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Alle Artikel kategorisiert unter »Konzert«

Preziosen, die für sich sprechen

31.01.18 (Burkhard Schäfer) -
Am 16. Dezember 2007 verstarb Harald Genzmer hochbetagt in München. Anlässlich seines zehnten Todestages veranstaltete die Harald-Genzmer-Stiftung in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München am 16. und 17. Dezember 2017 ebendort ein Konzertwochenende. Die gebotenen Werke und Interpretationen begeisterten durch die Bank und sogar eine Uraufführung des einstigen Genzmer-Schülers Roland Leistner-Mayer war zu erleben.

Konstitutive Buntscheckigkeit

31.01.18 (Fabian Schwinger) -
Trotz der nunmehr 20. Ausgabe ihres Festivals gaben sich die ausrichtenden Sender Deutschlandfunk Kultur und kulturradio vom rbb keiner Retrospektive hin. Wozu auch? Das Berliner Ultraschall hat seit seinem Start zwar einige organisatorische Wandlungen durchgemacht – das vormals über zwei Wochen reichende Programm ist seit 2014 auf fünf Tage kondensiert –, und natürlich liegen die ästhetischen Schwerpunkte heute anders als 1999, als man noch Komponisten wie Matthias Pintscher, Enno Poppe und Stephan Winkler zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Die jungen Wilden“ einladen konnte. Aber im Großen und Ganzen knüpfte man auch dieses Jahr wieder an die Ursprünge an: Ein Spielstätten-Mix aus etablierten Häusern und Off-Szene bot ein multiperspektivisch angelegtes, Themenschwerpunkte aufeinanderschichtendes Programm.

Reine Instrumentalmusik als Stimulans

31.01.18 (Reinhard Kager) -
Als schrammte ein Graphiker seinen Grabstichel in eine Kupferplatte, so tönt am Beginn Hannes Kerschbaumers „schraffur“ für Vierteltonakkordeon und Ensemble. Ein beeindruckend eigenwilliges Stück mit geradezu geometrischen Lineaturen, das bei „Wien Modern“ durch Krassimir Sterev am Akkordeon, das Klangforum Wien und den souverän gestaltenden Emilio Pomàrico am Dirigentenpult zur Aufführung gebracht wurde. Durch vier weitere Kompositionen, darunter drei Uraufführungen, und die Verleihung des Erste-Bank-Kompositionspreises stand der 36-Jährige Südtiroler Komponist im Fokus des Festivals, das im Herbst 2017 bereits zum 30. Mal stattfand.

Donnerblech trifft Viertelton

31.01.18 (Achim Heidenreich) -
Nachhaltigkeit und Partizipation sowie Integration und auch Inklusion sind für Festivalmachende das Gebot der Stunde. Gute Einstudierung mit reichlich Probenzeit und exzellenter Aufführung genügt schon lange nicht mehr, um bei fördernden und finanzierenden Institutionen Etats locker zu machen. Außerdem steht das Nur-Musik-Hören im Konzertsessel seit einiger Zeit im Verdacht ganz passiv das kulturelle Sahnehäubchen von unserem subventionierten Musikleben einfach bloß abzuschöpfen, womöglich noch zu Richard Strauss’ Ballettmusik „Schlagobers“ (Autor schnalzt mit der Zunge). Denn auch das will schließlich gelernt sein, das Hören, sprich: Das Werk braucht Vermittlung und Kontextualisierung, um nicht nur die Kenner und Liebhaber der doch zahlreichen Musik­angebote zu gewinnen, sondern tatsächlich in die Mitte der Bevölkerung und dort zu breiterer Akzeptanz zu gelangen.

Klang in Bewegung

29.12.17 (Dirk Wieschollek) -
An Luther war kein Vorbeikommen im Luther-Jahr, schon gar nicht in Thüringen, und auch nicht bei den diesjährigen Tagen Neuer Musik Weimar. So hatte auch das Ensemble für Intuitive Musik, das seit nun 30 Jahren die Musiktage standesgemäß eröffnet, ein Bündel Luther-Choräle im Gepäck, auf deren Grundlage diesmal die traditionelle Improvisations-Séance stattfand. Für dauerhafte Aufmerksamkeit in der Jakobskirche sorgte die Klanginstallation „Stimmen im Kirchenschiff“ von Hans Tutschku, die zur polyglotten Klangreise über den Globus einlud und Gebete, Gesänge und Sprachfragmente verschiedener Religionen und Kulturen zu einer universalen spirituellen Erfahrung zu transformieren suchte. Dünkt gerade relativ „modisch“, war jedoch im Resultat eindringlich, auch weil in Momenten babylonischer Dichte das Ganze eher apokalyptische, denn vordergründig kontemplative Züge entwickelte.

Kooperation von Wissenschaft und Kunst

22.12.17 (Hans-Peter Graf) -
Ist die Melone nun reif oder nicht? Draufklopfen – man hört es. So ähnlich hält man es auch im Bereich der Wissenschaften und spricht von „Sonifikation“ (wörtlich Verklanglichung), wenn Daten (Zahlen, Angaben, Vorgänge, gleich zu welchem Thema) in Schallereignisse übersetzt sind, um sie darzustellen oder aber besser verstehen zu können.

Sechzehn mal Beethoven zum Abschied

14.12.17 (Eleonore Büning) -
Furchtbar und schön, wie La Dame Blanche aus dem Schundroman, so ragt im Schatten der Burgruine von Badenweiler das stillgelegte Grandhotel Römerbad. Denkmalgeschützt, heruntergewirtschaftet. Eine Legende. Ein historischer Ort. Memento mori! Einst, seit den Siebzigern, war dieses Haus ein Treffpunkt der musikalischen Moderne gewesen. Würde sich doch heute ein orientalischer Prinz finden oder sonst ein reicher Liebhaber, der es wieder wachküsst und neu belebt, auch den oktogonalen Hofsaal restauriert und mit Kunst und Konzerten füllt, ohne dabei auf schnelle Rendite zu schielen! Wie oft ist dieser Wunsch schon so oder ähnlich gedacht worden? Schließlich: Jeder, der ins nüchtern betongegossene Kurhaus nebenan pilgert, um sich die Konzerte der Badenweiler Musiktage anzuhören, muss an diesem Geisterhaus vorbei.

Ein vielfältiger „Impuls“ für Sachsen-Anhalt

30.11.17 (Michael Jenne) -
An Musikfestivals mangelt es in Mitteleuropa eigentlich nicht, das gilt pauschal auch für Neue Musik. Da könnte sogar der Gedanke aufkommen, das eine oder andere einzusparen, wenn’s eng wird im Etat, wenn das Konzept oder die Umsetzung schwächelt… Größere Sorgen allerdings können Projekte bereiten, die trotz überzeugendem Konzept sowie wiederholt nachgewiesenem Erfolg um ihre Zukunft bangen müssen, weil die Finanzierung Jahr für Jahr in Frage steht und Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln häufig erst bewilligt werden, wenn Akteure wie Veranstaltungsstätten längst feststehen, ja vertraglich gesichert sein müssten und die Ankündigungen schon verbreitet sein sollten.

Idyllen, Inferno und mancherlei Rätselhaftes

03.11.17 (Gerhard R. Koch) -
„Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ – in diesem schönen frühen Film (1968) Alexander Kluges, dessen Kino-Kunst leider kaum mehr sonderlich präsent ist, will die Zirkus-Erbin Leni Peikert mit ihrem „Reform“-Unternehmen, inklusive Elefanten auf dem Hochseil, übers „Gebirge“ ziehen, um das Genre authentisch zu erhalten: „Menschen, Tiere, Sensationen“ zu höherem, lauterem Zweck präsentieren. Doch die ganz große Utopie misslingt, es bleiben die kleinen Schritte auf dem langen Marsch durch die Institutionen.

Von Brüchen und Brücken

31.10.17 (Isabel Herzfeld) -
„Wir sind die Letzten. Fragt uns aus“ – die Gesprächskonzerte von „musica reanimata“ leben von der Zeitzeugenschaft, dem Dialog mit Künstlern, die noch Auskunft geben können über den real erlebten Naziterror, über Flucht und Exil, Lebensbrüche und Überlebensstrategien. Trotz des allmählichen Verschwindens dieser „Letzten“ sind hier immer wieder erhellende Begegnungen möglich, etwa mit der 2016 mit 93 Jahren verstorbenen, stets erfrischend klarsichtigen Ursula Mamlok oder mit Walter Arlen, der hochbetagt aus Kalifornien kommend ein lebendiges Bild vom Wien der 1930er-Jahre erstehen ließ.
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