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Wenn Berlioz, Frank Zappa, Black Sabbath, Led Zeppelin und ein tauber Beethoven gemeinsam eine Melodie verprügeln

05.01.22 (Burkhard Schäfer) -
Der US-Amerikaner Robert Trevino (Jg. 1984) ist Chefdirigent des Basque National Orchestra, Künstlerischer Berater des Malmö Symphony Orchestra und Erster Gastdirigent des Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI. Kürzlich hat Trevino für Ondine einen Exklusivvertrag unterzeichnet. Bei diesem Label ist 2020 u.a. auch seine Einspielung aller Beethoven-Sinfonien mit dem Malmö Symphony Orchestra erschienen. Nun hat Trevino mit dem Basque National Orchestra ein neues Album für Ondine aufgenommen. Es trägt den Titel „Americascapes“ und bringt Orchesterwerke US-amerikanische Komponisten zu Gehör, die sowohl diesseits als auch jenseits des Großen Teichs bislang noch weitgehend unbekannt sind. Burkhard Schäfer sprach mit Robert Trevino über seine Leidenschaft für die vergessenen Pioniere der amerikanischen Kunstmusik.

Bellinis seltene „Zaira“ als „Theater unter Vorbehalt“ in Gießen

30.12.21 (Andreas Hauff) -
„Theater unter Vorbehalt“ hatte das Stadttheater Gießen schon im Frühsommer für die Saison 2021/22 angekündigt. Weder wisse man so recht, schrieb Intendantin Cathérine Miville in der Spielzeit-Vorschau, unter welchen Voraussetzungen man werde spielen können, noch was „auf dem kreativen Marktplatz der Gedanken“ gefragt sei. Wie Theater zusehends zum Abenteuer wird, war nun am 1. Weihnachtsfeiertag bei Vincenzo Bellinis „Zaira“ zu erleben.

Rollenspiele zwischen Realität, Startum und Societygetue – „Le Postillon de Lonjumeau“ in Erl

30.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Wenn eine Arie zum Wunschkonzertschlager avanciert, ist mitunter Vorsicht geboten. So war Adams opéra comique von 1836 aus dem Repertoire gefallen – auch wegen der Anforderung an den Tenor, mehrfach mit dem hohen D zu glänzen. Doch inzwischen entdeckt Frankreich seine Operntradition und stellt wiederholt fest: das ganze Werk ist nicht von gestern. Auch die Tiroler Festspiele in Erl bewiesen das jetzt.

Haydneum-Entdeckung Nummer Eins: Gregor Joseph Werner

29.12.21 (Roland H. Dippel) -
Anfang Oktober 2021 wurde in Budapest und in Schloss Esterházy in Fertőd die Gründung der Stiftung Haydneum mit einem Festival eröffnet. Künstlerischer Direktor von Haydneum ist Benoît Dratwicki neben seinen Aufgaben im Centre de Musique Baroque de Versailles. Haydneum will unbekannte Musik aus den großen ungarischen Musiksammlungen publizieren, aufführen und promoten. Der Schwerpunkt liegt auf Sammlungsbeständen von etwa 1630 bis 1820. Eine erste Entdeckung sind Oratorien von Joseph Haydns Eisenstädter Amtsvorgänger Gregor Joseph Werner.

Michael Kubes HörBar 48 – Josquin 500

28.12.21 (mh) -
Nachdem im 14. und 15. Jahrhundert zahlreiche Komponisten (die zugleich wohl auch immer Sänger waren) zusehends aus dem Dunkel der Namenlosigkeit getreten waren, bildete sich an der Wende zum 16. Jahrhundert um Josquin Desprez und sein Schaffen ein geradezu modern anmutender Kult. Michael Kube hat für seine 48. HörBar fünf aktuelle Aufnahmen unter die Hörlupe genommen.

Liebe ist einfach schwer – Die Festspiele Erl wagen eine Belebung von Pietro Mascagnis „L’amico Fritz“

27.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Oper ist so was von pervers: Lug und Trug, Verrat, Nötigung, Quälerei, Folter, Totschlag, Mord – meist hingerissen bejubelt und beifallsumrauscht. Oper ist so was von einseitig: lebenslange Freundschaft, Ergebenheit, Treue, schlichte Liebe – naja, schon auch, ganz nett, aber nicht umwerfend. Pietro Mascagni wollte 1891 das Gegengewicht zum Jubel um Betrug und Mord in seiner „Cavalleria rusticana“ schaffen – doch dieses andere Werk setzte sich nicht so recht durch. Das hinterfragen derzeit die Festspiele in Erl.

Baustellen-Party mit Glamour: Palazetto Bru Zane spielt die rekonstrierte Urfassung von Offenbachs „Pariser Leben“

27.12.21 (Roland H. Dippel) -
In einer Aufführungsserie an französischen Theatern präsentiert Palazetto Bru Zane, das Zentrum für französische Musik der Romantik, Jacques Offenbachs Opéra-bouffe „Pariser Leben“ in der rekonstruierten Fassung vor Freigabe durch die Zensur zur Uraufführung im Pariser Théatre des Variétés 1866. Roland H. Dippel war bei der Premiere im Pariser Théâtre des Champs-Élysées am 21. Dezember 2021 dabei und hält die musikalische Leistung für weitaus gelungener als die Inszenierung, Bühne und Kostüme von Christian Lacroix. Die Produktion wurde von arte aufgezeichnet.

Die Redaktion der neuen musikzeitung wünscht ein friedvolles Weihnachtsfest

24.12.21 (nmz-red) -
Die gesamte Redaktion der neuen musikzeitung und ihre Mitarbeiter wünschen nicht nur allen unseren Online-Besucherinnen und -besuchern, sondern wirklich allen ein gesundes, frohes und friedliches Weihnachtsfest. Wir werden hier in den nächsten Tage auch etwas kürzer treten, halten aber in kleiner Besetzung unseren Informationsdienst aufrecht. Stöbern Sie derweil gerne in den aktuellen Ausgaben der neuen musikzeitung, der Jazzzeitung und von Oper & Tanz. Bestimmt es etwas für Sie dabei.

Kommentar – Die Nürnberger NS-Kongresshalle soll Ausweichquartier der Oper werden

20.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Mama, wir haben gewonnen!“ ruft der kleine Sohn am Ende von Roberto Benignis hinreißendem Film „Das Leben ist schön“ der Mutter zu. Die abziehenden Deutschen Faschisten hatten eben im Lager seinen Vater erschossen, doch jetzt sitzt er triumphierend auf dem versprochenen Panzer der US-Truppen. Sein Satz kann eventuell und hoffentlich auch nach Vollendung des Nürnberger Stadtratbeschlusses vom Dezember 2021 gelten.

Halt a‘ Marthaler-Kollasch: Eine Musik-Montage von 1915 bis 1935 als „Giuditta“ an der Bayerischen Staatsoper

19.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Freunde, das Leben ist lebenswert“ und Richard Tauber, dieses hinreißende Weib Giuditta und Lehár selbst am Pult in der Wiener Staatsoper – das war 1934. „Die Münchner Neuinszenierung verbindet und verblendet dieses Werk mit anderen künstlerischen Reaktionen auf die damalige Zeit von Kollegen Lehárs, nicht als Demontage. Nein, Montage! Christoph Marthalers Radikalität bedeutet radikale Poetisierung. So landet das Stück bei uns im Heute“ erklärt Dramaturg Malte Ubenauf zur Neuinszenierung.

Ein Loch im Eisernen – Premiere von „Viktoria und ihr Husar“ in Halle

18.12.21 (Joachim Lange) -
Die Zeit und damit den historischen Kontext der Operette von Paul Abraham hat Regisseur Patric Seibert von den Jahren nach dem Ersten in die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt. Was willkürlich klingt, aber funktioniert, weil damit die Vorlage gleichsam zur Kenntlichkeit entstellt wird. Die Sache zündet insgesamt szenisch und musikalisch, findet unser Kritiker Joachim Lange.

Paminas Traumspuk – eine etwas andere, umgewürzte „Zauberflöte“ am Theater Kiel

15.12.21 (Arndt Voß) -
Darf die überhaupt noch gespielt werden, die „Zauberflöte“? Dies wird gefühlt zumindest jährlich einmal bei Spielplangestaltungen an-, vielleicht aufgeregt diskutiert, bis wieder jemand schwach wird und sich an ihr versucht. Denn landauf und landab, landin und landaus zeigt man sie, neu oder gebraucht, in Braunschweig oder in Nürnberg für Jung & Alt, in Basel und St. Gallen, in Berlin im Planetarium, in New York im Kino oder gar im fernen Kambodscha. Jüngst gab es sie coronakonform in Bremen und ganz neu nun in Kiel, genau am 11. Dezember 2021, wo man den arg diskutierten Sonderlichkeiten der „Zauberflöte“ anders beikommen wollte.

Der Orchesterfusionär – Johannes Bultmann im Gespräch mit Georg Rudiger

14.12.21 (Georg Rudiger) -
Johannes Bultmann (Jahrgang 1960), seit Herbst 2013 künstlerischer Gesamtleiter der SWR Klangkörper und Festivals, verlässt Ende des Jahres das SWR Symphonieorchester. Mit Georg Rudiger unterhält er sich über seine Tätigkeit als Orchesterfusionist zweier Orchester, ihrer Neuaufstellung als ein Orchester unter Teodor Currentzis – und darüber, wie es jetzt für das Orchester und ihn selbst weitergeht.

Tragödische und burleske Ehe-Desaster: „A Gentle Spirit“ und „The Bear“ in Gera

14.12.21 (Roland H. Dippel) -
Packendes Theater mit subtiler Musik sind John Taverners faszinierend dichtes Zweipersonen-Drama „A Gentle Sprit“ (1977) wie William Waltons Burleske „The Bear“ (1967). Im Theaterhaus Gera gelangten beide Stücke in packend unterschiedlichen Spielformen an einem Abend zur Premiere. Gesungen wurde auf englisch.

Strawinsky-Boxen in der nmz HörBar · Von Michael Kube

14.12.21 (mh) -
In diesem Jahr jährte sich der Todestag von Igor Strawinsky zum 50. Mal. In unserer nmz-HörBar hat sich Michael Kube fünf dicke CD-Boxen zur Rezension vorgenommen. Sie stammen von den Plattenschwergewichten Warner Classics, Deutsche Grammophon, Decca und Sony (2 mal). Strawinsky, soweit das Ohr reicht.

Unheimelig: Wolfgang Rihms Kammeroper „Jakob Lenz“ am Nationaltheater Mannheim

13.12.21 (Georg Rudiger) -
Ein kahler Wald im Nebel. Dürre, dünne Stämme ragen in den Theaterhimmel. Kein heimeliger Ort, keine idyllische Natur, sondern abgestorbenes Leben. Die Tür knallt im dunklen Parkett und ein Mann mit Rucksack auf dem Rücken poltert durch die Reihen. Gehetzt, verstört, auf der Flucht. So beginnt im Nationaltheater Mannheim Wolfgang Rihms Kammeroper „Jakob Lenz“.

Mondestrunken. Schönbergs „Pierrot lunaire“ im Berliner Theater im Delphi

13.12.21 (Stefan Drees) -
Immer häufiger findet Arnold Schönbergs Komposition „Pierrots lunaire“ op. 21 seinen Weg auf die Theaterbühne. Eine Inszenierung im Berliner Theater im Delphi am Prenzlauer Berg stellte die symbolbeladenen Aspekte der zugrundeliegenden Texte Alfred Girauds auf poetische Weise in den Vordergrund, wartete allerdings auch mit einigen Schwächen auf.

Plattenbau-Phantasie: Schostakowitschs Operette „Moskau, Tscherjomuschki“ in Augsburg

13.12.21 (Roland H. Dippel) -
Hier und jetzt gibt es mehrere Argumente für Neuinszenierungen von Dmitri Schostakowitschs 1959 am Moskauer Operettentheater uraufgeführter und dann über Jahrzehnte vernachlässigter Musikalischer Satire „Moskau, Tscherjomuschki“. Das Staatstheater Augsburg präsentierte in der immer stabiler werdenden Ersatzspielstätte martini-Park eine russisch-deutsche Mischfassung, Liebe zu Details bei der Erkundung des sozialistischen Alltags und einen bravourösen Schostakowitsch-Sound. Jubel.

Im Stehen sterben – Markus Lüpertz malt in Meiningen eine Oper: Puccinis La Bohème

12.12.21 (Joachim Lange) -
Die Rechnung ging auf. Und sie hatten auch noch Glück. Wie jedes Theater, dem (außerhalb von Sachsen) gegenwärtig eine Premiere gelingt, war auch in Meiningen allein schon die Tatsache, dass der Vorhang hoch ging, ein kleiner Triumph. Über die Pandemie. Aber auch über eine Politik, die Theaterdichtmachen mit effektiver Virusbekämpfung verwechselt.

Fürchtet euch nicht – In Kassel inszeniert Jochen Biganzoli Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“

08.12.21 (Joachim Lange) -
Kaum ein Werk mit der Vertonung der christlichen Weihnachtsbotschaft ist so sehr wie das Weihnachtsoratorium aus den Jahren 1734/35 heute in beiden Sphären daheim: in der christlichen und der weltlichen. So gesehen hat es durchaus eine innere Logik, Johann Sebastian Bachs terminbezogenes Meisterwerk auch auf die Bühne eines Opernhauses zu holen, so wie es jetzt Jochen Biganzoli am Staatstheater Kassel.

Das Versagen der Erzieher – Michael Talkes Antwort auf die großen Fragen der „Zauberflöte“ in Bremen

07.12.21 (Ute Schalz-Laurenze) -
Nicht wenige Regisseure haben gesagt, dass Mozarts „Die Zauberflöte“ das schwerste Stück überhaupt sei. Wo sind wir und wer sind die Protagonisten: die Frage stellt sich immer wieder neu. Es gehört zum 1791 entstandenen Stück, der „Oper aller Opern“, dass sie nicht beantwortbar ist.

Leise schwebende Töne am Rand der Hörbarkeit – Diana Damrau als Anna Bolena im Opernhaus Zürich

07.12.21 (Georg Rudiger) -
Ganz am Ende nach der langen Wahnsinns-Szene steht Diana Damrau bei ihrem Rollendebüt als Anna Bolena nochmals allein auf der Bühne. Der erste Vorhang im Opernhaus Zürich gehört der deutschen Sopranistin, die den stürmischen Applaus berührt entgegennimmt. Zu Beginn des Abends war eine andere Sängerin im Mittelpunkt: Edita Gruberova, die vor wenigen Wochen verstorbene Königin des Belcanto.

Eierlehre statt Rassenlehre: Walter Braunfels’ „Die Vögel“ an der Oper Köln

06.12.21 (Philipp Lojak) -
Zwischen Sehnsucht und der Psychologie der Massen hat Regisseurin Nadja Loschky „Die Vögel“, Walter Braunfels’ „lyrisch-phantastisches Spiel“ von 1920, an der Oper Köln angelegt. Eine äußerst gelungene Produktion, findet unser Autor Philipp Lojak:

Politisch motivierte Kammeroper: „Undzer Shtetl brent“ in Köln

05.12.21 (Roland H. Dippel) -
Musikdebatte Köln meldet sich mit der Uraufführung der Kammeroper „Undzer Shtetl brent“ in der Trinitatiskirche zurück. Christian von Götz und Ralf Soiron erarbeiteten mit Vertonungen und Improvisationen über Poeme des jüdischen Liedkomponisten Mordechai Gebirtig ein packendes, weil bohrendes Erinnern ohne sentimentale Ausflüchte.

Gegen Trübsal immunisieren lassen: Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ am Theater Regensburg

05.12.21 (Juan Martin Koch) -
Mit einem bewährten Operettenklassiker versucht das Theater Regensburg sein reduziertes Publikum bei Laune zu halten. Vor allem im ersten Akt gelingt dies Regisseur Cusch Jung und dem Ensemble bestens.
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