Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Oper«

Die letzte Dunkelheit betrifft alle

05.07.16 (Frieder Reininghaus) -
Das Musiktheater rückt dem Koma zu Leibe – jenem Zustand, in dem die tief Weggetretenen und in den meisten Fällen schon definitiv Entschlafenen auch durch starke äußere Stimuli wie Liebes- und Schmerzreize, durch chemische Keulen oder laute neue Musik nicht mehr geweckt werden können. Für die ungemütliche Annäherung an den „letzten Schlaf“ sorgen der österreichische Autor Händl Klaus und der Komponist Georg Friedrich Haas in der Idylle des Schwetzinger Schloss-parktheaters. Zum dritten Mal begaben sie sich in die Grenz- und Grauzonen von schwerbeschädigtem Leben und mehr oder minder schrecklichem Sterben.

Die Indifferenz der Gewalt

03.05.16 (Martin Hufner) -
Nach langer Zeit wieder eine Opernuraufführung am Theater Magdeburg. Und was für eine: ein archaischer Stoff aus dem Alten Testament mit vielen Fragestellungen, die unmittelbar bis in die Gegenwart reichen, in ein Libretto gefasst von Christoph Hein, einem der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Dazu Musik von Sidney Corbett, die auf ihre Art radikal eine eigene Sprache ausbildet – und nicht spätpostmodern Anleihen an vorverständigte Inhalte oder Stile anknüpft. Die Musik Corbetts bleibt sich selbst bis ins Innerste treu.

Szenisches Konzentrat

03.05.16 (Hans-Jürgen Linke) -
Heimatlosigkeit hat viele Erscheinungsweisen, Disziplinlosigkeit kann eine davon sein. In der Oper „Benjamin, dernière nuit“ fragen die Mandarine der Frankfurter Schule, angespornt von Max Horkheimer, den getriebenen Walter Benjamin mit inquisitorischem Gestus, in welcher Disziplin er eigentlich arbeite: Historiker? Kunsthistoriker? Zionist? Architekt? Marxist? Theologe? Von allem ein bisschen, antwortet, eher ratlos als großspurig, Walter Benjamin in Régis Debrays Libretto.

Expedition ins ewige Eis der Breitwandoper

01.03.16 (Juan Martin Koch) -
Im ewigen Eis erwartet uns vor allem eines: unser eigenes Ich. Zu diesem wenig überraschenden Schluss kommen Miroslav Srnka und sein Librettist Tom Holloway bei ihrem Blick auf die konkurrierenden Antarktis-Expeditionen Robert Scotts und Roald Amundsens. Ihre Oper „South Pole“, die in München uraufgeführt wurde, hat dort ihre überzeugenden Momente, wo sie sich auf die Innenschau konzentriert und klar zu machen versucht, was eine solche Extrembelastung mit einem anstellt.

Grauen und Verwüstung finden im Kopf statt

02.02.16 (Verena Fischer-Zernin) -
Wie schön darf ein Kunstwerk sein, das ein schreckliches Ereignis zum Gegenstand hat? Die Frage hat seit jeher die Gemüter bewegt, man denke etwa an die exquisite Darstellung der Leiden Jesu in den Bach’schen Passionen. Wer die Staatsoper Hamburg nach der Uraufführung von „Stilles Meer“ verlässt, dem kann sie schon einmal in den Sinn kommen.

Mit Rockmusik in den Olymp

27.09.15 (Dieter David Scholz) -
„What would Zappa do?“ … hieß eine Uraufführung an Berlins „außergewöhnlichster“ Opernbühne, der Neuköllner Oper. Dort haben sich Sommer Ulrickson und Moritz Gagern mit Frank Zappa als Musiker, Mensch und als Figur der Zeit- und Musikgeschichte auseinandergesetzt. Dabei geht es „um Probleme gegenwärtiger Politik, um Fußball, ums Bier, vor allem um Sex, das Hauptthema Zappas“.

Die Bilder bleiben der Musik überlassen

27.09.15 (Hans-Jürgen Linke) -
Dem landläufigen Irrtum, das ganze Theater fange erst an, wenn drinnen der Vorhang hochgehe, begegnet eine riesig aufgeblasene rosa Puppe auf dem Platz vor dem Frankfurter Opernhaus. Sie blickt ins erste Stockwerk, wo hinter der gläsernen Fassade aufgereiht das Publikum auf Stühlen sitzt. Es kann der Puppe keine Schwefelhölzer abkaufen, blickt ihr nur in die aufgemalten Augen und schaut zugleich auf die Stadt draußen, dem Ort der eisigen Gefühlskälte, von der Helmut Lachenmanns Musiktheater „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ handeln wird.

Das Grauen im Schafspelz

27.09.15 (Dirk Wieschollek) -
Der amerikanische Komponist Frederic Rzewski hat sich als Pianist und Komponist bemerkenswerter Klaviermusik in die Geschichte der zeitgenössischen Musik eingeschrieben. Ein Stück wie „The People United Will Never Be Defeated!“ erweiterte 1975 aber nicht allein die Möglichkeiten des Klavierspiels, sondern machte als Variationenzyklus über ein chilenisches Protestlied auch einen wesentlichen Aspekt in Rzewskis Schaffen evident: das politische Engagement.

Der Nahostkonflikt, in eine Nussschale gegossen

27.09.15 (Verena Fischer-Zernin) -
Als Georges Delnon und Kent Nagano im April ihre Pläne für ihre erste Saison als Leitungsduo der Hamburgischen Staatsoper vorstellten, da kündigten sie an, das Haus künftig mehr in die Stadt hinein zu öffnen. Zum Eröffnungswochenende haben sie im Wortsinne ein Zeichen gesetzt: Bis Mitte Oktober leuchtet an der Stirnfassade das farbschillernde Traumgespinst „Light Flow | Light Stream“ der Lichtkünstlerin Rosalie. Und die Premiere von Berlioz’ „Les Troyens“ wurde zeitversetzt auf eine Großleinwand am Jungfernstieg übertragen.

Tonereignisse im Raum

09.09.15 (Wolfgang Schreiber) -
Wolfgang Rihm, Peter Konwitschny und Ingo Metzmacher – sie stemmen die Eingangspremiere in Salzburgs großräumiger Felsenreitschule und besorgen damit den spektakulären Start eines eher schwachen Festspieljahrgangs. Mit starkem Festspielmotto: Herrschen und Dienen, Macht und Ohnmacht, Unterdrückung und Aufbegehren. Das sitzt allen Opern wie angegossen, nur Konwitschnys Inszenierung von Rihms „Eroberung von Mexiko“ wendet die Dynamik dieses Leitspruchs ganz und gar ins Grelle.
Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: