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Alle Artikel kategorisiert unter »Jazz«

Aus einem Schuhkarton wird kein Weinberg

30.11.19 (Martin Hufner) -
„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“, sagt ein Sprichwort. Es trifft auf das diesjährige Jazzfest Berlin zur Hälfte zu, wesentlich bestimmt jedoch zur akustischen und optischen. Die Auftritte der Jazzmusikerinnen im Haus der Berliner Festspiele fanden nach wie vor zwar auf der hauseigenen Bühne statt, die aber nun ebenerdig liegt und an der Seite wie von hinten durch weitere Zuschauerränge gerahmt wurde. Die ersten Sitzreihen wurden abgebaut und durch Liegematten ersetzt. Alles offenbar mit dem Wunsch, zwischen Publikum und Musikerinnen eine gewisse Nähe zu schaffen. Das Ergebnis, je nach Platz oder Lage, war jedoch sowohl akustisch wie optisch annähernd katastrophal.

Und der Zukunft zugewandt

31.10.19 (Oliver Hochkeppel) -
Die Analogie ist etwas gewagt, aber vielleicht ist es kein Zufall, dass die ostdeutsche Jazz-Hauptstadt Leipzig zum Ausgangspunkt der friedlichen Revolution von 1989 wurde. Ihr Flair war und ist weltoffener, individualistischer und kulturbewusster als in den meisten anderen Städten der neuen Bundesländer. Die vitale Musik-Szene trägt wesentlich dazu bei – mit dem Gewandhaus, der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“, mit dem seit 1973 existierenden Jazzclub und seinen „Jazztagen“ als Aushängeschild.

Intuitive Zusammenarbeit von Ebenbürtigen

26.10.19 (Hans-Jürgen Linke) -
Ein Dreiländereck ist ja wohl das Mindeste. Nicht, um ständig auf der Flucht sein zu können, sondern um gewisse Freiheiten zu haben und bei Bedarf nutzen zu können. Paul Lovens, geboren 1949 in Aachen, hat dort, im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, nahe der belgischen und der niederländischen Grenze, seine „homebase“ nie aufgegeben: eine nicht sehr große, aber ungemein geschichtshaltige und inhaltsreiche Wohnung. Obwohl er auch in Genua und in Berlin gelebt hat und inzwischen auch in Nickelsdorf im Burgenland. Obwohl er sowieso ständig in Bewegung ist, auf Tournee mit einer seiner langlebigen Bands. Oder als Herbeigelockter zu Projekten mit Musikern, mit denen zu spielen ihm selbst nicht ohne Weiteres eingefallen wäre.

Niederschwellig, erstklassig: Die ganze Welt wird Bühne

27.09.19 (Ssirus W. Pakzad) -
Gefolgt von einem riesigen Pulk Menschen, stürmt ein mit Kontrabässen bewaffnetes Trio ohne Vorwarnung gegen 22.30 Uhr die örtliche McDonalds-Filiale und legt mit Tieftonsalven mal kurz den Fastfood-Verzehr lahm. Diese Art von Flashmob hat Folgen – er wiederholt sich nämlich in einer öffentlichen Herrentoilette und in einer Apotheke ...

Musik allein genügt nicht mehr

29.08.19 (Frank Armbruster) -
Die Stuttgarter Jazz Open zählen seit Jahren zu den Megaevents der Stadt, was nicht zuletzt an den attraktiven Spielstätten liegt. Nach den Anfängen im Bankenviertel und einem wenig erfolgreichen Gastspiel in den Messehallen hat sich das Festival mittlerweile an einigen der schönsten Locations in Stuttgart etabliert. Dazu zählt vor allem der Innenhof des Alten Schlosses, in dessen stimmungsvollem Ambiente – das dazu noch eine sehr akzeptable Akustik aufweist – jene Veranstaltungen stattfinden, die sich an ein größeres, aber eben nicht in die Tausende gehendes Publikum richten.

Spannende Balance

18.07.19 (Oliver Hochkeppel) -
So dehnbar der Genre-Begriff heute auch sein mag, vom Pop unterscheidet sich der Jazz meist noch dadurch, dass man ihn nicht nur als Musiker, sondern auch als Hörer lernen muss. Was mehr denn je eine schlechte Voraussetzung für ein Massenpublikum ist. Und so sind Jazzfestivals eben auch kein Geschäftsmodell wie im Pop, sondern ein Akt der Kulturvermittlung, der ohne Sponsoren oder öffentliche Förderung selten möglich ist.

Wo Entertainment auf hohe Kunst trifft

07.07.19 (Ralf Dombrowski) -
Etiketten im Jazz können langlebig sein. Irgendwann in den mittleren Jahren ihrer Karriere wurde Dee Dee Bridgewater bescheinigt, sie wäre eine neue Ella Fitzgerald. Seitdem gehört diese Zuordnung fest zu ihrer Künstlerbiographie, auch wenn sie nur eine der vielen Optionen darstellt, die Gestaltungskraft der Sängerin und Entertainerin aus Memphis, Tennessee, zu charakterisieren.

Dramaturgie schlägt Powerplay

30.05.19 (Ssirus W. Pakzad) -
5.000 Euro als Geburtstags-Geschenk sind an sich keine üble Sache. Aber Rudresh Mahanthappa hatte wohl mit mehr gerechnet: mit der doppelten Summe nämlich und dem Gewinn des „BMW Welt Jazz Awards“. Immerhin gab es ein vielstimmiges Ständchen für den Saxophonisten, der sich an seinem Ehrentag dem Kollegen Maciej Obara geschlagen geben und mit dem zweiten Platz beim Wettbewerb begnügen musste.

Der Druck des Jubiläums

22.05.19 (Oliver Hochkeppel) -
Zum 50. Mal wurde Burghausen, das schon etwas abseits an der österreichischen Grenze gelegene 18.000-Einwohner-Städtchen, eine Woche lang wieder zu einer Metropole. Zu einem fast schon kultischen Versammlungsort für Jazzmusiker, -enthusiasten und Szenebegleiter aus Nah und Fern nämlich. Das außergewöhnliche Jubiläum der „Internationalen Jazzwoche Burghausen“ – die damit eines der ältesten Jazz-Festivals Europas ist – mobilisierte nicht nur die veranstaltende IG Jazz und die Stadt mit ihrem langgedienten, das Fes­tival stets antreibenden Bürgermeister Hans Steindl besonders, sondern auch das Publikum. Nahezu alle Konzerte waren ausverkauft, und da es auch noch mehr waren als sonst, gab es standesgemäß einen neuen Zuschauerrekord.

Vielfalt durch Beweglichkeit

Ein Blick auf die Website des Jazzbüros Hamburg, ein 1996 gegründetes Netzwerk mit Veranstaltungs- und Vermittlerfunktion, zeigt, dass die Elbmetropole rund zwei Dutzend Clubs, mehrere Festivals und andere Gelegenheiten hat, Jazzkonzerte zu hören und direkt zu erleben. Diese numerische Vielfalt ist nach einer längeren Zeit relativer Flaute zuvor beeindruckend. Genauer betrachtet, verteilt sich das Interesse an Jazz nicht nur auf Stadtgebiete, sondern auch auf Generationen und die damit verbundene Programmgestaltung.
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