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Die patriarchale Nachhut wirkt unbewusst

Das „Lucerne Festival“ widmete sich dieses Jahr – zumindest programmatisch – dem Thema „Macht“. Nun sind es beileibe nicht die jüngst kolportierten „nächtlichen Telefonanrufe“ eines zenitfernen Opernsängers, welche mit diesem Begriff zugleich jenen des Missbrauchs hören lassen. Letzterer gebärdet sich in der Musikwelt denn auch mehrtönig:

Land-Musik

01.10.19 (Andreas Kolb) -
Stadtluft macht frei. Seit Jahrhunderten leben wir nach dieser Maxime. In der Stadt winken nicht nur Freiheit und bessere Verdienstmöglichkeiten, auch die weichen Standortfaktoren machen Ballungszentren attraktiv. Machten – die Vergangenheitsform trifft’s besser: Explodierende Miet- und Grundstückspreise, Feinstaub, Lärm, verstopfte Straßen und Großbaustellen, eine erodierende Schul- und Kitaversorgung gehören heute immer öfter zur Realität des Großstadtlebens.

Monteverdi und der Klimawandel

20.09.19 (Bernhard König) -
„Ich bin die Musik, die mit süßen Klängen jedes erregte Herz zu besänftigen weiß und – bald zu edlem Zorn, bald zur Liebe – die eisigsten Gemüter entflammen kann“. Es ist La Musica selbst, die mit diesen Worten eine Oper eröffnet, die in meinen Ohren zum Schönsten zählt, was die Menschheit hervorgebracht hat. Wir können den „Orfeo“ von Claudio Monteverdi hören, wann immer wir wollen – ein kleines Wunder. 400 Jahren hat diese Musik überdauert; fast die Hälfte davon schlummerte sie völlig unbeachtet, ungespielt und ungehört in Bibliotheken und Archiven. Heute ist sie in dutzenden Interpretationen abrufbar: so frisch und lebendig, als wäre sie eben erst entstanden, und zugleich so fremd und fern wie die Vergangenheit, aus der sie stammt. Wird man diese 400 Jahre alte Musik auch in 40 Jahren noch hören, genießen und verstehen? Wir alle – Musikerinnen und Musiker, Vermittlerinnen und Veranstalter – tun viel dafür, dass dies so sei. Viel Geld, Anstrengung und Kreativität haben wir in das Ziel investiert, den Nachwuchs an die großen Schätze der Musikgeschichte heranzuführen.

Schulterschluss?

30.08.19 (Theo Geißler) -
Gute 3.000 Zeichen sollte der Text an dieser Stelle lang sein. Wären es mehr, gäbe es einen „Überlauf“ – und der erzeugt bei der Chefredaktion Missmut. Der räumlichen Enge ist möglicherweise eine leichte Text-Unschärfe in meinem Streiflicht „Wahre Werte“ (nmz 6/2019) zuzuschreiben: Selbstverständlich wollte ich nicht die unter prekären Bedingungen – die wir übrigens kontinuierlich scharf kritisiert haben – hervorragende Arbeit leistenden freien Musikpädagogen/-innen diskreditieren. Wer dies behauptet, liest die nmz nicht.

Ein Bericht von der Baustelle Beethoven

02.07.19 (Guido Krawinkel) -
Die Beethovenhalle: eine kostspielige Dauerbaustelle mit offenem Ende. Die Oper: ein derzeit auf Eis gelegter Sanierungsfall. Das Beethovenfest: wegen mangelnder Kostentransparenz und seiner Intendantin in der Kritik. Und die BTHVN-Jubiläumsgesellschaft: ein Mauerblümchen ohne wirkliche Strahlkraft.

JuMu 57.1?

01.07.19 (Theo Geißler) -
Es begab sich während des zweiten Preisträgerkonzertes des 56. Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ in Halle/Saale. Das Zuspielprogramm mit dem Info-Text für den Beamer, der die Bühnen-Leinwand bespielte, machte sich selbstständig. „Wir haben ein Update für Sie“ – hieß es dort plötzlich. „Sollen wir es ausführen?“ Es dauerte eine Weile, bis der Negativbescheid eingegeben war. Dennoch wirkte der Aufruf wie ein ausnahmsweise mal konstruktives Menetekel.

Kunst und Wissenschaft zum Abschuss frei

05.06.19 (Martin Hufner) -
Schleichende Veränderungen sind im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich nie ganz ohne Gefahr. So können Grundlagen gesellschaftlichen Lebens mit der Zeit dadurch entwertet werden, dass man sie als selbstverständlich und unverbrüchlich ansieht. So wie das Grundgesetz Deutschlands, das gerade 70 Jahre alt geworden ist. Wenn man aber nicht aufpasst, verschwinden solche Gewissheiten. Die Gefahren drohen von innen wie von außen.

Wahre Werte

31.05.19 (Theo Geißler) -
Berlin war im Mai dem Verband deutscher Musikschulen (ausnahmsweise besonders?) gewogen: Die Sonne bestrahlte eine höchst lebendige, musikalisch denkbar vielseitige Open-Air-Eröffnung für den Musikschulkongress. Wo Licht ist, gibt’s auch Schatten: Wie in einem – im Unterschied zum gallischen recht unfrohen – kleinen Wehrdorf, frei jeden Zaubertrankes, hatten sich matt trommelnd in einem Winkel vermutlich nichtangestellte Musiklehrerinnen und Musiklehrer versammelt, ausgestattet mit transparenten Unmutsbekundungen der besonders schlichten Art.

Teil-Habe

07.05.19 (Andreas Kolb) -
Ob europaweit oder kommunal: Wahlkampf ist nicht nur ein Wettbewerb der besseren Ideen und Programme, sondern auch ein Wettbewerb der Werbeagenturen. Nach den Wahlen folgt die mühsame Zeit des politischen Alltags, in der Politiker mit mehr oder weniger Verve und Glück versuchen, ihre Wahlkampfversprechen in Gesetze umzumünzen. Auch diese Detailarbeit kann man werbetechnisch merklich aufbessern.

App-Tauchen

02.04.19 (Juan Martin Koch) -
Und irgendwann fällt dann dieser aufmunternde Satz: „Musik ist natürlich auch super dazu!“ Für einen Workshop, der eine iPad-Anwendung für das Zeichnen, Animieren und Projizieren in Echtzeit vorstellt, ist der Satz im Prinzip völlig in Ordnung. Im Rahmen einer Musikvermittlungstagung macht er einen aber dann doch stutzig.
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