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Alle Artikel kategorisiert unter »Pop-Rockmusik«

Nachschub

01.06.02 (Helmut Hein) -

In den frühen 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfindet Jean Paul Sartre den Existenzialismus: als stummer Flaneur und Beobachter in den Cafés der großen Pariser Boulevards; als aus dem Leben vertriebener Junglehrer in der kleinbürgerlichen Öde und Enge der Provinzstädte; und in nächtelangen Gesprächen mit Simone de Beauvoir. Aus einer ins Detail verliebten Phänomenologie des Alltags entsteht eine Philosophie, die Daseins-Exegese zum Lifestyle-blueprint macht.

Hits & Clips

01.06.02 (Stefan Raulf) -

Gerade dachte man noch, der Trend zur Neuen Deutschen Welle klänge wieder ab. Da prescht dieses sich so wild gebärdende Quintett aus den von der Industrie gut observierten Berliner Hinterhöfen hervor. Mia klonen den Sound der Band Ideal eins zu eins, vom stampfenden Uptempo-Beat bis zur Rhythmus-Gitarre, die die unbetonten Zählzeiten als Ska-Referenz markiert. Und die Sängerin, die sich Mieze nennt, krakeelt sich ihrem Namen entsprechend kratzbürstig und rotzig durch die simple Hauruck-Nummer, die aus Versatzstücken wie „Keine Zeit zu verlier’n“, „Du weißt es wird passier’n“ doch nur eine diffuse Mahnung an den trägen Lover vom Stapel lässt. Wer den kurzen Texteinlassungen „Achtung: Ehrlich!“ glaubt, der wird in diesem Lied auch ein authentisches „Berlin-Feeling“ nachvollziehen wollen. Alle anderen erkennen, dass jede Berliner Straßenkreuzung mittlerweile ihre eigene Klischeekultur in sich birgt.

Und flinke Hände tanzen über das Vinyl...

01.06.02 (Stefan Pieper) -

Bandleader Mathias Rüegg mag die Inszenierung seiner Führungsrolle überhaupt nicht. Meist steht er lässig am Bühnenrand, und wenn er gestisch ins Geschehen eingreift, dann ist auch dies ein entspannter Gegenpol zur Aufsehen erregenden Präzision „seines“ Vienna Art Orchestras, das beim 31. Moers-Festival sein 25. Bühnenjubiläum feierte.

Nachschub

01.05.02 (Helmut Hein) -

Alte Männer, ältere Genres: Was tun, wenn die Ideale den „winds of change“ nicht standhalten und kollabieren – und wenn der physische Verfall dafür sorgt, dass selbst die klarsten Gefühle und hellsten Erregungen als dumpfe Sentiments, ja Ressentiments ihr Wiedergängerleben führen? Für Neil Young stellt sich, scheinbar, diese Frage nicht. Seine Hipness bestand, für Pop-Theoretiker wie für Hardcore-Fans, immer schon darin, dass er wie aus allen Zeiten und Zusammenhängen herausgefallen daherkam. Tapferkeit vor den Freunden hieß seine Devise: Er fand bereits in den 70ern AKWs gut und die No-Nukes-Bewegung nicht nur gedanklich bescheiden, und wie der andere Pate der Punks, Iggy Pop, konnte auch er Ronald Reagan einiges abgewinnen. Die Interpreten von Youngs lyrischen Verlautbarungen taten sich stets schwer: Wo die einen den Maestro popmythologischer Verdichtung am Werk sahen, entdeckten die anderen nur einen „terrible simplificateur“. Der Charme seines „rockin‘ in the free world“ bestand in der Nicht-Festlegbarkeit: klare Worte, die rasch ausfransten, wenn man sie zu genau in den Blick nahm. Was jedem anderen geschadet hätte, das Chamäleonhafte in den Haltungen, der virtuose Wechsel zwischen den Genres und Bands, das mehrte nur Neil Youngs Ruhm. Je virtuoser er an seinen Netzwerken strickte, desto mehr erschien er als großer Einzelgänger.

Hits & Clips

01.05.02 (Stefan Raulf) -

KC Da Rookee Feat. Afrob, Samy Deluxe und D-Flame: Four Fists
Unterm Strich geht es auch bei dieser HipHop-Nummer mal wieder um das Eine: Die Posse hält zusammen, sie sind die besten Rapper und vereinen sich gegen die, die ihre Party stören. „Einer für alle, alle für einen. Dap-dadadaaah!“ Dass dafür das Bild der Musketiere nicht schon häufiger benutzt wurde, verwundert beinahe. Nun, der in Berlin lebende Brite KC Da Rookee, der bürgerlich auch nicht schlecht, nämlich Kirk Douglas heißt, hat’s gemacht, und die deutschen Co-Stars spielen lustvoll mit. Zu einem nicht neuen, aber majestätischen Beat, den Produzent DJ Desue (im Video der Kardinal) auf jedem Schlag mit einem vollmundigen Orchestertusch-Sample ausgestattet hat, rappen die vier Rauf- und Saufbrüder sich durch die Strophen. Die unterschiedlichen Stimmen und Styles sorgen dabei für die minimale Abwechslung im Arrangement. Das scheint sowieso nur in Symbiose mit dem Video gedacht zu sein: Die Bilder liefern die Stuktur, die Dramaturgie, den Witz, die Action.

Ehrwürdige Koryphäen, echte Entdeckungen

01.05.02 (Ralf Dombrowski) -

Wenn man es genau nimmt, in das Festival „Jazz Lines“ inzwischen Münchens einziges wirkliches Jazz-Festival. Sicher, da gibt es noch den Rumpf-Klaviersommer, der als verschlankte Variante des ursprünglichen Spektakels im Bayerischen Hof fortgesetzt wird. Und auch die Jazzmusiker-Initiative J.I.M. lädt immer wieder zu einem eigenen Konzerttreffen ein. Der Vorstellung eines Festivals jedoch kommt „Jazz Lines“ am ehesten entgegen.

Gleichzeitig verrückt und zuverlässig

01.05.02 (Andreas Kolb.) -

Vor genau 25 Jahren gründete Mathias Rüegg das Vienna Art Orchestra (VAO). Aus diesem Anlass führte die neue musikzeitung ein Interview mit dem Leiter des so genannten „Flaggschiffs des europäischen Jazz“.
 
neue musikzeitung: In den 80ern hieß ein Album „Suite for the green eighties”, heute nennen Sie Ihr jüngstes Album „art & fun“ (Emercy/Universal). Welche Veränderung hat das VAO durchlaufen?
Mathias Rüegg: Das Orchester hat zweifelsohne einen Reifeprozess durchlaufen. Aus der Posthippie-Band mit all ihrem Wahnsinn ist ein ernst zu nehmender Klangkörper geworden, der eine Synthese zwischen amerikanischer und europäischer Tradition repräsentiert. Seit zehn Jahren schreibe ich nur noch thematische Programme, die sich sehr genau mit einem Thema beschäftigen und dieses von den verschiedensten (subjektiven) Seiten ausleuchten. Die Nummern sind sehr genau auf die Solisten zugeschnitten, und der dramaturgische Ablauf mit der ganzen Visualisierung wird konsequent geplant und umgesetzt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Das heißt, wir haben 20 Tonnen Equipment mit, inklusive Bühne, Licht und Ton. Damit sind wir unabhängig und finden immer dieselben Bedingungen vor.

Wenn es eben so ist, wie es ist

01.05.02 (Sven Ferchow) -

Sportfreunde Stiller? Ja, hab ich schon mal gehört. Irgendwas mit Real Madrid. Genauer gesagt, „so wie einst Real Madrid“. So hieß das Album vor knapp zwei Jahren. Ein Album, das immerhin von 40.000 Menschen legal erworben wurde und zeitlose Klassiker wie die Dalli-Dalli Hommage „Spitze“ oder „Fast wie von selbst“ einem erlesenen Publikum zugänglich machte. Vergleichbar sind die Sportfreunde Stiller nicht. Zeitlich muss man sie allerdings mit Bands wie Tocotronic einordnen.

Dee Dee Bridgewater singt Weill

01.04.02 (Viktor Rotthaler) -

Seit den 40er-Jahren gehören die Lieder des „Dreigroschenoper“-Komponisten Kurt Weill zum „Great American Songbook“. Und doch verbindet die Jazzer eher eine etwas unglückliche Liebe mit den Songs. Losgelöst vom Theaterkontext verlieren sie manchmal ihre Magie. Nur wenige der Lieder aus Berlin und vom Broadway wurden deshalb zu wirklichen Jazzstandards: „Mack The Knife“, „September Song“, „My Ship“ oder „Speak Low“. Die Liste der Interpreten reicht von Bertolt Brecht und Lotte Lenya über Gil Evans und Miles Davis bis zu Charlie Haden und Betty Carter. Zwei geglückte Tribute-Alben – produziert von Hal Willner – führten in den 80ern und 90ern zu einer Weill-Renaissance, an der Jazzer wie Charlie Haden oder John Zorn beteiligt waren. Und nun hat sich also auch Dee Dee Bridgewater an Weill herangewagt. Der „link“ dürfte „Mackie Messer“ gewesen sein, der Gassenhauer, den einst auch „Dear Ella“ verjazzt hatte. Zum verspielten Showstopper gerät ihr der Drei-Groschen-Song auf ihrem Weill-Album „This Is New“ (Verve), „Pink Panther“-Pfotenspuren eingeschlossen. Und natürlich guckt ihr dabei auch „Mack“ Satchmo über die Schulter, was in Ordnung ist. Die großen Balladen werden von ihr leider hier hastig vergeigt, wie „Lost In The Stars“. Bei ihrem „Youkali“-Tango gerät Sehnsucht gar zur Pose. Einst in den 70ern hatte Dee Dee Bridgewater im Musical „The Wiz“ die gute Hexe Glinda verkörpert. Von deren magischen Kräften ist bei dieser herzlosen – und leider auch langatmigen – Produktion nur noch wenig übrig geblieben. Vielleicht bringt Dee Dee Bridgewater Kurt Weill aber live zum Strahlen.

Jazz mit den Augen sehen

01.04.02 (Ursula Gaisa) -

Es gibt Fotografen, die mit einer bestimmten Musikrichtung ihr Leben lang untrennbar verbunden sind und bleiben. Einer davon ist William Claxton, der oben stehendes Foto von Chet Baker mit Muse geschossen hat, das wiederum bereits ein Klassiker der Jazzfotografie ist. Sieht man genau hin, erzählen diese Bilder ganze Geschichten. „Jazz Seen“ heißt demnach der neueste Streich des Schauspielers und Regisseurs Julian Benedikt, der Jazzfans bereits das Highlight „Blue Note – A Story Of Modern Jazz“ bescherte. Claxtons Karriere begann in den 50er-Jahren in seiner Heimat Kalifornien: „Viele Fotografen, die ich kannte, zeigten verschwitzte Musiker mit glänzenden Gesichtern in dunklen, verrauchten Bars. Das war Jazz für die meisten Menschen. Als Kind der Westküste wollte ich aber zeigen, wie die Musiker hier in einer angenehmen, der Gesundheit förderlichen Atmosphäre leben.“ Julian Benedikt stellt in seinem Film Schlüsselszenen aus Claxtons Leben nach und verwebt sie mit einer Auswahl an Originaldokumenten. Diana Krall, Burt Bacharach, Dennis Hopper und Helmut Newton kommen unter anderem zu Wort und schildern ihre Erfahrungen. „Jazz Seen“ bietet einzigartige Einblicke in die Arbeitsweise und Gedankenwelt eines großen Augenmenschen. Den Soundtrack zum Film lieferte übrigens Deutschlands Jazz-Wunderkind Till Brönner (Verve/Universal).

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