Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Leitartikel«

Van-Tomas?

03.02.20 (Theo Geißler) -
Es kommt nicht allzu häufig vor, dass in unserer weitgehend zahlengesteuerten Gesellschaft die so genannte „klassische Musik“ mal sonderliche Aufmerksamkeit genießt. Allenfalls blondierte Geigenschinder wie André Rieu lassen mit weichgespülten Bach- oder Mozart-Arrangements, gestützt durch volkstümlich hinterherträllernden Chor und meist zusammengewürfeltes Rumpforchester ein marketinghöriges, ansonsten nicht unbedingt ernsthaften Kompositionen zugeneigtes Publikum Konzerthallen füllen, im Fandelirium jubeln und dafür kräftig löhnen.

Die missverstandene Meisterlehre

01.12.19 (Juan Martin Koch) -
„Ich wagt’ es doch und küßte sie / Trotz ihrer Gegenwehr. / Und schrie sie nicht? / Jawohl, sie schrie / Doch lange hinterher.“ Was klingt wie eine poetisch nur notdürftig verhohlene Beschreibung eines Übergriffs, stammt aus Ludwig van Beethovens Lied „Der Kuss“ nach einem Text des Aufklärers (sic!) Christian Felix Weiße. Kann man so etwas heutzutage noch unkommentiert aufs Programm eines Liederabends setzen?

Wer Musik macht, muss Farbe bekennen

31.10.19 (Barbara Haack) -
„Musik machen – Haltung zeigen“ lautete das Motto der diesjährigen Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats e.V. Den Mitgliedern lag ein Entwurf zu einem „5. Berliner Appell“ vor, in dem es um das gesellschaftspolitische Engagement des Musikrats geht. Eines von drei „Schlaglichtern“ zum Thema hielt Barbara Haack, Mitherausgeberin der neuen musikzeitung. Wir drucken es hier leicht gekürzt ab.

Freier Fall

30.10.19 (Juan Martin Koch) -
Nun, nachdem Siegfried Mauser, der frühere Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, wegen sexueller Nötigung verurteilt wurde – zuletzt bestätigte der Bundesgerichtshof ein Urteil des Landgerichts München I – müsste der folgende Text eigentlich von mutigen Menschen handeln. Von Frauen zum Beispiel, die das Schweigen brechen, sich wehren und den schmerzhaften Gang vors Gericht auf sich nehmen, damit in solchen Fällen Recht gesprochen wird, statt dass – wie bei ähnlichen Gelegenheiten im Musikleben – stillschweigende Vereinbarungen getroffen werden. Leider muss an dieser Stelle aber zum ersten gesprochen werden über einen rechtskräftig verurteilten Sexual­straftäter, der sich völlig uneinsichtig zeigt.

Die patriarchale Nachhut wirkt unbewusst

Das „Lucerne Festival“ widmete sich dieses Jahr – zumindest programmatisch – dem Thema „Macht“. Nun sind es beileibe nicht die jüngst kolportierten „nächtlichen Telefonanrufe“ eines zenitfernen Opernsängers, welche mit diesem Begriff zugleich jenen des Missbrauchs hören lassen. Letzterer gebärdet sich in der Musikwelt denn auch mehrtönig:

Land-Musik

01.10.19 (Andreas Kolb) -
Stadtluft macht frei. Seit Jahrhunderten leben wir nach dieser Maxime. In der Stadt winken nicht nur Freiheit und bessere Verdienstmöglichkeiten, auch die weichen Standortfaktoren machen Ballungszentren attraktiv. Machten – die Vergangenheitsform trifft’s besser: Explodierende Miet- und Grundstückspreise, Feinstaub, Lärm, verstopfte Straßen und Großbaustellen, eine erodierende Schul- und Kitaversorgung gehören heute immer öfter zur Realität des Großstadtlebens.

Monteverdi und der Klimawandel

20.09.19 (Bernhard König) -
„Ich bin die Musik, die mit süßen Klängen jedes erregte Herz zu besänftigen weiß und – bald zu edlem Zorn, bald zur Liebe – die eisigsten Gemüter entflammen kann“. Es ist La Musica selbst, die mit diesen Worten eine Oper eröffnet, die in meinen Ohren zum Schönsten zählt, was die Menschheit hervorgebracht hat. Wir können den „Orfeo“ von Claudio Monteverdi hören, wann immer wir wollen – ein kleines Wunder. 400 Jahren hat diese Musik überdauert; fast die Hälfte davon schlummerte sie völlig unbeachtet, ungespielt und ungehört in Bibliotheken und Archiven. Heute ist sie in dutzenden Interpretationen abrufbar: so frisch und lebendig, als wäre sie eben erst entstanden, und zugleich so fremd und fern wie die Vergangenheit, aus der sie stammt. Wird man diese 400 Jahre alte Musik auch in 40 Jahren noch hören, genießen und verstehen? Wir alle – Musikerinnen und Musiker, Vermittlerinnen und Veranstalter – tun viel dafür, dass dies so sei. Viel Geld, Anstrengung und Kreativität haben wir in das Ziel investiert, den Nachwuchs an die großen Schätze der Musikgeschichte heranzuführen.

Schulterschluss?

30.08.19 (Theo Geißler) -
Gute 3.000 Zeichen sollte der Text an dieser Stelle lang sein. Wären es mehr, gäbe es einen „Überlauf“ – und der erzeugt bei der Chefredaktion Missmut. Der räumlichen Enge ist möglicherweise eine leichte Text-Unschärfe in meinem Streiflicht „Wahre Werte“ (nmz 6/2019) zuzuschreiben: Selbstverständlich wollte ich nicht die unter prekären Bedingungen – die wir übrigens kontinuierlich scharf kritisiert haben – hervorragende Arbeit leistenden freien Musikpädagogen/-innen diskreditieren. Wer dies behauptet, liest die nmz nicht.

Ein Bericht von der Baustelle Beethoven

02.07.19 (Guido Krawinkel) -
Die Beethovenhalle: eine kostspielige Dauerbaustelle mit offenem Ende. Die Oper: ein derzeit auf Eis gelegter Sanierungsfall. Das Beethovenfest: wegen mangelnder Kostentransparenz und seiner Intendantin in der Kritik. Und die BTHVN-Jubiläumsgesellschaft: ein Mauerblümchen ohne wirkliche Strahlkraft.

JuMu 57.1?

01.07.19 (Theo Geißler) -
Es begab sich während des zweiten Preisträgerkonzertes des 56. Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ in Halle/Saale. Das Zuspielprogramm mit dem Info-Text für den Beamer, der die Bühnen-Leinwand bespielte, machte sich selbstständig. „Wir haben ein Update für Sie“ – hieß es dort plötzlich. „Sollen wir es ausführen?“ Es dauerte eine Weile, bis der Negativbescheid eingegeben war. Dennoch wirkte der Aufruf wie ein ausnahmsweise mal konstruktives Menetekel.
Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: