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Alle Artikel kategorisiert unter »Oper«

Lustvolles Spiel mit Rollenklischees

04.02.14 (Andreas Hauff) -
Ein Chor von Eisbären auf der Bühne ist zweifellos eine Seltenheit. Erstens sind die Tiere von Natur aus Einzelgänger, und zweitens spielt kaum ein Bühnenstück am Nordpol. Doch der Komponist Anno Schreier, der auf der Opernbühne bislang nur durch ernste Sujets aufgefallen ist, hat für das Theater Aachen eine „multinationale Polarkomödie mit Musik“ geschrieben, die haarscharf am apokalyptischen Abgrund zu balancieren scheint. Im Jahr 2015 werden demnach die Zustände in der Antarktis so bedrohlich, dass die Eisbären sich miteinander Gedanken machen.

Bei allem Graus waren wir glücklich

08.12.13 (Barbara Haack) -
1938 hat der tschechisch-deutsche Komponist Hans Krása seine Kinderoper „Brundibár“ geschrieben. Zweimal wurde sie im Prager Waisenhaus aufgeführt, dann kam der Komponist nach Theresienstadt. Dort rekonstruierte er Text und Partitur; die Kinder im Lager probten und spielten die Oper für ihre Mithäftlinge mehr als 50 Mal.

Gedämpfter Schrecken in sensibler Klanghülle

04.09.13 (Frieder Reininghaus) -
Das Festival d’Aix-en-Provence ist zwar kleiner dimensioniert als die Salzburger Festspiele, doch anders als diese oder die Wagner-Festspiele in Bayreuth prägt es derzeit das Musiktheater in Europa nachhaltig und in erstaunlichem Umfang. Gerade auch mit den neuen Arbeiten, die regelmäßig präsentiert werden. George Benjamins auf dem Razo eines Troubadours des 13. Jahrhunderts basierende Oper „Written on Skin“, die Katie Mitchell im vergangenen Sommer in Aix, zwischen Hochmittelalter und Gegenwart changierend, fulminant inszenierte, wurde bereits in der vergangenen Saison von der Staatsoper in München und von dem Theater an der Wien übernommen; die Original-Produktion des von einer kannibalischen Pointe gekrönten Stücks kommt im November auch an die Opéra Comique in Paris. Die Oper Bonn bringt im September Magdolna Parditkas Neuinszenierung heraus. Der weitere Erfolgsweg dieser Beschwörung eines schönen und schaurigen Mittelalters mit effektsicherer moderat-moderner Musik scheint vorprogrammiert.

Diffiziles Gewebe zwischen klaustrophobischen Mauern

04.09.13 (Juan Martin Koch) -
Es könnte der Schädel des Komponisten sein. In der goldenen Truhe wartet er auf den Prinzen von Marokko, einen der erfolglosen Aspiranten auf die Hand der umworbenen Portia. Dass André Tchaikowsky sein Kopfskelett der Royal Shakespeare Company als Requisit vermachte, ist nur ein Mosaikstein in der schillernden, auch düs­tere Seiten einschließenden Biografie des 1982 verstorbenen polnischen Pianisten und Komponisten. Als späte Uraufführung war nun in Bregenz seine Oper „Der Kaufmann von Venedig“ zu erleben.

Klanggewaltiger Bannstrahl gegen Luzifer

04.09.13 (Max Nyffeler) -
Stockhausen, der spekulative Geist, akkurater Musiker und Stifter eines musikalisch-religiösen Ideenreichs, in dem Mythos, Alltagsbanalitäten und kosmische Sicht verschmelzen: Auch sechs Jahre nach seinem Tod spaltet er noch das Publikum. Die erste deutsche Gesamtaufführung von „Samstag aus Licht“ löste neben viel Zustimmung auch Kopfschütteln und Ablehnung aus. Gewiss kein schlechtes Zeichen, wenn ein Kunstwerk Fragen stellt, auf die es keine hurtigen Antworten gibt.

Die Floskeln des berufsmäßigen Trostes

02.07.13 (Frieder Reininghaus) -
Ob er wollte oder nicht, musste oder sollte der Tod bekanntlich lange ein Wiener sein – als hätten die Wortführer in der österreichischen Hauptstadt so etwas wie ein Monopol auf eine bestimmte Sorte schwarzen Humors. Doch auch der in Innsbruck geborene Klaus Händl und der aus Graz stammende Georg Friedrich Haas erweisen sich als Meis­ter des makabren Fachs.

Eine Moderne vom guten alten Schlag

02.07.13 (Frieder Reininghaus) -
Nach der deutschen Erstaufführung der Oper „Don Quichote“ in Kiel 2006 und der Uraufführung von „Lazarus“ 2007 präsentierte das Musiktheater in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt unter der Leitung des GMD Georg Fritsch eine neue große Arbeit des 83-jährigen spanischen Komponisten Cristóbal Halffter: „Schachnovelle“ nach Stefan Zweig.

Fatale Aktualität des Sujets

04.06.13 (Frieder Reininghaus) -
Nach der deutschen Erstaufführung der Oper „Don Quichote“ in Kiel 2006 und der Uraufführung von „Lazarus“ 2007 präsentierte das Musiktheater in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt unter der Leitung des GMD Georg Fritsch eine neue große Arbeit des 83-jährigen spanischen Komponisten Cristóbal Halffter: „Schachnovelle“ nach Stefan Zweig.

Vom Ende der Unschuld

04.06.13 (Elisabeth Richter) -
„Christentum bedeutet Entscheidung“ sagte der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schon 1925, mit nur 19 Jahren. Als Hitler 1933 an die Macht kam, war Bonhoeffer einer der wenigen, der erkannte, was vor sich ging, der den Mut hatte, öffentlich Warnungen auszusprechen („Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“ 1935). Seinen Mut bezahlte Bonhoeffer zunächst mit Rede-, dann mit Schreibverbot, dann mit einer zweijährigen Haft, und zuletzt mit dem Tod nur wenige Wochen vor Kriegsende 1945. Motive und Gedanken aus Bonhoeffers Leben, seine aufrechte Haltung in der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte sind thematisch in die Oper „Vom Ende der Unschuld“ (Musik: Stephan Peiffer, Libretto: Theresita Colloredo/David Gravenhorst) mit eingeflossen. Im Rahmen des 34. Evangelischen Kirchentages wurde die Oper in der Hamburger Kampnagel-Fabrik uraufgeführt.

Projektionsflächen einer utopischen Gerechtigkeit

09.05.13 (Hans-Jürgen Linke) -
Die Idee, dass Oper sich politisch artikuliere oder sogar einmische, hat sich noch nicht ganz rückstandslos aufgelöst, hat allerdings bei einem tagesaktuell verkürzten Politikverständnis zuweilen etwas rührend Obsoletes. Wer allerdings Politik in historischer Perspektive sieht, kann sehr wohl gewichtige Beiträge aus dem Mikrokosmos der Oper erkennen. Das kleine Festival „Justice/Injustice“ der Oper in Lyon versammelte vier Opern, die politische Prozesse reflektieren – Beethovens „Fidelio“, Dallapiccolas „Il prigionniero“, Schönbergs „Erwartung“ sowie das am 27. März uraufgeführte Auftragswerk „Claude“ von Robert Badinter (Libretto) und Thierry Escaich.
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