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Alle Artikel kategorisiert unter »Pop-Rockmusik«

Jazz mit den Augen sehen

01.04.02 (Ursula Gaisa) -

Es gibt Fotografen, die mit einer bestimmten Musikrichtung ihr Leben lang untrennbar verbunden sind und bleiben. Einer davon ist William Claxton, der oben stehendes Foto von Chet Baker mit Muse geschossen hat, das wiederum bereits ein Klassiker der Jazzfotografie ist. Sieht man genau hin, erzählen diese Bilder ganze Geschichten. „Jazz Seen“ heißt demnach der neueste Streich des Schauspielers und Regisseurs Julian Benedikt, der Jazzfans bereits das Highlight „Blue Note – A Story Of Modern Jazz“ bescherte. Claxtons Karriere begann in den 50er-Jahren in seiner Heimat Kalifornien: „Viele Fotografen, die ich kannte, zeigten verschwitzte Musiker mit glänzenden Gesichtern in dunklen, verrauchten Bars. Das war Jazz für die meisten Menschen. Als Kind der Westküste wollte ich aber zeigen, wie die Musiker hier in einer angenehmen, der Gesundheit förderlichen Atmosphäre leben.“ Julian Benedikt stellt in seinem Film Schlüsselszenen aus Claxtons Leben nach und verwebt sie mit einer Auswahl an Originaldokumenten. Diana Krall, Burt Bacharach, Dennis Hopper und Helmut Newton kommen unter anderem zu Wort und schildern ihre Erfahrungen. „Jazz Seen“ bietet einzigartige Einblicke in die Arbeitsweise und Gedankenwelt eines großen Augenmenschen. Den Soundtrack zum Film lieferte übrigens Deutschlands Jazz-Wunderkind Till Brönner (Verve/Universal).

Judenspanisch und US-Klezmer

01.04.02 (Wieland Ulrichs) -

1492 war in Spanien das Jahr diverser Abrechnungen, und immense Kriegsschulden waren zu begleichen. Dazu erdachten die obsiegenden Christen eine besonders perfide Art von „Religionspflege“: Der recht große Bevölkerungsanteil der Sepharden, der spanischen Juden, sollte entweder zum Christentum konvertieren – oder unter Zurücklassung praktisch allen Besitzes das Land verlassen.

Zeig mir deine Wunde, Liebling!

01.04.02 (Helmut Hein) -

Regime-Wechsel: Wo eben noch die weitgehend anonymen oder jedenfalls ständig ihre Identität wechselnden Sound-Architekten fast unbestritten das Terrain beherrschten, brechen jetzt die Songwriter-Individuen mit ihren angeblich unverwechselbaren Geschichten in die Techno-Universen ein. Eine Revolution im Lande Pop? Ja, aber eine verwirrende. Denn alles bleibt anders.

Sozusagen die Welt in drei Minuten …

01.04.02 () -

Keine Angst, so grimmig, wie sie auf nebenstehendem Foto in die Kamera blicken, sind sie eigentlich gar nicht im wirklichen Leben und auf der Bühne: Bassist D.D. Lowka, Saxophonist Mulo Francel und Komponist und Pianist Peter Ludwig (v.l.n.r., Foto: Alex Heck). Seit fünf, sechs Jahren kennen sich die drei vom Spielen her, und vor ungefähr vier Jahren begannen sie zusammen zu musizieren und ihren einzigartigen Stil zu entwickeln, der vom Chanson, Fado, Tango bis hin zum Musettewalzer alles einschließt. Nmz-Redakteurin Ursula Gaisa sprach mit Peter Ludwig.

Nachschub

01.04.02 (Helmut Hein) -

Zwar altern die Heroen, aber Pop als Genre ist jung. Deshalb ist Pop Revolte, Widerstand gegen die Definitionen, die man immer schon vorfindet, Aversion gegen die Artefakte der Älteren. Jungsein heißt, dass die Erfahrungen und Einsichten der anderen nicht die eigenen sein können. Das Labor des Neuen ist das Kinderzimmer; dort geht es vital und chaotisch zu.
Dass sich Deutschlands derzeit beste HipHop-Posse „Kinderzimmer Productions“ nennt, ist folglich nur konsequent – und zeugt von einem Witz und einer Selbstreflexion, die dem fundamentalistischeren Nachwuchs, der Fehler und Defizite für eine Sache der Erwachsenen hält, meist fehlen. Bei KP ist das Bewusstsein wach, dass Koordinaten und Kategorien relativ sind, gewissermaßen Ansichtssache. „Wir sind da wo oben ist“ (so auch der Titel ihres Virgin-Albums) zitiert die üblichen eitlen Rap-Gesten nur und führt sie durch tautologische Reime ad absurdum: „es ist nicht gerade, wenn es gebogen ist/es ist nicht wo es war wenn es verschoben ist“. Den dogmatischen „Street“-Anspruch „Keep it real“ begegnen sie mit einer fast schon dekonstruktivistischen Kühle und Coolness, die „Realität“ genauso in Frage stellt wie „Wahrheit“. Das Feste verflüssigen, könnte die geheime KP-Devise lauten: das ist das Wesen ihres „Flows“, der deshalb so wunderbar und suggestiv ist, weil er die Katarakte und Brüche nicht scheut. Dort, wo ansonsten meist böse Selbstgewissheit herrscht, schaffen bei ihnen Definitionen Distanz: „reiner neid ist das schlechte das ich über euch sage“. Und während der HipHop oft Hierarchien, mehr oder weniger unbewusst, bestätigt, verpasst einem „Textor“ Henrik von Holtum einen Schnellkurs in Soziologie: „abhängigkeit heißt um erlaubnis bitten müssen.“

Handfeste Einblicke erlaubt

01.03.02 (Wieland Ulrichs) -

Monique Brandily: Kora Kosi – Die Musik Afrikas (170 S., 22 s/w-Fotos, gebunden, 22,50 Euro, Heidelberg: Palmyra Verlag)

Big Band Jazz der Weltklasse made in Cologne

01.03.02 (Michael Brüning) -

Als im Januar 2002 die amerikanische „Recording Academy“ in Los Angeles die Nominierungsvorschläge in verschiedenen Kategorien zum Grammy-Award 2002 veröffentlichte, wurde die Produktionsarbeit der WDR Big Band mit ihrer inzwischen fünften Grammy-Nominierung ausgezeichnet.

Das Glück kennt nur Minuten

01.03.02 (Viktor Rotthaler) -

Sie hatte immer einen Koffer in Berlin, obwohl sie in Ulm geboren wurde, am 28. Dezember 1925: Hildegard Knef. Einen Tag nach der Dietrich im Kalender geboren, deren Koffer nach ihrem Tod tatsächlich wieder in Berlin gela das deutsche Fräuleinwunder par excellencendet war, war sie. Die Dietrich und die Knef, beide waren sie durch die Zeitläufte Amerikanerinnen geworden, die eine wegen ihres antifaschistischen Engagements, die andere durch Heirat. Und beide hatten sich nach einer erfolgreichen Karriere als Schauspielerin dem Chanson zugewandt. Die Dietrich ließ sich ihre Lieder von Friedrich Hollaender & Co. maßschneidern, die Knef dagegen schneiderte sie sich gleich selbst auf den Leib.

Nachschub

01.03.02 (Helmut Hein) -

Nur wer sich erinnert, kann erlöst werden: diese alte jüdische Weisheit bestimmt auch die ästhetischen Strategien der Moderne, von Joyces Weltalltags-Phantasmagorie im „Ulysses“ über Prousts „Recherche“ bis zu Walter Benjamins „Pariser Passagen“. Das ist das eine. Das andere war, seit Nietzsche und Baudelaire, die ewige Wiederkehr; mal als manisch-euphorische Feier des Daseins, mal als depressives Debakel einer haltlosen Existenz, die einer fatalen Fährte folgt. Der späte Freud enthüllte das Geheimnis dieses Gedächtniszwangs: jede Erfahrung, die sich nicht im Bewusstwerden löst, hinterlässt eine bleibende Spur in der Psyche. Was verdrängt wurde, mutiert zur Obsession. Was verleugnet wird, beginnt zu gespenstern. Benjamin löste, während er durch die Passagen flanierte, das Rätsel der Moderne. Das Allerneueste ist das Uralte, das sich in immer anderen Masken präsentiert: als wäre es noch nie da gewesen. Das Modell dieses mythischen „dernier cri“ war für ihn die Mode. In ihr zählt nur, was aktuell ist. Aber der Clou der Saison stammt aus dem Fundus. Up to date ist, was vergessen wurde. So verhält es sich auch in der Pop-Musik. Mehr noch als jede andere Kunst ist sie im Bann des Neuen. Aber das Unerhörte ist nur das, was schon einmal da war – und aus dem Bewusstsein verschwand

Hits & Clips

01.03.02 (Stefan Raulf) -

P.O.D.: „Alive“ (eastwest)
„Ich glaub‘, mich hat ein Bus gestreift“ ist eine Bemerkung, die nicht gerade als Kompliment gilt. Doch das südkalifornische Hardrock-Quartett weiß, dass seine Fans (die sich „Warriors“ nennen) ruppige Umgangsformen mögen, und so lässt es den jugendlichen Hauptdarsteller ihres Videos in beeindruckenden Bildern in einem Unfallcrash durchschütteln. Letztlich scheint das aber nur einen der in dieser Kultur so herbeigesehnten Kicks zu versprechen, wie Surfen, Skaten oder Im-Bahntunnel-Knutschen. Und letztlich wird das im Lied sogar nur als Gefühlsparallele zum Verliebtsein versprochen, denn „Alive“ entpuppt sich als schlichter Lovesong, Zeilen wie „I think I can fly“ sind sogar R. Kelly-kompatibel. Einzig der Sound ist ein anderer: Ob Strophe, Refrain oder kurzer C-Teil, hier geht es um nichts anderes als die „fette Produktion“, um das Schichten von E-Gitarren, deren Klangfülle sich über alle Frequenzen erstreckt – in den Höhen gekrönt vom permanenten Gezischel der Cymbals.

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