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Alle Artikel kategorisiert unter »Nachruf«

Nachrufe aus dem Kulturleben

Begeisternder Brückenbauer

30.03.21 (Stefan Klöckner) -
Katholikentag München 1984, ein Morgenlob mit dem Gesang „Licht aus der Höhe, leuchte allen, die in Finsternis sind ...“. An der Orgel saß Wolfgang Bretschneider. Sein einleitendes Orgelspiel zog die Feiernden geradezu von den Stühlen – begeisternd und mit allen Klangfarben des Lichtes und des Dunkels. Bei jedem Ton spürte man: Hier spielte jemand, der seine ganze künstlerische Kompetenz einsetzte, um den Menschen – nah oder fern vom Glauben – die Botschaft von Gottes Gegenwart nahezubringen.

Bewahrer des WDR-Studios für elektronische Musik

30.03.21 (Rainer Nonnenmann) -
Während jahrzehntelanger Arbeit war ihm die analoge Tonbandtechnik in Fleisch und Blut übergegangen. Noch als rüstiger Rentner hantierte er wieselflink beim Einlegen, Schneiden, Kleben und Führen von Bändern über Maschinen, Teller, Tonköpfe, Schleifen. Begeistert und begeisternd erklärte er die Funktionen und Kombinationsmöglichkeiten von Sinus-, Impuls-, Sägezahn- und Rauschgeneratoren, Filtern, Bandmaschinen, Hallplatten. Mit Vorliebe demonstrierte er, wie sich neue Klänge aus zufälligen Radio­schnipseln generieren lassen, ebenso einfach wie auf hundertstel Sekunden genau durch Oktavieren, Loopen, Überlagern, Filtern, Verlangsamen, Beschleunigen, Rückwärtslauf et cetera. Der späteren Digitaltechnologie stand er jedoch fremdelnd gegenüber. Im Internet zeigen ihn viele Videos, wie er anschaulich Auskunft gibt über die alten Analog-Geräte, seltener über Synthesizer, Mischpulte, Sampler, Vocoder sowie digitale Prototypen der 1980er und 90er Jahre. Wenige Wochen vor seinem 79. Geburtstag ist Volker Müller am 16. Februar gestorben.

Nachrufe 2021/03

27.02.21 (jmk) -
Zum Tod von Thomas Emmerig | Wagner-Erklärer: Zum Tod von Stefan Mickisch

Universalist, Forscher, Musikant

27.02.21 (Ralf Dombrowski) -
Chick Corea war ein Meister des Verspielten. Natürlich ist das eine Vereinfachung. Denn hört man seine Improvisationen mit dem analytischen Ohr oder vertieft sich in Notenblätter und Partituren seiner zahlreichen Kompositionen, wird die Leichtigkeit der Oberfläche schnell zu profunder Komplexität der Gestaltung. Aber darum ging es ihm nicht. Musik sollte zugänglich wirken, greifbar sein, ihm selbst, seinen Mitmusikern und dem Publikum Freude machen. Ein Medium, das die eigene Inspiration beflügelt und die Neugier befeuert.

Beharrlicher Multiplikator

28.11.20 (Robert Göstl) -
Friedrich Krell starb am 21. Oktober 2020 im Alter von 92 Jahren in Wernigerode. Das Ende seiner Chorleitertätigkeit 1996 liegt lange zurück, so dass heutigen Insidern der Chorszene dieser Name nicht mehr unbedingt viel sagt.

Die Sphinx des Chansons

30.09.20 (Viktor Rotthaler) -
Sie war die große „Erscheinung“ der Nachkriegszeit, die „Muse“ der Existentialisten um Sartre und Camus, die auch Liedtexte für sie geschrieben haben: die Gréco. Eine ganze Generation freilich hat sich in den sozialen Medien zuerst an ihren unheimlichen Auftritt als Phantom des Louvre in der Serie „Belphégor“ Mitte der Sixties erinnert. Damals spukte die wahre „Lady in black“ auch in vielen deutschen Fernsehshows herum, in denen auch Gilbert Bécaud und Charles Aznavour ihre Lieder sangen.

Universalist mit Tiefe

30.09.20 (Andreas Kolb) -
Denkt man an den Bassisten Gary Peacock, dann denkt man auch an Keith Jarrett, als dessen kongenialer Begleiter er ins Rampenlicht des Musikbusiness rückte. Für Peacock, der erst im Alter von 42 Jahren mit Keith Jarrett und Jack DeJohnette das legendäre Über-Trio des modernen Jazz mitbegründete, war diese Konnotation Auszeichnung und Stigma zugleich.

Vermittler, Zusammenfasser und Spurensucher

30.09.20 (Uwe Rasch) -
Nicolas Schalz kam ursprünglich aus Fouhren in Luxemburg, aus sogenannten einfachen Verhältnissen und einem eher katholisch-engen Ambiente. Sein Vater war während des faschistischen deutschen Überfalls und der Besetzung des Landes Widerstandskämpfer und im KZ gewesen – und überlebte. Bei einer Exkursion in sein Geburtsland zeigte uns Nico einmal, wo er als Kind Erschießungen beobachtet hatte.

Die gegenseitige Bereicherung von Kunst und Leben

11.09.20 (Stefan Drees) -
„Wer jemals erlebt hat, mit welcher Ruhe und Gelassenheit, aber auch mit welch besessener Groß-Ohrigkeit er ein hängendes Becken mit einer elektrischen Zahnbürste bespielt, der wird fürderhin davon überzeugt sein, dass es die eigentliche Bestimmung der Zahnbürste ist, jenes Metallinstrument aufs Schönste zum Singen zu bringen.“ Mit diesem Satz eröffnete Gordon Kampe 2015 einen Essay, in dem er Matthias Kaul in gleichem Maße als versierten Interpreten wie als leidenschaftlichen Klangforscher und Komponisten würdigte – als Künstler, der sich mit den technischen oder ästhetischen Beschränkungen des traditionellen Instrumentariums nicht zufrieden geben wollte, sondern darauf bedacht war, dessen Möglichkeiten experimentell zu erkunden und um neue, bislang ungedachte Facetten zu bereichern. Folglich schuf Kaul – oftmals unter Rückgriff auf Alltagsgegenstände – zahlreiche skurrile Klangerzeuger, deren Bauanleitungen er ins Internet stellte, um damit den Weg zur weiterführenden Erkundung dieses Instrumentariums an die Allgemeinheit weiterzugeben.

Il Maestro

27.08.20 (Viktor Rotthaler) -
Er war neben Bernard Herrmann der Kinomusiker par excellence: Ennio Morricone. Innerhalb von sechs Jahrzehnten hat er rund 500 Filme orchestriert. Sein Name ist verbunden mit den großen Regisseuren des italienischen Kinos, von Leone über Argento und Petri bis zu Pasolini. Nachdem ihn 1985 der Jazzer John Zorn mit „The Big Gundown“ für sich entdeckt hatte, wurde der experimentelle Filmmusiker – lange vor Tarantino! – auch von der Popszene entdeckt. Und dabei war es sein Werk jenseits von „Spiel mir das Lied vom Tod“, das nun plötzlich auch in Diskotheken erklang. Stücke, die manchmal der „Neuen Musik“ näher standen als dem Pop.
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