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Alle Artikel kategorisiert unter »Konzert«

Wie die Alten sungen, so machen es endlich die Jungen

31.10.18 (Andreas Kolb) -
„Keine Noten, kein Dirigent – und kein Schuhwerk“ – so erweiterte Reinhold Würth den Slogan des Berliner Stegreiforchesters bei der Übergabe des mit 15.000 Euro dotierten Würth-Preises der Jeunesses Musicales Deutschland an das junge Kammerorchester. Zuvor hatte das Ensemble den Kammermusiksaal des Carmen-Würth-Forums bespielt und sein Konzept erlebbar gemacht: Sinfonisches wieder mit Spontaneität und Improvisation zu verbinden. Würths Beobachtungsgabe zielte ins Zentrum der durchchoreografierten Konzertperformance: Etikette, Frackzwang und alte Zöpfe müssen weg. Das Stegreiforches­ter setzt sich keine geringere Aufgabe als die „Klassik neu zu erfinden“.

Zwischenzeiten bringen nicht nur Ungeheuer hervor

31.10.18 (Georg Beck) -
Bochum, im August/September. – Wo fängt die Kunst an? Mit einem Blick auf die Welt, auf den aktuellen Zustand der Gesellschaft; da genau beginnt sie, dort muss sie beginnen, sagt Stefanie Carp. Es ist das Zeitdiagnostische, das für die neuberufene, damit erste Intendantin der Ruhrtriennale wie für ihren Musikkurator Matthias Osterwold am Anfang stehen. „Eine Zwischenzeit ist angebrochen, laut, lärmend, lähmend und stag-nierend zugleich – eine diffuse Zeit.“ 33 Projekte, 120 Aufführungen, ein „Festival der Künste“, das Gegenwärtigkeit, das Wachheit, Wachsamkeit reklamiert – dies der Anspruch ihrer gemeinsamen, auf drei Jahre angelegten Programmplanung.

Bericht von einer unakademischen Akademie

18.10.18 (Andreas Kolb) -
Das japanische Wort „inori“ bedeutet Gebet, Anrufung, Anbetung. Im Zentrum von INORI (1973/74) stehen 13 Gebetsgesten aus verschiedenen Religionen, die Stockhausen als Orchesterstimmen und Spielanweisungen zugleich komponierte. Das Stück aus den frühen 70er-Jahren ist – wie auch seine Werke „Hymnen“ oder „Telemusik“ – aufgeladen mit außermusikalischer Bedeutung, in diesem Fall mit spiritueller. Unter dem Gesichtspunkt der Debatten um Gehaltsästhetik in der Neuen Musik ist INORI damit topaktuell. Das 70 Minuten dauernde opulente Orchesterstück ist dennoch ein Meisterwerk absoluter Musik, in dem Stockhausen aus einer einzigen Formel einen einzigartigen musikalischen Kosmos erschafft. „Musik dieser Art“, so Wolfgang Rihm, der es 2018 in Luzern auf den Spielplan gesetzt hatte, „hat es vorher nicht gegeben und wird es auch danach nicht mehr geben“.

Keep ON going!

26.09.18 (Rainer Nonnenmann) -
Von den ehemals 15 Initiativen, die das „Netzwerk Neue Musik“ der Kulturstiftung des Bundes von 2008 bis 2011 bundesweit förderte, existieren heute nur noch sieben, teils stark reduziert. Dabei hatte die Ausschreibung seinerzeit neben Netzwerkbildung und Vermittlung zeitgenössischer Musik auch die Schaffung nachhaltig wirkender Strukturen gefordert. Doch wer vermag schon eine solche Hypothek auf die Zukunft zu decken? Für Köln erwies sich der damalige Wink mit frischem Geld in jedem Fall als rettender Anstoß zu einer Kehrtwende. Der Glanz der einstigen „Welthauptstadt der Neuen Musik“ war längst Vergangenheit, und die trübe Gegenwart siechte unter Streichungen, Abwanderungen, Überalterung, Stagnation, Konzeptlosigkeit. Allen Unterschieden, Zwistigkeiten und Vorbehalten innerhalb der Szene sowie zwischen Freiberuflern und Institutionen zum Trotz fanden sich schließlich 35 Spielstätten, Vereine, Veranstalter und Ensembles zu einer gemeinsamen Antragstellung zusammen. Die Aussichten waren einfach zu verlockend.

Imaginierte Rituale, orchestrale Klangschichten

26.09.18 (Albrecht Dümling) -
Kompositionen von Morton Feldman, John Cage, Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Mathias Spahlinger standen auf dem Programm des diesjährigen Musikfests Berlin. Solche Werke waren einmal Schwerpunkte der MaerzMusik und der ihr vorangehenden Musik-Biennale gewesen. Unter Berno Odo Polzer hat die MaerzMusik als „Festival für Zeitfragen“ allerdings eine prinzipielle Skepsis gegenüber traditionellen Konzertformaten entwickelt. Dies regte Winrich Hopp an, die entstandene Lücke auszufüllen. Noch nie setzte das von ihm betreute Musikfest einen so starken Akzent auf Neue Musik wie in diesem Jahr. Noch nie gab es allerdings auch so viele leere Plätze.

Stockhausen-Schlüsselwerk mit der Generation von heute

31.08.18 (nmz-red) -
Im Sommer 2018 erarbeitet die Lucerne Festival Academy mit INORI und GRUPPEN zwei zentrale Partituren Stockhausens. Das japanische Wort „inori“ bedeutet Gebet, Anrufung, Anbetung.

Ehrfurcht, Übermut und Abgezocktheit

31.08.18 (Juan Martin Koch) -
Premiere beim mittlerweile schon traditionsreichen Jugendorchester-Festival Young Euro Classic in Berlin: Erstmals war mit NYO Jazz eine junge Big Band ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt geladen worden. Ein Ausflug in stilistisches Neuland, der sich gewaschen hatte …

Zeitreisen zwischen Alt und Neu

Alte und junge Besucher haben es sich am Rand eines blauen Quadrats auf Sitzkissen bequem gemacht, weitere dahinter auf Stühlen. Am anderen Ende dieser Schwimmbecken-Bühne stellen sich die Neuen Vocalsolisten auf und stimmen Monteverdi an. Nicht nur ein paar Töne: ein ganzes Madrigal. Stand nicht ein neues Werk, die deutsche Erstaufführung von Annelies Van Parys’ „An Archive of Love“, auf dem Programm? Es kommt noch bunter: „Tristan?“, fragt zaudernd eine Frauenstimme. „Isolde!“, tönt es postwendend zurück: „lülülülülü“, gefolgt von gehauchten, gekrächzten, unartikulierten Lauten. Was parodistisch wirkt, verdankt seine Komik zu guten Teilen Claude Viviers „Love Songs“, die Van Parys munter mit Monteverdi, José-Maria Sanchez-Verdù und eigenen Tönen bis hin zu kurzen Pop-Song-Fragmenten collagiert. Und den unvermittelten Kontrasten. Wir meinen, einzigartig zu sein, will die Komponistin sagen: Doch wir wiederholen in unseren Liebesgeschichten nur die Klischees, die seit ältesten Zeiten besungen werden.

Diskutieren und ausprobieren, vorführen und verwerfen

31.08.18 (Juana Zimmermann) -
Pierre-Yves Artaud schrieb über die Ferienkurse von 1994: „Oh je, weiter diese Affenhitze! Das Wetter hier ist unvorhersehbar. Ein bisschen wie alles, was man hier so treibt: die Stücke, die man hier spielt und ihre Qualität. Das geht rein und raus.“ Und hätten sich seitdem die Örtlichkeiten und Nichtrauchergesetze nicht verändert, so könnte man ihm hellseherische Fähigkeiten zusprechen: „Vom Buffet bis zum Nichtrauchersaal [...] sind gerade mal zehn Meter, doch die kommen einem schier endlos vor. Sie sind es auch, denn ein Gruß und ein Wortwechsel alle 50 Zentimeter, das macht im Durchschnitt 20 Halts von 30 Sekunden [...]“

„Hellhörig riskieren wir wache Ohren“

03.07.18 (Gisela Nauck) -
Würde man den Komponisten Hans-Joachim Hespos darum bitten, sich vorzustellen, bekäme man die karge Antwort: „Ich heiße Hans-Joachim Hespos und mache Musik“.
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