H. Dippel) -
Studierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ haben anlässlich des Jubiläumsjahrs zum 200. Geburtstag der Pianistin und Komponistin „Eine Tagung für Clara Schumann" veranstaltet. Unser Autor Roland H. Dippel konstatiert eine bunte fachliche Mischung, mit individuellem Erkenntnisgewinn:

Viel Zuckerwatte: Pierantonio Valtinonis Oper „Der Zauberer von Oz“ am Theater Erfurt

10.02.19 (Roland H. Dippel) -
Zürich 2017. Berlin 2018, Erfurt 2019. Die Neuvertonung von „Der Zauberer von Oz“ des Italieners Pierantonio Valtinoni (geb. 1959) könnte ein Serienerfolg werden. Seine Oper auf den Text von Paolo Madron (geb. 1956) enthält kräftiges Spielfutter für Musiker und Bühne. Am Theater Erfurt verhielt man sich äußerst respektvoll und liebevoll zu dieser Partitur in der deutschen Fassung von Hanna Francesconi. Die Realisierung der Kinderchöre wurde in dieser Premiere zum Höhepunkt des Abends.

Dann schrei‘n wir eben dort! – Modest Mussorgskys „Boris Godunow“ am Theater Lübeck

06.02.19 (Arndt Voß) -
Ein kleines Opernhaus wie das in Lübeck kann manches nicht allein stemmen. Kooperation, nichts Ehrenrühriges, ist angesagt, will es seinem Publikum das Außergewöhnliche bieten, wie es zum Beispiel Modest Mussorgskys „Boris Godunow“ ist, das stimmgewaltige und szenisch aufwändige Epos aus dem alten Russland und die Genietat eines Autodidakten. Diesmal halfen das Staatstheater Nürnberg und die GöteborgsOperan, um auch in Lübeck (Premiere: 25. Januar 2019) nach Jahrzehnten einmal wieder der Frage nachzugehen, hat Boris nun oder hat er nicht den Zarewitsch gemordet.

Ohne Grummeln – Das Céline Bonacina Crystal Quartet gastierte beim BMW Welt Jazz Award

06.02.19 (Ssirus W. Pakzad) -
Drei Männer, drei Frauen. Diese paritätische Gewichtung hat sich niemand im Vorfeld ausgedacht, sie war keine Grundvoraussetzung für die 11. Ausgabe des BMW Welt Jazz Awards, über dem das Motto „Saxophone Worlds“ steht. Nein, sie ist das Resultat eines umfassenden Blindfold-Texts, bei dem die Mitglieder der Jury die Teilnehmer für den renommierten Wettbewerb aussuchen. Eigentlich ist diese ausgewogene Geschlechterverteilung keine wirkliche Überraschung, verschaffen sich doch immer mehr Saxofonistinnen in der internationalen Jazz-Szene Gehör. Eine davon, die Französin Céline Bonacina, gastierte jetzt im Doppelkegel der BMW Welt und wurde gefeiert.

Ein Walkürenrastplatz lieg am Golf – Die Bayreuther Festspiele gastieren in Abu Dhabi

04.02.19 (Joachim Lange) -
Zu dem, was jeder über die Bayreuther Festspiele zu wissen glaubt, gehören die einst jahrelangen Wartezeiten auf Eintrittskarten. In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, waren es tatsächlich die 11 Jahre aus der Legende. Aber nicht, um ins Allerheiligste der Wagnerpflege nach Bayreuth zu kommen, sondern umgekehrt. In diesem Falle kommen die Bayreuther Festspiele nämlich zu den Emiratis. Angeführt von der Festspielchefin Katharina Wagner persönlich. Als Gastspiel des einzigartigen Orchesters und einer handverlesenen Auswahl von zum Teil recht hügelerfahrenen Sängern.

Eiskalter Schrecken: Beryl Korots und Steve Reichs Video-Oper „Three Tales“ am Theater Erfurt

03.02.19 (Roland H. Dippel) -
Während die Landesbühnen Sachsen mit „Coppélia – Android Q1“ die Gefahren personalisierter Glücksverheißungen auf den Prüfstand stellen, gibt es im Studio des Theaters Erfurt einen beklemmenden Blick auf drei kollektive Katastrophen des 20. Jahrhunderts: Die Video-Oper „Three Tales“ von Beryl Korot und Steve Reich, uraufgeführt bei den Wiener Festwochen 2002, ist „eine intermediale Performance in drei Teilen, in denen bedenkliche Implikationen und Konsequenzen technischer Entwicklungen im 20./21. Jahrhundert thematisiert werden“ (Pressetext des Theaters Erfurt).

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 04.02. bis 10.02.2019

03.02.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 06. Das Publikum als Werkzeug der neuen Musik | die Kontrabassklarinette | Zeitgenössische Musik im Film | Saxhörner und Aidas Trompeten – Die Erfindungen des Monsieur Sax | Ultraschall Berlin | Donaueschinger Musiktage 2018 | rainy days | Werkzeuge der Neuen Musik – Das Cello | Bühnenbeleuchtung von der Wachskerze bis zur LED-Lampe | Der Sound, der aus der Kälte kam | Forum neuer Musik 2008 | Meilensteine der Moderne (21) Stockhausens Kontakte.

Schmissig-pfiffige Schnee-Männerei – Uraufführung von „Drei Männer im Schnee“ am Münchner Gärtnerplatztheater

02.02.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Erich Kästners Texte sind „Musik-affin“: Chansons mit seinen Gedichten zeugen davon; viele Passagen in den Romanen sind so luftig leicht und kess-frech, dass sie nach Vertonung „schreien“. Vor über zwei Jahren gab Intendant Josef Köpplinger dem mehr als Genre-erfahrenen Thomas Pigor den Auftrag zu einer Revue-Operette im Stil der 1920-30er Jahre. Das Endergebnis wurde nun einhellig bejubelt.

Ein rumorendes Konzert an der Akademie – Streichquartette von Halffter und Gubaidulina

02.02.19 (Andreas Kolb) -
2012 erhielt die Europäische Union den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte. Zurecht wie der Autor dieser Zeilen meint, gerade aus musikalischer Sicht ist ein – wenn auch im brüderlichen Wettstreit – vereintes und friedliches Europa eine der größten Errungenschaften seit Jahrhunderten. „Alle Menschen werden Brüder“: der Europäer Beethoven war nicht der einzige Musiker, der sich Kunstfreiheit und Menschenwürde in einem geistigen Europa wünschte. Bis in unsere Zeit reichen die politischen Verwerfungen, unter denen auch die beiden Komponisten zu leiden hatten, die der Musikdirektor der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Peter Michael Hamel, aufs Podium in der Residenz lud. Er stellte der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina und dem spanischen Komponisten Christobal Halffter die Frage: „Wie klingt Europa im 21. Jahrhundert?“

„Es geht darum, wahrhaftig zu sein“ – Organist und Komponist Jean Guillou gestorben

01.02.19 (Hannah Schmidt) -
Diese Interpretationen machen süchtig: Es ist 19 Jahren her, da spielte Jean Guillou an seinem Instrument in der Pariser Kirche Saint Eustache das gesamte Bach‘sche Orgelwerk ein – zehn Konzerte in wenigen Wochen, zu denen das ganze Viertel kam. Man presste die eher dürftig abgenommene Musik ohne nachträgliche Schnitte und tonmeisterliche Politur auf zwölf CDs – der tosende Applaus nach jedem Werk ist mit drauf, knackende Kirchraum-Geräusche und kleinste Unsauberkeiten, die der damals 70-jährige Guillou seinen Fingern und Füßen nicht mehr verbot. Es sind die wahrscheinlich virtuosesten Bach-Einspielungen auf einer Orgel, die es gibt: sensationell musikalisch und extrem libertär.

Blutgräfin in da house: „Elizabetta“ von Gabriel Prokofiev und David Pountney am Theater Regensburg

01.02.19 (Juan Martin Koch) -
Ein erfahrener Opernmensch als Librettist, ein Musiktheater-Neuling mit großem Namen: Das Theater Regensburg hat es wieder einmal geschafft, mit einer Uraufführung überregionales Interesse zu entfachen. Szenisch zündet das durchaus, musikalisch eher weniger, findet Juan Martin Koch:

Frei aber gemeinsam – die neue Orchesterakademie KAPcampus

01.02.19 (Antje Rößler) -
Im Jahr 2000 entstand die Kammerakademie Potsdam (KAP), das Hausensemble des Potsdamer Nikolaisaals. Die Gründungsmitglieder kommen also langsam in die Jahre. Für Nachschub sorgt nun die neue Orchesterakademie KAPcampus, die Nachwuchsmusikern eine praxisnahe Ausbildung bietet. Es handelt sich um die erste Orchesterakademie im Bundesland Brandenburg.

Hausheilige und eine Uraufführung: Breitkopf & Härtel feiert in Wiesbaden seinen 300. Geburtstag

30.01.19 (Juan Martin Koch) -
Mit einem Festkonzert des hr-Sinfonieorchesters im Wiesbadener Kurhaus hat Breitkopf & Härtel das Jubiläumsjahr zu seinem 300. Geburtstag eröffnet.

Von elegisch bis wild – Das Maciej Obara Quartet eröffnete den 11. BMW Welt Jazz Award

30.01.19 (Ssirus W. Pakzad) -
Schon witzig, dass das zehn lange Jahre gedauert hat – jetzt endlich steht beim BMW Welt Jazz Award der Klangerzeuger im Mittelpunkt, den fast ein jeder irgendwie mit Jazz in Verbindung bringt. „Saxophone Worlds“ ist der 11. Jahrgang des überaus beliebten Wettbewerbs, den der Münchner Autobauer seit 2009 mit viel Engagement ausrichtet, diesmal überschrieben. Zum Auftakt zeigte sich ein Altist aus Polen von seiner besten Seite: Maciej Obara.

Lulus Utopie – Marco Štorman inszeniert am Theater Bremen Alban Bergs „Lulu“

29.01.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Der Regisseur Marco Štorman mag nicht, dass Alban Bergs „Lulu“ ein Opfer ist. Das ist zwar nicht neu, aber 2019, im Jahr „einer aufregenden Debatte über Geschlechterrollen und -Definitionen“ (Štorman) will er mit unglaublicher Energie und Folgerichtigkeit in der 1937 uraufgeführten Oper gar eine Utopie darin sehen, dass gegenseitiges Unverständnis doch überwunden werden kann – wie auch immer.

Entlarvung allen Rassismus – Die St. Petersburger Erstfassung von Verdis „Forza del Destino“ an der Oper Frankfurt

29.01.19 (Wolf-Dieter Peter) -
„Volatil“ sind derzeit weltweit fließende Geldmengen, daran hängende Entscheidungen und damit auch Menschen. War 1860, zu Zeiten von Verdis Komposition, eine Handlung zwischen Spanien, seinen mittelamerikanischen Kolonien, Österreich und Italien ein alle klassischen Theaterregeln sprengende „Unglaublichkeit“ – so kann das aus heutiger Sicht auch „die ganze Welt“ sein – so in der Frankfurter Neuinszenierung.

Leonard Bernsteins „On The Town“ in der Musikalischen Komödie Leipzig

28.01.19 (Roland H. Dippel) -
„On The Town“ kam im Jubiläumsjahr 2018 zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein definitiv zu kurz. Dabei klotzt das 1944 am Broadway uraufgeführte und aus dem Sujet des Balletts „Fancy Free“ entwickelte Musical nur so von Attacken gegen den Geschlechterrollen-Wahn im Amerika der Jahre um 1940. Bernstein kehrt mit den Textbuch-Autoren Betty Comden und Adolph Green konventionelle Kontakt-Anbahnungsstrategien um. Wer kapert sich wen beim 24-stündigen Landgang der Matrosen Gabie, Ozzie und Chip?

Das letzte Foto – Puccinis „La Bohème“ an der Komischen Oper Berlin

28.01.19 (Peter P. Pachl) -
Henry Murgers Vorlage zu den „Bohème“-Opern von Leoncavallo und Puccini wurde bezeichnenderweise vom Dichter der ersten Räterepublik, Erich Mühsam, unter sozialistischem Aspekt betrachtet. Barrie Koskys Neuinszenierung verzichtet auf politische Dimensionen, sie konzentriert sich ganz auf die Begegnung junger Leute mit dem unerwartet in das heitere Leben einbrechenden Tod. Die Premiere wurde ob ihrer Spielfreude und lauten Gesangs fast einhellig goutiert.
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