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Alle Artikel kategorisiert unter »Pop-Rockmusik«

Frankie geht nach Hollywood

01.11.02 (Viktor Rotthaler) -

Swing when you’re winning! Auf seinem Weg nach ganz oben, zum ersten Euro-Millionär der Jauch-Show, musste kürzlich ein Regensburger Musik- und Philosophiestudent folgende Frage beantworten: Woher hat die Popgruppe „Frankie goes to Hollywood“ („Relax“) ihren Namen? Zwei ernsthafte Antworten standen zur Auswahl: Frank Zappa oder Frank Sinatra. Der schlaue Studiosus tippte auf Frankieboy, wegen des „Glamour“-Faktors und seines Hollywood-Oscars. Einen klitzekleinen Teil seiner ersten Million sollte der gewitzte Philosophus deshalb Frank zu Ehren in diese famose 6-CD-Box investieren: „Frank Sinatra in Hollywood“.

Gegen den Strom

01.11.02 (Jürgen Stark) -

Das deutsche Feuilleton hat soeben seinen Geist aufgegeben. Es verschied nach langem Siechtum und hinterlässt nun Millionen degenerierter Leser, die mit den Stempeln „PISA“ und „Rechtschreibreform“ bereits vorher schon deutlich in ihren Zeugnissen gekennzeichnet wurden. Wie konnte es geschehen, dass es zu diesen literarischen Kollateralschäden in zahlreichen, ehemals ehrbaren Redaktionen des Landes kam? Wie kam ein Mann namens Dieter Bohlen ins Feuilleton der FAZ ... ? Warum geht das Abendland vermutlich doch noch unter? Der Reihe nach. In den achtziger Jahren brach die Generation Nix in Magazinen wie Tempo und Wiener auf, um Hedonismus an die Stelle von Linksideologie und schlabberiger Alternativkultur zu setzen. Das hatte durchaus eine gewisse Berechtigung, welche über Inhalte und nicht über eitle Posen zu definieren wäre. Doch das Kind wurde mit dem Bade ausgeschüttet, es ging von einem Extrem ins nächste: Helmut Kohls „geistig-moralische Wende“ fand tatsächlich statt. Jeder Ansatz von vermeintlicher Weltverbesserung wird seither diffamiert und ins Abseits abgewiesen. Höhepunkt dieses ultraschicken Zeitgeistes der 80er war schließlich ein Gewächs namens Tom Kummer, der Interviews mit Superstars simulierte und diesen Betrug an Lesern und medialen Auftraggebern salopp und selbstsicher als „Borderline-Journalismus“ rechtfertigte.

Hits & Clips

01.11.02 (Stefan Raulf) -

Diese Nummer fällt schon auf im Chartsgetümmel mit all seinen modern geklauten Styles. Wobei auch hier gilt: Es ist der Sound und nicht der Song. Der schnurrt als klassische Schmonzette durch seine A/B-Teile, wobei eine Rückung mal wieder den C-Teil vortäuscht. Interessanter ist also das nostalgisch swingende Boogaloo-Feeling, das mit Pianosprengseln und dem lockeren Handclap der suggerierten Liveatmosphäre wie Schmieröl für das behäbige Stück funktioniert. Da die Mannheimer Band seit fast 10 Jahren den alten Rock’n’Roll in ihrer kleinen Szene pflegt, haben die Vertreter des Getränks, dessen Werbespot der Song ursprünglich zierte, gut gewählt: Die Flames haben den passenden Brause-Groove – und jetzt auch das brausefreie Video: Im Pullunder-Retro-Schick schippern sie über den Main bei Frankfurt, klauen sich das Tänzchen aus dem Retro-Film „Sonnenallee“ und beeindrucken süße Mädchen damit. Heile Welt.

Im Schnittpunkt von Orient und Okzident

01.10.02 (Wieland Ulrichs) -

2001 feierte Armenien die 1.700-Jahr-Feier der Christianisierung, wofür zahlreiche Kirchen und Klöster renoviert wurden – erwartete man doch Tausende von Pilgern aus Frankreich, dem Libanon und aus den USA, wo zusammen etwa doppelt soviele Armenier leben wie in ihrer Heimat. Und auf einem Hügel in Yerevan wurde – städtebaulich geschickt vom neoklassizistischen Platz der Republik (ehemals Leninplatz) aus zu sehen – eine besonders große neue Kathedrale mit modernen Elementen und historischen Zitaten errichtet. Der beeindruckende Bau gewährt wie alle armenischen Kirchen im Unterschied zu den Gebäuden der anderen Orthodoxien freien Blick in den Altarraum; die Ikonostasen scheinen die Erfindung jüngerer orthodoxer Kirchen zu sein.

Der Heide in der Südkurve

01.10.02 (Helmut Hein) -

Brit-Pop geht ins fünfte Jahrzehnt – und die alten Helden melden sich zurück. Die Beatles schaffen es noch posthum problemlos an die Spitze der Charts und David Bowie, der die 70er Jahre, die Pet Shop Boys, die die 80er Jahre, und Oasis, die die 90er Jahre verkörperten, sind mit neuen Produktionen auf dem Markt.

Nachschub

01.10.02 (Helmut Hein) -

Es gibt die neue elektronische Musik der verschiedensten Spielarten, die merkwürdigerweise manchmal in Paris oder Tokio, in London oder New York mehr geschätzt wird als hierzulande, „in the hood“. Und es gibt natürlich weiterhin, auf höchstem Niveau, die im weitesten Sinn schlagzeug- und gitarrengetriebene Musik, die sich nicht mit dem Studio- oder Klub-Dasein oder momentanen Massen-Events zufrieden gibt, sondern, wie es einst in der programmatischen Tocotronic-Hymne hieß, „Teil einer Jugendbewegung“ sein, also die Welt erzählen und verändern möchte. Diese Musik, die oft so wirkte, als sei sie eigentlich lyrisches Bekenntnis oder Pamphlet, neues Hörstück oder politisches Variété voller Masken und Täuschungen, und die manchmal ein wenig nonchalant so tat, als benutze sie den unverkennbaren „Lärm“, den Sound, der ihr Markenzeichen wurde, nur als Medium, entzog sich der Eindeutigkeit. Mal war sie anarchisch, dann wieder moralisch, mal voller Pathos, dann wieder so ironisch und subversiv, dass sie alle Sicherheiten und Ordnungen auflöste. Das Zentrum dieser Bewegung war Hamburg. Und wer die Anfänge der „Hamburger Schule“ studieren möchte, der hat jetzt dazu Gelegenheit, denn Jochen Distelmeyer und seine Band „Blumfeld“, die einst mit Gymnasiasten-Ernst radikale Selbsterkundung und Weltrevolution in einem existentiellen Projekt der ersten und, wie sie meinten, letzten Stunde verbanden, geben jetzt, da sie, „tausend Tränen tief“, längst im altersweise-abgründigen Pop gelandet sind, drei Singles der Jahre 1991/92 unter dem schwindelnden Titel „Die Welt ist schön“ heraus (bei Zickzack/Indigo). Da gibt es „Sexy“-Klassiker zu hören wie „Verstärker“, mit der längst zum Sprichwort gewordenen Parole „Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg“, aber auch „Sing Sing“ als A capella-Talking Blues und einige B-Seiten-Songs, die man nicht unbedingt kennt beziehungsweise wiederentdecken kann. Manchmal wünscht man sich, das spätere differenzierte, man könnte auch sagen fatal-gebrochene Liedgut im Ohr, die Breitwand-Gitarren-Fronten und heftigeren Distelmeyer-Bekenntnisse zurück.

Hits & Clips

01.10.02 (Stefan Raulf) -

Sarah Connor & Wyclef Jean: One Nite Stand (Of Wolves And Sheep)
Um die deutsche Popsängerin Sarah Connor nun auch in den Staaten zu vermarkten, ist Ex-Fugees Wyclef Jean als Single-Partner und Produzent aber genau der Richtige. Der schneidert ihr eine dem durchschnittlichen Trend angepasste, gleichwohl peppige R&B-Nummer im Staccato-Stil samt im A-Teil signalwirksamen Zwei-Ton-Schnellgesang auf den Leib. Zwischendurch räumt er das mit Synthi-Streichern, Backgroundchor und Percussion vollgepackte Arrangement etwas auf, um ihr im B- und vor allem C-Teil Platz für die notwendigen Vocal-Koloraturen zu schaffen (und um sich selbst einen kurzen Rap zu gönnen). Thematisch nimmt der Song Connors grobes Sexappeal-Image samt den „Sind sie auch privat zusammen?“-Gerüchten auf und untermauert das per Video aufwendig mit dem durch Kinohits wie „Blade“ etablierten „Zombies in der Glamourdisco“-Sujet.

Die Marsmenschen spielen nicht mehr

01.09.02 (Marcus A. Woelfle) -

„Ain’t but a few of us left,“ erklärte er vor sechs Jahren nachdenklich schmunzelnd. Das war nicht nur eine Anspielung auf den Titel eines Albums, das Ray Brown mit Milt Jackson einspielte, es war die Lebenswirklichkeit in den letzten Schaffensjahren des Bassgiganten. Von Ella Fitzgerald bis Charlie Parker hat er die meisten Weggefährten seiner Generation überlebt. Und im Gegensatz zu vielen Genossen, die ihn nun überleben, etwa Barney Kessel oder Oscar Peterson, verfügte er über eine so robuste Gesundheit, dass er bis zuletzt auf uneingeschränkt hohem Niveau musizieren konnte. Ihm war das vergönnt, was man landläufig einen „schönen Tod“ nennt: Am Vorabend war er aufgetreten. Nach einem Golfspiel hatte er sich vor dem nächsten Konzert hingelegt, für einen Schlummer, aus dem er nicht mehr erwachen sollte.

In der Session entsteht erst die Musik

Im wunderschönen Sonnenuntergang auf einer saftigen Wiese hinter dem Fürstenfelder Kloster standen uns anlässlich des Jazzfestivals Mo’Vibes drei der DePhazz-Köpfe, Pat Appleton (voc), Karl Frierson (voc) und Otto Engelhardt (tb) zur Verfügung und sprachen über Bayern, Jazz und die damit verbundenen Vorurteile.

Branchenguide der Popkultur

01.09.02 () -

Der Autor und Journalist veröffentlichte bisher insgesamt 15 Bücher zu kulturpolitischen und popularmusikalischen Themen. Gemeinsam mit Dieter Gorny, dem Vorstandsvorsitzenden der VIVA Media AG, gibt er als Chefredakteur das jährlich (seit 1998) erscheinende „jahrbuch pop & kommunikation“ in der Verlagsgruppe Econ Ullstein List heraus, welches als wichtigstes Standardwerk der deutschen Musikwirtschaft gilt: sowohl Branchenguide als auch Lesebuch der Popkultur. Das Buch wird von den Verbänden der Musikindustrie (Bundesverband Phono, IFPI und Deutsche Phono-Akademie) offiziell unterstützt. Im November 2001 erschien dieses Werk erstmals mit neuem Titel und erweitertem Konzept beim Rowohlt Verlag: Jahrbuch Popkultur 2002/2003.

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