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Alle Artikel kategorisiert unter »Feature«

Der mit dem traurigen Gedanken tanzt

04.07.17 (Juan Martin Koch) -
Es gibt zwei Entstehungsmythen des Tango Nuevo. Der erste geht so: Zu Beginn des Films „El día que me quieras“, einem in New York gedrehten Vehikel für den Jahrhundert-Sänger Carlos Gardel, steht plötzlich unvermittelt ein junger Zeitungsausträger mit im Bild, lacht kurz über eine Bemerkung Gardels, um dann in entgegengesetzter Richtung abzugehen. Man meint ein leichtes Hinken wahrzunehmen. Der Name des Zeitungsjungen: Astor Piazzolla.

Unfall oder Motor der Evolution?

28.06.17 (Hans-Jürgen Schaal) -
In den meisten Situationen unseres Lebens, in denen Musik erklingt, bildet sie nur ein angenehmes Hintergrundgeräusch. Wir konsumieren Musik als untermalendes Geklingel in Film und Fernsehen, als Begleitphänomen auf Partys und Autofahrten, als ablenkende Beschallung im Supermarkt oder bei der Hausarbeit. Musik hat dabei keine andere Funktion als etwa die Tüte Popcorn oder Chips, die man nebenbei nascht, damit es einem nicht langweilig wird. Musik ist die kleine Leckerei für zwischendurch, die uns bei Laune hält. Aus der Sicht des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer: „Musik bewirkt prinzipiell das Gleiche [...] wie beispielsweise Nahrung oder soziale Signale.“

Leuchtend über allen Schützengräben

17.06.17 (Georg Beck) -
„Es waren nicht nur die Schreibmaschinen, die in Parade den Skandal gemacht haben.“ So Francis Poulenc, Augen- und Ohrenzeuge der Uraufführung: „Alles war neu – Botschaft, Musik, Bühne. Selbst die Kenner der Ballets Russes vor 1914 haben mit Erstaunen diesen kubistischen Vorhang von Picasso hochgehen sehen, selbst für sie absolut ungewöhnlich. Das war nicht mehr der Skandal in einem strikt musikalischen Sinn wie beim Sacre du printemps. Dieses Mal war jede Kunst widerspenstig.“

Glaubensbekenntnis und Theaterlust

17.05.17 (Uwe Schweikert) -
Anders als seine Zeitgenossen war Claudio Monteverdi niemals gänzlich vergessen. Dennoch ist es gerade einmal vierzig Jahre her, dass sein Name kometengleich am Musikhimmel aufging. Initialzündung war die Inszenierung des „Orfeo“, zu der sich der Regisseur Jean-Pierre Ponnelle und der Dirigent Nikolaus Harnoncourt 1975 in Zürich zusammenfanden. Viele Werke Monteverdis – einige der Madrigalbücher durch Raymond Leppard oder der Opern durch Harnoncourt selbst – lagen bereits als Schallplatteneinspielungen vor. Dennoch war es erst diese spektakuläre Bühnenaufführung, die 1977 ihre Fortsetzung mit „Il ritorno d‘Ulisse in patria“ und „L‘incoronazione di Poppea“ fand, die die eigentliche Wiederentdeckung des bis dahin nur in Spezialistenkreisen bekannten Komponisten anstieß.

First Lady of Song und universales Rollenmodell

25.04.17 (Marcus A. Woelfle) -
Sie war 17, hatte eigentlich Tänzerin werden wollen und eher zufällig als Sängerin einen Wettbewerb gewonnen, als sie im Orchester des Schlagzeugers Chick Webb anfing. Doch der war zunächst skeptisch. Was sollte dieser Teenager, der wesentlich jünger aussah, mit der beinahe kindlichen Stimme singen? Die üblichen Liebeslieder würde man ihr wohl doch nicht abnehmen! Eher aus Verlegenheit fand der erfahrene Bandleader die Erfolgsformel für die bereits 1937 laut Umfrage beliebteste Sängerin: Er sammelte für Ella ein Repertoire lustiger Songs, die oft wie ihr erster großer Hit „A-Tisket, A-Tasket“ im Gewand swingender Kinderlieder daherkamen oder zumindest zu ihrer unschuldig und rein klingenden Stimme passten.

Die Zugabe als Abbitte an Beethoven

30.03.17 (Rainer Nonnenmann) -
Neben Kompositionen, Aufnahmen und Schriften hinterließen diese beiden außergewöhnlichen Musiker eine große Schar an Enkel- und Urenkelschülern sowie zahllose Briefe. Der Pianist und Komponist Artur Schnabel (1882–1951) und die Altistin Therese Behr-Schnabel (1876–1959) hatten sich 1900 auf einer Konzertreise kennengelernt und mehrere Jahre in Berlin als Paar gelebt, bevor sie heirateten. Allein und gemeinsam tourten sie durch zahllose Provinzen und Metropolen der Welt, gaben Sommerkurse in Tremezzo am Comer See, emigrierten in die USA und kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa zurück.

Die transatlantische Neuvermessung der klingenden Welt

27.03.17 (Anna Schürmer) -
„Eine [...] Schule, bewegend und in sich bewegt, wird ungewollt zum Gradmesser der Erschütterungen [...] der Zeit [...]. Eine Umwertung der Werte, Wechsel von Standpunkt, Name und Begriff erlaubt das Gegenbild, den nächsten Glauben. Dada, Hofnarr in diesem Reiche, spielt Ball mit Paradoxen und macht die Atmosphäre frei und leicht. Amerikanismus auf Europa übertragen, die neue in die alte Welt gekeilt, [...] so schreitet mit Eroberergeste die Gegenwart einher.“

Mozart mit Tanz bis fünf Uhr früh

27.12.16 (Eva Blaskewitz) -
Die Überreste des Wortes „Kammermusiksaal“ sind noch zu entziffern über dem Eingang des Askanischen Gymnasiums, einem denkmalgeschützten Gründerzeitbau in Berlin-Kreuzberg. In der Trümmerlandschaft der Nachkriegszeit fanden in der frisch renovierten ehemaligen Aula, „im schönsten und würdigsten Konzertraum Groß-Berlins“, wie es seinerzeit in einer Anzeige hieß, Kammerkonzerte statt. Und das „Orchester Berliner Musikfreude“, kurz OBM, fand hier nach dem Krieg seine Heimstätte. Im Keller des Gebäudes, das heute von einer Grundschule genutzt wird, lagert das Notenarchiv. Die Aula liegt im dritten Stock, kein Aufzug. Jeden Donnerstagabend tragen um die 60 Musiker ihre Instrumente treppau:, Flöte, Trompete, Kontrabass.

Fahrtenschreiber eines musikalischen Lebens

11.11.16 (Lutz Kerschowski) -
Vor zwanzig Jahren starb Rio Reiser im Alter von nur 46 Jahren ­– ein Musiker, Texter und Sänger, dessen künstlerische Hinterlassenschaft zwar einflussreich, aber bisher überschaubar erschien. Denn meist wird er auf wenige Schlagworte reduziert wie „Keine Macht für Niemand“ oder „König von Deutschland“. Nun erscheinen mit der „Blackbox Rio Reiser“ auf 16 CDs über 350 nahezu komplett unveröffentlichte Songs, die zweifellos dazu beitragen werden, seine Geschichte neu und endlich gründlicher zu schreiben.

Kantable Polyphonie, erlesener Klangsinn

05.10.16 (Christoph Schlüren) -
Johann Jacob Froberger, geboren am 18. Mai 1616 in Stuttgart, gehört – wie beispielsweise der 100 Jahre zuvor geborene Cypriano de Rore, aber auch spätere Komponisten wie Ferruccio Busoni, Max Reger, Henri Dutilleux, Alberto Ginastera, Karl Birger Blomdahl oder Bernard Stevens – zu den bedeutenden Jubilaren des Jahres 2016. Eigentlich hätte Frobergers Geburtstag Anlass zu weitbeachteten Werkpräsentationen sein müssen, denn noch Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart haben seine Musik studiert, und die Entwicklung der Klaviermusik hat von ihm entscheidende Impulse empfangen.
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