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Alle Artikel kategorisiert unter »Feature«

Frei von Kommerz und falschem Geltungsdrang

15.11.17 (Christian Rabenda) -
Wenn es in einem Programmheft heißt, ein Werk sei asiatisch inspiriert, ist das in aller Regel ein Alarmsignal. Allzu oft nämlich fühlen sich von dieser Inspiration heimgesuchte Komponisten – asiatische wie westliche — von jedem Qualitätsanspruch an ihre Musik befreit. Mal findet sich ein asiatisches Ins-trument als einzige Kuriosität in einem Stück, das besser ohne jenes ausgekommen wäre. Mal bekommt der Zuhörer einen Brei aus Neoromantik, Weltmusik und asiatischen Klangklischees serviert.

Achtung, hier beginnt Europa !

13.10.17 (Gero Schließ) -
„Vergessen Sie niemals: Das hier ist nicht nur Griechenlands Grenze, das ist die Grenze Europas“, sagt Iris Xilas Xanolatos und blickt versonnen über den Pool ihres Hotels hinweg auf die Festung von Molyvos, die stolz auf einem Hügel über dem malerischen 2.000-Seelen Dorf thront. Von hier aus hat man einen guten Blick auf das türkische Festland. Die alte Dame hat schon bessere Zeiten auf Lesbos gesehen. Und mit ihr das Hotel. Doch in diesen Tagen beherbergt es Musiker aus ganz Europa, die eine Woche lang beim dritten „Molyvos International Music Festival“ auftreten.

Sie nannten ihn den Entertainer

26.09.17 (Hans-Jürgen Schaal) -
Er komponierte rund 80 Ragtimes, prägte damit den jungen Jazz und inspirierte Strawinsky und Debussy. Scott Joplin (1867 – 1917) hat der Kneipenmusik aus dem Mittleren Westen eine bleibende ästhetische Form gegeben. Mit seinem „Maple Leaf Rag“ von 1899 begann eine globale Erfolgsgeschichte.

Vom Punk zum dunklen Fürsten

22.09.17 (Ursula Gaisa) -
Manchmal scheint sich das Gesetz der Anziehung ganz augenfällig auf Künstlerpersönlichkeiten auszuwirken: Ein tragisches Beispiel ist der Australier Nick Cave, der im Sommer 2015 einen seiner Söhne durch einen LSD-verursachten Klippensturz im englischen Brighton verlor. In den poetischen Songs seiner Band „The Bad Seeds“ tummeln sich genau die tragischen mythischen Gestalten, zu denen er nun im realen Leben zählt: Er ist heute ein vom Leben gezeichneter Held, der trotz allem immer weiter macht – mit seiner Kunst und dem Leben. Am 22. September wird Cave 60 Jahre alt, und der Berliner Comic-Künstler Reinhard Kleist widmet ihm eine Graphic Novel – weniger eine klassische Biografie als eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werk und dem Mythos, unter dem Titel „Nick Cave – Mercy on Me“.

Endlich wieder persona grata auch in Südkorea

17.09.17 (Albrecht Dümling) -
Am 17. September jährt sich der Geburtstag Isang Yuns zum 100. Mal. Aus diesem Anlass widmet das Musikfest Berlin (31. August bis 18. September) dem aus Südkorea stammenden, 1995 verstorbenen Komponisten einen Schwerpunkt mit Konzerten, einem Gespräch und einer Ausstellung im Foyer des Kammermusiksaals der Berliner Philharmonie (geöffnet bis 30. September). Kuratiert wurde die Ausstellung von der Internationalen Isang Yun Gesellschaft. Mit deren Vorstandsmitglied, dem Musikwissenschaftler und Yun-Spezialisten Walter-Wolfgang Sparrer hat Albrecht Dümling gesprochen.

Der mit dem traurigen Gedanken tanzt

04.07.17 (Juan Martin Koch) -
Es gibt zwei Entstehungsmythen des Tango Nuevo. Der erste geht so: Zu Beginn des Films „El día que me quieras“, einem in New York gedrehten Vehikel für den Jahrhundert-Sänger Carlos Gardel, steht plötzlich unvermittelt ein junger Zeitungsausträger mit im Bild, lacht kurz über eine Bemerkung Gardels, um dann in entgegengesetzter Richtung abzugehen. Man meint ein leichtes Hinken wahrzunehmen. Der Name des Zeitungsjungen: Astor Piazzolla.

Unfall oder Motor der Evolution?

28.06.17 (Hans-Jürgen Schaal) -
In den meisten Situationen unseres Lebens, in denen Musik erklingt, bildet sie nur ein angenehmes Hintergrundgeräusch. Wir konsumieren Musik als untermalendes Geklingel in Film und Fernsehen, als Begleitphänomen auf Partys und Autofahrten, als ablenkende Beschallung im Supermarkt oder bei der Hausarbeit. Musik hat dabei keine andere Funktion als etwa die Tüte Popcorn oder Chips, die man nebenbei nascht, damit es einem nicht langweilig wird. Musik ist die kleine Leckerei für zwischendurch, die uns bei Laune hält. Aus der Sicht des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer: „Musik bewirkt prinzipiell das Gleiche [...] wie beispielsweise Nahrung oder soziale Signale.“

Leuchtend über allen Schützengräben

17.06.17 (Georg Beck) -
„Es waren nicht nur die Schreibmaschinen, die in Parade den Skandal gemacht haben.“ So Francis Poulenc, Augen- und Ohrenzeuge der Uraufführung: „Alles war neu – Botschaft, Musik, Bühne. Selbst die Kenner der Ballets Russes vor 1914 haben mit Erstaunen diesen kubistischen Vorhang von Picasso hochgehen sehen, selbst für sie absolut ungewöhnlich. Das war nicht mehr der Skandal in einem strikt musikalischen Sinn wie beim Sacre du printemps. Dieses Mal war jede Kunst widerspenstig.“

Glaubensbekenntnis und Theaterlust

17.05.17 (Uwe Schweikert) -
Anders als seine Zeitgenossen war Claudio Monteverdi niemals gänzlich vergessen. Dennoch ist es gerade einmal vierzig Jahre her, dass sein Name kometengleich am Musikhimmel aufging. Initialzündung war die Inszenierung des „Orfeo“, zu der sich der Regisseur Jean-Pierre Ponnelle und der Dirigent Nikolaus Harnoncourt 1975 in Zürich zusammenfanden. Viele Werke Monteverdis – einige der Madrigalbücher durch Raymond Leppard oder der Opern durch Harnoncourt selbst – lagen bereits als Schallplatteneinspielungen vor. Dennoch war es erst diese spektakuläre Bühnenaufführung, die 1977 ihre Fortsetzung mit „Il ritorno d‘Ulisse in patria“ und „L‘incoronazione di Poppea“ fand, die die eigentliche Wiederentdeckung des bis dahin nur in Spezialistenkreisen bekannten Komponisten anstieß.

First Lady of Song und universales Rollenmodell

25.04.17 (Marcus A. Woelfle) -
Sie war 17, hatte eigentlich Tänzerin werden wollen und eher zufällig als Sängerin einen Wettbewerb gewonnen, als sie im Orchester des Schlagzeugers Chick Webb anfing. Doch der war zunächst skeptisch. Was sollte dieser Teenager, der wesentlich jünger aussah, mit der beinahe kindlichen Stimme singen? Die üblichen Liebeslieder würde man ihr wohl doch nicht abnehmen! Eher aus Verlegenheit fand der erfahrene Bandleader die Erfolgsformel für die bereits 1937 laut Umfrage beliebteste Sängerin: Er sammelte für Ella ein Repertoire lustiger Songs, die oft wie ihr erster großer Hit „A-Tisket, A-Tasket“ im Gewand swingender Kinderlieder daherkamen oder zumindest zu ihrer unschuldig und rein klingenden Stimme passten.
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