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Alle Artikel kategorisiert unter »Nachrichten: News«

Die letzten Lichtsignale

01.07.08 (Rainer Nonnenmann) -

Was hatte Karlheinz Stockhausen nicht alles noch für Pläne: Nachdem das „Centre Sirius“ in Aix-en-Provence schon Ende der 1970er-Jahre gescheitert war, sollte sein „Licht“-Zyklus über die sieben Tage der Woche in sieben – auf sieben Hügeln um seinen Heimatort Kürten östlich von Köln – neu zu errichtenden Häusern aufgeführt werden. Und nach den 7 Tagen und 12 „Tierkreisen“ komponierte er seit 2004 in „Klang“ die 24 Stunden des Tages. Geplant hatte er weitere Zyklen zu den 60 Minuten, zu den 3.600 Sekunden der Stunde und – wer weiß – vielleicht zu den Millisekunden, Jahrhunderten, Jahrtausenden und Erdzeitaltern … Sein überraschender Tod am 5. Dezember vorigen Jahres hat dies vereitelt.

Voller Festivalkalender

01.06.08 (Rainer Nonnenmann) -

Musikfeste gibt es allerorten, alte und neue, kleine und große, kurze und lange, retrospektive und innovative. Gehäuft treten sie vor allem im Frühsommer auf, mit verschiedensten Genres an unterschiedlichen Räumen, Orten und Landschaften. Die Auflistung spricht für sich: Das Festival für Neue Musik „Mouvement“ des Saarländischen Rundfunks präsentiert unter dem Motto „Klang-Kalligraphien“ am 31. Mai und 1. Juni eine Uraufführung von William Attwood sowie von Toshio Hosokawa als Composer in Residence ein neues Solostück für Shô und das neue Konzert „Cloud and Light“ für Shô und Orchester. Das elfte Festival „RaumKlänge“ der Stadt Pulheim nordwestlich von Köln bietet am 5. Juni in der Abtei Brauweiler Wolfgang Mitterers „mixture V“ für Orgel und Elektronik und am 6. Juni in der Alten Kirche Stommeln eine „Jetzt-Musik“ von Norbert Rodenkirchen und Festivalleiter Harald Kimmig zur rheinischen Mystikerin Christina von Stommeln. Im Rahmen des „Holland Festivals“ geht am 12. Juni im Königlichen Carré-Theater Den Haag erstmals Louis Andriessens Film­oper „La Commedia“ nach Dante über die Bühne, gefolgt von der Uraufführung des Septetts „Glanz“ am 19. Juni, der zehnten Stunde aus Karlheinz Stockhausens Zyklus „Klang“. Das neue Kölner Festival für zeitgenössische Musik und Gender „Klang.Körper“ bringt vom 13. bis 15. Juni neben zwei wissenschaftlichen Symposions zu Rollenbildern Uraufführungen von Jin-Ah Ahn, Carola Bauckholt, Gloria Coates, Karin Haussmann, Ulla Oster, Caspar Johannes Walter und Kilian Schwoon. Das Bachfest Leipzig huldigt am 15. Juni dem Genuis loci der Thomaskirche mit der Erstaufführung von Friedrich Goldmanns „Ensemblekonzert 3 – Fantasia über die Fundamentalnoten eines Arioso von J S B für 16 Spieler“. Das Festival „Der Sommer in Stuttgart“ vom 18. bis 24. Juni wartet auch im zweiten Jahr seines Bestehens mit zahlreichen Uraufführungen auf, von Brett Dean, Bojidar Spassov, Julia Deppert, Hans-Joachim Hespos, Hans Thomalla, Lars Werdenberg, Eduardo Maguillansky, Lorenz Dangel, Saed Haddad, Anton Safronov und Alexandra Filonenko. Beim Pariser Festival „agora“ spielt am 20. Juni das Klangforum Wien unter Leitung des Komponisten erstmals Beat Furrers „lotófagos II“ für zwei Soprane und Ensemble. Das Kölner Festival „Romanischer Sommer“ feiert vom 22. bis 27. Juni sein zwanzigjähriges Bestehen mit Konzerten in dreizehn romanischen Kirchen der Stadt, darunter Uraufführungen von Mark Steinhäuser, Toshio Hosokawa und Rupert Huber. Als Bestandteil des Festivals präsentiert die Kölner Gesellschaft für Neue Musik im Hohlkörper der Deutzer Brück über dem Rhein neue Installationen von Yukio Fujimoto, Hiroko Ichihara, Shinichi Yanai und Takehisa Kosugi.

Nachrichten aus der neuen musikzeitung 2008/05:

01.05.08 () -

Die neue musikzeitung hat ihre interaktiven Tätigkeiten ausgeweitet. Mit dem Kulturinformationszentrum stellen wir die engagierte Diskussion in das Zentrum der Aktivitäten im Netz. An dieser Stelle können Fragen gestellt, Informationen verbreitet und die Arbeiten anderer kultureller Initiativen zur Darstellung gebracht werden.

Massagemusik

01.05.08 (Rainer Nonnenmann) -

„Ich will unbedingt Tiefenreliefs formen. Das Wichtige daran ist der Pumprhythmus jedes einzelnen Tons. Also stelle ich mir plastisch vor, wie die Töne hin und her pumpen in die Tiefe und nach vorne. Man kann sich sechzehn hydraulische Pumpen vorstellen, die auf den Hörer zukommen und zurück pulsieren, mit einem riesigen Motor dahinter (…), so könnte das Grundgefühl in einem solchen polyrhythmischen und polydynamischen Massageraum wahnsinnig sein, einfach verrückt (…), so erhält man eine Massagemusik mit völlig neuen dynamischen Dimensionen. Ich glaube, damit beginnt ein neues Jahrhundert für die Musik“. Der solche Ideen entwickelte ist natürlich kein geringerer als Karlheinz Stockhausen. Die zitierte Passage entstammt einem Gespräch, das der ins Licht eingegangene Meister bereits 1991 geführt und dessen Transkription er noch 2007 kurz vor seinem überraschenden Tod redigiert hat. Jetzt ist der Text im aktuellen Februar-Heft der Zeitschrift „MusikTexte“ zu lesen.

Seconda la musica?

01.04.08 (Rainer Nonnenmann) -

Der Streit über den Vorrang von Literatur oder Musik ist so alt wie die Gattungen, die beide Künste verbinden und den Konflikt mal zu Gunsten der einen oder anderen entschieden. Nach lange dominierendem Hang der Neuen Musik zu möglichst radikaler Autonomie suchen seit einigen Jahren immer mehr Komponisten Sinn und Halt außerhalb von Musik in Bildern, Szenen, Sujets, Literatur, Religion, Philosophie, Naturwissenschaft … Diese Entwicklung greift selbst bei Avantgarde-Festivals für Instrumentalmusik. Die letzten Donaueschinger Musiktage boten mehrere Novitäten über die großen Menschheitsthemen Glaube, Liebe, Hoffnung, Leben und Tod, Krieg und Frieden. Und bei den diesjährigen Wittener Tagen für neue Kammermusik werden fast die Hälfte aller Uraufführungen auch Singstimmen und Texte enthalten. Eines der Zugpferde dieses Trends ist die ungebrochen anhaltende Produktion von Opern.

Im Netz der Metaphern

01.03.08 (Rainer Nonnenmann) -

Versucht man das flüchtige Medium Musik sprachlich zu fassen, so bedient man sich zumeist räumlicher Analogien, Bildern und Vergleichen aus handfesteren Sinnesbereichen wie Sehen, Tasten, Schmecken. Ein Ton ist hoch oder tief, ein Klang hell oder dunkel, weich oder rau, eine Terz süß, eine Dissonanz scharf. Das Sprechen über Musik ist durch und durch metaphorisch. Von beiden „transzendentalen Formen sinnlicher Anschauung“ (Kant) erweist sich der Raum gegenüber der Zeit offenbar als anschaulicher. Folglich wird die klingende Zeitkunst häufig als Klanglandschaft beschrieben, die wir als Hörer durchwandern, und es nimmt nicht Wunder, dass die Neue Musik jenseits traditioneller Gattungsbezeichnungen auf außermusikalische räumliche und bildhafte Titel zurückgreift und ganze Festivals solchen Analogien und Inspirationsquellen nachspüren.

Im Norden was Neues

01.02.08 (Rainer Nonnenmann) -

Hinsichtlich Neuer Musik galt das nördlichste Bundesland bisher als terra incognita. Auch dem von Justus Frantz mitbegründeten Schleswigholstein-Festival blieb Neue Musik eher fremd. Doch mit der Gleichung Nordlicht = Schlusslicht ist Schluss. 2006 fand ausgerechnet in Kiel das jüngste deutsche Festival für neue Musik aus dem Stand heraus so große Resonanz, dass es jetzt in die Förderung des „Netzwerks neue Musik“ der Kulturstiftung des Bundes aufgenommen wurde. Und von den deutschlandweit durch die Kulturstiftung mit insgesamt 13 Millionen Euro geförderten 15 Projekten zur Vermittlung neuer Musik tritt jetzt ausgerechnet die zweite Ausgabe der Kieler Tage für neue Musik „chiffren“ als erstes an die Öffentlichkeit.

… wie der Schnabel gewachsen

01.12.07 (Rainer Nonnenmann) -

Die einen bauen neue Klangerzeuger oder trachten mit Hilfe elektronischer und digitaler Technologien das bestehende Klangspektrum zu erweitern und zu transformieren. Die anderen ersinnen weiterhin unbeirrt Musik für das älteste Instrument der Welt. Für viele Komponisten ist die menschliche Sprech- und Singstimme immer noch das reichste Klang- und stärkste Ausdrucksmittel, auch das bedeutungsvollste, wenn zur Kraft- und Präzisionsarbeit der Atmungs-, Stimm- und Artikulationsorgane noch verständliche Worte treten.

Das Alte der Neuen Musik

01.11.07 (Rainer Nonnenmann) -

Gegenteile bestimmen sich wechselseitig. Neues setzt sich von Altem ab. Das eine ist nicht denkbar ohne das andere. Wer neu sagt, muss auch alt sagen, und umgekehrt. Der Begriff der „neuen“ gar „Neuen Musik“, suggeriert die Möglichkeit einer solch klaren Grenzziehung. Indes wurden kategorische Alt-Neu-Zuschreibungen nicht erst seit Theodor W. Adornos SDR-Radiovortrag „Das Altern der neuen Musik“ 1954 und Heinz-Klaus Metzgers Replique „Das Altern der Philosophie der neuen Musik“ 1957 fraglich. Schon immer sagten ästhetische Distanzierungen von Bestehendem zumeist mehr über die Selbstlegitimierungsstrategie der Komponisten als über das tatsächlich Neue ihrer Musik. Nach dem Ende der historischen Avantgardebewegungen spitzte die Postmoderne die Situation zu: Was ist alt, wenn es kein neu mehr gibt?

Das verdächtige Saxophon

01.11.07 (Barbara Haack) -

1988 – genau 50 Jahre nach ihrem „Original“ im III. Reich – rekonstruierte der Musikwissenschaftler Albrecht Dümling die Ausstellung der Nationalsozialisten „Entartete Musik“ auf Initiative des damaligen Intendanten der Düsseldorfer Sinfoniker, Peter Girth. Hans Severus Ziegler, 1938 Staatsrat in Thüringen und Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, hatte sie ein Jahr nach der in München gezeigten Ausstellung „Entartete Kunst“ in Düsseldorf anlässlich der Düsseldorfer Reichsmusiktage initiiert.

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