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Alle Artikel kategorisiert unter »Leitartikel«

Eine Milliarde für das Überleben der Kultur

03.07.20 (Olaf Zimmermann) -
Deutschland ist ein Musikland. Keine künstlerische Sparte erhält so viel Aufmerksamkeit wie die Musik. Keine Sparte hat ein so ausgeprägtes Förderwesen wie die Musik. Keine Sparte hat ein so ausgeprägtes Vereins- und Verbandswesen wie die Musik. In keiner Sparte sind die verschiedenen Glieder der Wertschöpfungskette in einem so engen Austausch. Doch jetzt in der Corona-Pandemie überschlagen sich die Stimmen aus dem Musikbereich, die behaupten, die Musik sei von der Politik in der Krise schlicht vergessen worden. Das stimmt einfach nicht!

Ex Machina?

02.07.20 (Theo Geißler) -
Mein erster und einziger digitaler Raubzug fand materiell letztlich uneigennützig 1982 auf der Berliner Funkausstellung statt. Für unseren damaligen nmz-Kolumnisten Attila Csampai erbeutete ich (natürlich in Absprache mit der Pioneer-Presseabteilung, aber wider alle strengen Gebote der Messeleitung) einen der allerersten Compact-Disc-Player, den Pioneer PD 1. Damaliger Marktpreis: 2.500,- DM. Attila zerlegte daraufhin mit spitzer Feder und in schroffen Worten die Klangqualität digitaler Musikspeicherung generell im Verhältnis zum analogen Hörerlebnis. Sprach von einer Zertrümmerung, Atomisierung der Musik – und erhielt nicht nur aus den Kraftwerken der Elektronikindustrie, sondern auch von Musikern aller Genres heftigsten Gegenwind.

Es reicht nicht, nur nach vorne zu blicken

03.06.20 (Albrecht Dümling) -
Beim Gedenkkonzert der Berliner Staatsoper zum 75. Jahrestag des Kriegsendes erklang nach Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ noch Wagners „Siegfried-Idyll“, was unterschiedliche Reaktionen auslöste. rbb-Redakteur Andreas Göbel verstand in diesem Zusammenhang nicht die „naive Fröhlichkeit“ der Mozart-Serenade und Peter Uehling (Berliner Zeitung) hielt es für „schwer erträglich, den an Hitlers Kriegs- und Untergangs-Phantasmagorien nicht unbeteiligten Wagner hier als harmlosen Idyllen-Maler zu erleben“. Dagegen begrüßte Helmut Mauró (Süddeutsche Zeitung) das Fehlen großspuriger Reden, und in dem „zärtlich gebrochenen Wagner-Idyll“ vernahm er „ein ungeheures Gefühl der Hoffnung“.

Schwer-Mut

29.05.20 (Andreas Kolb) -
Das Bild: Ein Musiktherapeut spielt vor den Fenstern eines Altersheims. Das Haus darf er nicht betreten, seine Patienten nicht besuchen. Die COVID-19-Bestimmungen haben es wochenlang nicht zugelassen. Seine Musik wird so vom Heilmittel zum klingenden Ausdruck der Nöte, die die Pandemie in allen Lebensbereichen erzeugt. Das Thema COVID-19 ist inflationär in allen Medien, da scheint es geradezu antizyklisch, wenn die neue musikzeitung Musiktherapie als thematischen Schwerpunkt präsentiert.

Existenzängste fressen Kultur auf

30.04.20 (Martin Hufner) -
Der Bereich der künstlerisch Tätigen ist von den Folgen der Corona-Pandemie besonders deutlich betroffen. Denn in Kunst und Kunstvermittlung geht es zwischen den Menschen zur Sache. Man spielt zusammen, man genießt zusammen, man ist ein kulturelles Lebewesen als Ganzes. Instrumentalunterricht, Regiearbeit, Musikpädagogik, Konzertleben – all das wird unmöglich oder ist bisweilen erheblich schwer umzusetzen. Was bislang lief wie am Schnürchen, wo ein Zahnrad ins nächs­te griff und wo es nur gelegentlich ein wenig oder – wie bei der Verabschiedung der europäischen Urheberrechtsrichtlinie – auch mal grundsätzlich knirschte, wirkt wie ein laues Windchen angesichts des Sturmes, der die Lebensmodelle der Solo­selbständigen oder Freiberufler und deren wirtschaftliche Existenz erfasst hat. Wie soll es weitergehen?

Fundamental

30.04.20 (Theo Geißler) -
Feine Beispiele? In etlichen Städten präsentiert sich Corona-Street-Art mit massig eher heiteren Graffitis. Schriftsteller promoten Neuerscheinungen und komplexe Lyrik, lesen sie im Internet vor. Solisten, Bands, Kammerensembles und ganze Orches­ter musizieren, teils per Skype oder Zoom verbunden, teils von Balkon zu Balkon Opera aller Genres. Musikpädagogen entwickeln viel Fantasie, um digitalen Fernunterricht möglichst qualitätvoll anbieten zu können. Über Straßenschluchten hinweg formieren sich Liederzirkel. Lebendiges Kulturleben im lebensgefährlichen Ambiente von Covid 19? (Oder, wie Martin Hufner auf Seite 7 dieser Ausgabe feststellt: eine Schau auf brotlose Kost-Nix-Kunst?)

Chancen in bedrückender Stille

30.03.20 (Moritz Eggert) -
Die großen von Menschen verursachten Katastrophen der Vergangenheit haben immer wieder auch Kultur zeitweise zum Verstummen gebracht. Doch selbst in den unmenschlichsten Situationen des Kriegs oder der Hungersnot fanden Menschen zusammen, um gemeinsam zu musizieren oder zu singen.

Con Brio

30.03.20 (Barbara Haack) -
Es bedarf keiner Begründung, dass wir uns in dieser Ausgabe ausführlich den Folgen des Corona-Virus widmen. Dabei ist – geschuldet der Produktionsweise eines Monats-Print-Mediums – vieles, wenn Sie es lesen, schon wieder überholt oder Makulatur. Ständig aktuell informieren wir Sie auf www.nmz.de und im Bad Blog of Musick. Trotzdem ist es wichtig, dass hier wie anderswo Akteure des Kultur- und Kreativlebens frühzeitig ihre Stimme erhoben haben.

Alternativer Blick auf die Orchesterlandschaft

04.03.20 (Bojan Budisavljevic) -
Gerade zwei Jahre ist es her, dass die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft zum immateriellen Kulturerbe promoviert wurde mit dem ferneren Ziel, sie 2021 in die betreffende Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eintragen zu lassen. Nun steht es auf einem Blatt, ob diese Verwandlung einer sicher herausgehobenen, letztlich jedoch landläufigen Kulturtechnik zu einer Art Nischendasein in der Brauchtumspflege nicht eher kontraproduktiv ist betreffs der beabsichtig­ten Relevanzherstellung im Hinblick auf Menschen und Etats: Schließlich hakt sich da ein Milliardenbetrieb etwa bei der Walz, dem Zwiegesang, dem hessischen Kratzputz oder dem friesischen Biikebrennen unter.

Alt und Neu

01.03.20 (Theo Geißler) -
Gestatten Sie mir bitte eine kurze, sehr subjektive, sentimentale Zeitreise: Nach meinem Gefühl müsste die Frankfurter Musikmesse eigentlich schon ihren fünfzigsten Geburtstag begehen. Denn gefühlt war ich wenigstens so oft als mental häufig gespaltene Mixtur – mal Journalist, mal Aussteller, mal Moderator – bei diesem gerade in den ersten Jahrzehnten rasant wachsenden Zusammentreffen fast aller erdenklichen musikaffinen Erscheinungsformen. Dabei startete dieser Event meiner Erinnerung nach als Appendix einer recht allgemein bestückten Konsumgüter-Messe sozusagen im Hinterzimmer der flach gedrungenen Halle Acht sehr bescheiden.
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