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Alle Artikel kategorisiert unter »Oper«

Die politisch-moralische Brisanz des Privaten

28.02.18 (Juan Martin Koch) -
Wie der dritte Satz von Mahlers erster Symphonie geht es los. Aber als fahles Kontrabassthema ist nicht „Bruder Jakob“ zu hören, sondern eine Moll-Variante des Deutschlandliedes… Martin Heidegger, frisch in die NSDAP eingetreten, hält dazu seine berüchtigte Freiburger Rektoratsrede von 1933.

Im schmerzlichen Bewusstsein der eigenen Endlichkeit

31.10.17 (Corina Kolbe) -
Eine kahle Häuserfront, an deren linker Seite sich ein Innenraum öffnet. Eine Familie sitzt am Tisch und bangt um das Leben einer der Töchter, die nebenan schwerkrank im Kindbett liegt. Nur der blinde Großvater spürt den Tod, der als unsichtbarer Eindringling bereits im Haus ist. Mit Maurice Maeterlincks Drama „L’Intruse“ beginnt Aribert Reimanns neunte Oper „L’Invisible“, die Anfang Oktober in der Regie von Vasily Barkhatov an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt würde. Ebenso verstörend wie das karge Bühnenbild von Zinovy Margolin ist auch die Musik in Reimanns neuem Werk, das auf drei Theaterstücken des belgischen Symbolisten basiert.

Hokuspokus, gutes Spiel

29.08.17 (Andreas Kolb) -
In der Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins „Musiktheater“ stand 2015/16 Mozarts „Zauberflöte“ mit 27 Inszenierungen in Deutschland wieder an erster Stelle, vor Humperdincks „Hänsel und Gretel“ (26 Inszenierungen) und Bizets „Carmen“ (21 Inszenierungen). Mit der Inszenierung von Corinna Tetzel schloss sich im 56. Jahr ihres Bestehens die Internationale Opernakademie Weikersheim diesem Trend an.

Never Give Up

02.04.17 (Burkhard Baltzer) -
In Stuttgart wütet ein Fiesling: Er heißt Polinesso und kippt beinahe das verfaulte englische Theater- und Gesellschaftsmodell des ersten Drittels vom 18. Jahrhundert. Anlass ist der Plan des machtgeilen Polinesso, der mittels einer sexuellen Intrige das Glück des zur Herrschaft bestimmten Tronfolgers von Schottland zu zerstören trachtet und damit das künftige Königspaar an den Rand des Todes treibt. Polinesso selbst will König sein und die Königstochter besitzen. Ausgehend von der klugen Inszenierung dieses Opernstoffs wäre es spätestens jetzt nicht nur eine gemeine, sondern eine echte Teufelstat, wenn dem Stuttgarter Opernhaus samt Chor nicht am 7. Mai die Auszeichnung „International Opera Award“ verliehen würde – gerade wegen dieser jüngsten Premiere von Händels „Ariodante“. Nominiert sind neben Stuttgart die Häuser in Houston, Lyon, Vlaanderen, das Royal Opera House und das Teatro alla Scala.

Schwulenhetze als Musikdrama

07.03.17 (Peter P. Pachl) -
Ob die enge Männerfreundschaft zwischen dem historischen Edward und Gaveston zu Anfang des 14. Jahrhunderts tatsächlich sexueller Natur war, ist umstritten. Aber insbesondere der Kultfilm von Derek Jarman machte den mittelalterlichen englischen König Edward II. zu einer Ikone der Schwulenbewegung. Wie Jarmans Film, so basiert auch das Libretto von Thomas Jonigk auf Christopher Marlowes Drama, obendrein auf historischen Quellen des 14. und des späten 16. Jahrhunderts.

Eine fatal weitreichende Affäre

07.03.17 (Gerhard R. Koch) -
Kaum ein Name hat sich so paradox ausgewirkt, wie der, den Richard Wagner für seine Bayreuther Villa erkor: „Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.“ Es mag sein, dass der ruhelose verfolgte Revolutionär, unbeirrbare Komponist und Schriftsteller hier tatsächlich endlich seinen „sicheren Port“ erreicht zu haben glaubte. Doch ausgerechnet dieser als Ruhepunkt beschworene Ort mutierte ins Gegenteil, wurde zum Sammelbecken von Wahnvorstellungen skurril-schrecklichster Art: Rasse, Volk, überlegene weiße, sprich germanische Kultur, Lebensborn, das „Gesamtkunstwerk“ als Religionsersatz addierten sich zum braunen Gebräu für alle möglichen Chauvinisten und Antisemiten, die da meinten, wer von diesem koste, der würde zum unbesiegbaren Helden – wie Obelix nach dem übermäßigen Genuss des Zaubertranks von Miraculix. Nur, dass dies auf das kleine Gallier-Dorf beschränkt blieb. Während von Bayreuth aus der Größenwahn befeuert wurde, der in NS-Staat und Zweiten Weltkrieg führte.

In Pampers zum Inferno

03.02.17 (Michael Scheiner) -
Die Produktion von Moritz Eggerts Oper „Freax“ im Herbst 2007 im Rahmen des Internationalen Beethovenfestes Bonn endete im Eklat. Nach der Regieverweigerung Christoph Schlingensiefs wurde die Oper konzertant uraufgeführt, mit einem Film Schlingensiefs als Pausenkommentar.

Wandern ohne Wege in Shakespeares „Globe“

05.10.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
Beim Eintritt muss man seine Schuhe abgeben. Gegen Söckchen und eine Nummer. Im Zuschauerraum, von den üblichen Plüschsitzen leergeräumt, liegen Matratzen, Kissen, stehen winzige Dreieckshocker, normale Stühle und für die, die es doch noch brauchen, auch zwei Reihen normaler Theatersitze. Das Ganze um- und aufgebaut nach dem Vorbild des runden Shakespeare’schen „Globe“.

Auf der Suche nach dem verlorenen Gesang

09.07.16 (Juan Martin Koch) -
„Seit Ewigkeiten hatte ich den Plan, ein Buch zu schreiben, das mit diesem Satz anfangen sollte. Das einzige Problem war nur: Wie sollte es danach weitergehen?“ Es dauert einige Zeit, bis dieser erste Satz als Einblendung über der Bühne steht. Immer wieder ruckelt der Computercursor löschend zurück, setzt der unsichtbare Autor neu an.

Wie eine wildgewordene Jukebox im Zufallsmodus

05.07.16 (Juan Martin Koch) -
„Die atopische Musik steht über allen Stilen, sie amalgamiert alles und sucht nach der Wahrhaftigkeit in Allem: dem Banalen, dem Raffinierten, dem Albernen, dem Kitschigen. […] Die atopische Musik will immer […] die Summe aller Musik sein. Die atopische Musik weiß, dass diese Summe nie möglich ist, da sich unter ihr immer wieder ein neues Fenster öffnen kann, das einen neuen Blick eröffnet.“
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