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Alle Artikel kategorisiert unter »Nachruf«

Nachrufe aus dem Kulturleben

Das Glück der Reprise

15.06.18 (Eleonore Büning) -
Nicht alle Kreativen suchen die Einsamkeit. Nicht alle Künstler sehnen sich nach einer vita contemplativa und ziehen sich zum Denken und Dichten zurück ins Gehäus’, wie der heilige Hieronymus. Der Komponist Dieter Schnebel brauchte Menschen um sich herum. Er war immer unterwegs, bis zum Schluss, man traf ihn in Konzerten und Ausstellungen, auf Festivals und Akademien, im Publikum oder auf dem Podium, sanft, aber streitbar, still, aber stur. Und alleweil angetrieben von der wohl wichtigsten Kraftquelle seines Schaffens: der Neugierde.

Ein richtig Guter

12.05.18 (Andreas Kolb) -
„War ich gut?“ – konnte Cecil Taylor seine Zuhörer nach einem furiosen Solokonzert fragen – ob er wohl darauf hoffte, seine Zuhörer hätten alle verfremdeten und versteckten BluesLicks, Bob-Phrasen und typische Jazz-Harmonien wahrgenommen, die er in seiner Improvisation „versteckt“ hatte? Es war immer alles da, die ganze Jazzgeschichte, aber eben „abstrakt“. Verstanden und bewundert hatte sein Publikum mit Gewissheit seine Performance, seinen Tanz auf der Tastatur, der sich nicht auf die Virtuosität eines Fingersatzes reduzieren ließ: Taylor spielte stets mit seinem gesamten Körper Klavier. Nicht umsonst wurde er immer wieder als Schlagzeuger und Perkussionist am Klavier beschrieben.

Eine Passion für einen Nicht-Christen

30.04.18 (Anna Schürmer) -
Hermann Keller hatte sein Lieblingszitat Arnold Schönberg abgelauscht: „Kunst ist der Notschrei jener, die an sich das Schicksal der Menschheit erleben.“ In den Worten erkannte der Berliner Komponist und Pianist, Improvisator und Avantgardist sich selbst: „Wenn ich mir vornehme, ich will etwas Extremes machen, dann wird das nix. Ich muss das natürlich erfahren haben und zwar freudvoll aber eben auch bitter – das gehört immer beides zusammen.“

Die Seele von Trikont

08.04.18 (Viktor Rotthaler) -
Die ungewöhnliche Todesanzeige seiner „ökolibertären Freunde“ in der SZ brachte es Anfang März auf den Punkt: „‚Trikont – Unsere Stimme‘, die Musik, die er verlegte, drückte unser Lebensgefühl aus. Musik von unten, aus den Kellern der Rebellion und den Stuben der Volksmusik. Aufsässig, melancholisch, melodisch, schrill. Er hatte keine Angst vor dem Hergebrachten, sei es in Bayern oder Louisiana. In seinem Eigensinn und seiner Unabhängigkeit war er unbeirrbar.“

Ein zweigeteiltes Leben für die Musik

06.04.18 (Michael Zwenzner) -
Die Eintrittskarten zum musica-viva-Wochenende mit Werken von Gérard Grisey und Georges Aperghis Mitte März waren (so die Freundin) schon bestellt, doch der Sitzplatz im Herkulessaal blieb leer, eine schmerzliche Lücke in der Musikwelt nicht nur Münchens tat sich unvermittelt auf. Der 1956 in der Metropole an der Isar geborene Komponist Klaus Karl Hübler erlag in seiner Wohnung den Folgen eines Sturzes, der wohl auch mit den Beeinträchtigungen nach einer schweren Erkrankung im Jahr 1989 zusammenhängen dürfte.

Der Jugendorchester-Visionär

30.03.18 (jmk) -
„Während wir eine Wegstrecke einmal bewältigen, ist er sie zweimal hin- und zurückgegangen,“ so charakterisierte eine Mitarbeiterin einmal den Gründer der venezolanischen Jugendorchesterbewegung „El Sistema“. Der 1939 geborene José Antonio Abreu hatte neben seiner musikalischen Ausbildung auch Volkswirtschaft und Jura studiert.

Der Anti-Kaiser

09.03.18 (Gerhard R. Koch) -
Was war, was ist ein Musik-Kritiker, was sollte er sein, was wird er sein – oder vielleicht auch nicht (mehr)? Die Frage mag nach einer leicht scholastisch gefärbten Gleichung mit gar vier Unbekannten klingen. Ganz inaktuell indes ist sie nicht. Denn die Gesellschaft wandelt sich, analog der Kulturbegriff, also auch der Kulturbetrieb – und nicht minder die Medienlandschaft, das Leseverhalten wie die ökonomische Situation der Print-Institutionen.

Das Klavier im Zentrum

28.02.18 (nmz-red) -
Bereits am 22. Dezember 2017 ist der Musikjournalist Peter Cossé im Alter von 69 Jahren in Salzburg an Herzversagen gestorben. Der gebürtige Leipziger galt es Spezialist für Klaviermusik und ihre Interpreten. Über mehrere Jahre prägte er das Musikfeuilleton der Salzburger Nachrichten; daneben war er für verschiedene Rundfunkanstalten und Magazine tätig, war Jurymitglied bei Klavierwettbewerben sowie Mitglied des Preises der Deutschen Schallplattenkritik.

„Lebe wohl, Du lieber Freund!“

31.01.18 (Michael Kube) -
Als Franz Schubert viel zu früh verstarb, war es Joseph von Spaun, der schon we­nige Wochen später die Zielrichtung der weiteren Rezeption vorgab: „Ich glaube daher, dass Schubert von seinem Biographen als Liederkompositeur aufgegriffen werden müsse.“ Ähnlich war es Walther Dürr schon zu Lebzeiten im Kreis der Wissenschaft ergangen.

Die Seele von New Orleans

30.11.17 (Viktor Rotthaler) -
Es seien die Beatles gewesen, die seinen Song „Lady Madonna“ gecovert hätten, stand in einem Fats-Domino-Nachruf der „taz“. Da hatte im Eifer des Gefechtes jemand „Fake News“ produziert.
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