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Abschiede von Charlottenburg – Drei letzte kleine Produktionen der Staatsoper

14.07.17 (Peter P. Pachl) -
Nachdem Jürgen Flimm Jahr um Jahr auf den Einzug in die „Staatsoper Unter den Linden“ warten musste, sieht es derzeit gerade so aus, als könnten er und sein Ensemble sich von Charlottenburg nicht trennen. Tatsächlich war für ihn, den geborenen Theatermann mit Schwerpunkt Schauspiel, das Schillertheater ein wichtigerer Ort als für viele der vordem im Ostteil der Stadt engagierten Mitarbeiter der Staatsoper.

Bruch in der Komfortzone: Gregor Schwellenbachs „Dronen-Oper“ im Bonn

12.07.17 (Stefan Pieper) -
Die Vernichtung von Menschen erfolgt heute nicht selten aus der Komfortzone heraus. An einem sicheren Ort fernab vom Kriegsschauplatz erlebt der mit dem Abfeuern tödlicher Fluggeschosse beauftragte „Drohnen-Operator“ die Tragweite seines Tuns nur von Monitoren aus. Töten als „Nine to five“- Job? Die Kameras können jedes Detail ins Visier nehmen, um den Einschlagsort exakt zu berechnen. Was ist dort unten für ein Leben? Wie sehen die Menschen dort unten und ihr Alltag aus? Wie reden, schlafen, lachen, essen, beten, lieben, arbeiten sie? Der unbekannte Drohnenpilot in Lothar Kittsteins Text „Autopilot“ empfindet zumindest noch so etwas wie Neugier darauf. Lebt hier ein Restbestand von Empathie? Auch wenn diese im eigenwillig verfremdeten Sprechgesang reichlich surreal anmutet...

Unterm Regenbogen – München leuchtet schillernd bunt!

12.07.17 (Roland H. Dippel) -
So geht es auch: Klassik und Neue Musik als Starter für die CSD-Woche in der Bayernmetropole. Im Festsaal des Alten Rathauses kommen zum ersten „Regenbogenkonzert der Münchner Philharmoniker“ immerhin über 250 Besucher. Das genderbewusste Amateurensemble „Rainbow Sounds Orchestra Munich“ zeigt nichts Sektiererisches und glänzt davor mit einem anspruchsvollem Programm.

Barcode-Scanner und Extended-Technique-Goldgrube: Konzert des „Neuen Kollektivs München“

12.07.17 (Alexander Mathewson) -
Das Konzert des „Neues Kollektiv München“ am 6. Juli hat eine interessante Auswahl zeitgenössischer Musik im Münchner Gasteig angeboten – von elektronischer Improvisation bis zur virtuosen Solo-Musik. Es war durch herausragendes spielerisches Können geprägt, dennoch gab es êin paar Schwierigkeiten, die eher kompositorischen Ursprungs sind.

Oper als Therapie für’s Leben – Die 69. Musikfestspiele von Aix-en-Provence

11.07.17 (Joachim Lange) -
Eigentlich umweht die Oper ja immer ein Hauch von Ersatz-Therapie. Bei all dem, was da so passiert auf der Bühne. Beim Versuch ein Mensch zu werden, eine Beziehung zu retten, die Seele zu verkaufen, um reich zu werden oder mit den verführten Frauen ins Guinnessbuch zu kommen oder das Spiel von Intrige und Verwechslung am Ende unbeschadet zu überstehen. Auf der Bühne den Traum oder Alptraum des Lebens zu erleben, macht den Reiz des Genres aus.

Alter Schwede? Von wegen! – Herbert Blomstedt wird 90

11.07.17 (Michael Ernst) -
Herbert Blomstedt ist ein Phänomen. In aller Welt liegen ihm die Musikliebhaber zu Füßen. In Sachsen aber lieben sie ihn. Der Grund? Nirgendwo ist er so lange tätig gewesen wie hier. Erst ein Jahrzehnt bei der Staatskapelle in Dresden, dann sieben Jahre am Gewandhausorchester zu Leipzig. Noch immer arbeitet er mit beiden Klangkörpern als Gastdirigent. Am 11. Juli begeht der Maestro seinen 90. Geburtstag. Von Michael Ernst.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 10.07. bis 16.07.2017

09.07.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 28. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Sarah Nemtsov, Michael Floredo, Gerhard Rühm, das Tao und die Wiener Gruppe, Gérard Grisey und Zeitgenossen in Salzburg, Per Nørgård, Alper Marals Musik, Henri Chopin, Experimentelle Musik aus Neu Delhi, Komponisten des ADevantgarde-Festivals München, Herbert Blomstedt als Dirigent zeitgenössischer Musik, das Unisono in der zeitgenössischen Musik, Komponieren mit Henry David Thoreau, Michael Gielen, Walter Benjamin zum 125. Geburtstag, ICAS Radio, Oase Haifa, Höhepunkte vom Ulrichsberger Kaleidophon 2017, Zur Problematik neuer Diesseitigkeit, Frischen Wind im Geigenbau und den Prix Palma Ars Acustica.

Kein Ausweis für den Hund – Barrie Kosky über seinen Bayreuther „Meistersinger“ im Gespräch mit Joachim Lange

07.07.17 (Joachim Lange) -
Barrie Kosky bereitet auf dem Grünen Hügel in Bayreuth die „Meistersinger“ vor. Am 25. Juli werden damit die Richard-Wagner-Festspiele eröffnet. Ansonsten gehört der Australier mit den jüdischen Wurzeln seit 2012/13 als Intendant der Komischen Oper zur Berliner Opernszene. Der 50jährige ist dort in diesem Job ebenso erfolgreich wie als Regisseur - am eigenen Haus, aber auch in Zürich, Frankfurt oder wo immer auf der Welt er inszeniert. Er gilt als Könner des leichteren Fachs, hat die Operettentradition seines Hauses wiederbelebt. Aber er hat auch Wagner-Erfahrungen. Mit dem Ring in Hannover etwa. In Bayreuth traf Joachim Lange vor einigen Tagen einen gut gelaunten Meister(singer)-Regisseur…

Blutiges Gemetzel anstelle des Happy-Ends – Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der UdK Berlin

07.07.17 (Peter P. Pachl) -
Die erste Oper mit integrierter Europa-Idee brachte der UdK einen eindeutigen Erfolg für die zahlreichen jungen Solist*innen und insbesondere für das einwandfrei musizierende Orchester unter Errico Fresis, der beim Schlussapplaus zu Recht Standing Ovations erntete. Problematischer hingegen die szenische Ausdeutung.

Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ beim Festival INFEKTION! der Berliner Staatsoper

06.07.17 (Peter P. Pachl) -
Die letzte Premiere im Schiller-Theater brachte nicht wirklich etwas Neues. Als nunmehr wirklich letzte Premiere im großen Saal des Schiller-Theaters erntete die bereits zwei Jahre alte Koproduktion der Staatsoper Unter den Linden mit der Oper Stuttgart und dem Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel einen derartigen Jubel, wie er vergleichsweise nur nach besonders beliebten Strauss-Opern zu erleben ist.

„Deine Lagermadonna!“ – Weinbergs „Die Passagierin“ an der Semperoper

06.07.17 (Roland H. Dippel) -
Zum Spielzeitende holt die Semperoper aus Frankfurt die beachtliche Produktion von „Die Passagierin“ in der durch ihre Sensibilität beeindruckenden Inszenierung Anselm Webers, dort künstlerischer Geschäftsführer des Schauspiels ab 2017/18. Ein weiteres Mal bestätigt sich nach der postumen szenischen Uraufführung in Bregenz 2010 die innere Kraft, der musikalische Tiefgang und das ethische Potenzial der letzten Oper des Schostakowitsch- Protegés Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) nach dem Roman der bei der Premiere anwesenden Autorin Posmysz: Zeitgeschichte mit humanistischem Format und ein Ja zum Leben noch in den allertiefsten Abgründen.

Fugato: das Abschlusskonzert des Flüchtlingsprojekts der Württembergischen Philharmonie Reutlingen

Ahmet Gül hat Musik studiert und ist gleichermaßen in der europäischen wie in der türkischen Gesangstradition zuhause. Im interreligiösen Chor Trimum, ein von Bernhard König 2012 ursprünglich an der Stuttgarter Bachakademie ins Leben gerufenes Projekt, kann er beides verbinden. Im Projekt „Fugato“ der Württembergischen Philharmonie Reutlingen kommt Gül, der im Hauptberuf als Telefonist am Esslinger Klinikum arbeitet, dagegen nur einmal kurz dazu, seine Gesangskünste vorzuführen. Am Arm geführt und sekundiert von Lucie Mackert, stellt der blinde Sänger als Erzähler den Zusammenhang her. Wieder und wieder, insgesamt zehnmal, hebt er an: „Es war einmal ein Ton.“

Poesievolles Schlachtross – Festtage mit Wagners „Ring“ an der Oper Leipzig

04.07.17 (Roland H. Dippel) -
Am Sonntagabend gingen die Richard-Wagner-Festtage zu ende, für die Oper Leipzig beginnt nach „Der Ring des Nibelungen“ die lautstark ersungene Sommerpause. Für die drei angekündigten Leipziger Zyklen in der nächsten Spielzeit dräut energische Konkurrenz: An der Semperoper schreitet Christian Thielemann zweimal alles andere als gemessen zum „Ring“ und der neue Chemnitzer GMD Guillermo García Calvo steht bereits freudvoll jauchzend in den Startlöchern.

Astor Piazzolla zum 25. Todestag – eine kommentierte Playlist

04.07.17 (Juan Martin Koch) -
Um unseren Leserinnen und Lesern des Piazzolla-Features in der unüberschaubaren Fülle an Einspielungen ein wenig Orientierung zu bieten, hat nmz-Chefredakteur Juan Martin Koch eine Liste mit YouTube-Links zusammengestellt. Auf Spotify ist sie als Playlist, teilweise mit den empfehlenswerteren Aufnahmen, unter dem Stichwort „Piazzolla nmz Feature“ zu finden.

Der Komponist ist anwesend: Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ bei den Münchner Opernfestspielen

02.07.17 (Juan Martin Koch) -
Franz Schrekers Oper „Die Gezeichneten“ von 1918 ist eigentlich eine Steilvorlage für das Regietheater. Triebsublimation, Außenseitertum, künstlerische Selbstreflexion – allein schon die Hauptfigur, der missgebildete Alviano Salvago, gäbe Stoff genug für subtile Tiefenbohrungen, für das Sichtbarmachen von Schrekers komplexer Gedankenwelt. Eigentlich.

Wagners „Holländer“ als Chor-Triumph – In Oberammergau will Regisseur Christian Stückl ein Opernfestival etablieren

02.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Eigentlich ist Wagners Musikdrama „Der fliegende Holländer“ für Menschen des Jahres 2017 nur auf zwei Interpretationsschienen akzeptabel: einmal als Wahngebilde einer erotisch heillos übersteigerten, neurotischen jungen Frau – wie das Harry Kupfer sensationell 1978 in Bayreuth gezeigt hat (auf DVD festgehalten); oder als politische Parabel auf die Vormärz-Revolutionäre, die in die Bürgerlichkeit zurückwollen und scheitern – was Herbert Wernicke 1981 in München inszenierte. Festspielinitiator und Regisseur Christian Stückl betonte diesbezüglich fröhlich, dass er noch nie eine Wagner-Oper gesehen habe…

Verquastes Paradies – Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ bei den Münchner Opernfestspielen II

02.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Bruno Walter dirigierte 1919 die Münchner Erstaufführung des sensationellen Frankfurter Erfolgswerkes vom Vorjahr, Franz Schrekers „Die Gezeichneten“. Im zur „Hauptstadt der Bewegung“ stilisierten „braunen“ München dann natürlich kein Schreker-Werk – doch auch nach 1945 und selbst im Zuge der Schreker-Renaissance durch die maßstäbliche Frankfurter Produktion 1979 des Teams Gielen-Neuenfels-Bodisco-Zehelein setzte keine Münchner Intendanz das wichtige Werk auf den Spielplan. Entsprechend hoch waren jetzt, nach über 95 Jahren, die Erwartungen.

Siehst du den Mond über Nowgorod … – Nikolai Rimsky-Korsakovs „Sadko“ in Gent

02.07.17 (Joachim Lange) -
An der Flämischen Oper in Gent haben Regisseur David Kramer und Dirigent Dmitri Jurowski mit „Sadko“ eine außerhalb Russlands nahezu unbekannte Oper von Nikolai Rimsky-Korsakov ausgegraben. Joachim Lange berichtet.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 03.07. bis 09.07.2017

02.07.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 27. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Faszination mitteltönige Stimmung, The New Discipline, Das Schlagzeug in der Neuen Musik, SWR JetztMusik Edenkoben, 10. Saarbrücker Komponistenwerkstatt, Ernst von Siemens Musikpreis, Ulrichsberger Kaleidophon 2017, Elektronische Musik. Szene [54]: Mexiko, Musik mit Wal, Nickelsdorfer Konfrontationen, Prix Palma Ars Acustica, ein Western-Hörspiel-Musical von Stefano Giannotti, Maelstromsüdpol. Hörstück von Heiner Goebbels, Paul Wühr: Preislied, Wolfgang Danzmayr zum 70. Geburtstag, «Chortombola» im Gare du Nord, 40. Geburtstag des Ensemble Intercontemporain, Hanna Eimermacher, Alan Licht im Zeit-Ton Porträt, Dieter Schnebel und das Kunstlied und Hugues Dufourt.

Amarcord und Calmus: Luxus-Konzerte in Leipzig und in Oberbayern

29.06.17 (Roland H. Dippel) -
Außerhalb dieses Luther- und Reformationsjahr müsste man dahinter eine fulminante PR-Attacke vermuten. Aber in der Veranstaltungsdichte mit Bachfest, „Unerhörtes Mitteldeutschland“ und „Straße der Musik“ scheint so gut wie nichts unmöglich.

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen 45 Jahre lang war ihm das Theater Beruf und Berufung gleichermaßen, 27 Jahre davon hat er als Intendant gewirkt, die letzten zehn als Verantwortlicher des Theaters Hagen, auf der Grenze Westfalens zum Sauerland gelegen: Norbert Hilchenbach. Er hat sich nun mit einer letzten Inszenierung als Theatermann verabschiedet. In Hagen feierten die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ Premiere und ernteten mächtig Beifall.

„Das Biest kann schwimmen“ – Kinderchor der Oper Leipzig feiert „Luther 500“

27.06.17 (Roland H. Dippel) -
Trotz Wasserschäden durch massive Sommerunwetter am Bühnenportaldach zwei Tage davor kam es unter Einsatz aller doch noch zur Uraufführung des ambitionierten Musiktheaterprojekts „Das Biest kann schwimmen. An Luthers langer Tafel“. Ein beträchtlicher und glänzend gemeisterter Kraftakt ist das. Tobias Rohe hat für diese erste Gemeinschaftsprojekt des Kinderchors der Oper Leipzig und der Jugendmusiziergruppe „Michael Praetorius“ ein stimmiges Genrebild kombiniert. Dabei ist dieser Beitrag im durch Event-Überfülle leicht ermüdeten Reformationsjubiläum ein echter Wurf. Mit nur einem Nachteil: Eine einzige Aufführung ist bei dieser rühmenswerten Qualität zu wenig!

Kurz-Schluss: Wie ich als Alt-68er einmal versuchte, gründlich die Gegenaufklärung zu bekämpfen

27.06.17 (Theo Geißler) -
Meine Zeit: Was hätte sich der gute Rudi Dutschke im Grabe rumgedreht, könnte er das Geschreibsel in allen erdenklichen Gazetten von „Spiegel“ bis „Bild“, von „Focus“ bis „Bunte“ über uns sogenannte „68er“ anlässlich des bevorstehenden Geburts- (oder sollte man genauer sagen: „Todes“)-Tages noch lesen. Was sich da selbsternannte Philosophen und Historiker über weite Strecken journalistisch zusammenklittern geht nicht auf die Haut eines Zwanzig-Meter-Pottwales. Und selbst sogenannte „Zeitzeugen“, die sich gegen Honorar in einfältigen Fernseh-Talkrunden ausmähren, scheinen entweder von romantisierender Amnesie oder einer opportunistischen Form von Alzheimer befallen. In unserer Ära der Gegenaufklärung scheint Geschichtsvergessenheit ein wesentlicher Faktor existenzieller Pseudostabilität und maroder Zukunftsvisionen zu sein. [Vorab aus Politik & Kultur 3/2017]

Transkulturell bis zum Wellensalat: „Orientation-Festival“ am Staatstheater Mainz

27.06.17 (Andreas Hauff) -
Drei Jahre schon existiert am Staatstheater Mainz Anselm Dalferths experimentelle Reihe „Hörtheater“, die das Hören selbst und sein Verhältnis zum Sehen immer wieder auf den Prüfstand stellt. Auf zwei Jahre angelegt war die von der Bundeskulturstiftung „Doppelpass“ geförderte Zusammenarbeit des Staatstheaters mit dem Mannheimer Oriental-Jazz-Ensemble LebiDerya. Die über zwei Spielzeiten wachsende Berührung beider Konzepte mündete nun in das „transkulturelle Orientation-Festival“ des Staatstheaters.
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