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Alle Artikel kategorisiert unter »Gegen den Strom«

Gegen den Strom

01.09.03 (Jürgen Stark) -

Es geschah auf einem Panel einer wurstigen PopKom., die in ihren letzten Zügen liegend, das Elend von Musikbranche und -szene klar kenntlich machte. Thema war eine Auseinandersetzung über Raubkopien und digitale Raubritter, über Download und Untergang des Abendlandes. Wieder die üblichen Verdächtigen auf der Bühne, wieder die naiv Tuenden im Publikum, wieder hier die böse, teuere CD-Industrie, wieder dort der ehrbare Musikfreund, dem ein Klau kein Klau, sondern kulturelle Revolte im höheren Sinn ist. Da hatte ich plötzlich eine unterhaltsame Erscheinung. Mir erschienen auf der Bühne Wurstfabrikanten, Salami-Verpackungsdesigner, Schlachter und Metzger sowie der Präsident des Deutschen Wurstverbandes – und wir schrieben das Jahr 2010. Am Rande der Runde ein dicker Konsument, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „Rettet die Wurst, nieder mit dem Euro!“ trug. Aus dem Publikum heraus schallte es Rufe wie „Ihr Absahner! Wurst ist Kultur und die gehört allen!“. Man war aufgebracht und unordentlich-emotional.

Gegen den Strom

01.06.03 (Jürgen Stark) -

Wir tolerieren uns zu Tode. Wer Popkultur als Seismographen gesellschaftlicher Um- und Zustände begreift, als Medium mit Signalfunktion im avantgardistischen Vorfeld, der sollte gleich in den nächsten Military Shop rennen und sich dort mit dem grossen Survival-Package für harte Zeiten eindecken. In der neuesten Ausgabe des Metal-Magazins RockHard dominiert auf den Leserbriefseiten die Wiedergabe verbaler Schlammschlachten, die interessante Aufschlüsse zulässt.

Gegen den Strom

01.04.03 (Jürgen Stark) -

Wenn der Kanzler die lange erwartete und in sämtlichen Medien von allen schlauen Chefredakteuren bereits vorab gehaltene „Rede an die Nation“ endlich selbst hält, dann wundert sich der Kulturschaffende kaum noch. Kein Wort über die kränkelnde Kulturszene und die sie vermarktenden Firmen und Einzelkämpfer, wo es auch um Arbeitsplätze und deren Abbau oder eine Schaffung derselben geht; kein Wort über Urheberrecht im Zeitalter ausufernder Marken- und Ideen-Piraterie, welche im www inzwischen neben der Musikbranche auch die Film- und Buchproduzenten zu spüren bekommen; kein Wort über den Wert der Kreativität im Lande, welche bekanntlich im Exportland den Erfindergeist erst so richtig auf Trab bringt; kein Wort über Musikunterricht im Zeichen des schiefen deutschen Bildungsturms von PISA, wo alte wissenschaftliche Studien über den hohen Stellenwert der Musik auf das Lern- und Sozialverhalten der Schüler bei PISA-Gewinnern wie Finnland in der Realität bewiesen werden und Hinweis auf deren intakte Musikkultur in Schule und Gesellschaft sind.

Gegen den Strom

01.02.03 (Jürgen Stark) -

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren alle völlig begeistert von den asiatischen „Tigerstaaten“ an denen wir uns alle ein Beispiel nehmen sollten, wie „Experten“ in den ewig gleichlabernden Talk-Runden forderten. Die Musikbranche dackelte hinterher und alles flog mit Scheckbuch zur MIDEM Asia. Dann kam dort der Crash, ich traf einen Schallplattenfirmenbesitzer in einer deutschen Großstadt und der sagte: „Asien? War ich nie dafür! Spanien und Lateinamerika, das ist die große Nummer.“ Dann ging es an die Börse. Die Musikbranche (vor allem viele Kleine) dackelte mit, eine Firma ohne „AG“ im Namen war nun keine Firma mehr. Hinzu kam noch der www.-Hype – tausende Start-ups konnten sich doch nicht irren und kündeten von einer Geisteshaltung, die an das Comeback des legendären Dackels mit dem Wackelkopf in den Autoablagen erinnert. Dieser Kopf wackelt bei Bewegung auf dem Untergrund in alle Richtungen mit. Nach diversen Downs jagt die Branche nun dem nächsten Phänomen hinterher, allerdings nicht nur die Musikindustrie, mehr denn je wird das ganze Land mit seinen Opportun-Opinion-Leadern von Megatrends erfasst, ohne dass diese noch irgendwie Alternativen erkennen beziehungsweise angemessen überprüfen. Das jeweils herausposaunte Nonplusultra ist stets Dogma mit strengem Ausrufezeichen.

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