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Alle Artikel kategorisiert unter »Nachrichten: News«

Einsam aber frei

01.09.07 (Rainer Nonnenmann) -

Er ist allein und einsam, selbst wenn ihm einige oder viele andere gegenüberstehen. Der Solist bleibt solo und genießt seine Freiheiten. Sein Verhältnis zum Tutti ist so vielfältig wie das des Einzelnen zur entqualifizierten Masse oder des Individuums zur komplexen Gesellschaft, die stets mehr ist als nur die Summe ihrer Teile. Als Dialog mit dem Kollektiv oder Monolog über die Köpfe des Orchesters hinweg greifen Komponisten zu Zeiten von Heldendämmerung und anonymisierter einsamer Medienmasse wieder auf die alte absolutistische, von protestantischem Leistungsethos durchdrungene Gattung des Solokonzerts zurück, um den intakten oder gestörten sozialen Beziehungen, Kommunikationsformen und politischen Kräfteverhältnissen einen musikalischen Spiegel vorzuhalten.
Peter Eötvös komponierte sein Konzert für Violine und Orchester „Seven“ als Memorial für die sieben verunglückten Astronauten des explodierten Spaceshuttles Columbia. Uraufgeführt wird es am 6. September beim Lucerne Festival von Akiko Suwanai unter Leitung von Pierre Boulez.

Wer suchet, der findet!

01.07.07 (Rainer Nonnenmann) -

Fernsehen, Radio und Zeitungen verkünden es lauthals: Dieser Sommer ist ein Kunstsommer. Die Art Basel ist gerade zu Ende und schon haben mit der dokumenta XII in Kassel und der Biennale in Venedig zwei der weltweit größten Kunstschauen begonnen. Allein in Kassel werden bis September über 500 Arbeiten gezeigt und 600.000 Besucher erwartet. Der damit verbundene mediale Auftrieb lässt die Musik, und zumal die neue, in Deckung gehen. Selbst die großen Avantgarde-Festivals von Frühjahr und Herbst könnten hier nicht mithalten. Während des Sommers verstecken sich Uraufführungen verstreut in den klassisch-romantischen Programmen der zahllosen internationalen, regionalen und kleinen lokalen Musikfestivals, angefangen beim zweitägigen Klaviertreffen über Lieder-Reihen, Kammer- und Orchestermusik-Festivals bis zu großen mehrwöchigen Opern- und Musiktheater-Festivals.

Lokale Musik

01.06.07 (Rainer Nonnenmann) -

Initiativen und Musikfeste vor Ort bestimmten das Uraufführungsgeschehen im Juni. Die Kölner Gesellschaft für Neue Musik – 1981 wiedergegründet und vor 25 Jahren mit einem ersten Musikfest an die Öffentlichkeit getreten – bietet am 1. und 2. Juni ein Musikfest mit vier Konzerten, einer Podiumsrunde und Uraufführungen von Friedrich Jaecker, Andreas Wagner, Thomas Bruttger, Michael Veltmann, Shôko Shida und Peter Behrendsen. Im Rahmen der dritten „HouseMusik“ lädt das Kammerensemble Neue Musik Berlin am 2. Juni zu Kurzkonzerten, Performances, Klanginstallationen und Klangmassagen rund um den Wasserturm am Prenzlauer Berg in Privaträume, Läden, Büros und Friseurstuben. Das Festival „Ensemblia“ in Mönchengladbach beschließen am 3. Juni die Ensemble- und Veranstalterkonferenz der GNM Deutschland sowie zwei Finalistenkonzerte eines Kompositionswettbewerbs mit preisgewürdigten Uraufführungen von Evan Johnson, Lars Bagger, Edgar Merino, Péter Köszeghy, Thomas Stiegler, Aurélio Copês und Valerio Sannicandro.

Nachrichten aus der neuen musikzeitung 2007/05:

01.05.07 () -

Zwischen Träumen und Alpträumen

01.05.07 (Peter Dannenberg) -

Der Orchestergraben in der Lübecker Oper prallgefüllt mit Schlagwerk aller Art, darunter balinesische Instrumente, in einer indonesischen Gamelan-Fabrik gefertigt nach den Anweisungen des Komponisten, das alles bedient von sechs Spielern; dazu ein Synthesizer und ein elektronisch verstärktes Cello: eine sich ins Brutale aufbäumende Klangwelt. Peer Nörgard hat sie geschaffen für Adolf Wölfli, den Berner Bub, der in 35 Jahren im Irrenhaus zum Dichter, Zeichner und Musiker geworden ist und sich mit seiner Kunst aus einem elenden Leben zu befreien versuchte. Er ist hinter Gittern entflohen in eine unendliche Weite, die er mit seinen Träumen und Ängsten, mit sich selbst in vielerlei Gestalt bevölkert hat, aus Hoffnungen immer wieder ins Chaos stürzend, ein „Fortsetzungsroman eines lückenlosen Universums – zehnmilliardenmal höher als die paar Akten zu seiner Person“, wie Adolf Muschg 1986 so treffend geschrieben hat.

Fremdgänger

01.05.07 (Rainer Nonnenmann) -

Spätestens seit der Romantik häufen sich Grenzüberschreitungen zwischen Gattungen und Künsten, zwischen Epik, Dramatik und Lyrik, zwischen Musik und Literatur, Tanz, Theater, Malerei und Architektur. Erweiterungen der Mittel dienten stets der Individualisierung und Emanzipation der Kunstwerke von bestehenden ästhetischen Normen. Die technologischen Innovationen des 20. Jahrhunderts haben das Spektrum intermedialer Gestaltungsmöglichkeiten weiter ergänzt um Elektronik, Farbe, Film, Video, Computer bis hin zu Natur, Stadt und Landschaft.

Keine Macht der Belanglosigkeit

01.05.07 (Sven Ferchow) -

Wie klingen welche Strukturen?

01.04.07 (Rainer Nonnenmann) -

Die Frage nach der Hörbarkeit musikalischer Strukturen prägt die ästhetische Debatte seit Musik nicht mehr mündlich tradiert und praktiziert, sondern mit Hilfe von Griffel, Papier, Lineal, Rechenschieber, Bildschirm und Computer imaginiert, konzipiert, fixiert und auf der Grundlage wie auch immer als Partituren vorliegender visueller Resultate interpretiert oder reproduziert wird. Übersehen werden dabei zumeist diejenigen Strukturen, welche die Produktion und Aufführung von Musik überhaupt erst möglich machen: Finanzierung, Organisation, Programmverantwortung, Veranstalter, Auftraggeber, Träger, Aufführungsort, Interpreten, Publikum, Zielgruppe, Distribution, Reichweite. Ansatzpunkte für derlei musiksoziologische Fragestellungen bietet im April der Vergleich von zwei ähnlichen und doch so verschiedenen Uraufführungsfestivals in Weimar und Witten.

Die Internationale

01.03.07 (Rainer Nonnenmann) -

Die beliebte Sentenz, Musik kenne keine Grenzen, gehört zu dem am häufigsten kolportierten Unsinn des Musiklebens, obwohl sich jeden Tag und überall die gegenteilige Erfahrung der Bindung von Musik an Ort, Zeit, Kultur, Bildung, Religion, Politik, Geld, Stil und Sprache machen lässt.

Im Westen was Neues

01.02.07 (Rainer Nonnenmann) -

Während sich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten im Osten, Norden und Süden der Republik in Widerspruch zu ihrem Kulturauftrag unrühmlich hervortun mit Beschneidungen ihres Programmangebots oder ihrer Klangkörper, geschehen im Westen Zeichen und Wunder und startet der WDR Köln eine neue Konzertreihe mit neuer Ensemblemusik.

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