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Offenbach mit Bleigewicht – „Häuptling Abendwind“ an der Semperoper Dresden

16.12.18 (Roland H. Dippel) -
Ambitioniertes und Schwieriges aus (neuerer) Oper, Operette und Musical inklusive aller anspruchsvollen Hybridformen dazwischen bringt die Sächsische Staatsoper mit einer gekonnten Stückwahl in ihrer zweiten Spielstätte SemperZwei. Neben Höhepunkten führt das manchmal zur Bestätigung angezweifelter Fakten: Diesmal zeigte sich einmal mehr, dass Offenbach höllisch schwer ist und mehr sein muss als die Kombination von begabten jungen Opernstimmen, kabarettistischem Wollen, materialreicher Ausstattung und musikalischem Können: „Häuptling Abendwind“ wird an der Semperoper Dresden zur rumpelnden Bruchlandung.

Die Radio-Woche vom 17.12. bis 23.12.2018

16.12.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 50. Beat Furrer, Jahresrückblick Neue Musik 2018, Bernd Alois Zimmermanns „Roi Ubu“, Neue Musik und Tanz, Dusslige Diven und heisere Helden, Charlotte Seither, Der Klang von 68, Bayerische Komponistinnen – Die Münchner Musikhochschule, Franz Schuberts „Winterreise“ in Bearbeitungen, Kolonialklaviere in Australien, Bialas-Kompositionswettbewerb, Christina Kubisch: Schall und Klang, Groove auf 16 Saiten – Das Feuerbach Quartett, Georgia Koumará, Noisy Christmas, Musik der Welt: Dàimh.

Die unglückliche Euryanthe als Glücksbringerin – Carl Maria von Webers Große romantische Oper in Wien

15.12.18 (Frieder Reininghaus) -
„Euryanthe“ ist ein Meisterinnen- und Meisterwerk aus Wien. Nicht nur Carl Maria von Webers so effektintensive Partitur von 1822/23 hat in der Geschichte des Musiktheaters eine Leuchtspur hinterlassen und half, zusammen mit dem „Freischütz“, den Mythos einer „Geburt der deutschen Oper“ begründen. Auch das viel gescholtene Textbuch Helmina von Chézys hat bemerkenswerte Qualitäten. Es erscheint als Fundgrube für Denkformen, Sehnsüchte und Propagandamuster in der Restaurationsepoche nach 1815. Zu der bieten sich von der Gegenwart des derzeitigen Österreich her manche Bezugspunkte an.

In Bonn: Familie „Karl Marx in London“ von Jonathan Dove und R. Weber uraufgeführt

12.12.18 (Joachim Lange) -
Karl Marx (1818-1883) ist eine Ikone. Für seine Anhänger. Aber auch für seine Gegner. Schon, weil der Rauschebart auf den ersten Blick wiedererkennbar ist. Zu seinem 200. Geburtstag haben die Chinesen seiner Geburtsstadt Trier ein kolossales Denkmal zukommen lassen. Mit dem die Trierer erstmal klarkommen müssen. Der „Nischel“ in Chemnitz ist schon weltberühmt. Seit kurzem (leider) als Demo-Hintergrund noch berühmter. Über die allfälligen TV-Reminiszenzen zu Marx’ 200. Geburtstag lässt sich (Mario Adorf hin oder her) trefflich streiten.

Ernstgenommen: Tatjana Gürbaca inszeniert in Essen einen düsteren „Freischütz“

11.12.18 (Joachim Lange) -
Carl Maria von Webers „Freischütz“, die vermeintlich deutsche Nationaloper ist populär. Was ein genereller Vorzug, aber auch eine Herausforderung für Regisseure ist. Märchen oder Satire, psychoanalytisches Gründeln in den Tiefen kollektiver Ängste oder Polittheater. Man kann da schnell mit vermeintlicher Werktreue scheitern.

Bittersüße Politsatire – Jacques Offenbachs „Barkouf“ in Strasbourg aufgeführt

11.12.18 (Dieter David Scholz) -
Zwei Jahre nach dem triumphalen Erfolg des „Orphée aux enfers“ brachte Jacques Offenbach am 24.12. 1860 in der Pariser Opéra comique – in der er als Jugendlicher das Cello im Orchestergraben gespielt hatte, seine Opéra-bouffe „Barkouf“ zur Uraufführung, es war sein erstes Werk für die Salle Favart. Es verschwand allerdings nach nur acht Vorstellungen von der Bühne, das Libretto wurde nur in den Oeuvres complètes des Librettisten Eugène Scribe publiziert, die Partitur nie, lediglich zehn Einzelnummern aus dem Klavierauszug.

Pferde in den Ruinen von Rom: Mailänder Scala eröffnet die neue Saison mit Verdis „Attila“

10.12.18 (Michael Ernst) -
Der Papst sitzt fest im Sattel und mit dem einzig wahren Glauben werden die Hunnen besiegt. So geht Risorgimento an der Mailänder Scala. Verdis Schlachtendrama aus dem 5. Jahrhundert wird beinahe gegenwärtig.

„Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist...“ – Trojahns „Was Ihr wollt“ in Hannover

10.12.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wenige Minuten nach Beginn der Premiere von Manfred Trojahns zweiter Oper „Was ihr wollt“ an der Niedersächsischen Staatsoper Hannover rauschte eine Dame aus den vorderen Reihen hinaus und knallte lautstark die Tür: was vermuten ließ, dass es ihr nicht schlecht oder sonst was war, sondern dass sie protestierte. Nanu? Trojahns wuchtvolle Eingangsklänge waren für alles Mögliche geeignet, aber nicht fürs Abschrecken.

Sturm in der Sprudelflasche – Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“ in Halle

09.12.18 (Joachim Lange) -
Le Grande-Duchesse de Gérolstein – der Titel dieser Jacques-Offenbach-Operette aus dem Jahre 1867 klingt im französischen Original eine Spur eleganter, als die vergleichsweise bodenständige deutsche Großherzogin von Gerolstein. Das klingt mehr nach Sprudelwasser als nach Champagner. Andererseits passt es besser in die gute Stube der Stadt Halle, die Klemens Kühn für Annegret Hahns Inszenierung nachgebaut hat. Etwas verfremdet, aber mit Wiedererkennungseffekt. Die Stadtwappen an den Wänden und die Fähnchen lassen daran keinen Zweifel.

Karpfen im Hochwasser – Stauds „Die Weiden“ an der Wiener Staatsoper uraufgeführt

09.12.18 (Georg Rudiger) -
Die letzte Uraufführung an der Wiener Staatsoper liegt mit Aribert Reimanns Oper „Medea“ acht Jahre zurück. Mit „Die Weiden“ von Johannes Maria Staud und einem Libretto von Durs Grünbein hat nun das traditionsreiche Haus ein komplexes Werk gestemmt, das nicht nur mit einer riesigen Orchesterbesetzung, Live-Elektronik (SWR-Experimentalstudio), Bühnenmusik, Chor und einem großen Solistenensemble enorm gefordert wurde. Auch das Thema besitzt gerade in Österreich mit der Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen FPÖ enorme Brisanz. Staud und Grünbein, die schon die früheren Opern „Berenice“ (2004) und „Die Antilope“ (2014) gemeinsam schrieben, haben sich auf die Suche nach dem Rechtsruck in Europa begeben, haben sich Hetzreden angehört und sich überlegt, wie man die Entmenschlichung optisch und klanglich ins Bild fassen kann.

Transatlantisches Geplänkel: Emmerich Kálmáns „Die Herzogin von Chicago“ am Theater Regensburg

09.12.18 (Juan Martin Koch) -
Make Operette great again: Das war wohl das Ansinnen, mit dem sich das Theater Regensburg der „Herzogin von Chicago“ angenommen hatte. Jenes Stückes von 1928 also, das wie kaum ein anderes eine Art Wachablösung im Unterhaltungstheater markiert. Hatten damals doch amerikanische Rhythmen – mithin das, was man in Europa als „Jazz“ zu kennen glaubte – Walzer und Czárdás in der Publikumsgunst überholt.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 10.12. bis 16.12.2018

09.12.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 50. Saxophonist Marcus Weiss, Jasna Velickovic, Sergej Maingardt, Happy Birthday, Collegium Novum Zürich!, 90 Jahre Boléro, 25 Jahre cnz – das Jubiläumskonzert, Klangregie in der Neuen Musik, Ensemble recherche – Auf’s Land, Ursula Jones – Orchestermanagerin und Talentscout, 5. Saarbrücker Tage für elektroakustische und visuelle Musik, Scott Joplin und der Ragtime, Felix Kubin: Phantomspeisung, Blaues Rauschen 2018, Bremer Projektgruppe Neue Musik, Schwitters-Sound, Fin de partie – Szenen, Monologe, Oper in einem Akt von György Kurtág, Witten 1969 – 2018.

To diskurs or not to diskurs – Musikalische Zeitfragen im „Raum für Kunst und Diskurs nemtsov & nemtsov“

06.12.18 (Martin Hufner) -
Es hatte etwas von einem Versuch, einen immerwährenden und dauerverwickelten Knoten zu öffnen. Gisela Nauck, die Herausgeberin und Verlegerin der „Positionen – Texte zur aktuellen Musik“ (bis zum Ende dieses Jahres) lädt zum Gespräch ein. In sechs Folgen, verteilt über das kommende Jahr stellt sie „Musikalische Zeitfragen“. Am 1 Dezember standen diese unter dem Motto „Diskursverlust – Diskursnotwendigkeit“. Ein bisschen eine Art Moebiusband-Frage, die sich, in dem man sie stellt, schon beantwortet.

Ganz nah am Text: Prokofiews „Die Liebe zu den drei Orangen“ in Stuttgart

05.12.18 (Georg Rudiger) -
Ein Prinz, der sich auf der Bühne übergeben muss, ein gestandener Bass als böse Köchin und ein Zauberer, dessen magische Kräfte vom Teufel angezweifelt werden: Sergej Prokofiews Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ hat viele groteske Momente. Dass nun aber die Prinzessin, in die sich der Prinz unsterblich verliebt, schwanger ist, steht nicht im Libretto, sondern ist nur an der Stuttgarter Staatsoper zu erleben. Da braucht es einen Regisseur wie Axel Ranisch, der die (echte) Schwangerschaft von Esther Dierkes als Ninetta parodistisch aufgreift und so selbstverständlich in die absurde Handlung integriert, als wäre es so ausgedacht.

Wenn „Salome“ zu „Schneewittchen“ wird – Oscar Wilde ohne Strauss am Gorki

05.12.18 (Roland H. Dippel) -
„Salome“ ohne Tanz, mit ganz anderer Musik! Klingt aufregend. Umso mehr, wenn 90 Minuten vor der Premiere eine Sondermeldung des Gorki-Theaters die Produktion als Uraufführung ausweist. „Stripping and Teasing“ („Strippen und Foppen“) lautet die Parole. Es geht weder um Oscar Wilde noch um eine poetisch dargestellte Endzeit, sondern um den Aufschrei nach Freiheit der Geschlechter in menschlicher Un-Gemeinschaft.

Richard Strauss an Dresdens Semperoper: „Ariadne auf Naxos“ zwischen Antike und Rokoko

04.12.18 (Michael Ernst) -
Die Oper in der Oper, das ist eine ebenso dankbare wie fragwürdige Angelegenheit. Richard Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal haben vor gut hundert Jahren nach ihren gemeinsamen „Rosenkavalier“-Erfolgen mit „Ariadne auf Naxos“ eine hübsche Verbindung von Antike und Rokoko, von Mythologie und damaligem Zeitgeist auf die Bühnen zu bringen versucht. Der bis heute anhaltende Erfolg von „Ariadne auf Naxos“ gibt ihnen noch nachträglich Recht. Was aber nicht bedeuten muss, dass jede Neuproduktion dieses genremäßigen Zwitterwesens auf Gegenliebe stoßen muss.

Tiefgang über die Liebe – Mozarts „Entführung aus dem Serail“ am Theater Bremen

04.12.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Natürlich gab es am Ende Buhs: denn man hatte in Bremens neuer Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ alles Mögliche gesehen, nur kein Serail, in dem die gekidnappten Europäer sich ja eigentlich befinden. Der junge Schauspielregisseur Alexander Riemenschneider, der damit seine zweite Oper inszenierte, wartete auf mit einem philosophischen und psychologischen Tiefgang über die Liebe, der jede Erwartung gegenüber dem berühmten Singspiel vollkommen umkrempelte. Angesichts der Vielfalt der Entführung-Inszenierungen der letzten Jahre will das schon etwas heißen. Riemenschneider doppelte die Protagonisten mit Schauspielern. Das erlaubte ihm den Versuch, die Protagonisten zeitgleich zu ihren Erlebnissen über sich reflektieren zu lassen.

Viermal Hoffmann, einmal Donna Anna – Intelligenter Offenbach in Gera

04.12.18 (Roland H. Dippel) -
„Don Giovanni“ steht auf dem Programmheft und auf dem Transparent über dem Portal. Dann blinzelt im Prélude Goethe ins Auditorium, aber nur vom Video als Büste in der Fassade des Geraer Jugendstil-Theaterbaus. Sofort landet die vergoldete Dachstatue des schönen Gebäudes als Muse auf dem Orchestersteg und outet sich als eifersüchtiges Frauenzimmer, die E. T. A. Hoffmann ganz für sich will. Deshalb verkleidet sie sich in Wolfgang Amadeus Niklas und macht den Dichter zum Alkoholiker. In Gera spielt man „Hoffmanns Erzählungen“ als das, was dieser Opern-Torso ist: Ein immer wieder neues Opern-Abenteuer mit Glücksmomenten und Fallen!

Bürgerkrieg, Brüche und Belcanto – Bellinis „I Puritani“ an der Oper Frankfurt

04.12.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Kantilene ist Utopie“ sagte Hans Neuenfels in den Jahren seiner ersten Opernneudeutungen. In Vincenzo Bellinis letzter Oper lieben sich Menschen aus feindlichen Lagern, der Bräutigam rettet eine andere Frau unmittelbar vor der eigenen Hochzeit und seine Braut verfällt dem Wahnsinn. Doch als er nach drei Monaten zurückkehrt, ist sie sofort geheilt, Heirat samt allgemeine Amnestie… und all das drei Stunden lang in traumschönen „melodie lunghe, lunghe“ mit allem vokalen Prunk des klassischen Belcanto – kein Wunder, dass das Werk selten gespielt wird.

Ach, Carmen! – Eine Enttäuschung an der Oper Leipzig

03.12.18 (Joachim Lange) -
„Carmen“ ist das, was man eine sichere Bank nennt. Viel gespielt. Beliebt. Selbst wenn irgend etwas daran nicht so ganz gelingt oder gar daneben geht, füllt sie die Häuser. Es bleiben die Habanera, mit der Carmen und das Auftrittslied, mit dem der Torero Escamillo in den Kampf ziehen. Es gibt Micaëla und auch Don Josés schwelgerische Verbundenheit mit der Mutter und der Heimat. Dass der gute Junge ein von heute und von Mitteleuropa aus gesehen ziemlich verschroben überholtes Frauenbild hat und man sich eigentlich nur hinter Carmens Lebens- und Freiheitsbegriff stellen kann, ist eine andere Geschichte.

Siegfrieds Schlittenfahrt – Wagners Götterdämmerung an der Oper Chemnitz

02.12.18 (Michael Ernst) -
Wie eiskalt ist der Wagner hier. Mit den ersten Takten der „Götterdämmerung“ in Chemnitz erleben wir ein Gefrieren aller Gefühle. Nicht etwa, weil die Robert-Schumann-Philharmonie unter ihrem spanischen Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo unterkühlt musizieren würde – im Gegenteil: hier wird heißblütig aufgespielt, dennoch ausgewogen klangstark, wohlbedacht dosiert und bestens begleitet. Eiskalt ist der Ort dieses Weltuntergangs-Szenarios von seinem Anfang bis zum frostigen Ende.

Eigene Mischung – „Les Contes d'Hoffmann“ an der Deutschen Oper Berlin

02.12.18 (Peter P. Pachl) -
Die Aufführungsgeschichte der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ seit der Uraufführung des von Jacques Offenbachs unvollendeten Bühnenwerks, 1881 in Paris, hat bis heute kein Ende gefunden. In Berlin waren in den vergangenen Jahren diverse Lesarten, unterschiedlich komplettiert nach der kritischen Ausgabe von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck, auf der Bühne zu erleben. Darunter 2014 in kleiner Form, musikalisch bearbeitet und mit Neukompositionen von Anne Champert in der Tischlerei der Deutschen Oper, 2015 eine von Barrie Kosky als „albtraumartige[r] Horrortrip“ apostrophierte Fassung für die Komische Oper Berlin, mit den ersten beiden Akten in der von Michael Kaye rekonstruierten Bariton-Fassung, dem dritten bis fünften Akt in der Tenorversion. Nun das für Berlin neue Remake einer Inszenierung aus dem Jahre 2005 in Lyon.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 03.12. bis 09.12.2018

02.12.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 49. „Music, Philosophy, and Modernity“, Schlagzeug spielen, Edgar Bredow zum 105. Geburtstag, Arnold Schönbergs „Gurrelieder“, Frank Zappa’s Easy Listening Advent(ure) Show, Musik von und für Hans-Jürg Meier, Dirigent François-Xavier Roth, Ensemble recherche – Auf’s Land, Darmstädter Ferienkurse, Mailänder Scala gestern und heute, Konzert des Jugendensembles für Neue Musik Rheinland-Pfalz/Saar, Dimitri Terzakis, Radiophonic Spaces, Wovon hängt Erfolg ab?, Elektronische Musik und Techno, Skandal um Hans Werner Henzes ,Floß der Medusa’, 90 Jahre Boléro, Zwölftontechnik und Psychoanalyse, Alberto Posadas.

Im Reich der Lichtobjekte – Jean-Philippe Rameaus „Hippolyte et Aricie“ an der Staatsoper Berlin

01.12.18 (Peter P. Pachl) -
Der anfängliche Eindruck der Zuschauer*innen in der Aufführung von Rameaus Tragedie en cinq actes, sie befänden sich – angesichts der zahlreichen Lasereffekte im Paraffin-Nebel – in einem Disco-Club oder in einer Pop-Großveranstaltung, verhärtet sich noch, als über dem Orchestergraben eine gigantische Prismen-Spiegelkugel herabgesenkt wurde. Ohne Zweifel: Pluto, Merkur und Diana sind mitsamt Familie und Bediensteten eingekehrt ins Disco-Reich.

Klamauk – Paul Abrahams „Märchen im Grandhotel“ am Staatstheater Mainz

30.11.18 (Andreas Hauff) -
Auf den ersten Blick passt Paul Abrahams 1934 in Wien uraufgeführte Operette „Märchen im Grandhotel“ ins Schema der Gattung: Eine exilierte Kronprinzessin mit adligem Gefolge im mondänen französischen Cannes, dazu ein Hotelketten-Eigner, der seinem studierten Sohn ein halbjähriges Berufspraktikum als Kellner verordnet. Der verliebt sich unsterblich in die Prinzessin. Modern im Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda allerdings ist die zweite Komponente:
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