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Alle Artikel kategorisiert unter »Leitartikel«

Musik. Vielfalt. Integration. Inklusion

27.09.18 (Irmgard Merkt) -
Die Punkte zwischen den Wörtern sind ein bisschen modisch, aber nur ein bisschen. Sie trennen Begriffe, die nicht zufällig in einer Reihe stehen, Begriffe, die zusammengehören. Sie sig­nalisieren, dass es für jede Musiklehrerin, für jeden Musiklehrer im Grunde notwendig, in jedem Fall aber hilfreich ist, zunächst einmal für sich selbst diese Begriffe samt den dazugehörigen Emotionen zu klären, um schließlich zu einem Entwurf dessen zu gelangen, was im Unterricht geschehen soll.

Robo-Päd

27.09.18 (Theo Geißler) -
Musikunterricht in der dörflichen Grundschule. Mitte der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Unser Allround-Lehrer hatte seine pädagogischen Zentralprinzipien wohl noch auf dem Nürnberger Reichsparteitags-Gelände erworben. Sein Ein-Meter-Lineal jedenfalls nutzte er beim allmorgendlichen Absingen des „Liedes der Bayern“ ausgiebig als Drum-Stick auf den Köpfen melodie- und/oder textunsicherer Mitschüler. Aber immerhin: Es wurde gesungen. Und es gab (zumindest in Oberbayern) Lehrerinnen und Lehrer für zirka dreißigköpfige Klassen.

Boykott ist nicht die Sprache der Kunst

04.09.18 (Georg Beck) -
So viel Ahnungslosigkeit war selten. Von „BDS“, Kürzel für die israelfeindliche Bewegung „Boycott, Divestment, Sanctions“, habe sie bis zur Einladung an das Hip-Hop-Trio Young Fathers noch nie gehört. Ein Aufschlag der Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp, der gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion „Freedom of Speech/Freiheit der Künste“ im Netz landete. Ein Statement, das offenbarte, weshalb die Ruhrtriennale, das mit NRW-Landesgeldern ermöglichte „Festival der Künste“ erstmals seit seinem Bestehen ernsthaft ins Gerede gekommen ist. Zugleich aber auch ein Statement, das in seiner Ehrlichkeit, seiner Naivität bestürzte. Mehrheitlich jedenfalls.

Make-News

02.09.18 (Theo Geißler) -
Einer der wenigen Irrtümer des ansonsten so treffsicheren, begnadeten Kabarettisten Georg Kreisler dürfte sich in der Chansonzeile manifestieren: „Heute findet jede Zeitung größere Verbreitung durch Musikkritiker“. Einige wenige der meist noch auflagenstärkeren „seriösen“ Blätter leisten sich für dieses Ressort studierte festangestellte Fachkräfte. Meist werden die Klassik-Konzert- und Opern-Pressekarten großzügig auch bei immer noch recht auflagen- und ertragsstarken regionalen Print-Produkten in ein Volontariat gestreut, dessen Studienkompetenz von abgebrochener Tiermedizin bis Sozialwissenschaften, 41. Semester, reicht.

Ein Buch ist keine Pille

04.07.18 (Barbara Haack) -
Dies ist quasi ein Artikel in eigener Sache – aber nicht nur! Es geht auch um Erhalt oder Wegfall eines Kulturguts. Es geht um das Buch und die Note, um die Vielfalt des Angebotes; es geht um Marktmacht und Gewinnmargen. Kurz: Es geht wieder einmal um die Buchpreisbindung.

Schafft Neues  !

04.07.18 (Juan Martin Koch) -
Unser Titelbild zeigt die Szenerie. Wie eine Miniatur-Staatsoper stand sie da vor dem Münchner Nationaltheater auf dem Max-Joseph-Platz: die „Tonhalle“, die im Rahmen der Biennale für neues Musiktheater bespielt wurde (siehe Seite 10). Das sollte wohl auch eine Diskrepanz augenfällig machen – vom sympathisch-subversiven Musiktheaterlabor auf der einen und dem selbstgefällig-saturierten Opernbetrieb auf der anderen Seite. Die Argumente hierfür sind schnell zusammengetragen.

Raum geben, um gut zu sein

01.06.18 (Antje Kirschning) -
Ein talentierter 19-jähriger Schlagzeuger, Andrew Neiman, besucht das Shaffer Conservatory of Music in New York City. Eines Tages entdeckt ihn der Leiter der Studioband, Terence Fletcher. Der versucht, seine Studierenden mit „Zuckerbrot und Peitsche“ zu Höchstleistungen anzuspornen. Andrew sieht sich in wachsendem Maße Demütigungen und sadistischer Strenge ausgesetzt. Zunehmend durchschaut er die erniedrigenden Methoden, lässt sich aber auf sie ein. Er trennt sich sogar von seiner Freundin, um sich ausschließlich auf seine Musikkarriere konzentrieren zu können. Obwohl seine Hände vom vielen Spielen bluten, unterdrückt er die Schmerzen und übt unerbittlich weiter. Selbst als ein ehemaliger Student Selbstmord begeht, ist er nicht bereit, gegen seinen hoch verehrten Lehrer auszusagen.

Worst Practice

01.06.18 (Juan Martin Koch) -
„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Compliance-Kultur der HMTM weiter zu verbessern.“ Nein, dies ist kein Ausschnitt einer standardisierten Mitteilung nach Bekanntwerden einer zu Unrecht in Anspruch genommenen Freikarte oder ähnlichem. Der Satz entstammt vielmehr der mit „Hochschule sorgt für umfassende Transparenz“ überschriebenen Stellungnahme, die die Hochschule für Musik und Theater München am 14. Mai veröffentlichte. Zwei Tage zuvor war jene Ausgabe des „Spiegel“ erschienen, in der über haarsträubende Vorkommnisse an der und rund um die Hochschule berichtet worden war (siehe Seite 2).

Edel und gut sind Stifter

03.05.18 (Olaf Zimmermann) -
Die erste rot-grüne Bundesregierung trat vor fast zwanzig Jahren mit dem Versprechen an, das Stiftungsrecht zu reformieren. Obwohl die Reform des Stiftungssteuer- und des -privatrechts sich keineswegs allein auf Kulturstiftungen bezogen, sondern selbstverständlich alle Stiftungen im Blick hatte, ist sie im Zusammenhang des kulturpolitischen Aufbruchs des Bundes zu sehen. Schon im Wahlkampf 1998 wurde eine erforderliche Reform des Stiftungsrechts als Argument für eine sichtbarere Kulturpolitik des Bundes angeführt. Nach der Regierungsbildung im Oktober 1998 wurde das Vorhaben in Angriff genommen und zuerst das Stiftungssteuerrecht, im Anschluss daran das Stiftungsprivatrecht reformiert.

Ver-Formungen

02.05.18 (Theo Geißler) -
Was zerrüttet eine gestandene Musikzeitschriften-Redaktion aufs Heftigste? Der Streit um Christian Thielemanns Dirigierkünste? Heißt es „der“ oder „das“ Echo? Macht Musizieren auch Kollegahs intelligenter? Weit gefehlt! Gelegentlich lodernd, gelegentlich schwelend, aber immer allgegenwärtig erschüttert ein ganz anderes grundlegendes Thema unser journalistisches Gefüge. Und oft genug kommt flammende Kritik von außen, von unseren Leser*innen und Lesern (ist das jetzt korrekt?). Wie erreicht man Gleichberechtigung, wie emanzipierte Formulierungen aller erdenklichen geschlechtlichen Orientierungen im von uns reichlich produzierten Schrifttum?
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