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Alle Artikel kategorisiert unter »Nachrichten: News«

Die Einsamkeit des Dirigenten vor dem Orchester

01.09.03 (Mathias Nofze) -

Vormittägliche Probe in der Beethovenhalle in Bonn: Auf den Pulten des „BOB“, des Beethovenorchesters Bonn liegt Antonin Dvoraks Sinfonische Dichtung „Die Mittagshexe“. Vor dem Ensemble steht der junge, aus Tallin in Estland stammende Dirigent Mihkel Kütson. Er hat nur noch diese Probe, um Details zu verbessern, am Klang zu feilen oder schlagtechnische Unklarheiten zu beseitigen. Für übermorgen, Freitag, ist das Abschlusskonzert des „Dirigentenforums“ angesetzt. „Sehr viel Vibrato auf das Pizzicato“, verlangt Kütson einmal, danach muss die klangfarbliche Tönung von Piccoloflöte und Röhrenglocke abgestimmt werden und ein anderes Mal ist der Anschluss von Ersten und Zweiten Violinen noch nicht „perfekt“. So probt sich Kütson im Wechsel von filigraner Detailarbeit und dem Durchspielen längerer Passagen von hinten nach vorne durch das Stück. Fast unmerklich schleicht sich während der Probe Peter Gülke, ehemals Generalmusikdirektor der Wuppertaler Sinfoniker, danach Professor für Dirigieren an der Freiburger Musikhochschule, mitten ins Orchester und beobachtet die Körpersprache des Probanden am Dirigentenpult. Peter Gülke zählt zum Kreis erfahrener Dirigenten, mit denen der Deutsche Musikrat im Rahmen seines Förderprogramms „Dirigentenforum“ zusammenarbeitet. In diesem Projekt erhalten junge Dirigenten die Möglichkeit, mit renommierten Dirigenten und zirka vierzig Spitzenorchestern in ganz Deutschland zusammenzuarbeiten. Die Teilnehmer durchlaufen mehrere Förderstufen, am Ende kann die Auszeichnung „Preisträger des Dirigentenforums“ stehen. Als Mentoren hat der DMR immer wieder namhafte Persönlichkeiten wie Fabio Luisi, Claus Peter Flor oder Roger Norrington gewinnen können – und eben Peter Gülke. Er ist ein Mann der leisen Töne, des unaufdringlichen, gleichwohl klaren Urteils, auch mit Blick auf die eigene Zunft: „Schaumschläger gibt es in diesem Metier genug.“

Die Münchener Gesellschaft für Neue Musik

01.07.03 (Reinhard Schulz) -

Münchener Musikgeschichte verläuft wohl immer etwas anders. Oft hinken hier Institutionen lange Zeit hinter dem allgemeinen Level hinterher, dann wieder setzt fast sprunghaft ein Auf- oder Überholvorgang ein. Im eher konservativen Ambiente, so scheint es, stauen sich manchmal Kräfte, die sich dann plötzlich entladen. Das war 1860 so, als Wagner die Stadt für seine utopischen Entwürfe nutzte, um 1900, als München zur Bruckner- und Mahlerstadt wurde, und kurz vor 1930 etablierte sich hier eine Szene der Neuen Musik, die als führend in ganz Deutschland angesehen wurde.

Sommertheater

01.07.03 (Rainer Nonnenmann) -

Seit Jahren boomt die Produktion neuer Musiktheaterwerke. Den Anfang des diesjährigen Opern-Sommers macht am 6. Juli Beat Furrers „invocation“ unter der Leitung des Komponisten und in der Inszenierung von Christoph Marthaler am Züricher Theater im Schiffbau. Wie in seiner letzten Oper „Begehren“, die während der RuhrTriennale am 17. September in der Bochumer Jahrhunderthalle zur deutschen Erstaufführung gelangt, verwendet Furrer auch hier Texte von Ovid und Cesare Pavese sowie von Marguerite Duras.

Kurse für Musikvermittler

01.07.03 () -

Im Rahmen der Meisterkurse der Emsbürener Musiktage findet in der Zeit vom 19.–26. Oktober 2003 erstmalig ein Kurs zur Konzertmoderation und Musikvermittlung statt. Er richtet sich an Musikstudierende und Absolventen/-innen aller Studienrichtungen, die sich für neue Formen der Musikvermittlung im Konzert interessieren. Davon ausgehend, dass sich das allgemeine Konzertleben zunehmend neuen Herausforderungen stellen muss, gilt es, erweiterte Hörsituationen zu schaffen, die dem Publikum neue Anknüpfungsmöglichkeiten an das Geschehen auf der Bühne bieten. Konkret heißt dies:

Repertoire-Jungbrunnen

01.06.03 (Christoph Vratz) -

Ist die Krise groß, werden als erstes die Lager von Überflüssigem befreit. Großreinemachen als Allheilmittel? Das Repertoire schrumpft und der Kunde schaut in die Röhre. Den umgekehrten Weg ist nun das Label Decca gegangen, indem es eine bereits ausrangierte Reihe wieder ins Programm genommen hat, obwohl diese sich kaum als Massenmagnet erweisen dürfte.

Spielräume eines professionellen Marketings

01.06.03 (Berthild Lievenbrück) -

Überrascht stellten viele der Musikerinnen und Musiker fest, dass sie den Konzertraum, das Publikum und damit verbunden auch die eigene Bühnenpräsenz häufig „aus den Augen verlieren“. Darüber hinaus wurde für alle Beteiligten in den spielerischen Übungen spürbar, dass Blickwinkel häufig Standpunkten entsprechen: Ein verstohlener Blick nach unten beim Auf- und Abtreten oder ein verlorener Blick in die erste Zuhörerreihe bei der Konzertansage spiegeln oft Angst, Unsicherheit und vor allem Distanz zum Publikum wider. Wird hingegen der ganze Konzertraum bewusst ins Blickfeld genommen, richtet sich die eigene Präsenz automatisch nach außen und der Kontakt zum Publikum lässt sich mühelos herstellen. Selbst die Stimme profitiert von einer bewussten Haltung, wie in den anschließenden Sprachübungen mit Krawutschke hörbar wurde. Auch hier konnten die Teilnehmenden des Seminars selbst erfahren, dass man zunächst einmal Resonanz entwickeln muss, um Resonanz zu erhalten.
Ulrike Klees, Dozentin für mentales Training an der Hochschule für Musik Würzburg und der Orchesterakademie des Bayerischen Rundfunks, widmete sich in ihren Ausführungen und Übungen einem weiteren wichtigen Bereich der Bühnenpräsenz, der schon vor dem Auftritt von großer Bedeutung ist: der mentalen Vorbereitung auf das Konzert. Lampenfieber, Schweißausbrüche und Angst vor einem „Blackout“ – frustrierende Erfahrungen, die fast alle Musikerinnen und Musiker bereits gemacht haben. Dass man diesen Situationen nicht hilflos und resignierend gegenüberstehen muss, sondern sie selbst beeinflussen kann, zeigten bereits einige wenige Übungen. Musikstücke wie auch Konzertsituationen im Allgemeinen lassen sich mental von der ersten bis zur letzten Note im Kopf durchspielen, was sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und schließlich auf die Bühnenpräsenz auswirkt. Hier wurde wieder deutlich, wie wichtig die innere Einstellung ist, um Fehler annehmen, die eigene Leistung schätzen und sich selbst vertrauen zu können.

Chance für junge Kreativität

01.06.03 (Ulrich Wüster) -

„Carmen“ – die „spanische“ Oper par excellence im Renaissance-Schlosshof zu Weikersheim. Was kann an einem viel gespielten Werk neu faszinieren, und zwar im Sinne der Jeunesses Musicales? Um es gleich zu sagen: immer und immer wieder die kreative Kraft junger Talente. Carolyn Sittig ist so ein Glücksfall. Sie studierte Musiktheaterregie in Hamburg bei Götz Friedrich, inszenierte nach Assistenzen bei Harry Kupfer, John Dew und Jean-Pierre Ponnelle unter anderem Salieris „Prima la Musica“ in Dresden, den „Freischütz“ bei den Schlossfestspielen Zwingenberg und Rossinis „Barbier von Sevilla“ in Bremen. Sie ist Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude. Weikersheim ist Herausforderung und Chance zugleich, frei von den Zwängen eines Hauses mit begeisterten, kongenialen jungen Kolleginnen und Kollegen einen großen Opernstoff neu zu beleuchten.

Musik mit Basketball

01.05.03 (Gerhard Rohde) -

In Stuttgart wurde jetzt nach vierjähriger Bauzeit das neue Theaterhaus auf dem Pragsattel eröffnet. Anlass für viele andere Gemeinden in unserem Land, neidvoll auf die schwäbische Kunstmetropole zu blicken: Wie schaffen die das nur? Wahrscheinlich, wie in diesem Landstrich nicht anders zu erwarten, mit Fleiß. Und mit Energie, Phantasie und der Einsicht, dass eine lebendige Stadt solche Stätten für Begegnungen mit den vielfältigsten Formen der Kultur heute dringender denn je benötigt.

Musiktermine: Kammermusik

01.05.03 (Rainer Nonnenmann) -

Es gab eine Zeit, da wurden herkömmliche Besetzungen strikt gemieden und neue Musik nur für kleine, möglichst variable Formationen geschrieben. Aus Kostengründen und wegen des hohen Grads an Spezialisierung der Ensembles hat sich wenig daran geändert und ist die meiste neue Musik auch heute Kammermusik. Die 35. Wittener Tage für neue Kammermusik bieten vom 9. bis 11. Mai knapp zwanzig Uraufführungen neuer Werke in der Besetzung von Solo, Trio, Quartett bis zum Ensemble und kleinen Kammerorchester. Außerdem sind bei der Hälfte der Stücke Sprecher oder Vokalisten beteiligt. Die Kompositionen stammen von Arnulf Herrmann, Elena Mendoza-López, Gustav Friedrichsohn, Carola Bauckholt, Jörg Widmann, Jörg Birkenkötter, Markus Hechtle, Emmanuel Nunes, Johannes Maria Staud, Michael Jarrell, Miki Yui, Carsten Schulz, Bernhard Lang, Enno Poppe sowie von Pierre Ampère und Viktor Volt. Zudem erklingt am 4. Mai im Gare du Nord Basel erstmals ein Streichtrio von Detlev Müller-Siemens. Am 6. Mai sind im Rahmen der Reihe Musica Viva im Münchner Gasteig neue Trios für Akkordeon, Bassklarinette und Posaune von Hector Moro und Natalia Gaviola zu hören und am 12. Mai neue Ensemblestücke von Wolfgang Motz, Andrew Digby und Michael Quell in der Elisabeth Schneider Stiftung in Freiburg i.Br. Ferner uraufgeführt werden am 13. Mai Martin Christoph Redels „Was es ist“ – Lyrisches Traumbuch für Bariton und Klavier im Musikverein Wien, am 18. Mai Kurt Schwertsiks Quintett für Bandoneon und Streichquartett im Konzerthaus Wien und am 28. Mai im Rahmen des Leipziger Bachfests Otfried Büsings Kammerkantate „Abend“. Im Festkonzert zur Verleihung des Siemens Musikpreises 2003 an Wolfgang Rihm erklingt am 22. Mai im Cuvilliéstheater erstmals dessen „Stilles Stück 2“ für Bariton, Horn und Streicher.

Neues bei col legno

01.04.03 (Nina Polaschegg) -

Mehrere kurze Walzer. Walzer zu vier Händen von Franz Schubert, Johannes Brahms, Edvard Grieg, Paul Hindemith und Wolfgang Rihm; Klavierduo Andreas Grau & Götz Schumacher

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