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Alle Artikel kategorisiert unter »Leitartikel«

Wieviel Kampagne und wieviel Konzept?

08.11.20 (Barbara Stiller) -
Hat Musikunterricht an Grundschulen ein Imageproblem? Wohl kaum. Wie es jedoch gelingen kann, Musikunterricht so kontinuierlich und qualitätvoll wie möglich anzubieten, kann empirisch durch spezifische Methoden festgestellt werden. Einer entsprechenden Datenerhebung, welche im März dieses Jahres veröffentlicht wurde, nahmen sich der Deutsche Musikrat, die Landesmusikräte und die Bertelsmann-Stiftung an. Ergebnis: In Deutschlands Grundschulen fehlen derzeit 23.000 ausgebildete Musiklehrerinnen und Musiklehrer.

Im Glanze?

05.11.20 (Theo Geißler) -
„Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt“, spekulierte der „Wende-Kanzler“ Helmut Kohl vor dreißig Jahren – und log oder irrte. Weil das rigorose Gewinn- und Einfluss-Streben westdeutscher Firmen und Institutionen statt einer Wiedervereinigung im verständnisschaffenden Dialog den „neuen“ Bundesländern mit dem Brandeisen ihrer angeblich sozialen Marktwirtschaft einen Anschluss nach Wessi-Geschmack aufprägte, verblieb in vielen gesellschaftlichen Bereichen der ehemaligen DDR verbrannte Erde. Gerade auch im Bereich von Kultur und Bildung. Unter den Konsequenzen leidet unsere noch demokratische Republik bis heute.

Nur die glänzende Vorderseite der Medaille?

06.10.20 (Rainer Nonnenmann) -
Es gibt große und kleine, lange und kurze, alte, junge, gewichtige, leichte, teure, kostengünstige, staatstragende, anarchische… Musikfestivals gibt es in verschiedenen Spielarten nahezu überall und das gesamte Jahr hindurch, in Groß- und Kleinstädten oder auf dem Land. In den vergangenen Jahren wurden es immer mehr, auch im Bereich der neuen Musik. Manche sind Mustermessen für ein Fachpublikum aus Journalisten, Redakteuren, Verlegern, Intendanten, Funktionären. Andere erreichen ein breites, urbanes, heterogenes Publikum. Manche gehen im Überangebot der Metropolen unter, andere sind in ihrer Region Leuchttürme, die Image, Fremdenverkehr, Einzelhandel, Gastronomie befördern. Festivals sind Schaufenster aktueller Interpretationen und Neuproduktionen wahlweise internationaler, regionaler oder lokaler Szenen, die größere Publikums- und Presseresonanz erreichen als Einzelveranstaltungen. Nur hier erzielen Werke, Themen, Diskurse und Akteure größere gesellschaftliche Aufmerksamkeit, wird jemand oder etwas „entdeckt“, besprochen, gesendet, verlegt, weiterempfohlen. Nicht zuletzt dieser „Mehrwert“ macht Feste zu musikalischen Hochzeiten.

Verbandskästchen

01.10.20 (Juan Martin Koch) -
Einige Kolleginnen und Kollegen der schreibenden Zunft haben das Phänomen schon beobachtet, und in den ersten Veranstaltungen des vorsichtig aus dem unverschuldeten Dornröschenschlaf aufblinzelnden Konzertbetriebs musste es auch der Autor dieser Zeilen alarmiert konstatieren: Angefacht durch haltlose Panikmache und in vorauseilendem Gehorsam gegenüber einer euphemistisch als „Etiquette“ bezeichneten Gängelung und Unterdrückung natürlicher Körperbedürfnisse droht eine Kulturleistung ersten Ranges zu verstummen. Um die so schmerzlich vermisste präcoronare Saal-Atmosphäre zu erhalten, sei deshalb an dieser Stelle die Gründung einer „Allianz zum Erhalt des symptomfreien Konzerthus­tens“ in Aussicht gestellt. Bis zur Bestätigung der Gemeinnützigkeit fließen die Vereinsbeiträge zur Gänze in eine Imagekampagne dieser Zeitung – Claim: „Husten gehört zum guten Ton!“

Patient Musik

28.08.20 (Theo Geißler) -
Dafür, dass Geld zumindest in übertragenem Sinn nicht stinkt, gibt es derzeit wenig Beweise (man denke an Wirecard oder CumEx-Geschäfte oder…). Dass es zumindest übergangsweise helfen kann, belegen die Billionen, Billiarden, mit denen die reicheren Staaten dieses Erdballes versuchen, die Wunden immerhin zu verbinden, die das Corona-Virus allen erdenklichen Bereichen unseres menschlichen Lebens zufügt. Schwerkrank darnieder liegen auch die Bildung, die Kultur, die Künste.

Ex Machina?

04.07.20 (Theo Geißler) -
Mein erster und einziger digitaler Raubzug fand materiell letztlich uneigennützig 1982 auf der Berliner Funkausstellung statt. Für unseren damaligen nmz-Kolumnisten Attila Csampai erbeutete ich (natürlich in Absprache mit der Pioneer-Presseabteilung, aber wider alle strengen Gebote der Messeleitung) einen der allerersten Compact-Disc-Player, den Pioneer PD 1. Damaliger Marktpreis: 2.500,- DM. Attila zerlegte daraufhin mit spitzer Feder und in schroffen Worten die Klangqualität digitaler Musikspeicherung generell im Verhältnis zum analogen Hörerlebnis. Sprach von einer Zertrümmerung, Atomisierung der Musik – und erhielt nicht nur aus den Kraftwerken der Elektronikindustrie, sondern auch von Musikern aller Genres heftigsten Gegenwind.

Eine Milliarde für das Überleben der Kultur

03.07.20 (Olaf Zimmermann) -
Deutschland ist ein Musikland. Keine künstlerische Sparte erhält so viel Aufmerksamkeit wie die Musik. Keine Sparte hat ein so ausgeprägtes Förderwesen wie die Musik. Keine Sparte hat ein so ausgeprägtes Vereins- und Verbandswesen wie die Musik. In keiner Sparte sind die verschiedenen Glieder der Wertschöpfungskette in einem so engen Austausch. Doch jetzt in der Corona-Pandemie überschlagen sich die Stimmen aus dem Musikbereich, die behaupten, die Musik sei von der Politik in der Krise schlicht vergessen worden. Das stimmt einfach nicht!

Es reicht nicht, nur nach vorne zu blicken

03.06.20 (Albrecht Dümling) -
Beim Gedenkkonzert der Berliner Staatsoper zum 75. Jahrestag des Kriegsendes erklang nach Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ noch Wagners „Siegfried-Idyll“, was unterschiedliche Reaktionen auslöste. rbb-Redakteur Andreas Göbel verstand in diesem Zusammenhang nicht die „naive Fröhlichkeit“ der Mozart-Serenade und Peter Uehling (Berliner Zeitung) hielt es für „schwer erträglich, den an Hitlers Kriegs- und Untergangs-Phantasmagorien nicht unbeteiligten Wagner hier als harmlosen Idyllen-Maler zu erleben“. Dagegen begrüßte Helmut Mauró (Süddeutsche Zeitung) das Fehlen großspuriger Reden, und in dem „zärtlich gebrochenen Wagner-Idyll“ vernahm er „ein ungeheures Gefühl der Hoffnung“.

Schwer-Mut

29.05.20 (Andreas Kolb) -
Das Bild: Ein Musiktherapeut spielt vor den Fenstern eines Altersheims. Das Haus darf er nicht betreten, seine Patienten nicht besuchen. Die COVID-19-Bestimmungen haben es wochenlang nicht zugelassen. Seine Musik wird so vom Heilmittel zum klingenden Ausdruck der Nöte, die die Pandemie in allen Lebensbereichen erzeugt. Das Thema COVID-19 ist inflationär in allen Medien, da scheint es geradezu antizyklisch, wenn die neue musikzeitung Musiktherapie als thematischen Schwerpunkt präsentiert.

Existenzängste fressen Kultur auf

30.04.20 (Martin Hufner) -
Der Bereich der künstlerisch Tätigen ist von den Folgen der Corona-Pandemie besonders deutlich betroffen. Denn in Kunst und Kunstvermittlung geht es zwischen den Menschen zur Sache. Man spielt zusammen, man genießt zusammen, man ist ein kulturelles Lebewesen als Ganzes. Instrumentalunterricht, Regiearbeit, Musikpädagogik, Konzertleben – all das wird unmöglich oder ist bisweilen erheblich schwer umzusetzen. Was bislang lief wie am Schnürchen, wo ein Zahnrad ins nächs­te griff und wo es nur gelegentlich ein wenig oder – wie bei der Verabschiedung der europäischen Urheberrechtsrichtlinie – auch mal grundsätzlich knirschte, wirkt wie ein laues Windchen angesichts des Sturmes, der die Lebensmodelle der Solo­selbständigen oder Freiberufler und deren wirtschaftliche Existenz erfasst hat. Wie soll es weitergehen?
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