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Alle Artikel kategorisiert unter »Leitartikel«

Förderhoch in Tiefdruckgebieten

30.11.18 (Juan Martin Koch) -
Musikschule und Musikhochschule: Eine Silbe nur trennt die Bezeichnungen dieser beiden Institutionen voneinander. Wobei die Silbe „hoch“ bereits unschön andeutet, wo beide und mit ihnen auch ihr Personal im allgemeinen Bewusstsein allzuoft verortet werden: Müht sich hier die Musikschule in den Niederungen der Basisarbeit ab, wird an der Musikhochschule die Exzellenz in künstlerisch schwindelerregende Höhen getrieben. Versuchen hier gescheiterte Solistinnen und Solisten übefaule Teenager bei der auf niedrigstem Niveau montierten Stange zu halten, werden dort handverlesene Elitekräfte von der Crème de la Crème internationaler Instrumental- und Gesangsstars unterrichtet, die sich neben ihrer internationalen Konzerttätigkeit selbstverständlich stets auf den neuesten Stand der pädagogischen und fachdidaktischen Forschung bringt.

Klang-Offen

30.11.18 (Theo Geißler) -
„Zentralkonferenz“ – das klingt ein wenig knöchern nach einem After-Brexit-Krisentreffen oder dem Aufsichtsrats-Meeting der Deutschen Bank. Einen ganz anderen Klang, einen von Haus aus konstruktiven Sinn bekommt eine derartige Zusammenkunft, wenn sich kundige Kulturmenschen – in unserem Fall Musiker/-innen, Musikpädagogen/-innen – zusammenfinden, um über Zustand und Zukunft einer der wohl sinnvollsten außerschulischen Bildungsmaßnahmen hierzulande nachzudenken: über den Wettbewerb „Jugend musiziert“.

Vom Ende der Unsichtbarkeit

07.11.18 (Andreas Kolb) -
„Raus mit den Männern aus dem Reichstag und raus mit den Männern aus dem Landtag (…) und rein in die Dinger mit der Frau“, sang Claire Waldoff alias Clara Wortmann 1926 in der Berliner Revue „Von Mund zu Mund“. Das war acht Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland, von Frauenquote war damals keine Rede. In der aktuellen Legislaturperiode sind immerhin 30,9 Prozent der Bundestagsabgeordneten Frauen, in den Landtagen sieht es ähnlich aus. Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen sind die Frauen auf dem Vormarsch. Nur im Bereich der Musik waren sie lange Jahre ausschließlich als Musen erwünscht – und vielleicht noch als Harfenistinnen.

Sprach-Deutung

02.11.18 (Barbara Haack) -
Wenn zwei das Gleiche sagen, meinen sie noch lange nicht das Gleiche. Generationen von Sprachwissenschaftlern haben dieses Phänomen erforscht und in klugen Kommunikationsmodellen veranschaulicht. Gerade in einer Zeit, in der in Politik und Gesellschaft neue Deutungshoheiten über Sprache beansprucht, in der Begriffe aus dem Müllbeutel der Geschichte hervorgeholt werden (in den man sie doch eigentlich schon für immer versenkt hatte), ist es angesagt, hinter die Worte zu schauen, Deutungen gegebenenfalls auch zu entlarven.

Musik. Vielfalt. Integration. Inklusion

27.09.18 (Irmgard Merkt) -
Die Punkte zwischen den Wörtern sind ein bisschen modisch, aber nur ein bisschen. Sie trennen Begriffe, die nicht zufällig in einer Reihe stehen, Begriffe, die zusammengehören. Sie sig­nalisieren, dass es für jede Musiklehrerin, für jeden Musiklehrer im Grunde notwendig, in jedem Fall aber hilfreich ist, zunächst einmal für sich selbst diese Begriffe samt den dazugehörigen Emotionen zu klären, um schließlich zu einem Entwurf dessen zu gelangen, was im Unterricht geschehen soll.

Robo-Päd

27.09.18 (Theo Geißler) -
Musikunterricht in der dörflichen Grundschule. Mitte der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Unser Allround-Lehrer hatte seine pädagogischen Zentralprinzipien wohl noch auf dem Nürnberger Reichsparteitags-Gelände erworben. Sein Ein-Meter-Lineal jedenfalls nutzte er beim allmorgendlichen Absingen des „Liedes der Bayern“ ausgiebig als Drum-Stick auf den Köpfen melodie- und/oder textunsicherer Mitschüler. Aber immerhin: Es wurde gesungen. Und es gab (zumindest in Oberbayern) Lehrerinnen und Lehrer für zirka dreißigköpfige Klassen.

Boykott ist nicht die Sprache der Kunst

04.09.18 (Georg Beck) -
So viel Ahnungslosigkeit war selten. Von „BDS“, Kürzel für die israelfeindliche Bewegung „Boycott, Divestment, Sanctions“, habe sie bis zur Einladung an das Hip-Hop-Trio Young Fathers noch nie gehört. Ein Aufschlag der Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp, der gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion „Freedom of Speech/Freiheit der Künste“ im Netz landete. Ein Statement, das offenbarte, weshalb die Ruhrtriennale, das mit NRW-Landesgeldern ermöglichte „Festival der Künste“ erstmals seit seinem Bestehen ernsthaft ins Gerede gekommen ist. Zugleich aber auch ein Statement, das in seiner Ehrlichkeit, seiner Naivität bestürzte. Mehrheitlich jedenfalls.

Make-News

02.09.18 (Theo Geißler) -
Einer der wenigen Irrtümer des ansonsten so treffsicheren, begnadeten Kabarettisten Georg Kreisler dürfte sich in der Chansonzeile manifestieren: „Heute findet jede Zeitung größere Verbreitung durch Musikkritiker“. Einige wenige der meist noch auflagenstärkeren „seriösen“ Blätter leisten sich für dieses Ressort studierte festangestellte Fachkräfte. Meist werden die Klassik-Konzert- und Opern-Pressekarten großzügig auch bei immer noch recht auflagen- und ertragsstarken regionalen Print-Produkten in ein Volontariat gestreut, dessen Studienkompetenz von abgebrochener Tiermedizin bis Sozialwissenschaften, 41. Semester, reicht.

Ein Buch ist keine Pille

04.07.18 (Barbara Haack) -
Dies ist quasi ein Artikel in eigener Sache – aber nicht nur! Es geht auch um Erhalt oder Wegfall eines Kulturguts. Es geht um das Buch und die Note, um die Vielfalt des Angebotes; es geht um Marktmacht und Gewinnmargen. Kurz: Es geht wieder einmal um die Buchpreisbindung.

Schafft Neues  !

04.07.18 (Juan Martin Koch) -
Unser Titelbild zeigt die Szenerie. Wie eine Miniatur-Staatsoper stand sie da vor dem Münchner Nationaltheater auf dem Max-Joseph-Platz: die „Tonhalle“, die im Rahmen der Biennale für neues Musiktheater bespielt wurde (siehe Seite 10). Das sollte wohl auch eine Diskrepanz augenfällig machen – vom sympathisch-subversiven Musiktheaterlabor auf der einen und dem selbstgefällig-saturierten Opernbetrieb auf der anderen Seite. Die Argumente hierfür sind schnell zusammengetragen.
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