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Alle Artikel kategorisiert unter »Leitartikel«

Edel und gut sind Stifter

03.05.18 (Olaf Zimmermann) -
Die erste rot-grüne Bundesregierung trat vor fast zwanzig Jahren mit dem Versprechen an, das Stiftungsrecht zu reformieren. Obwohl die Reform des Stiftungssteuer- und des -privatrechts sich keineswegs allein auf Kulturstiftungen bezogen, sondern selbstverständlich alle Stiftungen im Blick hatte, ist sie im Zusammenhang des kulturpolitischen Aufbruchs des Bundes zu sehen. Schon im Wahlkampf 1998 wurde eine erforderliche Reform des Stiftungsrechts als Argument für eine sichtbarere Kulturpolitik des Bundes angeführt. Nach der Regierungsbildung im Oktober 1998 wurde das Vorhaben in Angriff genommen und zuerst das Stiftungssteuerrecht, im Anschluss daran das Stiftungsprivatrecht reformiert.

Ver-Formungen

02.05.18 (Theo Geißler) -
Was zerrüttet eine gestandene Musikzeitschriften-Redaktion aufs Heftigste? Der Streit um Christian Thielemanns Dirigierkünste? Heißt es „der“ oder „das“ Echo? Macht Musizieren auch Kollegahs intelligenter? Weit gefehlt! Gelegentlich lodernd, gelegentlich schwelend, aber immer allgegenwärtig erschüttert ein ganz anderes grundlegendes Thema unser journalistisches Gefüge. Und oft genug kommt flammende Kritik von außen, von unseren Leser*innen und Lesern (ist das jetzt korrekt?). Wie erreicht man Gleichberechtigung, wie emanzipierte Formulierungen aller erdenklichen geschlechtlichen Orientierungen im von uns reichlich produzierten Schrifttum?

Vertrauensentzug Projektförderung

03.04.18 (Barbara Haack) -
„Kulturelle Bildung“ heißt in dieser Ausgabe unser Schwerpunktthema, über das wir in Berlin mit drei Fach-Menschen diskutiert haben (Seiten 19–21). Es mag an der Zusammensetzung dieser Runde liegen, aber auch die aktuelle Situation des Themas widerspiegeln, dass die „Musikvermittlung“ gegenüber den klassischen Feldern der musikalischen Bildung deutlich mehr Raum einnimmt.

Rechts zwo drei

01.04.18 (Theo Geißler) -
Es ist schon bitter. Da wird nachträglich als späte zarte Nachgabe zu seinem zehnten Geburtstag in Sachsen-Anhalt ein Musikfestival ausgehungert. Sein Name, ausgerechnet: „Impuls“ – ein Gestaltungsfaktor, den sehr viele andere Bundesländer nötig hätten. Den Landeszuschuss senkt Kulturminister Rainer Robra (CDU) eben mal um 50.000 Euro auf nur noch 100.000 mit dem Argument, Impuls böte „zu wenig Uraufführungen und zu wenig zeitgenössische Musik“. Unter das Festival-Publikum kann sich der Herr Minister nicht oft gemischt haben.

Ausge-Presst?

02.03.18 (Theo Geißler) -
Konkurrenz belebt das Geschäft? Eine dieser schleimschmeichelig verlogenen Waber-Phrasen unserer asozialen Marktwirtschaft. Fusion ist angesagt im Medien-Paradies, oder noch besser Verdrängung. Und was nicht den raschen Reibach abwirft, wird dichtgemacht und verscharrt. Der Konkurrent wird billig aufgekauft und eingestellt. Da wird mittlerweile auch auf kulturelle Institutionen – die einstmals schlicht mangels kapitaler Masse oder vielleicht auch erfreulicherweise bildungsbürgerlicher Einsicht und Vision folgend schon mal verschont wurden – keine Rücksicht mehr genommen. Wir allerdings, in unserer Musiknische, die ja eigentlich sehr eng ist und scheint’s spitze Ellenbogen anempfiehlt, beobachten das Verdorren kulturjournalistischer Qualitätsprodukte mit Sorge und Trauer.

„Denn wir wissen, was wir sollen“

15.02.18 (Martin Hufner) -
„Wieder revolutionieren wir. Auf der ganzen Erde aber diesmal. Setzen wir uns jetzt das höchstmögliche Ziel: eine Bewußtwerdung, daß die ganze Menschheit auf dem Spiel steht.“ Das schrieb 1968 Karlheinz Stockhausen in seinem „Freibrief an die Jugend“, veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22. August 1968. „Nehmen wir also an der großen Revolution der Menschheit teil, denn wir wissen, was wir sollen. Es lohnt sich, das Leben einzusetzen, wenn es ums Ganze geht. Ja!“ Solche Emphase ist selbst unter Nichtmusikern selten. Was war passiert?

Umbruch?

01.02.18 (Theo Geißler) -
Kramt man im Web nach dem Begriff, werden einem zunächst zwei Definitionen angeboten: Die eine aus dem Bereich des Druckwesens ist sozusagen des Verlages täglich Brot: das Festlegen von Seiten-, Spalten- oder Zeilenenden in einem Text. Gleich die zweite kündigt eine Veränderung an, die grundlegend und folgenreich ist. Vor fünfzig Jahren widerfuhr unserem Intelligenzblatt beides gleichzeitig.

Der Staat als zynischer Arbeitgeber

03.12.17 (Juan Martin Koch) -
Es war schon ein ganz beachtlicher Marsch, der da den Verantwortlichen geblasen wurde: Etwa 130 Protestierende, darunter einige Trommler und ein Trompeter, zogen Mitte November von der Münchner Musikhochschule, vorbei am Haus der Kunst, zur Staatskanzlei. Die Musik-Lehrbeauftragten an bayerischen Hochschulen und Universitäten hatten zur Demonstration aufgerufen, wobei diese den Auftakt zu einem zweiwöchigen Streik bilden sollte.

Kommunika-Tor ?

01.12.17 (Theo Geißler) -
Unsere deutsche Kultur verfügt über einen reichen Sprichwort-Schatz teils ambivalenter, teils zweifelhafter Brauchbarkeit. Als Einstiegs- oder Ausstiegsphrasen allfälliger Sonntagsreden sind Sprichwörter nach wie vor gerade bei älteren Semestern beliebt. Vielleicht wegen ihres vermeintlichen Objektivierungs-Potenzials. Hin und wieder wandelt sich ihr vermeintlich ursprünglicher Sinn auch ins Gegenteil. Nehmen wir mal die gern genutzte Phrase: „Guter Rat ist teuer“. Einst in bescheideneren Zeiten geradezu ein Ausdruck von Hilflosigkeit.

Rat-Los

02.11.17 (Andreas Kolb) -
„Rosetti! Immer wenn ich BR-Klassik einschalte“, so kürzlich der Stoßseufzer eines Kollegen, „ertönt Rosetti!“ Da es sich bei Antonio Rosetti nicht um einen Zeitgenossen handelt, dem ein Funkredakteur durch häufiges Spielen messbare Gema-Tantiemen verschaffen könnte, sondern um einen beliebten Komponisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts, bleibt nur eine Schlussfolgerung: Rosetti ist klanggewordenes Sinnbild eines massentauglichen Tagesbegleitprogramms.
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