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Musikalischer Sog – „Salome“ von Richard Strauss am Theater Nordhausen

Im September diesen Jahres, also in der Spielzeit 2017/2018 feiert das Theater Nordhausen den 100. Geburtstag seines prächtigen Theatergebäudes im Herzen der nordthüringischen Kleinstadt. Wichtiger noch als dieses Gebäude selbst ist, was in ihm an Leben entsteht, Tag für Tag. Und da fällt die Bilanz hinsichtlich der Qualität der Inszenierungen der letzten Jahre durchaus positiv aus. Repertoire-Raritäten waren dort zu sehen – und selbst vor großen Herausforderungen sind die in Nordhausen künstlerisch und organisatorisch Verantwortlichen nie zurückgeschreckt. Jüngstes Beispiel: Richard Strauss‘ „Salome“!

Der Bass singt – Das Chris Minh Doky Trio läutete den 9. BMW Welt Jazz Award ein

23.01.17 (Ssirus W. Pakzad) -
Oft wird den Menschen erst in der Ferne klar, was Heimat bedeutet. Der dänisch-vietnamesische Bassist Chris Minh Doky hat gut zwei Jahrzehnte seines Lebens in den USA verbracht. Dort wurde der in Kopenhagen geborene Musiker immer wieder mit der Frage konfrontiert, was es bedeute, aus dem Norden Europas zu stammen.

Banaler und brutaler Geschlechterkampf – Laura Scozzi modernisiert Rossinis „Italienerin in Algier“

22.01.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Hinzuengagiert: eine traumschöne Erotik-Tänzerin, die sich auch mal nackt zeigt; ein hoch trainiertes Tänzerpaar, das brutale Stunt-Liebes-Kämpfe vorführt; sechs Tänzerinnen als Escort-Girls in Reizunterwäsche – damit siedelte Regisseurin Scozzi Rossinis Dramma giocoso in der Welt von Berlusconi und Peter Hartz an.

Ruhe vor dem Sturm – Brechts und Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ als Passion an der Oper Halle

22.01.17 (Joachim Lange) -
Wenn man nach der Premiere des „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Bert Brecht und Kurt Weill beim Verlassen des Opernhauses „Wie man sich bettet, so liegt man“ oder „the moon of Alabama“ vor sich hin summt oder sich am liebsten den Weg „in the next whisky bar“ zeigen lassen würde, wie es im berühmten Alabama-Song so schön heißt, dann geht das natürlich zuerst auf das Konto der beiden kongenialen Musik- und Texterfinder Weill und Brecht.

Shakespeare hübsch weggeputzt – Henry Purcells Semi-Opera „The Fairy-Queen” im Theater an der Wien

20.01.17 (Frieder Reininghaus) -
In der Mitte des 17.Jahrhunderts, während der Jahrzehnte der Puritaner-Herrschaft der Cromwells, blieben in England die Theater zwangsweise geschlossen. Aber auch nach 1660, als die mehr oder minder moralischen Anstalten wieder aktiv werden durften, hatte die italienische Oper in London einen schweren Stand – anders als im übrigen Europa, wo die Hofopern allüberall und durchweg das ganz auf Musik gestützte dramma per musica pflegten.

Bizet beeindruckt auch vor „Carmen“ – Münchens Gärtnerplatztheater wagt „Les Pêcheurs de Perles“

19.01.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Das stellt TV-Krimis in den Schatten: Das Liebespaar stirbt auf dem Scheiterhaufen; oder: der enttäuschte Dritte begeht Selbstmord; oder: die Liebende tötet sich zwischen beiden Männern; oder: der enttäuschte Dritte wird von seinen Gefolgsleuten erstochen; oder: der Oberpriester erdolcht den störenden Dritten… alles in Bizets „Perlenfischern“!?

Der Cremona-Code oder wie ein musikalischer Mythos Betrüger anlockt

19.01.17 (dpa) -
Berlin/Köln - Ob Stradivari, Guarneri oder Vuillaume: Alte Streichinstrumente sind heiß begehrte Objekte. Bei Musikern, Sammlern, Geldanlegern - und bei Dieben. Ein Streifzug durch die Welt der schönen Klänge und der dunklen Machenschaften.

Bewegung in der Bewegungslosigkeit – Uraufführung von Younghi Pagh-Paans Streichquartett

19.01.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
„Elphi“ heißt es schon liebevoll und der gerade eröffneten Hamburger Elbphilharmonie ist – bei allem Verständnis für die Proteste – nur das Beste zu wünschen (wir berichteten). Im Fernsehen haben Millionen die Eröffnung des großen Saales mit seiner phänomenalen Akustik gesehen und nun gab es im Kleinen Saal ein denkwürdiges Konzert.

Komponiert, musiziert muss sie sein, die Utopie – Juan Allende-Blin kuratiert den Essener Kirchenraum

18.01.17 (Georg Beck) -
Modulation in Echtzeit. Gestern Zentrum, heute Peripherie. Vom Elbphilharmonie-Eröffnungsrauschen nach Essen-Rellinghausen, von den Novitäten eines Wahr- und Wunderzeichens an einen Ort, der gerade nichts hermachen will; einer jener Kirchbauten wie sie einem Vorkriegs-Protestantismus gefielen. Die Exzellenz überlassen wir anderen! Und dann gab es genau hier eines der exzellentesten Konzerte im Kirchenraum, die Wir in NRW in letzter Zeit so erlebt haben.

Flugzeugbomberwrack als Wodanseiche – Henry Purcells Semi-Opera „King Arthur“ an der Staatsoper Berlin

17.01.17 (Peter P. Pachl) -
Eine die Mittel des barocken Theater mit heutiger Videotechnik perfektionierende Bühnenpräsentation zweier Regisseure, die für die Kombination von Schauspiel- und Opernelementen dieser Semi-Opera verantwortlich zeichnen und die nunmehr 24. Staatsoperneinstudierung des Barock-Spezialisten René Jacobs, – wie kommt es, dass das 40 Musiknummern umfassende, an der Berliner Staatsoper um 30 weitere Nummern aufgepeppte Meisterwerk Henry Purcells in seiner Wirkung verpufft?

Gefällig! Uraufführung von Ludger Vollmers Oper „Crusades“ am Theater Freiburg

16.01.17 (Georg Rudiger) -
Ein islamistischer Selbstmordattentäter, der sich kurz vor dem Anschlag auf die Jerusalemer Grabeskirche bekehrt und deshalb von seinem Auftraggeber erschossen wird – „Crusades“, die neue Oper von Ludger Vollmer, trägt am Ende richtig dick auf. Und lässt nochmals alle der über 100 Beteiligten auf die Bühne kommen, um im Epilog Frieden und Gerechtigkeit zu fordern.

Wenn Blütenträume welken – Oper Chemnitz bringt mit den „Südseetulpen“ von Benjamin Schweitzer eine Operette zur Uraufführung

16.01.17 (Joachim Lange) -
Die Operette ist ein Phänomen: quicklebendig und totgesagt zugleich. Mit einer Phalanx von immer wieder gespielten, vom Publikum geliebten Prachtstücken einerseits. Als Genre ohne Nachwuchs an Novitäten andererseits. Die Königsdisziplin des Musiktheaters, die Oper, kann sich immerhin zugutehalten, dass es nach wie vor Neuheiten gibt. Weniger als früher, da Oper ein fast ausschließlicher Uraufführungsbetrieb war, aber auch nach Strauss, Schostakowitsch oder Britten. Meistens als gefeierter Erfolg. In Ausnahmefällen gar als Bereicherung des Repertoires – Aribert Reimanns „Lear“ oder etliche Werke von Hans-Werner Henze belegen das.

Berührende Beredtheit – Frids „Tagebuch der Anne Frank“ mit Miriam Sabba in Radebeul

16.01.17 (Roland H. Dippel) -
Die Premiere musste wegen Krankheit vom 8. Januar um eine Woche verschoben werden, nur deshalb kam es zum Besuch der ebenso verspäteten Generalprobe auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen im Stammhaus Radebeul. In diesem Fall ist das für eine Besprechung legitim: Sängerin und Pianist stellen sich mit der mobilen Produktion von Gregori Frids Monooper für Schulen und Jugendzentren improvisierenden Herausforderungen. Das meistern sie sicher bravourös. „Anne Frank“ aus Radebeul ist direkt berührend in stimmiger Balance von Darstellung und Empathie.

Kontrollierte Ekstase in der Hustenburg: Das Chicago Symphony Orchestra brilliert in der Elbphilharmonie

15.01.17 (Juan Martin Koch) -
So eine Nacht auf dem kahlen Berge kann ziemlich kalt werden. Und der Hustenreiz unkontrollierbar. Maestro Riccardo Muti war ohnehin schon angesäuert wegen der vielen nach der Pause zu spät auf ihre Plätze huschenden Zuhörer und dann wurde ihm auch noch Mussorgskys Gruselklassiker bronchial verunstaltet. Ungnädiges Kopfschütteln, stoisches Weiterdirigieren. Die Hochglanzversion Rimsky-Korsakovs entfaltete ihren wohligen Schauer.

Mehrheitsfähiges aus dem Schiffsbauch: Zur Uraufführung von Jörg Widmanns Oratorium „Arche“ in der Elbphilharmonie

14.01.17 (Juan Martin Koch) -
Am dritten Tag des Eröffnungsfestivals hatte das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter Kent Nagano seinen ersten Auftritt in der Elbphilharmonie. Unter großem Jubel wurde Jörg Widmanns Oratorium „Arche“ uraufgeführt – passend zum Anlass ein repräsentatives Mammutwerk.

Schöne, ehrliche Schuhschachtel: Das Ensemble Resonanz eröffnete den Kleinen Saal der Elbphilharmonie

13.01.17 (Juan Martin Koch) -
Einen Tag nach der Premiere im Großen Saal ist auch der Kleine Saal der Hamburger Elbphilharmonie eröffnet worden. Das Ensemble Resonanz, von nun an Residenzensemble des Hauses, nahm ihn mit Werken von Georg Friedrich Haas, Alban Berg und Béla Bartók in Besitz. Juan Martin Koch war für die nmz vor Ort.

Demokratischer Geist, in Musik übersetzt – Rauschhafte Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie

12.01.17 (Verena Fischer-Zernin) -
Elbphilharmonie in Hamburg mit Verspätung eröffnet: Diese Überschrift dürfte nach der epischen Baugeschichte niemanden wundern. Tatsächlich aber war am langersehnten Tag selbst das Protokoll kaum mehr als eine halbe Stunde im Verzuge – Bundespräsident und Bundeskanzlerin steckten im Berliner Schneetreiben fest, tuschelte es.

Die Kunst zu erben – Was wird aus der Boulez-Villa in Baden-Baden? Eine Erkundigung vor Ort

10.01.17 (Frieder Reininghaus) -
Vor einem Jahr starb Pierre Boulez in Baden-Baden. Die prägende Persönlichkeit des französischen Musiklebens im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts und einer der großen Dirigenten auf dem internationalen Parkett hinterließ einen umfangreichen Nachlass – Partituren, Manuskripte, Tonträger, Manuskripte, Korrespondenzen – und Liegenschaften. Eine von ihnen befindet sich in Baden-Baden, wo sich der Komponist und Dirigent 1959 aus Protest gegen die französische Algerien-Politik und aus Verärgerung über die Kulturpolitik des zuständigen Ministers André Malraux niederließ. Jetzt steht die Villa, in der sich immer wieder und gerade auch zuletzt der Lebensschwerpunkt von Boulez befand, zum Verkauf.

Beifall und Buhs für Calixto Bieitos „Otello“ in Hamburg

10.01.17 (dpa) -
Der katalanische Opern-Regisseur Calixto Bieito ist berühmt und berüchtigt für seine exzessiven Sex- und Gewalt-Szenarien auf dem internationalen Musiktheater-Parkett. Am Sonntagabend hat der 53-Jährige seine vor zwei Jahren in Basel herausgebrachte Inszenierung von Verdis „Otello“ mit gemischtem Erfolg auf die Hamburger Staatsopernbühne übertragen.

Berliner Kinder-Bande für das Gute – „Emil und die Detektive" im Atze Musiktheater Berlin

09.01.17 (Peter P. Pachl) -
Den vor 87 Jahren von Erich Kästner als Roman veröffentlichten Kinder-Krimi „Emil und die Detektive" bearbeitete Atze-Theaterleiter Thomas Sutter als ein heutiges Singspiel mit zeitgemäßem politischem Bezug und setzte ihn selbst wirkungsvoll in Szene.

Abschied von Georges Prêtre - Der französische Altmeister hatte noch einige Pläne

06.01.17 (Michael Ernst) -
Ach, was haben wir uns gefreut, nun leider zu früh gefreut: Georges Prêtre sollte zu den diesjährigen Osterfestspielen Salzburg die Sächsische Staatskapelle im Großen Festspielhaus dirigieren. Gemeinsam mit Christian Thielemann und Lorenzo Viotti, so war es geplant, würde der französische Altmeister im April das traditionelle „Konzert für Salzburg“ leiten. Auch Scala-Intendant Alexander Pereira hätte Georges Prêtre gern wieder nach Mailand geholt.

„Ich bin immer noch Hippie“ – Jazz-Gitarrist John McLaughlin wird 75

04.01.17 (dpa) -
Elektronische Elemente und spirituelle Klangwelten kombiniert mit Jazz, Gitarrenrock, Bossa Nova, Flamenco und indischen Melodien – John McLaughlin ist bekannt für kreative Vielfalt. Jetzt wird er 75.

Verve, Glanz und Leidenschaft: Die Charles Munch Edition bei Sony Classical

31.12.16 (Christoph Schlüren) -
Nicht alles, was die verbliebenen Major Companies der klassischen Plattenindustrie (Sony, Universal und Warner) veröffentlichen, folgt strikt kommerziellen Erwägungen, und der Backkatalog ist ja zweifelsohne das Beste und Reichste, was sie haben. Seit vielen Jahren ist es nunmehr Usus, diesen nach und nach in Kompletteditionen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, was bei Sony zweifellos in der qualitativ hochwertigsten Weise geschieht.

„Politik identifiziert sich weniger mit Kultur“

28.12.16 (Dorothea Hülsmeier) -
Intendant Wilfried Schulz im Gespräch. Was passiert, wenn ein Theater kein Haus hat? Es wird zur Wanderbühne. In Düsseldorf kämpft Intendant Wilfried Schulz für den Erhalt und die Bedeutung des Schauspielhauses.

Rebell und Geigenvirtuose: Nigel Kennedy wird 60

28.12.16 (dpa) -
Er rüttelte die Klassikwelt mit Pop-Techniken und Punk-Look auf und ist der meistverkaufte klassische Violinist aller Zeiten: Nigel Kennedy feiert seinen 60. Geburtstag.
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